Eigentlich nicht, zumindest nicht kurz- oder mittelfristig. Die Finanzierungslücke bleibt erstmal, wobei auch die Rentenreformen letztendlich auch nicht das Ziel hatten, die Finanzierungslücke gänzlich zu beseitigen, sondern (a) die Beitragssätze der Beitragszahler auf lange Zeit (bis 2030) zu stabilisieren, (b) ein allzu starkes absinken des Rentenniveaus, welches auf der gesetzlichen Rentenversicherung basiert zu verhindern und (c) den künftigen Rentnern den Aufbau eines zusätzlichen Kapitalstocks zu ermöglichen.Nebukadnezar hat geschrieben:Hat es das Problem behoben?
Das Ziel das Rentenniveau zu halten, bzw. zu stabilisieren trägt natürlich nicht zu einer besseren Bezahlbarkeit des Systems bei. Was allerdings dazu beiträgt, ist die Abschwächung der Rentendynamik. Die Renten sind nun nicht mehr so stark an die Entwicklung der Löhne gekoppelt, was die Finanzierung zumindest kurzfristig erstmal entlastet.
Im Prinzip besteht die Finanzierungslücke aufgrund dreier Entwicklungen, die zwar schon bekannt sind, ich erwähne sie der vollständigkeithalber trotzdem:
1. Rückgang regulärer sozialversicherungspflichtiger Stellen
2. Anwachsen der Bevölkerungsgruppe älterer Menschen
3. Ältere Menschen werden immer Älter
Während also auf der Einnahmenseite Verluste zu verzeichnen sind, wächst sowohl die Zahl der Empfänger und die empfangen auch noch länger. Also entweder erhöht man die Einnahmen oder man begrenzt die Ausgaben.
Die Einnahmen erhöhen, kann man entweder, in dem man die zu zahlenden Beiträge (derzeit bei 19,9%) erhöht und/oder die Zahl der Beitragszahler erhöht (bspw. über Ausbau sozialversicherungspflichtiger Stellen, Erhöhung der Frauenerwerbsquote, Erhöhung der Erwerbsquote älterer Menschen oder über Einbezug von Personengruppen, die bisher nicht in die GRV eingezahlt haben). Zusätzlich würde die Zuwanderung von Fachkräften helfen.
Die andere Alternative wäre, logischerweise, die Ausgaben zu begrenzen. Dies wird bspw. dadurch möglich, in dem man die Rentenansprüche höhenmäßig oder zeitlich (bspw. gekoppelt an die Beitragszeiten) deckelt. Alternativ kann man auch die Ansprüche aufgrund nicht-reguläre Beitragszeiten begrenzen oder streichen. Unter letztere fallen Erziehungszeiten, Zivildienst, Zeiten zur Pflege von Pflegebedürftigen, Ausbildungszeiten, etc. Vor allem die Ansprüche auf letztere wurde in den letzten Jahren stark beschnitten.
Der Weg der bisher beschritten wurde, ist ein Mittelweg, um zu starke negative Auswirkungen auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu vermeiden.
Die Rente stark zu kürzen ist nicht so einfach. Schließlich wurden die Ansprüche auf Basis des Äquivalenzprinzips erworben. Für das, was der Beitragszahler im Laufe der Jahrzehnte eingezahlt hat, erhält er auch einen entsprechenden Betrag heraus. Das System und damit die Finanzierbarkeit, krankt nicht an dieser Funktionsweise an sich, sondern am Gesamtmissverhältnis zwischen Beitragsleistern und Rentenempfänger.Nebukadnezar hat geschrieben:Wurde z.B. gesagt: 'Rentner: ihr bekommt gerade viel zu viel ausgezahlt, so dass der Staat Deutschland sogar Schulden aufnehmen muss um eure Rente zu bezahlen? Also muss die Rente stark gekürzt werden. Schon jetzt wird niemand mehr soviel ausgezahlt bekommen wie einer von euch'.
Nein, wurde nicht gemacht. Wäre wahrscheinlich auch politischer Selbstmord gewesen. Dieser *Konsum* wird durch Schulden finanziert.
Auch wenn das Rentensystem nicht für alles verantwortlich ist: das wäre ein Problem gewesen, das wir hätten alleine lösen können. Wollten wir nicht.
Das Einzige, was nicht oder nur teilweise auf dem Äquivalenzprinzip basiert, die aber auch von der GRV bezahlt werden sind Renten, wie Witwenrenten und Berufsunfähigkeitsrenten u.ä.
Wie gesagt wurde ein Mittelweg beschritten, der sowohl die mittlere Generation, als auch die ältere Generation belastet. Bspw. müssen die Rentner seid mehreren Jahren Krankenversicherungsbeiträge bezahlen und auch die Zusatzleistungen zum Zahnersatz selbst bestreiten. Das sind insgesamt, meine ich, um die 2% der Bruttorente, allerdings kommen da noch einige andere Kosten hinzu (müsste ich erst nochmal nachschlagen).
Im Prinzip ist alles was in den Reformen getan wurde, mehr oder weniger Flickwerk. Deshalb wird auch der langfristige Umbau angestrebt. Dies setzt natürlich das System Belastungen aus und wird in Zukunft zu einer stärkeren Ausdifferenzierung der Einkommenssituation im Alter führen.
Ein radikaler Umbau würde entweder zu starken Belastungen bei der derzeitigen Rentnergeneration führen (die ja im Prinzip auch nichts dafür können, dass sie länger leben) oder zu starken Belastungen der mittleren Generation führen, die ja aber auch noch konsumieren soll, um die wirtschaftliche Entwicklung am Laufen zu halten. Will man das Problem innerhalb weniger Jahre lösen, dann muss eine Gruppe zu den Verlierern gehören. Oder man beschreitet den derzeitigen Weg weiter und versucht das System langfristig umzubauen, sodass es in Zukunft finanzierbar wird, ohne irgendeine Gruppe allzu stark zu belasten.