Wettlauf nach Tunis
Lagebericht der 5. Panzerarmee (Pz. AOK 5) vom 03. Januar bis 05. Januar 1943 zur Vorlage beim Oberbefehlshaber Süd
I. Ausgangslage
Verstärkungen
XXX. ital. Armeekorps
Die Front versinkt im Schlamm. Es wurden kaum Bewegungen durchgeführt. Lediglich ein italienisches Artillerieregiment ist hinter dem Abschnitt der Division "von Broich" in Stellung gegangen. Die eingeschlossenen Fallschirmjäger und Pioniere haben sich eingegraben. Ihre Lage ist jedoch aussichtslos. Die Möglichkeit eines Entsatzangriffes wurde kurz erwogen, dann aber auf Grund der dafür fehlenden Kräfte und des miserablen Wetters verworfen. Das Korps beschränkt sich darauf, die vorhandenen Stellungen weiter auszubauen und die Versorgung der Fronttruppen zu verbessern.
XC. Armeekorps
Das komplette Korps ist unbeweglich und nur beschränkt kampfbereit! Nur unter großen Mühen konnten in beschränktem Maße Umgruppierungen durchgeführt werden um die Frontlücke westlich Point du Fahs zu schließen. Die 10. PD richtet sich in den neuen Stellungen zur Verteidigung ein. Lediglich das Panzerregiment 7 liegt noch in exponierter Lage vor der neuen HKL. In Mitteltunesien, bei Sfax, versucht die Kampfgruppe "Weber" die Küstenstraße zu erreichen, was jedoch auf Grund der Wetterlage und er schlechten Versorgung nicht gelingt. Nur das italienische MG-Bataillon gelingt es, die Küstenstraße zu gewinnen und nach Süden zu marschieren. Jedoch nähern sich von Westen weitere US-Truppen der Küstenstraße. Die Lage ist verzweifelt.

II. Feindliche Truppenbewegungen/Aktionen
XXX. ital. Armeekorps
Auch beim Feind behindert das Wetter die Aktionen. Es wurden keine Truppenbewegungen gemeldet. Auch keine Kampfhandlungen. Auffällig ist, dass der Feind anscheinend die britischen Verbände in diesem Abschnitt durch französische Verbände ersetzt. Wohin die freiwerdenden britischen Verbände verlegt werden, ist noch nicht erkennbar.
XC. Armeekorps
Am linken Flügel des Korps starteten US-Panzerverbände einen Angriff auf Enfidaville. Obwohl das dort liegende Marschbataillon, durch eine Flakabteilung verstärkt, dort gut eingegraben und versorgt war, wurden beide Einheiten schwer angeschlagen und zum Rückzug gezwungen. Die Feindkräfte, die nominell nicht stärker waren, als unsere Einheiten, konnten den Einheiten mehrmals nachsetzen und Teile aufreiben. Dieser Umstand ist mehr als verwunderlich und muss geprüft werden. Da der Feind sich nun Tunis von Süden her nähert, müssen Gegenmaßnahmen kurzfristig erfolgen.
Die Kampfgruppe "Weber" hat, getreu ihrem Eid, bis zu letzten Patrone kämpfend, im Raum Sfax feindliche Truppen gebunden und damit der Panzerarmee Afrika hoffentlich die nötige Zeit verschafft, um sich im Raum der Mareth-Linie zu sammeln um dann nach Norden vorzustoßen. Am 05. Januar um 18.53 Uhr empfing das Hauptquartier der Armee den letzten Funkspruch:
*** Sind von allen Seiten umzingelt *** Munition geht zur Neige *** Ausbruchsversuch gescheitert *** Grüßt uns die Heimat *** Kampfgruppe Weber meldet sich ab ***
Es kann nicht genau eruiert werden, warum die US-Einheiten trotz der schlechten Bodenverhältnisse derart mobil sind, während unsere Verbände teilweise bewegungslos in der Wüste liegen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Stärkeverhältnis in Tunesien sich anscheinend dramatisch zu unseren Ungunsten verschlechtert hat. Auf Seiten der 5. Panzerarmee stehen zu diesem Zeitpunkt lediglich 1 Panzerdivision, 1 Infanteriedivision, 1 angeschlagene italienische Infanteriedivision sowie 1 Divisionskampfgruppe (halbe Divisionsstärke) zur Verfügung. Dem stehen nach Berichten der Aufklärung derzeit 2 alliierte Panzerdivisionen und 4 Infanteriedivisionen gegenüber. Bei den Luftwaffenverbänden wird ein Stärkeverhältnis von 2:1 zu Gunsten der Alliierten vermutet.

III. Luftlage
Auf beiden Seiten wurden keine Einsätze geflogen.
Gezeichnet
I. V. Generalleutnant Ziegler
Kommandeur Pz. AOK 5
(Befehlshaber Tunesien)