Atomausstieg, Kohleausstieg, Erneuerbare Energien

Moderatoren: ulysses, Montesquieu

Nach Fukushima...

Umfrage endete am Mi 10.08.2011, 10:29

Der jetztige Atomausstieg ist richtig (2021/2022).
9
26%
Der Atomausstieg muss früher starten.
7
20%
Die Atomkraft muss weiter laufen (Atomausstieg ist per Definition falsch).
17
49%
A-Was? Ich brauche keinen Strom, ich hab nen Laptop...
2
6%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 35

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AG_Wittmann
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Beitrag von AG_Wittmann »

Kann man die aktuelle Regierung nicht wegen Unfähigkeit im Amt entlassen?
"Je höher die durchschnittliche Lebenserwartung eines Individuums in einer Zivilisation, desto zivilisierter die Zivilisation"
Greenhorn
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Beitrag von Greenhorn »

Montesquieu hat geschrieben:Na, na, na, küsst ihr mit dem Mund auch eure Mutter?
Könnten wir nicht mehr.
"Oh, ihr Menschen, wisset, dass ihr große Sünden begangen habt. (...) Hättet ihr keine großen Sünden begangen, hätte Gott keine Strafe wie mich über euch gebracht." - Dschingis Khan
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TheBlackSwan
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Beitrag von TheBlackSwan »

Montesquieu hat geschrieben:Na, na, na, küsst ihr mit dem Mund auch eure Mutter?
Mir kann keiner erklären, dass die Erneuerbaren + Speicher so wenig Rolle mehr spielen sollen.
Es gibt zusätzlich zu dem jetzt abgeschafften Referat Wind-, Solar- und Transformationsindustrien noch in der Abteilung Strom
1) Ein Referat exklusiv für Photovoltaik
2) Ein Referat Windenergie an Land
3) Ein Referat Windenergie auf See
4) Ein eigenes Referat zur Raumordnung und Genehmigung von Windkraft und Photovoltaik
Es gibt auch noch weitere Referate, die sich damit schneiden, etwa in der Energieforschung.

Wir ersparen euch die Aufzählung der Referat, die mit dem Thema Wasserstoff zu tun haben.

Industrien sind in der betreffenden Abteilung übrigens normalerweise auf der Sektorebene betreut. Die zahlreichen Untersektoren der chemischen Industrie mit einem um eine Größenordnung größeren Jahresumsatz teilen sich ein (!!!) Referat! Die Windkraft- und Solarindustrie werden nun einfach wieder in diese übliche Struktur eingegliedert.
Wo ist der Plan zur Re-Atomisierung?
Wir empfehlen noch einen Blick in das Organigramm.
Aber prinzipiell: Ja, das macht müde, besonders weil es - wie immer - ohne erkennbare Vision und Erklärung passiert.
Die Kommunikation von Reiche und dem Ministerium ist fraglos deutlich verbesserungsfähig. Allerdings: Habt ihr euch einmal gefragt, ob Informationen wie aus unserem Post nicht zur Einordnung und Erklärung in all den verlinkten Quellen auftauchen? Und wie ihr ein vernünftiges Bild von der Energiepolitik bekommen wollt, wenn sie das nicht tun?
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Beitrag von TheBlackSwan »

Allerdings: Habt ihr euch einmal gefragt, ob Informationen wie aus unserem Post nicht zur Einordnung und Erklärung in all den verlinkten Quellen auftauchen?
Es ist einfach ermüdend. Deswegen schreiben wir auch nur noch selten etwas dazu. Nehmen wir das letzte Video, das Elvis verlinkt hat. Es gibt für die 10 Stunden-Regel gute Gründe, eigentlich ist sie sogar noch zu lax angesetzt. Das könnte man in dem Video auch erklären, es ist nicht mal ein besonders subtiler oder komplizierter Grund. Aber wozu, wenn man auch ein schönes Gut-Böse-Theaterstück mit Perücken aufführen kann.
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Montesquieu
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Beitrag von Montesquieu »

TheBlackSwan hat geschrieben:Es gibt zusätzlich zu dem jetzt abgeschafften Referat Wind-, Solar- und Transformationsindustrien noch in der Ministerialdirektion Strom
1) Ein Referat exklusiv für Photovoltaik
2) Ein Referat Windenergie an Land
3) Ein Referat Windenergie auf See
4) Ein eigenes Referat zur Raumordnung und Genehmigung von Windkraft und Photovoltaik
Es gibt auch noch weitere Referate, die sich damit schneiden, etwa in der Energieforschung.

Wir ersparen euch die Aufzählung der Referat, die mit dem Thema Wasserstoff zu tun haben.

Industrien sind in der betreffenden Abteilung übrigens normalerweise auf der Sektorebene betreut. Die zahlreichen Untersektoren der chemischen Industrie mit einem um eine Größenordnung größeren Jahresumsatz teilen sich ein (!!!) Referat! Die Windkraft- und Solarindustrie werden nun einfach wieder in diese übliche Struktur eingegliedert.

Ja, ich habe den Unterschied mal recherchiert und dann wird es interessant.

Das IVD5 „Wind-, Solar- und Transformationsindustrien"-Referat, war ein Industrie-Referat und für den Kontakt zur Industrie, praktisch der Lobby- und Interessenpool der EE-Firmen, meistens mittelständisch. So wie ich das rauslese werden die Firmen jetzt in Sammelreferaten betreut mit Konsumgütern, Stahl und Gedöns zusammen.

Die bestehenden Referate sind aber explizit staatliche Transformations-Einrichtungen, beschäftigen sich also mit Subventionen, EEG und dem Kram.

Deswegen hinkt der Vergleich zur Chemieindustrie: Das ist eine klare eigene Interessengemeinschaft, eine Lobbygruppe. Übrigens findet Chemie auch in anderen Referaten statt wie dem IVD4, genauso wie PV und Windenergie nicht nur in einem Referat vorkommen. Man darf halt nur nicht nach dem Namen gehen. ;)

Das haben die EE-Firmen nun nicht mehr. Und natürlich war das unter Habeck eine politisch-strategische Maßname, das IVD5 einzurichten, insbesondere, um Deutschland hier wieder zu positionieren und zukunftsfähig zu machen. Indem Reiche das wegnimmt, stellt sie zwar den Stand, wie es vorher war, wieder her, aber zeigt ganz klar ihre Ausrichtung.

Pikant dann eher: in den bestehenden Referaten haben eher die großen Konzerne, EON und co., Einfluss auf die Ausgestaltung der Politik, aber nicht mehr der Mittelstand. Denn klar: die Konzerne sind auch mit die größten Betreiber von EE-Anlagen, aber nicht Hersteller. That's the difference.

Und die Referatsauflösung findet ja nicht im luftleeren Raum statt.

Die Gesetze des letzten Jahres unterstützen über alle Maßen die Konzerne und in einer sehr schwierigen Phase werden mit und mit der Hersteller-Mittelstand jetzt auch von der Politik unter die Räder geworfen.

Das verbunden mit einer sehr, sehr, hmm, zurückhaltenden Vorgehen beim Ausbau und Zukunftssicherheit, muss man sich schon Fragen, wo es hingeht. Geht auch in dieser Welt um Unabhängigkeit und Resilienz.

Nur ein paar Punkte:

• Netzausbau.
• Speicherausbau
• Projektierung der benötigten Strommenge (Reiche plant nach Aussage vieler Experten für ein de-industrialisiertes Deutschland. Hipp! Hipp!)

Aber, wenn das nur Kommunikation ist, dann raus damit: Wo sind sie die versteckten Pläne? Was müssen die Großen liefern, um Deutschland da voran zu bringen.

Denn sagt mir, womit wir potenzielle deutsche Datencenter überhaupt versorgen sollten?
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Beitrag von TheBlackSwan »

Ihr schreibt
Mir kann keiner erklären, dass die Erneuerbaren + Speicher so wenig Rolle mehr spielen sollen.
, während das BMWE nur so durchsetzt ist von Referaten zu diesen Themen.
Und die Referatsauflösung findet ja nicht im luftleeren Raum statt.
Tatsächlich nicht, denn es gibt die Vorgabe zur Personalreduktion in der Bundesverwaltung ex weniger Bereiche (Verteidigung) um 8% bis 2029, 2% pro Jahr.
Projektierung der benötigten Strommenge (Reiche plant nach Aussage vieler Experten für ein de-industrialisiertes Deutschland. Hipp! Hipp!)
Was ist die Konsequenz eines überbauten Stromsystems mit schlechter Auslastung, das nun auf wenige kWh umgelegt werden muss?
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Beitrag von Montesquieu »

TheBlackSwan hat geschrieben:Ihr schreibt , während das BMWE nur so durchsetzt ist von Referaten zu diesen Themen.
C'mon, BlackSwan, wenn ich nichts weiß, mache ich nen Arbeitskreis. Was ist das Ergebnis? Darauf kommt's an.
TheBlackSwan hat geschrieben: Tatsächlich nicht, denn es gibt die Vorgabe zur Personalreduktion in der Bundesregierung ex weniger Bereiche (Verteidigung) um 8% bis 2029, 2% pro Jahr.
Korrekt, trotz allem kann man schon sehen, welche Bereiche fallen und welche nicht, oder?
TheBlackSwan hat geschrieben: Was ist die Konsequenz eines überbauten Stromsystems mit schlechter Auslastung, das nun auf wenige kWh umgelegt werden muss?
Also lese ich es richtig?

Alles töfte beim Strom bei uns? Wir haben genug? Versorgungssicher? Günstig? Unabhängig?

Wie gesagt, ihr könnt mir gerne die Leistungen einmal (noch einmal) aufzählen.
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Beitrag von TheBlackSwan »

Also lese ich es richtig?

Alles töfte beim Strom bei uns? Wir haben genug? Versorgungssicher? Günstig? Unabhängig?

Wie gesagt, ihr könnt mir gerne die Leistungen einmal (noch einmal) aufzählen.
Wo kommt das jetzt her? Wir haben uns auf die konservativen Planungen zum Stromverbrauch bezogen. Energiewendestudien wie das Ariadne-Projekt (keinesfalls eine Studie der Energiewende-Gegner-Seite, im Gegenteil) nehmen ein Abwandern der energieintensiven Industrie an, weil die EE-Standortfaktoren andernorts deutlich besser sind.
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Beitrag von Montesquieu »

TheBlackSwan hat geschrieben:Wo kommt das jetzt her? Wir haben uns auf die konservativen Planungen zum Stromverbrauch bezogen. Energiewendestudien wie das Ariadne-Projekt (keinesfalls eine Studie der Energiewende-Gegner-Seite, im Gegenteil) nehmen ein Abwandern der energieintensiven Industrie an, weil die EE-Standortfaktoren andernorts deutlich besser sind.
Ja, aber das bestätigt doch nur, was ich gesagt habe, oder? Reiche geht in Planung von De-Industrialisierung aus.

Puh ... Schon ein starkes Stück, oder?

Und da kann man nicht an billigeren Strom kommen?
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Beitrag von [B@W] Abominus »

Durch den Wechsel auf E-Mobilität und Wärmepumpen werden wir mehr Strom benötigen, oder halt weniger, wenn der Strom dezentral hergestellt wird. Dafür müsste man die Leute dazu bekommen, selbst Strom zu produzieren. Abschaffung der Einspeisevergütung hilft da jetzt nicht unbedingt.

Wie wäre es mit einer steuerlichen Entlastung? Ich kann als Privathauseigentümer nur 20% der Handwerkerkosten (!!! Also nicht der Materialkosten!!!) anrechnen. Und der Lars schaut schon um die Ecke, ob man das nicht abschaffen könnte ("Brauchen Sie unbedingt eine Rechnung?"). Warum bei der Steuererklärung die PV-Anlage nicht abschreiben, z.B. über 5 Jahre (wie bei Vermietern für "Erhaltungsaufwand")?

Gibt so viele Möglichkeiten.

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Beitrag von TheBlackSwan »

Montesquieu hat geschrieben:Ja, aber das bestätigt doch nur, was ich gesagt habe, oder? Reiche geht in Planung von De-Industrialisierung aus.

Puh ... Schon ein starkes Stück, oder?

Und da kann man nicht an billigeren Strom kommen?
Was soll Reiche denn tun? Fabriken in die Pläne schreiben, die es in Deutschland nicht mehr gibt/geben wird, weil die Standortfaktoren für EE zu schlecht sind und darüber hinaus die energiepolitischen Entscheidungen der letzten 25-45 Jahre dazu geführt haben, dass die volkswirtschaftlichen Kosten der Dekarbonisierung unnötig hoch ausfallen?
Und da kann man nicht an billigeren Strom kommen?
Wie und woher? Die wirklich großen Hebel sind in den aktuellen politischen Constraints kaum machbar oder nur graduell umsetzbar, und wirken dann erst mittelfristig. Im Wesentlichen habt ihr immer das Energiesystem, das ihr 10...15...30 Jahre vorher gebaut/geplant habt. Das Aufwachen aus einigen Jahrzehnten Wunschdenken tut halt weh.

Was kurzfristig geht und vom BMWE zumindest versucht wird, sind kleinere Optimierungen, z.B. Thema zukünftige Gestaltung der Einspeisevergütungen, Netzpaket, Reifegradverfahren statt "Windhundprinzip".
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Beitrag von TheBlackSwan »

Durch den Wechsel auf E-Mobilität und Wärmepumpen werden wir mehr Strom benötigen, oder halt weniger, wenn der Strom dezentral hergestellt wird. Dafür müsste man die Leute dazu bekommen, selbst Strom zu produzieren. Abschaffung der Einspeisevergütung hilft da jetzt nicht unbedingt.
Auch wenn es für euch infolge der Subventionen und der Gestaltung der Netzgebühren lokal profitabel sein mag: Volkswirtschaftlich ist die kleinteilige dezentrale Installation von PV völliger Unsinn, dass sie die Netze schont ist eine nicht totzubekommende Erzählung, die aber nahezu jeder Grundlage entbehrt.
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Beitrag von Montesquieu »

@BlackSwan

Ja gut, das hört sich dann ja nach doomer Verwaltung des Elends an. Deutschland soll also dahinsiechen. Ja, da kann ich schon verstehen, dass die Leute immer frustrierter werden, wenn das die Zukunftsvision ist und wir nur Wirtschaftswachstum mit 1.000 Mrd an staatlichen Pump-Geldern schaffen.

Und wie hier auch dargestellt: EE an sich ist nicht zu teuer und mit den schon vorhandenen Möglichkeiten der Speicherung auch weiter vernünftig auszubauen. Das Problem ist doch und bleibt auch die Grundlast-Bereitstellung durch die Gas-Kraftwerke. Aber gut. Bleibt halt alles, wie es ist und man versteckt sich hinter den bösen politischen Grundbedingungen, die anscheinend überhaupt keinen Raum für eine kreative Lösung bieten.
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Beitrag von TheBlackSwan »

Montesquieu hat geschrieben:@BlackSwan

Ja gut, das hört sich dann ja nach doomer Verwaltung des Elends an. Deutschland soll also dahinsiechen. Ja, da kann ich schon verstehen, dass die Leute immer frustrierter werden, wenn das die Zukunftsvision ist und wir nur Wirtschaftswachstum mit 1.000 Mrd an staatlichen Pump-Geldern schaffen.

Und wie hier auch dargestellt: EE an sich ist nicht zu teuer und mit den schon vorhandenen Möglichkeiten der Speicherung auch weiter vernünftig auszubauen. Das Problem ist doch und bleibt auch die Grundlast-Bereitstellung durch die Gas-Kraftwerke. Aber gut. Bleibt halt alles, wie es ist und man versteckt sich hinter den bösen politischen Grundbedingungen, die anscheinend überhaupt keinen Raum für eine kreative Lösung bieten.
Und was ist die Alternative? Weiter das Blaue vom Himmel versprechen? Wir haben unseren Stromsektor jahrelang heruntergewirtschaftet, und jetzt halt die Konsequenzen davon zu tragen. Das ist reparierbar, aber nicht über Nacht. Und dass die Probleme jetzt auftauchen, ist wenig verwunderlich, weil die schwierigen Teile der Umsetzung beginnen und deswegen die schönen Strategiepapiere plötzlich mit tatsächlicher Finanzierung und Genehmigungen unterlegt werden müssen. Und die technisch-ökonomische Relität lässt sich eben nicht mehr mit schönen Worten zurechtbiegen.
Und wie hier auch dargestellt: EE an sich ist nicht zu teuer und mit den schon vorhandenen Möglichkeiten der Speicherung auch weiter vernünftig auszubauen.
Und gerade das ist die zentrale Fehlannahme, und man muss sie für ganze Milieus vermutlich sogar Lebenslüge nennen. Irgendwie scheint hier im Forum das Weltmodell zu herrschen, dass die wahnsinnig billigen, wettbewerbsfähigen, schnell installierbaren EE von einer bösen Fossilverschwörung aufgehalten werden. Die Realität ist, dass unter deutschen Bedingungen selbst ihre Stromgestehungskosten nur unter guten Bedingungen einigermaßen an die inflationskorrigierten Börsenstrompreise der Nullerjahre heranreichen, und sie mit den Systemintegrationskosten (d.h. der ganze Overhead an Speichern und den durch sie ausgelösten Anteil an Netzausbau) eben deutlich darüber liegen. Und wenn man so krasse Fehlanreize im Markt- und Subvetionsdesign wie Deutschland setzt, dann ist das Delta noch einmal größer, als es sein müsste.

Kann man ja alles super finden, weil Klimaschutz wichtig ist oder Atomkraftwerke böse sind oder man sich über das von der Gesellschaft quersubventionierte Investment/Hobby "PV auf meinem Eigenheim" freut, aber man sollte sich bitte nicht selbst belügen, dass da zum derzeitigen Stand volkswirtschaftlich irgendetwas günstig wird. Und wir betonen immer das "volkswirtschaftlich", weil man natürlich Kosten hin- und herschieben kann und deswegen subventionierte Branchen oder bestimmte Kundenkreise gut dastehen, selbst wenn die Kosten insgesamt eskalieren.
Das "EE günstig" ist beim aktuellen Stand Marketing ohne Substanz.

Für andere Länder mit anderen Bedingungen kann das anders aussehen, und durch technischen Fortschritt (in den sich Deutschland freilich aktiv einbringen kann) können die obigen Aussagen abgeschwächt oder sogar invertiert werden. Aber wenn wir energiepolitisch in Deutschland aktuell weiterkommen wollen, ist es dringend notwendig, dass Wolkenkuckucksheim verlassen wird. Wenn die Energiewende gelingen soll, muss man sie eigentlich vor ihren eigenen Fans retten.
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Beitrag von Witold Pilecki »

Montesquieu hat geschrieben: Und wie hier auch dargestellt: EE an sich ist nicht zu teuer und mit den schon vorhandenen Möglichkeiten der Speicherung auch weiter vernünftig auszubauen. Das Problem ist doch und bleibt auch die Grundlast-Bereitstellung durch die Gas-Kraftwerke. Aber gut. Bleibt halt alles, wie es ist und man versteckt sich hinter den bösen politischen Grundbedingungen, die anscheinend überhaupt keinen Raum für eine kreative Lösung bieten.
Wir glauben, man muss diese zwei Dinge einordnen. EE sind in Deutschland nicht zu teuer und mit Speichern weiter ausbaubar, mit Ausnahme a) der Grundlastversorgung und b) der garantierten Leistung. Das hat auch gar nichts mit den politischen Rahmenbedingungen, sondern der Physik zu tun. Deutschland hat theoretisch ausreichend erneuerbares Potenzial für eine Vollversorgung, aber es ist wirtschaftlich und technisch nicht darstellbar.
Schon heute fahren die Kohlekraftwerke im Lastfolgebetrieb, weil die erneuerbaren so stark in die Grundlastversorgung drücken. Trotzdem brauchen wir eine verlässliche Rückfalloption für den Fall erneuerbarer Unterdeckung, also konventionelle Kraftwerke und das Übertragungsnetz. Diesen Rucksack schleppen wir mit uns mit und werden ihn auch nicht los. Wir bauen Doppelstrukturen auf und das kostet. Darum muss die energieintensive Industrie auch abwandern.
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Beitrag von Elvis »

Und unsere Regierung tut auch alles, dass das so bleibt.
Auf die Steuerbox, das der Energieversorger meine Lasten flexibel steuern kann warte ich seit Jahren. Obwohl ich sogar dafür bezahlen müsste. Einfache Technik, aber offensichtlich kein Interesse Lasten zu steuern.
Mal MiSpeL gelesen? Inkl. der Regelung zum bidirektionalen laden? Alle PV Besitzer sind da schonmal raus, weil es für sie keinen Sinn machen wird. Wäre ja auch zu sinnvoll meinen Solarstrom zeitversetzt zu Spitzenzeiten dem Netz zur Verfügung stellen zu können. In der ersten Version hätte MiSpel sogar für niemanden Sinn gemacht. Da mussten erst die Autobauer auf die Barrikaden gehen, damit der Unfug irgendwie noch entschärft wird. Smart Meter Ausbau kommt nach wie vor kaum voran usw.usw.
Seltsam, das andere Länder mit der Umsetzung dieser Themen offenbar keine Probleme haben.

Alles was auch nur im entferntesten ein Lösungsbeitrag durch Erneuerbare sein könnte wird entweder nicht umgesetzt oder zu Tode reguliert. Denn jeder Antritt von Flexibilisierung der Erneuerbaren, bedeutet weniger Absatz bei den Fossilen.
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Beitrag von TheBlackSwan »

Wenn die Energiewende gelingen soll, muss man sie eigentlich vor ihren eigenen Fans retten.
Wir finden in dem Zusammenhang immer die Interaktionen des von uns sehr geschätzten Dr. Christoph Maurer (Consentec) mit besagter Bubble unterhaltsam. Er ist des Gaslobbyismus eher unverdächtig, betont die Wichtigkeit der Dekarbonisierung und der Internalisierung von Externalitäten, hat für das BMWK unter Habeck an der Flagschiff-Energiewendemodellierung Langfristszenarien mitgewirkt (Präsentation u.A. durch Graichen). Nennen wir ihn einen Energiewende-Realo, der durch die Modellierungsarbeit eben genau den an der Stelle aktiv ist, wo sich die schönen Geschichten quantitativ beweisen müssen

Wir zitieren:
Auf der anderen Seite wird
von politisch Verantwortlichen
der Eindruck erweckt, die aktuell
hohen Energiepreise seien vor allem auf Nachwehen der Energiekrise und der veränderten geopolitischen Lage zurückzuführen und
ein temporäres Phänomen. Insbesondere im – aufgrund
der Elektrifizierungsstrategie immer wichtiger werdenden – Stromsektor könne mit einer Intensivierung des
Ausbaus der günstiger werdenden erneuerbaren Energien und der Stromnetze ein deutlicher Preisrückgang
und eine Rückkehr zu international auch für energieintensive Industrien wettbewerbsfähigen Strompreisniveaus erreicht werden. Aus Sicht des Autors erscheint
das bei einem Blick auf die wesentlichen Strompreisbestandteile zumindest fraglich.
Die Potenziale für günstige Stromerzeugung aus
erneuerbaren Energien, insbesondere der aus
systemischer Sicht vergleichsweise günstigen
Onshore-Windenergie, sind beschränkt. Deutschland wird auch in Zukunft auf Energieimporte in
erheblichem Ausmaß angewiesen sein. Da dekarbonisierte Energieträger wie Strom und Wasserstoff technisch jedoch deutlich schwieriger zu
transportieren sind als Erdgas oder Erdöl, ist zu
erwarten, dass eine Verringerung globaler Energiepreisunterschiede durch internationalen Handel in viel geringerem Maße stattfinden wird als
in der Vergangenheit.
Aufgrund der geringen erreichbaren Kapazitätsfaktoren (Jahresenergieerzeugung bezogen auf
die installierte Leistung), die bei Photovoltaik (PV)
bei knapp 1 000 Std./Jahr, bei Onshore-Windenergie je nach Standort bei ca. 2 500 Std./Jahr liegen, sowie der tendenziell lastfernen Erzeugungsstandorte sind die Systemintegrationskosten von
erneuerbaren Energien hoch. Die Netzkosten werden durch die hohe anzuschließende Leistung
getrieben, müssen aber auf eine vergleichsweise
kleine produzierte Energiemenge umgelegt werden. Zudem wirkt der Anschluss gerade kleiner Anlagen in den unteren Verteilnetzebenen
kostentreibend
, wenn die lokale Erzeugung die
Nachfrage, wie heute schon in vielen ländlichen
Gebieten, übersteigt und die Energie aus diesen
Netzen über mehrere ggf. auszubauende Netzebenen hinweg abtransportiert werden muss
Auch die Weiternutzung fossiler Energieträger verspricht keine erheblichen Kostensenkungspotenziale, solange die EU-Emissionsziele beibehalten
werden. Schon beim aktuellen CO2
-Preis von ca.
70 Euro/t liegen die variablen Stromerzeugungskosten selbst von Braunkohlekraftwerken nahe
am Base-Preis. Bei den sich auch in CO2
-Futures
abzeichnenden und zu erwartenden Preisanstiegen würde es zu einem weiteren Kostenanstieg
kommen. Langfristig könnten fossile Energieträger nur in Verbindung mit vergleichsweise teuren
CO2
-Abscheidungstechnologien (Carbon Capture
and Storage – CCS; blauer Wasserstoff) genutzt
werden. Holz et al. (2021) erwarten deshalb durch
den Einsatz von CCS in der Stromerzeugung allenfalls geringe Systemkostensenkungspotenziale.
Auch Kraftwerke zur Verbrennung von blauem
Wasserstoff würden bei aktuellen Kostenschätzungen für den Brennstoff von deutlich über
3 Euro/kg (Klaas et al. 2025) variable Stromerzeugungskosten von ca. 200 EUR/MWhel aufweisen
und kämen damit als günstige Grundlastkraftwerke nicht in Frage.
https://www.ifo.de/DocDL/sd-2025-03-gri ... mmarkt.pdf

(und ja, wir haben auch Disagreements mit ihm, es muss jetzt niemand Gotcha zum Thema Kernkraft spielen)
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Elvis hat geschrieben:Und unsere Regierung tut auch alles, dass das so bleibt.
Auf die Steuerbox, das der Energieversorger meine Lasten flexibel steuern kann warte ich seit Jahren. Obwohl ich sogar dafür bezahlen müsste. Einfache Technik, aber offensichtlich kein Interesse Lasten zu steuern.
Mal MiSpeL gelesen? Inkl. der Regelung zum bidirektionalen laden? Alle PV Besitzer sind da schonmal raus, weil es für sie keinen Sinn machen wird. In der ersten Version hätte es gar für niemanden Sinn gemacht. Wäre ja auch zu sinnvoll meinen Solarstrom zeitversetzt zu Spitzenzeiten dem Netz zur Verfügung stellen zu können. Smart Meter Ausbau kommt nach wie vor kaum voran usw.usw.
Seltsam, das andere Länder mit der Umsetzung dieser Themen offenbar keine Probleme haben.

Alles was auch nur im entferntesten ein Lösungsbeitrag durch Erneuerbare sein könnte wird entweder nicht umgesetzt oder zu Tode reguliert. Denn jeder Antritt von Flexibilisierung der Erneuerbaren, bedeutet weniger Absatz bei den Fossilen.
Der Witz an der Sache ist: Wir sind völlig bei euch, Deutschland ist da zu langsam, es gibt ungenutztes Potential und es wäre wünschenswert, da weiter zu kommen.
Aber auch: Aus Systemsicht ist das nice to have, ändert aber nur on the margins etwas. Der Bedarf an gesicherter Leistung ändert sich relativ wenig, der Hauptvorteil liegt in den etwas verringerten Volllaststunden fossiler Kraftwerke. Eventuell kann sich das auch vorteilhaft auf geringeren Verteilnetzausbau auswirken, schwer pauschal zu sagen. Und: Im Vergleich zu anderer Infrastruktur wie Gaskraftwerken, Netzen etc. ist das Thema wegen kürzerer Vorlaufzeiten weniger zeitkritisch, insofern Priorisierung stattfindet, ist das nicht Nr.1.
Wie gesagt: Wünschenswert, aber nicht die Reiter von Rohan, die die belagerte Energiewende raushauen.
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Beitrag von Greenhorn »

Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Greenhorn für den Beitrag (Insgesamt 4):
Arminus, Managarm, elbe1, [B@W] Abominus
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"Oh, ihr Menschen, wisset, dass ihr große Sünden begangen habt. (...) Hättet ihr keine großen Sünden begangen, hätte Gott keine Strafe wie mich über euch gebracht." - Dschingis Khan
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