Ich gehe die Situation- mittlerweile in die Zentrale geklettert – kurz im Kopf durch, dann steht mein Entschluss.
Neuer Kurs 330 – wir sehen uns den Näherstehenden mal an.
Jeder in der Zentrale hebt – offenbar überrascht – den Kopf, ein leises Raunen ist zu hören.
1WO, Rohr 1 klarmachen und fluten.
Oberfähnrich Kimmelmann ist ebenfalls irritiert, bestätigt aber mit einem
Zu Befehl, Herr Leutnant meine Anweiseung.
Um 11.50 Uhr erscheint das Schiff im Sehrohr.
Schnell schlage ich im Erkennungshandbuch nach.
Ein V&W-Zerstörer, geschätzte Fahrt gute 10 Knoten.
Allerdings ist unsere Position für einen Angriff nicht günstig
Der Zerstörersteht fast direkt voraus und beginnt bereits nach Backbord auszuwandern.
Wenn ich noch zum Schuss kommen will muss es Schnell gehen.
Ruder hart Backbord, neuer Kurs 250. Torpedoeinstellung Magnetzünder, Tiefe 4,5 Meter Geschwindigkeit 44 Knoten – Mündungsklappe öffnen!
Eingestellt, kommt die Bestätigung.
Ich spüre, dass ein Teil der Besatzung ziemlich nervös ist angesichts dieses geplanten Angriffs.
Ruhig Männer. Der Tommy zeigt uns das Heck. Kaum anzunehmen dass er uns oder den Aal ortet.
Rohr 1 – los!
Um 11.52 Uhr an diesem 8. September verlässt der letzte Torpedo das Rohr.
Unmittelbar nach dem Schuss drehe ich mit Hartruder backbord ab, um auf neuen Kurs 45 Richtung Nordosten zu kommen.
Mit einer Wendung nach Steuerbord wäre das zwar schneller gegangen, aber so können wir den Horchkontakt zu dem zweiten Kriegsschiff aufrechterhalten.
Gleichzeitig lasse ich auf 25 Meter abtauchen, damit der Turm nicht versehentlich aus den Wellen kommt.
Aber noch ehe das Sehrohr unterschneidet ist eine Detonation zu hören und zu sehen.
Die Männer in der Zentrale können sich ausrechnen was ich sehe – der Aal ging zu früh hoch.
Ich kann meine Enttäuschung nur schwer verbergen, denke aber auch an die möglichen Folgen.
Frühzünder, Jungs. Sehrohr rein, Schleichfahrt – Ruhe im Boot.
Jeder starrt gebannt auf Bootsmann Karl Creuz am Horchgerät. Wie werden die Briten reagieren?
Creutz konzentriert sich zunächst auf den angegriffen Zerstörer.
Nach einer halben Minute – gefühlt eine Ewigkeit – schüttelt er den Kopf.
Der Gegner hält seinen Kurs, meldet er stirnrunzeld.
Geht nicht mal mit der Fahrt hoch.
Diese offensichtliche Ignorieren des Angriffs durch die zerstörerbesatzung sorgt bei allen im Boot für Erleichterung, gemischt mit Verwirrung.
Auch das zweite geortete Kriegsschiff zeigt nach Angaben unseres Horchers keine Reaktion.
Wir bleiben weiterhin auf Schleichfahrt Richtung Nordosten, während ich mir über die gegnerischen Schiffe den Kopf zerbreche.
Wieso haben sie weder versucht anzugreifen noch mit hoher Fahrt abzulaufen?
Eigentlich müsste zumindest der von uns angegriffene Zerstörer auch die vorherige Versenkung des Frachters mitbekommen haben.
Ist man von einem Minentreffer ausgegangen?
Das würde erklären, dass der Zerstörerkommandant weder angegriffen noch versucht hat, mit voller Fahrt davonzudampfen mit dem Risiko, womöglich selbst in eine Mine reinzurauschen.
Aber unser Torpedo, der als Frühzünder hochging, passt nicht zu einem Minenfeld.
Das hätte man auf dem Zerstörer eigentlich erkennen müssen.
Wie auch immer, so wie es aussieht haben wir das Größste überstanden.
Etwa zwei Stunden später sind die Kriegschiffe endlich nicht mehr zu hören.
Gerade als ich auchtauchen will kommt um 13.58 Uhr eine neue Horchmeldung – ein Frachter in großer Entfernung.
Ich überlege kurz, aber das Schiff ist viel zu weit entfernt um und entdecken zu können.
Zwei Minuten später hebe ich die Schleichfahrt auf und lasse auftauchen.
2WO, erstmal Kurs 90 Richtung Osten.
Funker, Statusmeldung raus. Dieselreserve 55%.
Jawohl Herr Leutnant, antwortet der Funker.
Wird sofort erledigt.
Gut fünf Minuten später wird die Ruhe durch eine der Brückenwachen unterbrochen –
Fliegeralarm!
Zwei Hurricane-Jagdbomber tauchen auf, behalten aber glücklicherweise ihre Bomben für sich.
Vielleich sind sie nicht sicher, ob wir vielleicht ein englisches Boot sind, so dicht vor ihrer Küste.
Wir gehen mit Alarmtauchen in den Keller und können uns langsam absetzen.
Als wir um 15.30 Uhr wieder an die Oberfläche kommen, sind die Flieger weg.
Dafür ist die Antwort auf unsere Statusmeldung da – der Rückmarschbefehl.
Also dann 2WO, direkter Kurs Richtung Wilhelmshaven.
LI, beide Maschinen AK. Wir haben noch genug Brennstoff und ich möchte so schnell aus diesem Gebiet raus wie möglich.
U1 mit voller Fahrt Richtung Heimat
Im Laufe des Tages kommen noch mehrere, für uns jetzt nicht mehr interessante Sichtmeldungen an.
9.09.
Morgens um kurz nach 8 Uhr gehe ich lasse die Maschinen auf halbe Fahrt heruntergehen.
Der Dieselvorrat ist auf 35% gesunken und wir haben die Küsten entgültig hinter uns gelassen.
Mit dem verblieben Brennstoff sollten wir noch gut bis Wilhelmshaven kommen.
Auf Heimatkurs - weit und breit nichts zu sehen.
Auch an diesem Tag gibt es mehrere Sichtungmeldungen.
Eine – hereingekommen gegen Halb 3 – liegt in unmittelbarer Nähe.
Das Schiff sehen wir uns noch an. Falls es unbewaffnet ist könnten wir nach Prisenordnung vorgehen, dafür reicht die 2-cm gerade so aus.
Jawohl Herr Leutnant, ist die Antwort des 2 WO.
Da uns das gemeldete Schiff fast direkt in die Arme fährt, gehen wir frühzeitig auf Sehrohrtiefe und den Frachter herankommen.
Bald sind Details zu erkennen.
Niete, meine Herren.
Ein Neutraler – aus Norwegen!
Wir lassen den Frachter passieren und tauchen am späten Nachmittag wieder auf.
„U-Boot Romantik“
10.09.
Unser voraussichtlich letzter Seetag.
Morgens kurz nach halb 7 erreichen die Dieselreserven die Marke von 25%
Ansonsten ein ruhiger Tag ohne jede Meldung.
11.09.
Morgen kurz vor Halb 3 sind die Dieselreserven auf 10% gesunken.
Bis zum berechneten Einlaufen noch 8 Stunden.
ImSonnenaufgang taucht Wangerooge an Steuerbord auf – fast geschafft.
Gegen Halb 10 erreicht U1 Wilhelmshaven.
Die erste Feindfahrt ist vorbei.
Ergebnis:
4 Frachter mit zusammen 21.684 Tonnen wurden versenkt.
Für ein kleines Boot mit nur 5 Torpedos ein gutes Ergebnis.
Damit steht die Besatzung von U1 nach eineinhalb Kriegswochen auf Platz 1 der Tonnageliste.
Als Belohnung gab es für die Besatzung 2 U-Boot-Kriegsabzeichen und 2 U-Boot-Frontspangen.
Diese wurde an die Bootsoffiziere verteilt.
Die UBK gingen an 1WO Kimmelmann und 2 WO Carlewitz, die UBF an 3WO Friederichs und LI Totenhagen.
Außerdem gab es 1 eisernes Kreuz 2. Klasse, das an Bootsmann Adolf Conrad aus der Brückenwache vergeben wurde.
Desweiteren wurde Bootmann Johann Goldbeck zum Flakschützen ernannt.
Zwar besitz U1 nur eine kümmerliche 2-cm-Flak, mit der nicht viel zu machen ist, aber Bootsmann Goldbeck kann jetzt hoffentlich noch Erfahrung sammeln, die später wichtig werden könnte.