HOI4: Alle Wege führen nach Rom

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Beitrag von H34DHUN73R »

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H34DHUN73R
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HOI4: Alle Wege führen nach Rom

ERSTER :D

Da es sich mit den AARs zu HOI4 hier ein wenig schleppt, erlauben Wir Uns, an dieser Stelle vorzupreschen :)
Obwohl Wir aufgrund der beruflichen Auslastung eigentlich gar keine Zeit haben, aber na ja.
Es möchte also möglich sein, dass sich das Projekt hier etwas hinzieht.

Bevor es losgeht noch einige Anmerkungen:

1) mit dem Deutschen Reich erscheint Uns das Spiel derzeit zu einfach, daher wählen Wir Italien. Die fröhlich-unberechenbare KI versteht es, für Abwechslung zu sorgen, sodass dem Leser hoffentlich einige Unterhaltung geboten werden kann.

2) Wir spielen auf Schwierigkeitsstufe "Normal", wobei es hier wohl eh keine großen Unterschiede gibt. KI bleibt KI, da kann man einstellen, was man will.

3) Wir haben einige Mods installiert, die mit einer Ausnahme spielerisch keinen Unterschied machen, siehe Screen. Einen Unterschied soll hingegen "Sahara Impassable" machen, der hoffentlich tut was er soll - ausprobiert haben wir es noch nicht.

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4) Schweren Herzens sind Wir zur normalen deutschen Version zurückgekehrt. Wir haben keine Lust, jeden Screen einzeln auf gewisse Details zu checken.

5) Geboten wird eine hoffentlich unterhaltsame Story, die sich einerseits am Spiel, andererseits am historischen Kontext orientiert.

Obwohl eigentlich unnötig, sei hier darauf hingewiesen, dass der Verfasser keinerlei Sympathien mit Mussolini oder den Faschisten hegt. Oder vergleichbarem Gesocks. Oder überhaupt irgendwelchem Gesocks gegenüber (es gibt soviel, heutzutage)
Nach Unserer unbescheidener Meinung war Mussolini vielmehr ein entscheidender Wegbereiter Hitlers - hätte er nicht dem Anschluss Österreichs zugestimmt, wäre die Geschichte vermutlich gänzlich anders verlaufen.
Stattdessen hat er durch kurzsichtige Machtpolitik zum eigenen Vorteil die Büchse der Pandora geöffnet und Hitlers Krieg überhaupt erst ermöglicht.
Daher finden wir das gelungenste Bild von Mussolini eines seiner letzten (kopfüber am Seil hängend, der geneigte Leser mag im Internet googeln). Schade, dass es von Adolf nichts vergleichbares gibt, aber der war halt schon immer schlauer.

6) Obwohl man der Verlockung einer Parodie im Falle Italiens eigentlich kaum widerstehen kann, haben Wir Uns doch dagegen entschieden.
Wir glauben, dass eine fesselnde Geschichte alle möglichen Facetten bieten sollte und eine Parodie engt hier natürlich auch ein.
Überdies wurden satirische Italien-AARs auch in diesem Forum schon reichlich geboten - und werden sicher auch weiterhin geboten, so soll es auch sein und Wir werden auch gerne mit lachen.

An dieser Stelle verneigen Wir Uns ehrfürchtig vor Charlie Chaplin und - in Unserem Falle natürlich besonders geboten - Jack Oakie, die es geschafft haben, Angst und Schrecken verbreitende Diktatoren zu Witzfiguren zu machen und der
Lächerlichkeit preiszugeben. Daher empfinden Wir persönlich den "Großen Diktator" als einen der wichtigsten Filme, die je gedreht wurden.
Neben "Vier Fäuste für ein Halleluja" versteht sich, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

In der Folge verstellt dieses einprägsame Bild der lächerlichen Diktatoren, insbesondere des lächerlichen Mussolini (oh, gab es je einen Diktator, der lächerlicher war?) natürlich auch ein wenig den Blick auf die Ernsthaftigkeit des Unterfangens.
Wir fanden früher die Habsburger und Hohenzoller lächerlich - bis Uns der "Oberst Redl" mit Armin Müller-Stahl die Augen geöffnet hat.
Die Leute hatten sich gründlich verrechnet, aber sie verfolgten mit großem Ernst sehr klare Ziele.

Da es Uns immer zuerst um strategische Aspekte geht, soll im Folgenden also ein höchst ernsthafter Griff nach der Weltherrschaft dargestellt werden, in klarer Erkenntnis der beschränkten eigenen Mittel und Defizite und der überlegenen Stärke der Gegner.
Und zwischendurch soll sicherlich auch mal gelacht werden.

In diesem Sinne mag sich nun der Vorhang heben um den Versuch einer erneuten Errichtung eines römischen Imperiums wiederzugeben...
Man sollte nie das Schicksal herausfordern. Das Schicksal kann alles ertragen, nur keine Herausforderung.
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Beitrag von Bushi »

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Wir haben euer Projekt schonmal abonniert.
"Leisten wir uns den Luxus einer eigenen Meinung."

Beitrag von H34DHUN73R »

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... und kassiert damit den Erstleser-Bonus, werter Bushi :)
Wir freuen Uns, Euch lebenslänglich kostenlose Updates dieses AAR anbieten zu können und wünschen viel Vergnügen :)
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Beitrag von Hjalfnar »

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Yay, Wir sind gespannt, werter H34DHUN73R!

Beitrag von Bassewitz »

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Hoffentlich schnappt Ihr Euch Spanien und Jugoslawien!
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Karl V. (1500-50)

Beitrag von Private_S »

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Beitrag von [Gast] »

[Gast]

Endlich ein HoI IV AAR, auf gehts und möge das Mittelmeer eures sein.

Beitrag von H34DHUN73R »

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Alle Wege führen nach Rom - I

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02.Januar 1936
Benito Mussolini beugt sich in seinem Arbeitszimmer - wenn man es so nennen konnte - im Palazzo Venezia sitzend, über den aufgeschlagenen Akt, die Stirn skeptisch runzelnd.

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Eine strenge, schmucklose Messing-Lesebrille läßt eher an einen Gelehrten, Schriftsteller oder Bankier denken, denn an den "Duce", der gewöhnlich gekleidet in eine martialische Uniform hauptsächlich durch - insbesondere in ausländischen Augen - unsäglich theatralische Auftritte aufzufallen versteht.

Abseits dieser von den Italienern und insbesondere von seinen Anhängern durchaus goutierten öffentlichen Auftritte trägt Mussolini meist - wie auch heute - unauffällig legere Geschäftskleidung: schwarze Stoffhose, weißes oder hellblaues Stoffhemd, dazu ein bequemes beiges oder schwarzes Sakko und heute wie meist keine Krawatte.
Auch an dem schwarzen Hemd, das für die faschistische Bewegung schon beinahe heilige Bedeutung hatte, zeigt er privatissimo kein sonderliches Interesse.

Die konzentrierte, nachdenkliche Haltung, mit der er sich in das Dokument vertieft hat, trägt ihr übriges zu dem für Außenstehende befremdlichen Eindruck bei. Man wäre allenfalls geneigt, diesem durchschnittlich großen, an einem schnörkellosen Schreibtisch sitzenden Mann eine gewisse Ähnlichkeit zu jenem operettenhaften Demagogen zu attestieren. Am Ehesten erinnert noch der ausgeprägte Unterkiefer an jenen beinahe schon bizarren, selbstherrlichen und offenkundig drittklassigen Schauspieler.

Und doch ist dieser weitaus unauffälligere, ruhige und durchaus intellektuell wirkende Mann der echte Duce, jener andere nur eine Kunstfigur, zurechtgeschnitten nach Mussolinis Vorstellung eines erfolgreichen und eindruckgebietenden Volkstribuns.
Nun, niemand kann auf allen Gebieten brillieren und Mussolinis eher beschränkten schauspielerischen Fähigkeiten haben im Verein mit seinem ausgeprägten politischen Instinkt, seiner Begabung für Strategie und Taktik und nicht zuletzt seiner Skrupellosigkeit und dem unstillbaren Drang nach Macht immerhin ausgereicht, die selbst definierte Position des Führers des italienischen Volkes zu erreichen.
Jedenfalls gibt es heute, am 02.Januar 1936 in Italien praktisch keine Stimme mehr, die das bestreiten würde.
Was womöglich auch daran liegen mag, dass jene Stimmen für immer verstummt, vielleicht hinter hohen Mauern nicht mehr wahrnehmbar sind oder auch einfach aus kühler Berechnung derzeit schweigen.

Mussolini nippt an seinem Pellegrino, während er eine weitere Seite des Berichtes umblättert.

Ebenfalls ganz entgegen seines öffentlichen Images ist eher zudem ein fleißiger, bisweilen übergenauer und detailbesessener Arbeiter, der täglich 10 bis 12 Stunden Besprechungen mit seinen Untergebenen widmet und insbesondere auch dem beinahe leidenschaftlichen Studium von Akten.

Akten, die so ziemlich jeden Aspekt des Lebens in Italien betreffen können, zum Leidwesen seiner Mitarbeiter und speziell der zweiten Garnitur der italienischen Faschisten, von denen sich durchaus etliche selbst zum Herrscher berufen sehen. Doch sieht ihnen der arbeitswütige Duce zu genau auf die Finger und hält die Zügel viel zu straff, als dass sie sich Alleingänge hätten erlauben können.
Zumal es sich in vielen Fällen durchaus nicht um die intellektuelle Blüte des italienischen Volkes handelt. Mussolini hatte mit kühler Berechnung eher zweit- und drittklassige Männer auf Schlüsselpositionen gesetzt, die nicht gerissen genug waren, um ihm gefährlich zu werden, aber doch schlau genug, um einzusehen, dass sie ohne ihn nichts erreichen konnten.

Auf den Verfasser des so aufmerksam studierten Berichtes trifft all das hingegen durchaus nicht zu.
Vielmehr handelt es sich bei Jenem mit Giovanni Messe um den fraglos fähigsten General der italienischen Streitkräfte, viele würden sogar sagen, um den einzig fähigen.
Was nicht ganz korrekt war, den es gab noch einen zweiten Kommandeur mit einigem Potential.
Bei den übrigen Befehlshabern handelte es sich überwiegend um verknöcherte, dem Denken und den Paradigmen des Weltkrieges verhaftete Bürokraten, denen man eigentlich nicht ernstlich eine verantwortungsvolle Position übertragen mochte.
Zumal sie ihr Handwerk schon in jenem großen Krieg nur stümperhaft verrichteten.

Nun, in Friedenszeiten waren fähige Militärs eher ein Grund zur Beunruhigung, speziell für einen so argwöhnischen Menschen wie Mussolini.
Da er sich selbst als einen in die Reihe der römischen Cäsaren gestellten Führer definierte, waren ihm talentierte und erfolgreiche Tribune generell ein Grund für höchste Wachsamkeit.
Schließlich hatten eine ganze Reihe von Imperatoren ihre Karrieren als erfolgreiche Feldherren begonnen, die ihre zu sorglosen Herren am Ende überwältigten.
In Kriegszeiten hingegen konnte man sich die bequemen, harmlosen Schafsköpfe nicht leisten, da mussten dann eben doch jene fähigen Strategen das Kommando übernehmen, die man ansonsten lieber fernab von Macht und Einfluß wußte, zur Not auch gleich unter der Erde.

Allerdings bot Giovanni Messe selbst dem leicht weckbaren Misstrauen des Duce kein rechtes Ziel.
Der General und Held diverser Kriege, der mit den Arditi die italienischen Sturmtruppen begründet hatte, war ein geradezu beängstigend rechtschaffener Offizier, an dessen Treue zum König keinerlei Zweifel aufkommen konnte. Solange Mussolini selbst das Wohlwollen Viktor Emanuels besaß, würde er sich blind auf seinen brillianten General verlassen können.

Daher wohnte der Ernennung Messes zum Oberkommandierenden im abessinischen Krieg etwas Unausweichliches inne, weshalb ihn der Duce an etlichen dienstälteren Generälen vorbei an die Spitze des kampfstärksten Verbandes der italienischen Streitkräfte befördert hatte.
Natürlich würden jene weitgehend unfähigen Einfaltspinsel dieses Manöver Mussolini so schnell nicht verzeihen - aber ihre Wut galt ebenso dem protegierten Giovanni Messe, was jenen umso enger an den Duce band.

In dem aufmerksam studierten Dokument finden sich die Dispositionen des Generals hinsichtlich der bevorstehenden Offensive gegen die abessinischen Streitkräfte.
Messe legte darin ausführlich die Gründe für seine Anforderung beinahe der gesamten italienischen Luftwaffe dar.
Nach Meinung des Generals sind die italienischen Infanterie-Einheiten den Äthiopiern keineswegs so überlegen, wie man das im allgemeinen gerne annimmt.

Tatsächlich fehlt es an so gut wie Allem: Artillerie, Pioniere, Nachrichten- und Aufklärungseinheiten, Sanitäts- und Wartungseinheiten.
Selbst der vorhandenen Ausrüstung der Infanterie bescheinigt er ein armseliges Niveau auf gerade mal dem Stand des Weltkrieges und damit den meisten großen Nationen deutlich unterlegen.
Nicht gerade das, was man zu lesen wünscht, wenn man ein Weltreich errichten will oder doch jedenfalls eine Einflusszone, die gleichrangig neben der Englands oder Frankreichs rangiert.

Zumindest Letzteres ist jedoch erklärtes Ziel des Duce, der die klägliche Rolle Italiens im Weltkrieg nicht vergessen, geschweige denn verwunden hat.
Schliesslich hatte er selbst lange genug als Frontkämpfer die Knochen hingehalten, hatte viele gute Kameraden in blutigen und durchweg sinnlosen Schlachten fallen sehen.

Jahrhunderte lang war Italien der Bedeutungslosgkeit verfallen, purer Spielball anderer Mächte und in zahlreiche kleine Herzogtümer zersplittert.
Der Weltkrieg hatte, auch nach dem Willen Mussolinis, der unaufhörlich dem Kriegseintritt auf Seiten der Entente das Wort geredet hatte, dem ein Ende setzen und Italien wieder in die Reihen der Großmächte führen sollen.

Ursprünglich gedachten die italienischen Führer dieses Ziel an der Seite der Mittelmächte auf Kosten Frankreichs zu erreichen.
Die überraschende Kehrtwende der britischen Außenpolitik und die Gründung der Entente, verknüpft mit der Annäherung an Rußland hatte die Lage für Italien jedoch grundlegend verändert.
Da Italien praktisch nur aus Küste bestand, war die Sicherung des östlichen Mittelmeeres faktisch stets eine Überlebensfrage.
Mit der französischen Marine hätte man es diesbezüglich durchaus aufnehmen können, aber als England an die Seite Frankreichs trat war klar, dass die Entente das Mittelmeer beherrschen würde.
Daher schwankten die italienischen Führer längere Zeit um sich schliesslich gegen ihre alten Bundesgenossen zu wenden, Nizza gegen Triest tauschend.

Doch verlief der Krieg dann gänzlich anders als gedacht.
Die immer wieder erneuerten Isonzo-Offensiven brachten nur gigantische Verluste, obwohl Habsurg doch unter einem Mehrfrontenkrieg schnell hätte zusammenbrechen sollen.
Anstatt das Volk zu einen und eine gemeinsame italienische Identität zu stiften, waren die Italiener von Anfang an gespalten und diese Spaltung vertiefte sich noch ständig weiter.
Schliesslich musste die Entente sogar noch intervenieren, um einen italienischen Zusammenbruch zu verhindern, womit es um den ersehnten außenpolitische Prestige-Gewinn ebenfalls geschehen war.

Auch hatte man es seiten der Franzosen und Engländer am Ende vorgezogen, die entscheidenden Offensiven dort zu starten, wo die Mittelmächte am Stärksten waren:
In Frankreich und nicht etwa an Piave und Isonzo, wo sich Österreich-Ungarn schon in Auflösung befand und auch der Krieg gegen Deutschland sehr viel schneller und eindrücklicher zu beenden gewesen wäre.
All dies nur um Frankreich den Nimbus des Triumpfes über die Mittelmächte zu verleihen und nicht etwa Italien.
Das ersehnte Dalmatien hatte man auch nicht erhalten, stattdessen wurde ein jugoslawischer Staat aus der Taufe gehoben, der zumindest im Norden eine ganze Reihe von Gebieten beinhaltete, die Italien als für sich reserviert ansah.

So reihten sich die Italiener am Ende in die Liste der enttäuschten Sieger ein, die ihren gewaltigen Einsatz weitgehend als verloren, ihre Anstrengungen als herabgewürdigt ansahen.
Wie auch andernorts verschaffte die Enttäuschung und Brutalisierung im Gefolge des Weltkrieges den Extremisten Zulauf, sodass sich schliesslich Mussolini durchsetzen konnte.

Er hatte das Fernziel eines neuen römischen Reiches inzwischen keineswegs aus den Augen verloren, wenn auch nunmehr einen deutlich geschärften Blick für die Hindernisse auf diesem Weg.

Im Norden war Deutschland fraglos auf Revanche aus, was Italien durchaus einschließen mochte.
Klar war jedenfalls, dass der Österreicher Hitler eine großdeutsche Lösung im Sinn hatte, nachdem sich die kleindeutsche Variante als nicht leistungsfähig genug für Deutschlands hochgespannte Ambitionen erwiesen hatte.
Im Zuge einer Eingemeindung Österreichs mochte schnell ein Interesse an Slowenien, Kroatien und Dalmatien aufkommen - Gebiete, die für Mussolini unabdingbar mit seinem ersehnten neuen römischen Imperium verknüpft waren.
Zudem war Italien ein schwaches Österreich eine Sicherheitsgarantie für die eigene Grenze und die nach dem Weltkrieg annektierten Gebiete.
Würde der Rassenfanatiker Hitler die Südtiroler preisgeben um sich ausgerechnet mit den Italienern anzufreunden, auf deren Konto die Zerschlagung Österreich-Ungarns letztlich ging?
In seinem kruden Buch, welches Mussolini nach Hitlers Machtergreifung gezwungenermaßen gelesen hatte, schwadronierte jener ja beständig über den Osten.
Ob er ernstlich hoffte, der Westen würde ihn gewähren lassen?
Im Erfolgsfalle könnte Deutschland wohl von keiner feindlichen Allianz mehr bezwungen werde, was für Briten und Franzosen sicher Grund genug wäre, frühzeitig einzuschreiten.

Im Westen war Frankreich ein traditioneller Gegner, um nicht zu sagen Feind Italiens, sah man dort doch Norditalien seit langem als bloße Spielwiese französischer Interessen. Zudem beobachtete man beiderseits mißtrauisch die kolonialen Bestrebungen des jeweiligen Nachbarn.
Auf dem Balkan lag man sowieso über Kreuz.
Die Franzosen würde daher sicher nicht zögern, sich auf Kosten Italiens zu bereichern.

England wiederum hatte mit seinem Empire am meisten zu verlieren - jegliche Statusänderung im Mittelmeerraum konnte eigentlich nur zulasten der britischen Machtposition erfolgen.
Aufgrund der überragenden Bedeutung des Suez-Kanals für den Zusammenhalt des Empires würden die Briten nahezu alles tun, um Ihre Position in Ägypten zu halten, was jeden notwendigen Ausbau der britischen Mittelmeer-Flotte einschloß.
Die britische Außenpolitik basierte zudem seit langem auf dem sorgfältigen Ausbalancieren von Allem und Jeden, was den nicht sonderlich kampfwütigen Engländern ermöglichte, jeweils im Verein mit lokalen und regionalen Verbündeten als Zünglein an der Waage die Pax Britannica aufrecht zu erhalten oder jedenfalls wieder herzustellen.
Wobei besagte Verbündete gerne auch die Hauptlast der Kämpfe und Verluste übernehmen durften, wie zuletzt Frankreich, Rußland und Italien.

Im Osten boten sich immerhin mit den schwachen Staaten Jugoslawien, Albanien und Griechenland reichlich geeignete Ziele an.
Leider sahen die Briten allerdings diese Staaten als elementaren Bestandteil ihrer Eindämmungsstrategie gegenüber Deutschland, der Türkei und Rußland an, weshalb sie einer Annektion durch Italien und dem verbundenen Machtzuwaches Italiens nicht tatenlos zusehen würden.

An der nordafrikanischen Küste bot sich auch kein erreichbares Ziel - Ägypten blieb zumindest vorerst ein unerreichbarer Traum.
So fiel der Blick schließlich auf Abessinien, den ältesten existierenden Staat der Welt, der wundersamerweise den kolonialen Bestrebungen des 19. Jahrhunderts getrotzt hatte.
Wobei Italien durchaus selbst durchaus ebenfalls mit solchen Bestrebungen gescheitert war.
Damit gedachte der Duce nun aufzuräumen, weshalb er einen nun schon drei Monate währenden Krieg vom Zaun gebrochen hatte.
Leider hatte er den Oberbefehl dem politisch ungefährlichen aber eben auch militärisch unfähigen Pietro Badoglio übertragen hatte, der erkennbar in erträglicher Zeit nichts erreichen würde.
Deshalb hatte Mussolini schließlich doch seinem besten General das Oberkommando übertragen und erwartete nun nichts anderes als einen schnellen Sieg.
Bisher beschränkten sich Briten und Franzosen zwar auf diplomatische Demarchen, aber je länger sich die Sache hinzog desto mehr geriet Italien ins Fadenkreuz dieser weit überlegenen Mächte.

Immerhin hatte sich Deutschland politisch und propagandistisch auf die Seite Italiens geschlagen.
Für Hitler nicht gerade ein populärer Zug, weder innen- noch außenpolitisch, weshalb es sich eigentlich ganz klar um eine Offerte an Italien handeln mußte.
Die Auftritte der Nazis waren nicht dazu geeignet, das Wohlwollen der Nachbarn zu erlangen, was im Falle Deutschlands ohnehin schon beinahe unmöglich gewesen wäre.

Da galt es für den Duce nun, scharf Vor- und Nachteile abzuwägen, bevor man einen fatalen Fehler beging.
Mussolini wäre viel lieber mit England / Frankreich marschiert, aber da gab es für Italien nun mal nichts zu gewinnen.
Mit Deutschland hingegen wäre das Risiko ungleich größer - aber damit auch die mögliche Prämie.

Immerhin hatten sich die US-amerikanischen Wähler nach dem Weltkrieg wieder prompt in ihr isolationistisches Schneckenhaus verkrochen.
Durchaus zum Leidwesen ihrer politischen Führer, die sich noch ganz gerne den einen oder anderen Schluck aus der imperialistischen Flasche gegönnt hätten.
Aber auch wenn derartige Gelüste wieder aufleben mochten, war doch der zunehmende Fokus auf den Pazifik unverkennbar.
Also drohte wenigstens aus dieser Richtung mittelfristig keine Gefahr.

Die Russen wiederrum waren nach jener verheerenden Revolution, die die Schrecken des Weltkrieges noch deutlich übetroffen hatte, bis auf Weiteres aus dem Spiel.

Alles in allem eine Konstellation, die bei sich bei allen Gefahren in der Zukunft sehr viel eher verschlechtern als verbessern würde.
Also galt es, möglichst schnell zu handeln, wenn man etwas erreichen wollte!


Mussolini teilte durchaus die Ansichten seines Proteges hinsichtlich der Ausstattung der italienischen Streitkräfte.
Den tieferen Grund bildete natürlich das unzureichende italienische Industriepotential, was bereits im Weltkrieg klar zu Tage getreten war.
Seinerzeit hatte die Entente Italien massiv mit Kriegsgerät unter die Arme gegriffen, was angesichts des italienischen Alleinganges nun natürlich nicht mehr zur Debatte stand.
Einige Jahre lang hatte England mit Mussolini kokettiert, doch war diesem immer klar gewesen, dass es den Engländern ohnehin nur darum ging, die allzu selbstbewußten Franzosen auf eine handliche Größe zu begrenzen. Dafür war Italien recht, doch würden die Engländern niemals einen ernstlichen Machtzuwachs Italiens fördern oder auch nur dulden.

Italien würde sich schon selbst eine industrielle Basis schaffen müssen, die seinem Anspruch auf Weltgeltung entsprach!
Der Duce hat dazu schon einige Pläne in Petto, die sich im Abessinien-Krieg allerdings wohl nicht mehr auswirken werden.

Immerhin verfügen die gegenwärtig interessanten Abessinier nicht über Flugzeuge und wohl auch nicht über Mittel zur Flugabwehr, weshalb Mussolini dem Ansinnen Giovanni Messes durchaus positiv gegenüber steht.
Allerdings dient sein Schwiegersohn, Graf Ciano als Major und Bomberpilot bei der Luftwaffe, was ihn immerhin kurz zögern läßt.
Seine Tochter würde es ihm wohl nicht verzeihen, wenn ihr Mann in Afrika fallen sollte.
Aber schließlich ist der Duce selbst ein altgedienter Frontkämpfer und der Status als Kriegsheld würde die Karriere seines Schwiegersohnes nach der erfolgreichen Tätigkeit als Generalkonsul in China sicherlich noch weiter beflügeln.
Mussolini hat keine Lust, einen ungeeigneten Schwiegersohn zu protegieren - seinen Wert für die Familie und für Italien muss er schon selbst beweisen!

Die Luftwaffe musste im Übrigen auch mal vor die Tür.
Bislang gründete sich der Ruf der italienischen Luftwaffe im Wesentlichen auf eher sinnlose Rekorde von Prototypen und Spezialmaschinen, sowie noch sinnlosere Formationsflüge, wie etwa einer Atlantiküberquerung mit etwas über 30 Maschinen.
Also nichts von praktischem militärischem Wert.

Inzwischen alterte das Gros der Maschinen vor sich hin, ohne dass geeignete Nachfolger zur Verfügung standen.
Zu lange hatte man sich auf den Lorbeeren aus den zwanziger Jahren ausgeruht.
Das alles soll sich demnächst ändern und ein echter Kampfeinsatz ist dafür sicher ein probater Auftakt.
Schwungvoll setzt der Duce daher seine Unterschrift unter das Ersuchen von General Messe und setzt damit umfangreiche Verlegungen in Gang.


04.Januar 1936
Vier Männer sitzen an dem rechteckigen, schweren Eichenholz-Besprechungstisch im Büro des Duce im Palazzo Venezia.
Benito Mussolini selbst, der zur Zeit nebenher auch das Rüstungs-, Korporations- und Luftfahrt-Ministerium leitet, sowie die drei Staatssekretäre, die er zur Entlastung von den Tagesgeschäften dieser Ministerien benannt hat.
Im Grunde nehmen jene die Aufgaben von Ministern war, Mussolini ging es bei der offiziellen Übernahme durch ihn selbst im Wesentlichen um die Abkoppelung dieser sensiblen Themen vom allgemeinen Kabinettsbetrieb und die Sicherstellung koordinierter Aktivitäten nach seinem persönlichem Ratschluß.
Noch ergänzt durch den ebenso sensiblen Bereich Forschung und Entwicklung tagt hier dementsprechend faktisch ein Geheimkabinett.

Aufschlussreich ist das Fehlen von Domenico Cavagnari, dem Staatssekretär des Marineministeriums und Stabs-Chef der Marine.
Normalerweise ist er als Verwalter des nach der Armee zweitgrößten Rüstungsbudgets ein sehr einflußreiches Mitglied dieses illustren Kreises.

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Mussolini residiert natürlich an der Stirnseite des vier Meter langen Tisches.

Rechts von ihm hat Ugo Cavallero Platz genommen, der als Staatsekretär das Kriegsministerium leitet.

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Über die Jahrzehnte hinweg pendelte dieser immer wieder zwischen einer erfolgreichen militärischen Laufbahn, die ihm zum gegenwärtigen Rang eines Maggore Generale geführt hat und einer eher noch erfolgreicheren privatwirtschaftlichen Karriere, die zuletzt im Vorstandsvorsitz von Ansaldo gipfelte.
Ansaldo gehört zu den größten italienischen Rüstungsfirmen, mit einem Portfolio von Stahlwerken, Werften, Artillerie- und Flugzeug-Produktion und starken Aktivitäten in den Bereichen Eisenbahn- und Automobil-Bau.
Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise stand der Industrie-Gigant am Rande des Abgrundes um schliesslich von Mussolinis staatlicher Auffanggesellschaft IRI gerettet zu werden.
Für Mussolini ist Cavallero auch als Gegengewicht zu Marschall Pietro Badoglio wichtig, der als Marschall von Italien und Generalstabs-Chef der Streitkräfte wichtigster Militär und damit ein anderer für den Duce potentiell gefährlicher Mann ist.

Neben ihm sitzt Ferruccio Lantini für das Korporationsministerium, welches die Nachfolge der vormaligen Ministerien für Industrie, Wirtschaft, Handel und Arbeit angetreten hat.
Nach faschistischer Ansicht können diese Themen nur gemeinsam behandelt werden, was eine bemerkenswerte Machtkonzentration in den Händen dieses Mannes zur Folge hat.

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Auf der gegenüberliegenden Seite ist mit Italo Balbo einer der wichtigsten Männer Italiens für das Luftfahrtministerium präsent.

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Eine abwechslungsreiche Karriere hat ihn vom hoch dekorierten Weltkriegs-Offizier der Alpinisti über die Sozialwissenschaften und das Bankwesen schließlich in die Politik geführt.
Im Gegensatz zu den meisten heute in der PNF einflußreichen Männer war er bereits vor Mussolinis Marsch auf Rom einer der Parteiführer und ist damit naturgemäß auch ein potentieller Konkurrent für den Duce.
Seine jetzige Position verdankt er nicht zuletzt dem Wunsch Mussolinis, diesen geistig sehr wendigen Mann im Auge zu behalten.

Obwohl er Luftmarschall ist, hat er doch das Fliegen erst vor wenigen Jahren erlernt, letztlich auf Betreiben Mussolinis.
Zweifellos hatte ihm der Duce seine jetzige Aufgabe auch übertragen, um sich bei einem Scheitern Balbos diesen gefährlichen Mann ohne größere Scherereien vom Hals schaffen zu können.
Allerdings war Balbo bislang nicht gescheitert, stattdessen hat er es sogar zu nationaler und internationaler Berühmtheit gebracht und nun hat Mussolini ihn erst recht am Hals.

Zur Linken Mussolinis hat sich der noch berühmtere Guglielmo Marconi platziert, der neben seinen unternehmerischen Tätigkeiten auch Mitglied der PNF und Präsident der Accademia Nazionale dei Lincei ist und somit auch als wissenschaftlicher Berater Mussolinis fungiert.

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Jedenfalls soweit sich dieser für Wissenschaft interessiert - zumindest zuletzt standen die auf den militärischen Bereich praktisch anwendbaren Themen im Vordergrund.

Mussolinis Blick folgt den beiden Bediensteten, die die Versammelten mit Mineralwasser, Säften und Kaffee versorgt haben und sich nun samt Servierwagen diskret zurückziehen.
Was hier besprochen wird geht keinen Außenstehenden an.
Erst als sich die schallgedämpfte Doppeltür hallend geschlossen hat, beginnt der Duce zu sprechen.

"Nun gut, meine Herren, kommen wir gleich zum Wesentlichen!"
Sein prüfender Blick wandert reihum, versichert sich der ungeteilten Aufmerksamkeit der Runde.

"Für die Zukunft Italiens ist die Kontrolle über den Balkan unverzichtbar! Dies wiederum wird sich ohne eine Konfrontation mit England und wahrscheinlich auch Frankreich nicht bewerkstelligen lassen!"

Balbo zieht bestürzt die Augenbrauen hoch, plädiert er doch seit Langem für eine Anlehnung an England.
Auch Cavallo wirkt keineswegs begeistert, weiß er doch die überlegene Stärke der französischen Armee bestens einzuschätzen.
Marconi und Lantini wirken unbewegt, obwohl für Ersteren die wirtschaftlichen Folgen sicherlich sehr erheblich wären.

"Natürlich werden wir nicht überstürzt zu Werke gehen", fährt Mussolini gleichmütig fort, "sondern uns vielmehr die nächsten vier Jahre Zeit nehmen, um uns kriegsbereit zu machen!"

Einzig Lantini scheint sich ein wenig zu entspannen.

"Wir werden natürlich eine umfassende Erweiterung der Armee vornehmen müssen - ich denke an mindestens 120 Divisionen, wovon mindestens 15 Divisionen gepanzert oder immerhin motorisiert sein sollen!"

Nun wirkt immerhin Cavallo etwas zuversichtlicher, während Lantini zunehmend skeptisch im Kopf mitzurechnen scheint.

"Ausserdem werden wir eine Luftwaffe benötigen, die diese Truppen wirksam unterstützen kann, vor Allem aber die Luftherrschafft über italienischem Gebiet und den Küstengewässern erkämpfen kann. Daher muss vorrangig die Jagdwaffe stark ausgebaut werden!"

"Wir haben im Luftfahrtministerium vor einiger Zeit bereits den Plan Merkur ausgearbeitet, Benito", läßt sich Balbo vernehmen.
Zwar schätzt man sich gegenseitig nicht sonderlich, jedoch ist es für die alten Kampfgefährten obligatorisch, sich beim Vornamen zu nennen.
"Wir gehen von einem Ausbau der Jagdwaffe auf 15 Geschwader aus, dazu 4 Bomber-, 4 Marineflieger- und 4 Sturzkampfgeschwader"
Mussolini, dem dieser Plan durchaus geläufig ist, nickt bestätigend. Zwar gehen seine Pläne noch weiter, aber es macht keinen Sinn, gleich alle Anwesenden vor den Kopf zu stoßen.

Lantinis Blick wandert nun irritiert zwischen beiden hin und her, die Stirn in tiefe Falten gelegt.
"Ich muss leider anmerken, dass unsere Industrie keineswegs in der Lage sein wird, innerhalb von 4 Jahren eine derartige Hochrüstung von Armee und Luftwaffe zu bewerkstelligen, mein Duce", flechtet er zögerlich ein.

"Daher werden wir uns auch vorerst einer drastischen Erweiterung unserer Rüstungs-Industrie widmen", bescheidet ihm der Angesprochene gelassen, "wobei wir insbesondere auch die Industrie-Technologien stark weiterentwickeln werden"

Marconi nickt auf einen fragenden Blick Mussolinis hin bestätigend.
"Tatsächlich werden wir durch Verbesserungen der Ausrüstung und durch den Aufbau von Groß-Betrieben die Produktivität und damit auch die Produktion dramatisch steigern können"

"Nun, das wird zweifellos auch erforderlich sein", gibt der noch keineswegs beruhigte Lantini zurück.
"Aber eine derartig radikal ausgeweitete Rüstungsproduktion benötigt auch eine entsprechende Rohstoff-Versorgung. Wie sollen wir denn beides bewerkstelligen?"

Mussolini gestattet sich ein dünnes Lächeln.
"Indem wir sobald als möglich auf eine Kriegswirtschaft umstellen," antwortet er dem ungläubigen Staatsekretär, "und dadurch den zivilen Verbrauch deutlich einschränken. Außerdem können wir dann einen weit größeren Teil unserer Konsumgüter-Industrie für den Export arbeiten lassen und uns so die notwendigen Devisen verschaffen"

"Für modernes Kriegsgerät wie Flugzeuge, Panzer und LKW benötigen wir vor Allem Öl und Gummi", gibt Cavallo zu bedenken.
"Eine nachhaltige Versorgung dürfte mit ansteigenden politischen Spannungen immer schwieriger werden und mit Kriegsausbruch eventuell gänzlich unmöglich!"

"Wie so häufig haben diese schrecklich tüchtigen Deutschen auch hier offenkundig eine Lösung gefunden", wehrt Mussolini ab.
"Durch Kohleverflüssigung lassen sich im großindustriellen Maßstab gewaltige Mengen an Öl und Gummi gewinnen - sicherlich genug für unsere Zwecke!"

Erneut nickt Marconi, den Mussolini schon vor einigen Monaten mit eben jener Frage befasst hat, bestätigend.

"Also müssen wir zusätzlich zum drastischen Ausbau der Rüstungs-Industrie und der Rüstung selbst auch noch diese sicherlich sehr umfangreichen Industrie aufbauen", wendet Lantini düster ein, woraufhin ihn Mussolini mit einem gereizten Seitenblick straft.
"Nun, natürlich werden wir diese Aufgabe letztlich stemmen - aber werden uns die Deutschen ihre Technologie denn so einfach zur Verfügung stellen?"

"Das lassen Sie mal ruhig meine Sorge sein, mein lieber Lantini", versetzt der Duce.
"Ich habe mir darüber schon meine Gedanken gemacht"

Nun richten sich alle Augen neugierig auf Mussolini, der jedoch erkennbar keine Lust hat, zum jetzigen Zeitpunkt seine diesbezüglichen Überlegungen zu enthüllen.
Oder überhaupt in diesem Kreise bekannt zu geben.

Nach einigen langen Sekunden zunehmend peinlicheren Schweigens ergreift Balbo erneut das Wort.
"Müssen wir nicht auch noch die Marine stark ausbauen, wenn wir uns mit den Engländern anlegen wollen?"

"Wir werden uns nicht einfach so mit den Engländern anlegen", verkündet Mussolini, "das überlassen wir gerne anderen Leuten, die die ungeilte Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden. Wir werden uns vielmehr unaufällig verhalten und genau im richtigen Moment überraschend und mit überwältigender Macht zuschlagen.
Für den Ausbau der Marine ist auch später noch genug Zeit, zuerst müssen wir in der Lage sein, mit den Franzosen fertig zu werden, was wir zulande und in der Luft schaffen müssen. Ausserdem hat es auch keinen Sinn, die bestehenden Schiffs-Entwürfe zu bauen, die den englischen ohnehin schon unterlegen sind. Wir werden vielmehr alle Flottenbau-Aktivitäten auf Eis legen, bis solche Pläne zur Verfügung stehen. Außerdem verschafft uns das erheblich mehr Luft bei der Rohstoff-Versorgung. Armee und Luftwaffe haben bis auf Weiteres absolute Priorität!"

Balbo nickt nachdenklich. Nun ist auch klar, warum das Marineministerium nicht am Tisch sitzt.
Es gibt schlicht nichts für die Kollegen zu tun!
Ob man das im Palazzo Marina am Tiber wohl schon weiß?

"Nun kennen Sie das Ziel und den Zeitplan", ergreift Mussolini nochmals abschließend das Wort.
"Ich erwarte Ihre Detailpläne bis spätestens Mitte Januar! Wir haben keine Zeit zu verlieren!"

Fest blickt er nochmals jedem in die Augen, das markante Kinn gebieterisch vorgereckt, bevor er die geheime Zusammenkunft schließlich auflöst.
Man sollte nie das Schicksal herausfordern. Das Schicksal kann alles ertragen, nur keine Herausforderung.
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Beitrag von H34DHUN73R »

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... achja, das Wichtigste wieder mal vergessen:

Die königlichen Streitkräfte sehen sich in der glücklichen Lage, einigen aufstrebenden Gentlemen die Teilnahme an abwechslungsreichen Jagdexpeditionen anbieten zu können!
Für Waffen, Munition und Unterkunft (nunja) wird gesorgt!

Interessierten Personen raten Wir durchaus zur Eile, da aus technischen Gründen leider nur 8 Millionen Plätze zur Verfügung stehen - Frühbucher also klar im Vorteil :D


Risiken/Nebenwirkungen:
Aus formalen Gründen sein hier darauf hingewiesen, dass weder der Duce persönlich, noch die italienischen Streitkräfte für evtl. negative gesundheitliche Folgen haftbar gemacht werden können.
Darunter können z.B. eine signifikant hohe Abnützung von Gelenken, insbesondere Knie und Bandscheiben fallen.
Häufige Nebenwirkungen bestehen in allgemein häufiger auftretenden Erkältungen und fiebrigen Infekten sowie viral und bakteriell induzierten Hauterkrankungen.
Relativ selten wurden negative Auswirkungen auf die soziale Integration, persönliche Kontakte und das familiäre Umfeld berichtet, wobei ein Zusammenhang keineswegs wissenschaftlich belegt ist.
In sehr seltenen Fällen kann es z.B. zum Verlust von Gliedmaßen, Einbußen bis hin zum völligen Verlust von Augenlicht, Gehör-, Geruchs- und Geschmacksinn, allgemeiner Unzurechnungsfähigkeit bis hin zum vollendeten Wahnsinn, sowie zu Schüttellähmungen kommen.
Vereinzelt kann es zum Tode durch Einwirkung von Geschossen kommen, dem Sturz aus großen Höhen, sowie zu Ertrinken sowohl in Süß- und Salzwasser.
Noch seltener sind Todesfälle durch Stichverletzungen und Vergiftungen oder der Einwirkung von elektromagnetischen Wellen hoher Frequenz.

In allen obigen Fällen kann nicht von der Existenz von zuverlässigen Heilmethoden ausgegangen werden.
Wo es solche Heilmethoden gibt, behält sich die militärische Führung deren Freigabe und Anwendungen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vor
.
Man sollte nie das Schicksal herausfordern. Das Schicksal kann alles ertragen, nur keine Herausforderung.
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Beitrag von Bassewitz »

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Wie sahen denn damals die potentiellen Forderungen an Frankreich aus? Nizza ist klar und weiter?

Leider feuert ja immer Vichy...
„Spanisch spreche ich mit Gott, Italienisch mit Frauen, Französisch mit Männern und Deutsch mit meinem Pferd.“
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Beitrag von Bigfish »

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Abofoniert ;)

Beitrag von Hohenlohe »

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Schwarzhemd Clone wird sich beim nächsten Einschreibebüro vorstellen, für Duce und Vaterland, oder so ähnlich.

Beitrag von Tex_Murphy »

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Uii, ein Abenteuer! Mit Kameraden am Lagerfeuer sitzen, die "armonica a bocca" herausholen und mit der Gitarre begleitet fröhliche Lieder singen. Dazu lustige Wanderausflüge durch die Natur - was will man mehr? Wir melden Uns freiwillig!

Beitrag von Headhunter »

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Ohh, HoI IV...wir sind gespannt :top:

Risikolos in den letzten Stunden eines Konflikts beim durch Verbündete geschlagenen Gegner noch etwas plü.....ähm....Reparationen einsammeln? Da sind wir dabei! :D

Wir melden uns freiwillig als Proviantmeister irgendeiner zweitklassigen Infanteriedivision.....die Auswahl sollte in Italien ja groß genug sein :^^:
"Wer nicht mit hinreichender Sicherheit überschauen kann, welche ihn betreffende Informationen in bestimmten Bereichen seiner sozialen Umwelt bekannt sind, und wer das Wissen möglicher Kommunikationspartner nicht einigermaßen abzuschätzen vermag, kann in seiner Freiheit wesentlich gehemmt werden, aus eigener Selbstbestimmung zu planen oder zu entscheiden" BVerfG, Urteil v. 15. Dezember 1983, Az. 1 BvR 209, 269, 362, 420, 440, 484/83
"Those who cannot remember the past are condemned to repeat it." George Santayana (1863-1952)
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Werter Meister...äh...Duce, wir wollen gerne als Südtiroler Bersaglieri für Italien dienen. Aber bitte gebt uns gute Unterstützungseinheiten mit, damit wir dem Feind besser entgegentreten können. Auf dem Balkan werden wir ja sehr benötigt, wenn wir uns nicht irren...?! :ph:

herzliche grüsse

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Beitrag von H34DHUN73R »

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Alle Wege führen nach Rom - II

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05.Januar 1936

Der frisch gebackene Generale di Corpo d'Armata Giovanni Messe blättert durch die Bereitschafts-Meldungen seiner neu formierten 1. Armee.

Die Genehmigung seines Operationsplanes sowie der umfangreichen Verlegungen praktisch der kompletten Regia Aeronautica nach Afrika durch den Duce war am heutigen Morgen eingetroffen.
Da Messe nur darauf gewartet hatte, brauchte er nur noch seinem Stab den Befehl zur Umsetzung des Aufmarschplanes zu geben.

Nun war er also auch offiziell Kommandeur der 1. italienischen Armee, die immerhin aus 14 Divisionen bestand.
Diese durfte man sich allerdings nicht zu genau ansehen - neben zwei kaum aktiv verwendbaren Kolonial-Divisionen, die man eigentlich gar nicht zählen durfte, fiel seine Truppe überwiegend durch schlechte Ausrüstung, unzureichende Ausbildung und schlechte Führung auf.

Die Einheiten in Eritrea hatten sich zum I.Armee-Korps formiert, welches vorerst rein defensive Aufgaben erhielt.
Zum Einen bestand es zur Hälfte aus unbrauchbaren Kolonial-Divisionen, zum Anderen waren sie den gegenüber stehenden Abessiniern auch noch zahlenmäßig unterlegen.

Nun, er hatte die Zusage des Duce, die Ausrüstung des Heeres durch eine massive Hochrüstung deutlich zu verbessern, während Führung und Ausbildung nun eh in seine,
Messe's Zuständigkeit fiel.
Immerhin waren seine Gegner ja auch keine deutschen Sturm-Divisionen sondern nur ein paar zusammengewürfelte und noch weit schlechter ausgestattete abessinische Divsionen.
Mit denen würden seine Leute schon fertig werden, zumal ja nun auch reichlich Luftunterstützung zur Verfügung stand.

Mussolini hatte ihm als Zeichen seiner besonderen Gunst einen Ausblick auf seine weiteren Pläne gegeben - Messe war anschließend wie betäubt aus dem Büro des Duce gewankt!
Wenn alles glatt ging, würde tatsächlich ein neues römisches Imperium entstehen, doch standen die Chancen weit höher, dass Italien komplett unter die Räder kommen würde.
Jedenfalls galt es alles zu tun, um die Streitkräfte bestmöglich auf das gewaltige Ringen vorzubereiten, dass Mussolini mit wenigen Sätzen unerfreulich klar skizzierte.

Daher war für Messe, wie wohl auch für Mussolini selbst, Abessinien nicht mehr als eine günstige Gelegenheit, Doktrinen, Ausbildung und Ausrüstung des Esercito Italiano kritisch zu prüfen und wo immer möglich umgehend Verbesserungen einzuleiten.

Messe war im Übrigen auch keineswegs mit den Formationen an sich zufrieden: nur zwei Regimenter á drei Bataillonen bildeten eine Divison di Fanteria!.
Absolut unzureichend!
An Unterstützungstruppen waren auch nur Pioniere vorhanden, keine Artillerie, keine Flak, keine Panzerabwehr, kein Lazarett, gar nichts!
Das musste unweigerlich geändert werden, aber diese Änderungen brauchten Zeit und mussten zunächst sorgfältig geplant werden.

Es gab also mehr als genug zu tun, da war der Feldzug gegen die ohnehin hoffnungslos unterlegenen Abessinier nur ein Aspekt unter vielen.

06.Januar 1936
Maggiore Hohenlohe starrt auf das leere weiße Blatt vor sich.
Links daneben liegt ein ganzer Stapel weiterer leerer Blätter.
Rechts hingegen, wo sich beschriebene Seiten ansammeln sollen, herrscht gähnende Leere.
Im Dezember wurde zum SME versetzt, dem Stato Maggiore Esercito, wo er in einer neu gegründeten Abteilung Aufstellung und Einsatzgrundsätze eines neu aufzustellenden Marineinfanterie-Korps formulieren sollte.

Italien hatte bislang Marineinfanterie nur in kleinen Einheiten an Bord von Schiffen, nun sollten große Formationen gegründet werden, deren Geschäft hauptsächlich in Landungen an feindlichen Küsten bestehen sollte.
Leider gab es in Italien nicht gerade viele Leute, die man zu dem Thema befragen konnte.
Seit drei Tagen starrt er nun schon ratlos auf dieses verflixte erste Blatt.

Hohenlohe entstammte einer alten, wohlhabenden österreichischen Familie, die über das ganze österreichisch-ungarische Reich hinweg verteilt dem Handel nachging.
Seine Eltern hatten sich schon in jungen Jahren in Venedig niedergelassen und waren aus wirtschaftlichen Gründen dort geblieben, nachdem das Gebiet italienisch wurde.
Und natürlich auch, weil sie darin nur eine vorübergehende Angelegenheit sah, die der Kaiser schon wieder richten würde.
Hohenlohe selbst hingegen war in Venedig geboren und aufgewachsen - ihm war Italien Heimat, auch weil er stets einen rebellischen Geist besaß und sich gerne gegen die
Eltern auflehnte, die in einem fort von Kaiser und König schwafelten und den Segnungen, die die Habsburger Europa gebracht hatten.

Hohenlohes Freunde hingegen waren Italiener, an denen er sich zunehmend ausrichtete.
Mit dem Krämergeist seiner Eltern konnte er eh nichts anfangen - er wollte Abenteuer!
Als der Weltkrieg ausbrach und Italien schließlich auf Seiten der Entente die Waffen ergriff, war es dem jungen Hohenlohe klar, welcher Seite sein Herz gehörte.

Während die schockierten Eltern sich mehr und mehr in ihrem Haus verkrochen, versuchte ihr Sohn alles, um sich der italienischen Armee anzuschließen, was ihm schließlich 1918 im Alter von 17 Jahren mit einigen Tricks gelang.

Er nahm ohne große Vorbereitung an der 12. Isonzo-Schlacht teil, die Italien beinahe den Untergang brachte und landete schließlich in dem von Giovanni Messe persönlich aufgestellten Arditi-Bataillon das in der legendären Schlacht am Grappa-Massiv brillierte.

Obwohl er nur recht kurz diente, hatte er also reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen und brachte es neben etlichen Orden schließlich noch zum Unteroffizier.
Da seine Vorgesetzten von seiner Initiative beeindruckt waren, beschloß man, ihn zu fördern und ihm endlich auch noch eine Offizierslaufbahn zu ermöglichen.
Nun hatte er es mit 35 zum Major gebracht, war zwar schon relativ alt für diesen Rang, konnte aber im Gegensatz zu den jüngeren Offizieren eine Brust voll Auszeichnungen vorweisen, die nichts mit Kunststückchen im Pistolenschießen oder einarmigem Aktenstemmen zu tun hatten, sondern vielmehr mit härtesten Fronterfahrungen.

Hohenlohe dachte mit einer Mischung aus Stolz und Schaudern an die Zeit bei den Arditi zurück.

Eigentlich hatte man die Idee der Sturmtruppen von den Deutschen übernommen, die damit den Franzosen, Briten und schließlich auch den Italienern gewaltig zu denken gegeben hatten.
Die Entente baute lange Jahre auf riesige Ansammlungen von Artillerie-Geschützen möglichst großer Kaliber und tagelange Bombardments zur Aufweichung der tief eingegrabenen Deutschen.
Diese konnten sich derartige Extravaganzen mit zunehmender Kriegsdauer immer weniger leisten und setzten schließlich auf kleine Stoßtrupps, die unauffällig in die feindliche Front einsickerten,
unterstützt allenfalls durch kurze, massive Feuerüberfalle der eigenen Artillerie.

Dadurch waren die Angriffsziele schwer vorhersehbar und die üblichen, langwierigen Vorbereitungen in der Defensive schlicht nicht möglich.

In der Folge erzielten die Deutsche große und durchaus unerwartete Erfolge, während die Briten, Franzosen und Italiener hauptsächlich gewaltige Verluste und minimale Fortschritt im Bereich einiger Hundert Meter ernteten.

Die Italiener, die mit der vergleichsweise schmalen Front, die noch dazu durch höchst ungünstiges Gebiet verlief, mit dieser altbackenen Methode noch weniger erreichten als ihre Verbündeten, hatten großes Interesse an neuen Ansätzen
und glücklicherweise im allgemeinen Mittelmaß auch einige sehr fähige Offiziere, sodass es schließlich zur Gründung von dedizierten Sturm-Bataillonen und am Ende sogar Sturm-Divisionen kam.

Gekämpft wurde nach deutschem Vorbild in kleinen Trupps sehr gut ausgebildeter und ausgestatteter Männer.
Die große Stunde der Arditi kam schließlich in der Schlacht von Vittorio Veneto und insbesondere im Kampf um das Grappa-Massiv, wo am Ende das ohnehin schon bröckelnde Habsburger Reich unter der jahrelangen, erbarmungslosen Belastung des Kriegs in seine Einzelteile zerbarst.
Während die österreichischen Einheiten bis zum Ende erbittert und durchaus erfolgreich kämpften, lösten sich die ungarischen und tschechischen Verbände durch Desertion und Kapitulation mehr und mehr auf, sodass den Habsburgern nur die Kapitulation übrig blieb.

Ja, die Arditi und ihr Kommandeur, Giovanni Messe, in dem Hohenlohe den großen Held Italiens sah.
In der Nacht in feindliches Gebiet einsickern, leise, unerkannt vom Feind, um dann mit Messern, Bajonetten, Drahtschlingen und Klappspaten die feindlichen Posten zu überrumpeln, um anschließend wild um sich schießend in die feindlichen Gräben einzubrechen,
Verwirrung, Tod und Verderben verbreitend!

Hohenlohe starrt wieder auf das leer Blatt Papier vor sich, in Gedanken wieder am Grappa-Massiv.
Plötzlich greift er zum Federhalter um los zu schreiben, unvermittelt von Ideen überschwemmt, die sich kaum schnell genug zu Papier bringen lassen.


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07.Januar 1936
Tenente Tex Murphy glotzt ungläubig auf das kleine, häßliche, lärmende, stinkende Gefährt, dass sich vor ihm mühsam über den Kasernenhof wälzt.
Er tauscht einen vielsagenden Blick mit Tenente Clone, der einen ähnlich bestürzten Eindruck macht.

Die beiden kannten sich von der Accademia Militare di Modena, wo sie die Offiziersausbildung gemeinsam absolviert hatten.
Irgendwer hatte beschlossen, dass sich die schwer zu bändigenden, ruhelosen Geister dieser beiden gut für die neu zu formierende italienische Panzerwaffe eignen würden,
sodass man sie mit Wirkung zum Anfang dieser Woche zu einem Panzerlehr-Bataillon versetzt hatte.
Von dort aus sollte es dann als Zugführer zu einem aktiven Panzer-Bataillon weiter gehen.

Nun fragen sich die beiden angesichts des schwachbrüstigen, nur mit MG bewaffneten L3, wo denn diese famosen Panzer stecken mochten?
Und ob es tatsächlich eine gute Idee gewesen war, den Offiziersberuf zu ergreifen, anstatt Bäcker zu werden oder Postbote, wie Tex' Vater.
Schließlich waren das ja durchaus ehrbare Berufe, bei denen man nicht ständig um sein Leben bangen musste.

"Ich weiß schon, was ihr Grünschnäbel denkt!", grollt die Stimme des Capitano Brin über den Hof und reißt damit die zwanzig jungen Leutnants, die sich im Halbkreis um den leichten Panzer versammelt haben, aus ihren trübsinnigen Gedanken.
"Bei Panzern hattet ihr diese riesigen, unförmigen M1-Tanks der Briten vor Augen, lang wie ein Zugwaggon, breit und hoch wie eine Scheune, gespickt mit Geschützen und MG's, stimmts?", fragt er spöttisch in die Runde.

"Ich erzähle euch was über Panzer!", hebt er nach kurzer Pause wieder an, "Alle denken an diese M1, die scheinbar uneraufhaltsam alles niederwalzen, die angeblich das deutsche Heer in den Boden gestampft haben!"
Er läßt seinen Blick über die verunsicherten jungen Offiziere schweifen.

"Vergesst das alles! Die meisten dieser Monster haben es erst gar nicht zur Front geschafft, blieben schon im Hinterland liegen!
Die übrigen haben sich meist irgendwo festgefahren oder wurden von den Deutschen mit Feldkanonen wie Blechdosen geknackt!
Was noch übrig war, blieb dann mangels Sprit oder aufgrund mechanischer Defekte kurz hinter den feindlichen Linien liegen!"

Ungläubig wechseln Tex Murphy und Clone einen weiteren Blick, bevor der Capitano fortfährt.

"Diese Monster waren für die Deutschen kaum zu verfehlen und Zeit genug, um Kanonen in Stellung zu bringen hatte man ja auch, da der M1 allenfalls gemütliches Schritt-Tempo schaffte!
Also vergesst diesen Mist einfach!
Die echten Panzer, die, die wirklich etwas erreichten, die durch die deutschen Reihen stießen, jaha , das waren die kleinen Renaults!", versetzt Brin grinsend.

"Die meisten hatten nur MG's, einige auch Kanonen, aber der eigentliche Witz war die Verbindung von Schnelligkeit, Wendigkeit und Panzerung!", informiert er seine immer noch schockierten Schäfchen.
"Die kleinen Biester waren dreimal schneller als die Mark I, weit geländegängiger und aufgrund ihrer viel geringeren Größe auch viel schwerer zu treffen!
Und gegen Infanterie sind MG's eh viel praktischer als Kanonen! Daher haben die Amis sich auch genau diese Renaults zugelegt und es damit diesen verlausten Tedeski ordentlich besorgt!
Und weil das nunmal alles so ist, hat unsere glorreiche Armee auch beschlossen, für den Anfang genau solche Panzer zu entwickeln und zu bauen!"

Erneut lässt der Capitano seinen Blick wandern, nun Augenkontakt zu jedem dieser Jungspunde herstellend, um sicher zu gehen, dass die Botschaft auch ankommt.

"Hier werdet ihr lernen, mit diesen Panzern umzugehen und dann, wie man das gemeinsam in einem Zug, einer Kompanie, einem Bataillon macht!", führt er weiter aus.
"Und wenn ihr das irgendwann mal begriffen habt, wird euch der König auch ein paar größere Panzer zum spielen geben!"

Letzteres sozusagen als Ausdruck der Hoffnung, denn insgeheim weiß natürlich auch der Capitano, dass man mit dem L3 nicht ernstlich gegen einen gut gerüsteten Gegner anzutreten braucht.
Jedenfalls nicht als einziges Modell.
Da wird man schon etwas Größeres brauchen, mit spitzeren Zähnen, was hoffentlich auch diesen Sesselfurzern in Rom klar war.


09.Januar 1936

Erschöpft aber zufrieden lehnt sich Marconi in seinem Ohrensessel zurück.

Nach mehrtägigem Geschacher waren die Prioritäten in der Forschung geklärt.
Natürlich könnte man alles mögliche brauchen und das meiste davon auch noch vorzugsweise gestern - aber die Ressourcen waren nunmal begrenzt!
Zur Zeit konnte er vier Gruppen von Forschern der Akademie der Wissenschaften aufbieten, die im Verein mit zivilen und militärischen Experten daran gehen würden,
den italienischen Staat, die Wirtschaft und Industrie und natürlich die Streitkräfte gründlich umzukrempeln.

Offenkundig musste alles unternommen werden, um die Industrie schnellsten auf Zack zu bringen - daher beschäftigte sich ein Team mit den Produktionsmitteln,
ein weiteres untersuchte die Abläufe in den Fabriken um nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen.

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Die generelle Leitlinie, die der Duce entgegen der Bedenken seiner militärischen Ratgeber abgesegnet hat, lautet, Synergie-Effekte durch Großbetriebe zu erschliessen.
Die guten Kontakte Marconis zur amerikanischen Industrie und seine eigenen intimen Kenntnisse der Materie würden bei der rückständigen, eher noch am Manufaktur-Betrieb
orientierten italienischen Industrie Wunder wirken.
Leider brauchte das einige Zeit, aber man würde durch den massiven Einsatz aller Mittel schnellstmöglich voran kommen.

Zum Leidwesen Marconis wollte sich der Duce aber nicht nur auf Industrie und Forschung konzentrieren - zwei weitere Teams wurden auf zügige Verbesserungen von Jägern
und Panzern eingesetzt.

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Immerhin war es auch Marconi klar, dass es keinen großen Sinn machte, die wachsenden Produktionskapazitäten auf überholtes Rüstungsmaterial zu
verschwenden. Wenn der Duce richtig lag - und immerhin teilten ja einige seiner militärischen Berater seinen Standpunkt - waren besagte Jäger und Panzer die wichtigsten
Waffen des drohenden Kampfes.
Nun, wie auch immer, die Entscheidungen waren jedenfalls gefallen und die Forschergruppen machten sich, ergänzt um Experten und Ingenieuren von Ansaldo, Breda, Alfa Romeo,
Fiat und Macchi ans Werk.

12.Januar 1936

Capitano Deltadagger wurde wieder einmal heftig durchgerüttelt, als der Zug, der sein Bataillon transportierte, hinter Turin über ein Weiche fuhr.

Erst vorgestern war der Befehl bei der Division eingegangen, nun waren die Alpinista schon unterwegs - der Duce persönlich hatte offenbar die Bildung einer 2. Armee
angeordnet, die praktisch alles umfasste was sich im Norden Italiens aufhielt.
Um diese Armee dann sofort komplett an die Westgrenze zu verlegen!

Gründe wurden nicht bekannt gegeben, aber man konnte sich denken, dass es irgendwie mit diesem Krieg in Abessinien zusammenhing, der in Frankreich auf heftigen Unwillen gestoßen war.
Allerdings konnte sich der Capitano trotzdem keinen triftigen Grund für eine derartig einschneidende und hastige Maßnahme denken!

Wollte man ernstlich gegen Frankreich marschieren?
Immerhin hatten die Franzosen die stärkste Armee Europas unter Waffen, nicht nur weit zahlreicher sondern auch weit besser ausgerüstet als alles,
was auf italienischer Seite zur Verfügung stand!
Wobei fast das halbe Heer ohnehin in Abessinien kämpfte!

Oder erwartete man tatsächlich einen französischen Angriff?
Wegen dieser abessinischen Geschichte?!
Mochte ja sein, dass die Franzosen unglücklich darüber waren, aber sie hatten doch todsicher keinen Lust, deshalb gleich einen Krieg vom Zaun zu brechen!

Wozu also der ganze Aufstand?
Die Alpinista traf es dabei am Härtesten: es ging ins Valle d'Aosta und dort geradewegs ins Mont Blanc-Massiv!
Im Januar!

Natürlich waren die Gebirgsjäger harte Naturburschen, aber im Januar pflegte man sich in den Garnisons-Städten, putzte und flickte die Ausrüstung und hielt sich mit
kleineren Übungen in Form.
Im Grunde eine Jahreszeit der Erholung, bevor man im Frühjahr wieder allmählich den Dienstbetrieb aufnahm und feststellte, ob das mit der Kletterei noch klappte.

Aber man rückte jedenfalls nicht mir nichts dir nichts aus um im Hochgebirge Kampfstellungen zu beziehen, die man noch dazu überhaupt erst noch selbst anlegen musste!
Deltadagger hat vor lauter Kopfschütteln schon einen steifen Hals.

Falls im Stab der Division noch genügend Verstand übrig war, würde man nur ein Bataillon in die Berge schicken, um die Stellungen anzulegen - was für die armen Schweine,
die es traf verdammt schlechte Nachrichten bedeutete - während sich die übrigen 5 Bataillone in Courmayeur einnisteten und die Logistik aufbauten.
Vermutlich würde man in Courmayeur eh nicht auf unangemeldeten Besuch eingerichtet sein, schon gar nicht auf eine komplette Division!
Da gäbe es also für alle genug zu tun!
Dann konnte man alle ein bis zwei Wochen rotieren und so die Belastung einigermaßen verteilen.

So wie sich die ganze Sache anließ hatte der Capitano allerdings den bösen Verdacht, dass man auch in dieser Frage eher kriegsmäßig vorgehen würde.
Was bedeutete, dass man gleich zwei Bataillone in die Berge schickte, was das Leid verdoppelte und die Aufgabe der in Courmayeur zurück bleibenden Bataillone deutlich
erschweren würde.
Ausserdem verschlechterten sich natürlich auch die Chancen für Deltadaggers Kompanie, mit einem blauen Auge davon zu kommen, dadurch von 5:1 auf 2:1.

Jedenfalls würde bei dieser Aktion eine ganze Menge zu Bruch gehen, sowohl Material als auch Alpinisti, soviel steht mal fest!
Wer das durchstehen würde, war mal ganz sicher so richtig abgehärtet!

Deltadagger flucht, als beim Überfahren der nächsten Weiche der Kopf seines Sitznachbarn gegen seine Schläfe knallt und flucht gleich weiter über Politiker, Generäle,
Stäbe und den verdammten Winter.

12.Januar 1936
Mussolini zögert noch einmal kurz, bevor er die Anweisung zum Ausbau der Logistik in Afrika unterschreibt.

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An sich gäbe es weit Sinnvolleres zu tun, aber er konnte die 1.Armee schlecht ohne Nachschub um Abessinien kämpfen lassen.
Ausserdem würde man bei dieser Gelegenheit wieder in paar Fertigkeiten erwerben, die im Anschluß der Errichtung von Fabriken zugute kommen würden.
Und genau darum würde es mindestens in den nächsten beiden Jahren gehen: schnellstmöglich die Rüstungsindustrie aufzupäppeln!

Also musste erstmal jeder, der sich mit Logistik auskannte umgehend nach Afrika verfrachtet werden und das ging am Einfachsten auf direkten Befehl des Duce!
Mussolini setzt schwungvoll seine Unterschrift unter das Dokument und winkt seinem Sekretär, um die Anordnung umgehend in Umlauf zu bringen.
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Bassewitz hat geschrieben:Hoffentlich schnappt Ihr Euch Spanien und Jugoslawien!
Für ansprechende Grenzen!
Die spanischen Grenzen sagen Uns nicht sonderlich zu, werter Bassewitz, da wir ja mit Italien je schon ein Coast-Only-Land zu sichern haben.
Man kann ja auch nicht die komplette Politik an der Tourismus-Branche ausrichten :D

Mal sehen, wie das wird, vielleicht gewinnen ja mal die Republikaner, dann müsste man schon mal neu nachdenken.
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Hohenlohe hat geschrieben:Werter Meister...äh...Duce, wir wollen gerne als Südtiroler Bersaglieri für Italien dienen. Aber bitte gebt uns gute Unterstützungseinheiten mit, damit wir dem Feind besser entgegentreten können. Auf dem Balkan werden wir ja sehr benötigt, wenn wir uns nicht irren...?! :ph:

herzliche grüsse

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Freiwillige sind Uns natürlich immer herzlich willkommen, werter Hohenlohe!

Womöglich habt Ihr auf Seite 9 des Anmeldeformulars den augenschonend dunkelgrau auf hellgrau gedruckten Hinweis übersehen,
demgemäß gerne jederzeit ein Wunsch bzgl. der Waffengattung angegeben kann, die Zuweisung dann jedoch stets nach Maßgabe
der militärischen Notwendigkeiten erfolgen muss.

Aufgrund Eurer umfangreichen Erfahrungen in dieser Richtung haben Wir Euch daher mit dem Aufbau der künftig sicherlich legendären italienischen Marineinfanterie betraut.
Wir hoffen auf Euer Verständnis :)

Hinsichtlich der Unterstützungseinheiten können Wir Euch jedenfalls beruhigen - es gibt natürlich das volle Programm!
Irgendwann.
Bestimmt.
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