Alle Wege führen nach Rom - XXXVI
Übersicht der Kriegsfreiwilligen
Esercito Italiano
Capitano Clone
aktuelle Verwendung: 3° Compania / I Battaglione / 1° Reggimento Celere / 1a Divisione Celere "Eugenio di Savoia"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia Di Bronzo Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um Teruel
Maggiore Deltadagger:
aktuelle Verwendung: III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
erste Verwendung: 4° Compania / III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
Capitano Tex Murphy:
aktuelle Verwendung: 1° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Celere / 3a Divisione Celere "Principe Amedeo Duca d'Aosta"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Mutilato In Guerra, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Tenente Headhunter:
aktuelle Verwendung: 1° Batteria / Gruppo Artiglieria Leggera / 3a Divisione Fanteria "Ravenna"
Tenente Maestro Privato:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Alpino / 2a Divisione Alpina "Tridentina"
Tenente Colonnello Hohenlohe:
erste Verwendung: Reparto Operativo / Stato Maggiore Esercito
zweite Verwendung: Lehrer an der Accademia Militare di Modena, Spezialist für Ausbildung, Ausrüstung und Taktiken der Fanteria di Marina
aktuelle Verwendung: 2° Reggimento Fanteria del Marina
Capitano Von Retterling:
aktuelle Verwendung: Agent des Servizio Informazioni Militare (SIM), Gruppo 23
Medaglia Di Bronzo Al Valore Militare, verliehen nach der Eliminierung des Verräters Mancini in Ägypten
Capitano Hjalfnar:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / III Battaglione / 2° Reggimento Celere / "Emanuele Filiberto Testa di Ferro"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore, verliehen in der Schlacht um Barcelona
Capitano Frisiercreme:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / Battaglione Poggio Rusco / 185º Reggimento Ricognizione Acquisizione Obiettivi "Folgore"
Tenente Oertyzulu:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione Indigeni "Turitto" / 1° Gruppo Battaglioni Eritrei / 2a Divisione Coloniale "Eritrea"
Maggiore Evilbeagle:
aktuelle Verwendung: Verbindungsoffizier im Forschungsministerium
Tenente Æxit:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione / 4° Reggimento Celere / 3 Divisione Celere
Tenente HEF:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 53° Reggimento 27a Divisione die Fanteria "Sila"
Regia Aeronautica
Tenente Bushi:
aktuelle Verwendung: 1° Squadriglia / I Gruppo / 4° Stormo "Amedeo d'Aosta"
Tenente Luigi Armistado
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / III Gruppo / 14° Stormo "Rex"
Tenente Azrael:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 53° Stormo "Borea"
Tenente Spiegelfechter:
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / I Gruppo / 1° Stormo "Aquila"
Aviazione Ausiliaria per la Marina
Tenente Litle-Man:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 46° Stormo "Pegaso"
Regia Marina
Tenente di Vascello Ritter Kunz:
aktuelle Verwendung: Caccia RM Freccia / Squadra di Tarento
Kriegskabinett
Benito Mussolini: Ministerpräsident, Oberkommandierender der Streitkräfte
Gian Galeazzo Ciano, Graf von Cortellazzo und Buccari: Außenminister
Ammiraglio Domenico Cavagnari: Oberkommandierender der Regia Marina
Ferrucio Lantini: Korporationsminister
Ugo Cavallero: Kriegsminister, Kommandeur der Armata di Riserva, Oberkommandierender des Esercito Italiano
Guglielmo Marconi: Forschungsminister
Italo Balbo: Luftfahrtminister, Oberkommandierender der Regia Aeronautica
Bruno Fornaciari: Innenminister
Generale Mario Roatta: Leiter des SIM
Generale Giovanni Messe: Kommandeur der Panzer-Armee, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Frankreich"
Conte di Bassewitz: Staatsekretär im Propaganda-Ministerium
25. Februar 1939
Ugo Cavallero studiert beim Frühstück in seinem Büro die aktuelle Disposition der Heeres-Verbände.
Gegen
Frankreich hat man mittlerweile 63 Divisionen aufgefahren.
Eigentlich eine überaus beeindruckende Streitmacht, deren Mobilisierung den
Italienern vor einigen Jahren wohl kaum jemand zugetraut hätte.
Demgegenüber bietet
Frankreich bislang nur 13 Divisionen auf - wenn das bis zum unvermeidlichen Kriegsausbruch so bliebe, wäre die einst so mächtige
Grande Nation wohl schnell liquidiert.
Allerdings bezweifelt
Cavallero stark, dass die Zahlenverhältnisse so günstig bleiben werden.
Briten und
Franzosen haben inzwischen sicher erkannt, dass sie von den
Achsenmächten an militärischer Stärke zu Lande deutlich überflügelt wurden und Gegenmaßnahmen eingeleitet.
Daher wäre es nach dem Dafürhalten des Kriegsministers für
Italien eigentlich angezeigt, unverzüglich loszuschlagen.
Leider sieht der
Duce das anders:
Die
Regia Aeronautica ist noch längst nicht kriegsbereit, die seiner Meinung nach für einen schnellen Sieg ausschlaggebenden Panzerdivisionen noch nicht zahlreich genug
und Fähigkeit
Italiens zur Selbstversorgung mit den wichtigsten Rohstoffen noch nicht ausreichend.
Man könnte wahrscheinlich den
Franzosen im Kernland schnell die Kehle durchbeißen, jedoch verfügen diese auch über umfangreiche Verbände in den Kolonien, die im Verein mit den
Engländern und infolge
der alliierten Flottenüberlegenheit an vielen noch ungedeckten italienischen Küstenabschnitten an Land gehen könnten.
Zwar unterstehen dem
Kriegsminister selbst in
Italien weitere 43 Divisionen, jedoch handelt es sich dabei zum großen Teil um in Ausbildung befindliche, völlig "grüne" Einheiten.
Im Falle eines Falles eine recht zweifelhafte Rückversicherung.
Auch fehlen noch die geplanten umfangreichen
Polizei-Verbände, die die Kontrolle über ein besetztes Frankreich überhaupt erst ermöglichen werden.
Schließlich würde man die regulären Verbände ja zum großen Teil für die Sicherung der endlos langen französischen Küsten benötigen.
Alles in Allem also durchaus verständlich, dass der
Duce einem Angriff aus dem Stand skeptisch gegenüber steht.
Sehr wahrscheinlich gewinnen die
Achsenmächte immer noch mit jedem verstreichenden Tag zusätzliche Stärke gegenüber den alliierten Verbänden.
Jedenfalls so lange, wie deren Rüstungsindustrie noch im Hochlauf ist.
Danach dürfte sich die Zahlenverhältnisse schnell umkehren.
Soweit so gut - aber zur Zeit ist das schwierige Terrain an der Grenze zu
Frankreich halt nur vergleichsweise dünn besetzt.
Die
Franzosen würden nicht wahnsinnig viele Truppen brauchen, um die wenigen nutzbaren Zugänge zuverlässig zu verrammeln.
Daher könnte sich die günstige Lage binnen Kurzem nachhaltig ändern.
Missmutig greift
Cavallero zu dem aktuellen Bericht des
Forschungsministeriums.
Viel Unterstützung war von dieser Seite in der nächsten Zeit nicht zu erwarten.
Die ersehnten
mittleren Panzer, für deren Entwicklung sich der Kriegsminister so vehement ins Zeug gelegt hat, werden erst in drei Monaten verfügbar werden.
Dann müsste man noch die Produktion umstellen.
Erfahrungsgemäß ein langwieriges Geschäft.
Es dürfte leicht ein halbes Jahr dauern, bis man mit der Ausrüstung der ersten Panzerdivisionen überhaupt beginnen konnte.
Ansonsten befand sich nichts in der Entwicklung, was dem Heer in nächster Zeit helfen könnte.
02. März 1939
James Eric Drummond, der 16. Earl of Perth und Botschafter Seiner Majestät im recht ungastlichen
Italien beugt sich in fassungslosem Staunen über den aufgeschlagenen dünnen Akt.
Heute Mittag waren zwei unangekündigte Sonderkuriere aus
London eingetroffen, tatsächlich Offiziere des Secret Service, die eine verschlossene Aktenmappe mit tatsächlich zwei solch dünnen Akten überbrachten.
Die Schriftstücke selbst waren zudem noch mit dem besten Verfahren verschlüsselt worden, das dem
Empire zur Verfügung stand.
Nur sehr wenige Personen mit der Freigabestufe "
Ultra" kamen in den Genuss derartiger Informationen.
Sir Eric gehörte zu diesem illustren Kreis, desgleichen seit kurzer Zeit auch der lokale Resident des
Service, der nach Außen die Funktion eines Kultur-Attachés ausübt.
Tatsächlich koordinierte er die Aktivitäten des
Service in ganz
Italien.
Nun saß er
Sir Eric im abhörsicheren Büro des Botschafters gegenüber und studierte gleich ihm die geheimnisvollen Dokumente, während die Überbringer der Nachrichten im Vorzimmer warteten.
Ein derartiger Aufwand wurde bei der Nachrichtenübermittlung nur in den seltensten Fällen getrieben,
Sir Eric kann sich tatsächlich nur an vier andere Meldungen in seiner ganzen Dienstzeit als Botschafter in Italien erinnern.
Das erste Dokumente enthüllte nach seiner Entschlüsselung in eine lesbare Form ein geplantes Unternehmen, welches für den Fall einer Verwicklung des Empire in einen Krieg mit
Italien möglichst zeitnah gestartet werden sollte.
Dieses Unternehmen "
Capricorn" identifizierte geplante Ansatzpunkte für geeignete Operationen der Streitkräfte seiner Majestät und beschrieb das Vorgehen und operative wie strategische Ziele.
Obwohl durchaus aufregend, erscheint der konkrete Inhalt dem Botschafter doch eher konventionell.
Etwas in der Art hätte er wohl auch selber aufschreiben können.
Was bedeutet, dass es die
Italiener wohl auch könnten.
Für ein Gelingen dieses Unternehmens waren jedenfalls noch zahlreiche Informationen über gewisse konkrete Details nötig.
Informationen, die praktischerweise der Secret Service in Italien beschaffen sollte, weshalb auch
Sir Archibald Deagon, der Resident, anwesend ist.
Immerhin zeigt dieses Dokument, dass die Regierung Seiner Majestät zwischenzeitlich die Annahme einer solchen kriegerischen Verwicklung in der nahen Zukunft allgemein als sinnvolle Beschäftigung ansieht.
Ansonsten hätte man derlei Überlegungen in einem Panzerschrank in
Whitehall archiviert, um vielleicht bei Bedarf einmal den Staub herunter zu blasen.
Das zweite Dokument hingegen hat es in sich !
Hier wird das Unternehmen "
Wildfire" beschrieben, welches möglichst unmittelbar nach Kriegsausbruch in großem Maßstab umgesetzt werden soll.
Sir Eric kann sich nicht erinnern, etwas derartiges schon einmal gelesen zu haben.
Nicht einmal etwas, was dem nahe gekommen wäre.
Schon gar nicht aus britischer Feder.
Mehrfach hatte er vor und zurück geblättert, um sich zu vergewissern, dass da auch wirklich geschrieben stand, was er zu lesen meinte.
Der ganze Plan atmet eine Entschlossenheit und Verwegenheit, die den Briten seit den Zeiten von
Francis Drake und
Horatio Nelson irgendwie abhanden gekommen zu sein schienen.
Ob das ganze überhaupt umsetzbar ist, wagt der Botschafter nicht zu beurteilen.
Immerhin müssen sich so einige kompetente Leute in
Whitehall und beim Service ihre Gedanken dazu gemacht haben.
Für
Sir Eric entscheidend ist der Umstand, dass dieser Plan letztlich über den Tisch von
Neville Chamberlain gegangen sein muss, wobei auch
Chevening House involviert gewesen sein musste.
Also handelt es sich nicht nur um irgendein Planspiel irgendeines müßigen militärischen Stabes, sondern auch und vor Allem um eine konkrete Willensbildung der Regierung Seiner Majestät des Königs.
Der Botschafter lehnt sich mit einem leichten Lächeln in seinen Ledersessel zurück.
Offenkundig haben jene beiden aufgeblasenen Diktatoren einmal zu oft den britischen Löwen wie eine groß geratene, fette Hauskatze behandelt.
Ein tieferes Verständnis für die britische Seele haben sie ohnehin nie entwickelt.
Neville Chamberlain ist ein zivilisierter, sich der schweren Verantwortung seines Amtes bewusster Gentleman, der alles getan hat, was in seiner Macht steht, um eine Wiederholung jenes fatalen Schlachtens des Weltkrieges zu verhindern.
Auch wenn Sir Eric vieles davon leidenschaftlich für grundfalsch und fatal hält, bestehen an den ehrenhaften Motiven
Chamberlains doch keine Zweifel.
Die britische Gesellschaft war von den Verwüstungen des Weltkrieges schwer getroffen worden.
Seit den Tagen Cromwells waren Kriege Angelegenheiten, die sich irgendwo im unzivilisierten Ausland zutrugen und den britischen Lebenswandel nicht weiter beeinträchtigten.
Da sich die britischen Regierungen ihre Handlungsfähigkeit durch den Verzicht auf die Wehrpflicht erkauften und notfalls gerne auch auf koloniale Truppen zurück griffen, dienten die beschränkten Kriege, in die die
Briten verwickelt wurden,
meist nur als aufregender und interessanter Lesestoff.
Der Weltkrieg hatte damit gründlich aufgeräumt.
Erstmals seit Menschengedenken musste sich das ganze Volk der Sache des Krieges verschreiben.
Fast fünf Millionen junge Briten gingen an die Fronten, vor allem nach
Frankreich.
Über 700.000 waren gefallen, weit mehr als doppelt so viele verwundet worden.
Ein guter Teil des britischen Reichtums hat sich in Form von Waffen und Munition sinnlos in Rauch aufgelöst, das
Empire hatte sich zudem hoch verschuldet um insbesondere in den USA Rüstungsgüter einzukaufen.
Die Rechnung wurde während aber insbesondere nach dem Krieg präsentiert.
Die
Briten waren insgesamt deutlich ärmer geworden, wer schon vor dem Krieg wenig hatte, hatte nun praktisch nichts mehr.
Die
Weltwirtschaftskrise hatte ihr Übriges getan.
Den kleinen Leuten hatte das
Empire ohnehin schon in der Vergangenheit nicht viel gebracht - die Profite strich die Oberschicht und zum Teil noch die Mittelschicht ein.
Nun fragte man sich, was dieses ganze Morden denn gebracht hatte?
Es hätte der letzte aller Kriege werden sollen, mit einem strahlenden Ende für die Briten.
Stattdessen war man verkatert aufgewacht und fand die Welt noch entschieden schlechter vor als sie eh schon gewesen war.
Kein Wunder, dass selbst der Wille zur Behauptung des Empires schwer angekratzt wurde.
Ebenfalls kein Wunder, dass Leute vom Schlage eines
Hitler oder
Mussolini nun ihre Zeit für gekommen halten, wo doch die Briten scheinbar ihrer Stellung in der Welt selbst überdrüssig geworden sind.
Doch sie haben sich verrechnet!
Das ist die eigentliche Nachricht für
Sir Eric!
Neville Chamberlain, praktisch der höchste Beauftragte zur Wahrung des Weltfriedens ist offenkundig zu dem Schluss gekommen, dass der Frieden nur um den Preis der Unterwerfung zu haben ist.
Was selbstverständlich nicht in Frage kommt.
Da er aber den Frieden nicht wahren kann, bereitet er sich nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit auf den Krieg vor.
Bisher hatte er die Gefühle der
Briten gut wieder gespiegelt.
Es ist davon auszugehen, dass dies immer noch der Fall ist und die Briten selbst es nunmehr Leid sind, immer wieder vor den Bajonetten
Hitlers und
Mussolinis zurückzuweichen.
In gefährlichen Zeiten standen die Briten immer zusammen und wenn man ihnen Druck machte, reagierten sie in der Regel aggressiv.
Der Botschafter fühlt ein nahezu vergessen geglaubtes Gefühl in sich aufsteigen.
Ja, tatsächlich: er ist stolz, ein
Engländer zu sein !
Zum ersten Mal seit langer Zeit !
Seine Augen scheinen Funken zu sprühen, als er zu Sir Archibald hinüber blickt.
Sir Archibald ist indessen mit sich selbst beschäftigt.
Die beiden Pläne haben ihn in ähnlicher Weise beeindruckt wie den Botschafter.
Allerdings würde er zum Gelingen beider Pläne so einiges beitragen müssen und nichts davon sieht einfach aus.
Immerhin würde man ihm reichlich Verstärkung in Form zusätzlicher Agenten schicken.
Das ist auch dringend erforderlich.
Bleibt nur zu hoffen, dass der italienische Geheimdienst an all den zusätzlichen Gästen, die da ins Land strömen werden, keinen Anstoß nimmt.
Oder sich gar zu fragen beginnt, was die guten Leute da eigentlich vor haben.
09. März 1939
Guglielmo Marconi verlässt den
Palazzo Venetia durch den Hauptausgang und strebt auf seine wartende Limousine zu, im Vorbeigehen einige bekannte Gesichter mit einem knappen Nicken grüßend.
Endlich lässt sich in Rom nach einer verregneten Woche wieder einmal die Sonne blicken.
Sein Chauffeur wartet bereits bei der geöffneten Tür.
In der heutigen Sitzung des
Königlichen Sicherheitsrates, wie sich das Kriegskabinett immer noch zurückhaltend betitelt, konnte er die Erforschung der
Dezimeter-Wellen als abgeschlossen vermelden.
Dem praktischen Einsatz zur Sicherung des italienischen Luftraumes steht nichts mehr entgegen - abgesehen von einem konkreten Bauauftrag für die neuen
Funkmess-Stationen, die die Reichweite der Fernaufklärung praktisch verdoppeln würden.
Leider sind aber noch zahlreiche wichtige Projekte in Arbeit, sodass der Forschungsminister selbst nicht damit rechnet, dass man in nächster Zeit diese neuen Stationen bauen wird.
Der Sicherheitsrat hat der Weiterentwicklung der Industrie höchste Priorität eingeräumt, weshalb die nun freien Ressourcen im
Forschungsministerium darauf konzentriert werden.
Wie üblich hätte
Marconi gerne eine intensivere Beschäftigung mit Grundlagenforschung gesehen, sieht aber angesichts der astronomischen Bedarfe der Streitkräfte ein, dass man die industriellen Kapazitäten dringend erweitern muss.
Gleichmütig macht er es sich im Fond seiner Dienst-Limousine gemütlich.
Er hat es sich schon lange abgewöhnt, sich über Dinge aufzuregen, die er ohnehin nicht ändern kann.
In seinem Alter muss man unnötigen Stress vermeiden, der schadet nur der eigenen Gesundheit.
Wenn
Lantini so weitermacht, wird er den Job nicht überlegen, sinniert der
Forschungsminister, während sich sein Wagen in Bewegung setzt und sich in den überbordenden Verkehr der Hauptstadt einsortiert.
12. März 1939
Graf Ciano beobachtet seinen mit auf dem Rücken verschränkten Händen nachdenklich auf und ab gehenden Schwiegervater über den Rand eines Glases Brunello hinweg.
Beide haben sich im Büro des
Duce eingerichtet, um Verlauf und Ergebnis des jüngsten Besuches des Außenministers auf dem
Obersalzberg durchzusprechen.
Der Graf hatte
Mussolini über die heftigen Ausfälle dieses mental grenzwertigen deutschen Führers gegen die
Tschechoslowakai in Kenntnis gesetzt.
Offenbar stieg
Hitler sowohl seine herausragende Position in
Deutschland als auch seine jüngsten außenpolitischen Erfolge ziemlich zu Kopf.
Jedenfalls breitete er seine Emotionen gegenüber den
Tschechen in einer Weise aus, die in der internationalen Diplomatie keineswegs üblich waren.
Zumindest nicht mehr seit den Zeiten eines Dschingis Khan oder vielleicht Attila, dem Hunnenkönig.
Natürlich war man in Italien nicht alleine auf Zeitungen und Informationen durch diesen ominösen Bundesgenossen angewiesen.
Der SIM hatte seine Augen und Ohren auch in der
Tschechoslowakei, weshalb der
Duce gut über die desolaten Situation dieses zusammengeschusterten Staates informiert war.
Ursprünglich eigentlich durchaus bereit, für die Existenz des Landes zu kämpfen, hatte das
Münchner Abkommen der Moral der
tschechoslowakischen Armee einen verheerenden Schlag versetzt.
Dabei war die offene Feindschaft der
Deutschen und deren Kriegsbereitschaft durchaus nicht überraschend gekommen.
Man war sich auch in
Prag bewusst, dass die
Westmächte diesen Staat durchaus mit vollem Bedacht als eine Art Dolch im Rücken
Deutschlands platziert hatte, nachdem die Russen infolge der Revolution als Garanten für einen Zweifrontenkrieg bis auf Weiteres entfallen waren.
Daher war es auch naheliegend, dass die
Deutschen sich mit der Existenz dieses Staates nicht würden befreunden können.
Die
Sudetengebiete bildeten da nur eine Art Sahnehäubchen.
Viel wichtiger war die nur allzu offenkundige Bereitschaft der
Briten und
Franzosen, zur Wahrung ihres eigenen Friedens die von ihnen selbst aus der Taufe gehobenen
ČSR zur Not ihrem Todfeind zu überlassen.
Man hatte der tschechoslowakischen Delegation in
München - wo sie weder von Deutschen noch Italienern beachtet wurde und auch nicht mit am Tisch saß - schlicht das Verhandlungsergebnis zur Unterzeichnung gereicht.
Und dabei betont, dass man alleine stehen würde, falls man nicht unterschrieb.
Damit war auch
Edvard Beneš, der wohl bedeutendste Staatsmann der
ČSR, der seit der Gründung zunächst als Außenminister und dann als Ministerpräsident umsichtig versucht hatte, die für das Überleben des Landes notwendigen Bündnisse zu sichern, desavouiert.
Innenpolitisch hatte er stets die führende Rolle der
Tschechen betont, die
Slowaken marginalisiert, was ihm verständlicherweise nicht zu überragender Beliebtheit verhalf.
Sein vielleicht größter Fehler war es jedoch gewesen, ein Hilfsangebot der
Sowjetunion auszuschlagen, die unter
Stalin anscheinend durchaus bereit schien, eine namhafte Anzahl von Divisionen zur Unterstützung zu entsenden.
Wobei allerdings dann auch
Polen im Weg gestanden hätte.
Die "
kleine Entente" mit
Rumänien und
Jugoslawien hatte sich auch als wirkungslos erwiesen, war doch
Rumänien inzwischen hinreichend von
Deutschen und
Italienern umgarnt worden und die Jugoslawen nicht bereit, ohne Garantien durch
Briten und
Franzosen aktiv zu werden.
Mal ganz abgesehen von den starken prodeutschen Kräften in
Jugoslawien, die mit einem fliegenden Wechsel der Bündnispartner liebäugelten, um mit diesen aggressiven
Deutschen zu einem Arrangement zu kommen.
So fiel denn das Gebiet, in dem man sich bestens zur Verteidigung eingerichtet hatte, kampflos an die
Deutschen, während speziell die
Briten diesen "Frieden" auch noch öffentlich feierten.
Die Armee, die sich unter Hohn und Spott der
Sudetendeutschen auf die neue Grenze zurückzog, hatte dieses moralische Fiasko bislang nicht verwunden.
Beneš Nachfolger
Emil Hácha schien nicht in der Lage, einen Weg aus dieser verfahrenen Situation zu finden.
Die
Deutschen, die erwartungsgemäß weiterhin immensen Druck ausübten, blieben im Vorteil, während sich
Tschechen und
Slowaken zunehmend fatalistisch in die Zukunft blickten.
Nun also hatte
Hitler Graf Ciano gegenüber seinen unabänderlichen Entschluss Kund getan, diesen Staat endgültig zu zerschlagen und - in welcher Form auch immer - ins
Deutsche Reich einzubauen.
Und dabei auch nicht mit Ausfällen gegen die in seinen Augen schwachen
Franzosen und
Briten gegeizt, die mal um mal vor dem wieder erstarkten
Deutschland zurück wichen.
"Nun gut", läßt der
Duce sich vernehmen.
"Soll er doch die
ČSR schlucken, wir halten uns da raus"
Mussolini dreht sich zu seinem Schwiegersohn um.
"Ich bezweifle ebenfalls, dass die Briten inzwischen bereit sind, zu den Waffen zu greifen. Immerhin wird Deutschland mit einer solchen Aktion im Westen endgültig als der Hauptfeind erscheinen"
Graf Ciano leert nachdenklich schweigend sein Weinglas.
"Wichtig ist für uns nur, dass wir den Zug nicht verpassen! Wir müssen bereit sein, unseren Schlag zu führen, wenn die Zeit reif ist!", verkündet
Mussolini mit entschlossenem Blick.
15. März 1939
Giovanni Messe, Kommandeur der
Panzer-Armee und Oberbefehlshaber der Nordwest-Gruppe des italienischen Heeres, hat die Stirn in tiefe Sorgenfalten gelegt.
Seit Langem schon beschäftigt ihn das Problem der
Westalpen, die er im Kriegsfall möglichst rasch überwinden muss.
Der
Duce hatte mehrfach und entschieden deutlich gemacht, dass
Italien nur dann einen längeren Krieg mit Aussicht auf Erfolg durchstehen konnte, wenn das erhebliche französische Industriepotential möglichst vollständig in italienische Hände fallen würde.
Er glaubte nicht im Geringsten daran, dass sich die
Briten nach einer französischen Niederlage wieder zurückziehen und mit einem Verständigungsfrieden begnügen würden.
Dazu bestand seiner Meinung nach für die
Briten nicht der kleinste Anlass, saß man doch auf den eigenen Inseln in relativer Sicherheit unter dem Schirm der
Royal Navy.
Zudem weder
Deutschland noch
Italien über die maritimen Mittel verfügten, an diesem Schirm vorbei zu kommen.
Also würde der Krieg auch nach einem Fall
Frankreichs weiter gehen!
Zweifellos würden die
Briten die gewaltigen Mittel ihres
Empire voll ausschöpfen, im Hintergrund noch von den Amerikanern verstärkt, zumindest aber mit Waffen und Ausrüstung versorgt.
Wollte
Italien letztlich die Oberhand behalten, musste also die französische Industrie für die eigene Rüstung arbeiten.
Frankreich aber würde dem gegenüber kapitulieren, der
Paris eroberte.
Auch daran ließ
Mussolini kein Zweifel zu.
Leider war aber der Weg nach
Paris sowohl über
Belgien als auch durch die
Maginot-Linie wesentlich kürzer als über die
französischen Alpen.
Also müsste man sehr schnell quer durch
Frankreich marschieren, was einen schnellen Sieg in den
Alpen voraussetzte.
Dieser Punkt bereitete
Messe immer noch die größten Sorgen.
Zwar hatte er bereits jetzt eine Streitmacht versammelt, die in der Geschichte ihresgleichen suchte.
Jedenfalls in der italienischen Geschichte.
Den
Franzosen war man, bislang zumindest, deutlich überlegen.
Andererseits führten nur wenige Wege durch die
Alpen, die auch ein deutlich unterlegener Gegner durchaus wirksam blockieren konnte.
Dem Vernehmen nach gruben sich die
Franzosen nun schon einige Zeit immer tiefer in die Berge ein.
Auch mit Panzern würde man da nur sehr schwer durch kommen.
Schließlich hatte der General das Gespräch mit dem
Kriegsminister gesucht, um die Problematik mit ihm zu diskutieren.
Ugo Cavallero lagen die
Alpen ebenso schwer auf dem Gemüt, er war Militär genug, um die immensen Schwierigkeiten des Vorhabens zu verstehen.
Auch wenn es ihm durchaus gefiel, dass dieser hochgewettete Jungspund, der Paladin
Mussolinis , schwer an dieser Aufgabe zu schlucken hatte, würde es ihm doch nichts bringen, wenn dieser scheiterte.
Die beiden hatten einige Zeit ihre Einschätzungen abgeglichen und waren sich einig in ihrer Unschlüssigkeit hinsichtlich der italienischen Erfolgsaussichten geworden.
Was an der unangenehmen Lage nichts änderte.
Schließlich hatte
Ugo Cavallero beschlossen,
General Roatta, den Leiter des
SIM hinzu zu ziehen.
Immerhin war dieser ja in den letzten Jahren mit einigen beherzten Manövern positiv aufgefallen und über militärischen Sachverstand verfügte er ja nun ebenfalls.
So saß man nun zu dritt in
Cavalleros Büro und zerbrach sich den Kopf.
Wobei es
Roatta zunächst darum ging, seine eigenen Interessen zu definieren.
Schnell kam er zu dem Schluss, dass es ihm nichts einbrächte, wenn die italienischen Truppen in den
Alpen abschmieren würden wie seinerzeit gegen
Österreich.
Im besten Fall würden die
Deutschen die
Franzosen niederringen, während
Italien weiterhin im eigenen Saft schmorte.
Dann würde Italien den weiteren Kriegsverlauf vom Beifahrersitz aus verfolgen und wäre für das eigene Überleben auf einen totalen deutschen Sieg angewiesen.
Selbst wenn dieser erreicht werden sollte, wäre
Italien doch nur ein Anhängsel an die dann endgültig unbesiegbaren
Deutschen.
Oder die
Deutschen unterlagen den
Briten.
Dann wäre es um
Mussolini ebenfalls geschehen.
Selbst wenn die Alliierten nicht einfach alle
PNF-Leute an Fahnenmasten hochziehen würden, kämen doch all die Leute wieder zum Vorschein, die nicht zuletzt er selbst in irgendwelche Lager und Gefängnisse verfrachtet hatte.
Mussolini wäre sicher nicht das einzige Opfer.
Also musste
Italien gewinnen!
Wozu ein Weg durch die
Alpen gefunden werden musste!
Tatsächlich hat
Roatta dazu eine Idee.
Eine recht kuriose Idee.
Eine gewagte Idee.
Eine vielleicht undurchführbare Idee.
Nachdenklich studiert er seine Fingernägel, unschlüssig, ob er damit vorpreschen soll.
Wenn es schief geht, ist er mit ziemlicher Sicherheit erledigt.
Aber das wäre er auch, wenn er nichts tut und
Messe scheitert.
Also was solls !
"Nun, meine Herren", hebt er schließlich etwas widerstrebend an, "ich wüsste da schon einen Weg, die Chancen der
Panzer-Armee deutlich zu erhöhen"
Gespannt blicken
Messe und
Cavallero auf den Geheimdienst-Chef.
"Na dann raus damit !", ermuntert ihn der Kriegsminister.
General Roatta skizziert in wenigen Sätzen das
Unternehmen Pugnalata und schlägt damit seine beiden Zuhörer schon nach wenigen Worten in den Bann.
Der
SIM hatte schon vor einiger Zeit so einige Pläne ausgearbeitet, damit man etwas in der Hand hätte, wenn es denn einmal notwendig wäre.
17. März 1939
Zerstreut nimmt
Ugo Cavallero die Meldung
Marconis auf, der zur Folge die Ausrüstungstabellen, Organisationspläne und Ausbildungsrichtlinien von
Logistik-Abteilungen nun finalisiert sind.
Über die Aufstellung derselben müsste sich der Kriegsminister nun mit
Ferrucio Lantini ins Benehmen setzen und könnte dann eine Zuteilung an beliebige Divisionen vornehmen.
Wodurch mit einem Schlage die Reichweite dieser Divisionen infolge einer verminderten Abhängigkeit vom zentralen Depot-Wesen deutlich wachsen würde.
Normalerweise wäre
Cavallero schon auf dem Weg zum
Duce, um die sofortige Aufstellung dieser
Logistik-Truppen zu fordern, bevor
Lantini die Chance hätte, durch sein übliches Gejammer über Kapazitäten dazwischen zu fahren.
Zur Zeit ist er allerdings noch mit den Nachwirkungen des "Gipfeltreffens" mit
Messe und Roatta beschäftigt.
Da gibt es von seiner Seite noch so einiges anzuschieben.
Immerhin hat man sich im
Königlichen Sicherheitsrat schon vorab darauf verständigt, dass
Marconi sich als Nächstes der Definition von
Wartungseinheiten widmen soll.
Insbesondere die gehätschelten
Panzerdivisionen, die schließlich den endgültigen Sieg über
Frankreich bringen sollten, benötigten umfangreiche Mittel, um die zahllosen Panzer, LKWs und sonstige Gerätschaften beständig einsatzbereit zu halten.
Bisher war immer nur ein gewisser Prozentsatz dieser motorisierten und mechanisierten Truppen tatsächlich frontfähig.
Der Verschleiß, insbesondere im schweren Gelände war schon atemberaubend und sorgte für beständigen Ersatz-Bedarf, der wiederum auf Kosten von Neuaufstellungen ging.
22. März 1939
Italo Balbo tauscht einen Händedruck mit
Guglielmo Marconi und verabschiedet sich mit einem zufriedenen Lächeln.
Beschwingten Schrittes eilt der
Luftfahrtminister die Treppen des
Forschungsministeriums hinunter zu seiner wartenden Dienst-Limousine, während sich Marconi nach einem letzten, kühlen Blick wieder in sein Reich zurückzieht.
Balbo kann sich über die Ausarbeitung einer
Sturzkampf-Doktrin freuen, die einen Grundstock für die zukünftige Ausrichtung de
r Regio Aeronautica auf Luftunterstützung für das
Esercito Italiano bildet.
Natürlich wird sich das erst praktisch auswirken, wenn die ebenfalls angeführten technischen Modifikationen an den leichten Kampfflugzeugen durchgeführt werden.
Und wenn man deren Produktion vorantreibt, versteht sich.
Was derzeit noch in den Sternen steht.
Aus dem Büro des
Duce kommen wenig erfreuliche Aussagen bezüglich einer weiter wachsenden Kriegsgefahr.
Düstere Andeutungen über weitere Aktivitäten der
Deutschen, die die Spannungen in Europa und der Welt weiter anheizen werden.
Die
ČSR, denkt Balbo, bestimmt die
ČSR!
Allerdings erwartet
Benito nicht unmittelbar den Ausbruch eines allgemeinen Krieges.
Die
Briten und
Franzosen befinden sich seiner Ansicht nach auf dem Weg der Erkenntnis der Unvermeidbarkeit eines solchen Konfliktes.
Aber sie sind noch nicht bei dieser Erkenntnis angekommen.
Zulange haben sie der Erhaltung des Friedens immer neue Opfer gebracht, um nun unvermittelt auf Krieg zu setzen.
Doch wird sich das laut
Mussolini längstens innerhalb eines Jahres ergeben.
Damit steht auch für
Balbo der Zeitplan fest.
Die
Regia Aeronautica musste sich kriegsbereit machen !
Daher ist er über den Abschluss der Arbeiten an der
Sturzkampf-Doktrin mehr als erleichtert.
Zumal er sich unter Beistand des
Duce bei dem Nachfolgeprojekt durchsetzen konnte: der Erforschung des Möglichkeiten zur direkten Einwirkung im
Bodenkampf.
Also einem engen Zusammenwirkung von
Regia Aeronautica und
Esercito Italiano.
Wenn man sich schon hinsichtlich Forschung und Entwicklung so auf seine Teilstreitkraft konzentriert, dann wird man auch der Ausweitung der Produktionskapazitäten zugunsten der Luftwaffe aufgeschlossen gegenüber stehen !
Was der eigentliche Grund für seine gute Laune ist.
Er nimmt im Fond Platz und wartet ungeduldig darauf, dass der Fahrer wieder einsteigt und losfährt.
Es gibt viel zu tun !