
Bild 149: Die spanische Galeone 'Urca de Lima'.
Die „Nueva Espana“-Schatzflotte war eine von zwei jährlich nach Amerika segelnden Flotten aus Cadiz und steuerte die reichen mexikanischen Kolonialstädte an. Normalerweise traf man sich mit der nach Venezuela, Kolumbien und Panama fahrenden „Tierra Firme“-Schatzflotte in Havanna und segelte von dort gemeinsam nach Spanien zurück. Wie jedes Jahr waren die dickbauchigen Galeonen der Spanier hoffnungslos überladen, was die ohnehin mangelhaften Segeleigenschaften noch weiter beeinträchtige. In diesem Jahr jedoch konnte die „Nueva Espana“-Flotte nicht auslaufen und verbrachte den Winter über in Veracruz. Aufgrund unglücklicher Umstände musste man auch im nächsten Jahr in den karibischen Gewässern verbleiben und verpasste das gemeinsame Rendezvous mit der zweiten Flotte in Havanna. Reich beladen mit der gesamten Silberausbeute der mexikanischen Bergwerke und Schätzen von der jährlich aus China kommenden „Manila-Galeone“ stachen die Segelschiffe am 24. Juli 1715 von Havanna aus in See.
Zu diesem Zeitpunkt herrschte bereits die Hurrikan-Saison, doch hatten spanische Schatzschiffe schon zuvor solchen Wirbelstürmen getrotzt. Nach dem langen Aufenthalt in den tropischen Gewässern waren die Schiffe in ihrer Seetüchtigkeit aber stark eingeschränkt. Die Rückreise war reine Routine – bis zur Küste von Florida und dann mit dem Golfstrom über den Atlantik. Am 31. Juli geriet die Gruppe in einen überaus starken Hurrikan, wahrscheinlich einen der schlimmsten der letzten zehn Jahre. Die Flotte schlug zunächst einen Nordkurs in Richtung der Küste Floridas ein, doch einige Schiffe sanken bereits nach schwerer Schlagseite im tiefen Wasser. Die sich im Flachwasser steiler auftürmenden Wellen zerbrachen weitere schwerfällige und an sich eigentlich stabile Galeonen einfach in der Mitte durch, während andere von Wind und Wellen auf Riffe und Klippen geworfen wurden. Nur ein einziges Schiff - die französische „Grifon“ - kam ohne Ausfälle und Beschädigungen durch den Sturm nach Europa. Etwa 1.250 Seeleute und Passagiere kamen in dem Unwetter ums Leben.
Als der spanische Vizekönig in Havanna von dem Unglück erfuhr, sandte er sofort eine Bergungsflotte aus. Mehrere Jahre lang unternahmen die Spanier Tauchgänge zu den bekannten Wracks und konnten unter Mithilfe der indianischen Bevölkerung etwa die Hälfte der versunkenen Schätze heben. 1716 griff der englische Pirat Henry Jennings die Schatzlager an Land an und konnte mit 350.000 Pesos nach Jamaika entkommen. Bis 1718 setzten die Spanier die Bergungsmissionen fort. In der Neuzeit wurden zahlreiche professionelle Bergungsoperationen an den nicht von den Spaniern untersuchten Wrackpositionen unternommen, wobei hundertausende Gold- und Silberpesos gefunden wurden. Doch auch heute sind noch nicht alle elf Wrackstellen gefunden worden. Mindestens drei Galeonen warten noch immer auf abenteuerlustige Schatzsucher.














