Die kommenden Jahre scheint Tintagel wie in einer dunklen Wolke des Schweigens zu versinken. Cristina, die Herzoginmutter, bleibt Gefangene in ihren Kammern, und Meryasek ‘der Wachsame’ herrscht über Cornwall, wie es ihm gefällt. Überall fahndet er nach den unbekannten Mördern von Cadan - ohne Erfolg. Und schwarzgewandete Boten reisen tagtäglich zwischen Cornwall und der Grafschaft Salisbury hin und her - mit düsteren Befehlen ...
'Der Wachsame' hat nicht eine Sekunde die Erbschaft zu Salisbury vergessen - seine höchst erfolgreiche Intrige, durch die er den minderjährigen Padern Cerniw zum Erben von Lincoln und Salisbury erhoben hat. Ein Stein fehlt noch in seinem Plan. Um ihn in das vollkommene Mosaik der Bosheit einzusetzen, hat sich Meryasek mit der Geheimrätin aus Salisbury zusammengetan, einer reifen Dame namens Gunhild av Herjedalen. Seine Lockungen klingen nicht schlecht: Gunhild soll durch seine Hilfe einen Grafentitel erlangen! Einen ECHTEN Grafentitel!
Sie soll die Gräfin von Bristol werden ... und seine rechtmässige Gattin.

Stopp mal! Ist Meryasek nicht bereits verheiratet, mit Ygerna Cerniw, der jüngsten Tochter von Cadoc dem Besonnenen? Allerdings! Aber Ygerna soll Meryasek nicht länger im Wege stehen, wenn es um den letzten Akt der Ebschaft zu Salisbury geht.

Die finsteren Pläne des ‘Wachsamen’ lassen sich rasch erzählen. Seine Frau Ygerna wird eines Nachts von unbekannter Hand erdolcht (1.), und ein Brautwerber schlägt in Salisbury auf, um eine Eheschließung zwischen dem frischgebackenen Witwer Meryasek und der trauten Geheimrätin Gunhild zu arrangieren(2.). Brengy Cerniw, der ahnungslose Vater von Graf Padern (noch immer ein Kind) gibt dieser Ehe seinen Segen, die bald darauf in Schloss Tintagel gefeiert wird (3.). Meryasek ernennt seine neue Gattin zur Geheimrätin von Cornwall ... während Salisbury nun ohne eine fähige Geheimrätin dasteht. Damit ist der Kindergraf von Salisbury den Ränken des 'Wachsamen' schutzlos ausgeliefert: ein Vermummter lauert Padern in seinem Schlafzimmer auf und beendet das junge Leben. (4.). Padern stirbt durch einen schnellen Stich ins Herz ... und sein
Vater Brengy , der bereits Graf von Devon ist, erbt unverhofft Salisbury und Lincoln von seinem Sohn (5.)

Brengy Cerniw hätte auf diese Erbschaft wohl lieber verzichtet. In Trauerflor erscheint er in Tintagel, seine Augen sind
voller Tränen.
“Meryasek, du Hundesohn ... warum hast du das getan? Du hast ein hamloses Kind getötet, mein eigen Fleisch und Blut ... warum? Padern war doch noch ein Kind!”
“Nun stell dich nicht so an, Neffe", poltert Meryasek. “Padern hat uns gute Dienste geleistet. Aber durch seinen Tod können wir endlich einen neuen Vasallenvertrag mit dem Normannenkönig abschliessen. Da du der rechtmässige Erbe von Salisburys und Lincoln bist, gehören die zwei Provinzen nun zum Herrschaftsgebiet unseres kleinen Herzogs Zethar. Unser Schicksal ist unbedeutend, Brengy ... Cornwalls Schicksal ist sehr viel wichtiger als das unsere. Ich habe es für das kornische Volk getan.”
Brengy weicht zurück. Mit hasserfülltem Blick verlässt er Schloss Tintagel.
“Der wird schon noch zur Besinnung kommen”, sagt Meryask zu seinen Höflingen. “Lasst ihm einen üppigen Sack Gold
zukommen, damit er über den Verlust seines kleinen Jungen hinwegkommt. Immerhin habe ich ihm den Einfluss über zwei reiche Grafschaften verschafft. Er wird schon bald erkennen, dass Paderns Tod für alle die beste Lösung war ... harharhar!”

Welche Niedertracht! Zum Glück hegt Meryasek kein weitergehendes Interesse, Cornwall mit seiner Bosheit zu beherrschen. Am 21. Juni 1142 humpelt er zu den verriegelten Gemächern von Cristina O' Marr.
“Mylady … wie ich sehe, seid Ihr wohlauf und schön wie immer.”
“Schweigt, Ihr Schurke!”, antwortet Cristina. “Ich weiss, was Ihr alles getan habt! Ihr habt Euer eigenes Weib Ygerna ermordet, und Padern Cerniw, und meinen Sohn!”
'Der Wachsame' lacht laut auf. “Mit dem Mord an Eurem Sohn habe ich nicht das Geringste zu tun, Mylady … glaubt es mir oder glaubt es mir nicht. Auf der anderen Seite war sein Tod so schlecht nicht ... für Cornwall! Immerhin ist unser Herrschaftsgebiet dank meiner geschickten Pläne weiter gewachsen. Meine Aufgabe ist hiermit erfüllt. Ich werde von der Macht zurücktreten, so wie es auch Euer Ehemann getan hat.”
Voller Misstrauen blickt Cristina ihn an.
“Ihr hört ganz recht, Mylady … ich werde dieses stinkende Schloss jetzt verlassen. Wenn Ihr mich sucht, dann findet Ihr mich in Bristol. Die Perle ist nun mein Eigen! Sie steht mir zu, und ich nehme sie mir. Bleibt Ihr ruhig in diesem verfluchten Land, mit Eurem Sohn Zethar. Ich bin sicher, Ihr werdet auch ohne meine Hilfe zurechtkommen."

Hustend und gebeugt verlässt 'der Wachsame' das Schloss ... und reist auf direktem Wege in seine neue Grafschaft. In der Perle Bristol will Meryasek seinen Lebensabend verbringen - wie er es sich erträumte.

Seine Frau Gunhild bleibt hingegen in Cornwall zurück. Selbst sie zeigte sich am Ende angewidert von Meryaseks Bosheit, und als Geheimrätin Cornwalls glaubt sie sich vor möglichen Racheakten sicher.
In Cornwall aber werden die Karten der Macht ein weiteres Mal gemischt. Cadans kleiner Bruder, Zethar das Kind, muss lernen, auf eigenen Füssen zu stehen - und mit dem Schwert zu fechten, anstatt sein Schaukelpferd zu liebkosen.
























