Erste Reorganisation
Als am Nachmittag des 14. Dezember 1941 ein Patrouillenfahrzeug der niederländischen Marine vor dem Hafen von Soerabaja ein aufgetaucht laufendes U-Boot sichtete, war es von der Ankunft dieses Bootes bereits unterrichtet worden. Das U-Boot führte die Flagge eines Admirals der US-Navy am ausgefahrenen Sehrohr. Es war Admiral Thomas C. Hart, der auf dem U-Boot „Shark“ von Manila aus hierher gekommen war.
Admiral Hart, Commander in Chief der „Asiatic-Fleet“ der US-Navy war hierhergekommen um von Soerabaja aus den Kampf aller zusammengefassten Kräfte gegen den gemeinsamen Feind zu koordinieren. Noch am selben Abend wurde von Großbritannien, der USA, den Niederlanden, Australien und Neuseeland die „ABDA-Flotte“ ins Leben gerufen. Sie war der kleinstmögliche Kompromiss auf den sich die beteiligten Länder einigen konnten: Der gemeinsame Kampf zur See gegen Japan!
Auf dem Papier bildete sich hier eine durchaus ernstzunehmende Streitmacht. Im einzelnen würden bis Ende Dezember 1941 folgende Einheiten ABDA zur Verfügung stehen:
Großbritannien
1 Leichter Träger
1 Schlachtschiff
1 Schlachtkreuzer
2 Schwere Kreuzer
8 Leichte Kreuzer
8 Zerstörer
Vereinigte Staaten
4 Schwere Kreuzer
2 Leichte Kreuzer
12 Zerstörer
Niederlande
3 Leichte Kreuzer
7 Zerstörer
Australien
2 Schwere Kreuzer
2 Leichte Kreuzer
4 Zerstörer
Neuseeland
2 Leichte Kreuzer
Hinzu kam noch 1 französischer Zerstörer, denn die freifranzösische Regierung hatte ihre Mandatsgebiete im Südpazifik an diesem Tage unter amerikanischen Schutz gestellt und der USA volle Verfügungsgewalt über die Stützpunkte, Truppen und Schiffe erteilt.
Soerabaja würde der ABDA-Flotte als zentraler Stützpunkt dienen. Der Hafen verfügte über die notwendige Infrastruktur um eine so große Flotte zu versorgen und einsatzbereit zu halten. Außerdem gab es hier das einzige frontnahe Trockendock in einer relativ sicheren Lage. Hier konnten auch schwerwiegende Schäden bei Schiffen bis zu einer Größe von 8.000 Tonnen, also z.B. leichten Kreuzern, behoben werden.
Auch die U-Boot Waffe sollte neu strukturiert werden. Das Kommando über alle im asiatischen Raum eingesetzten US-Boote hatte der Com-Sub-Asiatic, Captain John E. Wilkes. Der Hauptstützpunkt, Caviete in der Manila Bay, war auf Grund der japanischen Luftherrschaft über Luzon nicht mehr sicher und wurde daher aufgegeben. Captain Wilkes und sein Stab sollten sich in den nächsten Tagen nach Darwin an der australischen Nordküste begeben. Dort sollte das neue Hauptquartier des asiatischen U-Boot-Geschwaders entstehen. Darwin und das weiter westlich gelegene Broome sollten als neue U-Boot-Basen dienen.
Sub-Fleet Asiatic
In Darwin sollten die 1. und 2. Submarine-Squadron stationiert werden, welche ausschließlich aus den älteren Booten der S-Klasse bestanden, die für den Einsatz in dieser Region wie geschaffen waren.
Es handelte sich um insgesamt 12 Boote dieser Klasse, namentlich:
S-18, S-23, S-27, S-28, S-34, S-35, S-36, S-37, S-38, S-39, S-40, S-41
In Broome sollten die 3. und 4. Submarine-Squadron stationiert werden, die aus den niederländischen U-Booten der „K“ und „O“-Klasse gebildet wurden.
Es handelte sich um insgesamt 15 Boote dieser Klassen, namentlich:
K-7, K-8, K-9, K-10, K-11, K-12, K-13, K-14, K-15, K-16, K-17, K-18, O-16, O-19, O-20
Möglich wurde diese Kooperation durch eine Vereinbahrung der niederländischen Kolonialregierung und dem niederländischen Oberkommando mit der australischen Regierung und dem ANZAC-Kommando. Die Ereignisse der letzten Woche hatten den Niederländern schmerzlich vor Augen geführt, dass eine Verteidigung in der Fläche gegen Japan unmöglich sein würde. Hierfür fehlte in der einheimischen Bevölkerung auch der Rückhalt und man befürchtete Aufstände und Überfälle auf das niederländische Militär.
So hatte man kurz nach Ausbruch der Feindseligkeiten mit der Evakuierung der Garnisonen und Unterstützungseinheiten aus Borneo und den Inseln der Celebes-See begonnen. Diese Verbände sollten nach Nordaustralien verlegt werden um den Schutz und die Einsatzbereitschaft der dortigen Häfen zu gewährleisten. Die Truppen in Nordaustralien würden im „North Australia Command“ zusammengefasst. Den Oberbefehl würde der niederländische General Hein ter Poorten übernehmen, der wiederum direkt dem „ANZAC“ Kommando unterstellt war. Die dadurch frei werdenden australischen Verbände würden zum Schutz Westaustraliens abgezogen.
Auf Sumatra sollte Palembang zur Festung ausgebaut und so lange wie möglich gehalten werden. Zu diesem Zweck sagte General Percival auch die Unterstützung britischer Bodentruppen zu, die aus Singapore per Lufttransport dorthin verlegt werden sollten.
Auf Java würden sich die dort verbleibenden niederländischen Bodentruppen auf die Verteidigung von Batavia, Tiljiap und Soerabaja konzentrieren, wobei alle verfügbaren Jägerstaffeln in Soerabaja stationiert werden sollten um diesen Hafen als Flottenstützpunkt so lange wie irgend möglich einsatzbereit zu halten. Hierfür standen ca. 60-70 einsatzbereite Jagdmaschinen zur Verfügung.
Das alles waren aus der Not geborene und mit heißer Nadel gestrickte Pläne aber es war ein Anfang. Noch wusste niemand, wie schnell Japan in Niederländisch Indien vorstoßen würde und ob man dieser Gefahr mit den zur Verfügung stehenden Mitteln begegnen konnte. Allen Beteiligten war jedoch der Wille gemein, sich dieser Gefahr mit allen Kräften entgegenzustemmen.