
Bild 123: Leuchte mir den Weg, Oh Herr!
Marinestation Ostsee, Ehrengerichtsstand der Marine
Letzter Tag der Anhörung und Entscheidung des Ehrenausschusses
Protokoll der Verlesung der Entscheidung des Ehrenausschusses
„Im Falle des Fregattenkapitäns Meinhardt Peter Rech, geboren am 08. Jänner 1900 in Thalheim, fällt der Ehrengerichtsstand Kiel folgendes Urteil:
Fregattenkapitän Rech hat sich, nachdem seine Frau während der gemeinsamen Hochzeitsreise nach Süd- und Nordamerika die eheliche Verbindung durch Auslandsflucht faktisch gelöst hat und nachdem er von den schweren Anschuldigungen gegen seine Frau Kenntnis erlangte, absolut patriotisch und mit der vollen Verantwortung eines Offiziers der deutschen Kriegsmarine verhalten. Die Ehe wurde auf Antrag von Herrn Fregattenkapitän Rech ohne Einhaltung der Trennungsfrist als aufgehoben erklärt.
Fregattenkapitän Rech hat den Ehrenausschuss darüber hinaus glaubhaft und nachvollziehbar überzeugt, dass er von den kriminellen Handlungen und der staatsfeindlichen Gesinnung seiner Ehefrau Ulrike Rech, geborene Hollweg, keine Kenntnisse oder Vermutungen hatte. Der Ehrenausschuss merkt hierbei jedoch an, dass es sich nach Meinung des Ehrenausschusses für einen deutschen Offizier geziemt, seine Partner und insbesondere seine Ehefrau erst nach gewissenhafter Charakterprüfung im Sinne einer einer streng patriotischen und staatstreuen Gesinnung auszuwählen. Zumindest in dieser Offizierspflicht hat Fregattenkapitän Rech ohne die gebotene Sorgfalt und ohne die ihm sonst während der Erfüllung seiner dienstlichen Aufgaben zueigen gemachte Wesensart fahrlässig gehandelt und so nicht nur seinem Ruf und Stand, sondern auch den des gesamten Offizierskorps der Wehrmacht, wenn auch unwillentlich, öffentlichen Schaden zugeführt. Der Ausschuss gibt zu Protokoll, dass ein gestandener und mehrfach ausgezeichneter deutscher Offizier eine solche Täuschung viel früher hätte erkennen müssen, als es Fregattenkapitän Rech in diesem hier zu beurteilenden Fall getan hat.
Auf der anderen Seite war Fregattenkapitän Rech während seiner gesamten Laufbahn stets der deutschen Marine und dem Vaterland ergeben und hat, wie alle hier vor den Ausschuss geladenen oder um Auskunft gebetenen Vorgesetzten samt und sonders bestätigten, die ihm übertragenen Pflichten mit einer Sorgfalt, Einsatzbereitschaft und besonders ausgezeichneten Qualität erfüllt, die weit über seine Jahrgangsstufen ihres Gleichen sucht. Nicht zuletzt wegen seiner außerordentlichen Tapferkeit wurde Fregattenkapitän Rech unlängst mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz Erster Klasse ausgezeichnet und ist damit in Kühnheit und Auftreten seinen Kameraden im Offizierkorps wie auch seinen Untergebenen ein leuchtendes Beispiel an der Pflichterfüllung eines deutschen Offiziers.
Der Ehrenausschuss der Marine der Marinestation Ostsee gibt daher folgende Empfehlung:
Die Anschuldigungen sind nach nahezu einhelliger Meinung des Ehrenausschusses unhaltbar und sollten im Gedenken an den möglichen Schaden für den Ruf des gesamten Offizierkorps schnellstmöglich fallen gelassen werden. Fregattenkapitän Rech hat sich in seinem und im Sinne des Ehrenauschusses einwandfrei verhalten, nachdem ihm die Kenntnisse über die auf hinterlistigste und argvollste Weise versteckte Täuschung seiner Ehefrau zu Ohren kamen. Darüber hinaus ist Rech ein verdienter und in jeder dienstlichen Hinsicht hervorragender deutscher Marineoffizier und von streng nationaler Gesinnung. Der Ehrenausschuss befürwortet daher die Fortführung seines Dienstverhältnisses als Offizier der deutschen Kriegsmarine.
Um den bereits entstandenen Schaden vom Bild eines deutschen Offiziers zu nehmen, empfiehlt der Ehrenausschuss, Fregattenkapitän Rech im Mindesten für die Dauer des laufenden Strafverfahrens von seinem Posten auf einer Fronteinheit zu nehmen. Auch wenn dieses Verfahren erwartungsgemäß positiv endet, so ist es die einhellige Meinung des Ehrenausschusses, Fregattenkapitän Rech kein Kommando mehr auf Einheiten der ersten Linie oder in der Ausbildung anzuvertrauen, da er, wie bereits ausgeführt, im persönlichen Lebenswandel kein Vorbild für die ihm unterstellten Soldaten sein kann und sich möglicherweise auf andere Offiziere in zumindest teilweise berechtigter Art nicht mehr im Stande sehen können, mit ihm gemeinsam in einer Kampfeinheit zu dienen. Eine Disziplinarstrafe oder ein Beförderungsverbot erachtete der Ehrenausschuss ausdrücklich als nicht erforderlich, da Rech weder schwer fahrlässig noch vorsätzlich in diese Situation gekommen ist.
Der Ehrenausschuss der Marinestation Ostsee würdigt ausdrücklich die Auskunftsbereitschaft der geladenen Zeugen und die spricht Fregattenkapitän Meinhardt Peter Rech hiermit sein volles Vertrauen in seinen Tätigkeiten zukünftiger Aufgabenfelder aus.
(̷) “
Hundeelend fühle ich mich jetzt. Es stört mich nicht, dass ich mein Bordkommando verliere und dass ich jetzt auf einer schwarzen Liste stehe. Nein, ich bin zustiefst von mir selber enttäuscht, weil ich entgegen allen Selbstverständnisses nicht aufrichtig und ehrlich zu meiner Ehefrau stand. Und so laufe ich ziellos durch Kiel und nehme kaum war, wie der Wind meine Schirmmütze von meinem Schädel hebt und davon weht. Aus den Schänken ringsum ertönt dumpfes und stumpfes Gelächter. Wie widert es mich heute Nacht an! Sollen die stumpfsinnigen Bauern sich doch benehmen wie ihr Vieh in der Brunft, wie konnte ich meine Ideale und meinen innersten Glauben nur so schändlich verraten?
„Seht mich doch an, hier kommt Euer Kapitän! Der Kapitän der nicht nur so dämlich ist, ohne Mütze durch die Stadt zu gehen, nein, ich war so abrundtief feige, dass ich mein ganzes Leben und mein Innerstes selbst verriet, nur um mein erbärmliches Dasein zu retten! Schonmal vom Jünger Petrus gehört? Hier stapft er durch die Gassen, der dumme Kapitän ohne Mütze!“
Ich weiss nicht, ob sich überhaupt jemand nach mir umdreht, ich weiß nicht, wo ich gerade bin. Der starke Regen hat meine Kleidung bereits bis auf den letzten Faden durchnässt, es ist mir einerlei. Auf einmal stehe ich vor den Stufen der Kathedrale, in der ich mit meiner Ulrike getraut wurde. Ist das ein Zeichen? Unschlüssig hebe ich einen Fuß, nein, die Kirche ist doch längst geschlossen. Da öffnet sich das Portal und zwei Messdiener treten ins freie, rümpfen die Nase über den vor Nässe triefenden Passanten. Doch die Tür bleibt offen.
Ich gehe hinein…
























