Teil 1.0 - Der Aufbau des Reiches
Bevor unsere Wenigkeit mit der Regierung dieses Landes beginnen können, wollen wir verstehen lernen, wie dieser Staat funktioniert und hauptsächlich, über welche militärischen, politischen und sachlichen Mittel er zur Durchsetzung seiner Ziele verfügt. Auch wird es unser Ziel sein, unsere "liebe" Nachbarschaft auf dem indischen Subkontinent etwas besser kennen zu lernen...
Zunächst wollen wir einen kurzen Blick in den Kronrat des Mogulreiches werfen.
Kurz, weil schon der erste Blick genügt, um die Lage abzuschätzen und als grottenschlecht zu befinden. Von drei Punkten Mindestanforderung verfügt der Kanzler des Reiches über ganze Null(!) und der Schatzmeister hat auch nur zwei, was deftige Abzüge in Hinsicht auf Steuereinnahmen (-10%) und auf das Ansehen bei anderen Nationen (-20 Diplomatiepunkte, diese bestimmen das Bild einer Fraktion von uns, ob positiv oder negativ).
Aufgrunddessen hat sich Aurangzeb bereits dazu entschlossen, fast den gesamten Kronrat auszuwechseln, auch der Heermeister und der höchste Marineoffizier müssen trotz ihrer vier Fähigkeitspunkte gehen, da sie Unruhe im Volk hervorrufen und Steuereinnahmen für sich selbst abzweigen. Lediglich der Minister für das Innere soll erhalten bleiben, denn er leistet als einziger Mann dieser armseligen Truppe gute Arbeit!
Auch der Mogulkaiser selbst verfügt aufgrund seines hohen Alters über einen bereits ausgeprägten Charakter, sein voller Name lautet übrigens Abū 'l-Muẓaffar Muḥi ud-Dīn Muḥammad Aurangzeb Bahādur-e ʿĀlamġīr Pādišāh-e Ġāzī.
Seine Untertanen kennen ihn als ungebildeten Tyrannen, was die Forschungsrate im Kulturbereich drückt und die Menschen ruhig hält, sowie als Soldatenkaiser und strenggläubiger Muslim, weswegen besonders andere Glaubensrichtungen Unmut hegen werden.
Alles in Allem ein durchwachsenes Bild, das sich hier bietet, aber wenigstens geben der Architekt und der Hofkomponist Kostenersparnisse beim Bauen bzw. Beliebtheit bei der Adelsklasse. Immerhin hat Aurangzeb drei Fähigkeitspunkte, weswegen er keine generellen Mali auf Prestige und Diplomatie bringt.
Diese Karte mag als Überleitung zum äußerlichen Erscheinungsbild unseres Großreiches dienen, hier sehen wir den Norden Indiens und unsere zahlreichen Nachbarn gut sichtbar eingetragen. Offiziell reicht das Imperium vom Hindukusch bis zum bengalischen Golf, aber faktisch sieht die Lage wesentlich schlechter aus.
Die Perser haben unter Nadir Shah Kabul erobert und seitdem ist das Land der Pathanen unserer Kontrolle entglitten, außerdem regieren die Briten und Franzosen im Bengalen bzw. Orissa inzwischen sehr unabhängig, verweigern gar Tribute an den Badshah in Akbarabad! Zuerst wurden einzelne Handelsposten errichtet, doch dann zwangen die Westmächte die örtlichen Nawabs - Statthalter im Dienste des Moguls - nach und nach mit Krieg und wirtschaftlichen Druck unter ihre Herrschaft, sodass nun im Osten Indiens keiner mehr den Mogul als Herrscher anerkennt.
Zweifelsohne wird der Mogul diese Angelegenheit mit militärischer Gewalt klären müssen, da die Handelsgesellschaften ihre Gebiete kaum freiwillig abgeben werden...
Der hauptsächliche und bösartigste Feind des Badshahs ist jedoch das auf dieser Karte vom Süden Indiens sichtbare Marathenreich. Klein von Gestalt und Größe her hat dieses Reich jedoch zahlreiche Sympathisanten in den Reihen von über zahnmillionen Hindus im Reiche des Moguls, weiterhin ist ihre Armee nach eurpäischem Muster geschult und ihm Guerillakampf erfahren, was ihre Bezwingung seit über zwanzig Jahren kontinuierlich verhinderte. Nach zahllosen erfolglosen Schlachten und Scharmützel sind die Soldaten des Moguls mittlerweile gar in die Defensive geraten, der Fall von Ahmadnagar und Haiderabad droht.
Doch dazu später, im Westen, so klein, dass kein Platz für einen eigenen Schriftzug war, liegt die portugiesische Kolonie Goa, seit langem erstaunlich gute Partner des Moguls. Nun ist ihr Land aber von dem der rebellischen Marathen umgeben und ihre Treue zum Pfauenthron in Akbarabad lässt zunehmend zu wünschen übrig! Es wurde gar gemeldet, dass sie geraubte Hehlerware der Marathen verkaufen und diesen damit bei der Besoldung ihrer Armee helfen. Zweifelsohne werden sie das bitter bereuen!
Als eher uninteressante Gebiete, jedenfalls zu Beginn, gibt es noch das auch de jure unabhängige Maissur zwischen den marathischen Gebieten und die von den Niederlanden besetzt Insel Ceylon. Während Maissur als Verbündeter und später vielleicht Protektorat gegen die Marathen infrage kommt, zahlen die Hölländer noch immer stets zuverlässig ihre Steuern durch Handelsabgaben für den Badshah.
Zur Niederschlagung der Revolten und zur Bekämpfung eventueller weiterer Feinde werden in der Hauptstadt bereits Truppen ausgerüstet und mobilisiert, denn wie gleich sichtbar werden wird, ist die Armee sprichwörtlich ein einziger Sauhaufen.
Bei der zukünftigen Armeeaufstellung baut der Mogulkaiser hauptsächlich neben lokalen Milizen auf drei Truppentypen:
- Zamindari-Pikeniere: Zamidaren sind die Großgrundbesitzer des Mogulreiches und müssen im Kriegsfall Truppen stellen, diese Männer sind mit Piken bewaffnet und im Nachkampf für den Feind kaum zu bezwingen. Ihre Speere sind ein vortrefflicher Konter für die vielen Reitertruppen der Marathen und werden uns gute Dienste leisten. Leider ist die Moral dieser Soldaten, da sie zwangsverpflichtet sind, nicht sehr hoch und wenn sie sich bedroht sind, werden sie schnell die Flucht ergreifen. Man sollte sie also nicht zu sehr auf sich selbst gestellt ins Schlachtengetümmel entsenden!
- Kamelreiter: Diese Truppen sind zähe Nomaden aus der Tharwüste in Rajputana, welche auf ihren Kamelen für ein entsprechendes Entgeld dem Mogul in jede Schlacht folgen, die er ihnen zu führen befielt. Ihre Kamele verschrecken durch ihren Geruch die Pferde der Marathen, welche ein Reitervolk sind, und haben Bekanntheit durch ihre Genügsamkeit und Audauer erlangt, was sie im zähen Guerillakrieg unter der drängenden indischen Sonne zu sehr ausdauernden Truppen macht. Leider sind sie eher für Überfälle geeignet und in einer andauernden Schlacht gegen erprobte Einheiten schnell an Boden verlieren, weiterhin bieten diese Kamelreiter ein tollen Ziel für jeden Fernkämpfer und jede Kanone, die der Feind zu Felde führt!
- Derwischkrieger: Äußerst zähe moslemische Elitesoldaten mit Äxten bewaffnet und mit äußerst hoher Moral gesegnet. Mogulkaiser Aurangzeb hat diese Truppen zu einer zentralen Säule der Armee gemacht und sie können überall dort rekrutiert werden, wo Muslime unter der Herrschaft des Moguls leben. Im Nahkampf sind sie ein entsetzlicher Feind, der aufgrund religiöser Indoktinierung, harter und langerworbener Übung und fanatischer Gesinnung gnadenlos ohne Rücksicht auf sich selbst oder den Gegner kämpft. Verletzlich sind sie gegen Ansturme von Lanzenreitern sowie gegen Truppen mit Musketen, denn sie Kämpfen um ihren Mut zu zeigen, ohne jeglichen Schutz für sich selbst. Denn wer stirbt während der gegen die Ungläubigen kämpft, so ihr Glaube, wird ins Paradies eingehen und hat damit kein schlechtes Schicksal, weswegen sie den Tod mit einem Lachen begrüßen.
Nun zur Übersicht unserer derzeitigen bewaffneten Macht: in Ahmadnagar ist ein Armeekorps unter Ram Duraz stationiert, einem völlig unfähigen General (ein Fähigkeitspunkt) und dieses enthält neben drei Kanonen samt Bedienmannschaft einige lokale Milizen (Bhumiya Bogenschützen, Zamindari-Reiter mit Bögen) sowie quizilbashi-Infanterie und -Kavallerie jeweils mit Musketen bewaffnet.
- Quizilbashi Musketiere/Reiter: Elitetruppen, welche ursprünglich vom Haus der Safawiden in Persien aus Turkmenen gebildet wurden und für diese quasi das gesamte jetzige Hoheitsgebiet eroberten. Sie folgten im ursprung einem Ordensmeister und ihr Name bedeutet übersetzt soviel wie Rotköpfe, was an ihrer üblichen roten Kopfbedeckung liegt. Einst eine schiitische Truppe, führten die sunnitischen Moguln in Indien vergleichbare sunnitische Truppenkörper ein, deren Befehl aber den weltlichen Generälen des Mogulreiches obliegt. Trotzdem werden diese Männer ohne Furcht und bester Moral in den Kampf ziehen, so fanatisch wie sie einst die Sharia verteidigten, werden sie nun für den Mogul jeden Feind zerschmettern. Ihre Musketen benutzen sie nach europäischem Drill - eine Neuerung seit Aurangzebs Dekkankriegen - und profitieren somit von jeglicher Forschung in diesem Gebiet. Ihre einzige Verletzlichkeit besteht im Kampf gegen Lanzenreiter der Marathen, da sie sich ausdauernd jeglichen Bajonetten verweigern, was aber den hohen Wert dieser Truppe nicht mindert. Leider können wir diese Truppe erst ab Kaserne Stufe drei rekrutieren und müssen dafür erst den militärischen Drill erforschen. Bis dahin besteht die Hauptmacht der Moguln aus Nahkämpfern nach dem obigen Schema.
Ein weiteres Korps befindet sich in Haiderabad und wird von Zulfikar Khan kommandiert, einem Mann im Solde des Nizam der Stadt. Seine Truppen besitzen ebenfalls einen Trupp von Kanonen, außerdem drei Milizregimenter schlechter Kampfkraft (Tufangis und Bhumiya Bogenschützen) sowie zwei Regimentern islamischer Schwertkämpfer, Truppen auf die wir derzeit leider nur in Haiderabad Zugriff haben, rekrutiert aus wie es der Name sagt Moslems im Reiche des Moguls und dank guter Ausbildung mit ihren langen Schwertern sind sie selbst für Kavallerie ein schwerer Gegner. Nur den Beschuss aus der Ferne mögen sie nicht sehr, da sie nur mit einem Lederwams begleidet sind, was wenig Schutz bietet.
Im Gegensatz zu General Ram Duraz ist der hiesige Kommandant ein halbwegs fähiger Mann und kann sich hinter den Stadtmauern von Haiderabad im Angriffsfalle verschanzen. Mehr als verteidigen wird er mit seiner schwachen Truppe vorerst auch nicht können, bis der Rest des Reiches weitere Truppen geschickt hat. Da diese Truppen nicht einmal rekrutiert sind, geschweige denn geordnet aufmarschiert, kann das durchaus eine Weile dauern.
Mit diesem Überblick lassen wir es für diesen Teil bewenden, der nächste wird wohl etwas Kampf beinhalten, denn die Marathen pflegen sehr früh aktiv anzugreifen, ist ihr stehendes Heer doch trotz des zwei Provinzen Landes größer und viel besser geschult als das unsrige.