HOI4: Alle Wege führen nach Rom

Beitrag von Hohenlohe »

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Hohenlohe
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Werter H34DHUN73R, wir sind bereits weiter vorangekommen und haben nach dem Rheinlandereignis den ollen Manstein mit drei PDs nach Äthiopien geschickt und dafür haben uns unsere Chromlieferanten den Handel aufgekündigt. Dies ist uns davor nie passiert. Dazu kommt, dass wir die Erneuerung des Mefo-Wechsels vergessen haben. Nun haben wir keine Zivilfabriken mehr übrig. Jetzt müssen wir unseren Handel neu strukturieren, damit ein paar Fabriken frei werden oder neue Fabriken ercheaten. Im Rheinland sind noch Bauplätze frei... :D Wir haben bereits Leichte Ari sowie Jagdpanzer und Flakpanzer erforscht. Und bauen bereits fleissig auch ohne Divisionsvorlage. Nun haben wir auch die Me 110 erforscht und vier Militärfabriken mit der Produktion beauftragt. Jetzt haben wir schon rund eine dreiviertel Million Soldaten im Feld stehen und in Übungsmodus.
Jetzt können wir wohl als nächsten Foci den Anschluss anpeilen. Wir haben uns zwar einiges ercheatet an Material, aber nur rund 2000 Einheiten aller Sorten und zusätzlich noch die Ausstattung von rund 120 Divisionen aller Arten.

herzliche grüsse

Hohenlohe... :top:
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Beitrag von Lewis Armistead »

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Lewis Armistead
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Ist ja fast nix und HoI 4 ja sonst auch viel zu schwer *rofl*
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Beitrag von Hohenlohe »

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Lewis Armistead hat geschrieben:Ist ja fast nix und HoI 4 ja sonst auch viel zu schwer *rofl*
*LOL*Wir sind halt ein alter tschieter... :D

herzlichste grüsse

Hohenlohe... :top: :D
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Beitrag von H34DHUN73R »

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Die Mefo-Wechsel muss man eh irgendwann auslaufen lassen, werter Hohenlohe.
Nach Unseren bislang eher spärlichen Verlusten ist anno '39 dafür eigentlich ein ganz guter Zeitpunkt, weil die Rüstungsindustrie bis dahin überwiegend schon aufgebaut sein sollte.
Die paar Monate ohne Baumaßnahmen steht man schon durch.
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Beitrag von Witold Pilecki »

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Witold Pilecki
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Werter H34DHUN73R, euer Machwerk hier steht für uns auf einer Stufe mit unserem Lieblingsbuch. Der Grund: Wir lesen es begeistert, obwohl wir die Geschichte als HoI3ler und WW2-Interessierter in- und auswendig kennen. Überdies interessieren wir uns nicht die Bohne für HoI IV. Unser Lieblingsbuch: Bram Stoker's Dracula, das wir erst nach ein Dutzend Vampirfilmen gelesen haben. Also Weitermachen, auf das der Duce bald die Seine durchschwimmen kann!
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Beitrag von H34DHUN73R »

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Nun, Wir sehen nicht ganz den thematischen Zusammenhang zwischen Dracula und dem Duce, freuen Uns aber jedenfalls über Euer Lob, werter Pilecki :)
Andererseits bietet der Plot in den späteren Phasen genügend Freiheitsgrade, also wer weiß, vielleicht hat es auch irgendwann Vampire ;)
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Beitrag von Hohenlohe »

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Hohenlohe
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H34DHUN73R hat geschrieben:Nun, Wir sehen nicht ganz den thematischen Zusammenhang zwischen Dracula und dem Duce, freuen Uns aber jedenfalls über Euer Lob, werter Pilecki :)
Andererseits bietet der Plot in den späteren Phasen genügend Freiheitsgrade, also wer weiß, vielleicht hat es auch irgendwann Vampire ;)
Die Vampire könnten ja bei der Eroberung Rumäniens auftauchen... :^^:

herzlichste grüsse

Hohenlohe... :top: *FÜR DEN DUCE!!*
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Beitrag von Witold Pilecki »

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Witold Pilecki
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H34DHUN73R hat geschrieben:Nun, Wir sehen nicht ganz den thematischen Zusammenhang zwischen Dracula und dem Duce, freuen Uns aber jedenfalls über Euer Lob, werter Pilecki :)
Andererseits bietet der Plot in den späteren Phasen genügend Freiheitsgrade, also wer weiß, vielleicht hat es auch irgendwann Vampire ;)
Werter H34DHUN73R,

dann wollen wir uns erneut erklären. Es ging uns nicht um die, nicht existente, inhaltliche Übereinstimmung beider Werke, sondern um die treffliche Unterhaltung, obwohl wir den Handlungsstrang schon kennen, sowie den Wohlklang der Sprache. Sollte jetzt noch Unklarheit bestehen, empfehlen wir, euch vom werten Hohenlohe einen Kaffee spendieren zu lassen.

WP
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Beitrag von Hohenlohe »

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Witold Pilecki hat geschrieben:Werter H34DHUN73R,

dann wollen wir uns erneut erklären. Es ging uns nicht um die, nicht existente, inhaltliche Übereinstimmung beider Werke, sondern um die treffliche Unterhaltung, obwohl wir den Handlungsstrang schon kennen, sowie den Wohlklang der Sprache. Sollte jetzt noch Unklarheit bestehen, empfehlen wir, euch vom werten Hohenlohe einen Kaffee spendieren zu lassen.

WP
Kaffee für den edlen H34DHUN73R, aber gerne... :prost: Wann geht der AAR eigentlich weiter...?? :rot: *WINKMITZAUNPFAHL*

herzlichste grüsse

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Beitrag von Bassewitz »

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Fortsetzung! :rot:
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Beitrag von H34DHUN73R »

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Ein Post und zwei rote Karten plus einmal Kaffee - keine schlechte Ausbeute :)
Schließlich möchte ein Autor ja auch einen emotionalen Impact erzielen ;)

Nun, das lange WE steht vor der Tür, mal sehen, was die Muße macht.
Allerdings stehen Wir, wie oben beschrieben, noch vor kleineren taktischen Problemen, wie z.B. einem nicht mehr ladbaren Spielstand aufgrund des neuen Patches.
Nuja, der Duce hat die Dinge natürlich im Griff, aber so aus dem Handgelenk geht das auch nicht, da muss man erst Brücken bauen, damit man sie hinterher wieder niederbrennen kann, das ist kompliziert...
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Beitrag von H34DHUN73R »

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Alle Wege führen nach Rom - XXXVIII

Bild

Übersicht der Kriegsfreiwilligen

Esercito Italiano

Capitano Clone
aktuelle Verwendung: 3° Compania / I Battaglione / 1° Reggimento Celere / 1a Divisione Celere "Eugenio di Savoia"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia Di Bronzo Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um Teruel

Maggiore Deltadagger:
aktuelle Verwendung: III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
erste Verwendung: 4° Compania / III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"

Capitano Tex Murphy:
aktuelle Verwendung: 1° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Celere / 3a Divisione Celere "Principe Amedeo Duca d'Aosta"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Mutilato In Guerra, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes

Tenente Headhunter:
aktuelle Verwendung: 1° Batteria / Gruppo Artiglieria Leggera / 3a Divisione Fanteria "Ravenna"

Tenente Maestro Privato:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Alpino / 2a Divisione Alpina "Tridentina"

Tenente Colonnello Hohenlohe:
erste Verwendung: Reparto Operativo / Stato Maggiore Esercito
zweite Verwendung: Lehrer an der Accademia Militare di Modena, Spezialist für Ausbildung, Ausrüstung und Taktiken der Fanteria di Marina
aktuelle Verwendung: 2° Reggimento Fanteria del Marina

Capitano Von Retterling:
aktuelle Verwendung: Agent des Servizio Informazioni Militare (SIM), Gruppo 23
Medaglia Di Bronzo Al Valore Militare, verliehen nach der Eliminierung des Verräters Mancini in Ägypten

Capitano Hjalfnar:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / III Battaglione / 2° Reggimento Celere / "Emanuele Filiberto Testa di Ferro"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore, verliehen in der Schlacht um Barcelona

Capitano Frisiercreme:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / Battaglione Poggio Rusco / 185º Reggimento Ricognizione Acquisizione Obiettivi "Folgore"

Tenente Oertyzulu:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione Indigeni "Turitto" / 1° Gruppo Battaglioni Eritrei / 2a Divisione Coloniale "Eritrea"

Maggiore Evilbeagle:
aktuelle Verwendung: Verbindungsoffizier im Forschungsministerium

Tenente Æxit:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione / 4° Reggimento Celere / 3 Divisione Celere

Tenente HEF:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 53° Reggimento 27a Divisione die Fanteria "Sila"

Regia Aeronautica

Tenente Bushi:
aktuelle Verwendung: 1° Squadriglia / I Gruppo / 4° Stormo "Amedeo d'Aosta"

Tenente Luigi Armistado
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / III Gruppo / 14° Stormo "Rex"

Tenente Azrael:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 53° Stormo "Borea"

Tenente Spiegelfechter:
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / I Gruppo / 1° Stormo "Aquila"

Aviazione Ausiliaria per la Marina

Tenente Litle-Man:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 46° Stormo "Pegaso"

Regia Marina

Tenente di Vascello Ritter Kunz:
aktuelle Verwendung: Caccia RM Freccia / Squadra di Tarento


Kriegskabinett

Benito Mussolini: Ministerpräsident, Oberkommandierender der Streitkräfte

Gian Galeazzo Ciano, Graf von Cortellazzo und Buccari: Außenminister

Ammiraglio Domenico Cavagnari: Oberkommandierender der Regia Marina

Ferrucio Lantini: Korporationsminister

Ugo Cavallero: Kriegsminister, Kommandeur der Armata di Riserva, Oberkommandierender des Esercito Italiano

Guglielmo Marconi: Forschungsminister

Italo Balbo: Luftfahrtminister, Oberkommandierender der Regia Aeronautica

Bruno Fornaciari: Innenminister

Generale Mario Roatta: Leiter des SIM

Generale Giovanni Messe: Kommandeur der Panzer-Armee, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Frankreich"

Conte di Bassewitz: Staatsekretär im Propaganda-Ministerium



13. April 1939

Für einen Moment herrscht noch drückendes Schweigen in dem großen Konferenz-Raum im Palazzo Venetia.
Wo Kriegsminister Ugo Cavallero, der mit gemeinsam mit Mussolini und Roatta angekommen war, gerade eine Bombe hatte platzen lassen.

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Im Gegensatz zu seinem gewohnten, eher arroganten Auftreten hatte er mit eher dürren Worten und etwas blass um die Nase wissen lassen, dass es um die Erfolgsaussichten des langgehegten Planes für den Frankreich-Feldzug nun eher trüb aussieht.

Nun, da Frankreich und Großbritannien eine drastische Steigerung ihrer Rüstungsausgaben angekündigt haben.
Im Gefolge der Zerschlagung und Okkupation der Tschechoslowakai durch die Deutschen.
Nicht zu vergessen, die Auswirkungen des quasi stehenden Fußes ausgestellten britisch-französischen Blanko-Schecks für Polen.

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Alles zusammen läuft gemäß Ugo Cavallero darauf hinaus, dass sich in den nächsten Monaten zunehmend mehr französische, vermutlich sogar auch noch britische Divisionen an der italienischen Grenze anfinden würden, die den italienischen Bestrebungen Richtung Paris dann entschieden im Wege stünden.

Zwar wäre durchaus damit zu rechnen, dass man auf italienischer Seite bis zu einem Kriegsausbruch zahlenmäßig in etwa eine doppelte Überlegenheit bewahren könnte.
Allerdings bliebe das sehr schwierige Gelände und die limitierten Zugänge zu französischem Gebiet doch unverändert, wodurch ein Verteidiger, der sich zudem immer tiefer in die Berge eingräbt und sich in Bunkern und hinter Minenfeldern und Stacheldraht verschanzt,
letztlich eine Saturierung der Front erreichen würde.

Danach wäre es relativ egal, wie viele Einheiten Italien gegen diese Linien werfen würde.
Letzten Endes könnte immer nur eine begrenzte Anzahl gleichzeitig angreifen, was es dem Verteidiger erlauben würde, durch Rochaden stets frische Truppen in ausreichender Anzahl an die stark befestigte Front zu werfen.

Mit anderen Worten:
Es gäbe eine hinreichend exakte Wiederholung der Isonzo-Schlachten aus dem Weltkrieg, nur dieses Mal halt im Westen.

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Selbst wenn es gelingen würde, durchzubrechen, würde sich dieser Erfolg doch erst nach schwersten Kämpfen und geraumer Zeit einstellen und dann wären jedenfalls die Deutschen zuerst in Paris.
Was zur Folge hätte, dass Frankreich zum großen Teil an Deutschland fallen würde.
Womit Italien aufgrund seines ohnehin schon geringeren Industriepotentiales zum nachrangigen Junior-Partner der Achse herabsinken würde.

Benito Mussolini
hat das schon lange kommen sehen.

Tatsächlich hatte er eine derartige Entwicklung bereits vor über einem Jahr unterstellt und sich seither in aller Stille selbst mit dem resultierenden Problem beschäftigt.
Schließlich hatte er im Weltkrieg bei den Arditi gedient, war also durchaus selbst vom Fach.

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Und er hatte auch eine Antwort gefunden.

Genau eine.

Die dann naturgemäß einigermaßen unerfreulich ausfällt.

Weshalb er nun auch nur gelassen seine gepflegten Fingernägel studiert, als ginge es um eine nicht sonderlich interessante Lappalie.

Es macht keinen Sinn, den Mitgliedern des Königlichen Sicherheitsrates diese eine Antwort einfach so zu servieren.
Dann würde man nur dagegen argumentieren und Gegenargumente gibt es weiß Gott genug.

Nein - die Minister und Militärs müssen sich zunächst selbst an dieser Frage abarbeiten, damit sie im Anschluss bereit sind, dieser unschönen Antwort ins Auge zu sehen.
Höchste Priorität hat für den Duce nach den Erfahrungen des Weltkrieges ein einiges Volk, dass sich entschlossen in diesen Krieg stürzt, der die Welt erschüttern wird.
Diese Einigkeit muss zwangsläufig hier, in diesem kleinen Kreis der mächtigsten Männer Italiens ihr Fundament und ihren Ausgangspunkt finden !

Ferrucio Lantini, der seit Jahren durch Cavallero geplagte Korporations-Minister, hat erwartungsgemäß die kürzeste Zündschnur.
"Wozu haben Sie denn all die Panzer und Kanonen gefordert und erhalten", brüllt er in jähem Zorn los, " die gewaltige Anzahl von Divisionen, die seit Jahren in der Lombardei üben, um dann an der Grenze aufgeschlichtet zu werden, wenn das nun alles nicht reichen soll !?!"

Ugo Cavallero
blickt starr auf die vor ihm liegenden Notizen.

Mussolini schweigt.

"Wir sind nicht davon ausgegangen, dass die Franzosen das Gros Ihrer Armee an unserer Grenze aufstellen werden", wehrt sich der Kriegsminister schließlich, um ruhige Sachlichkeit bemüht.
"Es sollten doch die Deutschen die Hauptaufmerksamkeit auf sich ziehen!"

Ammiraglio Domenico Cavagnari grunzt verächtlich.
Er hat es immer gewusst: nur eine starke Regia Marina kann das Schicksal Italiens wenden !
Dazu waren zusätzliche moderne Schlachtschiffe erforderlich, aber die wollte man ja partout nicht bauen !
Nun hat man den Salat !

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"Es bestünde die Möglichkeit, mit einer Landung im Raum Toulon hinreichend Irritationen zu schaffen und damit französische Divisionen von der Grenze abzuziehen", setzt Cavallero hinzu.
"Dann könnte die Gruppo d'Armata Franca immer noch erfolgreich durchbrechen !"

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Cavagnari fällt angesichts dieses dreisten Vorschlages die Kinnlade herunter.
"Womit sollen wir denn einen ausreichend starken Kampfverband schützen, der sich ausgerechnet den französischen Kriegshafen zum Ziel nimmt ?!", schreit er den Kriegsminister empört an.

Jahrelang ignoriert man seine dringlichen Forderungen zum Ausbau der Regia Marina, stopft praktisch alles an Ressourcen in das Heer und nun soll ausgerechnet die Marine die Kohlen aus dem Feuer holen ?
Eigentlich sollte er diesen Kerl gleich zum Duell fordern !

"Nun, es würde sich um ein blitzartiges, überraschend ausgeführtes Kommando-Unternehmen handeln", versucht der Kriegsminister zu beschwichtigen.
"Die Regia Marina müsste nur die in Toulon befindlichen Teile der französischen Flotte von unseren Invasionstruppen abhalten"

"Diese 'Teile' wären immer noch dutzende von Kriegsschiffen, die unsere Flotte lange genug beschäftigen, bis der Rest der französischen Flotte, die sicherlich im Umfeld der eigenen Küste eingesetzt wird, heran kommt !", empört sich Cavagnari weiter.
"Das Resultat wäre eine ausgedehnte Seeschlacht, die sicherlich nicht an einem Tage zu beenden wäre ! In dieser Zeit könnten unsere Truppen schwerlich mit einer Landung an der feindlichen Küste auch nur beginnnen !
Aufgrund der schieren Dauer dieser Schlacht, die die Regia Marina sicherlich zu unseren Gunsten entscheiden könnte, hätten jedoch Einheiten der britischen Mittelmeer-Flotte genügend Zeit, sich ebenfalls einzuschalten, sodass wir immer mehr in Unterzahl kämen.
Am Ende wäre ein großer Teil der Regia Marina vernichtet und die Invasionstruppen würden sich auf dem Grund des Mittelmeeres wiederfinden !"

Mussolini schweigt.

Cavallero streicht mit seinen Händen planlos über seine Notizen, um eine Antwort ringend.
Allerdings lässt sich gegen das Urteil des zuständigen Fachmannes leider nicht viel einwenden.

"Nun, alternativ könnten wir auch mit Hilfe der Regia Aeronautica die zahllosen französischen Bunker knacken und so dem Heer den Weg frei schießen", gibt er schließlich zurück.

Damit trifft er allerdings den Luftfahrt-Minister Italo Balbo an einem empfindlichen Punkt.

"Wir produzieren doch überhaupt nur Jäger !"
, herrscht dieser den Kriegsminister an.
"Das Heer hat doch fast die gesamte Rüstungskapazität aufgesaugt ! Wir haben ansonsten nur veraltete Horizontal-Bomber auf Weltkriegs-Stand ! Um Bunker zu bekämpfen bräuchten wir Sturzkampf-Bomber, wie sie die Deutschen haben ! Doch dafür gibt es noch nicht einmal Pläne !"

Mussolini schweigt.

"Dann können wir immer noch mit neuen, schweren Geschützen diese Bunker direkt aufs Korn nehmen", versucht sich der Kriegsminister aus der Affäre zu ziehen.

Nun fühlt sich der Forschungsminister Guglielmo Marconi angesprochen.
Spöttisch hebt er die rechte Augenbraue an.

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"Solche Geschütze haben wir nicht !", belehrt er die Runde in herablassenden Ton.

"Wir haben auch keinerlei Entwürfe dafür! Wenn wir uns sofort an die Arbeit machen würden, bräuchten wir etwa ein Jahr zur Entwicklung und wohl ein weiteres Jahr, um eine gewisse Mindestanzahl herzustellen.
Sofern wir denn genügend Rohstoffe dafür abzweigen könnten.
Dann müssten wir noch Bahngleise zu den geplanten Angriffspunkten verlegen, sowie die nötigen betonierten Unterstände errichten, was den Franzosen schwerlich entgehen könnte.
Also müssten wir diese fabelhaften Geschütze dann auch noch gegen die zu erwartenden schweren Luftangriffe sichern, wofür wiederum die Abfangjäger und schwere Flak-Geschütze fehlen.
Vergessen sie das einfach, das wird nichts !"

Mussolini schweigt.

Gian Galeazzo Ciano, der Außenminister, der der hitzigen Diskussion mit atemlosen Staunen gefolgt ist, kann nun nicht länger an sich halten.
Sollte alle Arbeit, alle Mühe, alle Planung vergeblich gewesen sein?

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"Wir haben keine zwei verdammten Jahre mehr Zeit bis der Krieg ausbricht !"
, brüllt er nun los.
"Der Krieg kommt noch in diesem Jahr, dann müssen wir bereit sein oder wir können unseren Traum vom Nuovo Impero Romano ein für alle Mal begraben !"

Ugo Cavallero ist mit seinem Latein am Ende.
Mehr Optionen gibt es nicht, man würde einen seiner Vorschläge oder vielleicht auch alle zusammen aufgreifen müssen, er konnte daran nichts ändern.

Mussolini schweigt.

Nun schreien alle Mitglieder des Königlichen Sicherheitsrates durcheinander.
Machen sich gegenseitig Vorwürfe.
Tauschen Beleidigungen aus.
Schweigen schließlich erschöpft.
Ratlos.

Mussolini wartet noch einige Sekunden, um sicher zu gehen, dass nichts mehr kommt, bevor er sich räuspert.

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Alle Blicke richten sich auf ihn.

"Das Problem besteht in der überschaubaren Anzahl von Truppen, die der Gegner braucht, um das schwierige Gelände wirksam zu verteidigen", erhebt der Duce schließlich gelassen seine Stimme.
"Wie man hier ganz richtig erkannt hat, steht uns kein Mittel zur Verfügung, das Problem direkt an der französischen Grenze aufzulösen"

Italo Balbo runzelt die Stirn.
Das war etwas eigentümlich formuliert in der Tat der Befund des Sicherheitsrates.
Jedoch scheint Benito etwas in der Hinterhand zu halten.

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"Die Lösung, meine Herren", fährt Mussolini schließlich nach einer ausreichend langen Pause, die allen Gelegenheit gibt, sich die Tragweite dieses Befundes noch einmal vor Augen zu führen, "besteht darin, mehr Raum zu schaffen, damit wir unsere zahlenmäßige Überlegenheit ausspielen können"

Er lässt seinen Blick über die Runde schweifen, entdeckt da und dort eine erste Erkenntnis.

"Indem wir die Schweiz in unseren Aufmarsch einbeziehen, eröffnen wir dem Esercito Italiano die Möglichkeit, seine überlegenen Fähigkeiten auszuspielen!", versetzt er, nun energisch.

Die Mitglieder des Königlichen Sicherheitsrates schrecken hoch.
Ein Angriff auf die neutrale Schweiz?
Ohne irgendeine vorherige Provokation?
Ohne auch nur irgendeinen Streit mit diesem im Grunde stets gutnachbarlichen Volk?

"Frankreich kann dann entweder seine Truppen aufteilen und den deutlich unterlegenen schweizerischen Verbänden zur Hilfe eilen oder sich weiterhin in seiner Alpenfestung an unserer Grenze verschanzen.
Egal was man tut - da nicht genügend Einheiten für alle Aufgaben zur Verfügung stehen, wird sich uns ein Schwachpunkt darbieten, den wir dann als Ansatzpunkt für die bis dahin in Reserve gehaltene Panzer-Armee wählen.
Um dann genau dort durchzubrechen !"

Mussolini sieht sich forschend um.

Erwartungsgemäß passt dieser Ansatz den Ministern und Militärs nicht sonderlich ins Konzept.

"Dazu ist es natürlich notwendig, den bisherigen Aufmarsch völlig umzugestalten. Wir ziehen die Panzer-Armee in die Lombardei zurück, lassen die Gebirgs-Armee an der Grenze zur Schweiz aufmarschieren, während sich die 2.Armee alleine die komplette französische Grenze vornimmt !
Am Tag X treten dann beide Armeen gleichzeitig nach Norden und Westen hin an.
Während die Panzer-Armee weit hinter den Linien abwartet.
Dann können sich die Franzosen ihr Unglück aussuchen !
Sobald sie ihre Wahl getroffen haben und sich an einer geeigneten Stelle ein Einbruch in die feindlichen Linien abzeichnet, stürzt sich General Messe mit seiner gesamten Panzertruppe darauf"

Die übrigen Mitglieder des Sicherheitsrates denken nach.

Sehen, dass es funktionieren könnte.

Im Gegensatz zu allen anderen Ansätzen.

"Im Grunde könnte es uns nur recht sein, wenn die Franzosen die Schweizer hängen lassen", schiebt Mussolini noch nach.
"Sobald in der Gegend um Basel und Zürich relativ ebenes Gelände erreicht ist, könnte niemand mehr unsere Panzer-Armee aufhalten !
Und von Zürich aus wäre es natürlich wesentlich kürzer nach Paris als von Toulon aus !"

Conte di Bassewitz schluckt mühsam.
Seine Kehle scheint wie ausgetrocknet.
In immer weiter wachsendem Entsetzen war er der Diskussion gefolgt.
Hatte all die schönen Pläne zerrinnen sehen.

Doch nun hat der Duce höchstpersönlich mit seinem Genius neue Hoffnung gestiftet !

Bassewitz selbst hat keine große Ahnung von den ganzen militärischen Details, die hier diskutiert werden.
Den Gesichtern der Spezialisten am Tisch zur Folge scheint der Plan des Duce jedenfalls Hand und Fuß zu haben.

Eines hingegen ist ihm sofort nur allzu klar:
Dieser Angriff auf die Schweiz müsste irgendwie gerechtfertigt werden !
Nicht unbedingt schlüssig vor der Welt, mit der man sich in weiten Teilen demnächst ohnehin im Krieg befinden würde.
Der Sieger würde sich keine großen Fragen mehr gefallen lassen müssen !

Aber doch vor dem italienischen Volk !
Eine Aufgabe, die zweifellos ihm zufallen wird !

Zwischen Italien und der Schweiz gab es leider keinerlei verwendbare Streitpunkte.
Tatsächlich war man ja durchaus befreundet !
Wie sollte man da einen vernichtenden Schlag gegen die neutrale Schweiz mehr oder weniger aus dem Stand rechtfertigen ?

Nun, natürlich !
Die Neutralität wäre eben der augenfällige Punkt !

Die Schweiz ist tatsächlich gar nicht neutral, sondern mindestens insgeheim auf Seiten der Alliierten !
In einem umzüngelnden Bunde, hinterrücks geschmiedet um das aufblühende Italien zu erdrosseln !
Die Neutralität kompromittiert !
Italien verraten !
Daher ein präventiver Schlag, um sich diese Bedrohung im Schicksals-Kampfe vom Hals zu schaffen !

In der Tat, so musste es sein !
Man müsste nur dafür sorgen, dass entsprechende Indizien, nein, Beweise natürlich, zu Tage treten, um dem italienischen Volk vorgelegt zu werden.
Damit dieses sich dann reinen Herzens auf die Verräter stürzen könnte !

Er räuspert sich etwas mühsam.
"Wir werden einige Zeit brauchen, um den Verrat der Schweiz zu enttarnen", gibt er in die lastende Stille hinein zu bedenken.
Lantini und Cavagnari sehen ihn mit hochgezogenen Augenbrauen überrascht an.

Mussolini wirft ihm hingegen einen anerkennenden Blick zu.
Immerhin einer kann ihm zügig folgen, denkt zudem noch mit !

"Da haben Sie ganz recht, mein lieber Conte!", lobt er lächelnd.
"Besser, nicht lange zuzuwarten, sondern sich unverzüglich an die Arbeit machen !"

"Wir haben im Esercito Italiano auch sehr viel zu tun !", schließt sich Cavallero schnell mit frischem Mut der neuen Linie an.
"Der komplette Aufmarsch muss überarbeitet werden !"

Italo Balbo überlegt noch einen Moment.
Kaut zweifelnd auf seiner Unterlippe.
Schmerzlich ist ihm bewusst, dass mit einem unprovozierten Schlag gegen die neutrale Schweiz die Wahrscheinlichkeit für einen neuen Weltkrieg deutlich anwachsen wird.
Italien, Deutschland, Japan gegen Großbritannien, die USA und wahrscheinlich die Sowjetunion.
David gegen Goliath !
Die Resultate werden sich letztlich nicht nur auf jeden Europäer, sondern vermutlich sogar auf jeden Menschen auf der Welt auswirken !

"Auch die Regia Aeronautica muss ihre Pläne prüfen", verkündet er schließlich.
"Wir können das Heer ja nicht einfach ohne Luftdeckung gegen die Schweizer Alpen anrennen lassen !"

Mussolini nickt mit einem zufriedenen Lächeln.

"Nun, auch die Regia Marina muss sich wohl neu aufstellen, um der veränderten Lage Rechnung zu tragen", lässt Cavagnari wissen.
"Es würde sicher nicht schaden, der französischen Flotte zum Auftakt ein paar Schläge zu versetzen und damit den Franzosen weiter Druck zu machen.
Natürlich ohne das konkrete Vorhaben einer Invasion großen Stils, aber woher sollten die das wissen ?"

Marconi lässt es mit einem gewohnt dünnen Lächeln bewenden.
Da der Kriegsausbruch offenkundig kurz bevor steht, bleibt für ihn nichts unmittelbar zu tun.
Keine neuen Hausaufgaben jedenfalls - es müssen schlicht alle laufenden Projekte zeitnah umgesetzt werden und da ist er eh schon dran.

Mussolini selbst hat sich hingegen durchaus noch einige Aufgaben notiert.
Nun, einige Änderungen in der Kommando-Struktur, offensichtlich.
Schließlich hatten die bisherigen Inhaber der Befehlsgewalt ja offenkundig kläglich versagt !
Darüber hatte er ebenfalls schon intensiv nachgedacht und einige neue Ansätze gefunden.
Aber die Folgerungen würde er zu einem besser geeigneten Zeitpunkt verkünden.

Die Mitglieder des Königlichen Sicherheitsrates tauschen nochmals Blicke aus, um sich der Einigkeit in dieser Sache zu versichern.
Angesichts der Tragweite der getroffenen Entscheidung wird ihnen nur eine Möglichkeit bleiben, diese ganze Angelegenheit zu überleben: der vollständige Sieg !


16. April 1939

Graf Ciano verlässt erschöpft das Büro seines Schwiegervaters.
Hallend schließt sich hinter ihm die mächtige zweiflügelige Tür zum Nervenzentrum Italiens.

Heute Mittag war er per Flugzeug von einer eintägigen Stippvisite auf dem Obersalzberg zurückgekehrt und sofort im Palazzo Venetia vorstellig geworden, um den ungeduldig auf Neuigkeiten wartenden Benito Mussolini persönlich auf den neuesten Stand zu bringen.

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Grund für die sehr kurzfristig anberaumte Reise war natürlich der Aufruhr, der mit der Zerschlagung der Tschechoslowakai und der anschließenden Annektion der Tschechei durch die Deutschen auf der Welt ausgebrochen war.
Die von Neville Chamberlain in Abstimmung mit den Franzosen ausgesprochene bedingungslose Garantie für Polen brachte schwer zu überblickende Auswirkungen für Deutschland und Italien mit sich.

Der Duce begehrte zu wissen, wie sich der deutsche Führer angesichts dieser veränderten Lage nun die künftige Entwicklung dachte.

Graf Ciano hatte sich mit der Nachfrage einen fast zweistündigen Monolog Hitlers eingehandelt, der mit hasserfüllten Ausfällen gegen Polen, Franzosen und speziell die Briten gespickt war.
Aber auch die Amerikaner und Russen wurden durchaus bedacht.
Im Kern drohte Hitler allen, die sich Deutschland in den Weg stellten, die totale Vernichtung an, schwelgte förmlich in Bildern der Zerstörung und des Untergangs der gegnerischen Hauptstädte.

Verlängert wurde die Tirade noch durch etwas zusammenhanglose, gleichwohl unnötige detaillierte Einsprengsel über die aktuellen Kaliber der deutschen Artillerie, die Stärke der Frontpanzerung bei kommenden Panzermodellen und Erwägungen zur künftigen Konstruktion von Schlachtschiffen.
Hitler setzte offenbar darauf, die Schrauben an den Seiten der Schlachtschiffe anzubringen, statt am Heck, was die Manövrierfähigkeit auf ein nie geahntes Niveau bringen sollte.
Womöglich ein reizvoller Gedanke, wenn auch für einen italienischen Außenminister keine vordringliche Frage.

Wie das mit Polen zusammenhing oder mittelfristig die britische Frage betraf, blieb dem Grafen jedenfalls vorerst unerfreulich unklar.

Kurz gesagt:
Nach Einschätzung des italienischen Außenministers war Hitler von der britisch-französischen Garantie-Erklärung ebenso kalt erwischt worden wie der Duce und hatte nun keinerlei Ahnung, wie es weitergehen sollte.
Ob Chamberlain nun dumm, niederträchtig oder nur schlecht beraten war: die Garantie steht im Raum !

Immerhin hatte Herrmann Göring die zufällige Begegnung auf dem Obersalzberg genutzt, um mit dem Grafen privatim einige Worte zu wechseln.
Herausgekommen war eine Einladung an den Grafen nach Carinhall, um die beiderseitigen Einschätzungen zu vergleichen und sich besser abzustimmen.

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Graf Ciano war von Görings Interesse überrascht worden, sah aber einen weiteren Gesprächspartner in der deutschen Führung für Italien als potentiell sehr hilfreich an, war doch Ribbentrop aufgrund seines schlichten Gemütes wenig brauchbar und
Hitler selbst infolge seines sprunghaften Wesens schwer kalkulierbar.
Man würde sehen, was dabei herauskommt ...


17. April 1939

Die kommandierenden Generäle der drei italienischen Armeen, die zusammen die Gruppo d'Armata Franca bilden, nehmen Haltung an, als eine hochgewachsene Gestalt den Lageraum der Heeresgruppe im Hauptquartier östlich von Turin betritt.
Hinter den Kommandeuren sind die wichtigsten Stabsoffiziere der Armeen angetreten, um den frisch ernannten Oberkommandierenden der Gruppe zu begrüßen.

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Der Neuankömmling marschiert, gefolgt von seinem eigenen Stab, forschen Schritts auf den großen Kartentisch zu, um den herum sich die Offiziere versammelt haben.
Das durch die Seitenfenster einfallende Licht der untergehenden Sonne bringt die frisch polierten Stiefel zum Blitzen.
Auf Beistelltischen stehen Erfrischungsgetränke bereit.

Die energisch zusammen gezogenen Augenbrauen und das vorgeschobene Kinn signalisieren Dominanz, die herab gezogenen Mundwinkel eine wohl chronische Unzufriedenheit.
Auf den Schulterklappen prangt stolz der römische Adler unter den Fasci, die Stellung des Trägers als Marschall Italiens verkündend.

Die dunklen Augen scheinen Funken zu sprühen, während er seinen Blick unnachgiebig der Reihe nach in die Augen der ihm nun untergebenen Generäle bohrt, nach Anzeichen von Unbotmäßigkeit Ausschau haltend.

Die angetretenen Offiziere salutieren stramm, als der Marschall an der Schmalseite des großen Tisches ankommt, worauf er mit einem betont zackigen Gruß reagiert.

Gestern erst hatte eine schriftliche Weisung Mussolinis die Änderung im Oberkommando der Gruppo d'Armata Franca verkündet, offenbar motiviert von den wenig erbaulichen Nachrichten über die Erfolgsaussichten des lange geplanten Schlages gegen Frankreich.

Zur Bestürzung der Armee-Kommandeure hatte der Duce ausgerechnet Rodolfo Graziani auserkoren, die Führung der Gruppe zu übernehmen.

Der Ruhm Grazianis gründet sich im Wesentlichen auf seine "Befriedung" Lybiens, das von Italien größtenteils bereits kurz vor dem Weltkrieg den altersschwachen Händen der Osmanen entwunden worden war.
Nach Ausbruch des großen Krieges hatte Italien seine frisch erworbene Kolonie jedoch nicht halten können, wurde vielmehr auf die wenigen Küstenstädte Tripolitaniens zurückgedrängt, sodass erst der Zusammenbruch des osmanischen Reiches das Gebiet wieder als Beute aus der Konkursmasse an Italien fallen ließ.

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Die Einwohner zeigten sich jedoch durchaus unwillig, das neue Joch zu akzeptieren, sodass ein jahrzehntelanger Guerrilla-Krieg entspann, der Italien zunächst nur im Besitz Tripolitaniens sah.
Und auch da gab es durchaus größere Probleme, hatte man doch ursprünglich den Arabern und Berbern umfangreiche Zugeständnisse in Form eines Selbstbestimmungsrechtes machen müssen.

Dies passte jedoch nicht in das Weltbild des 1923 an die Macht gekommenen Duce, der die Abmachungen verwarf und mit der Losung „La Riconquista Fascista della Libia“ auf die vollständige Eingliederung der Gebiete in das Nuovo Impero Romano setzte.
Zudem galt das fruchtbare Land speziell in Tripolitanien als leicht verfügbare Belohnung für diverse hochgestellte Persönlichkeiten, sodass eine Enteignungswelle den Widerstandsgeist der Araber und Berber zusätzlich beflügelte.

Unter dem Gouverneur Emilio de Bono griffen die italienischen Truppen rasch zu immer drastischeren Maßnahmen, wozu unter anderem auch die Bombardierung der Aufständischen im Osten unter Führung Omar Mukhtars mit Senfgas und Phosgen fiel.

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Damit fiel Italien auch erstmals den Westmächten erheblich zur Last, hatte man sich doch in Genf auf ein striktes Verbot des Einsatzes von Chemiewaffen geeinigt.
Das hässliche Wort "Völkermord" machte die Runde, die Distanz Italiens zu den Westmächten vergrößerte sich rapide.

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Graziani hatte sich als jüngster Oberst der italienischen Armee energisch an der Bekämpfung der Mudschahedin beteiligt und sich dabei durch besondere Rücksichtslosigkeit ausgezeichnet.

Als Mussolini ihn nach seinem Sieg in Fessan zum Gouverneur der Cyrenaika ernannt hatte, deportierte er beinahe die Hälfte der Bevölkerung in eilig errichtete tripolitanische Konzentrationslager, was wiederum nur etwa die Hälfte überlebte.
Zusammen mit der Härte des militärischen Vorgehens dürfte etwa ein Drittel der Bewohner der Cyrenaika in diesem blutigen Krieg, der schließlich mit der Hinrichtung Omar Mukhtars endete, ihr Leben verloren haben.
Graziani selbst erwarb sich damit den wenig erbaulichen Beinamen des "Schlächters von Fessan" oder auch allgemeiner wenn auch weniger zutreffend den des "Araber-Schlächters".

Für die höheren italienischen Militärs, insbesondere die jungen, aufstrebenden Kommandeure wie Giovanni Messe war es um Graziani's Ruf damit geschehen.
Ihm selbst brachte der Erfolg der Operationen hingegen die Ernennung zum Marschall Italiens ein, ein Titel, der neben ihm nur Petro Badoglio zugesprochen wurde, der es bereits im Weltkrieg zum General gebracht hatte und nun vor sich hin dämmerte.

Im abessinischen Krieg hatte Mussolini nicht, wie allgemein erwartet, den mit äußerster Härte vorgehenden Graziani zum Oberkommandierenden ernannt, sondern vielmehr den jungen, geistig beweglichen und der Panzerwaffe verschriebenen Giovanni Messe.
Graziani jedoch war mit einer Heerschar von sechs MVSN-Divisionen den vorrückenden regulären Einheiten Messe's gefolgt und hatte, erneut auch unter dem Einsatz von Giftgas, das besetzte Gebiet "befriedet".
Die schwarzen Uniformen der Milizionäre hatten seinerzeit offenkundig auch Hitler inspiriert, die neu formierte SS ähnlich auszustaffieren, natürlich unter Verzicht auf die bei den echten Schwarzhemden allgegenwärtigen "Fasci"

Als die siegreiche 1.Armee eilig aus dem eroberten Abessinien nach Lybien abzog, um sich dort für neue Aufgaben in Stellung zu bringen, hatte man Graziani zum Vizekönig Äthiopiens und damit zum unumschränkten regionalen Herrscher ernannt.

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Für die regulären Truppen wie für die Öffentlichkeit fiel damit ein undurchdringlicher Vorhang über die frisch erworbene Kolonie.
Man wusste nicht, was dort im Einzelnen vor sich ging, zumindest die Militärs wollten darüber auch gar nichts wissen.

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Nun also ist der in der Versenkung verschwundene Graziani wieder aufgetaucht, ausgerechnet als Oberkommandierender der Gruppo d'Armata Franca !

Dass der Duce auf die schlechten Nachrichten Messe's und Callero's reagieren würde, stand durchaus zu erwarten.
Bis dato hatte Giovanni Messe faktisch den Oberbefehl über die Heeresgruppe geführt, sollten sich doch alle Armeen an seinen Plänen und seinem erwarteten Vormarsch ausrichten.
Theoretisch lag der Oberbefehl hingegen beim Kriegsminister Ugo Cavallero selbst, der jedoch aufgrund der Belastung durch sein Amt kaum eine aktive Rolle hätte einnehmen können.

Bei einem Wechsel im Oberkommando der Heeresgruppe hätte man eher eine Berücksichtigung des Marschalls Petro Badoglio erwartet, was faktisch wiederum Giovanni Messe zugute gekommen wäre, galt Badoglio doch als geistig wenig anspruchsvoll oder gar wendig.
Graziani hingegen hatte eigentlich keiner auf dem Schirm, insbesondere auch Messe nicht.

Schließlich hatte Graziani mit dem Niedermetzeln von zahlenmäßig und waffentechnisch vollkommen unterlegenen Arabern nicht gerade ein militärisches Glanzstück vollbracht, Gräueltaten hin oder her.
Auch die auf der Brutalität seiner MVSN-Divisionen beruhende Sicherung Äthiopiens konnte ihn nicht wirklich als einen für einen modernen, motorisierten Krieg geeigneten Oberkommandierenden erscheinen lassen.

Offenkundig scheint er dem Duce also einzig ob seiner Härte und Rücksichtslosigkeit der richtige Mann für den entscheidenden Schlag gegen die Franzosen zu sein.

Während sich sein Blick mit dem des Marschalls kreuzt überlegt Messe, ob der Duce etwa plant, den notwendigen Durchbruch an der schweizerischen oder französischen Grenze mit chemischen Waffen zu erzielen.
Dafür wäre Graziani fraglos der richtige Mann, da er ausreichend Routine im Umgang damit hatte und sich kaum Sorgen über die Folgen machen dürfte.

Im Gegensatz zu Messe, der bei einem derartigen Vorgehen vor seinem geistigen Auge einen verfrühten Kriegseintritt der USA heraufdämmern sieht.
Natürlich würde Italien damit auch spielend zum Hauptfeind der Westmächte avancieren, etwas, das der Duce doch unbedingt vermeiden wollte - oder etwa nicht ?

Ein nicht nur theoretischer sondern auch faktischer Oberkommandierender der Gruppo d'Armata Franca macht auch nach Einschätzung Messe's infolge der veränderten Aufgabenstellung durchaus Sinn.
Bislang ging es schließlich nur um einen einheitlichen großen Schlag nach Westen, aus dem heraus dann die Panzer-Armee den leider recht weiten Weg nach Norden auf Paris antreten sollte.

Das hatte sich nun gründlich geändert, gilt es doch jetzt, mit der Heeresgruppe gleichzeitig sowohl nach Westen wie auch nach Norden zuzuschlagen, die schwache Stelle zu finden und dann die Panzer-Armee darauf anzusetzen.
Dafür könnte man einen Oberkommandierenden schon brauchen, würden die Armee-Kommandeure doch schon mit ihren eigenen Fronten genug zu tun haben.

Nach einigen Sekunden wendet Graziani seinen bohrenden Blick von Messe ab und nimmt nun den rechts daneben stehenden Visconti Prasca ins Visier.

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Messe hat das Blickduell äußerlich reglos und ohne Blinzeln überstanden.
Wie er hofft auch ohne erkennbare Herausforderung seines neuen Chefs.
Graziani ist sicherlich nicht der Typ, den man sich gerne zum Feinde macht.
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18. April 1939

Conte di Bassewitz blinzelt irritiert in die Blitzlichter der Kameras und versucht den Störenfried auszumachen, der gerade dabei ist, seine internationale Pressekonferenz in ein Tollhaus zu verwandeln.

Zur Eröffnung hatte er ein eilig aber gleichwohl in gewohnter Sorgfalt aufgesetztes Statement verlesen, in dem die Regierung seiner Majestät ihre wachsenden Zweifel an der Neutralität der Schweiz zum Ausdruck bringt.
Und ihre zunehmende Besorgnis, verknüpft mit dem Hinweis, dass man sich auf italienischer Seite schon passend zu präparieren verstehen würde, wenn sich die Dinge weiter so entwickeln sollten.

Natürlich waren die Leitartikel der italienischen Presse bereits in seinem Hause vorformuliert worden, um in dieser wichtigen Frage keine Unklarheiten aufkommen zu lassen.
Seine Assistenten hatten zudem die Chefredakteure der großen italienischen Tageszeitungen eigens in langen Telefongesprächen sorgfältig zu diesem komplizierten Thema instruiert.

In Italien sollte also wie gewohnt alles glatt laufen, aber man konnte hier natürlich nicht die internationale Presse außen vor lassen, ging es doch letztlich um den offiziellen Grund, aus dem Italien in nicht allzu ferner Zukunft
gegen die Schweiz zu Felde ziehen würde.

Es wird zwar kaum gelingen, auf die internationale Gemeinschaft und insbesondere die Neutralen einen günstigen Eindruck zu machen, der Form halber aber war es unvermeidlich, zumindest den Versuch zu unternehmen.
Egal wie fadenscheinig etwas aussieht - der spätere Sieger hätte kein Problem, seine Lesart als offizielle Geschichtsschreibung zu implementieren.
Verzichtet man hingegen auf eine auch nur halbwegs plausible Erklärung, stünde man hinterher für alle Zeiten als gemeiner Aggressor da.

Wie erwartet schlug die Mitteilung des Staatssekretärs bei den Vertretern der internationalen Presse ein wie ein Bombe.
Fragen über Fragen prasselten auf den Conte ein, prallten aber wirkungslos ab.

Bis dieser eine Vogel anfing, freche Kommentare zur Stellung des Duce in dem Tandem Mussolini-Hitler abzusondern !

Zum wachsenden Amüsement seiner Kollegen gab er zum Besten, dass Mussolini sich mit den abwegigen Anklagen gegen die Schweiz doch wohl nur wie üblich an die Rockschöße Hitlers hängen würde, der letztlich die Politik Deutschlands wie Italiens bestimmte.
Und ob man eine Weisung bezüglich der Schweiz wohl direkt vom Obersalzberg bezogen hätte, von wo aus der Führer wohl gedachte, den europäischen Kontinent zu regieren !

Ob dieser Frechheiten bleibt di Bassewitz glatt für einen Moment die Sprache weg, ist er derartige Anwürfe von der italienischen Presse doch keineswegs gewöhnt.

Wütend starrt er in den Raum, identifiziert schließlich den Korrespondenten der französischen L’Humanité.
Nun, dass diese Kanaille überhaupt noch über eine Akkreditierung verfügt, kann eigentlich eh nur ein Irrtum sein, handelt es sich bei L’Humanité doch praktisch um das Sprachrohr der kommunistischen Partei Frankreichs, PCF.

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Die PCF hatte als einzige politische Kraft in Frankreich bereits gegen das Münchner Abkommen agitiert, wohl alleine schon, da man die Sowjetunion gar nicht erst eingeladen hatte, und war seit der Annektion der Tschechei durch die Deutschen endgültig auf dem Kriegspfad.
Dass Mussolini und die italienischen Faschisten bei der PCF prinzipiell nicht in großem Ansehen stehen, versteht sich von selbst.

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Wäre man unter sich, würde di Bassewitz den Sicherheits-Kräften einfach einen Wink geben und dann würde man dieses Schandmaul an den Haaren aus dem Raum schleifen um ihn danach irgendwo verschwinden zu lassen !
Das würde aber wohl kaum einen günstigen Eindruck auf die übrigen internationalen Korrespondenten machen und sich entsprechend in der weltweiten Presse niederschlagen.
Woraufhin als Nächstes der Duce eventuell seinen Regierungssprecher an den Haaren aus seinem eigenen Büro zerren ließe.

Während die Gesichtszüge des Conte ob dieses Affronts diverse interessante Stati durchlaufen, klicken die Kameras fleißig weiter.

"Der Duce und der Führer konsultieren sich selbstverständlich routinemäßig gegenseitig in allen internationalen Fragen !", bringt der Staatssekretär schließlich mühsam hervor, angesichts seiner jäh aufsteigenden Wut unter akuten Atembeschwerden leidend.
"Das italienische und das deutsche Volk marschieren in fester Treue Seite an Seite und werden sicherlich nicht von irgendwelchen Aggressoren einen Keil in diese tiefe Freundschaft treiben lassen !"

Mit diesen Worten erhebt er sich brüsk und eilt zum Ausgang, verfolgt von Rufen der internationalen Journalisten.

Er merkt sich vor, ein Wort mit dem Innenminister Robert Farinacci zu wechseln und dessen Augenmerk auf diesen Querulanten zu lenken.

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Schließlich gebietet der Innenminister unter Anderem auch über die Schwarzhemden der MVSN, die über eine große Routine in gesundem Volksempfinden verfügen.

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Wer sich im fortschrittlichen Italien derartig gebärdet, muss sich nicht beschweren, wenn sich der ehrlichen und grundanständigen Leute eine nur zu verständliche Erregung bemächtigt, die dann zu Unannehmlichkeiten führt !



19. April 1939

Graf Ciano's Privatsekretär hält einen respektvollen Abstand von 15 Metern zu seinem Dienstherren, sich im Hintergrund bereithaltend, für den Fall, dass er gebraucht würde.
Um ihn herum scharen sich ein Sekretär Herrmann Görings, Verbindungsoffiziere der Deutschen und Italiener und, gewissermaßen als Gastgeber, der Verwalter von Carinhall.

Indessen genießt der italienische Außenminister das, was in seinem Amt als Maximum an Privatsphäre erreichbar ist, indem er alleine durch den langen, mit knöcheltiefen Teppichen und reichlich mit Kunstwerken verzierten Flur schlendert.

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Ciano war bereits am Vorabend angereist, wo er bei einem wie üblich opulenten Bankett die reale Nummer Zwei des Dritten Reiches getroffen hatte - Hess und Ribbentrop zählten nicht und Himmler ist bislang nur eine dunkle Wolke am Horizont.
Während Göring im Verlauf des Abends immer heftiger dem Alkohol zugesprochen hatte, legte sich Ciano professionelle Zurückhaltung auf, nippte nur aus Höflichkeit ab und an am ohnehin nicht sonderlich beeindruckenden deutschen Wein.

So ist es denn kein Wunder, dass Ciano bereits am frühen Morgen wieder auf den Beinen ist, während der Reichsmarschall offenkundig noch seinen Rausch ausschläft.

Herrmann Göring
war an sich ein alter Bekannter für die italienischen Faschisten, hatte er doch nach dem gescheiterten Putsch Hitlers 1923 zunächst verwundet Zuflucht in Österreich gesucht und war nach der Ausweisung nach Italien weitergezogen,
wo er als Verbindungsmann zu Hitler und dessen Bevollmächtigter fungierte.

Aus Österreich hatte er auch seine Morphium-Abhängigkeit mitgebracht, ein Resultat der etwas verpfuschten Behandlung seiner Schussverletzung.
Von da aus ging es schließlich Anfang 1925 nach Schweden, wo er sich einer ersten Entziehungskur unterzog und schließlich sogar für einige Wochen in einer Nervenheilanstalt landete.

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1927, nach weiteren - letztlich wieder erfolglosen - Entziehungskuren kehrte er schließlich nach Deutschland zurück, wo die Nazis mittlerweile infolge der geänderten Strategie Hitlers zunehmend gesellschaftsfähiger wurden und es nun mit einem nach außen hin legalen Griff nach der Macht versuchten.
In Hitlers Sog stieg auch Göring auf, wandte sich der Erschließung der Mitte Deutschlands zu, speziell der Reichshauptstadt Berlin und versuchte insbesondere, Hitler und den Nazis Zugang zur deutschen Oberschicht zu verschaffen.

1931 verstarb dann seine schwedische Ehefrau Carin, was offenkundig ein bleibendes Trauma bei Göring hinterließ.
Vielleicht auch nur ein besonders tief sitzendes schlechtes Gewissen, Gründe genug dürften sich finden lassen.

Wie auch immer - jedenfalls baute Göring, womöglich sogar letztmalig aus eigenen Mitteln, eine kleine, bescheidene Jagdhütte am Ufer des Döllnsees in der Schorfheide.
Nach einem politisch ausgeschlachteten Disput mit den Schweden ließ er Carins Leichnam in Schweden exhumieren und in einem eigens errichteten Mausoleum auf dem Gelände der Jagdhütte neu bestatten - die Keimzelle von Carinhall und der Punkt,
an dem Göring die Dinge offenbar allmählich entglitten.

Jedenfalls wurde die ursprünglich bescheidene Jagdhütte auf Kosten des preußischen Staates erheblich ausgebaut.

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Der Beginn großartiger Baumaßnahmen, die seit Mitte der dreißiger Jahre hier stattfinden und scheinbar nie an ein Ende kommen, werden doch kaum nach Vollendung eines Bauabschnittes sofort wieder noch größere Aktionen gestartet.

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Inzwischen hat Carinhall das Ausmaß eines römischen Kastells erreicht, dem es baulich ohnehin ähnelt und wird von Göring auch für den Empfang von Gästen aus aller Welt genutzt.

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Seltsamerweise erfreut sich Göring trotz seiner großzügigen Selbstbedienung an öffentlichen Mitteln der ungebrochenen Zuneigung der Deutschen.
Vermutlich versteht er es einfach besser als die anderen Bonzen, Volksnähe zu transportieren.
Hitler selbst hatte sich ja als eine Art Messias installiert und der Rest der Bagage wirkte zu verbiestert, um nennenswerte Sympathien zu wecken.

Graf Ciano rätselt müßig darüber, was wohl in Görings neuer Frau Emma angesichts all dieses Brimboriums vorgehen mag.

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Im Allgemeinen schätzen es Frauen ja nicht sonderlich, wenn ihr Angetrauter in Erinnerungen an seine Verflossene schwelgt und ihr Göttergatte war ja nun offenkundig im Begriff, etwas vom Ausmaß des Tadsch Mahal in die Schorfheide zu stellen, um seiner ersten Frau zu gedenken.
'Willkommen in Carinhall, mein Name ist Emma !' - der italienische Außenminister grinst spöttisch bei dem Gedanken - 'Ich bin die zweitwichtigste Frau in Herrmanns Leben, aber Gottseidank ist die andere tot !'

Wieder zu seinen strategischen Überlegungen zurückkehrend, blickt der Graf erneut nachdenklich durch die riesigen Fensterfronten auf den Innenhof, wo Bedienstete geschäftig ihren Tätigkeiten nachgehen.

Göring hatte am Vorabend seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die britische Garantie für Polen wieder nur einen Bluff darstellte, den die Briten, auf die Probe gestellt, bestimmt nicht einlösen würden.
Der italienische Außenminister sieht dies völlig anders, ebenso wie Mussolini selbst, woraus er auch kein Geheimnis machte.
Nach italienischer Lesart machten sich die Briten und in ihrem Gefolge die Franzosen kampfbereit und würden auch tatsächlich zu den Waffen greifen, falls Hitler über Polen her fallen sollte.

Göring, der wie Hitler erkennbar keine Absicht hegte, die Klingen mit den Briten zu kreuzen und damit zweifellos einen langen, bitteren Krieg mit unsicherem Ausgang vom Zaun zu brechen, wiederholte nur die schon von Hitler gewohnte Litanei hinsichtlich der zahlreichen Rückzieher der Briten
vor der überlegenen Entschlossenheit des Führers.

England wäre alt und müde geworden, nicht mehr in Lage zu einer weiteren Anstrengung wie 14/18, wo man ohnehin schon kurz vor dem Zusammenbruch gestanden hatte und nur von den Amerikanern gerettet wurde.
Der einst feste Griff um die Kolonien lockerte sich zunehmend, der altersschwachen Hand wohnte längst nicht mehr die einstige Kraft inne, wie man ja sehr gut in Indien beobachten konnte, wo man sich fortlaufend von diesem Ghandi blamieren ließ, einem abgerissenen Advokaten,
der in Unterhosen herumlief und die Briten verhöhnte.

Im Übrigen wäre Hitler ja auch gar nicht feindselig gegen England eingestellt, betrachtete das Empire ja sogar als Ordnungsfaktor in der Welt, der den auf den Osten gerichteten Ambitionen Deutschland gar nicht im Wege stand.
Man könnte sich sogar eine Garantie des Britischen Empires durch das Deutsche Reich vorstellen, also mithin ein mehr oder weniger offizielles Zusammengehen mit den Engländern, natürlich auf Kosten der Russen und Franzosen.

Ciano hält diese Idee für vollkommen abwegig - die stolzen Briten würden sich niemals von Deutschlands Gnaden abhängig machen, eher schon kämpfend untergehen.
Außerdem klingt dieser Ansatz für italienische Ohren ohnehin höchst bedrohlich, stünde bei einer solchen Verständigung zwischen Deutschland und England doch Italien mit seinen Bestrebungen im Mittelmeer-Raum und in Afrika plötzlich alleine da !

Da der Reichsmarschall im weiteren Verlauf des Abends zunehmend für vernünftige Erwägungen zu betrunken war, hatte sich der Graf schließlich verabschiedet und sich mit einigem Groll im Herzen in seinen Räumlichkeiten zur Ruhe begeben.
Die deutsche Führung lebte offenkundig in einer Phantasie-Welt mit immer weniger Bezug zur Realität - wie sollte sich Italien da positionieren, die eigenen Ziele erreichen ohne dabei unter die Räder zu kommen ?


"Euer Exzellenz, der Reichsmarschall würde sich sehr freuen, Sie zu einem kleinen Imbiss in der Bibliothek begrüßen zu dürfen", verkündet ein weiterer, auf den dicken Teppichen unhörbar herangetretener Sekretär Görings.
Der aus seinen unerfreulichen Gedankengängen gerissene Graf Ciano nickt geistesabwesend und schließt sich mit seinem Gefolge dem sich ehrerbietig verbeugenden Emissär des Reichsmarschalls an.

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21. April 1939

Capitano von Retterling späht konzentriert durch das Fernglas in den gegenüber liegenden Park.
Das Ziel taucht praktisch exakt zur erwarteten Zeit auf.

"400 Meter", gibt er schließlich an den rechts neben ihm auf einem zurecht gerückten Küchentisch liegenden Antonio Gentile weiter.
"Leichter Wind aus 0800", fügt er noch nach einem kurzen prüfenden Seitenblick auf in der Nähe stehende Büsche und Bäume hinzu.

Gentile lässt ein bestätigendes Grunzen vernehmen und nimmt kleine Justierungen an dem Visier seines Scharfschützen-Gewehrs vor.
Die Wand hinter dem offenen Fenster ist mit einem dunklen Tuch abgehängt, sodass man angesichts des hellen Sonnenscheins von Außen nicht erkennen kann, was in der eigentlich leer stehenden Wohnung im vierten Stock vor sich geht.

Erst vor drei Tagen war die Gruppo 23 alarmiert und mit einem in aller Eile erstellten Operationsplan versehen in Marsch gesetzt worden.

Zur Überraschung von Retterlings ging es diesmal in die Schweiz.
Obwohl man für dienstliche Angelegenheiten im Ausland immer noch gerne Schweizer Tarn-Identitäten nutzt, war er doch bislang nicht näher an die Schweiz heran gekommen als bis Turin.

Er hatte einen Namen und einige Bilder erhalten, die er sich sorgfältig eingeprägt hatte.
Zufällig kannte er das Ziel aus mehreren Zeitungsartikeln, deren jüngster auch schon wieder einige Wochen zurückliegt.

Es handelte sich um Arthur Fonjallaz, einen ehemaligen Oberst der Schweizer Armee, der nach irgendeinem Skandal Mitte der zwanziger Jahre gefeuert wurde.

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Als Bewunderer des italienischen Schriftstellers Enrico Corradini, der wiederum dem berüchtigten Gabriele d'Annuncio verfallen war, gründete er schließlich eine faschistische Bewegung in der Schweiz und traf sich mehrere Male sogar mit dem Duce in Rom,
der ihn oder sein Anliegen oder beides seither finanziell großzügig unterstützt.

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Was in der Schweiz verständlicherweise auf wenig Gegenliebe stieß.

Noch mehr brachte seine Mitbürger auf, dass er sich hervorragend vorstellen konnte, die Neutralität aufzugeben und mit Italien zusammen zu arbeiten.
Vielleicht könnte man ja sogar die Schweiz im neuen, modernen Italien aufgehen sehen.
Purer Zündstoff für die Schweiz, wo es doch nichts gab, was einem Schweizer mehr am Herzen lag als Autonomie und Neutralität !

Der zusammen gewürfelte Haufen der Schweizerischen Faschistischen Bewegung (SFB) brachte es nie auf mehr als ein paar Hundert Mitglieder, schaffte es mit seinen Aktivitäten aber durchaus, immer wieder für Aufregung im ansonsten so ruhigen und zivilisierten öffentlichen Leben zu sorgen.

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Als Fonjallaz auch noch ein glorifizierendes Buch über Mussolini publizierte (Energie et Volonté), besann man sich in der Schweiz praktisch auf die Höchststrafe: er wurde unlängst sogar noch aus der Heimatwehr verstoßen !

Dass der gute Mann den Schweizer Behörden und der Öffentlichkeit gehörig auf den Wecker geht, kann von Retterling also gut verstehen, aber wie hatte es dieser doch eigentlich gut auf der offiziellen italienischen Linie liegende abgehalfterte Oberst auf die Abschussliste des SIM geschafft?
Dafür musste man sich normalerweise durchaus nachhaltig qualifizieren, waren die Auslandsunternehmungen des SIM doch nicht gerade billig und auch nicht sonderlich unauffällig.
Und warum war das auch noch so brandeilig?

"350 Meter", meldet von Retterling, sorgfältig die Umgebung des sich im gemütlichen Spaziergänger-Tempo nähernden Schweizers nach potentiellen Störgrößen absuchend.

Natürlich hatte er sich seine zufälligen wie intimen Kenntnisse bezüglich seiner Zielperson gegenüber seinem Vorgesetzten durch kein Blinzeln anmerken lassen.
Geschweige denn eine besondere Neugier über die Hintergründe an den Tag gelegt.

Die Tätigkeit der Außen-Agenten und insbesondere der Spezialisten der Gruppo 23 brachte durchaus Gefahren mit sich.

Man könnte zum Beispiel von den örtlichen Behörden gefasst werden und sei es denn wegen irgendeines dummen Zufalls.
Jegliches Wissen über die Beweggründe oder Überlegungen des SIM würden dann für den betroffenen Agenten eine prekäre Situation schaffen.
Wie von Retterling nur zu bekannt ist, gibt es aus Sicht eines Geheimdienstes nur genau eine total sichere Methode, einen Geheimnisverrat zu verhindern.

Also sollte man besser nicht den weitgereisten, hoch gebildeten Besserwisser heraushängen lassen, wenn man die vage Absicht hegte, irgendwann einmal ganz normal in Rente zu gehen !

Er hatte also nur den Auftrag mit einem schlichten Kopfnicken quittiert, seine Leute eingesammelt und sich auf den Weg gemacht.

Der dieses Mal bemerkenswert umständlich ausfiel - von Rom aus ging es nach Lybien, von dort nach Algerien und dann weiter nach Toulon, alles mit gefälschten Schweizer Pässen.
In Frankreich wechselte man dann auf amerikanische Identitäten und reiste in die Schweiz ein, um sich endlich nach Lugano zu begeben - natürlich nicht als Gruppe, sondern als Einzelreisende auf unterschiedlichen Schiffen, Flugzeugen und Zügen.

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Untergebracht wurde das Team auch in unterschiedlichen Hotels und Pensionen, sodass am Ende nicht viel übrig blieb, um eine belastbare Spur zu rekonstruieren.
Inzwischen deponierten andere Teams die notwendige Ausstattung der Gruppo 23 in geeigneten toten Briefkästen.

"300 Meter", sagt von Retterling an.
"Bereit machen !"

Sergente Gentile, der Spezialist für Fernwirkung innerhalb der Gruppo 23, brummt erneut, lädt eine Kugel in den Lauf, während er sich noch dichter an sein englisches Scharfschützen-Gewehr schmiegt.

Im Grunde fühlt er sich grob unterfordert.
Den alten Sack da könnte er locker auch auf 500 Meter umnieten, selbst wenn er sich nicht direkt auf ihn zu bewegen würde.
Zumal das Lee-Enfield Nr.4 Mark 2 mit Kaliber 303 in der Scharfschützen-Version locker bis 800 Meter absolut zielsicher trifft.

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Ein feine Waffe, nicht so ein Schrott wie das italienische Mannlicher-Carcano mit der mistigen 6,5mm Patrone !
Und dafür extra auf einem rekordverdächtigen Umweg bis nach Lugano reisen?
Er beschließt, den Kerl mit einem Schuss exakt zwischen die Augen auszuschalten, nur um seine Virtuosität unter Beweis zu stellen.

Von Retterling kontrolliert indessen weiter das Umfeld des sich nähernden Ziels.
Eine Frau mit Kinderwagen, aber weit genug außerhalb der Schusslinie.
Ein alter Mann auf einer Bank, der Brotkrumen an Tauben verfüttert.
Mehrere Passanten auf dem Gehweg, aber in Gegenrichtung unterwegs.

Dann entdeckt er einen weiteren Mann, zu dem man ihm ein Bild gezeigt hatte.
Dieser ist einer von den Guten, hatte ihm sein Chef eingebläut.
Ihm darf nichts passieren !

Tatsächlich ist er der Lockvogel, mit dem sich das Ziel am gegenüber des von Gruppo 23 genutzten Wohnhauses gelegenen Eingang zum Park verabredet hat.
Laut der Instruktionen des Capitano weiß der Lockvogel nichts über den eigentlichen Zweck des Treffens, glaubt vielmehr, es gäbe etwas wichtiges mit dem Ziel zu besprechen.
Daher weiß das Ziel auch, wohin es zu laufen hat, wodurch sich wiederum für Gruppo 23 eine hinreichend kontrollierte Lage ergibt.

"250 Meter", meldet der Capitano.
"Weiterhin schwacher Wind aus 0800, schießen nach eigenem Ermessen"

Als von Retterling gestern endlich im Hotel angekommen war, hatte er schließlich den mutmaßlichen Grund für die Aktion in der dort ausgelegten Washington Post entdeckt.
Immerhin auf Seite drei prangte ein ausführlicher Artikel über italienische Anschuldigungen hinsichtlich einer geheimen Zusammenarbeit der Schweiz mit England und Frankreich.
Nach Ansicht des Redakteurs eine Angelegenheit, die leicht zu kriegerischen Verwicklungen führen konnte und somit eine weitere Lunte für das Pulverfass Europa.
Von Retterling war durchaus geneigt, ihm beizupflichten.

Er hatte sich danach noch die Times beschafft und dort einen sehr ähnlichen Artikel gefunden.
Nur die Bilder unterschieden sich leicht - in der amerikanischen Zeitung wirkte der abgebildete italienische Regierungssprecher mit aufgerissenen Augen und offenem Mund wie ein Idiot,
während er in der britischen Zeitung eher einem Berserker vor einem wirklich schlimmen Wutanfall gleich sah.

Offenbar eine turbulente Veranstaltung.

Derweil hat der Sergente beschlossen, dass sein Sold nicht ausreicht um sich der Pein längeren Nachdenkens auszusetzen.
Dafür wird sein Teamleiter bezahlt, schließlich ist der ein Offizier !
Er selbst hingegen ist ein Künstler und nun ist es an der Zeit, sein Instrument zu spielen.

Gentile atmet mehrfach tief durch, schaltet das bewusste Denken ab.
Keine große Mühe.

Hält ein wenig tiefer an, da das Ziel ja noch näher kommt.

Legt den Zeigefinger locker an den Abzug.

Atmet aus.

Als endlich der Schuss fällt, ist er beinahe selbst überrascht, hat er es doch seinem Instinkt überlassen, den richtigen Moment zu finden.

Von Retterling beobachtet, wie der getroffene Fonjallaz nach hinten umkippt wie ein gefällter Baum.
Sieht ihn bereits tot auf den Boden aufschlagen.
Rasch breitet sich um den Kopf eine Blutlache auf dem Gehweg aus.

Auch auf diese Entfernung hinweg zeigt das präzise schweizerische Fernglas einen dunklen Fleck zwischen den Augen, der vorher nicht da war.
Ein sicheres Anzeichen dafür, dass das Ziel sich nicht mehr erheben würde.
Nie mehr.
Ja, die Schweizer kennen sich halt aus, mit präzisen Werkzeugen, lobt der Capitano still.

Er setzt das Glas ab, platziert es auf dem Boden, während Gentile das Gewehr auf dem Küchentisch ablegt und sich geschmeidig erhebt.
Beide setzen blaue Mützen auf, die prima zu den leicht verschmutzten Blaumännern passen, die sie über Hemd und Stoffhose tragen und ziehen sie tief ins Gesicht.

Während von der Straße laute Rufe vernehmbar werden, machen sich beide Agenten bereits nach einem letzten kontrollierenden Blick auf den Weg ins Treppenhaus.
Die schweren Arbeitsschuhe poltern über die ausgetretenen Granit-Stiegen nach unten.
Beide wenden sich zum Hinterausgang, wo von Retterling kurz innehält, um den in einem Stoffbeutel vorbereiteten Müll in der Tonne zu verstreuen.

Zwei abgerissene und mit Kaffeeflecken bedeckte Fahrkarten für das Postboot von Dover nach Calais, garniert mit Resten einiger Äpfel.
Eine in mehrere Stücke gerissene Landkarte mit Markierungen für eine Strecke von Calais nach Lugano.
Eine leere und zusammen geknüllte Packung Dunhill, samt einiger aufgerauchter Stummel.
Den Müll hatten einige unbekannte hilfreiche Hände in der Wohnung deponiert.

In den Augen von Retterlings etwas vergebliche Liebesmüh, aber vielleicht ja wirklich geeignet, den Schweizer Staatsschutz zu irritieren.
Immerhin ist dem Secret Service ja prinzipiell alles zuzutrauen.
Jedenfalls führt keine Spur nach Italien, was den guten Leuten doch einiges Kopfzerbrechen bereiten wird.

Im Hinterhof wartet ein rückwärts heran gefahrener LKW.

Bild

Zwei weitere Männer der Gruppo 23 sind dort seit geraumer Zeit beschäftigt, Zementsäcke abzuladen und an der Hausmauer aufzuschlichten.
Auch ihre Gesichter werden von den Kappen ihrer Mützen verdeckt.

Mit dem Eintreffen von Retterlings und Gentiles beenden die beiden ihre Tätigkeit und klettern wortlos auf die Ladefläche des mit einer Plane versehenen Lasters.
Gentile verschwindet ebenfalls auf der Ladefläche während von Retterling gelassen nach vorne geht und auf dem Beifahrersitz Platz nimmt.
Mit Ertönen des Schusses hat der auf dem Fahrersitz wartende fünfte Mann des Teams bereits den Motor angelassen, sodass er nun unverzüglich aber gemächlich losfahren kann, nichts zurücklassend als eine bleigraue Rauchwolke und eine Spur ins Nirgendwo.

Noch bevor sich erste Polizeisirenen vernehmen lassen, ist die Gruppo 23 bereits aus dem Stadtviertel verschwunden, der gestohlene Laster unter eine Brücke abgestellt, die Blaumänner abgestreift.
Nun geht es wieder getrennt über die französische Grenze auf den nicht weniger beschwerlichen Rückweg.


23. April 1939

Benito Mussolini widmet sich, unter einem Sonnenschirm auf der Terrasse seiner privaten Villa sitzend, wieder einmal der Morgenlektüre der internationalen Presse.
Nach einem entsetzlich langen Tag im Palazzo Venetia hat er beschlossen, heute mal blau zu machen und erst am späten Nachmittag im Büro nach dem Rechten zu sehen.
Sein Privatsekretär hat die gewohnte Auswahl an Zeitungen herbei geschleppt.

Erwartungsgemäß finden sich immer noch überall Spekulationen über die durch die italienische Regierung so harsch in Zweifel gezogene Neutralität der Schweiz.
Könnte da vielleicht etwas dran sein?
Mit dem Vertrauen in die Arbeit der Regierungen ist es im westlichen Ausland auch nicht weit her.

Erfreulicherweise gibt es durchaus einige Stimmen, die diesen Vorwurf ernst nehmen und über die Möglichkeit eines Anschlusses der Schweiz an die britisch-französische Allianz spekulieren.
Hauptsächlich, weil es aus Sicht der Kommentatoren einen Vorteil für diese Allianz darstellen würde, böte doch das Territorium der Schweiz die Option, sowohl Deutschland als auch Italien in der Flanke zu fassen.
Außerdem fühlt man sich aktuell auch etwas knapp an Freunden und den Polen dürfte man ja wohl eher selber helfen müssen, anstatt auf ihre Hilfe zählen zu können.

Die weitaus meisten Kommentatoren halten diese Vorwürfe jedoch für absurd und spekulieren daher über die Hintergründe dafür.
Wobei der Schluss dann recht nahe liegt: Italien selbst plane einen Angriff auf die Schweiz !

Diese zusätzliche Bedrohung des Weltfriedens treibt die Journaille mächtig um, scheint es nun doch an allen Ecken und Enden zu brennen.

Mussolini lächelt leicht, winkt einen Diener heran, der ihm aus einer versilberten Kanne heißen Kaffee nachschenkt und sicherstellt, dass noch genügend frisch gepresster Orangensaft auf dem Tisch bereit steht.
Der Duce lässt den Blick über das Grundstück schweifen, wo Gärtner damit beschäftigt sind, Büsche und Hecken zu trimmen.
Im Hintergrund behalten Schwarzhemden der 'Moschettieri del Duce', seiner persönlichen Leibgarde, Bedienstete und Gelände im Auge, um jede denkbare Bedrohung im Keim zu Ersticken.

Mussolini nippt an dem frischen Bohnenkaffe, bevor er sich einem anderen Aspekt zuwendet, der seit gestern für noch mehr Aufruhr sorgt:
Das erfolgreiche Attentat auf den Führer der Schweizer Faschisten !

Im Grunde eine belanglose Person, ohne jeden Chance, auf die politische Willensbildung in der Schweiz irgendeinen Einfluss zu nehmen, wie einige Korrespondeten anmerken.
Dieser Umstand verschwindet aber vollkommen vor dem Faktum, dass irgend jemand definitiv genau diesen Fonjallaz auf höchst professionelle Weise beiseite geräumt hat.

Aus welchem Grund?
Zu welchem Zweck?

Natürlich hatte die italienische Presse weisungsgemäß die alten Bilder heraus gekramt, auf denen Fonjallaz mit Mussolini im trauten Gespräch gezeigt wird, verknüpft mit Hinweisen auf das ausgezeichnete Verhältnis und die zahlreichen Besuche Fonjallaz's in Rom.
Man gab sich bestürzt über den feigen Mord an diesem aufrechten Manne und deutete nach Frankreich, England und natürlich auf die Schweiz selbst, die man letztlich verantwortet machte.

Über die italienischen Zeitungen hatten diese Bilder heute auch ihren Weg in die internationale Presse gefunden, sodass man nun auch dort trefflich spekulieren kann.

Hatten die Schweizer Behörden genug von dem ewigen Ärger mit Fonjallaz und dem SFB und sich ganz ungeachtet ihres normalerweise dezenten Auftretens unvermittelt zu einem derartig rabiaten Vorgehen entschlossen?
Oder waren es die Briten oder Franzosen, die eine störende Stimme verstummen lassen wollten, bevor sie den Weg der Schweiz in ihren Schoß behindern konnte?

Außerhalb Großbritanniens traut man dem Secret Service jedenfalls prinzipiell alles zu, also könnte das schon sein.
Wodurch diese Neutralitätsgeschichte natürlich prompt sehr viel plausibler wirkte.

In einigen Blättern wurde unvermeidlich darüber nachgedacht, ob vielleicht Mussolini selbst Fonjallaz hatte beiseite räumen lassen, eventuell weil man über irgendein Detail in Streit geraten wäre oder Fonjallaz etwas wusste, dass dem Duce zum Nachteil geraten konnte.
Was ja nun teilweise stimmt, aber halt der falsche Ansatz ist, ein totes Gleis.
Tatsächlich waren Fonjallaz und Mussolini ein Herz und eine Seele gewesen, soweit sich denn der Duce überhaupt für den Schweizer Wirrkopf interessierte und Fonjallaz selbst verehrte den Duce geradezu, hätte niemals etwas getan, das ihm schaden konnte.

Nun, daher war es auch etwas schwierig für Mussolini gewesen, diesem Vorschlag Roatta's zu folgen, aber man muss halt auch Opfer bringen für des N.I.R.
Da man sich in nächster Zeit mit der Schweiz beschäftigen muss, war Fonjallaz entbehrlich geworden, war er doch nur eine Karte im Blatt des Duce gewesen, die man vielleicht einmal auf lange Sicht ausspielen konnte.
Und am Ende war der Führer des SFB ja auch kein Italiener gewesen und für die Italiener machte der Duce das ja schließlich alles !

Mussolini würde sich wegen dieser Angelegenheit jedenfalls keinen Kopf machen.

Soweit also eine bislang hübsche Entwicklung des in aller Eile von Conte di Bassewitz und General Roatta geschmiedeten Plans.

Indessen steht der L’Humanité der Schaum vor dem Mund, ist doch ihr Italien-Korrespondent ziemlich lädiert in einem römischen Krankenhaus aufgewacht.
Man beschuldigte die italienische Regierung, einen Schlägertrupp ausgesandt zu haben, der den französischen Reporter ermorden sollte - konnte aber natürlich keine Beweise vorweisen.
Der etwas zerknirschte Conte di Bassewitz hatte Mussolini vom Verlauf der Pressekonferenz berichtet und der Duce hatte die Entscheidung seines Regierungssprechers, dem frechen Franzosen eins rein zu würgen, abgenickt.

Erwartungsgemäß gibt es nun zusätzliches böses Blut in Frankreich, da auch den französischen Konservativen ein französischer Kommunist noch lieber ist als ein italienischer Faschist, aber das spielt nun keine große Rolle mehr.
Solange der ursprüngliche Plan eines massiven Schlages nach Westen in Kraft war, galt es, ein flaches Profil zu zeigen, um dann überraschend zuzuschlagen.
Nun, wo man Richtung Westen und Norden auskeilen würde, ist es nicht mehr sonderlich wichtig, unauffällig zu bleiben.

Tatsächlich ist es gar nicht mehr möglich, muss man doch ein Spannungsverhältnis zur Schweiz aufbauen, natürlich mit der Schweiz als Schuldigem, um den Weg im Norden zu bereiten.
Also zur Hölle mit den Franzosen, weg mit den Glacé-Handschuhen !

Heute Abend würde sein Schwiegersohn mit einer Presseerklärung in den Ring steigen und noch ordentlich Benzin ins Feuer gießen mit einer harschen Anklage gegen die Schweizer Behörden.
Diese standen ohnehin von allen Seiten mächtig unter Druck, war man doch auch in der Schweiz selbst hoch erregt, zuerst über die italienischen Vorwürfe, dann über das Attentat.
Was läuft da ab?
Das Volk fordert Aufklärung, doch die Behörden mauern, geben an, bislang keine eindeutigen Spuren gefunden zu haben, jedoch mit höchster Energie zu ermitteln.

Nun, was man gefunden hat, weiß Mussolini nur zu gut und kann sich auch die ratlosen Gesichter der Nachrichtendienstler und Kriminalisten vorstellen.
Die Indizien sind gleichermaßen eindeutig wie abwegig.
Oder sollte die eigene Regierung tatsächlich ein falsches Spiel treiben, um die Schweiz an die Seite der Alliierten zu führen?

Sogar von Ribbentrop hat sich auf einen Arbeitsbesuch in Rom eingeladen, "um wichtige Themen von beiderseitigem Interesse zu besprechen" - zweifellos wollte Hitler wissen, welches Pulverfass da so unvermittelt in die Luft geflogen war und warum und wie das weitergehen sollte ?

Bild

Mussolini grinst bei dem Gedanken, zur Abwechslung mal den Deutschen etwas Kopfzerbrechen zu bereiten.
In den letzten Monaten hatte ja Hitler ihn ein ums andere Mal überrascht und hinter sich her geschleift !

Der Schweizer Botschafter versucht auch schon seit mehreren Tagen, einen Termin bei Mussolini zu bekommen, ein Grund mehr, dem Büro fern zu bleiben.
Was er zu sagen hat, weiß Mussolini selbst schon - natürlich hat die Schweizer Regierung nichts getan und keine Ahnung von irgendwas.
So ist das Leben - sie stehen halt im Weg, Pech !

Der Schlag gegen die Schweiz kommt auch nur rein zeitlich deutlich früher als gedacht, denn auf der längerfristigen Agenda steht eine Eingemeindung der Schweiz in das N.I.R. ohnehin schon länger.
Industrie und Rohstoffe gibt es dort genügend, um Begehrlichkeiten zu wecken.

Somit ist die halbe Welt in heller Aufregung, während Italien sich weiter auf "DEN TAG" vorbereitet.
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Beitrag von Bassewitz »

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Beitrag von H34DHUN73R »

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Bassewitz hat geschrieben:Wir sind sprachlos vor Begeisterung!

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Genau, werter Bassewitz, ganz genau - es hat keinen Sinn mehr, dieser Eigenbrötelei noch länger tatenlos zuzusehen !
Seit gewiss, der Duce wird diese Bedrohung des Weltfrieden nicht tatenlos hinnehmen :)

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Hohenlohe hat geschrieben:Wir sind gespannt darauf, wie die Alliierten auf diesen Geniestreich des edlen DUC3 reagieren werden... :ph:

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Fassungslos, würden Wir mal vermuten, werter Hohenlohe :)
Zumal es nicht leicht war, diesen Verrat der Schweiz zu enttarnen ;)
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Beitrag von Hohenlohe »

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Die ruhmreichen römischen Legionen stehen hoffentlich auch ausreichend vorbereitet an der Front, um den Schweizern den Zorn des DUC3 spüren zu lassen... :^^:

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Beitrag von Taurus »

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Wir haben so lange ohne Nachricht ausgeharrt, endlich hat der Duce ein Einsehen mit uns allen bewiesen und dann so ein Paukenschlag!

Absolut fantastisch, die Entwicklung würde in jedem (alternativen) Geschichtsbuch Eingang finden, wir sind fürwahr gefesselt und fiebern den kommenden Ereignissen entgegen :)

Beitrag von H34DHUN73R »

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Was heißt hier 'alternativ', werter Taurus ?
Wir schreiben hier getreulich die Geschichte des N.I.R. nieder ;)
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Beitrag von Taurus »

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H34DHUN73R hat geschrieben:Was heißt hier 'alternativ', werter Taurus ?
Wir schreiben hier getreulich die Geschichte des N.I.R. nieder ;)

Wir drückten uns ungenau aus: Um in einem Geschichtsbuch zu stehen, müssen die Ereignisse ja erst noch passieren....also statt "alternativ" müsste es wohl eher "potentiell" heissen
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