James 'Pete' Longstreet hat geschrieben:Wir teilen Eure Ansicht nicht, dass eine ehrliche Kriegserklärung in jedem Fall keine anderen Folgen gehabt hätte. ...
Ehrliche Kriegserklärung... Wir haben nur wenig - und keine Bücher aus dem Osten - über den Krieg im Pazifik und seine Ursachen gelesen, meinen aber soweit verstanden zu haben, daß Ende 1941 der US-Führung durchaus bewußt war, daß ein Angriff nicht mehr lange auf sich warten lassen wird - nur mit dem Ziel hat man sich dann reichlich verschäzt, weil man einen Angriff gerade auf Pearl Harbour wohl ziemlich unwahrscheinlich fand; war ja auch Irrsinn mit den paar Flugzeugtrögern, von denen man "wußte", daß sie gegen Dickschiffe nichts anrichten können, quer übers Meer zu schippern. Der Überfall mit erst anschließend erfolgender Kriegserklärung war - zumindest nach Sichtung der aber auch im Umfang und der aktualität nicht wirklich beeindruckenden Sekundärliteratur, die Uns zur Verfügung zum Thema steht - vor allem dem Dilettantismus bei rechtzeitiger Übersendung an den Botschafter bei den US-Amerikanern und der Übersetzung geschuldet und nicht beabsichtigt.
Wir haben aus Unserer Lektüre den Eindruck gewonnen, daß der Ausbruch des Pazifikkrieges auf einer Reihe von Kommunikationsfehlern beruhte: Die Japaner haben nicht so richtig verstanden, was sie denn falsch machen (ein bißchen Imperialismus in China entsprach ja schließlich dem guten Ton, außerdem gehörte aus Sicht eines - chauvinistischen - Teils der Militärführung China eh irgendwie zu Japan) - dabei soll gerade China für die US-amerikanische Öffentlichkeit eine gar nicht so unerhebliche Rolle gespielt haben. Nicht ohne Grund hat der japanische Kaiser doch mindestens einmal seine Rolle verletzt und die Anweisung gegeben, eine Einigung mit den U.S.A. noch einmal zu versuchen. Die U.S.A. bzw. deren Führung haben ausgeblendet, daß sich "die Japaner" als benachteiligte Siegermacht des Großen Krieges, verspätete Nation und nachrückende Großmacht zurückgesetzt fühlten und ihren Rohstoffmangel irgendwie auszugleichen suchten - man wohl ziemlich lange die Möglichkeit ausgeblendet, daß ein Staat aus Gründen der Gesichtswahrung mit dem Rücken zur Wand wahnsinnig genug sein könnte, die anderen Großmächte - hier vor allem eben die U.S.A. und auch das Vereinte Königreich - anzugreifen. Und weil jeder Angriff trotz der bekannten relativen Stärke der japanischen Marine also als Wahnsinn erschien, dachte man, daß Sanktionen die Japaner schon zur Raison bringen würde, obwohl man mit dieser Form der diplomatischen Erpressung "die Japaner" gerade auf dem völlig falschen Fuß erwischte und deren Militärjunta die notwendigen Argumente für die Diskussion (mit den "Tauben" und dem Kaiser) lieferte, warum es ganz doll nötig und unvermeidlich zur Rettung der nationalen Ehre sein soll, Kräg zu führen. Wir meinen den Eindruck zu haben, daß ein anständig informierter Fernostexperte, welcher der US-Führung die Mentalität "der Japaner", also sowohl der politischen Führung als auch der japanischen Öffentlichkeit hätte erklären können und dem man zugehört hätte, den Ausbruch eines Krieges hätte verhindern können.
"Grant stood by me when I was crazy, and I stood by him when he was drunk, and now we stand by each other always." William Tecumseh Sherman