Das Spiel läuft etwas anders.Stoertebeker hat geschrieben:Die Häuser waren zu teuer, nicht zu billig. Klar, mit den Krediten habt Ihr Recht. Aber wie oft Risiken weiterverkauft werden, ist im Prinzip wurscht. Aufgebläht werden können sie nur dann, wenn ein Akteur, der die riskanten Kredite weiterverkauft, jemanden findet, der bereit ist, für eine höhere Rendite ein noch höheres Risiko in Kauf zu nehmen.
Abgesehen von dem "Realwirtschaftlichen" ist alles ein Nullsummenspiel - bei dem Morgan Stanley besser abschneiden wird, als deutsche Landesbanken, aber gut.
Ihr sprecht von 'höherer Rendite' und 'höherem Risiko'.
Bewertet waren sie alle als Topanlage.
Ihr denkt das ganze als n:m -Handel zwischen 2 Teilnehmern, das ist es aber nicht.
Wer kauft so etwas denn?
Landesbanken hattet ihr erwähnt, aber daneben gibt es auch noch .... eure kommenden Rentner. Die wollen ein leichtes Leben und Sicherheit mit 0 Aufwand, also lassen sie jemanden anderen Toprisiko kaufen. Verbrieft und bewertet. Topsicher. Und dieser kauft im Auftrag vieler woanders dasselbe nur eben noch mehr davon auf einem grösseren Markt usw.
Es ist eine lange Kette.
Ihr könnt denjenigen, bei dem ihr euer Geld angelegt habt, ja mal fragen, wo der euer Geld angelegt hat. Und wo der es dann angelegt hat. Ihr werdet auf eine lange Reise geschickt bevor ihr auf sowas wie Sachwerte trefft
Wenn jetzt die Blase platzt, dann rufen in einer Demokratie sehr viel betroffene Wähler nach dem großen Retter. Der verschuldet sich zum Wohle angeblich aller um diesen dümmsten und faulsten Spekulanten den Arsch zu retten.
Mir fällt es schwer nach zu vollziehen, wieso ihr zum einen fordert, dass da jemand sein Risiko zu tragen hat und ihr gleichzeitig ausgerechnet diejenigen retten wollt, die das ganze überhaupt erst ermöglicht haben: gierige und faule Vermögende zu denen auch eure kommenden Rentner zählen. Ihr könnt sie auch gerne umschreiben mit 'Leute, die ihr Leben lang geschuftet haben', aber das ändert nichts. Sie sind Spekulanten mit einem sehr großen Interesse an hohem Ertrag bei 0 Aufwand und totaler Sicherheit. Ja, die wurden reingelegt. Schade für sie, aber das nennt sich - glaube ich - Risiko unter Spekulanten.
Auf der ersten Einlösungsstufe mag das ganze noch nach irgendeinem bösen Fond klingen oder nach einer blöden Rentenkasse oder einer obskuren isländischen Bank mit Topzinsen fürs Tagesgeld, aber am Ende stehen da die Geldgeber: eure kommenden Rentner und andere Vermögende.
Die werden jedesmal gerettet.
Unsere Ausfallschutzsysteme sind auf diesen Fall nicht vorbereitet, sondern verstärken das Problem sogar noch.
Ist das Spiel damit zuende?
Hat man jetzt das injizierte Pseudogeld aus dem Verkehr gezogen?
Nein, aber das sind andere Themen.
Mir war es wichtig, darzulegen, dass das was ihr schützen wollt, eine der Ursachen ist für die Krise. Es ist ein Schneeballsystem. Und es sind nicht nur die 'bösen' Spekulanten, die ab einer ominösen Stufe im Schneeballsystem mit einem Mal auftauchen. Es sind alle Teilnehmer dieses ansonsten verbotenen Spiels.
Und jedesmal findet bei einer Rettung ein Vermögenstransfer statt. Er lautet jedesmal: Schulden für alle, Profit (oder zumindest Erhalt) für Vermögende. Pech für z.B. Schulkinder. Zum Wohle derjenigen, die es sich leisten konnten Geld anzulgen und zu faul waren sich darum zu kümmern und zu gierig um noch an ein Risiko zu denken.
Und die Rettung beinhaltete das Bereitstellen von noch mehr Pseudogeld.
Eine nette Zwangslagensituation, die sich immer weiter befeuert.
Und die (wie von Elvis bei den Indexpapieren dargestellt) man nicht nur in einem einzelnen Markt hat.
Wäre es so, dass nur ein paar Spekulanten mit Pseudogeld auf eigene Rechnung und eigenes Risiko unter sich ein Nullsummenspiel betrieben, dann wäre die Lösung ganz einfach: man könnte sie einfach ignorieren.
Das injizierte Pseudogeld ist nicht mehr in einem Pseudoraum unter obskuren Händlern. Es ist schon lange bei uns angelangt bzw. man könnte es auch so ausdrücken: ein Großteil unserer Vermögen beruht auf diesen Schulden. Das Vermögen, das ihr schützen wollt ist zum Großteil nur Einbildung.
In einem Schneeballsystem irren sich alle...bis auf die Nichtteilnehmer und die Pyramidenerfinder.Stoertebeker hat geschrieben:Und auch wenn Elvis die Relevanz der Klassiker negiert, ist letztlich die einzige Frage, ob Adam Smith und nach ihm alle ernstzunehmenden Ökonomen Recht hatten, und das Gewinnstreben der Einzelnen bei freiem Tausch automatisch zu einer Vergrößerung des gesamten Wohlstandes führen. Uns hat noch niemand erklärt, wie das nicht der Fall sein könnte, es sei denn, dass Menschen auch mal irren. (Was aber durchaus vorgesehen ist, wobei die Chance, dass 5 Milliarden irren, kleiner ist, als dass wenige Bürokraten irren.)
Aber sie irren sich nicht sofort. Je länger es dauert, desto mehr hatten Recht. Aber desto viel viel mehr haben auch furchtbar unrecht.
Derartiges war bei den von euch genannten Klassikern nicht vorgesehen. Sie wussten, dass es so etwas gibt und das sich diese Blasen von selbst erledigen. Märkte waren streng getrennt.
Aber sie konnten ja schlecht annehmen, dass so viele so gierig werden und alle gleichzeitg dem jeweiligen Schneeballsystem-nächsten vertrauen ohne ihn jemals gesehen zu haben.
Falls ihr es nachlesen wollt wo das angelegte Geld landen kann statt euch selber auf die Reise zu machen:
http://www.zeit.de/2011/21/DOS-Streubomben
Ein Mittelding zwischen witzig und tragisch.
Machen genügend Leute so etwas, dann werden am Ende Dinge in der Realwirtschaft hergestellt, die angebliches Wachstum erzeugen, aber die fast niemand haben will.
Alle Teilnehmer haben es aber munter weiter verkauft ohne zu wissen was es ist, bis am Ende ein 'Finanzprodukt' bei heraus kommt und den harmlosen Namen 'Lebensversicherung' trägt. Keine dieser Personen muß ein schlechter Mensch sein und jeder verhält sich in seiner kleinen Welt rational.
Derartig krankhafte Ergebnisse hat auch keiner eurer Klassiker vorhergesehen, da man dafür unsere modernen Kommunikationsmittel zwingend benötigt.
Zu den Zeiten von Adam Smith handelten Personen an der Börse. Wer seinen Ruf verlor, der konnte sich am Sonntag kaum noch in der Kirche blicken lassen bzw. alle wussten Bescheid.
Menschen handeln komplett anders, wenn man sie aus einem sozialen Umfeld löst und sie anonym agieren lässt. So etwas war zu Smiths Zeiten nicht vorstellbar, dass jemand so dämlich wäre, so etwas zu machen...bis auf ganz wenige. Es gab zu den Zeiten dieser Klassiker noch etwas, was sie völlig vergessen hatten zu erwähnen, so wie auch heute niemand es für erwähnenswert hält, dass man atmen muss. Das Selbstverständliche wird nicht weiter betrachtet, da das jeder weiß.
Unsere Zeit hat ganz andere Bedingungen.
Dort wo die Klassiker eine andere Gesellschaft als selbstverständlich vorraussetzen, sollte man genau hinsehen bevor man deren Erkenntnisse überägt.