Kapitel 2 - Warten auf den Feind
Alle deutschen Einheiten befinden sich in Berlin. Im Rest des Reiches brach mancherorts die Bierindustrie zusammen, mangels erfahrenen Trinkpersonals. Luxemburg wurde von Frankreich eingenommen und ist nach wie vor ein souveräner Staat. Klink, unser Experte für internationale Beziehungen, hatte versäumt Luxemburg zu annektieren.
An allen Fronten rückt der Feind wie geplant vor. Sogar die Engländer wagen sich in ein amphibisches Abenteuer in Norddeutschland. Nur die Russen haben noch Schwierigkeiten den Weg nach Deutschland zu finden.
Da das ja scheinbar noch länger zu dauern scheint, können die Einheiten ja auch mal ihre Ausrüstung überprüfen. Vor allem die neuen Feldtelefone.
Elsaß-Lothringen, Baden, Württemberg, Hohenzollern-Sigmaringen, Bayern, Hessen und die preußischen Westprovinzen sind gefallen. Bis auf wenige Scharmützel erfolgt die Einnahme kampflos.
20. Februar 1915, 12:30 Uhr, auf dem Weg zum Reichsmarineamt:
Klink: "Schulz, nu bummeln se doch ni so! Um eens ham mir Termin beim Marinechef und Sie kriegen Ihre Wasserbeene ni bewegt."
Schulz: "Aach, mit leerem Magen läuft sich's so schlecht. I hob seit halb elf nichts mehr gegessen."
Klink: "Schulz, Sie Weißwurscht! Ihren Wanst könn'n Se sich nach dem Termin voll haun."
Schulz: "Zu Befehl, Herr Oberst."
[...]
Klink: "Ach..... Schulz. Ma ne Frage. Was halten Sie eigentlich von unserer aktuellen Kriegsstrategie? Ich meene, was spricht man denn auf der Straße darüber?"
Schulz: "Also des is ja a depperter Plan. Nix tun und warten, dass die Franzmänner immer näher kommen. I möcht net wissen, wer sich des ausg'dacht hat."
Klink: "Was?! Ä bedepperter Plan? Sie ham wo ne Beule am Sender?! ...... Nu erkennen Sie denn nicht die Genialität, die da dahinter steckt?"
Schulz: "Mir san bald in Kriegsgefangenschaft, mehr seh I net."
Klink: "Sehn se! Und deswegen sind Sie nur Feldwebel und ICH Oberst im Generalstabsdienst. Ich seh nämlich, dass mir in Kürze in Frankreich stehen werden."
Schulz: "Joar, wenn Sie des sagen."
[...]
Klink: "Schulz, ham Sie in ihrer großen Jacke irgendwo was zu Essen einstecken?"
Schulz: "Was zu Essen?!"
Klink: "Ich hab Kohldampf, Menschenskinder."
Schulz: "I hob hier nur ein paar Brote. Aber sagten Sie nicht vorhin, dass wir erst nach dem Termin essen?"
Klink: "Mann muss eben immer flexibel sein. Und nu rücken Se die Bemm'n schon raus!"
Wie es scheint wähnt sich Frankreich im Vorteil und ist so gnädig uns einen Friedensvertrag anzubieten. Jetzt heißt es Klappe halten und nicht verraten, dass eigentlich gerade alles wie am Schnürchen läuft und wir am gewinnen sind...
8. Mai 1915, 15:00 Uhr, Oberste Heeresleitung in Berlin:
Ludendorff: "Paul, schau mal. Scheinbar wurde ein britisches Schiff mit etlichen amerikanischen Passagieren an Bord durch eines unserer Uboote versenkt. Die Amerikaner sind nicht erfreut. Ganz und gar nicht."
Hindenburg: "Oh, das sieht nicht gut aus. Die liebäugeln doch schon länger mit den Franzosen und den Engländern."
Ludendorff: "Und bis nach Amerika reicht der Klinkplan nicht."
Hindenburg: "In der Tat nicht."
Ludendorff: "Wer von uns sollte eigentlich dem Reichsmarineamt unsere Strategie erklären und sie drauf hinweisen, dass wir keine Feinde in Übersee gebrauchen können?"
Hindenburg: "Nunja....."
Ludendorff: "Doch nicht etwa Klink?!"
Hindenburg: "..."
Ludendorff: "Paul!"
Hindenburg: "Ich dachte, das würde er hinkriegen. Er hatte alles schriftlich und sollte das haargenau so verlesen."
Ludendorff: "AAAAHHHHH, KLIIIIINK!"
Da geht die Tür auf und Oberst Klink tritt herzu.
Klink: "Sie ham gerufen Herr General?"
Ludendorff: "Sie haben mir gerade noch gefehlt."
Hindenburg: "Klink, das ist jetzt grade der absolut falsche Augenblick."
Klink: "Wieso denn falscher Augenblick. Ich gloobe es is wieder ma dran, dass ich mich mal nach meinem Siegesplan erkundige. Immerhin is jetzt ein dreiviertel Jahr nüscht passiert."
Hindenburg: "Nichts passiert. Klink, Sie hätten fast einen Kriegseintritt der Vereinigten Staaten verursacht!"
Klink: "Blubbersoße. Meine Schnulle, ich meene meine Sekretärin teilte mir mit, dass da keen Amerikaner hätte auf dem Kahn drauf sein dürfen."
Ludendorff: "Und ändert das was an den Tatsachen, dass in Amerika die Kriegsstimmung hochkocht? Erst das mit Luxemburg und jetzt die USA."
Klink: "Die soll sich ni so ham. Im Kriech geht eben ni alles immer glatt. Und dem Luxemburgischen Oberhäuptling hab ich ein Telegramm geschickt, dass sein Land als annektiert anzusehen is und sie sich umgehend ..."
Hindeburg: "...noch ein Wort und Sie finden sich in einem Schützenloch an der Front wieder!"
Klink: "Das können Se doch ni...."
Hindenburg: "...und ob ich das kann. Raus mit Ihnen!!!"
[...]
Hindenburg: "Klink wird langsam zum Problem."
Ludendorff: "In der Tat. Aber ich hab da schon so eine Idee."
Hindenburg: "Und was?"
Ludendorff: "Wir setzen ihn einfach aus."
Hindenburg: "Aussetzen? Wie einen Hund?"
Ludendorff: "Wie einen Hund. Einen lästigen, stinkenden Hund."
Frankreich hat sich was anderes einfallen lassen, um uns einen Friedensvertrag schmackhaft zu machen. Kaum Land abgeben, aber vor der Welt die Hosen runterlassen. Klar doch! Südafrika jedoch hat besagte Hosen scheinbar bereits voll. Sie geben auf. Irgendwer muss denen vom Klinkplan erzählt haben.......Wie bitte? ... Wer hat grad mit seiner Schwester in Südafrika telefoniert?! Weisung an alle Befehlshaber: Ab sofort wird nur noch per Feldtelefon kommuniziert. Alle regulären Leitungen abschalten!
Nach einem Jahr Krieg stehen unsere Feinde unmittelbar vor Berlin. Und Österreich-Ungarn, unser Bundesgenosse, macht schlapp. Tolle Vorstellung. Ach und Frankreich will wieder Frieden. Sie haben Angst. Sie vermuten, dass aus ihrer fröhlich-munteren Wanderschaft durch die deutschen Lande bald Ernst wird. Und natürlich werden die Luxemburger wieder übermütig. Aber gut. Her mit dem Waffenstillstandsablehnungsschreibenvordruck!
Kapitulieren? Im Augenblick des Triumphes? Hier leidet jemand gewaltig an Selbstüberschätzung. Einen popeligen Waffenstillstand haben sie uns angeboten. Diesmal sind sogar die Briten mit dabei. Wie dem auch sei. Da brauchen wir keinen Vordruck. Wir werden kämpfen. Und wir werden siegreich sein.
So, na da haben wir ja jetzt die optimale Angriffsposition. Überall ist Feind, wir können also nach überall hin angreifen.
Ludendorff, nimm deine Mütze. Es geht los. Aber macht schnell, Klink darf uns nicht sehen.
