Alle Wege führen nach Rom - XXXIV
Übersicht der Kriegsfreiwilligen
Esercito Italiano
Capitano Clone
aktuelle Verwendung: 3° Compania / I Battaglione / 1° Reggimento Celere / 1a Divisione Celere "Eugenio di Savoia"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia Di Bronzo Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um Teruel
Maggiore Deltadagger:
aktuelle Verwendung: III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
erste Verwendung: 4° Compania / III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
Capitano Tex Murphy:
aktuelle Verwendung: 1° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Celere / 3a Divisione Celere "Principe Amedeo Duca d'Aosta"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Mutilato In Guerra, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Tenente Headhunter:
aktuelle Verwendung: 1° Batteria / Gruppo Artiglieria Leggera / 3a Divisione Fanteria "Ravenna"
Tenente Maestro Privato:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Alpino / 2a Divisione Alpina "Tridentina"
Tenente Colonnello Hohenlohe:
erste Verwendung: Reparto Operativo / Stato Maggiore Esercito
zweite Verwendung: Lehrer an der Accademia Militare di Modena, Spezialist für Ausbildung, Ausrüstung und Taktiken der Fanteria di Marina
aktuelle Verwendung: 2° Reggimento Fanteria del Marina
Tenente Von Retterling:
aktuelle Verwendung: Agent des Servizio Informazioni Militare (SIM)
Capitano Hjalfnar:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / III Battaglione / 2° Reggimento Celere / "Emanuele Filiberto Testa di Ferro"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore, verliehen in der Schlacht um Barcelona
Tenente Frisiercreme:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / Battaglione Poggio Rusco / 185º Reggimento Ricognizione Acquisizione Obiettivi "Folgore"
Tenente Oertyzulu:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione Indigeni "Turitto" / 1° Gruppo Battaglioni Eritrei / 2a Divisione Coloniale "Eritrea"
Maggiore Evilbeagle:
aktuelle Verwendung: Verbindungsoffizier im Forschungsministerium
Tenente Æxit:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione / 4° Reggimento Celere / 3 Divisione Celere
Tenente HEF:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 53° Reggimento 27a Divisione die Fanteria "Sila"
Regia Aeronautica
Tenente Bushi:
aktuelle Verwendung: 1° Squadriglia / I Gruppo / 4° Stormo "Amedeo d'Aosta"
Tenente Luigi Armistado
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / III Gruppo / 14° Stormo "Rex"
Tenente Azrael:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 53° Stormo "Borea"
Tenente Spiegelfechter:
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / I Gruppo / 1° Stormo "Aquila"
Aviazione Ausiliaria per la Marina
Tenente Litle-Man:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 46° Stormo "Pegaso"
Regia Marina
Tenente di Vascello Ritter Kunz:
aktuelle Verwendung: Caccia RM Freccia / Squadra di Tarento
Kriegskabinett
Benito Mussolini: Ministerpräsident, Oberkommandierender der Streitkräfte
Gian Galeazzo Ciano, Graf von Cortellazzo und Buccari: Außenminister
Ammiraglio Domenico Cavagnari: Oberkommandierender der Regia Marina
Ferrucio Lantini: Korporationsminister
Ugo Cavallero: Kriegsminister, Kommandeur der Armata di Riserva, Oberkommandierender des Esercito Italiano
Guglielmo Marconi: Forschungsminister
Italo Balbo: Luftfahrtminister, Oberkommandierender der Regia Aeronautica
Bruno Fornaciari: Innenminister
Generale Mario Roatta: Leiter des SIM
Generale Giovanni Messe: Kommandeur der Panzer-Armee, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Frankreich"
Conte di Bassewitz: Staatsekretär im Propaganda-Ministerium
26. Dezember 1938
Tenente von Retterling tritt durch den geöffneten Eingang des West-Hafens von
Alexandria, al-Minâ al-Ğarbiyya, hinaus in die gleißende Helligkeit des noch jungen Tages.
Er schlendert gemächlich zur linken Seite, wie ein Mann, der alle Zeit der Welt hat, während er mit der Rechten in die linke Brusttasche seines Hemdes greift und einen Glimmstengel aus dem Softpack schüttelt.
Ebenfalls mit der Rechten greift er in seine Hosentasche und steckt sich die Zigarette an, während die hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgenen Augen den Platz vor dem eindrucksvollen Sandsteingebäude auf Quellen möglichen Ärgers absuchen.
Schließlich setzt er seinen weißen Strohhut auf, den er bisher locker in der Linken gehalten hatte.
Das vereinbarte Zeichen.
Zwei Wochen hatte man in dem Hotel in der Innenstadt ausgeharrt, bis die Zentrale in
Rom schließlich etwas kleinlaut wissen ließ, dass der Fisch offenbar vom Haken gegangen war.
Vermutlich war der echte
Secret Service ebenfalls auf den Verräter zugegangen und tat sich dann entschieden leichter, seine Authentizität unter Beweis zu stellen.
Als man schon die Koffer gepackt hatte um unverrichteter Dinge wieder abzuziehen, kam dann ein weiterer Kurier aus der Botschaft mit der Mitteilung, dass man vielleicht doch noch zum Zuge kommen würde.
Offenkundig war der Verräter aufgrund der überzähligen Service-Agenten nervös geworden und hatte sich Hals über Kopf von seinem Posten abgesetzt.
Da man den ganzen Stab der
1. Armee sorgfältig im Auge behielt, war das Verschwinden des
Tenento Colonnello Mancini aus der Operationsabteilung schnell aufgefallen.
Leider nicht so schnell, dass man ihn noch in
Lybien hätte festnehmen können.
Der Kerl hatte sich einfach auf das nächste Postschiff nach
Sizilien gesetzt, war in
Syrakus an Land gegangen und danach wieder spurlos verschwunden.
Allerdings war er den Häschern des
SIM nur wenige Schritte voraus gewesen, sodass es nicht viele Möglichkeiten für seinen Verbleib gab.
Die Zentrale hatte schnell heraus gefunden, dass von Syrakus aus am gleichen Tag ein Passagierschiff nach
Alexandria ausgelaufen war.
Aus
Syrakus heraus konnte er nicht entkommen sein, dafür sorgten die eilends alarmierten Carabinieri.
Die übrigen Schiffe hatte man noch im Hafen gründlich durchsucht, ohne fündig zu werden.
Also hatte er sich entweder in Syrakus unter irgendeinem Stein verkrochen oder war eben an Bord des Dampfers mit Ziel
Alexandria gegangen.
Hals über Kopf ging es daraufhin für
von Retterlings Team zu dem
West-Hafen von Alexandria, in den das Schiff einlaufen sollte.
Und tatsächlich -
von Retterling hat
Mancini vor ein paar Minuten mit eigenen Augen gesehen, als er von Bord des Schiffes ging.
Die Einreiseformalitäten gestalteten sich óffenbar unkompliziert, da der Verräter von drei Gentlemen erwartet wurde, die ihn einfach hindurch gewunken hatten.
Das besondere Interesse des Tenente rief der große schwarze Aktenkoffer hervor, den der Überläufer als einziges Gepäckstück bei sich trug.
Nach erfolgter Identifizierung war
von Retterling zügig Richtung Ausgang gegangen, um den übrigen Männern seines Teams das vereinbarte Signal zu geben, während ein weiterer Agent den vier Männern unauffällig folgte.
Für den Fall, dass sie sich verlaufen sollten könnte man so immerhin dran bleiben.
Ein Strom von Reisenden betritt und verläßt das Hafengebäude, während
von Retterling aus den Augenwinkeln darauf wartet, dass seine Beute zum Vorschein kommt.
Eine schwarze Limousine fährt langsam in den Wendekreis vor der flachen Treppe ein.
Schließlich macht der
Tenente den ersten der Service-Agenten aus, der vorsichtig aus dem Gebäude heraus tritt und gegen die Helligkeit draußen anblinzelt.
Der zweite folgt einen Meter links von ihm und zwei Schritte dahinter.
Wieder einmal hat
von Retterling den Eindruck, als würde alles in Zeitlupe ablaufen.
Zwei Meter hinter den beiden folgt der
Tenente Colonnello, dem man die Erleichterung über seine geglückte Flucht förmlich ansehen kann, in einem grauen, zivilen Anzug.
Von Retterling registriert den schwarzen Aktenkoffer, den der Mann immer noch bei sich trägt.
So weit, so gut.
Mit ein ganz klein wenig Glück befinden sich darin die gesuchten Pläne.
Mancini dürfte nicht so dumm gewesen sein, sich davon vor einer erfolgreichen Flucht zu trennen.
Schließlich hätte der Service dann keinen triftigen Grund mehr, sich die Mühe seiner Ausschleusung zu machen.
Und ihn nachher in England durchzufüttern.
Noch einmal zwei Meter hinter dem Verräter betritt schließlich der letzte der Service-Agenten den Treppenabsatz, sich argwöhnisch nach allen Seiten umsehend.
Sein prüfender Blick wandert über
von Retterling hinweg, der angelegentlich das Treiben auf dem Vorplatz betrachtet.
Die hintere Tür und die Fahrertür der schwarzen Limousine öffnen sich, während das Quartett die Treppe weiter hinunter geht und
von Retterling seine halb gerauchte Zigarette lässig mit der Linken wegschnippst.
Hinter der Limousine tauchen die Köpfe des Fahrers und des hinter ihm sitzenden Passagiers auf und ziehen die Aufmerksamkeit der drei
Service-Männer auf sich.
Drei Meter hinter dem letzten Agenten kommt nun schließlich der
SIM-Agent zum Vorschein, den der
Tenente zur Überwachung im Hafengebäude zurück gelassen hat.
Er trägt einen ebenso leichten, beigen Anzug wie sein
Tenente, dazu eine braune, lederne Aktenmappe.
Wie zuvor
von Retterling schlendert auch er auf die linke Seite des Einganges hinüber.
Von Retterling fasst den Hinterkopf des letzten Agenten ins Auge, während seine Rechte beiläufig unter sein Jackett greift und mit einer matt eloxierten Browning wieder zum Vorschein kommt.
Ein zufälliger Passant, der geradewegs auf ihn zu geht, reißt überrascht die Augen auf.
Die beide Männer hinter der schwarzen Limousine haben sich geteilt, einer geht zum Heck des Wagens, während der andere wohl an der Motorhaube vorbei möchte.
Übergangslos bringen beide Tommy Guns mit Rundmagazinen in Anschlag, die sie zuvor unauffällig außer Sicht gehalten hatten.
Auf die beiden Colt-Thompson Model 1921 ist
von Retterling besonders stolz, zeugen sie doch von den Künsten der Beschaffungsabteilung des
SIM, die auch außergewöhnliche Wünsche zu befriedigen versteht.
Er hatte sie für den ursprünglich geplanten Hit auf dem Suk angefordert, da schwere Maschinengewehre in dieser Umgebung nun einmal höchst unpraktisch gewesen wären.
Aufgrund der hohen Kadenz von 800 Schuß pro Minute waren sie nicht nur beim amerikanischen Militär beliebt, sondern wurden in den Zwanzigern auch von aufstrebenden Geschäftsleuten eingesetzt, sowie vom Hersteller selbst in viele Länder verkauft.
Was wiederum ein auf Diskretion bedachter Geheimdienst zu schätzen weiß.
Die
Service-Männer greifen reaktionsschnell nach ihren eigenen Waffen, aber die
Italiener sind naturgemäß ein paar Zehntel voraus.
Von Retterling jagt dem hintersten Briten zwei Schüsse in den Hinterkopf und die beiden ebenfalls in beige Anzüge gewandeten Herren hinter der Limousine lassen ihre Thompsons sprechen.
Auf der Treppe und dem Vorplatz bricht das Chaos aus.
Leute werfen sich zu Boden oder versuchen panisch, sich vor den herumfliegenden Kugeln in Sicherheit zu bringen.
Eine Salve aus einer Thompson holt den vordersten
Service-Agenten von den Beinen, derweil es sein Nebenmann erstaunlicherweise noch schafft, zwei Schüsse auf die Limousine abzufeuern, bevor er
von Retterlings Kollegen zur Rechten mit einigen Schüssen in den Rücken zu Fall gebracht wird.
Nun ist die Bahn frei.
Von Retterling verpasst dem Verräter zwei Kugeln in die Herzgegend und sicherheitshalber eine weitere in den Hinterkopf.
Ebenso plötzlich, wie die Schießerei begonnen hat, ist sie auch schon wieder vorbei.
Von Retterling wechselt sein Magazin, da er für die nächsten ungewissen Minuten lieber voll aufmunitioniert sein möchte, während er gelassen auf die am Boden liegenden Opfer zu geht.
Die beiden Männer hinter der Limousine jagen derweil einige Feuerstöße in die Luft, um die panische Menge in Bewegung zu halten und vom Geschehen auf der Treppe abzulenken.
Von Retterling durchsucht, auf das linke Knie herab gelassen, den toten
Tenente Colonnello.
Neben ihn deponiert sein Begleiter die nun geöffnete braune Aktenmappe, in die
von Retterling alle Fundstücke packt.
Brieftasche, Pass, ein Ticket, ein Notizbuch.
Dann durchsucht er schnell die am Boden liegenden
Service-Agenten und verfrachtet deren Tascheninhalte ebenfalls in die Mappe.
Vielleicht lässt sich so eine dünne Spur für einen Raubüberfall legen, ansonsten lassen sich vielleicht Erkenntnisse über den
Service sammeln.
Der noch junge Staat um
König Faruk mag eine Verwicklung in internationale Streitigkeiten zwischen Großmächten womöglich scheuen und nach derartigen Strohhalmen greifen, um sich nicht zu exponieren.
Letztlich würde es von den
Engländern abhängen, die Aufgrund der wirtschaftlichen und finanziellen Abhängigkeit
Ägyptens real immer noch die wichtigen Ansagen machen.
Nach knapp zwanzig Sekunden erhebt sich
von Retterling wieder, den ominösen schwarzen Aktenkoffer des
Tenente Colonnello in der Linken.
Sein Begleiter schnappt sich wieder die nun gut gefüllte braune Ledermappe.
Beide gehen zügig aber gleichmütig die Treppe hinunter in Richtung eines mit laufenden Motor an der Straße geparkten, alten Lastwagens.
Dort wartet der letzte Mann des Teams, der sich aus der Schießerei heraus gehalten hat.
Mit einer letzten Salve aus ihren Maschinenpistole über die Köpfe der kreischenden Menge hinweg lassen es daraufhin auch die beiden anderen Agenten bewenden und steigen wieder in die Limousine.
Während in der Ferne die Sirenen von Polizei und Sanitätern hörbar werden, fahren die Wagen der
SIM-Agenten langsam und weitgehend unbeachtet zwischen den fliehenden Zivilisten durch und verlassen den Ort des Geschehens.
27. Dezember 1938
Ugo Cavallero zeichnet die Übernahme der
Gebirgsdivisionen 13 bis 18 als reguläre Einheiten ab.
Damit verlassen sie seinen unmittelbaren Dunstkreis bei der
Armata di Riserva, um sich der Gebirgsarmee im
Monte Bianco - Massiv anzuschließen.
Die Armee sollte nun offensiv wie defensiv allen Aufgaben gewachsen sein, wie der Kriegsminister und Befehlshaber der
Armata di Riserva befriedigt feststellt.
Hoffentlich würde der kommandierende
General Visconte di Prada etwas damit anzufangen wissen, wenn es hart auf hart geht.
Jedenfalls hat die
Gebirgsarmee mit 23 Divisionen ihren endgültigen Ausbau erreicht.
Da nun in der
Lombardei, die praktisch ein einziges großes Manövergebiet geworden ist, wieder Platz ist, übernimmt er im Anschluss die neu formierten
Infanterie-Divisionen 43 bis 48 zur weiteren Ausbildung.
Indessen tigert
Graf Ciano in seinem Arbeitszimmer im Außenministerium ruhelos hin und her.
Die
Deutschen waren wieder einmal vorgeprescht, ohne sich lange mit einer Konsultation ihres italienischen Verbündeten aufzuhalten.
Warum auch, hatten sie mit dem
Stahlpakt ja praktisch einen Blankoscheck erhalten.
Diesmal haben sie dem kleinen Litauen das
Memelland abgepresst.
In dem Bestreben, dem geschlagenen
Deutschland einige Fesseln aufzuerlegen, hatten die Siegermächte des Weltkrieges im
Versailler Vertrag die Abtrennung von ostpreußischen Gebieten nördlich der
Memel durchgesetzt.
Eigentlich wurde dieser kleine Landstrich vom
Völkerbund der Verwaltung durch die
Franzosen überantwortet.
Die
Litauer, im Weltkrieg durch die Deutschen besetzt und nach der Niederlage
Russlands mit einem Diktatfrieden überzogen, fanden jedoch 1923, dass dieses Gebiet recht gut zu ihrem Land passen würde.
Während die
Franzosen mit der
Rheinland-Besetzung und anderen Querelen beschäftigt waren, lancierte man deshalb einen vorgeblichen Aufstand der lokalen Bevölkerung, um das Gebiet hinterher einzukassieren.
Nun rückt
Hitler also die Dinge aus deutscher Sicht wieder zurecht.
Wie gewöhnlich natürlich nicht auf dem Verhandlungsweg, jedenfalls nicht in einer Weise, die man im Allgemeinen mit dem Wort "Verhandlung" in Verbindung bringt.
Er hatte vielmehr den
Litauern ein knapp bemessenes Ultimatum überreichen und wissen lassen, dass er sich das Memelland notfalls mit Gewalt zurückholen würde.
Dieses Vorgehen hat in Rom wieder einmal für einige Sorgenfalten gesorgt, ist man doch nach allgemeiner Einschätzung noch nicht hinlänglich auf einen großen Krieg vorbereitet.
Aber die
Engländer und Franzosen ließen ihr Schwert auch dieses mal stecken und die
Russen sind auch nicht gerade ein empfehlenswerter Schutzpatron, sind sie doch bestrebt, die Position des Zarenreiches im Baltikum wieder her zu stellen.
Also blieb den
Litauern offenkundig keine andere Wahl, als sich dem Diktat aus
Berlin zu beugen und
Hitler einen weiteren, billigen Sieg zu überlassen.
Allerdings steigt die Spannung auf der Welt damit ein weiteres Mal deutlich an, ist man es doch in den anderen europäischen Hauptstädten allmählich leid, sich ständig vor den Bajonetten der Deutschen zurückzuziehen.
Irgendwann wird dieses Vabanque-Spiel nach des Grafen Meinung also zwangsläufig scheitern müssen.
Hitler scheint's egal zu sein.
Er streicht einfach alles ein, was er ohne Krieg erreichen kann und stärkt damit fortlaufend seine Position für den letztlich unvermeidlichen Kampf.
27. Dezember 1938
Benito Mussolini geht seiner morgendlichen Routine mit dem Studium der internationalen Tagezeitungen bei einer Tasse Kaffee nach.
Eigentlich wäre ja Urlaubszeit, aber abgesehen von den emsigen
Deutschen beschäftigen ihn auch noch die Aktivitäten des
SIM in
Ägypten.
Natürlich hatte
General Roatta nicht ohne vorherige Information und stillschweigende Billigung durch den
Duce dort aktiv werden können.
Tatsächlich segnete der
Duce alle Maßnahmen ab, die der General für eventuell zweckmäßig hielt, um zu verhindern, dass den
Briten ein Verräter aus dem Stab der
1. Armee samt Feldzugsplan in die Hände fällt.
Schließlich forderten die
Briten eine derartige Aktion ja geradezu heraus!
Natürlich konnte es den
Briten nicht entgangen sein, das die Italiener in
Lybien Streitkräfte hatten aufmarschieren lassen, die für eine Defensive nur allzu reichlich bemessen sind.
Allerdings ist ihnen hoffentlich unklar, dass man diese Truppen im Kriegsfall komplett in einen Angriff auf
Ägypten zu werfen beabsichtigt, während man die Grenze nach
Tunesien praktisch ungedeckt lassen würde.
Das
französische Problem würde sich schnell lösen, wie auch der
Duce selbst befunden hatte, während man den
Engländern die Flügel stutzen musste, solange das noch möglich war.
Also noch bevor man die gewaltigen Mittel des
Empire mobilisieren konnte!
Mit dem Suez-Kanal in italienischen Händen würde sich die
Briten jedenfalls deutlich schwerer tun, im
Mittelmeer aktiv zu werden.
Aus dem Feldzugsplan geht auch hervor, dass man am
Suez-Kanal wohl nicht halt machen würde.
Neben der Einnahme ganz
Ägyptens steht auch die Besetzung
Palästinas, des
Libanon und
Syriens auf dem Programm, womit die Briten von der
Mittelmeer-Küste vertrieben wären.
Danach kann man sich immer noch den Franzosen in
Tunesien und
Algerien zuwenden, sofern diese nicht bis dahin ohnehin kapituliert hätten.
Das Alles inklusive der säuberlich ausgearbeiteten Marschbefehle kann man schlecht dem designierten Opfer überlassen!
Also musste
Mancini weg und die Pläne wiederbeschafft werden, auch wenn das nicht ohne Aufsehen abgehen würde.
Und Aufsehen hatte es durchaus gegeben!
Die
ägyptischen Zeitungen waren voll von dem Anschlag auf den West-Hafen
Alexandrias und wüsten Spekulationen über die Hintergründe obendrein.
Aber wieder einmal wurden diese Geschichten nicht von den großen europäischen und amerikanischen Zeitungen aufgegriffen.
Die italienischen Zeitungen brachten dazu eh nichts.
Die
Ägypter enthielten sich offener Anschuldigen gegen
Italien, man stufte das Ganze letztlich als eine Abrechnung unter Gaunern ein.
Den
Engländern, denen glasklar sein dürfte, wer dieses Blutbad angerichtet hatte und aus welchen Gründen, war auch nicht daran gelegen, die Hintergründe öffentlich zu machen.
Für einen Geheimdienst gibt es nun einmal nur schlechte Presse.
Über Erfolge kann man nicht berichten und über Niederlagen mag man nichts veröffentlichen.
Also steht nur etwas in der Zeitung, wenn jemand etwas durchsickern lässt, was in
Italien schon mal generell nicht vorkommt und bei den
Briten hinsichtlich ihres gefeierten
Secret Service in aller Regel auch nicht.
Inzwischen scheinen sich die Wogen in
Ägypten wieder zu legen.
Auch diesen Kollegen dürfte klar sein, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man sich mit den Italienern einfach so anlegt.
Also im Grunde alles in Butter, beschließt
Mussolini mit einem weiteren Schluck des noch warmen Kaffees.
03. Januar 1938
Tenente Colonnello Hohenlohe packt seine wenigen Habseligkeiten zusammen.
Kurz vor Weihnachten hatte er seine insgeheim längst erwartete Beförderung erhalten und war - durchaus unerwartet - zum Befehlshaber des
2° Reggimento Fanteria del Marina ernannt worden.
Den Dienst würde er morgen in Genua antreten.
Endlich ein eigenes Kommando!
Seine bisherige Tätigkeit als Lehrer an der
Accademia Militare ist nicht gerade das, was er sich vom Dienst im
Esercito Italiano erwartet hat.
Das kann er immer noch machen, wenn er irgendwann für den Truppendienst zu alt ist!
Die Jahre zuvor im Stab in
Rom waren noch lähmender gewesen, auch wenn er hier sicherlich hoch interessante Arbeit leisten konnte.
Schließlich kann nicht jeder von sich behaupten, eine neue Waffengattung geschaffen zu haben!
Nein - sein Traum ist es schon immer gewesen, Soldaten unter seinem Kommando in den Kampf für den König zu führen!
Als er bei der Aufstellung der Marineinfanterie-Divisionen nicht gleich berücksichtigt wurde, hatte er schon befürchtet, seine Ambitionen nie realisieren zu können.
Den Versicherungen seiner Vorgesetzten, nach Abschluss der Einführungsveranstaltungen zu dem Lehrgang für angehende Marineinfanterie-Offiziere wieder eine Feldverwendung zu erhalten, haftete nach seinem Geschmack zu viel Beschwichtigung an, um wirklich glaubhaft zu sein.
Aber nun ist es doch noch so gekommen!
Natürlich ist sein Regiment mit nur zwei statt der üblichen drei Bataillone noch etwas klein geraten, aber er weiß schließlich aus erster Hand aus dem Kriegsministerium, dass man die Marineinfanterie-Divisionen noch drastisch ausbauen wird.
Nur die konkreten Einsatzmöglichkeiten für "seine" Marineinfanteristen bereiten ihm doch einiges Kopfzerbrechen, ist doch die Erlangung und Verteidigung der Seeherrschaft eine in seinen Augen zwingende Vorbedingung für eine Landung an einer feindlichen Küste.
Die geringe Größe der Divisionen und die beschränkten Möglichkeiten der
Regia Marina scheinen sich hier recht unglücklich zusammen zu finden.
Andererseits scheint man aber keine Anstrengung zu scheuen, um Heer und Luftwaffe auf kommende große Aufgaben vorzubereiten.
Darüber wird man doch die
Marine und die
Marineinfanterie nicht vergessen, oder?
05. Januar 1939
Tenente HEF wischt sich mit dem Ärmel seines khakifarbenen Hemdes den Schweiß aus den Augen.
Es ist heiß.
Mörderisch, unglaublich, wahnwitzig, absurd HEISS !
Vor drei Tagen ist er in
Afrika eingetroffen, gestern dann schließlich bei seiner neuen Einheit, dem
53° Reggimento, das zur 27a Divisione di Fanteria "Sila" gehört.
Das
Esercito Italiano ist nicht wahnsinnig auskunftsfreudig, was die Standorte seiner Divisionen angeht.
Bei Erhalt des Versetzungsbefehls zur "
Sila" hatte er an
Eritrea gedacht.
In
Asmara soll es recht angenehm sein, auch nicht viel anders als in
Nord-Italien.
Natürlich gibt es auch das zentrale Hochland, da wird es im Sommer auch ordentlich warm.
Aber damit wäre er klar gekommen.
Stattdessen
Lybien!
Noch dazu irgendwo im Nirgendwo der Wüste, unweit der Grenze nach
Ägypten, dutzende Kilometer im Landesinneren, schon am Rand der
Sahara!
Zum Ausgleich für die wahnwitzigen Tagestemperaturen ist es nachts bitterkalt, auch kein echter Trost.
Und Sandstürme gibt es auch noch !
HEF zerquetscht einen Fluch zwischen den Zähnen.
Sieht sich nach seinem Zug um, der sich der ätzenden Routine des Waffenreinigens hingibt.
Dass man um so einen trostlosen Flecken Erde kämpfen könnte, würde ihm sicher nie in den Sinn kommen !
Aber zu spät, er hatte sich von den abenteuerlichen Werbeplakaten des
Esercito Italiano einfangen lassen.
War auch noch stolz gewesen, als man in als Offiziersanwärter übernahm und auf die
Accademia schickte.
Nun sitzt er hier fest, Gott mochte wissen, für wie lange !
Immerhin ist er nicht bei den Pionieren gelandet, die scheinbar beständig Stellungen errichten, Bunker bauen, Straßen durch die Wüste ziehen.
Da könnte er sich ja gleich eine Kugel durch den Kopf jagen!
Vielleicht gibt es ja bald den von vielen befürchteten Krieg.
Dann könnte man die
Engländer beiseite schubsen und in
Ägypten einziehen!
Dort wird es ja hoffentlich angenehmer sein.
Missmutig stapft der
Tenente an den Tischen entlang, auf denen seine Männer ihre zerlegten Waffen abgelegt haben.
Starrt in den wolkenlosen Himmel.
25. Januar 1939
Gian Galeazzo Ciano, Außenminister Italiens schaltet sein geschäftsmäßiges Lächeln ein, während er nach der ausgestreckten Rechten
Joachim von Ribbentrops greift.
Die gebleckten Zähne beider glänzen im Blitzlichtgewitter der herbei gerufenen Pressevertreter, überwiegend natürlich aus
Deutschland und Italien.
Aber auch internationale Agenturen sind vertreten, um ihre Leser mit unerfreulichen Neuigkeiten zu der Zusammenarbeit der beiden mächtigen Diktatoren im Herzen
Europas zu erschrecken.
Graf Cianos Lächeln würde noch herzlicher ausfallen, wenn er auf das Grab
Ribbentrops pissen könnte.
Vielleicht findet sich ja noch irgendwann die Gelegenheit.
Der Gedanke daran verleiht seinem Lächeln tatsächlich mehr Wärme.
Die Hand dieses eiskalten, skrupellosen und intellektuell nicht sonderlich auffälligen Deutschen zu schütteln ist eine Zumutung, der er sich leider aus beruflichen Gründen des Öfteren unterziehen muss.
Hier geht es um die feierliche Unterzeichnung des
Forschungspaktes, eine logische Folge des
Stahlpaktes, die von
Mussolini heftig herbei gesehnt worden war.
Der bekannte Vorsprung der Deutschen bei der
Panzertechnologie und insbesondere bei der Herstellung
synthetischer Rohstoffe hat schon seit Langem die Begehrlichkeit des
Duce geweckt.
Natürlich muss man ihnen im Austausch auch so Einiges überlassen, insbesondere die
Ausrüstung und Ausbildung von Gebirgsjägern betreffend.
Unter dem Strich jedenfalls für
Italien ein sehr lohnenswertes Geschäft, ja geradezu eine Vorbedingung, um einen längeren Krieg gegen die
Westmächte erfolgreich durchstehen zu können.
Also verbannt
Graf Ciano seine Abneigung gegen den deutschen Außenminister und strahlt weiter in die aufdringlichen Kameras.
Indessen unterzeichnet
Benito Mussolini eine geheime Direktive zur
Förderung der Luftfahrt, die seinem Kabinett als Leitlinie dienen soll.
Es sollen alle Anstrengungen unternommen werden, um in der Entwicklung neuer Flugzeuge, insbesondere von
Jägern voran zu kommen.
Hinter vorgehaltener Hand wird die ursprünglich so hoch gewettete
Saetta inzwischen ziemlich herunter gemacht.
Die Geschwindigkeit soll den gegnerischen Maschinen gerade mal ebenbürtig sein, statt überlegen.
Bei der Bewaffnung hinkt man bekanntermaßen eh hinterher, sodass als einziger Aktivposten die Wendigkeit bleibt.
Etwas zu wenig, um darauf das Schicksal der bald voran stürmenden italienischen Armeen zu verwetten.
Auch auf die
Einsatzgrundlagen soll man mal einen vertieften Blick werfen.
Bislang hat sich seit Ende des Weltkrieges diesbezüglich nicht wahnsinnig viel getan.