@Siggie und Alith Anar:
Angebot und Nachfrage an einem einfachen Beispiel:
Ihr betreibt die einzige Dönerbude auf einem Festival mit 1000 Besuchern und denkt nur an Profit. Ihr könnt 200 Döner am Tag herstellen. Wie hoch setzt Ihr den Preis? Vermutlich so hoch, wie Ihr ihn setzen könnt, um alle Döner wegzubekommen. Für 10€ würde niemand einen Döner kaufen. Für 1€ (Eure Herstellungskosten) würden alle Besucher lieber Euren Döner als die mitgebrachten Ravioli essen. Für 9€ würden vielleicht 10 Hardcorefans einen kaufen, für 7€ vielleicht 50, für 5€ 200 Leute.
Geht Ihr mit dem Preis weiter runter, würden zwar mehr Leute einen kaufen wollen, Ihr hättet aber nicht genug auf Lager.
Bei 5 € wird der Markt also geräumt: Das ist der Preis, zu dem die gegebene Menge an Dönern auf dankbare Abnehmer trifft, die ihre 5€ nirgends anders besser anlegen zu können glauben. Und zugleich der Preis, zudem Ihr den höchsten Gewinn erzielt: Ihr habt 1000€ umgesetzt und 800€ Gewinn gemacht.
Nun überlegt Ihr Euch für den nächsten Tag Folgendes: Ihr könntet für 50€ jemanden einstellen, der Euch beim Zubereiten und Verkaufen hilft. Nun sind aber nicht alle Menschen geborene Dönermänner wie Ihr. Der Helfer würde also nur 100 weitere Döner herstellen können. Um alle an den Mann zu bringen, müsst Ihr mit dem Preis auf 4€ runtergehen. Euer Umsatz steigt nun auf 1200€, davon gehen nun 300€ für die Herstellungskosten drauf, 50€ müsst Ihr dem Helfer bezahlen: Ihr habt 850€ Gewinn gemacht. Ein gutes Geschäft für Euch.
Dieses Beispiel hat zwei Tendenzen offenbart: Erstens wird die Produktion eines Gutes grundsätzlich eher teurer (es gibt natürlich auch Fälle, wo die Produktion bis zu einer gewissen Größe eher günstiger wird, aber für unser Beispiel genügt die einfache Variante): Neben der Tatsache, dass gute Arbeitskräfte knapp sind, sorgen auch Rohstoffpreise für diesen Trend: Weil eben auch hier die erhöhte Nachfrage dafür sorgt, dass die Preise steigen, weil die Auslese, wer ein knappes Gut bekommt, in der Regel durch den Preis geschieht.
Und nun der Schwung zum Strom:
Die Nachfrage nach knappen Gütern ist in einer Volkswirtschaft grundsätzlich unendlich (wiederum theoretisch, praktisch gibt's Entsorgungsskrupel, was Wir vom werten Pilo gelernt haben), beim Döner (wenn's den umsonst gibt, schade ich mir im Grunde nicht, gleich 10 zu nehmen, ich muss sie ja nicht essen), so auch beim Strom: Wenn ich den Strom geschenkt bekomme, kaufe ich bedenkenlos die stromfressendsten Geräte, fahre ein Elektroauto und jede Bewegung eine Lampe auszuschalten wird unrentabel. (Die gesunden Skrupel eines intakten Menschen mal außen vor.) Insofern gibt es theoretisch nicht "genug" Strom. Ein höherer Preis sorgt einfach dafür, dass Konsumenten, denen Strom nicht so wichtig ist, weniger konsumieren.
Allerdings stimmt's schon, der Strom ist relativ preisunelastisch, zumindest in den Preisregionen, in denen er sich zur Zeit bewegt und für die privaten Verbraucher: In der alten Wohnung der Holden hatten wir zu zweit Stromkosten von ca. 50€ im Monat (Wasser wurde da per Strom im Boiler erwärmt): Wenn man bedenkt, dass da eine ausgiebige Dusche, Kochen, ständiges Internetsurfen mit drin waren: Wir wären für all diese Dinge bereit, weit mehr zu bezahlen, als 25€ im Monat. Gut, eventuell würden Wir Uns bei steigenden Strompreisen zusammenreißen und die Duschzeit verkürzen, hätten schon eher auf Energiesparlampen gesetzt und würden darauf achten, sparsamere Geräte zu kaufen. Vielleicht könnten Wir so ein Drittel des Verbrauchs einsparen, würden aber bei doppeltem Strom dennoch ordentlich draufzahlen.
Andererseits: Für Unternehmen, die sehr energieintensiv arbeiten, ist die "Konsumentenrente" (die sich daraus ergibt, dass der Strompreis weit niedriger ist, als Wir bereit wären, dafür zu bezahlen) geringer: Ein Aluminiumwerk könnte kaum einfach den zweifachen Preis bezahlen und weiterhin rentabel arbeiten. So sorgt der steigende Preis dann doch für eine geringere Nachfrage. Je höher der Preis allerdings steigt, desto höher ist der Anreiz für Unternehmen (oder Privatleute) selbst Strom zu verkaufen: Es werden neue Kraftwerke gebaut (vielleicht solche, die zu den alten Preisen nicht rentabel gewesen wären), mehr Leute klatschen sich Solarzellen auf die Dächer oder Windräder auf die Wiese. So pendeln sich Angebot und Nachfrage dann auf einem höheren Preisniveau ein.
Die Grundlastgeschichte ist eine Besonderheit des Strommarktes, die letztlich nichts an dem Prinzip von Angebot und Nachfrage verändert.
Eldanesh hat geschrieben:Weil alle Einzelfaktoren die zum Strompreis beitragen ode konstant bleiben, aber keiner sinkt: (Zahlen in Klammern= der aktuelle Anteil am Strompreis)
-EEG Abgabe (5%): steigt massiv, auch wenn sie degressiv angelegt ist. Der Verband der industriellen Kraftwirtschaft rechnet mit einer Verteuerung des Börsenpreises für Elektrizität um 90% in 4 Jahren allein durch die Ökostromförderung.Natürlich ein "Lobbyist" dem man nicht unbedignt glauben muss, aber die Richtung sollte hinkommen und wird durch die Praxis bestätigt: trotz Degression ist die Förderung von 8,5 Cent/kWh im Jahr 2000 auf heute 15,4 Cent/kWh gestiegen.
Das ist eigentlich nur ein Zeichen dafür, dass Solarenergie zu hoch, und andere Energiequellen eher zu niedrig gefördert werden.
Für Alarmismus besteht insgesamt jedenfalls kein Anlass:
Wikipedia hat geschrieben:Gemäß den Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) betrugen im Jahr 2007 diese sog. Differenzkosten 4,3 Mrd. Euro und im Jahr 2008 4,5 Mrd. Euro (was ca. 1,1 Cent je kWh bzw. ca. 5 % des Preises entspricht)[45]. Die Kosten stiegen 2010 vor allem deswegen an, weil die Wirtschaftskrise zu niedrigeren Strompreisen an der Börse führte und die Differenzkosten des erneuerbaren Stroms zum konventionellen daher relativ höher waren, und zum anderen, da Netzentgelte miteinberechnet werden, die bislang gesondert ausgewiesen wurden.
Da habt ihr natürlich recht, aber weiter gesponnen: ohne billigen Strom, aka Atomstrom, wäre Japan keine führende Industrienation.
Ach, so viel teurer ist konventioneller Strom nun auch nicht. Wenn Atomstrom so wichtig für Volkswirtschaften wäre: Warum ist Frankreich dann nicht steinreich? Klar, Japan wäre vermutlich bis Fukushima etwas weniger gesegnet mit Materiellem gewesen, und selbst wenn sich dieser zusätzliche Wohlstand ordentlich verzinst hat, in den lJahren, in denen keine große Katastrophe passierte, ist die Bilanz durch Fukushima eine eindeutig negative geworden.
Dann noch eine Frage aus unschuldigem Interesse: Wie lange wird eigentlich der 30-KM-Streifen um Fukushima unbewohnbar sein?
@Protektionismus: Wir müssen ehrlich gestehen, dass Wir durch Euer ständiges Insistieren beim Thema Atomkraft ins Grübeln gekommen sind. Aus einer drastischen Ablehnung dieser Energieart ist bei Uns eine gelassene geworden. In Sachen Protektionismus offenbart Ihr allerdings frappierende volkswirtschaftliche Naivität. Vielleicht können Wir Uns für den von Euch induzierten Erkenntnisgewinn bei Gelegenheit mal revanchieren (an anderer Stelle, allerdings).
Außerdem seht Ihr schon das Argument, dass es sich für China nicht lohnt, deutsche Supertechnik zu kaufen und ein Exklusivrecht darauf zu erwerben, oder?