Stade, 10.06.2013, Ausgrabungsort alter Hafen
Frank steht im aufgebauten Hauptzelt der Ausgrabung. Um ihm herum die ersten Stück, welche geborgen wurden. Erschöpft und
Aufgeregt kommt Ole ins Zelt und sieht, wie Frank vor dem großen Runenstein steht. „Frank, pass auf! DU glaubst es nicht. Wir
haben unten..“ „Ssschhh, moment.“ Ole biss sich auf die Lippen. „Also irgendetwas stimmt nicht“ mit tiefen Falten in der Stirn
liest Frank an einer Stelle des Runenstein. „Hier steht das Geburtsdatum und Todesdatum. Aber irgendetwas stimmt nicht“
Ole, nervös und irritiert, „ja, ist ja schön. Du, unten sind wir auf..“ „Pshhhhh, warte, Ole. Es ist so, hier stehen zwei Geburtsdaten.
Das zweite Geburtsdatum ist aber 26 Jahre später und fällt gleichzeitig auf ein großes Ereignis.“ Frank gleitet mit dem Finger auf
eine andere Stelle des Stein „So etwas wie eine Schlacht und eine..hmmm“ Aus Ole platzt es heraus. „Ja, genau. Das wollte ich
Dir die ganze Zeit sagen. Komm mit nach unten. Du wirst Deinen Augen nicht trauen!“
Eikundersund, Rogaland 2. September 868 – … Leben
Erst kam das Licht und dann der Lärm. Ich hörte laute Schreie, wildes Gebrüll, welches mich umhüllte. Ich wähnte mich an der
großen Tafel Odins – denn ich hörte meine Männer. Laut stach die Stimme von Holmger heraus. Grimr, Seher von Rogaland, rief
herrschaftliche Worte.
Mein Kopf schmerzte und ich konnte nichts sehen, da meine Augen Blutverschmiert waren. Doch langsam merkte ich, dass ich
noch in Midgard weilte und nicht als Held in Walhall einzog. Um mich herum lagen dutzende Leichen, aufgeschlitzte und blutende
Späne des Kampfes. Ich saß auf einem Stuhl, festgehalten von meinen Männern. Vor mir stand Haraldr, König von Ostlandet, in
einer prächtigen Rüstung.
„…SO IST ES ODINS WILLE“ laut dröhnte Grimrs Stimme in meinem Kopf „Rogar stirbt nicht, da er den heiligen Tempel von Hati
errichten muss. Erst wenn diese Pflicht erfüllt ist, darf er in die große Halle
Walaskialf und dort ewig leben!“
Ich lebte! Der Schlag des Kriegshammers wurde durch mein gebrochenes Schwert abgelenkt und traf meinen Helm daher nicht
mit voller Wucht. Benebelt vom Schmerz, beraubt meines Gleichgewichts und eingeschränkt in allen meiner Sinne, wusste ich
doch sofort, was ich zu tun hatte. Ich nahm alle meine Kraft und sagte so normal und Schmerzfrei wie ein gesunder Mann „Wahrlich,
dies ist meine Aufgabe. Meine Pflicht! Und Ihr König Haraldr, habt mich besiegt und daher nun mein König.“ Ich sackte vom Stuhl
denn meine Kraft verlor mich.
Doch Haraldr fasste dies als Geste des Kniens auf, welche ich versuchte zu verstärken, indem ich mein linkes Bein angewinkelt
aufstellte und meinen Kopf senkte. Grimr sprach „So, Herr, die Götter wollen es.“ Haraldr blickte zu seinem Seher, welcher nickte
und sprach „Nun, tapferer Rogar. Fortan seid Ihr Graf Rogar von Rogaland, Grafschaft des Königreich Ostlandet und mein Vasall.
Ich war ein treuer Vasall, denn zum einen hat Haraldr nicht unsere Ländereien geplündert und auch nicht unter dem Volke gewütet,
wie wir zuerst annahmen. Und zum anderen akzeptiere ich das Recht des stärkeren. Wir waren besiegt und folgen nun König Haraldr.
Doch der Tempel der Hati wird gebaut. Ob als freier Mann oder als Vasall.
Eikundersund, Rogaland 8. September 868 – Frieden und Aufbau
Der Krieg war verloren, doch meine Pflicht den Göttern gegenüber blieb. Nach der Verhandlung mit Haraldr ging ich, mehr gestützt als
frei, in meine Festung. Ich wartete solange bis mich die meisten meiner Mannen und König Haraldr nicht mehr sehen konnte und brach
erst dann zusammen. Ich war verletzt – nicht schwer am Körper doch mehr in meiner Ehre. Doch viele Gepräche mit Grimr überzeugten
mich, dass ich meine Rolle nun gut spielen muss. „Rolle, Grimr? Ich bin kein fahrender Spielmann“ grummelte ich ihn an. „Herr, es ist
für die Götter und für unser Land. Odin wird dies billigen.“
Es dauerte einige Tage, doch ich ließ mich so oft blicken, wie es mir mein Zustand erlaubte. Haraldr war wohl wirklich davon
überzeugt, dass ich diese heilige Aufgabe habe – so hat er auch meine Schiffe nicht geplündert. Wir konnten unsere Beute sicher
in den Hafen und in meine Feste bringen.
Mein Ruf mehrte sich. Eine erfolgreiche Viking ist ein Zeichen von Mut und Stärke und so sprach sich schnell herum, dass Rogar
mit seinen Mannen erfolgreich die Christen bekämpfte und mit viel Ruhm und Ehre nach Hause kam. Auch die Schlacht, welche uns
doch fast 100 tapferer Männer kostete, mehrte eher meinen Ruf als das dieser geschmälert wurde.
Fast wichtiger als der Ruf war die Beute. Denn auch meine Schatzkammer mehrte sich. Gold und Silber, aus zittrigen Händen von
wimmernden Christen geraubt, mehrten meine Goldkisten auf fast 100 an der Zahl. Doch um einen Tempel zu bauen brauche ich
viele hundert Kisten. Und erst einmal musste ich die Wehrhaftigkeit meiner Feste verbessern. War es doch dem Verräter Graf Roald
von Telemark viel zu leicht gelungen unsere Festung zu erstürmen.
Mauern mussten gebaut werden. Auch wenn diese unter Verrat auch schnell fallen konnten, so werden sie trotzdem die Burg gegen
anstürmende Feinde länger Standhalten lassen. Und da man nun Tore hat, welche man mit Zollknechten besetzen kann, verdienen
wir auch an der Steuer, welche von Händlern zu entrichten sind.
„Toste, herebei. „Toste – mein Verwalter kam eilends zu mir „Herr, stets zu Euren Diensten“ mit einer tiefen Verbeugung wollte er
seinen tiefen Respekt bekunden. Doch ich war von solchem Schmierentheater mehr gelangweilt denn Stolz in der Brust. Doch er
war ein guter Verwalter und jeder Mensch hat seine Marotten. „Was ist derzeit deine Aufgabe?“ „Herr, Wir versuchen für Euch und
Euer Wohlgefallen unsere technischen Möglichkeiten im Bereich des Schmiedens und. „Ja“ grob unterbrach ich ihn. „..gut. Das ist
nun vorbei. Ich habe vor eine feste und starke Holzpalisade um Eikundesund bauen zu lassen. Geh und beaufsichtige den Bau.“
Mit einer tiefen Verbeugung quittierte Toste meine entlassende Handbewegung
Holmger sandte ich zu Roald, Graf von Telemark. Er soll dort Beweise für den Verrat sammeln, Urkunden finden, welche bezeugen, dass
das Land nicht ihm gehöre und er nicht mehr wert ist als die Schleimspur einer kriechenden Schnecke. Holmger grunzte zufrieden, reichte
mir seinen Arm und sagte „Wir werden Euch nicht enttäuschen, Herr“
Holmger war mir ein guter Unterführer auf meiner ersten Viking. Er war eigentlich der Kanzler meines Rates und Anführer meiner Stadt
Starvanger. Da er tapfer und Stolz mit mir im Schildwall stand, verlieh ich ihm den Titel „Merkismadr“. Er wurde damit zu meinem
Bannerführer.
Dyre, Marschall und Unterführer meiner Truppen, musste zurück bleiben und mein Land bewachen. Doch seit dem Fall von Eikundesund hielt
er sich weniger Wert als dampfender Hundekot. Ich nahm ihm sein Versagen nicht übel. Kämpfte er doch gut und dies trotz der wenigen
Mittel die er hatte. Meine Worte, welche seinen Geist aufbauen sollten, verhallten in der leere. Er blieb stumm und traurig, tat aber seine Arbeit.
Holmger war zufrieden mit seiner Aufgabe. War es doch Roald von Telemark, welcher durch Verrat Eikundesund die Niederlage brachte
und daher auch anschließend Starvanger fall. Dabei nahm Haraldr Björg, Holmgers Frau, gefangen und warf sie in den Kerker. Haraldr
wird sie sicherlich, wie es üblich ist, gegen Geld frei geben. Doch derzeit hat Holmger diese Mittel nicht zur Verfügung und will auch keines
von mir annehmen. „Entweder unser neuer König zeit sich gnädig und lässt sie frei oder aber ich verdiene mir das Geld und kaufe sie!“
So war sein Stolz ungebrochen.

Holmger fingiert Ansprüche auf die Grafschaft Telemark
Die Wochen und Monate zogen in das Land. Kälte vertrieb den Sommer und lag sich still über das Land. Ich nahm mir Gurli. Als meine Konkubine.
Ich pflügte sie und auch mein Weib Maer. Beide waren Freundinnen und lebten in meiner Festung. So war Gurli wie eine zweite Frau für mich und
auch ihre Kinder, werden meine Dynastie erweitern.
16. Februar 869 Eikundesund – Leben entsteht, Leben vergeht
„Rogar, ich fühle es. Neues Leben liegt unter meinem Herzen. Wie du siehst, ist mein Acker fruchtbar.“ Ich wusste, dass dies ein Seitenhieb auf
Gurli war, da sie bis heuer noch nicht Schwanger wurde. Gleichwohl beide sich gut verstanden, kam die Eifersucht doch langsam, kriechend aus
den niederen Gefilden des weiblichen unerforschten Kosmos, hervor. Ob es daran lag, dass ich Gurli öfters pflügte oder es einfach nur so ist wie
es ist, scherte mich nicht.
„Wunderbar. Ein Sohn wird meine Dynastie festigen. Und sollte ich scheitern, so wird mein Fleisch und Blut den Tempel erbauen. So oder So – die
Götter gewinnen.“ Maer, auch Seherin von Udval, schaute in den Himmel und fühlte ihren Bauch. „Ich sehe, dass das Kind stark wird. Es wird eine
wichtige Rolle im Geflecht Ygdrasil einnehmen. Also muss es ein Sohn werden, Rogar.“
Am 18. September 869 wurde meine Tochter Sif Rogasdottir geboren. Und auch neue Hoffnung in Gurlis Gedanken sie könne nun die erste sein,
welche mir einen Sohn schenkt.
Gyrid, Schatten und Spion meines Rates, kam aus Hamburg zurück. Sie erzählte mir, dass der Erzbishof Rimbert seine Armee schnell wieder
auflöste, als wir von dannen segelten. Er war geizig, dachte nicht an eine Finte und seine Männer wollten auch heim, die Ernte einfahren.
„Die Ernste einfahren?“ staunte ich „wieso wollen die weichlichen Christenköpfe ihre Ernte einfahren, wenn Gefahr an der Schwelle ihres Landes steht?“
Das Lachen und bespötteln von Gyrid ob der Schwäche der Christen war zwar Balsam in meinen Ohren doch keine wirkliche Erklärung. Egal.
Ich merkte mir, diese Erkenntnis für spätere Plünderfahrten.
Da Gyrid ihre Pflicht gut erfüllte, hatte ich neue Aufgaben für sie. „Du wirst nun in Rogaland deinen Dienst tun. Misch dich unter die
Adeligen, horche, schmeichle und steige ins Bett mit denen, wo du es als wichtig erachtest. Wenn wir hier ein Leck haben – eine undichte Stelle zu
Roald, dann melde sie mir. Und ich werde sie stopfen!“ Gyrid nickte und verschwand im Schatten.
Am Ende des Jahres wurde die Holzpalisade fertiggestellt. Starke Bäume wurden von harten Mannen gefällt. Tief drang die Axt in das Holz, fest krallte
er sich in das Erdreich. Doch jetzt schützen sie meine Festung vor dem Feinde. Toste war Stolz und ich nun Herr über eine Festung, welche auch langsam
das Aussehen einer annimmt.
So verging wieder ein Jahr. Meine Wunden waren restlos verheilt und Dyre bildete langsam, aber stetig, neue Krieger aus. Haben wir doch fast 100
Mann verloren. Doch würden wir wohl erst im kommenden oder übernächsten Jahr soweit sein, um wieder auf Viking zu gehen.
Um Dyre zu zeigen, dass er in meinen Augen kein Verlierer war und Ehre hatte, sagte ich vor allen „Dyre, Du bist mein Hirdmann, mein Waffenbruder.“
Es half nicht, er starb am 11. Januar des neuen Jahres am gebrochenen Stolz.
Björn, ein guter Krieger an meinem Hof, nahm seine Stelle ein. Im Rat und auch im Bett. Ich gab ihm Elin, Witwe von Dyre, zur Frau.
So war und ist es Brauch.
Dyre liegt aufgebahrt auf einem Holzstapel. Der Rat, alle Freunde und wohl auch ehemalige Feinde waren gekommen um die Begleitung
des letzten Weges zu sein. Das Feuer frisst sich ohne Gnade den Holzscheiten empor und verkohlt das Fleisch. Der Rauch verschwindet, Staub
und Asche bleibt zurück. Ich nahm sie und verstaute sie in einen Krug. „Wie ich Dir sagte mein Freund.
Du wirst mich auf der nächsten Viking begleiten.“
Und dies wird geschehen.
Bald.
Ende Teil IV