
Bild 165: links - die Atlantikschleusen bei Gatun; rechts - in der Gegend des Gatun-Rivers
Die lebensgefährlichen Arbeiten in den von Seuchen geplagten Baustellen und Arbeitersiedlungen kosteten insgesamt 27.500 Menschen das Leben.
Die ersten Versuche
1534 beauftragte der spanische König Charlos V. den Italiener Alessandro Malaspina mit der Erkundung einer geeigneten Route für den Bau einer Wasserverbindung zwischen beiden Ozeanen, um die Schifffahrtsweg von Spanien nach Peru zu verkürzen und darüber hinaus eine eigene Route nach Ostasien zu etablieren – denn der Indien- und Chinahandel um Afrika herum war bis dahin portugiesisches Monopol. Zwar steckte der Entdecker eine geeignete Route ab, doch gab es zu dieser Zeit keine ausreichenden technischen Hilfsmittel, um ein solches Großprojekt zu verwirklichen. Selbst unter primitivsten Bedingungen hätte man die mehreren zehntausend benötigten Arbeiter gar nicht versorgen können, die auf einer Baustelle dieses Ausmaßes beschäftigt hätten werden müssen.
1698 stachen fünf Schiffe mit 1.200 Siedlern von Leith in Schottland aus in See – das schottische Königshaus hatte ebenfalls Kolonialambitionen – um bei Darien ein Kolonie zu gründen und eine Überlandstraße zum Pazifik zu bauen, was eigenen Fernhandel mit China und den Gewürzinseln ermöglicht hätte. Die Lebensumstände waren desaströs und die Sterberaten unter den Siedlern hoch. Im Juli 1699 musste die Kolonie aufgegeben werden, nur 300 Siedler hatten das vergangene Jahr überlebt. Eine zweite Expedition mit 2.500 Siedlern traf kurz darauf ein, um das Projekt fortzuführen, doch auch dieses Mal scheiterten sie. Nur wenige hundert Kolonisten kehrten im folgenden Jahr lebendig zurück nach Schottland. 1855 eröffnete eine Eisenbahnlinie, die beide Seiten der Landenge verband, doch schon bald hatte man Größeres im Sinn.
Der französische Kontrukteur Ferdinand de Lesseps begann am 1. Januar 1882 mit dem Bau eines Kanals ohne Schleusenkammern im Auftrag der kolumbianischen Regierung, die mit Frankreich beim Bau des Kanals kooperierte. De Lesseps war bereits bei der Konstruktion des Suezkanals erfolgreich gewesen und wollte das Projekt Panama ähnlich durchführen. Dabei ließ er jedoch die geografischen Besonderheiten, geologische, hydrologische Eigenheiten und klimatische Bedingungen außer Acht. Bis zu 20.000 Arbeiter wurden gleichzeitig beschäftigt, dennoch starben 22.500 Menschen zwischen 1881 und 1889, dem Zeitpunkt, als die französische Kanalkompanie in Konkurs ging. Eine zweite Gresellschaft begann 1894 mit weiteren Arbeiten am Pazifik, doch die Baustelle war weitaus kleiner, da es mittlerweile ernste Konkurrenz gab: US-amerikanische Unternehmen begannen mit Kanalarbeiten in Nicaragua am sogenannten (und nicht fertig gestellten) Nicaragua-Kanal.
Die Amerikaner
Wegen des kürzlich geführten spanisch-amerikanischen Krieges forcierte US Präsident Theodore „Teddy“ Roosevelt den Bau der amerikanischen Kanalprojekte – aufgrund der Lobbyarbeit einflussreicher Geschäftsleute gab der US Senat das Nicaraguaprojekt auf (obwohl bereits 160 Kilometer fertig gestellt waren) und schloss 1903 mit Kolumbien den Hay-Herran-Vertrag ab, durch den das bereits von den Franzosen begonnene Kanalprojekt samt einer Kanalzone für 99 Jahre an Amerika verpachtet wurde. Wie auch immer, das kolumbianische Parlament ratifizierte den Vertrag nicht und so unterstützte die US Regierung panamesische Großgrundbesitzer in ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit. Die USA entsandten eine Flotte vor die kolumbianische Küste, belieferten die Rebellen mit Waffen und stellten Geld, Ausrüstung und Militärberater zur Verfügung. Letztlich beugte sich Kolumbien dem Druck und gestattete Panama die Unabhängigkeit, dessen Regierung sofort den Hay-Herran-Vertrag unterzeichnete.
Die Amerikaner kauften die französischen Baumaschinen und begannen am 4. Mai 1904 mit den Bauarbeiten, wobei sie den Kanal anders als die Franzosen mit Schleusenkammern und Dämmen konstruierten. Zwei Jahre vor dem geplanten Fertigstellungszeitpunkt wurde der Kanal am 15. August 1914 mit der Passage des Frachtschiffs „Ancon“ offiziell eingeweiht. Da auch die hygienischen Bedingungen weitaus besser waren, starben „nur“ 5.609 Arbeiter auf den amerikanischen Baustellen.
Die weitere Entwicklung
1921 zahlten die USA 25 Millionen Dollar Entschädigung an Kolumbien wegen ihrer Rolle bei der Unabhängigkeit Panamas, im Gegenzug erkannte Kolumbien die ehemalige Provinz und die gemeinsame Grenze diplomatisch an. Ein weiterer Damm wurde 1935 durch den Rio Chagres gezogen, um ein Wasserreservoir für den Kanal zu schaffen. 1939 begannen Arbeiten an neuen, verbreiterten Schleusenkammern, um den größten amerikanischen Schlachtschiffen die Durchfahrt durch den Kanal zu ermöglichen. 1999 wurde die Panamakanalzone an den Staat Panama zurück gegeben, welches sich aber bereit erklären musste, den Kanal mindestens für 25 Jahre an ein Privatunternehmen zu verpachten, um eine zu schnelle Verstaatlichung zu vermeiden. So gehören die beiden Kanalhäfen nun dem chinesischen Hafenbetriebs- und Telekommunikationsunternehmen Hutchinson-Whampoa.
Ausblick
Einhundert Jahre nach seiner Eröffnung werden im Jahr 2014 die neuen, dritten Schleusenkammern fertig gestellt sein, die es ermöglichen, dass in Zukunft Schiffe einer Breite von 49 m, einer Länge von 366 m und einem Tiefgang von 15 m den Kanal passieren können (momentan: Maxbreite: 28 Meter)
Nachtrag: Nun, da wir mittlerweile das Jahr 2014 schreiben, wäre ein Blick auf den Fortgang der Bauarbeiten angebracht. Dieses Jahr wird der Kanal nicht mehr für die "großen Pötte" freigegeben, aber im nächsten Jahr. Leider hat sich die durchschnittliche Schiffsgröße in den Jahren der Kanalerweiterung ebenso drastisch erhöht, sodass der Kanal vielleicht bald wieder "zu klein" ist.









