Alle Wege führen nach Rom - XXXIII
Übersicht der Kriegsfreiwilligen
Esercito Italiano
Capitano Clone
aktuelle Verwendung: 3° Compania / I Battaglione / 1° Reggimento Celere / 1a Divisione Celere "Eugenio di Savoia"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia Di Bronzo Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um Teruel
Maggiore Deltadagger:
aktuelle Verwendung: III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
erste Verwendung: 4° Compania / III Battaglione / 5° Reggimento Alpino / 3a Divisione Alpina "Julia"
Capitano Tex Murphy:
aktuelle Verwendung: 1° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Celere / 3a Divisione Celere "Principe Amedeo Duca d'Aosta"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore Militare, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Mutilato In Guerra, verliehen in der Schlacht um San Sebastián de los Reyes
Tenente Headhunter:
aktuelle Verwendung: 1° Batteria / Gruppo Artiglieria Leggera / 3a Divisione Fanteria "Ravenna"
Tenente Maestro Privato:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 3° Reggimento Alpino / 2a Divisione Alpina "Tridentina"
Maggiore Hohenlohe:
erste Verwendung: Reparto Operativo / Stato Maggiore Esercito
aktuelle Verwendung: Lehrer an der Accademia Militare di Modena, Spezialist für Ausbildung, Ausrüstung und Taktiken der Fanteria di Marina
Tenente Von Retterling:
aktuelle Verwendung: Agent des Servizio Informazioni Militare (SIM)
Capitano Hjalfnar:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / III Battaglione / 2° Reggimento Celere / "Emanuele Filiberto Testa di Ferro"
Auszeichnungen:
Medaglia commemorativa della campagna di Spagna
Medaglia D'Argento Al Valore, verliehen in der Schlacht um Barcelona
Tenente Frisiercreme:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / Battaglione Poggio Rusco / 185º Reggimento Ricognizione Acquisizione Obiettivi "Folgore"
Tenente Oertyzulu:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione Indigeni "Turitto" / 1° Gruppo Battaglioni Eritrei / 2a Divisione Coloniale "Eritrea"
Maggiore Evilbeagle:
aktuelle Verwendung: Verbindungsoffizier im Forschungsministerium
Tenente Æxit:
aktuelle Verwendung: 2° Compania / I Battaglione / 4° Reggimento Celere / 3 Divisione Celere
Tenente HEF:
aktuelle Verwendung: 3° Compania / II Battaglione / 53° Reggimento 27a Divisione die Fanteria "Sila"
Regia Aeronautica
Tenente Bushi:
aktuelle Verwendung: 1° Squadriglia / I Gruppo / 4° Stormo "Amedeo d'Aosta"
Tenente Luigi Armistado
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / III Gruppo / 14° Stormo "Rex"
Tenente Azrael:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 53° Stormo "Borea"
Tenente Spiegelfechter:
aktuelle Verwendung: 2° Squadriglia / I Gruppo / 1° Stormo "Aquila"
Aviazione Ausiliaria per la Marina
Tenente Litle-Man:
aktuelle Verwendung: 3° Squadriglia / II Gruppo / 46° Stormo "Pegaso"
Regia Marina
Tenente di Vascello Ritter Kunz:
aktuelle Verwendung: Caccia RM Freccia / Squadra di Tarento
Kriegskabinett
Benito Mussolini: Ministerpräsident, Oberkommandierender der Streitkräfte
Gian Galeazzo Ciano, Graf von Cortellazzo und Buccari: Außenminister
Ammiraglio Domenico Cavagnari: Oberkommandierender der Regia Marina
Ferrucio Lantini: Korporationsminister
Ugo Cavallero: Kriegsminister, Kommandeur der Armata di Riserva, Oberkommandierender des Esercito Italiano
Guglielmo Marconi: Forschungsminister
Italo Balbo: Luftfahrtminister, Oberkommandierender der Regia Aeronautica
Bruno Fornaciari: Innenminister
Generale Mario Roatta: Leiter des SIM
Generale Giovanni Messe: Kommandeur der Panzer-Armee, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Frankreich"
Conte di Bassewitz: Staatsekretär im Propaganda-Ministerium
17. November 1938
Tenente Frisiercreme beäugt vom Straßenrand aus die durch die Stadt rollende Kolonne aus dutzenden von LKWs.
Wie erwartet war das
RRAO nach einem kriegsmäßigen Vormarsch noch am gestrigen Nachmittag in
Durrës eingetroffen.
Kurz vorher kam noch die Nachricht von der albanischen Unterwerfung unter das
italienische Ultimatum.
War eine knappe Sache, da die italienischen Aufklärungsexperten mit der Waffe in der Hand in Kampfformation auf den Stadtrand vorrückten.
Da hätte es leichte einige letale Verwicklungen geben können, jedenfalls auf albanischer Seite.
Frisiercremes Blicke wandern zwischen den LKWs, die zu der von
Tarent aus entsandten, bereitstehenden Infanterie-Division gehören und den neugierig umstehenden Albanern hin und her.
Sein Zug hat an einer wichtigen Straßenkreuzung Stellung bezogen und sichert nach allen Richtungen.
Mag ja sein, dass dieser König irgendwas akzeptiert hat, aber wer weiß, ob nun jeder Albaner deswegen gleich glücklich über die neue und doch unerwartete Mitgliedschaft im römischen Imperium ist.
Das Winken der italienischen Soldaten trifft schon mal nicht auf erkennbare Begeisterung der Umstehenden.
Jedenfalls werden seine Leute als Erste schießen, falls es hier Putz geben sollte, soviel hat er schon mal klar gestellt.
Die durchtrainierten Elitesoldaten des
Poggio Rusco mit ihren schussbereiten Gewehren scheinen die Albaner aber hinreichend zu beeindrucken, sodass auch Missfallenskundgebungen unterbleiben.
Die italienische Militärmaschinerie arbeitet zur Verblüffung des
Tenente offenbar nahezu perfekt, war die besagte Infanteriedivision doch schon am Vorabend per Schiff aus Tarent eingetroffen,
sobald das
RRAO den Hafen von
Durrës als gesichert gemeldet hatte.
Mit der Abfertigung im Hafen schleppt es sich ein wenig, aber inzwischen übernehmen die eintreffenden Infanteristen immer mehr Positionen vom Aufklärungsregiment "
Folgore", sodass man bald für neue Aufgaben frei sein wird.
Vermutlich geht's dann nach
Tirana, um der Autorität eines dort sicher bald eintreffenden italienischen Militärgouverneurs ein wenig Nachdruck zu verleihen.
Immerhin, da es sich um ein kleines Land handelt, sind die Wege auch nicht entsetzlich weit.
Die etwa 35 Kilometer könnte das
RRAO zwar problemlos zu Fuß zurücklegen, aber die begehrlichen Blicke des
Tenente folgen den vorbeirollenden LKWs aus mehr als nur einem Grund.
Ein rasch lauter werdendes Brummen von Oben weckt seine Aufmerksamkeit.
Eine Jagdstaffel nähert sich, offenbar von einem italienischen Fliegerhorst kommend, schnell der Hafenstadt.
Man will sich wohl die Dinge mal von oben besehen, was sicher eine gute Idee ist, bevor man leichtsinnig ins Landesinnere vorrückt.
Der
Tenente grüßt übertrieben zackig irgendeinen Schwabbel im Geländewagen, der in der Kolonne mitfährt.
Vermutlich der Bataillonskommandeur, nach den Schulterklappen zu schließen.
Der hätte beim
RRAO schon mal nichts zu lachen, denkt
Frisiercreme, der sich mit wohligem Schaudern an seine eigene Ausbildung bei der Spezialeinheit erinnert.
Zur gleichen Zeit tagt im
Korporationsministerium eine eilig einberufene Arbeitsgruppe zur Integration der neuen
albanischen Provinz in die italienische Wirtschaft in Permanenz, da der Duce hat Wissen lassen, dass er keinen Grund für eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen sieht.
Ferrucio Lantini blickt verdrießlich auf die hastig zusammengetragenen Daten über
Albanien.
Verdrießlich, da er doch eigentlich bei Weitem genug zu tun hat, auch ohne dass man noch nebenher irgendein Land einkassiert.
Immerhin, die Albaner bringen
vier zivile Fabriken ein, nicht gerade ein Lotto-Hauptgewinn, aber angesichts der äußerst angespannten Lage insbesondere bei den Konsumgütern schon ein wertvoller Beitrag.
Dazu noch
einen Rüstungsbetrieb, den man den Begehrlichkeiten
Ugo Cavalleros Rechnung tragend für die Produktion von
Panzern einsetzen will.
Dürfte etliche Monate dauern, bis hier etwas Zählbares herauskommt, aber dafür hat es ja auch nichts gekostet.
Bei den
Panzern hinkt man nach den jüngsten Eskapaden des Heeres wieder deutlich hinter dem Soll her, stellt man doch schon wieder
drei neue Panzerdivisionen auf.
Die alten, nur mit Maschinengewehren bewaffneten leichten Panzer hat man stillschweigend wieder zugeteilt, sodass der reale Fehlbestand noch deutlich höher ausfällt, als "offiziell" gezeigt.
Jedenfalls wird er in den nächsten Tagen nach
Albanien reisen, respektive natürlich die Provinz Albanien oder wie auch immer der Duce die Neuerwerbung am Ende ganz zutreffend betiteln wird.
Es kann nichts schaden, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, wichtiger ist aber, den Leuten vor Ort den Eindruck der Wichtigkeit zu vermitteln.
Ansonsten kehrt da leicht ein Schlendrian ein, für dessen Folgen letztlich er,
Lantini, gerade stehen muss.
Aufgrund des neuen Rüstungsbetriebes wird das
Öl knapp, also muss man künftig mehr auf dem Weltmarkt zukaufen.
Da man ja schließlich die Hälfte der eigenen Produktion dort versilbert!
Nun ja, ändern kann er das eh nicht.
Jedenfalls hat er umgehend seine Expertenkommission überstimmt und beschlossen, dass man in
Russland zukaufen wird.
Die
Sowjets können Devisen dringend brauchen, die man seitens der Italiener auch ungern in den Händen der
Westmächte sähe, würden die am Ende doch damit nur ihre Rüstungsproduktion ankurbeln.
Außerdem lassen sich die Importe aus Russland in Krisenzeiten auch leichter absichern, als auf dem langen Weg über den
Atlantik oder Pazifik, wohin der schwache Arm der
Regia Marina auf absehbare Zeit nicht reichen wird.
Die Sache muss man auch nicht an die große Glocke hängen, was kein Problem sein dürfte, da sicher auch die Sowjets mit dem Deal keine Reklame machen werden.
20. November 1938
Vittorio Emanuele Ferdinando Maria Gennaro di Savoia, genannt
Vittorio Emanuele III, König von Italien,
Kaiser von Abessinien und seit einigen Tagen nun auch
König von Albanien, besichtigt seine neueste Provinz.
Es kann nicht schaden, den neuen Untertanen die Aufmerksamkeit ihres Monarchen spüren zu lassen.
Bei der Gelegenheit kann man gleich im Palast in
Tirana die Spuren des vormaligen Throninhabers tilgen und einen neuen Hof einrichten.
Vielleicht als so eine Art Herbstresidenz.
Muss man sehen, wo das Wetter besser ist und was der Terminkalender so her gibt.
Jedenfalls formiert man sich zunächst kurz hinter
Durrës zu einem eindrucksvollen Konvoy, der natürlich vom
Esercito Italiano und dem
SIM gut gesichert wird.
Der
König ist nicht unzufrieden mit
Mussolini, scheint dieser doch dem
Hause Savoyen in kurzen Abständen neue Landstriche und Untertanen zu bescheren.
Und das praktisch ganz ohne Krieg, sieht man mal von diesen Scharmützeln in
Abessinien ab.
In der Tat ganz famos !
Und ein gewaltiger Kontrast zu den glücklosen Unternehmungen im Umfeld des Weltkrieges, wo nicht zuletzt der
König selbst mit dem Ziel des Ausbaus seiner Macht den Wechsel auf die Seite der
Entente veranlasst hatte.
Was bekanntlich in einem blutigen Desaster ohne Gleichen endete.
Glücklicherweise machte das Volk dieses Desaster aber an den Militärs fest, im Wesentlichen an
Cadorna und Diaz, obwohl der König zumindest nominell den Oberbefehl führte und auch tatsächlich im Hauptquartier der Armee präsent war.
Nun ja, vergessen, vorbei.
Das Volk sah in ihm nach dem Krieg den
Re Soldato, den Soldaten-König, was an sich ja einen positiven Grundtenor zeigt.
Immerhin deckte er dann ja auch
Gabriele D’Annunzio, als dieser mit einem wilden Haufen von etwa 2500 Freischärlern, hauptsächlich
Arditi, nach dem Weltkrieg aus eigenem Antrieb
Fiume in
Istrien besetzte und die alliierte Kontrollkommission, die sich dort gerade häuslich einrichtete, verjagte.
Bei Istrien handelte es sich um eines der von den Westmächten verweigerten Kriegsziele
Italiens, sodass die nationale Erregung für den König nur zu verständlich war.
D'Annunzio rief sodann in Fiume die "
Reggenza Italiana del Carnaro" aus, die immerhin etwa ein Jahr Bestand hatte, nicht zuletzt aufgrund der Weigerung des Königs, gegen dieses Treiben einzuschreiten.
Sogar auf eine eigene Briefmarke hatte er es geschafft - der König seufzt, manchmal sind seine Landsleute aber auch wirklich anstrengend !
Aufgrund der resultierenden internationalen Verwicklungen, in die neben den unvermeidlichen
Engländern und Franzosen auch die USA nochmals verstrickt wurden, einigte man sich schließlich im
Grenzvertrag von Rapallo auf die Gründung eines "
Freistaates Fiume".
Nun, jedenfalls einigten sich so ziemlich alle - bis auf den Hitzkopf D'Annunzio, der daraufhin
Italien den Krieg erklärte!
Was ja nun doch auch für italienische Verhältnisse ein wenig zu weit ging.
Nun möchte man glauben, dass dieser Schritt das Ende der merkwürdigen Karriere des Dichters gewesen wäre, die ihn unter Anderem auch im Weltkrieg zu einem Propaganda-Flug über Wien geführt hatte, wo er haufenweise befremdliche Flugblätter abwarf.
Andernorts wäre das ganz zweifellos auch so geschehen.
Aber es wäre nicht
Italien gewesen, wenn man im Volke nicht das heiße Herz des Dichters geliebt hätte, sodass ihm der
König schließlich alles verzieh und ihn sogar noch in den Stand des Principe di Montenevoso erhob.
Seither residiert er eher friedlich am
Garda-See, wo er sich zur allgemeinen Erleichterung wieder mehr der Kunst widmet, als dem aufreibenden politischen Geschäft.
Die Villa hatte er ursprünglich eigentlich schlicht besetzt, aber einem großen Mann sieht man halt gerne kleine Verfehlungen nach.
Zum Ministerpräsidenten hatte ihn der König aber dann doch nicht gemacht, da schien
Mussolini zu der Zeit einfach irgendwie berechenbarer, wenn auch nicht seriöser.
Wie auch immer - jedenfalls hatte besagter D'Annunzio nicht nur
Fiume entgegen der Bestrebungen aller Siegermächte für alle Zeiten nach
Italien heimgeführt, nein, er hatte dort auch so Manches etabliert, was später
Mussolini als unentbehrliche Zutaten
des Faschismus betrachtete, wie z.B. das Führerprinzip, den römischen Gruß, den Kult um die Arditi und vieles Andere.
Und für den
König fiel neben Fiume eben auch noch die Zuneigung des Volkes ab, hatte er doch die Hand über D'Annunzio gehalten und damit alles erst ermöglicht.
Nun also
Albanien - famos, wie gesagt, ganz famos!
Man kann direkt sehen, wie das
neue römische Imperium Zug um Zug Gestalt annimmt!
Und das Imperium, das war ja letztlich nicht dieser gelegentlich doch sehr anstrengende
Mussolini - nein, es war das
ehrwürdige Haus Savoyen, mit Vittorio Emanuele III an der Spitze!
Das sollte man doch besser nie vergessen, nicht wahr...
Der
König winkt den Umstehenden huldvoll zu, als sich die Kolonne in Bewegung setzt.
21. November 1938
Conte di Bassewitz blättert durch die Titelseiten der großen italienischen Tageszeitungen.
Ein tägliches Ritual, gilt es doch festzustellen, ob sich die Redakteure an die Vorgaben des Pressesprechers der Regierung gehalten haben.
Wobei ihnen
di Bassewitz natürlich gerne unter die Arme greift.
Den armen Schusseln.
Ursprünglich hatte er nur die Leitthemen aufgezeigt und Interpretationshilfen gegeben, die letztliche Ausformulierung jedoch den Pressefritzen selbst überlassen.
Aber wie sich wieder einmal herausstellte, muss man die Dinge halt selber in die Hand nehmen, wenn man sie wirklich erledigt wissen will.
Also ist er schon vor einiger Zeit dazu übergegangen, die zentralen Aussagen gleich selber detailliert zu formulieren.
Was auch den angenehmen Vorteil mit sich brachte, die ja jeweils unterschiedliche Kreise ansprechenden Tageszeitungen einerseits optimal am Regierungskurs auszurichten, andererseits aber auch am Geschmack der Leser.
Nach einigen, nun, Klagen mit ungünstigen Folgen für einzelne Redakteure hatte sich in den Kreisen der Schreiberlinge eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Auswahl von passenden Formulierungen eingeschlichen, die den Genuss der Leitartikel doch beeinträchtigte.
Jedenfalls nach
Bassewitz' Geschmack.
Es gab eigentlich nur noch Quatsch mit Soße oder Einheitsbrei, was ja nun die Leser auch nicht erbauen kann.
Durch seine kleinen Hilfestellungen ist also allen gedient - die Leser bekommen verdauliches Futter, die Regierung bekommt ihre Themen sauber kommuniziert und die Redakteure bekommen keinen Ärger !
Nebenher können die Zeitungen und Zeitschriften ein unterschiedliches und abwechslungsreiches Profil zeigen.
Also alles super, wie üblich !
Sein Stab, der an den Längsseiten des wirklich erstaunlich langen Tisches Platz genommen hat, wartet gespannt auf das Urteil des Meisters der Volksinformation.
Jedes Stirnrunzeln, jedes Lächeln, jedes Grunzen und jedes Husten sorgt für veränderte Stimmungslagen bei den Mitarbeitern.
Schließlich lastet auf der Schulter jedes Einzelnen eine große Verantwortung!
In manchen Fällen eine zu große, wie sich bereits herausgestellt hat.
Heute wirkt der
Conte jedoch bislang zufrieden.
Die Artikel über die Integration
Albaniens in das moderne, blühende und weiter aufstrebende Italien entsprechen durchaus seinen Erwartungen.
Naja, ganz überwiegend jedenfalls.
Irgendein Idiot hat doch tatsächlich das Wort "
Kolonie" in den Text eingeflochten, was es ja schließlich sorgsam zu vermeiden galt!
Oder etwa nicht !?
Vermutlich bringt der Mann seinem Beruf einfach nicht die gebotene Aufmerksamkeit entgegen, sodass sich kleine aber durchaus ernste Fehler einschleichen !
Vielleicht wäre eine Spitzhacke ja doch das bessere Werkzeug, denn die sensible Feder, die man doch zu führen verstehen muss !
Ungnädig blickt der
Conte auf
"Verbinden Sie mich mit Ardizzone vom Giornale di Sicilia, aber pronto, ja !"
Mit bleichem Gesicht greift ein Assistent zum Telefon, in der Hoffnung, dass man im Sekretariat die Nummer zur Hand hätte.
Den Chef in dieser Stimmung warten zu lassen, wäre jedenfalls keine gute Idee.
Derweil richtet
di Bassewitz seine strapaziöse Aufmerksamkeit auf die Bilder der ersten Seiten.
Die Bilder sind häufig sogar die wichtigere Botschaft, fällt doch die normale Aufgabe der Presse - verbreiten von Klatsch und Tratsch - in dem straff geführten
Italien weitgehend flach.
Da immer mehr Leute in prächtigen Uniformen herumlaufen und eindrucksvolle Titel führen, weiß der Außenstehende oft nicht, wer nun tatsächlich wichtig ist und wer nicht.
Zudem gibt es zwangsläufig häufig überschneidende Kompetenzen.
So ist das
Korporationsministerium zwar für die Rüstung zuständig, aber das
Forschungsministerium liefert die Pläne und der
Nationale Sicherheitsrat entscheidet, was nun produziert wird.
Das
Kriegsministerium hat dazu naturgemäß auch noch eine eigene Meinung.
Häufig benennt man dann einen Verantwortlichen, der ein konkretes Thema voran bringen soll, sodass am Ende alle möglichen Stellen das gleiche Feld beackern.
Wer soll da den Überblick behalten?
Als Goldstandard der Information über die Rangfolge der diversen VIPs und Möchtegerns dienen daher Bilder und zwar insbesondere Bilder mit dem
Duce.
Den
Duce muss man nicht erklären, er ist einfach der
Duce und gut!
Wenn also einer neben ihm steht, muss er wichtig sein, ansonsten stünde er da ja nicht.
Jedenfalls gäbe es kein Bild in einer Zeitung, das ist ja eben der Vorteil einer straffen Führung!
In einer verweichtlichen westlichen Demokratie könnte es leicht passieren, dass der Präsident halt mal aufs Klo muss, woraufhin sich irgendein Möchtegern auf dem Weg an ihn heran drängelt und ein Pressefotograph den Auslöser drückt.
Dann glaubt natürlich der gemeine Zeitungsleser, dass der Kerl irgendwie wichtig wäre, was aber überhaupt nicht der Fall sein muss.
Könnte natürlich in Italien auch passieren.
Das mit dem Auslöser, versteht sich.
Aber das Bild käme sicher nie in die Zeitung.
Besonders wichtige Persönlichkeiten dürfen sich über individuelle Aufnahmen freuen - nur die Nase und der
Duce, ansonsten bloß Hintergrund.
Legt der
Duce der Nase noch die Hand auf die Schulter, gilt das praktisch als Ritterschlag.
So eine Nase ist totsicher mächtig wichtig!
Einfachere Fälle werden mit Massenaufläufen abgespeist.
Der
Duce hält eine Rede und hinter ihm stehen seine Paladine.
Entscheidend ist, wer rechts steht und wer links und wer dahinter oder erst in der zweiten Reihe, im verzweifelten Versuch, seine Visage irgendwie doch noch auf das Bild zu kriegen.
Untereinander, also ohne Pressebeteiligung, kommuniziert man solche Rangordnungsthemen lieber in Form von Banketten.
Da kann man problemlos hundert Leute auf einmal gewissermaßen abfrühstücken.
Wer am Tisch des
Duce speist, ist schon mal mächtig wichtig.
Wer neben dem Klo sitzt, sollte sich besser mal Gedanken über sein allgemeines Betragen machen.
Wie man sieht, sind die Bilder also mächtig wichtig, transportieren sie doch Botschaften, die weit über den konkreten Inhalt eines Artikels hinaus gehen.
Daher auch die Aufmerksamkeit des
Conte.
Sieht aber alles soweit gut aus.
Kein Wunder, beschäftigt sich doch sein halber Stab mit der Auswahl und Verteilung geeigneten Materials.
"Was ist jetzt mit Ardizzone ?!", bellt er ungehalten.
"Verzeihung, Herr Staatssekretär, sein Büro versucht ihn zu erreichen, er ist momentan wohl nicht im Hause", bringt sein Assistent heraus.
Anklagend rollt
di Bassewitz die Augen zur Decke.
Wie soll man professionelle Arbeit abliefern, wenn man ständig nur mit Idioten zu tun hat ?
25. November 1938
Tenente von Retterling beobachtet über den Rand der aufgeschlagenen Zeitung hinweg das hektische Treiben um ihn herum.
Die dunkle Sonnenbrille verdeckt seine Blickrichtung, sodass der gesenkte Kopf ein aufmerksames Studium des Corriere del Ticino, einer schweizerischen Tageszeitung nahelegt.
Natürlich ein Blatt der italienischsprachigen
Schweiz, die ohnehin als beliebte Tarnung für
SIM-Agenten fungiert.
Noch beliebter als die
USA, die sich als Schmelztiegel für Einwanderer aus aller Welt traditionell als Tarnung dienten.
Zumal ja nun jeder weiß, dass es in den Staaten eine sehr rührige und nicht sonderlich auf Integration bedachte italienische Gemeinde gibt.
Aber zur Zeit ist er eben als schweizer Geschäftsmann unterwegs, auf der Suche nach günstigen Gewürzen, was ihn schließlich nach
Alexandria geführt hat.
Der wahre Grund sind Informationen, die der Zentrale den Schluss nahe legen, es gäbe einen Verräter irgendwo im Stab der
1.Armee.
Eine Kanaille, die offenbar den italienischen Feldzugsplan an die
Briten verhökern will !
Was natürlich für einige Aufregung sorgt, sowie auch für eine umgehende Entsendung eines Einsatzteams.
Wie üblich übernehmen zwei "hauptamtliche" Agenten das eigentliche Geschäft: sobald es der Zentrale gelungen ist, diesem Vogel vorzugaukeln, er stünde mit dem Secret Service in Kontakt,
werden die Agenten vor Ort versuchen, das "Geschäft" abzuschließen.
Von Retterlings 5 Mann-Team kümmert sich wie gewohnt um operative Details, wie Beschaffung, Absicherung, Festnahme bzw. Liquidierung des Ziels.
Der
SIM würde natürlich nur zu gerne dieses Spions habhaft werden, um herauszufinden, ob noch andere Personen involviert sind.
Und darüber würde der Kerl sicherlich sehr gerne reden.
Nicht unbedingt gleich, aber irgendwann schon.
Noch wichtiger ist es aber, dass er keinesfalls dem echten
Secret Service in die Hände fällt, ansonsten könnte man den ganzen Feldzugsplan neu entwerfen.
Wobei man an den Fernzielen ja eh nichts ändern könnte, da es sich um strategische Ziele handelt, die unbedingt zu sichern wären.
Von Retterlings Team aus "schweizer Geschäftsleuten" hatte sich in einem Hotel nahe eines Suq eingerichtet, wo man nach Möglichkeit des Spions habhaft werden wollte.
Daher hat sich auch der
Tenente in diesem Straßenkaffee niedergelassen.
Er will sich einen Eindruck verschaffen, wie es hier normalerweise zugeht um dann im Ernstfall rechtzeitig zu erkennen, wenn etwas Ungewöhnliches passiert.
Und sich so viele Gesichter wie möglich einprägen.
Falls es am Ende zu einem Hinterhalt des
Service oder der
Ägypter kommen sollte, würden sicherlich etliche Leute auftauchen, die sich zuvor hier nicht hatten blicken lassen.
Bei den beiden "echten" Agenten handelte es sich um vorgebliche Briten, die tatsächlich ein perfektes Oxford-Englisch sprachen.
Jedenfalls für
von Retterlings Ohren.
Ob das echte Briten auch so sehen würden, steht auf einem anderen Blatt, aber mit denen will man sich ja tunlichst nicht einlassen.
Die Agenten sehen sogar aus wie echte Briten - blass, sommersprossig, rothaarig.
Wo der
SIM wohl solche Typen auftreibt?
Sind es am Ende tatsächlich Engländer, die für den italienischen Geheimdienst arbeiten?
Der
Tenente schiebt die sinnlosen Überlegungen beiseite, während er wieder einmal umblättert, ohne auf den Inhalt der Zeitung zu achten.
Seit er für den
SIM arbeitet sieht er Zeitungsartikel ohnehin in einem anderen Licht.
Als ernsthafte Informationsquelle scheiden sie jedenfalls aus.
25. November 1938
Ugo Cavallero registriert den Zugang der
Infanterie-Divisionen 37 bis 42 zur Armata di Riserva.
Bei den
Panzern wird es wie üblich noch ewig dauern, bis die Ausbildung auf Divisionsebene abgeschlossen ist.
Kein Wunder, bedenkt man die hohen Maßstäbe, die
Giovanni Messe an die Ausbildung anlegt.
Womöglich zu hohe Erwartungen, aber schneller vorzugehen bringt ja nun auch nichts, wenn man sich keine zusätzlichen Neuaufstellungen leisten kann.
Weil wieder mal Panzer fehlen und sogar gewöhnliche
LKWs !
Da ja Frieden herrscht können die Kerls jedenfalls ruhig mit ihren Panzern durch die
Lombardei pflügen, die Einwohner dort dürften eh nicht mehr störbar sein.
Stattdessen ordnet
Cavallero die Aufstellung der nächsten Staffel von 6 Infanterie-Divisionen an.
Die
Gebirgsdivisionen 13 bis 18 bekommen nun auch das Prädikat "reguläre Einheit" und komplettieren die
Gebirgs-Armee.
Wird recht eng, am
Monte Bianco.
Das Heer schwillt allmählich insgesamt zu ansehnlicher Größe an.
Wird auch Zeit, da es vermutlich bald zur Sache gehen wird.
27. November 1938
Ferrucio Lantini schreitet die Reihen der örtlichen Honoratioren in
Tirana ab.
Zu seinem Leidwesen musste er aus Zeitgründen ein Flugzeug nehmen, um trotz seines übervollen Terminkalenders einen Besuch in
Albanien noch irgendwie dazwischen zu quetschen.
Er fliegt nicht gerne.
Nicht nur nicht mit italienischen Maschinen, obwohl seine Vorbehalte hier am größten sind, kennt er doch die schrägen Gestalten, die diese Flugzeuge zusammennageln größtenteils persönlich.
Nein, er hasst das Fliegen allgemein, schließlich hat die Luft keine Balken.
Wäre doch schade, die glänzende Laufbahn mit einem krachenden Aufschlag auf dem harten Boden zu beenden!
Er wirft einen prüfenden Blick auf das umfangreiche Empfangskomitee.
Hier wird man kräftig durchsieben müssen, keine Frage.
Diese Blüte der albanischen Gesellschaft sieht ihm eher einer Bande von Pferdedieben und Halsabschneidern gleich, was ja wohl auch die Berufe der Väter und Großväter gewesen sein dürften.
Nein, da wird man mit einem eisernen Besen durchkehren müssen!
Ein kleines Mädchen überreicht ihm Brot und Salz, verbunden mit einem Gedicht, welches wohl sentimentale Gefühle bei dem Minister wecken soll.
Solche Sachen hasst
Lantini noch mehr als Flugzeuge !
Für die Kameras der mitgereisten italienischen Presse bückt er sich zu der Kleinen hinunter und setzt ein väterliches Lächeln auf.
Soweit das halt möglich ist, bei dem anstrengenden Job.
Er wirft dem frisch gebackenen Residenten des
SIM in der albanischen Provinz einen vielsagenden Blick über die Schulter zu, den dieser mit einem leichten Nicken quittiert.
Fähiger Mann, fraglos hat er sich selbst schon seine Gedanken gemacht.
Die Neuerwerbung muss möglichst umgehend auf Zack gebracht werden, um die ehrgeizigen wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.
Das ist nicht die rechte Zeit für Mildtätigkeit und Langmut - nicht fördern sondern fordern !
Und ersetzen, wenn jemand den Herausforderungen nicht gewachsen scheint.
Oder gar Anzeichen von Unbotmäßigkeit an den Tag legt !
Genug geknippst,
Lantini geht schnellen Schrittes weiter, auf die bereitgestellte Limousine zu.
Die lokalen Helden sind nicht weiter wichtig, hier wird man eh italienisieren.
Das
Rüstungswerk interessiert ihn und wie lange es wohl dauern wird, bis dort endlich
italienische Panzer durchs Werkstor rollen!
Dafür hat er auch etliche Produktionsfachleute und Logistiker mitgebracht, die sich die Sache mal genau ansehen sollen.
06. Dezember 1938
Italo Balbo lächelt zufrieden, hat doch der
Duce seine Verfügung zur Reaktivierung eines weiteren Weltkriegs-Geschwaders unterzeichnet.
Damit steht man bei, summa sumarum, mal sehen, ähm, ja - bei
zwölf Jagdgeschwadern, mithin 960 Maschinen !
Natürlich wird das neue Geschwader zunächst mit Doppeldeckern vorlieb nehmen müssen, aber
Macchi liefert ja mittlerweile höchst zuverlässig.
15. Dezember 1938
Guglielmo Marconi lässt sich den Abschlussbericht seines Projektleiter bezüglich der Verbesserungen der
Aufklärungsmöglichkeiten vortragen.
Für die
Aufklärungs-Kompanien wird damit neue Ausstattung verfügbar, so denn das
Kriegsministerium solche Kompanien auch tatsächlich aufstellt und zuteilt.
Was seines Wissens keineswegs flächendeckend der Fall ist, aber das soll nicht sein Problem sein.
Er muss nur die Mittel bereitstellen.
Er wirft diesem immer noch recht frischen Verbindungsoffizier,
Maggiore Evilbeagle, einen prüfenden Blick zu.
Natürlich hat dieser auch keine Ahnung, was im Kopf von
Ugo Cavallero vorgehen mag.
Hauptsächlich fungiert er sicherlich als Wachhund des
Kriegsministers, aber wenn einem das klar ist, kann man sich natürlich darauf einstellen und ein kleines Spielchen aufziehen, falls das sinnvoll erscheint.
Marconi macht sich wegen der Militärs keinen großen Kopf - wer sich freiwillig meldet um den Kopf in eine Häkselmaschine zu stecken, dürfte ihm intellektuell kaum gefährlich werden können.
Mit einem knappen Wink entlässt er den Projektleiter.
Als nächstes stehen wieder mal die
Maschinenwerkzeuge auf dem Plan.
Lantini braucht erneut zusätzliches Produktivität, um die Rüstung weiter voran zu treiben und seine Entwickler haben so einige Ideen.
Da sollte sich also etwas machen lassen, aber erfahrungsgemäß zieht sich das bis zur Umsetzung wieder ewig hin und bindet Ressourcen.
Überhaupt sind für die nächste Zeit keine großen Verbesserungen zu erwarten, da sich lauter Langläufer in der Pipeline befinden.
Was wohl bedeutet, dass er demnächst am Kabinettstisch wieder unter Druck kommt, wenn sich
Lantini und Cavallero wieder in die Haare kriegen.
Das salomonische Urteil des
Duce läuft dann des Öfteren darauf hinaus, dass halt das
Forschungsministerium irgendein Kaninchen aus dem Hut zaubern muss, um die Kapazitäten zu vergrößern.
Oder die Schlagkraft der Truppe.
Oder sonst irgend etwas, was man gerade dringend zu brauchen meint.
Er unterdrückt ein Seufzen und gönnt sich mit gewohnt stoischer Miene ein Glas Pellegrino.
Sein Lieblingsprojekt, unausweichlich die
Weiterentwicklung der Funkmess-Technik, kommt auch nicht recht vom Fleck.
Immer ein riskanter Aspekt, kann er doch als Fürsprecher im Wesentlichen nur auf
Italo Balbo bauen, der ja nun auch nicht die wichtigster Figur im Spiel ist.
Der
Marineminister überblickt die Konsequenzen dieser Technologie offenbar ohnehin nicht, was aber auch nicht viel bedeutet, da er eh keine Rolle spielt.
Jedenfalls nicht, bis die
Franzosen geschlagen sein werden.
Die
Briten werden aus Verzweiflung darüber wohl kaum die Flinte ins Korn werfen, bockig wie sie nun einmal sind.
Dann wird also die Stunde der
Regia Marina kommen müssen, es sei denn, man möchte über den
Kanal schwimmen, um die Inseln einzunehmen.
Und dann wird auch der
Marineminister auf einmal eine wichtige Figur werden.
Fragt sich nur, ob er dann noch
Cavagnari heißt.
Mit konzentriert aneinander gelegten Fingerspitzen analysiert
Marconi die Lage und plant seine nächsten Schachzüge, seine Umgebung komplett ignorierend.
25. Dezember 1938
Genervt wirft
Graf Ciano seine aus feinstem Leder gearbeitete Aktentasche auf das Sofa und lässt sich in den bequemen Sessel fallen.
Erster Weihnachtsfeiertag, den heiligen Abend hat er verpasst, ist eben erst aus
Deutschland zurückgekehrt.
Er lockert den Knoten seiner Krawatte, steckt sich einen Zigarillo an, während ein Bediensteter einen schottischen Whiskey einschenkt.
Zwei Fingerbreit, so wie er es mag.
Seine Frau wird vermutlich zetern, da muss er sich erstmal stärken!
La Familia - schöner Mist!
Immerhin hat er das von den
Deutschen unterzeichnete Zusatzabkommen zum Stahlpakt im Gepäck:
den Forschungspakt!
So wird man das jedenfalls nennen, sofern sich der
Duce für eine Veröffentlichung entscheidet.
Die
Italiener hatten hart darum gefeilscht, tatsächlich war diese Folgerung ein wichtiger Grund für die Unterzeichnung des eigentlichen
Stahlpaktes gewesen.
Sozusagen die Mitgift, die die Braut Adolfina mit in die Ehe zu bringen hatte.
Ciano grinst über das Bild, während er einen kräftigen Schuss Lebenswasser die Kehle hinunterrinnen lässt.
Man wird weitere Unterstützung bei der
synthetischen Treibstoff- und Kautschuk-Herstellung erhalten, außerdem so ziemlich alles, was die Deutschen über den
Panzerbau zusammengetragen haben.
Bauen muss man den Kram natürlich schon noch selber, aber man kommt nun in Riesenschritten bei der Entwicklung weiter.
Dementsprechend zufrieden dürfte der
Duce mit ihm sein.
Vermutlich wäre aber sein Unmut über Scheitern noch erheblich größer ausgefallen, geht es doch in seinen Augen doch um zwingende Vorbedingungen, um mit guten Erfolgsaussichten in einen Krieg mit den
Westmächten einzutreten.
Nach seinen Worten läuft die Zeit allmählich ab, er rechnet binnen Jahresfrist mit dem Ausbruch eines allgemeinen Krieges.
Italien wird nicht beiseite stehen können, will man ernstlich ein neues Imperium errichten.
Alles andere als gut gelaunt, versucht sich der
Graf in eine weihnachtliche Stimmung zu bringen.
Immerhin wird er gleich seiner Familie gegenübertreten, darunter nicht zuletzt sein Schwiegervater.
Ein Familienmensch.
Er wird erwarten, dass sein Schwiegersohn auch diesen Pflichten perfekt nachkommt.
Seufzend erhebt sich der
Außenminister wieder aus dem nur zu bequemen Sessel, leert das Whiskeyglas mit dem zweiten Schluck und macht sich auf den Weg in sein Umkleidezimmer, um sich etwas Passendes für einen nicht zu lockeren Familienabend zu suchen.