Das wichtigste zuerst: Es macht tierisch Spass und ist ein höllischer Stundenfresser. Musste Samstag morgen um 6.00Uhr arbeiten, daher war ein ruhiger Freitag eingeplannt; als ich dann auf die Uhr geguckt hab war es plötzlich 3:13Uhr...
Soweit kann man also zufrieden sein.
Dennoch gibt es noch einige Kritikpunkte, die hier im Forum natürlich schon umfassend diskutiert worden sind und daher nicht nochmal aufgezählt werden müssen. Über die Bugs (Supply & CG) und die Performance Probleme ist ja schon genug Tinte verflossen...
Ich will mich daher eher auf einige Gameplay-spezifische Sachen beziehen.
1) Mir fehlen ganz eindeutig Events. Ich spreche jetzt von meiner Spielerfahrung aus, falls sich noch weitere verstecken, dann kritisier ich halt, dass sie nicht ausgelöst wurden ...
Mit GER hat man ja wenigstens noch das Rheinland, den Anschluss und München, wobei ich das auch schon als recht dürftig ansehe. Mit den USA hatte ich gar keine Events, ausser das irgendwann der New Deal weg war und mit Gearing up for war ersetzt wurde. Ausserdem empfinde ich diese random events als äusserst irritierend, da ich es nicht mag, wenn solche 'Zufälligkeiten' ins Spiel geworfen werden.
Hier liegt eigentlich meine größte Erwartungshaltung an kommenden Mods: Mehr und schönere Events & Decisions.
2) Die Sache mit der Diplomatie und Spionage ist ein sehr scharfes, aber zweischneidiges Schwert. Das System ist sicherlich nicht schlecht, aber meiner Meinung nach zu anfällig für 'Kleinigkeiten'.
Beispiel: In meinem ersten Testspiel habe ich Dip&Esp. vollkommen irgnoriert. Ein paar Länder sind schon vor '39 den Allies beigetreten, allerdings nicht im großen Umfang. München ist normal getriggert, Polen & Frankreich und die Benelux verlief historisch, dann war mein Threat so hoch, dass die USA und Schweden zu England ins Bett gestiegen sind.
Alles in allem war ich damit sehr zufrieden, obwohl (oder gerade weil) ich dem ganzen Bereich keine Aufmerksamkeit gewidmet hab.
In meinem zweiten, ernsthafteren Spiel wollte ich das nun ganz anders machen. Per Spionage den Threat von Dänemark und Finnland erhöht (wie ich's gelesen hatte), dazu mächtige Diplomaten nach Italien, Japan und später Nat.Spanien. Klappt auch klasse, schon im Sommer '36 wollen Japan und Italien in die Achse... und ich bin daher nun im Krieg. Erst gegen Äthiopien, dann gegen China. Also konnte ich schon '36 auf volle Kriegswirtschaft umstellen. was es mir ermöglicht hat, wie ein Blöder zu bauen. Dummerweise kam meine Forschung da nicht hinter her, so dass ich meistens gar nicht wusste, wohin die ganzen ICs sollten. Trotzdem hatte ich Anfang '39 ein Heer (und besonders Luftwaffe), das eigentlich für Barbarossa überdimensioniert ist.
Das war allerdings auch äusserst notwendig, denn durch den gigantischen Threat der Achse ist wirklich jeder zu den Allies gelaufen. CZA, POL, USA, BENELUX, NOR, SWE und die Dominons waren spätestens '38 bei den Allies. Die USA haben dann ganz Mittel- und Südamerika mitgezogen. München ist daher nicht getriggert.
Zu diesem Zeitpunkt war dann klar, dass ich mich nach Danzig an jeder Grenze im Krieg befinden würde. Daher habe ich mich entschlossen, die KI mal wirklich auf die Probe zu stellen, was mich zu Punkt 3 bringt...
3) Die KI (damit meine ich hier nur die eigene Armee-KI) kann einem ab und zu auf die Palme bringen, im Großen und Ganzen finde ich sie aber fantastisch. Ich habe Anfang '39 alle(!) meine Einheiten unter ein Theatre (OKW) gestellt und einfach alle VP Provinzen markiert, die jetzt bald feindlich sein werden. Von Oslo und Stockholm bis Athen, von Warschau bis Bordeaux. Prag, Amsterdam, Brüssel, usw. usf.
Polen den Krieg erklärt, alles bis auf die Produktion der KI übertragen und was essen gegangen.
Hatte eigentlich damit gerechnet, dass mein schönes tausendjähriges Reich in Trümmern liegt, wenn ich wieder komme, aber scheinbar muss man als GRÖFAZ wirklich nicht viel machen.
Die KI war grad dabei, Narvik einzunehmen, was das letzte Objective war. Gleichzeitig hatte sie sich gegen die Türken gestellt, die mittlerweile ebenfalls den Allies beigetreten waren und den Rest größtenteils an der russischen Grenze aufgestellt... und da schrieben wir gerade so Feb. 1940.
Ich glaube kaum, dass ich das besser hingekriegt hätte.
Zusammenfassend bin ich also der Meinung, dass HoI III ein verdammt geiles Spiel ist, das, abgesehen von einigen Kinderkrankheiten, meine Erwartungen absolut erfüllt hat.
Die KI gesteuerten Armeen schaffen ein neues Spielgefühl, dass mich (sorry für die krumme Analogie) so ein wenig an einen Fussball Manager erinnert. Man stellt nur noch seine 'Mannschaft' zusammen und gibt die Taktik vor, der Rest geschieht selbstständig auf'm Platz. Natürlich kann man immer noch jede Division selbst steuern, aber ich finde (bzw. habe das Gefühl), dass man HoI mit der ArmeeKI spielen sollte. Nicht auf Theatre-Ebene, aber Rommel und Guderian Befehle geben und dann zugucken, wie diese ausgeführt werden... das hat schon was.
Nicht ganz glücklich bin ich mit der Diplomatie, die ja jetzt, folgerichtig, ein viel höheren Stellenwert einnimmt. Da fehlt noch die Balance. Nur weil ich auf dem Papier mit irgendnem asiatischen Steppenstaat im Krieg liege, sollte der Threat meiner Fraktion nicht steigen und es nicht möglich sein, den Totalen Krieg auszurufen...
Aber, wie gesagt, alles in allem ein richtig, richtig gutes Spiel.