Ja, die Fed interveniert im Anleihemärkt auch für mittel- und langfristige. Die Frage ist nur, welcher Effekt stärker ist: Preissteigerung = Zinssenkung durch die Nachfrage der Fed oder Preissenkung = Zinssteigerung dadurch, dass die Fed nicht einfach Anleihen kauft, sondern das Geldpolitik ist und ganz maßgebend die Erwartungen von künftiger nomineller Aktivität bestimmt.Elvis hat geschrieben:Haben wir gerade in den USA einen Aufschwung von dem ich nichts weis oder wieso ist die aktuelle Inflationsrate dann ein Beleg für dich?
Die mittel- und langfristigen Zinssätze kannst du als Indikator momentan vergessen. Der wird von der FED manipuliert.
Aktuell verschiebt die FED wieder ihre Bilanzen. Die Aktion heist "Operation Twist".
Zu Lasten von Kurzläufern, werden für 400 Milliarden Dollar weitere langlaufende US-Anleihen aufgekauft um den Zins niedrig zu halten.
Warum sollte man das tun wenn nicht die Gefahr besteht das er deutlich steigt?
Das ist auch keine Verschwörungstheorie. Das ist die ganz offizielle Begründung.
Auch nicht vergessen werden darf, dass wir gerade aufgrund der Eurokrise ein Problem mit Währungsflüchtlingen haben. Und diese flüchten in den Dollar.
Verrückt? Nicht wirklich. Der Dollar ist nicht die erste Wahl gewesen. Aber von Südostasien, über Brasilien, die Schweiz, Schweden, Norwegen etc. hat jedes Land den Währungsflüchtlingen die Tür vor der Nase zugeknallt oder dies angekündigt. Wir haben hier nur die Schweiz diskutiert. Diese war aber nur eine der Stationen auf der Reise. Da bleibt nicht viel mehr als der Dollar. Den dieser empfängt sie mit offenen Armen, weil es den Zins drückt. Das hat aber ein ganz anderes Motiv.
Aber wenn ich sage, dass Bernanke auf Seiten der Inflation steht, meine ich zu aller Erst, das er auf gar keinen Fall eine Deflation will. Nicht das er automatisch 10% Inflation anstrebt. Zugegeben missverständlich. Aus europäischer Sicht sind die USA aber ohnehin inflationistisch. Ihre geduldeten Inflationsraten sind deutlich höher als in Europa, weil die FED eben nicht nur der Gelwertstabilität verpflichtet ist.
Alles andere wäre auch dumm. Als Leitwährung exportiert man einen Teil seiner Inflation. Selbstverständlich ist Inflation dann viel verlockender. Das ist auch der Grund warum die FED sich in der Vergangenheit mit den anderen Zentralbanken nicht gerade grün war.
Das aus einem Kampf gegen deflationäre Tendenzen eine höhere Inflation folgen kann, kann man sich einfach vorstellen wie ein zurückschnappendes Gummiband.
Die aktuell niedrigen Inflationsraten sagen daher nichts über die aus den Maßnahmen drohende Inflationsgefahr aus. Das Zurückschnappen des Gummibandes wird aber als kleineres übel empfunden, als wenn es reissen würde.
Ich spreche von Inflationserwartungen, nicht Inflation, die aber auch nicht besonders hoch ist. Fassen wirs nochmal zusammen: Inflation ohne Öl und Nahrungsmittel niedrig, erwartete Inflation niedrig, Zinssätze alle niedrig, reale Zinssätze positiv, Arbeitslosigkeit enorm, realem BIP droht der double dip. Mag schon sein, dass die Fed wegen ihres double mandate oft expansiver ist, doch erzählt mir nicht, sie ist es jetzt, zumindest nicht an ihrem Mandat: Alle Zielgrößen sind unter dem gewünschten Niveau, wenn man nicht gerade Republikaner in Wahlkampf ist. Durch die ganze Rezession wäre eine stur und maschinell am Preisniveau orientierte Geldpolitik um Längen expansiver gewesen und das in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und schrumpfender Wirtschaft! Ist das aggressive Fed, von der Ihr redet?
Ein Drehen der Zinskurve gegeben Bilanzsumme ist auch nicht gerade der große Wurf. Zumindest besser, als wenn sie die Zinskurve einfach so gedreht hätten, die Drehung hätten sie nämlich auch durch eine Kontraktion hinbekommen. Auch besser als nix, aber viel bringt das bissl Umschichten nicht.
Ist schon richtig, dass Deflation Verhindern in Inflation umschlagen kann, aber auch in ein Jahrzehnt Stagnation Japan-style. Ein Bier auf zweiteres, werter Elvis, wenn Helikopter-Ben so weiter macht; was sagt Ihr?