nicht mal mehr einen Monat hin bis zur Europawahl und es gibt noch keinen Thread dadrüber ...
Wir lassen echt nach
Hier gibt es den aktuellen Wahl-O-Mat zur Europawahl:
http://wahl-o-mat.tagesschau.de/
Moderatoren: ulysses, Montesquieu
Alith Anar hat geschrieben:Also ich fand die Fragen für ein Einheitliches Europa / Nichteuropa schon interessant.
Selbst wenn man maximal einen wirtschaftsverband Europa haben möchte sind die meisten fragen relevant. Erst wenn man eine Auflösung der EU wünscht sind die meisten Fragen natürlich sinnfrei.
Welche würdet Ihr den als irrelevant einordnen?
Diese Fragestellung vereinfacht die Vertragslage sträflich und erweckt damit die Illusion, das EP sei hier handlungsfähiger als es tatsächlich ist: Auf EU-Ebene werden unseres Erachtens keine absoluten Zahlen oder Gesamtmengen ausgehandelt, sondern es geht (bislang) nur um eine Harmonisierung des Asylrechts und der Verfahren. Außerdem spielen x Zusatzfaktoren in die Rechnung hinein, z.B. bilaterale Verträge der Mitgliedstaaten mit den Herkunfts- oder Ausreiseländern.4/38: Die EU-Mitgliedsstaaten sollen mehr Flüchtlinge aufnehmen.
Eine Fragestellung, die jede Differenzierung vermissen lässt und damit zur Polarisierung der Ergebnisse beitragen soll.6/38: Die Europäische Union soll keine neuen Mitgliedsstaaten aufnehmen.
Ein juristischer Einzelfall, der vollkommen im Ermessen der einzelnen Staaten liegt, liegt völlig außerhalb der Kompetenzen des EP. Auch hier wird wieder die Illusion eines Einflusses erweckt.8/38: Edward Snowden soll in einem EU-Mitgliedsstaat Asyl gewährt werden.
Ebenfalls wieder polarisierend. Was ist, wenn man für eine Wertegemeinschaft ist, aber doch bitte für eine laizistische? Man hat wieder nur die Wahl zwischen Extremen oder eben einem "egal".11/38: Die Europäische Union soll sich als christliche Wertegemeinschaft verstehen.
Das wird er diesmal zum allerersten Mal. Es gibt noch keinerlei Erfahrung, ob diese Institution etwas bringt, und doch wird nach der Meinung dazu gefragt. Damit kann der Wähler nur anhand genereller Präferenzen und Vorstellungen über die EU entscheiden. Folglich erhält man keine Aussage über die konkrete Fragestellung und könnte sie genauso gut weglassen oder allgemein formulieren: "Sind Sie für mehr direktdemokratische Elemente bei der Postenvergabe auf EU-Ebene?"15/38: Der Präsident der Europäischen Kommission soll von den Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union direkt gewählt werden.
Wieder fehlt es an Differenzierung. Es wird mit einem Wort jongliert. Nur versteht darunter jeder etwas anderes. Je nach (fehlenden) Zusatzklauseln kann man zu diesem Thema aber völlig konträr stehen. Somit ist diese Frage wieder nur dafür geeignet, Liberalismus- und USA-Fans von den Globalisierungs- und USA-Gegnern zu trennen.19/38: Die Europäische Union soll ein Freihandelsabkommen mit den USA abschließen.
Hier fehlt die einordnende Aussage, ob und in welchem Umfang das bislang bereits getan wird.20/38: Die Europäische Union soll Projekte gegen Rechtsextremismus fördern.
Wieder einmal eine Überschätzung der EU-Kompetenzen: Eine pure juristische Anerkennung wird den Betroffenen wenig helfen, wenn nicht auch die Inhalte kompatibel gemacht werden und die Firmen der Meinung sind, sich darauf einlassen zu können. Da hängt ein Rattenschwanz dran, der in der Versimplifizierung der Fragestellung untergeht.22/38: In der Europäischen Union erworbene Berufsabschlüsse sollen EU-weit anerkannt werden.
Die Kompetenz der EU im Strafrecht ist auf schwere, grenzübergreifende Kriminalität und auf Felder, in denen Harmonisierung unerlässlich ist, beschränkt. Da es aber in der Fragestellung nicht um das Anbieten, sondern um die individuelle Inanspruchnahme geht, ist ersterer Punkt nicht gegeben. Letzteren könnte man im Hinblick auf Sextourismus versuchen heranzuziehen, aber es wäre zu fragen, ob die Behandlung auf EU-Ebene und somit das Umgehen nationaler Rechtsgrundlagen überhaupt verhältnismäßig wäre.25/38: Die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen gegen Bezahlung soll strafbar sein.
Siehe oben: Fehlende Differenzierung & Provokation von Extremaussagen.32/38: Die Europäische Union soll weiterhin Produkte mit niedriger Energieeffizienz verbieten dürfen.
Die EU hat keine Kompetenz, mit einer Verordnung oder Richtlinie das Grundrecht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit zu negieren. Diese Aussage ist fast schon ein Musterbeispiel dafür, dass unter den Wahlomat-Fragen viele sind, die sich auf ein grobes normatives Bild von Europa beziehen. Die eigentlichen politischen Möglichkeiten, Kompetenzen und Prozesse geraten hier sträflich in den Hintergrund. Ein falsches Bild von Europa wird vermittelt.34/38: In der Europäischen Union soll jeder Erwachsene Organspender sein, wenn er keinen Widerspruch eingelegt hat.
Von allem anderen wäre auch der Großteil der Bevölkerung schlichtweg überfordert (inkl. Uns, der Wir von der Funtionsweise dieses belgischen Molochs doch relativ wenig wissen, weil es Uns jedesmal aufs neue frustriertDerStudti hat geschrieben:... Diese Aussage ist fast schon ein Musterbeispiel dafür, dass unter den Wahlomat-Fragen viele sind, die sich auf ein grobes normatives Bild von Europa beziehen. .....

Wie sagten schon die Ahnen jener Partei: Keine Experimente! Wenngleich es schon ziemlich seltsam anmutet, dass mit einer Person geworben wird, die mit dieser Wahl eigentlich nullkommanix zu tun hat. Wir zumindest haben noch kein Plakat für McAllister oder Juncker gesehen.Silem hat geschrieben:Btw. Ich habe die Vermutung das der CDU die Plakate ausgegangen sind und sie einfach die selben nochmal kleben. Die Unterschiede zur Bundestagswahl sind ja gewaltig! gewaltig!