Courage. Honor. Loyalty. Sacrifice. _ A Pbem vs L. Armisteads feat. controversial POV

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SolInvictus202
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Beitrag von SolInvictus202 »

hat er denn noch etwas zu verlieren? - nicht wirklich oder? - also fest drooof und durch! :teufel:
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Jörg von Frundsberg
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Beitrag von Jörg von Frundsberg »

SolInvictus202 hat geschrieben:hat er denn noch etwas zu verlieren? - nicht wirklich oder? - also fest drooof und durch! :teufel:
Ich will ja nur nicht das der AAR so schnell endet !! die Bilder sind zu gut ^^
Merde perdu encore ! letzte Worte des Marquis Montcalm bei der Schlacht bei Quebec 1759
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Aktivist
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Beitrag von Aktivist »

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New York, 1. Dezember 1862 - Der Unbesiegbare
Der Gegenangriff auf Washington kam leider gar nicht erst in Gang, denn bevor die Divisionen ihre Kampfstellungen eingenommen hatten, tauchte Thomas Jackson mit seinem Korps in meiner Flanke auf - ein klassisches Chancellorsville-Manöver - und trieb meine gesamte rechte Flanke meilenweit zurück. Nicht weniger als drei Korps konnte Jackson so nahezu aufreiben. Damit sind alle Hoffnungen, Washington bald zu entsetzen, verloren.
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Was soll man dazu sagen? Lee kämpte mit Command-Penalties, ich nicht. Jackson musste den Potomac überqueren, Kearny und Frémont musste keinen Flussübergang unternehmen. Lee hatte deutlich weniger Artillerie, doch die verursachte verheerende Verluste. Selbst die Glücksboni waren ausgeglichen. Lee war angeschlagen, Jackson nach dem Gewaltmarsch über den Potomac sicherlich auch. In Montgomery County goss es in Strömen. Trotzdem war der Ausgang der Schlacht eindeutig. Die Gründe dafür liegen ihrem Einfluss nach sortiert in:

- den besseren Offizierswerten der Südstaatler (Lee, Jackson und Holmes waren auch alle aktiviert)
- dem hohen Moralunterschied beider Seiten
- sowohl Jackson, als auch Lee verfügten über Artillerieexperten
- sowohl Jackson als auch Lee verfügten über Nachschubeinheiten (gibt einen 10%igen Feuerbonus.

Nicht nur Kearny und Frémont sind auf der Flucht, auch Porter und Pope hatten ihre Stellungen verlassen, um Kearny im Gefecht beizustehen und sind nun zerschlagen worden. Damit ist meine rechte Flanke völlig entblößt und genießt absolute Priorität:

Hooker schnappt sich die drei besten Divisionen (Sedgewick, Sheridan und Negley) und verlegt sofort per Eisenbahn nach Frederick, nach knapp einer Woche wird außerdem Geary zu ihm stoßen. McDowell gibt seine drei Divisionen (Lyon, Corcoran/Humphreys und Reynolds) an Keyes ab, der in Annapolis verbleibt. McDowell selbst soll das Kommando von Kearnys Korps bekommen. Kearny Divisionen in Westminster (Slocum und Asboth) sind schwer mitgenommen und werden nach 10 Tagen durch Curtis und Heintzelman verstärkt. Porter und Pope versuchen unbeschadet nach Annapolis zu gelangen, wohin ich auch den Großteil der freien Transportschiffe beordere. Grant wird in 10 Tagen in Westminster eintreffen. Meade bleibt in Port Tobacco, eine Evakuierungsflotte sammelt sich jedoch bald vor seiner Küste.
Ich kann nur hoffen, dass auch Armistead für's erste die Lust auf weitere Kämpfe vergangen ist und dass sich die Linien erst einmal sortieren. Wegen der desolaten Lage ziehe ich außerdem die volle Mobilisierung vor. Ich werde das mit Armistead absprechen. Meine Begründung ist, dass beide Seiten etwa gleich stark sind, Armistead jedoch die weitaus besseren Bedingungen hat. Würden wir bei der ursprünglichen Absprache bleiben, würde sich auch 1863 nichts ändern und das wäre absolut ahistorisch. Weil Armistead nunmehr bereits alle Möglichkeiten voll ausschöpfen darf, ziehe ich nur gleich, ich überhole ihn nicht.
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Befehlsausgabe:
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Lt.Col. Longstreet
, noch hat der Generalstab keine Entscheidung darüber getroffen, welcher Armeeführer in Zukunft den Oberbefehl über alle Truppen der Potomac-Front erhalten soll. Es ist möglich, dass General Grant hier in Kürze Gen. Frémont ablöst. Sie sollten sich nach Ihrer Ankunft in Westminster daher schon einmal mit dem Artilleriechef von Frémont, MGen. French, treffen. Sie wissen ja mittlerweile, worauf es ankommt.

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Lt.Col. Invictus, zur Zeit keine neuen Befehle.



In Süd-Virginia und Tennessee konsolidiere ich meine Linien. Bis auf ein bisschen Partisanenhatz wird sich da zumindest von meiner Seite her nicht viel ereignen. Die Einheiten sollen erst einmal wieder auf 100% Kampfstärke gebracht werden. Zu 40% rechne ich mit gegnerischen Vorstößen in beiden Kampfgebieten, aber meine Linien sollten hoffentlich halten.

Befehlsausgabe:
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Maj. Hohenlohe
, Schneestürme haben den ganzen Osten Tennessees bzw. den Norden Alabamas fest in ihrem Griff. McCooks Division soll daher in Decatur bleiben und sich regenerieren. Erinnern Sie sich noch an die Schneeschaufeln? Jetzt wäre eine optimale Gelegenheit!



In Missouri wird sich ebenfalls nicht viel tun. Foster erreicht hoffentlich Ende dieses Zugs Fayetteville und McCall Dallas. Dafür gibt es in Louisiana einiges zu tun: meine Red-River-Gruppen werden die Gelegenheit nutzen, den immer noch bei Shreveport verharrenden Stuart vom Rückweg abzuschneiden. MGen. Berry macht sich auf nach Berwick und zwei kleine Brigaden sollen bald zu Butler's Army stoßen, um die dortige Division wieder zu komplettieren.
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Befehlsausgabe:
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CWO Rawoll
, die Flotte läuft heute aus. Es sind zwar noch nicht alle Einheiten kampfbereit, aber die Armeeführung will das Überraschungsmoment nutzen. Ziel der Aktion ist das Sperren des Mississippi bei Baton Rouge. Wenn dies gelingt, kann im nächsten Zug ohne jede feindliche Abwehr eine Division das Flussufer von West Baton Rouge besetzen und befestigen. Das dürfte die Bewegungsfähigkeit des Feindes stark einschränken, wodurch unsere Transport- und Patrouillenschiffe ohne starke Bedeckung bis nach Malvern AR oder Shreveport LA hin operieren können. Theoretisch werden Unternehmungen nach Arkansas dadurch möglich, aber auch der Druck auf New Orleans verstärkt sich. Und nicht zuletzt ist Porters Panzerflotte dann sogar frei für Fahrten bis nach Memphis oder Vicksburg.
Ihre Aufgabe: Der Vorstoß darf nicht verraten werden. Der Admiral hat deswegen eine totale Landgangssperre verhängt. Allerdings sollten Gruppen von Seeleuten "zum Scheine" die örtlichen Tavernen und Etablissements aufsuchen. Sie werden gemeinsam mit der Kommandatur der Militärpolizei entsprechende Teams aufstellen und briefen.

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Col. Cfant, das neue Ziel der Division heißt Harrisonburg. Sumners Versorgungszug und eine Brigade aus Alexandria werden dort zu Ihnen stoßen. Im weiteren Verlauf wäre ein Zangenangriff auf Malvern gemeinsam mit McCalls Division denkbar, der von Dallas aus operiert. Sehen Sie sich vor! Wir rechnen mit Rückeroberungsvorstößen feindlicher Einheiten.



Mit den nächster Runde frei gemachten Ressourcen bringe ich zunächst alle meine Divisionen auf volle Truppenstärke. Dazu fordere ich nicht weniger als 33 Rifled-Batteries an, sondern auch 14 Miliz-Bataillone und eine Kompanie Scharfschützen. Des weiteren sollen die Kavallerie-Divisionen aufgefüllt werden: vier leichte Batterien und 20 Regimenter werden aufgestellt. Die Flotte erhält zwei Seetransportgeschwader und drei Aufklärungsgeschwader. Nächste Runde werde ich noch einmal Steuern einziehen und Freiwilligenkompanien aufstellen. Mit diesen Einheiten sollen dann 3-4 neue Divisionen geschaffen werden. Admiral Farragut wird auch bald in Cairo IL eintreffen, um die zweite Panzerflotte sicher an den Geschützstellungen des Feindes vorbei nach Louisiana zu transferieren. Die im letzten Zug erst nach Fort Monroe verschiffte Division ist bereits wieder unterwegs in den Süden, wo sie entweder in Texas aushelfen oder an begrenzten Operationen Butlers teilnehmen könnte. Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil über mein weiteres Vorgehen gebildet. Armistead arbeitet sicher bereits seit einigen Monaten an seiner Frühjahrsoffensive und es wäre weise, diese erst einmal abzuwarten. Bis dahin ergibt sich aber vielleicht die Chance für begrenzte Maßnahmen, doch das muss man sehen. Da mich die Eisenbahnkapazität schwer belastet, gehe ich in dieser Runde "in die vollen" setze sogar drei Infrastrukturmaßnahmen um. Ein Teil der Ressourcen fließt in die Reservearmee. Den Rest behalte ich als Überschuss zurück, da ich garantiert große Einbußen erleiden werde.

Wer bis jetzt noch Armistead die Daumen drückt, kann damit aufhören. Mission erfolgreich. Wie man anhand der letzten Schlacht ja sehr schön gesehen hat, ist Armistead zu Felde praktisch nicht mehr zu besiegen. Und mit den neuen Verstärkungen seiner Armee wird es wahrscheinlich bis Kriegsende unmöglich sein, ihn aus Washington zu vertreiben. Wenn Ihr wollt, dass der AAR über's Jahr 1863 hinaus noch Bestand hat, müsst Ihr eher für mich ein paar Kerzen anzünden. Um die rechte Stimmung zu erzeugen, werden sich meine Chorknaben auch noch mal voll ins Zeug legen. Die Kollekte ist eröffnet. Geben Sie reichlich! Sansibar oder mit Scheck! Amrum!
Onward Christian Soldiers



"Vorwärts, Christi Streiter" ist ein englisches Kirchenlied von William Baring-Gould und Arthur Sullivan aus dem Jahre 1871. Das Lied wurde ursprünglich als Prozessionsmarsch für die Kinder der Horbury Church in Yorkshire geschrieben, wurde aber schnell populär und fand seinen Einzug in zahlreiche Gesangsbücher. Bekannt ist es auch als inoffizielle Hymne der Heilsarmee. Im Video sieht man Libera, einen Londoner Knabenchor.

Gez.

Der Captain
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[hr][/hr]Why not Zoidberg? (\/) (;,,;) (\/)
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Admiral Hipper
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Beitrag von Admiral Hipper »

Kopf hoch werter Aktivist. Auch Chuck Norris war in dieser Szene schon besiegt, aber...



:D
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Frankenland
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Beitrag von Frankenland »

Sir, bei Gott dies ist einer der besten AAR´s denn wir je lesen durften. Meinen herzlichen Dank an beide Parteien für dieses Spiel.
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Beitrag von Aktivist »

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Lincolns Emancipation Proclamation
"And be it further enacted, That all slaves of persons who shall hereafter be engaged in rebellion against the government of the United States, or who shall in any way give aid or comfort thereto, escaping from such persons and taking refuge within the lines of the army; and all slaves captured from such persons or deserted by them and coming under the control of the government of the United States; and all slaves of such person found on [or] being within any place occupied by rebel forces and afterwards occupied by the forces of the United States, shall be deemed captives of war, and shall be forever free of their servitude, and not again held as slaves." (Artikel 9, Second Confiscation Act, 17. Juli 1862)
Abraham Lincoln hat die Sklaven befreit. Ist es nicht so? Lernt man das nicht genau so in der Schule? Ist nicht seine Emanzipations-Erklärung der große Meilenstein, die große Kehrtwende in der Sklavereipolitik Nordamerikas? Die Antwort, die wahre, neutrale Antwort ist: Nein!

Der folgende POV setzt sich mit Lincolns Emzipations-Erklärung auseinander. Ich versuche die Mythen der Historiker sichtbar zu machen. Ich versuche, Lincolns Erklärung in den speziellen Gesetzgebungskontext des 37. Kongresses einzuordnen und zu wichten. Ich versuche, die wahren Hintergründe für seine Erklärung am 22. September 1862 zu finden. Und ich versuche, die Rechtmäßigkeit der Maßnahme zu beurteilen. Ich bin mir sicher, dass ich den einen oder anderen Widerspruch hervorrufe, denn meine Darstellung wird in einem Punkt dermaßen von der gewohnten Sichtweise der Historiker abweichen, dass sie gleichsam als Ketzerei erscheinen mag.


Die Vorarbeiten - der 37. Kongress

Lasst mich ganz kurz den zeitlichen Rahmen etwas abstecken, denn das ist wichtig, um den speziellen Kontext der Legislative der Vereinten Staaten zu verstehen, der sich einem Kontinentaleuropäer nicht immer auf den ersten Blick erschließt. Der 37. Kongress der Vereinten Staaten dauerte vom 4. März 1861 bis zum 4. März 1863, also zwei Jahre. Natürlich arbeitete der Kongress nicht pausenlos durch und es gab auch Zwischenwahlen. Die zeitliche Periode wird daher in vier sogenannte "Sessions" unterteilt:

- eine außerordentliche Sitzungsperiode zwischen 4. und 28. März 1861
- die 1. (ordentliche) Sitzungsperiode zwischen 4. Juli und 6. August 1861
- die 2. Sitzungsperiode zwischen 2. Dezember 1861 und 17. Juli 1862
- die 3. (und letzte) Sitzungsperiode zwischen 1. Dezember 1862 und 4. März 1863

Während der ersten Sitzungsperiode gehörten den Kammern des Kongresses noch zahlreiche Vertreter einiger umstrittener Staaten an, so zum Beispiel Senator John C. Breckinridge aus Kentucky, der immerhin ehemaliger US-Vizepräsident war. Auch Senatoren und Abgeordnete aus Virginia, Tennessee, Arkansas und sogar Texas waren auch im Juli 1861 noch vertreten. Und nicht zuletzt hielten viele Demokraten aus den Staaten, in denen die Repräsentanten erst 1862 gewählt werden sollten, ihre Sitze im Haus. Dementsprechend gering war das politische Ergebnis während der ersten Sitzungsperiode, als viele Kongressmitglieder noch glaubten, der Krieg würde rasch beendet werden. Ungeachtet dessen, brach ab dem 2. Dezember 1861 eine beispielhafte Phase der US-Legislative an - herausragend in jeder Beziehung und vielleicht bis zum heutigen Tage nur durch die politische Arbeit der verfassungsgebenden Versammlung in Philadelphia 1787 übertroffen in Produktivität und Progressivität. Natürlich betraten sie Abgeordneten einen bereits urbar gemachten Acker, urbar gemacht durch Vorarbeiten hauptsächlich aus den Kreisen des Militärs:

Im Mai 1861 erließ General Butler in Virginia (Fort Monroe) einen "Kontrabande-Erlass", welcher sämtliche Sklaven aktiver Rebellen, welche die Linien seiner Truppen erreichten, als Kriegsbeute bezeichnete und alle Eigentumsrechte ihrer früheren Besitzer unter Verweis auf das Kriegsrecht negierte.
Der Erlass wurde vom Präsident Lincoln zunächst zurück genommen, als sich der Kongress der Problematik in seiner ersten Sitzungsperiode annahm und das erste Konsfiszierungs-Gesetz vom 6. August 1861 erließ.
Wie bereits im Frémont-Artikel angesprochen, erließ General Frémont kurz darauf einen Befehl in seinem Kommandobezirk, dass alle Sklaven innerhalb einer definierten Kampfzone in Missouri als frei zu gelten hatten.
Am 9. Mai 1862 hob General David Hunter, dessen Befehlsgewalt sich über die befreiten und noch zu befreienden Gebiete South Carolinas, Georgias und Floridas erstreckte, in seinem Allgemeinen Befehl Nr.11 die Sklaverei in diesen rebellischen Bundesstaaten auf. Beide Erlasse wurden von Präsident Lincoln untersagt.

Der Kongress setzte diese Arbeit fort:

Bereits in der ersten Sitzung am 2. Dezember brachte Senator Trumbull aus New York einen Gesetzesentwurf zur Konfiszierung von Sklaven in rebellischen Staaten ein - danach stand das Thema beinahe täglich auf der Tagesordnungsliste.
Am 13. März 1862 setzte der Kongress per Gesetz den "Fugitive Slave Act" für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten außer Kraft, d.h., er verbot den Kommandeuren, unter ihrer Obhut befindliche Sklaven ihren Besitzern auszuliefern, selbst wenn diese ihre Ansprüche gemäß dem Fugitive Slave Act und dem First Confiscation Act rechtmäßig behalten hatten und nun geltend machen sollten.
Am 16. April 1862 schafften die Abgeordneten die Sklaverei im District of Columbia ab - bei finanzieller Entschädigung für die Besitzer. (Der District of Columbia hat keine eigene Staatslegislative und unterliegt ausschließlich der Rechtssetzung des Kongresses.)
Am 19. Juni 1862 schaffte der Kongress die Sklaverei in allen Territorien der USA ab, also Gebieten, die noch keine Staatsverfassung besaßen und noch keine Bundesvertretung stellten - z.B. Arizona, Oregon, Utah und Dakota. Auch hier wurde den Sklavenhaltern keine Entschädigung gewährt (weil eben US Territorien nicht die selben Rechte wie US-Staaten haben.)

Und eben gegen Ende der zweiten Sitzungsperiode zeichnete sich eine endgültige Einigung über die Sklaverei in den rebellischen Staaten ab, welche schließlich im Zweiten Konfiszierungs-Gesetz kulminierte. Ich muss daran erinnern, dass es dem Kongress nicht einfach gestattet war, die Sklaverei per Dekret abzuschaffen, da diese "Institution" ausdrücklich an mehreren Stellen der Verfassung als den Bundesstaaten obliegendes Recht garantiert war. Sie konnte also nur dort abgeschafft werden, wo die Legislative gesetzgeberischer Kompetenzen hatte oder die Exekutive Maßnahmen des Kriegsrechts durchführen konnte. Und diese Maßnahmen durften selbstverständlich nicht willkürlich gesetzt sein, sondern mussten sich an dem allgemein akzeptierten Rechtskanon orientieren. Aber eines steht fest, all das sind Gesetze, die vom Kongress eingebracht und verabschiedet wurden - nicht vom Präsidenten. Was waren Lincolns Vorstellungen?
Das [die oben genannten Gesetze] beflügelte Lincoln bei seinen ersten Ansätzen einer Emanzipationspolitik. Als Vertreter eines Stufenplans hoffte er, die Sklaverei ohne soziale Unruhen und unter freiwilliger Mitwirkung der Sklavenbesitzer beenden zu können, und 1862 glaubte er, einen Ansatz zu wachsendem Druck gegen diese Institution zu erkennen. Die Unionisten in den Grenzstaaten könnten, so meinte er, die Tragweite dieser Entwicklung doch schwerlich verkennen und müßten daher das Angebot einer Bundesentschädigung für die Freilassung ihrer Sklaven positiv aufnehmen. [McPherson, Für die Freiheit sterben]
Was ist damit gemeint? Das ist Lincolns Plan einer Altersgrenze für Sklaven, wie sie etwa auch nach dem Unabhängigkeitskrieg in den Neuengland-Staaten verankert wurde. Außerdem dachte er an einen Stichtermin (1882), nach welchem die Sklaverei endgültig aufgehoben sei. Die Sklavenhalter sollten entschädigt und ihre ehemaligen Sklaven vorzugsweise außerhalb der Union angesiedelt werden, z.B. in Haiti, Nicaragua oder Liberia. Er bewog den Kongress, seine Resolution anzunehmen (was dieser am 10. April 1862 tat) und drohte den Vertretern der sklavenhaltenden Unionsstaaten, sollten sie der Resolution nicht zustimmen, würden der Fortgang des Krieges und die republikanische Mehrheit in beiden Kammern härtere Maßnahmen treffen. Und obwohl die Resolution in beiden Kammern mit Mehrheit der Republikaner angenommen wurde, stimmten 85% der Demokraten bzw. Unionisten der Grenzstaaten dagegen. In der Folgezeit zeichnete sich immer mehr die Führerschaft der Abolitionisten in der Gesetzgebung des Kongresses ab und gegen Juni/Juli 1862 stand eine Einigung des Kongresses beinahe täglich bevor. Was aber schreibt die Geschichtsforschung?
Trotzdem war das Konfiskationsgesetz bedeutsam als Hinweis darauf, was dieser Krieg in Zukunft werden sollte: ein Krieg zur Zerschlagung der südstaatlichen Gesellschaftsordnung im Interesse eines Neuaufbaus der Union. Treibende Kraft bei diesem Prozeß war die Exekutive, die sich durch die Armee Geltung verschaffte. Seit Juli 1862 legten Armee und Exekutive eine bedeutend härtere Gangart vor. (McPherson, Für die Freiheit sterben)
Ich werde auf diese Einschätzung im nächsten Abschnitt noch einmal zurück kommen, aber lasst mich schon einmal die Sprache McPhersons untersuchen. Das Gesetz des Kongresses ist bloß ein Hinweis, kaum der Rede wert. Treibende Kraft war die Exekutive, also die Regierung. Den Prozessbeginn legt McPherson auf den Juli 1862 fest.
All das ist mehr als befremdlich. Es ist ja richtig, das die Armee als Organ der Exekutive eine treibende Kraft war, aber dass die Regierung sämtliche Maßnahmen samt und sonders zurück gezogen hatte, steht ja auch fest. Um so unverständlicher wird das Urteil des Historikers, wenn er im selben Buch nur eine Seite später beschreibt, dass Präsident Lincoln im Juli 1862 immer noch seinen Stufenplan erzwingen wollte. Am 12. Juli, das ist ein Samstag, rief er die Abgeordneten der Grenzstaaten (Delaware, Maryland, Kentucky und Missouri) ins Weiße Haus und legte ihnen ein präsidiales Memorandum vor, dass zwei Drittel dieser Abgeordneten ablehnten. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass beide Häuser in der folgenden Woche (der letzten Woche der Sitzungsperiode) über das Zweite Konfiskationsgesetz abstimmen würden und wie an der eingangs zitierten Passage gut zu erkennen war, war man bereits deutlich weiter als der Präsident. Wo also war die Regierung die "treibende Kraft"?
Das ist das eine, das andere ist die zeitliche Einordnung des Beginns des Prozesses durch McPherson. Juli 1862 - und das ist sehr enttäuschend. Wie wir gesehen haben, gab es schon lange vor diesem Monat sowohl gesetzgeberische als auch militärische Maßnahmen, die eine klare Eskalation der Abolitionspolitik erkennen lassen. Es wird noch wilder, wenn McPherson seine Einschätzung begründet:
Im Juli beorderte Lincoln Halleck nach Washington, um ihn zum kommandierenden General der Armee zu ernennen. Eine der ersten Weisungen Hallecks an Grant, den Befehlshaber der Besatzungstruppen im westlichen Tennessee und in Mississippi, lautete: "Sie ergreifen alle aktiven Sympathisanten [der Rebellen] und halten sie gefangen oder expedieren sie hinter unsere Linien. Fassen Sie diese Leute schonungslos an und nehmen Sie ihr Eigentum zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit; [...] sie müssen endlich merken, dass jetzt Krieg ist." (McPherson, Für die Freiheit sterben)
General Halleck wurde am 11. Juli nach Washington beordert, diese Anweisung wurde nicht vor dem 23. Juli ausgegeben, dem Tage, an dem Halleck in sein Amt eingesetzt wurde. Hallecks Anweisungen nehmen dann ja auch direkten Bezug zu den Bestimmungen der Artikel 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8 des 2nd Confiscation Act, der am 17. Juli verabschiedet und auch durch Lincolns Unterschrift Gesetzeskraft erhalten hatte. Es hatte also einen Grund, WARUM die Armee ab Juli 1862 rabiater vorging, und das war der Gesetzgebung der Legislative zu verdanken, nicht jedoch einem wie auch immer gearteten Impuls des Präsidenten. Vor allem hatte dies nichts mehr mit der politischen Entwicklung zu tun, sie ist vielmehr Ergebnis einer Entwicklung und kann rein definitorisch als solche kein Ausgangspunkt für einen Prozess gelten, für den sie keinerlei Vorarbeiten geleistet hat.

Und damit komme ich zum letzten Punkt meiner oben genannten Kritik an McPherson - seiner Klassifizierung des Kongress-Gesetzes als Hinweis, als Nebensächlichkeit. Dafür muss ich die nach Meinung McPhersons viel bedeutendere Emanzipations-Erklärung untersuchen.


Confiscation Act und Emancipation Declaration im Vergleich

Um der Erklärung Lincolns im September 1862 eine politische Signifikanz zuzuweisen, müssen die Historiker ihre Wurzeln natürlich vorverlegen, und zwar vor das Datum der Verabschiedung des Konsfiskationsgesetzes. McPherson macht das so:
Als Lincoln am 8. Juli nach Harrisons Landing kam, überreichte ihm der General [General McClellan, Befehlshaber der Army of the Potomac] eine Denkschrift über die angemessene Art der Kriegführung. [Im folgenden beschreibt McPherson McClellans Opposition gegen die Abschaffung der Sklaverei] Noch drei oder vier Monate zuvor hätte er McClellan beigepflichtet. Inzwischen war er aber von der Notwendigkeit einer "erzwungenen Abschaffung der Sklaverei" überzeugt und hatte mit der Abfassung einer Proklamation über die Sklavenemanzipation begonnen. (McPherson, Für die Freiheit sterben)
Punkt eins: Wenn sogar der General seinen Präsidenten beschwört, nicht dem Drängen des Kongresses nachzugeben, dann ist wohl offensichtlich schon länger etwas im Busch. Wer führt die Attacke an, der Präsident oder der Kongress?
Punkt zwei: McPherson behauptet, Lincoln wäre bereits am 8. Juli auf der Seite des Kongresses und dessen Arbeit am Zweiten Konfiszierungs-Gesetz. Komisch, vier Tage später, am 12. Juli, versuchte der Präsident den Abgeordneten der Grenzstaaten noch etwas anderes zu verkaufen (siehe oben.)
Punkt drei: McPherson behauptet, Lincoln würde bereits selbstständig an einer Proklamation arbeiten. Dafür, verehrte Leser, gibt es keinen Beweis. Und McPherson belegt in keiner Fußnote, wie er zu dieser Einschätzung gelangt.

Es geht noch weiter:
Am 13. Juli - dem Tag, an dem er das Manifest der Grenzstaaten erhielt [die Ablehnung auf Lincolns Memorandum vom 12. Juli] - informierte der Präsident in einem privaten Gespräch Seward [Außenminister] und Welles [Marineminister] von seiner Absicht, eine Proklamation zur Sklavenbefreiung zu erlassen. (McPherson, Für die Freiheit sterben)
Wisst Ihr, worauf sich McPherson - und mit ihm Heerscharen von Geschichtswissenschaftlern - beruft? Auf eine Episode in Kapitel 2 von Welles "Diary of Gideon Welles". Das ist KEIN Sachbuch. Das ist nicht mal ein Tagebuch, wie der Titel nahelegt. Das ist eine Erzählung, Literatur, das ist so etwas wie ein Roman. Das Buch wurde 1911 herausgeben, und zwar von Edgar T. Welles, seinem Sohn. Und in der Einleitung beschreibt Edgar Welles ausdrücklich, dass er die Manuskripte seines Vaters "editiert" hat, bevor er sie veröffentlichte.
On Sunday, 13th July 1862, President Lincoln invited me [Gideon Welles], to accompany him in his carriage to a funeral of an infant child of Mr. Stanton. [Kriegsminister] It was on this ride that Mr. Lincoln first mentioned to Mr. Seward [der sich ebenfalls in der Kutsche befand] and to me the subject of emancipating the slaves by proclamation. This was, he said, the first occation, that he had mentioned the subject to anyone. (Edgar Welles, Diary of Gideon Welles)
Also bitte sehr, wie glaubhaft ist das? Abgesehen von der Quelle, die selber höchst "unwissenschaftlich" ist. Am Samstag, dem 12. Juli, versucht Lincoln noch seine Resolution vom April umzusetzen, und jetzt denkt er an eine eigene Proklamation? Und er erwähnt diese Tatsache eher beiläufig auf der Fahrt zu einer Beerdigung? Und dazu noch vor Welles und Seward gemeinsam? Wir wissen, und ich habe es bereits mehrfacht erwähnt, während der gesamten 5 Jahre der Regierungszeit Lincolns waren er und Seward praktisch unzertrennbar! Seward war in alle Gedankengänge des Präsidenten eingeweiht. Er war der einzige Minister, der Lincoln beinahe täglich aufsuchte. Ihn allein von allen Ministern beauftragte Lincoln mit zahlreichen Sonderaufgaben. Und jetzt sollen wir tatsächlich glauben, dass Lincoln und Seward bis zu diesem Tage noch nie über ein Thema gesprochen hatten, das seit Monaten Tagesgespräch in Washington war? Dessen Redebeiträge der Senatoren und Abgeordneten im Kongress ganze Bände füllte? Und dass so gut wie vor der Verabschiedung stand? Und dessen Artikel 13 den Präsidenten ausdrücklich dazu ermächtigte, eine Proklamation zu erlassen? Sollen wir tatsächlich glauben, dass weder Lincoln, noch Seward, noch Welles etwas von diesem Text in Artikel 13 wussten? Ich halte das, pardon, für Bullshit!
Bild
links: Edwin Stanton, William Seward, Gideon Welles
Mittel: Abraham Lincoln
rechts: Edward Bates, Salmon Chase, Lyman Trumbull
Lincoln wusste sehr wohl, was die Stunde geschlagen hatte. Aber anders als McPherson und all die anderen Historiker Euch weismachen wollen, war es NICHT seine Initiative, die zur Emancipation Declaration führte. Er traf sich im März, April, Mai und Juli mit Abgeordneten der Grenzstaaten. Er versuchte, sie zu überreden. Er redete ihnen ins Gewissen. Schließlich drohte er ihnen unverholen. Während der ganzen Zeit behinderte er die Arbeit des Kongresses zwar nicht, aber er nahm jede radikale Maßnahme der Armeeführung umgehend zurück. All das beschreibt McPherson recht ausführlich. Noch am 17. Juli 1862 trug sich Lincoln mit dem Gedanken, sein Veto gegen das Gesetz einzulegen! (Doch darüber schweigt sich McPherson aus.)
Lincoln himself had objections to the bill as it came to him. On July 17 he prepared a veto message that he intended to send to the Congress. (Aus den Erinnerungen von Senator Orville Browning von Illinois)

Therefore it was with great urgency that Mr. Lincoln asked Congress on July 14 the authorization of bonds to the states, to adopt a compensation emancipation program. (Marvin Cain, "Lincolns Attorney General: Edward Bates of Missouri")
Er wollte seine Politik lieber gemeinsam mit seinen Gegnern gestalten, doch als dafür keine Möglichkeit mehr bestand, schwenkte er auf Plan B um. Dieser Schluss liegt so klar auf der Hand, dass es mir unverständlich ist, wie ein logisch denkender Mensch zu McPhersons Urteil finden kann. Nein, Lincoln setzte sich später einfach an die Spitze der Bewegung, denn wie ging es weiter?

Am 17. Juli 1862 wurde das Gesetz, dass bereits am ersten Sitzungstag - dem 2. Dezember 1861 - vorgestellt worden war, im Repräsentantenhaus verabschiedet (der Senat hatte bereits am 28. Juni 1862 abgestimmt) und ins Weiße Haus übersandt. Dort berief Präsident Lincoln am 22. Juli eine außerordentliche Kabinettssitzung ein:
Am 22. Juli 1862 setzte Lincoln das Kabinett von seiner Absicht in Kenntnis, eine Proklamation zur Sklavenbefreiung zu erlassen, und bat um Stellungnahme. Als einziger war Montgomery Blair [Postminister] dagegen; er befürchtete, ein derartiger Erlaß würde die Republikaner bei den Herbstwahlen Stimmen kosten [wie, nachdem das Gesetz bereits in Kraft war? Was sollte die Lage denn noch schlimmer machen?] Außenminister Seward billigte zwar die Proklamation, riet aber zu einem Aufschub, "bis Sie sie der Nation auf dem Fundament eines militärischen Erfolgs präsentieren". [...] So legte er die Proklamation in die Schublade, um auf einen Sieg zu warten. (McPherson, Für die Freiheit sterben)
Das, verehrte Leser, ist Geschichtsfälschung der elegantesten Sorte. Merkt Ihr, wie McPherson die Worte "militärischer Erfolg" und "Sieg" vertauscht? Wenn es um militärische Erfolge ging, gab es keinen Grund, zu warten. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz waren die Armeen der Union konstant auf dem Vormarsch, hatten die Konföderierten wieder und wieder zurück gedrängt und mittlerweile ganz Tennessee außer Chattanooga und Knoxville, Louisiana bis Port Hudson und Mississippi bis fast nach Vicksburg unter ihrer Kontrolle. Sind das alles keine Erfolge? Aber ja doch - und das hat Seward auch gesagt. Von einem "Sieg" - also einer deutlich gewonnenen Feldschlacht, hat er nie gesprochen. Und Lincoln kann ihn auch nicht anders verstanden haben. Aber darüber hinaus, auch dieses Zitat geht auf eine Erzählung zurück: nämlich Francis B. Carpenters "Six Month at the White House" von 1866. Carpenter war Kunstmaler, von ihm stammt das Gemälde "First Reading of the Emancipation Proclamation", welches sich heute im Capitol befindet. Und was geschah wirklich auf der Kabinettssitzung?
July 21 1862, Monday: I [Salmon Chase, Finanzminister] received a notice, to attend a cabinet meeting at 10 o'clock. [...] I went in at the appointed hour and found that the president had been profoundly concerned at the present aspect of affairs and had determined to take some definite steps in respect of military action regarding slavery. He had prepared several orders [in Kürze: erstens, den Unionsarmeen bei ihrem Vormarsch zu gestatten, sich aus dem Land "zu bedienen"; zweitens, Sklaven, welche die Unionslinien erreichen, als Arbeiter innerhalb der Unionsarmeen einzustellen.] (aus den Aufzeichnungen von Salmon Chase, David Donald, Inside Lincolns Cabinet. The Civil War Diaries of Salmon P. Chase)
Beide Befehle entsprechen in ihrer Gänze Artikel 5 und 6 bzw. 11 des Confiscation Acts. Weiter führt Chase laut Donald aus, dass die Kabinettssitzung am 22. Juli fortgesetzt wurde.
The president was unwilling to arm slaves, but proposed to issue a proclamation on the basis of the confiscation bill [siehe Artikel 13] [...] warning the states of the rebels, that the provisions of the congressional act [dem Konsfiskationsgesetz] would have full force at the expiration of sixty days. [siehe Artikel 6] The president determined to leave this idea of the proclamation to some future consideration.
Und... nichts. Chase notierte keinen Einspruch Sewards am 22. Juli 1862, auf einen militärischen Erfolg, geschweige denn einen Sieg auf dem Schlachtfeld zu warten. Seht Ihr, was McPherson gemacht hat? Er hat Euch eine frei erfundene Geschichte präsentiert, garniert mit zweifelhaften Belegen, und hat die Fakten, die näher an der Wirklichkeit dran sind, einfach verschwiegen. Nun ja, ganz erfunden wurde eine Anmerkung seitens Sewards nicht, aber was sagte er:
On the July 22 the president read at a meeting of his cabinet the draft of a preliminary emancipation proclamation. In this document he proposed merely to notice that unless the rebels laid down their arms [...] he would issue a proclamation emancipating slaves within the enemies lines. [Ab jetzt ist eine Original-Handschrift abgebildet, nach Gorham ist es die Stantons] "The president proposed to issue an order declaring that all slaves of states in the rebellion are free. [...] Seward against it; argues strongly in favor of cotton and foreign governments." (George Gorham, Life and public services of Edwin M. Stanton)
Was meint Stanton damit? Nun, laut seiner Aussage (vorausgesetzt, seine Handschrift ist keine Fälschung), hat Außenminister Seward die Befürchtung geäußert, dass ausländische Staaten einer Befreiung der Sklaven ablehnend gegenüber stehen würden, weil dies gewaltige Auswirkungen auf die Baumwollproduktion der Südstaaten haben würde - auch nach dem Ende des Krieges. Warum? Weil die Vereinigten Staaten 1860, also vor Kriegsausbruch, 85% der Weltbaumwollproduktion stellten. Und die Textilindustrie der damaligen Zeit konnte nicht auf andere Fasern ausweichen. Gleichzeitig war der Textilsektor Mitte des 19. Jahrhunderts der dynamischste, der größte und wichtigste Industriezweig in England und Frankreich und beschäftigte mit Abstand die meisten Arbeiter. Seward fährt fort, dass er das mutwillige Aufgeben sämtlicher Beziehungen (wirtschaftlich und diplomatisch) zu England und Frankreich nach 60 Jahren Baumwollhandels nur dann als gefahrlos ansieht, wenn man der amerikanischen Öffentlichkeit im Gegenzug eine militärische Kompensation verkaufen könnte:
"Seward argues, foreign nation will intervene the abolition of slavery for the sake of cotton. [...] Wants to wait for troops, wants Halleck here, wants drum and fife [Querflöte, typisches Militärinstrument] and public spirit." (wieder in Stantons Original-Handschrift)
Versteht Ihr nun, um was es ging? Es ging nicht darum, auf einen militärischen Erfolg, geschweige denn einen Sieg zu warten, sondern die Auswirkungen des 2nd Militia Acts und der Wiedereröffnung der Anwerbebüros abzuwarten. Um die Armee zu verstärken, sollten die führenden europäischen Nationen infolge der allgemeinen Abschaffung der Sklaverei (und das ist praktisch das Resultat des 2nd Confiscation Acts) auf Seiten der Südstaaten intervenieren. Und noch einmal: das findet Ihr nicht bei dem Bürgerkriegspapst McPherson und auch bei sonst keinem der gefeierten Historiker. Weil das nicht die Geschichte ist, die sie Euch erzählen wollen. Geschichtswissenschaftler, quer durch die Bank, sind nämlich mehr "Geschichten" als "Wissenschaft". Und das hier klingt doch nicht mehr nach "Hallelujah! Wir befreien die Sklaven!" Das ist doch Realpolitik. Nichts, womit man eine Ikone wie Abraham Lincoln schmücken kann. Wie seht Ihr das?

Gut, damit ist bewiesen, dass erstens Lincoln Erklärung keinesfalls unabhängig von der progressiven Gesetzgebung des Kongresses war und das zweitens all die Vorgeschichte, die Ihr aus Lehrbüchern, dem History Channel oder der Wikipedia kennt, erfundener Quatsch mit Soße ist. Und jetzt stellen wir mal beide Dokumente, den Confiscation Act und die Emancipation Proclamation gegenüber und sehen uns an, was der praktische Unterschied sein soll, den Lincolns Erklärung angeblich zu so einem Meilenstein des Abolitionismus macht.
And be it further enacted, That all slaves of persons who shall hereafter be engaged in rebellion against the government of the United States, or who shall in any way give aid or comfort thereto, escaping from such persons and taking refuge within the lines of the army; and all slaves captured from such persons or deserted by them and coming under the control of the government of the United States; and all slaves of such person found on [or] being within any place occupied by rebel forces and afterwards occupied by the forces of the United States, shall be deemed captives of war, and shall be forever free of their servitude, and not again held as slaves. (Artikel 9, Second Confiscation Act, 17. Juli 1862)

I, Abraham Lincoln, President of the United States of America, and Commander-in-Chief of the Army and Navy thereof, do hereby proclaim and declare that hereafter, as heretofore, [...] that on the first day of January in the year of our Lord, one thousand eight hundred and sixty-three, all persons held as slaves within any State, or designated part of a State, the people whereof shall then be in rebellion against the United States shall be then, thenceforward, and forever free; and the executive government of the United States, including the military and naval authority thereof, will recognize and maintain the freedom of such persons, and will do no act or acts to repress such persons, or any of them, in any efforts they may make for their actual freedom. [...]

[Signed:] Abraham Lincoln
By the President
[Signed:] William H. Seward
Secretary of State

(Auszug aus der Emanzipations-Erklärung, 22. September 1862)
So, da habt Ihr die beiden essentiellen Abschnitte gegenüber gestellt. Es gibt einen Unterschied in der Formulierung: der Confiscation Act spricht von Sklaven, welche die Linien der Unionsarmeen erreichen, sei es durch Flucht oder sei es durch den Vormarsch der Truppen. Lincoln stellt diese eine Bedingung nicht, obgleich er darauf hinweist, dass es die Streitkräfte der Vereinigten Staaten seien, welche die Freiheit der befreiten Sklaven umsetzen und garantieren werden. Aber macht das einen Unterschied? Welcher Sklave, bitte sehr, auf den Baumwollfeldern in Alabama, wird durch seine Erklärung befreit? Welcher Sklave in den rebellischen Südstaaten wird überhaupt befreit, wenn nicht zuvor die Armee in eine bestimmte Kampfzone vorgerückt ist? Wie soll man sich das vorstellen - sollen Virginia oder Texas wegen dieser Ankündigung plötzlich die Waffen niederlegen? Nein, es macht keinen praktischen Unterschied. Sowohl das Gesetz des Kongresses als auch Lincolns Erklärung können nur durch die militärische Macht der Exekutive umgesetzt werden. Deshalb spielt es keine Rolle, ob alle Sklaven für frei erklärt werden, und dann nach und nach befreit werden, oder ob die bereits befreiten Sklaven zu freien Männer werden. In den Maßstäben und mit den Augen seiner Zeit betrachtet: ist Lincolns Erklärung tatsächlich etwas anderes? Nein, Präsident Lincoln setzt in seiner Erklärung Artikel für Artikel und Wort für Wort das Konsfiszierungs-Gesetz per präsidialer Proklamation in Kraft, d.h., er verkündet den Willen der Exekutive, dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Denn formell inkraft gesetzt wurde es durch Lincolns Unterschrift am 17. Juli 1862 bereits. Aber was hatte sich seither getan?
Fortsetzung folgt
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Beitrag von Aktivist »

Fortsetzung
Warum machte Lincoln von seiner Proklamation gebrauch?

Jetzt verlasse ich gewissermaßen das Feld der Fakten und Beweise und stoße tief in das Reich der Spekulation vor. Denn es gibt für das, was ich Euch anbiete, keinerlei Nachweis in den Primärquellen der beteiligten Personen. Zunächst stellt sich die Frage, hat der Präsident seit dem 17. Juli, als er das Gesetz durch seine Unterschrift formell in Kraft setzte, etwas dafür getan, ihm Geltung zu verschaffen?
The fate of Trumbulls [der New Yorker Senator, der das Gesetz ursprünglich eingebracht hatte] Second Confiscation Bill was like that of the first one. Lincoln, who did not believe that the bill was necessary, refused to enforce it. And Trumbull, whose main motive in pressing for bill was his conviction that if properly executed, it could free many slaves and hurt the rebel cause, was bitter over Lincoln's attitude. (Ralph Roske, His own Counsel: The life and times of Lyman Trumbull)
Senator Charles Sumner aus Massachussetts schrieb in einem Brief: "[...] There have been differences of opinion of policy - especially on Slavery. This was to be expected. But the Bill of Confiscation & Liberation, which was at last passed, under pressure from our reverses at Richmond, is a practical Act of Emancipation. [...]"

Tatsächlich war in den vergangenen Wochen nicht viel geschehen. Weder wurde großflächig Eigentum von Rebellen konfisziert, noch wurden viele Sklaven befreit. Am 14. August empfing Präsident Lincoln eine Abordnung freier Schwarzer und bedauerte ihnen gegenüber den breiten Widerstand - auch im Norden - der Bevölkerung gegen schwarze Menschen, seien sie Sklaven, vor allem aber seien sie freie Menschen:
Deshalb, so Lincoln müßten die Schwarzen in ein anderes Land emigrieren, wo sie bessere Chancen hätten. (McPherson, Für die Freiheit sterben)
Was geht da vor in Amerika? Nun, nach der Inkraftsetzung des Gesetzes kam es in vielen Teilen des Landes zu Ausschreitungen - auch mit Todesfolgen - gegen freie Schwarze. Die demokratische Partei machte sich den Unmut vieler Bürger zu nutze, um sich wieder eine politische Plattform für den Wahlkampf aufzubauen. Platt gesagt, Ihr Slogan war: "Keine freien Nigger in der Union!". Und wer waren die demographischen Gruppen, die am erbittersten gegen diesen Politikwechsel kämpften? Es waren die Bewohner der Grenzstaaten Kentucky und Missouri, es waren die Einwohner der Butternut-Gebiete des südlichen Nordwestens (West-Pennsylvania, Süd-Ohio, Süd-Indiana und Süd-Illinois) und es waren beinahe geschlossen alle irisch-stämmigen Einwanderer und ein großer Teil der deutschstämmigen Exilanten. Es waren aber nicht nur Politiker aus solchen Gebieten oder Politiker im Wahlkampf, welche sich zögerlich zeigten. Auch im Nordwesten und Nordosten sammelten sich nach einem kurzen Schrecken (die einen über die eigene Courage, die anderen über die Entschlossenheit der Abolitionisten) Gegner aus Politik, Wirtschaft und Finanzwesen. Und das war vielleicht einer der geheimen Hauptgründe: wohin hätten die befreiten Sklaven der Südstaaten wohl gehen sollen? Sie hätten kaum in ihrer angestammten Heimat bleiben können, wo sie täglich Gewalt ausgesetzt gewesen wären. Und sie wären wohl auch kaum in den ohnehin durch Einwanderer überfüllten Industriestädten des Nordens willkommen gewesen, wo sie jeden Mindestlohn locker um ein Drittel unterboten hätten. Nein, die einzige realistische Alternative wären die Weiten der westlichen Territorien gewesen. Aber dort wollte sie niemand haben! Dorthin sollten nach den Vorstellungen der amerikanischen Eliten die Millionen und Abermillionen europäischer Auswanderer siedeln, für die extra der Homestead-Act geschaffen worden war. Diesen konnten die Geschäftsmänner in Chicago, Boston oder New York alles verkaufen, vom Saatgut bis zur Hausratausstattung, was man für die Besiedlung des Westens brauchte. Denn es gab dort nichts! Aber diese Menschen wollten alles andere, nur nicht Seite an Seite mit Schwarzen leben. Das ist ein Teil der Wahrheit hinter der Geschichte. Und deshalb war Lincoln zögerlich (der immerhin in Kentucky geboren und Süd-Illinois aufgewachsen war), als es darum ging, das Gesetz des Kongresses mit all der Macht der Exekutive umzusetzen. Es gab vielleicht noch einen anderen Grund: Lincoln wäre der Erfüllungsgehilfe des Kongresses gewesen, und das war sicherlich nicht die Rollenverteilung, die er für sich und die Abgeordneten Washingtons im Sinn hatte. Nicht zuletzt gab es auch in der Armee Unruhe, vor allem bei den einfachen Soldaten. Und was sagt Lincoln selbst - lassen wir ihn zu Wort kommen:
"Mein oberstes Ziel in dem gegenwärtigen Ringen ist die Rettung der Union. Wenn ich die Union retten könnte, ohne auch nur einen Schwarzen zu befreien, würde ich es tun, und wenn ich sie nur dadurch retten könnte, dass ich alle Sklaven befreite, so würde ich es tun; und wenn ich sie dadurch retten könnte, dass ich einige befreite und andere nicht, würde ich auch das tun." (Lincoln in einem offenen Brief an seine Mitbürger am 22. August 1862, in McPherson, Für die Freiheit sterben)

"Aber was würde unter den obwaltenden Umständen, wo ich in den Rebellenstaaten nocht einmal der Verfassung Geltung verschaffen kann ... eine Proklamation zur Sklavenbefreiung mir nützen?" (Lincoln am 13. September 1862 zu einer Abordnung Geistlicher, in McPherson, Für die Freiheit sterben)
Das sind seine Originalworte. Und McPherson hält sie anscheinend für so wichtig, dass er sie in sein Standardwerk aufnimmt. Aber er fällt plötzlich wieder in seine alte Leier zurück.

Warum änderte Lincoln im September 1862 plötzlich seine Meinung? Hatte er, wie es McPherson nahelegt, auf einen Sieg auf dem Schlachtfeld gewartet? Nun, JA - aber nicht den, den McPherson meint, wenn er schreibt:
[...] und Mitte September befanden sich drei südstaatliche Armeen auf dem Marsch gen Norden, dem scheinbar sicheren Sieg entgegen. In den folgenden Wochen wichen die Konföderierten jedoch wieder südwärts zurück, ohne etwas ausgerichtet zu haben [...] und Lincoln hatte den Sieg, den er für seine Proklamation der Sklavenbefreiung brauchte. (McPherson, Für die Freiheit sterben)

[...] Im Weißen Haus wurde die Schlacht am Antietam ebenfalls als Sieg des Nordens verbucht. Sie machte die Hoffnung der Konföderierten auf Anerkennung durch England zunichte und führte dazu, dass Lincolns Proklamation zur Sklavenbefreiung früher abgegeben wurde. (McPherson, Für die Freiheit sterben)
Merkt Ihr das? McPherson macht zwei Dinge, erstens er nimmt den Fokus total weg von der Tatsache, dass bereits ein Gesetz zur Sklavenbefreiung in Kraft ist und zweitens, er versucht einen direkten Link zwischen der Schlacht am Antietam und Lincolns Deklaration zu ziehen. Letzteres mit der Geschichte "Wir brauchen einen militärischen Sieg" im Hintergrund. Aber das mit dem Sieg habe ich ja bereits entkräftet. Warum also die Proklamation? Nun, Mr. McPherson erklärt uns, dass Lincoln einen heiligen Eid geschworen hatte, dass er in dem Moment, wenn Lee's Army of Northern Virginia Maryland verlassen sollte, er es als Gottes Zeichen nehmen werde, die Sklaven zu befreien. Ich persönlich halte Lincoln nicht für so theatralisch, aber geschenkt. Die Lage in Maryland war bereits im Vorfeld der Schlacht am Antietam unter Kontrolle, als z.B. der Gouverneur von Pennsylvania den Präsidenten in Kenntnis davon setzte, dass die Kolonnen der Südstaaten, welche anscheinend seinen Staat bedrohten, wieder nach Süden marschieren würden und als die Army of the Potomac unter George McClellan in Schlagdistanz zu den Konföderierten stand. Die Schlacht am Antietam fand am 17. September statt. In der Nacht vom 18. zum 19. September hatte Lee den Potomac südwärts überquert. Das wäre dann doch die Gelegenheit gewesen, oder? Der Feind nicht mehr in Maryland, und ein Sieg auf dem Schlachtfeld obendrein..., aber das war nicht Lincolns Punkt.
Bild
Berichtigung: Bragg wartete vom 17.-19. September bei Munfordsville am Green River auf General Buells Army of the Ohio, bevor er Richtung Bardstown marschierte, um sich mit Kirby Smith zu vereinigen.
Über die Lage bei Sharpsburg war der Präsident recht gut informiert. Anders sah es in Kentucky aus. Zur damaligen Zeit dauerte es zwischen 5 bis 6 Tage, bis eine Nachricht aus Zentral-Kentucky nach Washington gelangt war. Einen Monat zuvor, am 28. August 1862, war eine südstaatliche Armee unter General Bragg von Ost-Tennessee aus nach Kentucky vorgestoßen, an den Unionslinien vorbei, und nur langsam durch die Army of the Ohio unter General Buell verfolgt. Am 17. September 1862 hatte Bragg Munfordville am Green River erreicht, sein Untergebener Kirby Smith stand bereits 113 Meilen nördlich in Lexington, wohingegen Buell noch bei Bowling Green am Gasper River verharrte. Bragg suchte nach der Gefangennahme der Garnison von Munfordville ein geeignetes Schlachtfeld und wartete mit seiner Armee drei Tage, vom 19. bis zum 22. September 1862, auf General Buell's Army of the Ohio. Doch Buell kam nicht. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Konföderierten beinahe die gesamte Osthälfte Kentuckys eingenommen. Sie hatten die Staatshauptstadt eingenommen. Sie schickten sich an, den alten Gouverneur von Kentucky wieder ins Amt einzusetzen. General Bragg erlässt einen Aufruf an die Einwohner des Staates, nunmehr von der Union abzufallen und ihm im Kampf gegen die Nordstaaten zu unterstützen. Präsident Lincoln im fernen Washington weiß nicht, dass Bragg damit keinen Erfolg hat. Er weiß nur eins: Bragg und Smith sind deutlich näher an Louisville oder Cincinatti als Buell. Er fürchtet nur eins, dass Bragg über Buell obsiegen könnte und dass die mühsam aufrecht erhaltene Kontrolle über den Staat, die erst ein Jahr zuvor unter den Stiefeln der Soldaten errichtet worden war, zusammen brechen würde. Das all die jungen Männer Kentuckys in Scharen zu den Konföderierten überlaufen würden. Und dass im Gefolge auch Tennessee wieder durch die Südstaaten zurück erobert werden könnte.

Und jetzt haltet Euch bitte noch einmal den Text der Emancipation Proclamation vor Augen und auch die Einschätzung, die Präsident Lincoln laut seinen Originalzitaten noch im August und Mitte September pflegte. Wer glaubt Ihr nun, sind die Rebellen, die Lincoln ausdrücklich warnt, sollten sie nicht bis zum 1. Januar 1863 den Widerstand gegen die Union beenden, würden infolge ihre Sklaven befreit werden? Ist das - und bitte beachtet den zeitlichen Kontext - auf Virginia oder South Carolina gemünzt? Wo der Präsident keinen Einfluß hat? Oder ist das nicht vielmehr eine Warnung an die Bevölkerung Kentuckys: wenn Ihr zur Konföderation überlauft, seht Ihr Euch plötzlich Seite an Seite mit freien Schwarzen! Denkt bitte an den Rassismus, der sich nach dem Zweiten Konfiskationsgesetz besonders in Gebieten der gleichen demographischen Zusammensetzung wie Kentucky seine Bahn brach. Kann man nicht davon ausgehen, dass die Einwohner Kentuckys, die nun seit einem Jahr die Effizienz der Militärverwaltung der Nordstaaten am eigenen Leibe erlebt hatten, diese Warnung ernst nehmen würden? Und da kommt auch noch einmal der Text in Lincolns Deklaration zur Sprache:

Das Zweite Konfiskationsgesetz gilt ausdrücklich nur in den rebellischen Bundesstaaten innerhalb der Kampfzonen, welche von der Armee kontrolliert werden. Warum? Weil der Kongress nicht einfach die Verfassung umschreiben kann. Er hat kein Recht, einem unionstreuen Sklavenhalterstaat wie Kentucky oder Maryland die Sklaverei zu verbieten. Aber Lincoln kann etwas anderes, und das drückt er in seinem Eingangssatz aus: er stellt nicht nur seine Autorität als Präsident der Vereinigten Staaten, und damit Regierungsoberhaupt sowie Hüter der Verfassung hinter die Proklamation, sondern auch seine Autorität als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, und damit das als einziges Regierungsorgan befugte, Kriegsrechtsmaßnahmen einzuführen. Als Präsident muss er sich an die Verfassung halten. Aber der Krieg gegen einen exterritorialen Feind - und egal was Lincoln mitunter sagt, die Südstaaten sind de facto unabhängig und eigenständig - kann seine Befugnisse um Maßnahmen des allgemeinen Kriegsrechts erweitern, unter anderem auch um die Beschlagnahmung von Eigentum. Und Sklaven sind nach der damals geltenden Rechtsauffassung Eigentum. Wenn Kentucky von der Union abfallen sollte, wäre es nicht länger durch die Verfassung geschützt und unterläge damit der selben Gesetzgebung des Konsfiszierungs-Gesetzes, wie die anderen Rebellenstaaten auch. Und das wussten die Einwohner Kentuckys: als Frontstaat und mit noch einer starken Unionsarmee inmitten ihres Herzlandes, wären sie schon bald wieder unter der Kontrolle der Union. Diesmal aber nicht als Partner, sondern als Unterworfene. Und müssten Seite an Seite mit ihren befreiten Sklaven leben, während sich die Unionsarmeen entschädigungslos an ihrem Eigentum bedienen dürften. Ihr findet diese Interpretation der Emancipation Proclamation nicht in den Geschichtsbüchern. Ich halte sie jedoch für weitaus realistischer als die herzerwärmende Story von McPherson und Co.


War die Emanzipations-Erklärung rechtmäßig?

Das ist der schwerste Punkt dieser Argumentation und er fällt mir nicht leichter, da ich kein Jurist oder Politikwissenschaftler bin. Ich will mich der Frage also Schritt für Schritt nähern. Praktisch ist die Emancipation Proclamation nichts weiter als die Umsetzung der Exekutive eines von der Legislative erlassenen Gesetzes. Die erste Frage also sollte sein, ist der Second Confiscation Act rechtmäßig?

Nun, schauen wir uns inbesondere Artikel 9 - in welchem die Sklaven von Rebellen befreit werden - und Artikel 6 - in welchem das Eigentum von Rebellen beschlagnahmt wird - an. Hat der Kongress das verfassungsmäßige Recht dazu? Was das Eigentum angeht, gibt die Verfassung solches Recht nicht her. Allerdings spricht der Kongress explizit von Personen, die sich an der Rebellion beteiligen oder diese unterstützen. Insofern nimmt er Bezug auf den First Confiscation Act vom August 1861. Und er ist als Maßnahme außerhalb des Einflusses der Verfassung zu sehen. Was meine ich damit? De facto sind die rebellischen Staaten unabhängig. Sie haben sich rechtmäßig, d.h. im Einklang mit dem Recht auf Revolution und dem Recht auf unabhängige Regierungsvertretung, von der Union losgesagt. Sie haben eine eigene Regierung gebildet. Sie haben Repräsentanten des Volkes, welche die Angelegenheiten der Bürger vor der Regierung vertreten. Sie haben eine eigene Verfassung, die im übrigen in nahezu allen Punkten deckungsgleich mit der Verfassung der Vereinigten Staaten ist. Sie treten im Außenverhältnis zu anderen Staaten als eigenständige Nation auf. Und sie haben eine eigene Armee, und damit eigene Vollzugsorgane der Exekutive. Sie sind nicht mehr Subjekt der ursprünglichen Verfassung. Damit gelten die Rechte, welche die US-Verfassung ihren Bürgern gegenüber dem Staat garantiert, nicht mehr für sie. Statt dessen tritt als übergeordneter Rechtskörper das Völkerrecht und als spezieller Teil davon das allgemeine Kriegsrecht im Verhältnis zwischen Nord- und Südstaaten in Erscheinung.

Wenn ich sage Völkerrecht oder allgemeines Kriegsrecht, muss ich voraus schicken, dass es zu dieser Zeit keinen festen Gesetzeskodex gab. Wohl aber existierte ein Gewohnheitsrecht, d.h. ein von den Staaten (des Westens) allgemein anerkanntes Set an Regeln und Vereinbarungen, auf das man sich zum Beispiel bei bilateralen Verhandlungen oder Friedensverträgen berief. Wie etwa auf dem Wiener Kongress. Oder bei dem Friedensvertrag von Paris zwischen dem britischen Empire und den jungen Vereinigten Staaten von Amerika. Existiert also nach allgemeinem Kriegsrecht die Befugnis, dass ein kriegführender Staat den Bewohnern eines anderen Staates - auch Zivilisten - deren Eigentum konfiszieren kann? Ja, aber nur in dem Maße, wie besagtes Eigentum zum Zwecke der Kriegführung benötigt wird. Danach ist besagtes Eigentum entweder zurück zu geben oder dessen Wert zu erstatten. Der Second Confiscation Act ermächtigte den Präsidenten in Artikel 7, entsprechende Bundesmittel für Entschädigungen im Haushalt bereit zu stellen, außerdem wurden im selben Artikel die Gerichtsstände benannt, vor denen mögliche Kläger Ihr Recht einfordern könnten, in dem sie z.B. den Nachweis erbrachten, unionstreu zu sein und keine Angehörigen der Rebellion. Es ist ein politischer Kunstgriff, einerseits Personen als Rebellen (sprich Landesverräter) zu bezeichnen, Ihnen andererseits aber die Tür für eine Rückkehr zur Union offen zu halten und damit auch die Rückkehr zur Gnade der Verfassung. Lincoln wusste das. Er war selbst Anwalt, und zwar kein schlechter!

Was die Sklavenfrage angeht, wird es noch komplexer. Die bisherige Gesetzgebung orientierte sich eng am allgemeinen Kriegsrecht bzw. den Termini der Verfassung. Beim ersten Konfiskationsgesetz beispielsweise wurden Sklaven als "Konterbande", "Kriegsbeute" bezeichnet, allerdings nur solche Sklaven, die tatsächlich in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Krieg standen. Es betraf also nur Sklaven, die in den Armeen der Südstaaten eingesetzt wurden oder die in kriegsmittelbaren Industrien dienten oder die kriegsrelevante Tätigkeiten (z.B. Verteidigungsanlagen ausheben) unternahmen. Als gemäß der Verfassung definiertes Eigentum durften sie im Einklang mit dem Kriegsrecht beschlagnahmt werden und ihre Herausgabe an die rechtmäßigen Eigentümer mit Verweis auf den Kriegsnutzen dieses Eigentums verweigert werden. Aber das war ja nicht mehr Fall. Nunmehr sind die Sklaven aller Rebellen, egal was diese Sklaven zum Nutzen des Krieges beitragen, in dem Moment befreit, in dem sie die rettenden Linien der Armee erreichen. Mehr noch, Artikel 9 verbietet ausdrücklich, diese Sklaven wieder in die Obhut ihrer Herren zu geben, selbst wenn diese nachweisen sollten, dass sie unionstreu waren und das keinerlei Kompensation für den Verlust geleistet werden würde.

Nun, auch hier gilt wieder die erste Einschränkung: die Rebellen sind qua Definition ihres Status und qua Eigendefinition ihrer Regierung nicht mehr Subjekt der US Verfassung. Im Rechtsverhältnis zwischen den Bürgern der Konföderierten Staaten der Amerika und den Vereinigten Staaten von Amerika tritt nicht die Legislative der letzten in Erscheinung, sondern deren Exekutive. Die nächste Frage also ist, hat der Präsident der Vereinigten Staaten das Recht, die Sklaven der Rebellen zu befreien? Dafür spielt die Verfassung zunächst keine Rolle. Denn sie ist primär die im Innenverhältnis der Vereinigten Staaten existierende Rechtsnorm zwischen Regierung und Volk. Im Außenverhältnis obliegt es dem Präsidenten als Commander-in-Chief der Streitkräfte und als Vertreter des Staats, alle Maßnahmen zu ergreifen, um sein Staatsvolk zu schützen, ergo den Krieg zu gewinnen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten erhebt keinerlei Einspruch gegen präsidiale Maßnahmen, solange nicht der Kongress durch Gesetzesvorhaben widerspricht. Und das hat der Kongress nicht getan, im Gegenteil, die Gesetzesinitiative geht von ihm selbst aus und der Präsident wird lediglich beauftragt, die Instrumente der Exekutive im Sinne des Gesetzes einzusetzen. Somit handelt der Präsident nicht gegen die Verfassung.

Aber auch das ist nicht von Belang, denn zwei wichtige Fragen müssen geklärt werden: Erstens, ermächtigt das Kriegsrecht die Regierung eines kriegführendes Staates, die Sklaven eines anderen Staates zu befreien. Zweitens, wenn die rebellierenden Bundesstaaten zur Union zurück kehren und damit wieder den Schutz der Verfassung genießen, was hat eine endgültige Befreiung ihrer Sklaven ohne Entschädigung für eine Rechtswirkung? Will sagen, kann nicht der Staat Mississippi gegen die Regierung auf Grundlage der US Verfassung klagen und zum Beispiel die Rückübereignung seiner Sklaven verlangen?

Zur ersten Frage - existiert ein Gewohnheitsrecht, welches die dauerhafte Befreiung von Sklaven legalisiert - ist zu sagen, dass ein solches Recht 1862 NICHT existierte. Im Gegenteil: sowohl im Unabhängigkeitskrieg als auch im Krieg von 1812 gegen England befreiten die Briten Sklaven von den Plantagen der amerikanischen Sklavenhalter und erklärten diese für alle Zeiten frei. Beide Male erhob die amerikanische Regierung in den Friedensverhandlungen Einspruch gegen diese Praxis und vertrat die - letztlich unbedeutende - Rechtsauffassung, dass der Status dieser Sklaven, obwohl faktisch für alle Zeiten befreit, nicht durch die britische Regierung verändert wurde.

Zur zweiten Frage: während im Confiscation Act nur von bestimmten Personen gesprochen wird, welche sich an der Rebellion beteiligen oder diese unterstützen, spielt dies in der Proclamation keine Rolle mehr. In ihr ist es völlig egal, ob die Sklaven einem Rebellen oder einem unionstreuen Besitzer gehören. Entscheidend ist, dass dieser Besitzer mit seinen Sklaven in einem Staat lebt, welcher sich der Union durch bewaffneten Widerstand widersetzt. Das stellt die Sklavenbesitzer dieses Staates, sollte er eines Tages zurück zur Union kommen, fundamental schlechter als die Sklavenhalter in den unionstreuen Sklavenstaaten: Maryland oder Delaware beispielsweise. Die Verfassung lässt solche Ausnahmen aber nicht zu. Hat der Präsident das Recht, ist er legitimiert, sowohl den Rechtsrahmen der Verfassung, als auch den Rechtsrahmen des Völkerrechts zu überschreiten?

An dieser Stelle kommen wir nicht weiter, ohne eine neue (alte) Feststellung zu machen. Der Präsident als Führer der Nation handelt durch seine Proklamation zwar Oberhaupt der Exekutive, aber er setzt nur das um, was der Kongress, was die demokratisch gewählten Vertreter der Nation beschlossen haben. Und seine Armee, mit welcher er das Gesetz in praktisches Recht überführt, ist als Freiwilligenarmee, deren Finanzierung, Ausrüstung und Aufstellung dem Kongress und den Bundesstaaten obliegt, in Wahrheit die Armee des Kongresses - dessen Instrument. Ist also die Volksvertretung einer Nation berechtigt, Ihrer Regierung Kompetenzen zuzuweisen und Aufgaben aufzuerlegen, welche den Rechtsrahmen der Verfassung und den Rechtsrahmen des Völkerrechts überschreiten?

Die erste Teilantwort ist: Ja! Die Konföderierten sind ein juristisch ein Rechtsgebiet außerhalb der Verfassung und sind wie jeder Staat, der Krieg gegen einen anderen führt, Subjekt von Eroberung und Unterwerfung. Was die zweite Frage angeht, ist das Völkerrecht in diesem Punkt nicht abschließend. Nicht umsonst gibt es das Konzept eines "gerechten Krieges" - wenngleich sich gerechter Krieg nach heutiger UNO-Definition auf Verteidigungskriege beschränkt. Man kann aber sicherlich argumentieren, dass eine Nation, welche sich in einem merkwürdigen Zwitter zwischen Bürgerkrieg und bilateralem Krieg befindet, und deren Verfassungsorgane für sich in Anspruch nehmen, für alle Einwohner (dieser beiden Staaten) zu handeln und ihre Rechte zu sichern - ergo auch den Sklaven Recht zu verschaffen - gerecht handelt, wenn diese Nation die Sklaven des anderen Landesteils für alle Zeiten befreit erklärt. Die Legitimation entspringt aus dem Anspruch, immer noch als einzig legitimierte und legale Vertretung des GESAMTEN Staatskörpers zu agieren, auch wenn sich Teile davon in Rebellion zur Bundesregierung befinden.

So ist die letzte Frage: was passiert mit den befreiten Sklaven, wenn ihre Staaten wieder zur Union zurück kehren?
Lincoln's handling of the emancipation demonstrates his concentric legal and political grasp of issues. The problem was prodigious. Nothing in the constitution authorized the Congress or the president to confiscate property without compensation. [...] When the time came for the final Emancipation Proclamation on January 1, 1863, Lincoln determined that his act was a war measure taken as Commander-in-Chief to weaken the enemy. Thus, the justification for emancipation rested on war power. (Harold Holzer, The Emanzipation: Three views)
Der Präsident selbst befürchtete die verfassungsrechtlichen Implikationen des Gesetzes und tat im folgenden was er konnte, um den praktischen Umfang so gering wie möglich werden zu lassen. In seiner endgültigen Emanzipations-Erklärung vom 1. Januar 1863 nahm er ausdrücklich alle sklavenhaltenden Staaten der Union sowie die bereits befreiten Gebiete der Südstaaten in Tennessee, Louisiana und einigen weiteren Staaten von den Auswirkungen der Proklamation aus. Erst weit in 1863 wies er seinen Generalsstaatsanwalt (und Justizminister) Bates an, den Apparat der Strafverfolgungs- und Rechtsbehörden auf die Konfiszierungen von Rebelleneigentum unter dem Gesetz vorzubereiten. Das selbe gilt für die Armeen, wohl erhielten sie bestimmte Rechte, diese ergaben sich aber aus der Kriegsgewalt der Exekutive selber und nicht aus dem Gesetz. Sklaven wurden bis Ende 1863 kaum befreit, die meisten erst ab 1864. Und selbst zu diesem Zeitpunkt zögerte der Präsident, das Gesetz in vollem Umfang und für alle Zeiten anzuwenden. Bis 1865 erließ er mehrere Amnestien für Rebellenangehörige, um ihnen die Last des Gesetzes zu ersparen. Während der kurzlebigen und schließlich erfolglosen Friedensverhandlungen zu Jahresanfang 1865 machte der Präsident der Delegation der Südstaaten gegenüber den Vorschlag, die Eigentümer von Sklaven bis zu einem gewissen Wert (15% bezogen auf den Buchwert von 1860) aus Bundesmitteln zu entschädigen. Tatsächlich war es erst die drängende Frage des Jahres 1864, als sich abertausende Sklaven hinter die Linien der Union in Sicherheit brachten, welche das Thema ganz nach vorne auf die politische Tagesordnung setzte. Lincoln machte Wahlkampf mit dem Versprechen, eine legale Verfassungsänderung über den Status der Sklaverei zu verfolgen. Nach seiner Wiederwahl ging er das Thema anfangs vorsichtig, später jedoch immer energischer an. Schließlich gelang es ihm auf diese Weise, die Sklaven tatsächlich und auch juristisch einwandfrei zu befreien: In beiden Kammern des Hauses stimmten die Vertreter des Volkes und der Staaten für den 13. Verfassungszusatz, welcher die Sklaverei ein für alle mal abschaffte, und in den Staatsparlamenten ratifizierten ihn genügend Parlamentarier, dass er als Verfassungszusatz in Kraft treten konnte, und damit alle älteren, anders lautenden Bestimmungen aufhob. Aus heutiger Sicht spielt es keine Rolle mehr, dass zahlreiche Abgeordnete im Zuge des politischen Tauziehens bestochen oder korrumpiert wurden, dass Gesetze geschaffen wurden, welche die Opposition in ehemaligen Südstaaten ausschalteten. Denn kein Staat zog sein Votum, nachdem er die volle Souveränität wiedererlangt hatte, zurück.

Und das ist vielleicht auch die Antwort auf die letzte Frage: Nein, Lincoln war nicht davon überzeugt, dass sich das Gesetz vor der alten Verfassung nach dem Kriege rechtfertigen ließ. Und beschritt daher den einzig legalen - und rechtsstaatlichen Weg.


Gez.

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Beitrag von Jörg von Frundsberg »

Werter Aktivist ich möchte euch danken für den tollen AAR und für eure ganzen Mühen und Anregungen !! jetzt hasse ich Lincoln und die Union noch mehr :D ;) wo bleiben den die ganzen Yankeefreunde hier ?? seit es schlecht steht meldet sich hier keiner mehr , alles Proletarier und Lumpenpack diese Leute aus dem Norden :tongue:
Leider kann ich euch nicht reppen , schade für die ganze Arbeit solltet ihr einen Preis bekommen !!
Merde perdu encore ! letzte Worte des Marquis Montcalm bei der Schlacht bei Quebec 1759
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Beitrag von Hohenlohe »

Was ist an der Sklavenbefreiung so schlecht, dass man Lincoln dafür hassen müsste. Dieser war ein Kind seiner Zeit bzw. ein Mann, der unter schwierigen politischen Verhältnissen lavieren musste um den Krieg zu gewinnen.
Zugegeben, er hat durcch seine ständigen Einmischungen in die Stabsarbeit McClellans diesen desavuiert, ihn praktisch massiv behindert. Aber ihm sassen die Medien ständig im Nacken, da wurde er zum Gejagten, weil damals Politik in diversen Salons gemacht wurde, war es umso problematischer. Die unionstreuen Sklavenhalterstaaten Maryland, Delaware und später Kentucky mussten in der Union gehalten werden, damit ein Sieg über den Süden nicht gefährdet wurde. Die Verluste waren so horrend, dass Kriegsfreiwillige nur noch unter den Einwanderern gewonnen werden konnten, da die übrige Bevölkerung kriegsmüde wurde. Lincoln wusste es einfach nicht besser und er machte das für ihn Beste daraus.

herzliche grüsse

Hohenlohe... :smoke:
In memoriam Stauffenberg, jota und CJ...
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Beitrag von Aktivist »

Der "Hohe Lohe" hat nicht ganz unrecht. Es geht mir im letzten Artikel auch wirklich nicht um Lincoln-Bashing. Ganz im Gegenteil - wenn es nach Radikalrepublikanern wie Thaddeus Stevens aus Pennsylvania gegangen wäre, wäre die Sklaverei nicht 1865 beendet worden. Entweder weil niemals genügend Stimmen für eine Verfassungsänderung zusammen gekommen wären, oder weil die Südstaaten einer nach dem anderen gegen die Regierung vor den High Court gezogen wären. Nein, Lincoln hat richtig gehandelt - hat staatsmännisch und mit all dem juristischen und politischen Sachverstand, welcher ihm innewohnte, gehandelt. Was ich anprangere, ist der Heiligenschein der sogenannten Geschichtsforschung um den Mann. Meine Meinung: Geschichtsforschung ist Geschichtsfälschung - und das schließt auch (und insbesondere) die deutsche Geschichte ein!
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Hohenlohe
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Beitrag von Hohenlohe »

Geschichte wird in der Regel von den Siegern geschrieben, daher kann ich euch völlig zustimmen, werter AKTIVIST. Geschichtsforschung kann sehr wohl Geschichtsverfälschung sein, insbesondere was die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts anbelangt. Ich denke dabei an den ersten Weltkrieg...

herzliche grüsse

Hohenlohe... :smoke:
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Beitrag von Aktivist »

Admiral Hipper hat geschrieben:Kopf hoch werter Aktivist. Auch Chuck Norris war in dieser Szene schon besiegt, aber...
:D
Wenn ich doch nur wie Chuck wäre :engel:
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Beitrag von Aktivist »

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New York, 15. Dezember 1862 - Die Fronten frieren ein
Das Jahr 1862 neigt sich seinem bitteren Ende entgegen. Washington letzte Verteidiger haben schließlich aufgegeben und die Moral des Nordens ist so tief gesunken, wie niemals zuvor. Auf der anderen Seite schwimmen die konföderierten Staaten auf einer Welle der Zuversicht. Ab diesem Zeitpunkt tickt die Uhr für mich rückwärts, denn die Kapazität meiner Wirtschaft ist stark gesunken und auch die Anzahl der Kriegsfreiwilligen hat sich um ein Viertel verringert. Da ich momentan keine Möglichkeit dafür sehe, den Lage durch eine schnelle Rückeroberung Washingtons zu bereinigen, werde ich mir für das kommende Jahr etwas anderes ausdenken müssen.
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Ich glaube kaum, meine Moral auf dem Schlachtfeld zurück zu erlangen, denn dafür ist die Performance meiner Kämpfer mittlerweile zu schlecht. Für das erste kann die Devise also nur lauten, die Wirtschaftskraft des Feindes zu schwächen, ihm keinerlei Ansatzpunkte mehr zu liefern (wie das gehen soll?) und auf ein großes Wunder zu hoffen.


Die Lagebeurteilung beginne ich diesmal in Louisiana: der Flottenvorstoß war erfolgreich, auch wenn es zu keiner Seeschlacht kam, da sich der Gegner immer noch im Hafen von Baton Rouge befindet. Doch die Lage ist hier mittlerweile sehr ernst. Armistead hat zwei neue Panzerschiffe fertig gestellt, drei weitere lungern in der Gegend von Memphis herum und noch einmal drei sichern die Hafeneinfahrt von Mobile. Ich bin noch am rätseln, ob ich die Reserveflotte aus Cairo nach Süden verlegen soll und wie ich das am besten anstelle - bei all den Küstenschutzbatterien, welche der Gegner entlang des Mississippi stationiert hat. Zusätzlich bedrängt mich ein Vorstoß seiner Verteidigungstruppen:
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BGen. Taylor ist mit Doles Division nach West Baton Rouge übergesetzt, wo ich eigentlich in diesem Zug eine starke Garnison errichten wollte. Wenn er sich dort eingräbt - und das wird er todsicher machen - ist die Bewegungsfreiheit meiner Flotte ein für alle Mal dahin. Ich sehe aber auch keine Möglichkeit, ihn aus dieser Stellung per Kampf zu vertreiben. Dafür ist das Sumpfgelände einfach zu ungeeignet - und ich müsste schon mit vierfacher Übermacht antreten, um dann trotz hoher Verluste einen zweifelhaften Sieg zu erlangen.

Befehlsausgabe:
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CWO Rawoll
, die Flotte soll vorerst die Position halten. Ich bin mir sicher, dass RAdm. Buchanan auslaufen wird. Wir wollen ihm noch einmal schwere Verluste zufügen, bevor wir uns auf reine Verteidigungsmaßnahmen beschränken müssen. Wir müssen wachsam bleiben, selbst wenn der Feind im Hafen bleibt. Denn es gilt evt. auch die Bewegung von feindlichen Landstreitkräften über den Fluss zu behindern. Der Commander der USS Neosho hat doppelte Ausgucks und Deckswachen angeordnet. Ihre Aufgabe ist es, die eingeteilten Seeleute zu überwachen. Nachlässigkeit oder Müdigkeit werden nicht geduldet!

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Col. Cfant, der Vormarsch auf Harrisonburg blieb leider im Schneetreiben liegen. Es scheint, als wäre Smith' Division zuerst in die völlig falsche Richtung abmarschiert. Laut seiner Aussage hätte er mindestens noch einen Wochenmarsch vor sich. Da das Ziel der Attacke nun offen liegt und sich Stuart auf seine Basis zurück gezogen hat, sieht General Butler keinen Vorteil mehr in dem Vorstoß. Für's erste können Sie Ihre Zelte in Sumners Korps daher abbrechen und sich wieder zum Armeestab begeben. Der General bricht bereits nach Berwick an der Golfküste auf, sie sollten daher ein gutes Pferd satteln, wenn Sie ihn noch erreichen wollen. Unterwegs können Sie sich ja schon einmal Gedanken über die Lage und alternative Operationen machen. Der General ist pessimistisch: "Wenn Taylor in West Baton Rouge bleibt, können wir hier einpacken!"



In Westen löst sich McCall mit seiner Division von Dallas und stößt nach Zentral-Texas vor. Eventuell muss er hier zum Schutze zurück bleiben. In Arkansas ist der bekannte Kavalleriegeneral Forrest nach Little Rock geritten. Ich rechne damit, dass er demnächst in Tennessee auftauchen wird. In Tennessee selber leisten Watie's Indianer wieder einmal ganze Arbeit. Drei Gleisabschnitte der Cumberland-Nashville Railroad haben sie unbrauchbar gemacht und sich einem Abfangversuch von Pleasontons Kavalleriedivision entzogen. Ich bin zwar skeptisch, aber vielleicht gelingt es mir ja in dieser Runde, ihn zum Kampf zu stellen. Noch eine schlimme Neuigkeit: in Wisconsin sind drei weitere Indianerstämme aufgetaucht. Zur Zeit sind Milizregimenter unterwegs, um die wichtigen Depots Illinois' bei Chicago, Tolono und Quincy zu sichern.
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Befehlsausgabe:
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Maj. Hohenlohe
, das Haupquartier benötigt genauere Informationen über die in Nord-Mississippi lagernden Feindverbände. McCook soll daher ostwärts nach Fulton am Tombigbee River reiten. Sie müssen ein Regiment zurück lassen, welches langsam nach Süden reiten soll, um im nächsten oder übernächsten Zug die Stärke des Feindes bei Montgomery AL zu erkunden. General Halleck stellt Ihnen für den Vorstoß ein Regiment US Infantry zur Verfügung, welches die Einnahme der Stadt Fulton sicher stellen soll.



In Süd-Virginia ist der Feind passiv - kein Wunder, hat er doch nicht weniger als zehn Divisionen im Norden konzentriert. Doch leider können diese Einheiten in jedem Augenblick per Eisenbahn nach Süden befördert werden. General McClellan geht daher nur vorsichtig nach vorne:
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Befehlsausgabe:
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Lt.Col. Invictus
, MGen. Sherman und Sie müssen die rechte Flanke halten, während MGen. Howard links von Ihnen Position beziehen wird. McClellan wird mit einer Reservedivision die rückwärtigen Räume der Kampfgruppe absichern. Petersburg ist sicher kein geeignetes Ziel, solange der Gegner jederzeit schwere Einheiten dort stationieren könnte. Aber falls der Weg nach Süden - Richtung Garysburg - frei sein sollte, und Verstärkungen aus Annapolis abgezogen werden könnten, böte sich ein Zangenmanöver mit McClellans Armee und einer kombinierten Seelandung bei Wilmington an. Ihre Aufgabe: sorgen Sie dafür, dass die Linien Ihrer Division nach Westen verlängert werden, bis sie auf die Einheiten Howards treffen. Ach ja, außerdem soll Winfield Hancock zu Ihnen stoßen, um Sherman von der Last seines Divisionskommandos abzulösen. Sie können ja schon einmal die Übergabe vorbereiten.
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Befehlsausgabe:
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Lt.Col. Longstreet
, Sie können Weihnachten und Neujahr ganz entspannt in Maryland verbringen. Außer Schanzarbeiten für Ihre Pioniere kommt nur "ein wenig" Personalkram auf Sie zu: Frémont's Artilleriezug von vier Batterien wird vorübergehend Ihnen unterstellt werden, da der General das Kommando an U.S. Grant übergibt und sich in Boston auf ein neues Einsatzgebiet vorbereiten soll. Das Kriegsministerium hat beschlossen, Grant kommissarisch den Oberbefehl über alle Truppen in Maryland zu übertragen. Sie sollten es sich aber nicht zu gemütlich machen - im Januar geht es wieder nach Tennessee!
Trotz der hohen Truppenkonzentration des Gegners rechnet der Generalstab vorerst nicht mit feindlichen Aktionen. Der General hat daher Urlaubsroutine ausgerufen. Als Artilleriechef der Armee bedauere ich sie schon einmal: Sie dürfen demnächst die Urlaubsanträge der Kanoniere von 48 Batterien durchgehen. Mein Beileid!



Ein erneuter Angriffsversuch auf Washington wäre zwar wegen dem überraschend guten Wetter dort eine Möglichkeit gewesen, aber außer noch mehr Leichensäcke hätte er mir wohl nichts eingebracht. Ich werde daher in dieser und der nächsten Runde meine Streitkräfte umgruppieren. Vier Divisionen werden sich jetzt per Flotte in Bewegung setzen, drei weitere in der nächsten Runde. Außerdem habe ich einige der Batterien, die letzte Runde nicht produziert wurden, erneut in Auftrag gegeben. Des weiteren werden genug Brigaden aufgestellt, um zwei Divisionen, die bislang nur aus Rumpftruppen bestehen, aufzufüllen sowie eine neue Rumpfdivision zu gründen. BGen. Stoneman eilt schon einmal nach Boston, wo er seine neue Kavalleriedivision mustern soll. Außerdem beantrage ich zwei weitere Transportgeschwader für die Hochseeflotte und zwei Nachschubeinheiten für die Armee.

Das Zeitfenster für Aktionen ist sehr eng: zur Zeit hat der Gegner zehn Divisionen am Potomac konzentriert, sechs bis acht in Nord-Mississippi und vier in Arkansas. Armistead wird nicht nur viele neue Divisionen aufstellen, sondern auch seine Streitkräfte besser verteilen. Bereits seit letzter Runde hat er damit begonnen: General Beauregard und insgesamt vier südstaatliche Divisionen sind "verschwunden". Ein Teil davon wird sicherlich in Virginia auftauchen, 2-3 werden einem anderen Zweck zugeführt. Wenn ich einen Schwachpunkt finden möchte, muss ich dies schnell tun. Bis auf die Ziehung der Blockadeoption unternehme ich in dieser Runde nichts. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt Freiwillige anwerben, Steuern erheben und neue Truppen aufstellen, denn meine Moral ist eh schon im Keller.


Gez.

Der Captain
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Beitrag von Aktivist »

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Vorwort: Ein weiteres Jahr ist ins Land gegangen und es entspricht gutem Sportsgeist und alter Tradition, dass wir auch die Worte des Gegners offen legen. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, war Armistead nicht immer glücklich mit der allgemeinen Lage, doch ich bin mir sicher, dass er zum Jahresabschluss versöhnt wurde. Davon wird er uns nun selbst aus erster Hand berichten. Doch bevor ich ihm das Feld überlasse, möchte ich Euch, werte Leser, anregen, Armistead über private Nachrichten zu seinem Spiel zu gratulieren. Dieser AAR wäre nichts ohne sein titanengleiches Agieren.


Richmond, 31. Dezember 1862 - Das Jahr 1862 aus der Sicht Armisteads


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Allgemeines
Meine Herren, wir können nur sagen: "Was für ein Jahr!".

Wohl jetzt schon das intensivste PBEM unserer bisherigen Karriere und auch der bisherige Verlauf (und im Prinzip stehen wir ja noch am Anfang) hielt für beide Seiten genug Dramatik und Grund für Herzrasen bereit.

Ohne den Respekt auch gegenüber unseren bisherigen Gegnern fehlen zu lassen, aber was der werte Aktivist veranstaltet, haben wir noch nicht erlebt. Der Wert jeder Kleinigkeit seiner Strategie, die Sorgfalt und die präzise Analyse nötigen uns die höchste Anerkennung ab. Vor allem die genaue Kenntnis der Spielmechanik und die häufig perfektionierte Anpassung seiner Strategien, die teils enorm von bekannten Mustern abweichen...extrem stark! Da wir schon die Möglichkeit hatten, den (natürlich zensierten) Jahresrückblick des werten Aktivist zu lesen, werden wir an einzelner Stelle evtl. darauf eingehen. Die werten Leser mögen sich also nicht wundern. ;)
1862 - Vorplanungen
Bereits am Ende des für uns katastrophalen Jahres, begannen wir Pläne für 1862 zu schmieden. Bisher für uns als, zumindest als Süden, ein Novum. Mussten wir uns doch in bisherigen Spielen maximal Gedanken darum machen, wie neue Truppen zu verteilen sind und hatten ansonsten den Luxus, dass der Gegner unter Zugzwang stand. Das war diesmal anders...

Durch den frühzeitigen Verlust von Texas und Springfield, Fayettville und dem gesamten Kentucky waren wir unter absolutem Zugzwang. Nicht nur lagen wir im Hinblick auf die Siegpunkte hinten, wir bekamen auch nur wenig mehr als der Feind und konnten so nicht hoffen den Feind je wieder zu überholen.

Zufrieden sein konnten wir nur in Virginia - dort hatte der Feind zugegeben jedoch auch früh seine Truppen zugunsten seiner Operation im Westen und Tiefen Süden stark ausgedünnt. In der Folge dünnten auch wir unsere Linien in Virginia bis auf das nötigste aus. Zu diesem Zeitpunkt, waren jedoch immerhin noch Reserven geplant und aufgestellt, die jedoch bald von den Aktionen in den Westen gezogen wurden.

Im Westen befanden wir uns von Anfang an unter absolutem Zugzwang. Vor allem die Situation in Fort Smith, mit dem eingekesselten Price bereitete uns Kopfzerbrechen...Wir hatten anhand Nachschubbedarf, Produktion und noch gefülltem Depot ausgerechnet, dass Price bis Mitte des Jahres nachschubmäßig durchhalten könnte. Das gab uns etwas Zeit.

Der größte Zwang für uns entstand jedoch aus einer anderen sehr unangenehmen Tatsache. Durch die vielen Niederlagen im ersten Kriegsjahr im Sinne des Verlustes strategischer Städte, war die Loyalität in einigen unserer Strategischen und Zielstädte so weit abgesunken, dass die Produktion von Wehrpflichtigen sich trotz weiter hoher Moral halbierte. An direkt Wehrpflichtige-produzierenden Städten hatten wir zu diesem Zeitpunkt "nur" Little Rock und Houston verloren, hätten also weiter 28 Wehrfähige pro Runde erhalten sollen. Stattdessen lag unsere Produktion um 18/19 und das seit dem Herbst 1861. Ein nicht zu ersetzender Verlust. Uns fehlt bis zum jetzigen Zeitpunkt praktisch eine Division und mehr, wenn man bedenkt, dass sich die Loyalität erst sehr spät, teilweise gar nicht erholte, trotz mehrerer Siege und dauerhaft hoher Moral.

Was also tun sprach Zeus?

Bereits im Jahr 1861 begannen daher sorgfältige Planungen für einen Doppelschlag, der später aufgrund einer unerwarteter Situation, sogar zum Plan für einen Tripleschlag ausgebaut werden sollte...
Das Jahr 1862
Für größtmögliche Schockwirkung sollten beide ursprünglich geplanten Schläge mehr oder weniger simultan erfolgen. Das Jahr begann jedoch mit schweren, wie wir später erfuhren jedoch eher ungeplanten Angriffen auf Sterling Price, der sich im tiefen Schnee der Hügel bei Fort Smith jedoch hervorragend hielt und mit der Vernichtung abgespaltener Einheiten uns sogar noch einen kleinen Moralboost verschaffte. Das schlechte Wetter, Versorgung und die auf gut deutsch jetzt wirklich beschissene Situation der Unionskräfte unter Fremont, die auch nach der Schlacht wohl deutlich litten, verschaffte uns hier mehr Atempause als wir uns hätten erhoffen können. Jedoch musste Price über kurz oder lang die Nahrung ausgehen und so gab es mehrere gewichtige Gründe alles zu tun um Little Rock zurückzuerobern. Zum einen die "Rettung" von Price, die dort produzierte Manpower und außerdem den aus oben erläuterten Gründen so wichtigen Boost an Moral, Loyalität und Siegpunkten. So versammelten wir starke Truppen zunächst bei Corinth, später bei Memphis.

Im Laufe der Versammlung ergab sich jedoch eine Gelegenheit, die wir nicht ungenutzt verstreichen lassen wollten. Fort Donelson, eine absolute Schlüsselstellung war zeitweise praktisch unverteidigt und auch der Fluss von keiner Flotte besetzt. So entstand der Plan zunächst Fort Donelson mit Macht zurückzuerobern und die Stellungen in Tennessee auf der Linie Humboldt-Henry-Fort Donelson zu sichern. Auch der vorgestoßene Sumner sollte so zum Rückzug gezwungen werden. Wir hofften den Feind per Eisenbahntransport der Kräfte aus Memphis hier völlig unvorbereitet zu treffen.

Die Operation gegen Little Rock, sollte deshalb mehrere Züge nach hinten verschoben werden. Dies könnte man immernoch angehen und auch besser, wenn die Stellungen gesichert sind. Jedoch agierten wir zu zögerlich. Bereits seit 1-2 Runden bestand die Chance loszuschlagen, doch wollten wir noch weitere Kräfte heranführen um den Erfolg zu garantieren und das wurde uns letztlich zum Verhängnis. Ein einzelnes Kavallerieregiment zur Aufklärung entdeckte die Truppenansammlung bei Memphis und warnte den Feind, das sich etwas zusammenbraut. Wir schlugen sofort los, doch die auslaufende Flussflotte des Feindes verhinderte ein Übersetzen. Chance vertan.

Wir gingen nun schnellstens zu Plan B über - Little Rock - und sammelten erneut starke Truppen bei Memphis. Erneut warteten wir jedoch mehrere Züge aufgrund schlechtem Wetter und/oder fehlender Aktivierung ab. Und erneut wurde es uns zum Verhängnis. Forney konnte zwar Little Rock erobern, seine 4 Divisionen mit 30000 Mann waren jedoch abwesend, als der Feind in Tennessee zur Offensive überging.

Gleichzeitig tauchte vor Mobile eine gewaltige Flotte mit Grant an Bord auf - es hätte keinen ungünstigeren Zeitpunkt geben können... Was haben wir hin und her überlegt mit Mobile: will der Feind hier landen oder ist es eine Finte? Oder täuscht er vlt. die Finte nur vor um dann doch hier zu landen. Oder will er nur, dass wir eben dies glauben...aaaaah...wir hatten schon Kopfschmerzen! Letztlich ließen wir nur minimale Sicherungen im Norden zurück und schickte große Kontingente nach Süden. Wir hofften die Situation mit der Rückkehr Forney's dann bereinigen zu können und den Feind evtl in den Sümpfen von Mobile grandios zu schlagen. Doch es kam natürlich anders. Grant fuhr die Flüsse hinauf und ging an komplett unerwarteter Stelle an Land. Gerechnet hatten wir mit Corinth und dies auch entsprechend stark gesichert.

Auch jetzt kamen wir wieder ins Grübeln... das einzig logische Ziel war Chattanoga, doch wir waren inzwischen so weit dem Gegner sogar einen Harakiri-Marsch auf Atlanta zuzutrauen. Diesmal lagen wir jedoch mal richtig und konnten Grant bei Chattanoga klar schlagen. Unser Herz schlug wieder höher - endlich ein paar Siege! Was dann folgte war die größte Manöverkriegsführung, die wir bisher bei ACW erlebt haben. Rundenlang ging es hin und her, ohne dass es zur Schlacht kam. Wir erwarteten ständig, dass dem Feind die Versorgung ausgeht. Doch weit entfernt von sämtlichen Depots ohne eine einzige Eisenbahnlinie, nur über einen Fluss und ein paar winzige Häfen versorgt, hielt der Feind monatelang durch und schließlich waren wir ausmanövriert. Dix' unterbrach unsere Eisenbahnlinie und uns blieb nur der Gegenangriff um nicht schon wieder einen Knackpunkt in der Linie zu haben, bevor sie überhaupt steht.

Wir glauben, dass die Provinz westlich Nashville, die monatelang von einer einzigen Division unter Buell gehalten wurde, der Knackpunkt für die ganze Operation im Westen und den Verlust von Osttennessee war. Wie rutschte uns das Herz in die Hose, als da plötzlich Grant auftauchte, der sich monatelang nicht vom Fleck südlich des Flusses bewegt hatte, trotz herrlichster Köder die von uns ausgeworfen wurden. Dies war dann auch die einzige Einzel-Schlacht bisher, wo wir es zum allergrößten Teil dem Glück zuschreiben, diese gewonnen zu haben. Nichtsdestotrotz, waren unsere Truppen danach ein Schatten ihrer selbst, und uns fehlten im Westen bis zum Ende des gesamten Jahres die Replacements um die Truppen aufzufüllen. Ein paar schnell vorgetragene Angriffe, hätten hier den Zusammenbruch bedeuten können. Dazu kam noch die Schwächung mehrere starke Divisionen nach Süden beordern zu müssen um die Küstenstädte zu sichern, da die Präsenz der Union im Süden immer stärker wurde.
Stattdessen verlegte die Union ihren Schwerpunkt und wir hatten zumindest am Missisippi endlich eine Atempause...

Die zweite Operation, die, wenn sie auch letztlich ihre Ziel verfehlte ganz Texas wieder für den Süden zu sichern, kann man wohl durchaus als erfolgreich bezeichnen. Forrests Raid nach Texas war von langer Hand geplant, doch wurde ebenfalls im entscheidenden Moment, als man sich bei Beaumont für den Angriff bereit machte von einem einzelnen Feindregiment entdeckt - im nächsten Zug tauchte dann eine Infanterie-Division in der Stadt auf. Die konnte zwar letztlich den Fall nicht verhindern, deren Präsenz verhinderte jedoch, dass die restlichen Siegpunktstädte dauerhaft hätten eingenommen werden können und mit Infanterieverstärkungen aus der nächsten Draftrunde wieder eine dauerhafte Präsenz in Texas zu etablieren. Stattdessen musste sich Forrest schnell zurückziehen. Aufgrund des Moralgewinns und der Bindung starker Feindverbände aber trotzdem eine erfolgreiche Operation.

Ein weiterer Schlag sollte daraufhin in Missouri gestartet werden, während wir außerdem planten nach dem Auftauchen von Forrest im Norden, im Süden mit Stuart erneut loszuschlagen. Während der Schlag in Missouri zwar weitere Moralpunkte einbrachte, brachte er nicht die erhoffte Einnahme der Stadt (Spielmechanik...grrrr...) und damit auch keine neue Versorgung. Auf dem Rückzug verlor Forrest Unmengen von Männern.

Im Süden spielte sich dagegen ein Desaster ab: unsere gesamte Flussflotte fuhr munter an einer Landungsflotte der Union auf dem Missisippi vorbei ohne auch nur im mindesten Notiz zu nehmen und mitten in konföderiertem Gebiet, verschwand Butler dann für einen Zug komplett von meiner Karte...nicht aufgeklärt! Einen Zug bevor Stuart dann stark verstärkt werden - und wohl eine Landung hätte verhindern können - bemächtigte sich die Union dann unseres frisch gebauten Versorgungsdepots. Das Stuart auf verschlungenen Wegen zumindest der Rückzug gelang - seis drum! - aber neue Raids hatten sich für dieses Jahr erledigt...

So ging es in den Oktober, der erste Schnee fiel, das Wetter wechselte und wir hatten mit dem Jahr im Prinzip abgeschlossen. Wir waren nicht unzufrieden, jedoch machte sich das unangenehme Gefühl breit, trotz aller Anstrengungen und Erfolge auf die Niederlage zuzusteuern. Der Verlust von Nashville hatte dazu geführt, dass der Norden jede Runde mehr Siegpunkte erhielt als wir und unseren kleinen Vorsprung (erkauft durch den Verzicht auf Kriegsanleihen zugunsten Papiergeldes) bald egalisiert haben würde. Bereits bei beibehalten der aktuellen Positionen hätte der Norden bis Kriegsende mehr Siegpunkte gehabt. Die Einnahme von ein paar entlegenen strategischen Städten oder schlichtes Ausmanövrieren mit materieller Überlegenheit im späteren Spiel hätte noch weitere Punkte gebracht. Kurz: Wir fühlten uns ein bisschen wie Lee selbst... nicht das schlechteste Gefühl im Übrigen :D

Dann kam noch ein weiterer Tiefschlag. Die wirklich perfekt ausgeführte Landung der Union vor Norfolk. Wir konnten die Flotten vorher zu keinem Zeitpunkt sehen und mit der Landung im Hinterland hatte die Union bereits einen Korridor geschaffen, in dem sie mit Verteidigungshaltung jedem Gegenangriff begegnen konnte. Wir waren froh unsere Jungs aus Norfolk retten zu können. Doch eine weitere Zielstadt war dahin, der Verlust vieler kleiner Garnisonen im Westen ließ unsere Moral dahinschmelzen und die Siegpunkte wandten sich immer stärker gegen uns... Die neu eröffnete Front im Süden Virginia's erzwang den Abzug großer Kräfte aus der so mühevoll gesicherten Linie im Norden. In diesen Zügen schlossen wir mehr oder weniger mit dem Spiel ab. Der Krieg war im Prinzip bereits verloren. Uns blieb nurnoch die Konföderation in ihrem Schwanengesang in ein glorreiches Ende zu führen.

Im Norden hatten wir noch den Fehler gemacht nicht im gleichen Zug wie dem Abzug Jackson's das Bindeglied bei Leesburg mit einer der Divisionen Longstreet's neu zu besetzen. (auch die Unionslinie war extrem ausgedünnt) Dies wollten wir später korrigieren und nur wenige Tage später, wäre Holmes als Korpskommandeur bei Harper's Ferry vor Ort gewesen, hätte Bee's Division in den Kampf geführt und der Unionsangriff wäre wahrscheinlich an Longstreet gescheitert. Das wäre dann ein schöner Erfolg zum Jahresende gewesen, hätte aber an der allgemeinen Situation wohl wenig geändert.

Doch wie die werten Regenten wissen kam alles anders... Longstreet wurde geschlagen und sämtliche Truppen wurden in Harper's Ferry zusammengetrieben, durch schlechtes Wetter und fehlende Eisenbahnverbindungen praktisch abgeschnitten von der Hauptfront und der Weg nach Richmond aus dem Norden stand weit offen. Wir sahen nur eine Möglichkeit, die Lage im Norden mit Lee und Jackson so schnell als irgend möglich bereinigen, eine neue Linie noch vor Wintereinbruch etablieren um diese im Winter zu befestigen und zu verstärken. Dann so schnell es geht nach Süden zurückkehren, bevor die Union aus unserer Abwesenheit Kapital schlägt. Dazu galt es als erstes das unverteidigte Manassas und Alexandria zu sichern. Dies geschah erfolgreich und ein kleiner Unionsverband wurde aufgerieben.

Und dann lag es da... Washington. Praktisch unverteidigt und wie eine blühende Oase für den in der Wüste Verdurstenden! Die wahrscheinlich einzige Chance, dem Spiel noch einmal eine echte Wende zu geben. Der Rest ist bekannt.

Zu dem Angriff Jackson's möchten wir noch ein paar Worte verlieren. Die Aufklärung hat uns bei dieser Entscheidung völlig in die Irre geführt. Der Abzug Hooker's und McDowell's aus dem Süden Virginia's ist uns völlig entgangen. Wir sahen nur Milroy auf der nördlichen Halbinsel bei Drummond auftauchen. Das viel größere Korps McDowell's sahen wir noch auf die Schiffe gehen und verschwinden. Wir nahmen einen Angriff der Union auf Richmond an (Eine Provinz bei Richmond "Chickahominy" wird teilweise von der Union kontrolliert, obwohl wir uns nicht errinnern können, dass das jemals Unionseinheiten waren.) und verstärkten die Stadt entsprechend. Stattdessen lief Jackson beinahe in ein Desaster hinein. Doch der grottenschlechte Armeekommandeur des Nordens und dessen erschöpfte Truppen gab wohl den Ausschlag zugunsten des Südens.

Kurz vor Jahresende fiel Washington und entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat der Süden nun doch noch eine Chance diesen Krieg zu gewinnen. Das hätten wir nie mehr für möglich gehalten... die Zufälle des Krieges...

WAS FÜR EIN JAHR!!!
Ausblick
Trotz der Einnahme von Washington ist das Verhältnis der Siegpunkte noch immer äußerst knapp. Nach den Mobilisierungen war die Punktzahl sogar exakt ausgeglichen und das Plus der Konföderation pro Runde ist nicht groß. Da die Union bisher auf die Schwarze Mobilisierung verzichtet hat, ist hier auch keine Entlastung in Sicht. Der Krieg ist wieder völlig offen. Es liegen noch über 70 Züge vor uns und die materielle Überlegenheit des Nordens wird nun zum Tragen kommen. Eine ausländische Intervention, so viel steht nach den jüngsten politischen Maßnahmen endgültig fest, wird es nicht geben. Wir machen uns da keine Illusionen, nachdem wir gesehen haben, was der werte Aktivist mit verhältnismäßig wenigen Truppen anstellt, graut es uns davor was er mit den Massen des Norden fabrizieren wird - dieser Krieg ist noch lange nicht entschieden...


gez. Lewis Armistead, Oberkommandierender der Provisorischen Armee der Konföderierten Staaten von Amerika
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New York, 31. Dezember 1862 - Das Jahr 1862 aus der Sicht Aktivists


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Werte Regenten,

Der Schiedsspruch ist ziemlich einfach. Ich habe im vergangenen Jahr auf ganzer Linie versagt. Übermotiviert, wie ich war, habe ich sowohl in Arkansas, als auch in Ost-Tennessee und Nord-Mississippi teuer Lehrgeld bezahlt, als ich meine Armeen auf stark gesicherte Verteidigungszentren der Konföderierten Streitkräfte ansetzte. Die Verluste waren so horrend, dass ich im Westen praktisch nicht mehr offensiv in Erscheinung treten konnte. Die einzige Ausnahme stellte ein riskanter Vorstoß nach West-Louisiana dar, dass zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vom Feinde verteidigt wurde. Im Nachhinein betrachtet ist auch diese Operation eine Fehlentscheidung gewesen, denn dort werden erhebliche Truppen und Seestreitkräfte gebunden, tragen aber nicht im mindesten zur Entlastung der anderen Fronten bei. Im Gegenteil - meine Linien in Missouri und Texas waren infolge dieses Unternehmens derart überdehnt, dass der Gegner mehr als nur einmal zu äußerst erfolgreichen Kavallerie-Raids eingeladen wurde.

Zur Katastrophe entwickelte sich jedoch die Situation im Osten. Nur um läppische zehn Moralpunkte nicht zu verlieren, transferierte ich den größten Teil meiner verfügbaren Feldtruppen nach Süd-Virginia und entblößte dabei Washington völlig. Selbst das hätte nicht negativ ausfallen müssen, aber als der Gegner seine Divisionen umgruppierte, interpretierte ich seine Absichten völlig falsch. Ich gab meine Verteidigungslinien für einen zweifelhaften und nebensächlichen Erfolg auf, der niemals entscheidende Auswirkungen auf den Kriegsverlauf hätte nehmen können. Im Endeffekt - das heißt, zieht man all die Resultate der Aktionen seit Oktober 1862 zusammen - habe ich 30 Moralpunkte verloren. Meine Wirtschaft, meine Kampfkraft und meine Kriegsanwerbungen liegen am Boden. Die Südstaaten aber sind stärker als jemals zuvor und gehen mit einem gewaltigen Vorsprung ins Jahr 1863.

Wir alle kennen Armisteads Geschick und ich muss gestehen, dass der Krieg eigentlich bereits entschieden ist. Nichts, aber auch gar nichts, kann das Ruder wieder herumreissen, sollte Armistead selbst nicht ebenso katastrophale Fehler machen.


Das Jahr 1862 unter der Lupe

Zunächst begann alles noch recht vielversprechend. Während ich im Osten die Stellung hielt, manövrierte sich die Armee Butlers in Tennessee in eine derart günstige Position, dass Armistead seine Linien schließlich bis nach Chattanooga und Corinth zurück nahm. Gestützt auf die Flotte und die Flussherrschaft war ich in der Lage, den Schwerpunkt der Flügel jeweils ohne weiteres in den Westen oder Osten des Staates zu verlegen. Außerdem wollte ich noch vor Anbrechen des Frühjahrs eine dritte Front südlich von Tennessee eröffnen, in dem ich General Grant mit vier Divisionen per Seetransport tief ins Herz der Konföderation in Bewegung setzte. Doch beide Ansätze - sowohl der im Osten bei Chattanooga, als auch der im Westen bei Tishomingo - scheiterten noch bevor die Offensive eigentlich recht begonnen hatte. Das lag zum Teil auch an der Performance in Arkansas. Wäre ich bei meiner Operation gegen BGen. Price geschickter vorgegangen, hätte Frémont im Laufe des ersten Halbjahrs 1862 sicher noch jenseits des Mississippi eingreifen können. So jedoch war die unabwendbare Niederlage bei Little Rock im Mai ein böses Omen für den Rest des Jahres.

In der Folge musste ich im Westen monatelang auf die Kampfkraft Frémonts verzichten und war letztlich nicht stark genug, den Gegner durch ein konservatives Vorgehen aus dem Westen Tennessees zu vertreiben. Statt dessen setzte ich im Juni und Juli 1862 alles auf einen Überraschungsschlag in der Nähe von Corinth - und hielt im Osten bereits Verstärkungskräfte bereit, um die Situation ausnutzen zu können, wenn die Südstaatler aus ihren Stellungen gezwungen zu neuen Linien in Mississippi und Louisiana eilen würden. Stattdessen erlebte ich ein Waterloo, wie es schlimmer nicht sein konnte. All die materielle Überlegenheit auf dem westlichen Kriegsschauplatz war mitten in der Feldzugssaison dahin.

Im folgenden führte ich noch zwei begrenzte Operationen durch: in West-Louisiana etablierte ich eine Basis, von welcher aus ich eigentlich nach Arkansas zurück kehren und nach New Orleans vorzustoßen gedachte. Doch für ersteren Ansatz fehlten mir Truppen und gute Gelegenheiten, der zweite erwies angesichts der Stärke der feindlichen Flussflotte als undurchführbar. Erst gegen Jahresende begann ich, mich in bessere Positionen vorzuschieben: die Etablierung einer starken Riegelstellung bei Vidalia sollte nur der erste Schritt sein, den nächsten wollte ich mit einer ebenso starken Bastion in West Baton Rouge unternehmen. Und es wäre mir sicher geglückt, wenn nicht ein seltenes Unheil im Osten der Auslöser dafür gewesen wäre, sämtliche freien Truppen abzuziehen.

In Virginia nämlich hatte ich seit dem September eine starke Armee in Philadelphia versammelt, welche ich mit der Flotte bis vor die Haustür Richmonds zu tragen hoffte. Das Minimalziel war die Abwendung eines Spielevents, welches mich zehn Moralpunkte gekostet hätte. Tatsächlich begann der Gegner in Nord-Virginia seine Linien für einen Moment zu öffnen. Ich wollte das letzte gute Wetter ausnutzen, um Armistead aus dem Shenandoah und dem unteren Potomac zu manövrieren, und ließ alle Vorsicht fahren. Mitte Oktober war ich scheinbar wieder zurück auf der Straße des Sieges - nach einem halben Jahr Pleiten, Pech und Pannen. Doch schon am 1. November 1862 drehte Armistead mit einem beeindruckenden Zug das gesamte Spiel. Und selbst das wäre ja nicht zwangsläufig das Ende gewesen, wie Ihr anhand meiner Pläne für den Gegenschlag sehen konntet. Wäre er gelungen, hätte ich etwa elf Divisionen gegen Lee's vier ins Feld vor Washington führen können - und ihm jeglichen Rückzug versperrt. Stattdessen gelang es seinem Korpsführer Jackson gegen jegliche Prognose, mir derart in die Parade zu fahren, dass ich den Tritt in den Hintern bis heute spüre.


Und nun?

Tja, Armistead und ich sind gleich stark - wenn man das Zahlenverhältnis der Truppen betrachtet. Von der Kampfkraft her ist er mir mittlerweile haushoch überlegen. Außerdem wird er so viele Divisionen wie noch niemals zuvor aufstellen - ich rechne mit 8-10 neuen südstaatlichen Divisionen bis zum Spätsommer 1863. Ich könnte mithalten, aber das würde zu Lasten meiner Moral und Kampfkraft gehen. Daher werde ich erst einmal abwarten, was Armistead nun tatsächlich auf den Weg bringt. Übrigens, seine Küste ist auch längst nicht mehr der weiche Bauch des Krokodils, der er noch vor vielleicht einem halben Jahr war. Armistead hat in den wichtigsten Küstenstädten starke Garnisonen postiert und Eingreiftruppen in signifikanter Anzahl im Hinterland, um jede unvorsichtige Seeinvasion umgehend zu bestrafen.
Was die Rückeroberung Washingtons angeht: im Winter nur schwer möglich - und ich rechne hier mit einem Mehrbedarf von mindestens 3-4 Divisionen. Ein frontaler Angriff wäre äußerst kostspielig. Als Alternative steht auch ein Umschließungsmanöver im Raum, welches die feindliche Kampfgruppe im Rücken von der Versorgung abschnüren soll. Ein solcher Vorstoß ist allerdings auch riskant, da ich zwangsläufig mein Linien bei Annapolis und Westminster schwächen müsste.


Gez.

Der Captain


Nachtrag: Für den nächsten musikalischen Beitrag gäbe es eine Reihe angemessener Titel, doch bin ich mir etwas unschlüssig...

Jerry Reed oder Chuck Berry? Julius LaRosa oder Mickey Newbury? Bob Dylan oder The Delmore Brothers? Milton Brown oder Dan Hornsby? Country oder Rockabilly? Swing oder Gitarrenrock? Gibt's Präferenzen?
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Hohenlohe
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Beitrag von Hohenlohe »

Sir, wir haben unsere Operation gegen Fulton begonnen, dort dürfte sich nur eine Milizgarnison befinden, die wir belagern werden, wenn nichts dazwischen kommt. Sollte sich Beauregard in der Nähe sein, werden wir seine Stärke aufklären und uns dann zurückziehen. Das 3rd Indiana Cav. klärt bei Montgomery auf...

hochachtungsvoll

Heros von Hohenlohe... :smoke:


edit: musikalisch würde entweder Bob Dylan oder Milton Brown von uns bevorzugt werden...
In memoriam Stauffenberg, jota und CJ...
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George Pickett
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Beitrag von George Pickett »

Wollten wir nicht Heulen und Zähneklappern im Süden verbreiten? Geheult wird, aber das sind die Mütter an den Gräbern ihrer Männer und Söhne...ihr habt euch einfach zu viel in zu kurzer Zeit in einem sehr frühen Stadium des Krieges vorgenommen. Wir könnten jetzt sagen, wir haben euch gewarnt...tun wir aber nicht...oder doch??? (Post 118...Post 118...Post 118 :D ).

Spaß beiseite, die Lage ist beschissen, aber aufgeben zählt nicht. Gegen den werten Lo muss man dicke Bretter bohren und wenn das nicht klappt, ihn vor selbige rennen lassen. Ihr habt natürlich recht, wenn Ihr sagt, dass der Süden auf Grund seiner hohen Moralwerte im Augenblick auf dem Feld unbesiegbar ist. Vielleicht ist es besser, an den Hauptfronten die Lage zu konsolidieren und den Süden an Peripherie zu ärgern. Viel mehr fällt mir im Augenblick auch nicht ein und wenn ich mir den Vergleich der Siegpunkte anschaue..."Wilmaaaaaaaaa.....das Riechsalz!!!!" :eek: :eek: :eek:
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Beitrag von Aktivist »

George Pickett hat geschrieben:Werter Aktivist,
vielleicht ist es wirklich so, dass Ihr euch für 1862 zu viel vorgenommen habt. Die Vorteile für die Union kommen erst später im Krieg voll zum tragen. Was Ihr in Tennessee erreicht habt, ist beachtlich. Ihr steht bereits am Tennessee-River und zwingt den Feind, sich auf eine weite Linie zu verteilen. Für das nächste Jahr stehen euch alle Möglichkeiten in Mississippi und Alabama offen. Reorganisiert eure Truppen und nervt den werten Lo mit kleineren Aktionen. Nehmt Ihm ohne großen Aufwand Texas und Arkansas weg. Vertreibt ihn vom westlichen Ufer des Mississippi. Das sind keine kriegsentscheidenden Aktionen, aber sie bringen Siegpunkte. Mit Galveston und Houston habt Ihr doch schon Basen für eine solche Operation. Und wenn schon eine Landung, dann in North Carolina, bei Wilmington. Wenn wir uns nicht irren senkt das die Einnahmen des Südens beträchtlich. Genau so, wie eine Seeblockade des oberen James River bei Richmond.
Bitte, werter Pickett. Genau das habe ich doch nach dem Debakel bei Tishomingo gemacht. Die Invasion in süd-Virginia musste mit dem Kräfteansatz durchgeführt werden, damit ihn Armistead nicht auskontern würde. Das Problem zu Jahresende ist die Washington-Situation. Dort standen sechs Division in allerbesten Linien. Hätte ich mich dort nicht auf die Socken gemacht oder wenigstens ein paar Schiffe im Potomac stationiert, wäre der gute Lo schon halb besiegt. Ich darf daran erinnern, dass er jedes Mal, wenn es drauf ankam, teuflisches Glück hatte.

Erinnert Euch an Arkansas: wie er es geschafft hat, Lyon beim Rennen nach Fort Smith ohne Kampf zu überholen, dort ohne Kampf Wallace (glaube ich) zu vertreiben und dann ohne Schwächung Lyon zu schlagen. Das war einfach unwahrscheinlich. Wenn nur eine meiner Divisionen Fort Smith gehalten hätte, wäre Price am Ende gewesen: Schurz, der von Texas aus kommt. Und drei Divisionen bei Little Rock. Eine starke Garnison in Springfield.

Erinnert Euch daran, wie er es geschafft hat, Johnston mit zwei Divisionen aus Nashville zu evakuieren, gerade im allerletzten Moment. Die wären jetzt schon erledigt gewesen.

Erinnert Euch daran, wie er Ruggles aus Norfolk evakuiert hat. Wieder eine Division, die er nicht mehr hätte haben dürfen.

Erinnert Euch an meinen Plan zum Gegenschlag auf Washington. Das stärkste Korps, das von McDowell, mit vier Divisionen und 26.000 Mann ist nicht zum Donner der Geschütze marschiert. Das waren alles voll ausgeruhte Truppen. Stattdessen zieht Jacksons Angriff Frémont mit seinen drei Divisionen von dessen Marschrichtung auf Lee ab. Und dann, Chance vorbei!

Außerdem hätte ich schon viel weiter sein können, wenn wir uns zu Spielbeginn nicht auf eine Handbremse für die Union geeinigt hätte. Jetzt sitze ich im Salat, mittendrin! Aber das hat nichts mehr mit waghalsigen Unternehmungen zu tun. Außerdem scheint die Zeit für begrenzte Nebenangriffe vorbei. Überall stellt Armistead gerade Truppen auf, woher soll ich meine bekommen?

Nein, nein, das Jahr 1862 wäre auch so enttäuschend gewesen, aber ohne den Fall Washingtons wären dennoch die Voraussetzungen für ein fulminantes Jahr 1863 geschaffen worden. Armistead selbst hat mir in einer Mail gestanden, dass er vor dem Oktober 1862 schon von einer Niederlage im Laufe 1863 ausging. Er hatte niemals vor, Washington anzugreifen. Aber als es da so leer und verlassen war, die einzige Provinz in der Gegend mit herrlichstem Sonnenschein, und überall sonst in Virginia Matsch und Schnee...

Er hat ja wirklich gut gespielt bis jetzt, aber das die Lage zur Zeit so aussieht, geht nicht auf sein Geschick zurück, sondern auf sein Glück.
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George Pickett
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Beitrag von George Pickett »

Werter Aktivist,

wir stimmen euch zu, dass der werte Armistead ein ums andere Mal unverschämtes Glück gehabt hat. Was wir meinen ist, dass ihr seit Anfang 1862 auf 4 Schauplätzen kämpft. Teilkräfte hier...Teilkräfte dort. Es mag auch sein, dass wir dieses Spiel zu konservativ angehen und wahrscheinlich auch die Spielmechanik zu wenig verstehen. Die Landung im Süden Virginia´s war absolut richtig und auch notwendig. Versteht unsere Aussagen bitte nicht falsch. Wir sind begeistert von eurer Art zu spielen, von den akribischen Planungen und Vorbereitungen. Wir wünschen uns halt, dass jemand dem werten Lo mal zeigt wo Bartel den Most holt. :)

Denn wir werden von ihm überrollt und in den Boden gestampft!!! :motz:
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Beitrag von Aktivist »

Vorwort: Armisteads Jahresbericht ist eingetroffen und wurde in den AAR eingepflegt. Ihr findet ihn direkt vor meiner Analyse oder über den Hotlink im Inhaltsverzeichnis. Schaut doch mal rein! Lo hat eine Menge zu sagen...
Bild

New York, 1. Januar 1863 - Der Mobile-Plan
Neues Jahr, neues Glück! So sagt ja bekanntlich der Volksmund. Allerdings sagt er auch zwei andere Dinge übers Glück: nämlich dass man es sich entweder erarbeitet, oder ein dummer Bauer sein muss - denn die ernten ja die größten Kartoffeln. Ich ziehe ersteres vor, denn von Landwirtschaft verstehe ich nicht viel. Und ich muss auf's Tempo drücken, denn Armistead hat wieder sämtliche Mobilisierungsoptionen gezogen und wird in Kürze mindestens sechs neue Divisionen auf's Feld führen können. Es ist meine Überzeugung, dass ich ihn mit Moskitoangriffen nicht werde aufhalten können, zumindest nicht, bevor ich ihn zwinge, einen großen Teil seiner Neuaufstellungen in bestimmte Kriegsschauplätze zu verlagern. Grundsätzlich gäbe es dafür zwei Ansatzpunkte: eine Offensive gegen North Carolina, die schließlich die Direktverbindung Virginias zu den südöstlichen Baumwollstaaten unterbricht und eine Offensive gegen Mississippi. In beiden Regionen hat Armistead bereits eine hohe Anzahl von Truppen stationiert. Wird er gezwungen, dort noch weiter aufzurüsten, wird er zwangsläufig Probleme mit der Versorgung bekommen. Er kann dies natürlich über Industrialisierungsmaßnahmen ausgleichen.

Die erste Option - Virginia / North Carolina:
Die Masse seiner Truppen steht dies- und jenseits des Potomac und hält die Linien. Ich bin mir sicher, dass Armistead hier nur ungerne Raum aufgibt, da der Besitz Washington seiner Kriegsindustrie einfach zu viele Vorteile verschafft. Ein starker Vorstoß nach Petersburg und südlich nach North Carolina kann er kurzfristig nur schwer kontern. Da meine Seestreitkräfte entlang der gesamte Küste im Operationsgebiet ungehindert manövrieren können, dürfte er auch seine Hauptstadt Richmond nicht ungedeckt lassen. Er müsste also sowohl eine neue Südfront in North- oder South Carolina etablieren, als auch zusätzliche Truppen in Virginia und North Carolina aufstellen. Würde es mir dann noch gelingen, seine Virginia-Tennessee-Railroad zu unterbrechen, hält die örtliche Nachschubproduktion mittelfristig nicht mehr mit dem Verbrauch Schritt.
Der Nachteil ist, dass ich dort gegen seinen besten Armeekommandeur - General Lee - , seine besten Korpskommandeure - General Jackson und General Longstreet - und viele seiner besten Divisionskommandeure antreten müsste. Außerdem ist die North Carolina Front nicht leicht zu verteidigen, da sie sich weit ins Landesinnere ziehen wird und das flache Gelände schnelle Flankenmärsche begünstigt. Auf der anderen Seite bin ich nicht weit von meiner Basis bei Annapolis entfernt. Der größte Nachteil jedoch ist, dass er relativ unproblematisch Truppen aus der Mississippi-Front abziehen kann.

Die zweite Option - Mississippi / Louisiana:
Hier hat Armistead die zweitgrößte Truppenkonzentration geschaffen. Das engere Operationsgebiet und die Kontrolle der Flüsse machen ihm die Verteidigung verhältnismäßig einfach. Allerdings ist Mississippi bereits von der direkten Verbindung nach Ost-Tennessee getrennt. Nachschub aus den Baumwollstaaten gelangt derzeit nur über zwei langsame Versorgungsrouten bei Mobile und Meridian ins Land. Natürlich produzieren die beiden Hafenstädte Mobile und New Orleans knapp die Hälfte des derzeitigen Gesamtbedarfs alleine, aber das ist auch der größte Schwachpunkt. Gelingt mir die Unterbrechung der Verbindungswege oder gar die Einnahme dieser Städte, und kann ich gleichzeitig die wenigen noch für Truppentransfers geeigneten Regionen blockieren, muss seine Armee zwangsläufig langsam zugrunde gehen.
Der Nachteil liegt in der nominellen Überzahl des Gegners, außerdem könnte er schnell seine Einheiten aus Arkansas zu Hilfe holen. Bei jeder Aktion hier muss also sowohl das Überraschungsmoment stimmen, als auch die "Psychologie" von Armistead erschüttert werden.

Und so wird es gehen:
Bild
Insgesamt sechs Divisionen landen in dieser Runde westlich und nördlich von Mobile. Die Flotte, welche die Mobile Bay passiert, wird dabei zwangsläufig unter schweres Artilleriefeuer geraten. Allerdings hatte ich letzte Runde bereits Verstärkungseinheiten in Adm. Duponts Geschwader integriert, was den Schaden hoffentlich gleichmäßig verteilen wird. Bei Mississippi City landen nur leichte Einheiten, welche im folgenden die Bahnstrecken sabotieren sollen. Es könnte passieren, dass Armistead ein oder zwei Divisionen aus der Mississippi-Front abzieht und in den Osten bringt. Diese würden von meiner Flotte am überqueren der Bucht gehindert. Gleichzeitig wäre der Fall Mobiles im folgenden unwahrscheinlich. Aber das ist sowieso nicht meine Hauptaufgabe: Ich muss versuchen, schnell landeinwärts vorzustoßen, Mobile und New Orleans vom Rest des Kampfgebietes abtrennen und dann brauche ich nur noch warten.
Da die Kampfgruppe für diese Aufgabe zu schwach ist, werden nächste Runde zwei weitere kampfstarke Divisionen eintreffen: Sheridan und Slocum nämlich. Im nächsten Zug wird sich auch eine weitere Division auf den Weg machen und im Zug darauf kann ich noch einmal 1-2 aus Maryland abziehen. Das war's dann allerdings auch.

Befehlsausgabe:
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Col. Cfant
, herzlich willkommen zurück auf den Schiffen. Das letzte Mal haben Sie General Butler ja von Tennessee nach Louisiana begleitet. Diesmal geht die Reise nach Jackson, LA. General Butler nimmt zwei Divisionen und zwei Nachschubwagen mit. Sie werden die Landung der Stoß-Division von BGen. Reno begleiten. Wenn die Strände gesichert ist, erstatten Sie Butler Bericht. Danach führen Sie BGen. W. Smith zu den gesicherten Landezonen und begleiten ihn auf dem Marsch ins Landesinnere, bis die Verbindung zu Pope steht. MGen. Meade, der als letzter eintrifft, wird sich dann um die Küstensicherung kümmern. Ich hoffe, Sie werden nicht seekrank...


Das alleine reicht natürlich nicht, denn ein so isolierter Angriff ist von Armistead zu leicht zu kontern. Daher gibt es auch im Westen unterstützende Aktionen.
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Sumners und Hamiltons Aufgabe ist es in erster Linie, die Verbindung zwischen New Orleans und dem Norden zu kappen. Außerdem sollen sie ein Bedrohungspotential gegenüber New Orleans, Jackson und Vicksburg darstellen. Ich hoffe dadurch, die Konteraktionen des Feindes auf mehrere Punkte zu ziehen, sodass sie nicht mehr wirksam werden können. In Wahrheit sollen sich jedoch beide zu Butlers Hauptstreitkräften durchschlagen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben. Als einzige Verteidigung wird McCall zurück bleiben, aber auch das ist nur ein temporärer Zustand. Denn wenn ich die ersten beiden Etappen erfolgreich gemeistert habe, werde ich West-Louisiana aufgeben. Einzig die Flotte, welche um sechs Panzerschiffe unter Farragut verstärkt werden soll, wird dann die Verteidigung des Gebiets sicherstellen. Farragut hat es nicht einfach: er wird an zwei feindlichen Geschützstellungen vorbei schleichen müssen und sich evt. feindlichen Flusskampfkräften stellen. Ich drücke ihm die Daumen, dass er keins seiner Schiffe verliert.

Befehlsausgabe:
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CWO Rawoll
, dem Feind ist es in der letzten Nacht gelungen, unbemerkt inmitten unserer ankernden Schiffe zu platzen. Als die Meldungen der Ausgucks eintrafen, war es für Porter bereits zu spät, um noch Gegenmaßnahmen einzuleiten. Der Admiral hat die schwere Entscheidung getroffen, flussabwärts zu entfliehen. Jetzt sitzt die Kampfgruppe in der Falle. Es gibt nur einen Ausweg - der Durchbruch durch seine Formation mit Höchstgeschwindigkeit und dann die Flucht nach Berwick. Hoffen wir, dass wir den Gegner abschütteln können.


Wenn Porters und Farraguts Manöver gelingt, werde ich aus den noch kampfkräftigen Einheiten einen Sperrverband bilden, welcher den Transfer von Stuart nach Osten unterbinden soll. Ist das erfolgreich, werde ich lediglich meine Küstenabschnitte sichern, bis das Heer bereit ist, New Orleans und Vicksburg anzugreifen. Das hängt vor allem davon ab, wie viele seiner Divisionen Armistead aus dem Norden abziehen wird. Um ihm die Entscheidung schwer zu machen, starte ich in dieser Runde eine Finte bei Corinth.
Bild
Mit sechs Divisionen fordere ich den Gegner heraus. Im Hinterland steht außerdem noch Schurz' Division bereit, welche von Saint Louis aus in den Südosten Missouris marschiert. Dort könnte sie relativ schnell wieder in Missouri sein (sollte Armistead dort durchbrechen wollen) oder nach Tennessee übersetzen, wo sie dank Gleisanschluss das Zünglein an der Waage spielen könnte.

Befehlsausgabe:
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Maj. Hohenlohe
, danke für Ihren Aufklärungsbericht. Wie es scheint, war Beauregard die ganze Zeit in Stellung gewesen. Nun, das könnte sich ändern. McCook muss nun die Operationen der südlichen Armeegruppe unterstützen. Er wird mit der Hälfte der noch verbliebenen Regimenter nach Macon MS reiten. Sie befehligen den anderen Flügel und reiten nach Canton. Dort werden sie die Gleisstrecke zwischen Jackson und Memphis außer Gefecht setzen. Aber Vorsicht! Wenn der Feind den Braten riecht und eine Division nach Aberdeen, Ihrem Durchbruchspunkt, sendet und Sie dort zum Kampf stellen kann (was nach einem Flussübergang obligatorisch ist), wird von Ihrem Kommando nichts übrig bleiben. Also - seien Sie wachsam und hochkonzentriert! Versuchen Sie, den Feind zu umgehen. Falls das nicht möglich sein sollte, brechen Sie das Unternehmen ab!


Für nachfolgende Störaktionen werden außerdem bald Alfred Pleasontons Schwadrone aus Tennessee und Daniel Greggs aus Texas bereit stehen. Je gründlicher und umfassender ich vorgehen kann, desto mehr Zeit gewinne ich für meine eigenen Aktionen. Außerdem wird Ulysses Grant bald zurück in Tennessee sein, um dann den Oberbefehl über alle Truppen zu übernehmen. Dann hoffe ich, den Gegner auseinander treiben und isolieren zu können. Nachschubmangel sollte den Rest erledigen.


Der Vollständigkeit halber stelle ich auch die Lage in Virginia dar. McClellans Vorstoß war eine reine Störaktion und soll Armistead dazu bringen, Truppen bei Petersburg und in North Carolina zu sammeln. Daher ziehen sich alle Truppenteile wieder auf Suffolk zurück. Zusätzlich wird hier bald General Frémont eintreffen, um das Kommando zu übernehmen. McClellan kommt dann später an einen ruhigen und ungefährlichen Ort.
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Befehlsausgabe:
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Lt.Col. Invictus
, Sie haben das Ihre dazu getan, dass Howard seinen Auftrag erfüllen konnte. Jetzt zieht sich die Kampfgruppe wieder auf Suffolk zurück, wo sie demnächst neu geordnet wird. General Frémont soll das Kommando übernehmen. Er bringt auch ein paar Garnisonstruppen und den ersten Teil von Reynolds Division mit. Letztere wird wieder die Stellungen von Yorktown besetzen. Ihr Rückzug muss "geschmeidig" durchgeführt werden: das Hauptquartier wünscht nicht, in Gefechte verwickelt zu werden.
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Befehlsausgabe:
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Lt.Col. Longstreet
, General Grant wird das Kommando an General McDowell aushändigen. Sie, Sir, treffen Sorge dafür, dass Ihre Batterien ordnungsgemäß und voll ausgerüstet an seinen Artilleriechef Henry Hunt übergeben werden. Für die Reise nach Tennessee werden Sie keine Geschütze benötigen. Der Generalstab bemüht sich, Ihnen nach Ihrer Ankunft wieder ein paar Batterien zur Verfügung zu stellen. Verlieren Sie keine Zeit, denn in Tennessee herrscht bald wieder Krieg!


In Annapolis verharren immer noch die angeschlagenen Divisionen von Humphreys und Negley. Eine Division kann ich hier noch abziehen, aber danach ist für's erste Schluss. Man muss den Gegner ja nicht einladen... Armisteads umfangreichen Neuaufstellungen kann ich noch nichts entgegen setzen. Ich möchte noch so lange warten, bis sich die Lage in Mississippi klar wird. Denn in den kommenden Gefechten kommt es auf jeden Moralpunkt an. Gelingt der Zug von A bis Z wie geplant, werde ich in der nächsten Runde in die vollen greifen! Dann werde auch ich neue Freiwillige anwerben und Fiskalmaßnahmen treffen. Bis Herbst 1863 möchte ich 7-9 Divisionen aufstellen bzw. auffüllen. Ein Teil davon wird bestimmt noch im Westen gebraucht, doch die meisten Truppen sollen, wenn ich keine Rückschläge erleide, eine neue Front eröffnen. Man wird sehen...
Duke Ellington Orchestra - Mobile Bay


Werter Hohenlohe, nach langem Überlegen habe ich mich für klassischen Jazz entschieden - immerhin ist Bob Dylan ja bereits mit einem Titel in meinem AAR-Soundtrack vertreten und von Milton Browns Stück habe ich keine schöne Aufnahme gefunden. Aber dieses hier wird Euch umhauen, und nicht nur wegen der Starbesetzung! "Mobile Bay" entstand wahrscheinlich zwischen 1939 und 1941, aber genau weiß ich es nicht. Duke Ellington, wahrscheinlich der einflussreichste Jazzmusiker aller Zeiten, sitzt wie immer am Piano. Jimmy Blanton zupft den Kontrabass. Rex Stewart spielt Trompete und last, but not least, Ben "The Brute" Webster beeindruckt uns am Tenor-Saxophon. Wenn das mal keine Entschädigung ist!
Also, zieht die Vorhänge zu, zündet Kerzen an, schließt die beste Freundin / Ehefrau von allen in die Arme und wiegt Euch einfach im Takt der Musik.

Kleine Anmerkung - die Information bei dem Youtube-Video erscheinen mir falsch. 1949 war Ben Webster nicht mehr bei Duke Ellingtons Band, sondern nur von 1938 bis 1941. Das Stück selbst stammt von Rex Stewart, der auch in der Musikdatenbank als Komponist genannt wird. Auch Stewart war nur ein paar Jahre in Ellingtons Band. Die Aufnahme selbst stammt definitiv von Duke Ellingtons Orchester - das haben Vergleichsproben bei Amazon, Itunes und einem anderen Musikverleger gezeigt. Also wird es wohl zwischen 1938 und 1941 aufgenommen sein müssen. Da es auf der '38er Sampler von Ellington aber nicht vertreten ist, kann es nur in den drei nachfolgenden Jahren aufgenommen worden sein.


Gez.

Der Captain


Nachtrag: Um das Dilemma noch einmal klar zu beschreiben. Wenn Armistead die Truppen, welche er im letzten und vorletzten Zug aufgestellt hat, einsatzbereit macht, wird er erstmals in diesem Konflikt mehr Einheiten als ich besitzen. Dieses Problem kann ich nicht dadurch lösen, entfernte Hafenstädte einzunehmen. Denn ich müsste ja immer so viele Truppen einplanen, um einem möglichen Konterschlag zu begegnen. Armistead hingegen kann sich überlegen, ob er mich nicht nur mit bedeutend geringeren Streitkräften an einer Linie aufhalten möchte und den Rest zu. Beispiel in Nord-Virginia konzentrieren, um Baltimore, Philadelphia und New York einzunehmen. Ich muss also einen signifikanten Teil seiner Streitkräfte vernichten. Da das auf dem Schlachtfeld nicht möglich ist, muss ich mir den Hunger zu Hilfe nehmen.

Westlich von Alabama hat Armistead zur Zeit mindestens 16 Divisionen konzentriert und ich rechne mit Neuaufstellungen in der Größenordnung von vier weiteren Divisionen. Das entspricht einem Nachschubverbrauch von geschätzt 500 Supplys je Runde! Wenn ich den Westen von Mobile, New Orleans, Alabama und Georgia dauerhaft abschneiden kann, sind seine Armeen dort bis Spätsommer 1863 dahingeschmolzen. Das würde den Krieg wieder zu meinen Gunsten drehen. Armistead wird aber alles, was er hat, gegen mich einsetzen. Deswegen kommt es auf Geschwindigkeit an - wenn ich seine ersten konzentrierten Reaktionen um ein oder zwei Züge verzögern kann, bin ich vielleicht schon in den guten Stellungen und werde diese dann über Monate hinweg halten. Dann kommt die nächste große Planungsstufe ins Spiel: bin ich im Westen gesichert, werden meine Neuaufstellungen eine weitere Front aufmachen, um Armistead daran zu hindern, seine östlichen Armeen in voller Stärke auf den Kriegsschauplätz bei Mississippi und Louisiana zu werfen. Es ist auch damit zu rechnen, dass Armistead Ablenkungsangriffe nach Kentucky, Ohio und Pennsylvania vorträgt. Auch dort brauche ich also ein paar Divisionen, welche ihn lange genug aufhalten können, bis Verstärkung eintrifft. Um mir den Kampf zu erleichtern, werde ich im Westen, wenn sich eine gute Gelegenheit dafür bieten sollte, einzelne Divisionen isolieren und dann aufreiben.

Übrigens - wenn die Operation in diesem frühen Stadium scheitert, habe ich noch einen Alternativplan in der Hinterhand. Der wird die Niederlage allerdings nicht so ohne weiteres abwenden können.
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