
Tagebuchauszüge, Albert Klingenthals
1. Januar 1837
Heute wurden unsere aufgenommenen Anleihen auf 18.500 ₤ getilgt.
6. Januar 1837
Der heutige Tag markierte den Beginn der Verbesserung unserer Beziehungen zum Zarenreich. Interesse an einem möglichen Bündnis seitens des Russen scheint äußerst wahrscheinlich. Jedenfalls dem preußischen Botschafter in Sankt Petersburg zufolge...
21. Januar 1837
Meine Arbeit scheint erste Früchte zu tragen, denn in Sachsen wurde der Ausbau einer Betonfabrik abgeschlossen. Außerdem wurden einige Sägewerke erweitert sowie damit begonnen unser Stahlwerk im Rheinland auszubauen.
Des Weiteren wurde in der Schweiz mit der allerersten Volkszählung in der Geschichte des Landes begonnen.
10. Februar 1837
In Russland trauerte man derweil um den Großen Putschkin.
12. Februar 1837
Am heutigen Tage feierte ich meinen Geburtstag im Kreise der Familie auf unserem Familienhof im idyllischen Ostpreußen. Es war ein wirklich freudiges Fest. Natürlich konnte es mein Vater wiedereinmal nicht unterlassen, zynische Bemerkungen über meine Arbeit im Finanzministerium zu machen. Als ich ihm jedoch auf die Alternative hinwies, nämlich die ihm so verhasste französische Beamtenschaft, wechselte er prompt das Thema. Er hätte mich wohl lieber als preußischen Offizier gesehen, die Befreiungskriege jedoch zeigten mir das es auch andere Wege, als das Soldatenleben in Preußen, gab...
6. Mai 1837
Noch immer stehen die russischen Streitkräfte an der Grenze...
10. Mai 1837
In der neuen Welt scheint es derweil jeder Orts zu krachen. Im Süden erklärten Chile und Argentinien der peruanischen Union den Krieg und die Zentralamerikanische Konföderation scheint allmählich auseinanderzubrechen. Was das alles für uns bedeutet? Nun ja außer neuen Lesestoff, für die die des Lesens bemächtigt sind, und den Schreibern neuer Landkarten.
14. April 1837
Stets auf der Suche nach möglichen neuen sowie potenziellen Verbündeten vermeldete das Außenministerium am heutigen Tage einen bedeutenden Erfolg. Es gelang preußischen Diplomaten unser Verhältnis zu Schweden auf eine gute Basis für weitere Verhandlungen zu stellen. Was sich daraus für die Zukunft ergibt werden wir wohl noch sehen.
21. Juni 1837
Mit dem Tode Wilhelms IV. folgte die 18 jährige Victoria ihrem Onkel auf den Thron des Vereinigten Königreichs. Durch das im Königreich Hannover geltende Salische Recht, das Frauen von der Thronfolge ausschließt, endet somit auch die bereits seit 123 Jahren bestehende Personalunion zwischen Hannover und dem Vereinigten Königreich. Den hannoverschen Thron bestieg nun Ernst August, welcher nach seiner Krönung ohne große Umschweife die liberale Verfassung abschaffen ließ.
Preußen schloss im Nachhinein ein Militärbündnis mit Hannover ab.
20. Oktober 1837
Die königlichen Heeresakademiker präsentierten am heutigen Tage ihre Ergebnisse der Heeresprofessionalität.
Wichtiger jedoch war welches Projekt nun in Angriff genommen werden sollte. Neben der Definierung des Realismus, wie es mir beschrieben wurde, gab es noch die für unsere Wirtschaft äußerst wichtige Mechanische Produktion. Demzufolge entschieden wir uns für die Mechanische Produktion, sehr zum Unwillen einiger übereifriger Akademiker…
20. Oktober 1837
Man konnte so einiges über König Ernst August von Hannover sagen aber Sr. Majestät tat sich mit der Entlassung der sogenannten Göttinger Sieben nun wirklich keinen großen Gefallen. Die Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den deutschen Landen und sorgte überall für Entrüstung. Wie soll das noch weiter gehen?

30. Dezember 1837
Ministerium für Finanzen, Berlin
Nun hieß es einmal mehr die Schulden zu tilgen. Preußen hatte dieses Jahr ordentlich auf den Putz gehauen. Die Anleihen belaufen sich mittlerweile auf 40.100 ₤, welche nach der geplanten Tilgung bei 33.500 ₤ liegen werden.
Der Überblick über die Einnahmen und Ausgaben Preußens liefert einige interessante Erkenntnisse. Von Alvensleben ging schon vom schlimmsten aus, war um seinen guten Ruf besorgt. Albert konnte die Unruhe seines Vorgesetzten förmlich spüren als er in sein Arbeitszimmer trat um ihm die Jahresbilanz vorzulegen. Schließlich hingen ihre beiden Existenzen wortwörtlich von einer guten Jahresbilanz ab...
Die Jahresbilanz 1837:



Tagebuchauszüge, Albert Klingenthals
29. Januar 1838
Nachdem sich die Vermutungen über die Auflösung der Zentralamerikanischen Konföderation am 21. Januar bewahrheiteten, wurde uns am heutigen Tage die neue Karte mit den territorialen Änderungen vorgelegt.

5. Februar 1838
Für dieses Jahr waren einige große Projekte geplant. Unter anderem der Bau eines Stahlwerks in Schlesien. Einige letzte Einzelheiten müssen jedoch erst noch geklärt werden.
6. Februar 1838
Am heutigen Tage sollte das Heer erweitert werden. Dumm nur das meine Wenigkeit als letztes davon erfuhr, umso mehr lässt sich mein Unmut über das Ganze erklären. Da Von Alvensleben derweil auf Reisen war oblag die Bereitstellung der benötigten Geldmittel meiner Person.
Die Heereserweiterung sollte mit zwei neuaufgestellten Infanteriedivisionen beginnen. Weitere sollten schon bald folgen. Als hätte ich nicht schon genug um die Ohren gehabt, so muss ich mich nun auch noch mit den Forderungen dieser Offiziere rumschlagen. Jedenfalls wurden die zwei geforderten Heeresdivisionen zügig in Auftrag gegeben.
23. Februar 1838
Aus Russland kam die Meldung dass man sich dazu entschied den Osten des Landes zu eröffnen. Mittel hierzu sollte die sogenannte Transsibirische Eisenbahn werden.
8. April 1838
Frankreich verkündete derweil stolz die Annektierung Al Djazairs.
2. Juli 1838
In Hessen Kassel wurde das Mozartfest gefeiert. Ein wahrhaft herrliches Ereignis.
2. August 1838
Auf internationaler Ebene tat sich in den vergangenen Tagen gehörig was! Frankreich hatte gegenüber der Schweiz Mobil gemacht. Anlass für diese Drohung war der Neffe Kaiser Napoléons I., Charles Louis Napoléon Bonaparte, welcher aus seinem amerikanischen Exil zurück in die Schweiz kehrte um seine im Sterben liegende Mutter zu besuchen. Da Louis Napoleon jedoch einst als Offizier in der Schweizer Armee gedient hatte, verweigerte die Schweiz die von Frankreich geforderte Auslieferung. Jahre zuvor hatte Louis nämlich einen Putsch gegen den französischen König geplant, welcher natürlich kläglich scheiterte und ihn ins amerikanische Exil brachte. Bevor die Lage jedoch eskalierte reiste Louis in das Vereinigte Königreich aus. Somit bewahrte er seine beiden Heimaten vor dem nur allzu wahrscheinlichen Krieg.
11. August 1838
Eigentlich waren es anfangs nur Gerüchte denen Niemand so wirklich Glauben schenken wollte, doch nun wurde es immer deutlicher. Im hannoverschen Königreich nimmt die Anzahl lokaler Aufstände immer mehr zu! Ernst August hatte es sich wohl doch mit seinen Untertanen gehörig verpatzt. Viele hier im Staatsministerium befürchten einen großen Aufstand. Obwohl die Furcht wohl eher darin begründet liegt, dass die Aufstände jederzeit auch auf unser Land übergreifen könnten.
25. August 1838
In Belgien veröffentlichte Hendrik Conscience seinen Roman 'De Vlaamse Leeuw'.
8. September 1838
Am heutigen Tage entschloss man sich in Preußen dazu in den hannoverschen Konflikt einzugreifen. Am Tage zuvor erhielten wir die bestürzende Nachricht dass das Heer Ernst Augusts von Aufständischen völlig aufgerieben wurde. Über den Verbleib des Königs ist bis Weiten nichts bekannt. Sr. Majestät König Friedrich Wilhelm III. war außer sich und so beschloss er, sich der Sache selbst anzunehmen.
Die meisten Seiner Berater rieten jedoch dazu sich aus der Angelegenheit rauszuhalten, da sie heftige Reaktionen, aus dem leider nicht allzu fernen Österreich, befürchteten. Sr. Majestät jedoch war fest davon entschlossen diesem anarchistischen Abschaum dessen niederträchtiges Handeln auszutreiben, und zwar auf preußische Art.
So kam es, dass das Königlich Preußische Heer am 8. September an den Grenzen Hannovers aufmarschierte.
20. Oktober 1838
Als wenn meine Person dem preußischen Heer nicht schon genug entgegengekommen wäre, so schafften es diese Generale mit ihren ständigen Forderungen nun endgültig meine Geduld zu überziehen...
Geforscht soll nun die Strategische Mobilität werden, welche unserem Heere zugute kommen soll.
So blieb mir an diesem trüben Tage lediglich die Freude an den Ergebnissen der Mechanischen Produktion...
29. Oktober 1838
Uns erreichen einmal mehr erfreuliche Nachrichten über den Verlauf des Feldzuges in Hannover.
7. Dezember 1838
Im Kriegsministerium herrscht zur Zeit eine recht ruhige Stimmung, es vermittelte einem Fremden geradezu den Eindruck als ob es Sie völlig kalt ließe das man sich gerade in einem Kriege befindet. Ob etwas dahinter steckt oder ob es sich hierbei um blanke Überheblichkeit handelt, so mag ich meinerseits gar nicht erst spekulieren wollen.
25. Dezember 1838
Am zweiten Weihnachtstage erreichte uns die erfreuliche Nachricht das preußische Truppen siegreich in Hannover einmarschierten und die Stadt ohne nennenswerten Wiederstand besetzten. Wahrlich ein schönes Weihnachtsfest...

30. Dezember 1838
Ministerium für Finanzen, Berlin
Es war wieder einmal der Letzte des Jahres und so trat Klingenthal, mit einem Wisch in der Hand, vor seinen Vorgesetzten. Dieser hätte es auch nicht mehr länger ertragen können, in seinem Unwissen über die finanzielle Lage Preußens. So war Albert sichtlich erleichtert darüber der Bote guter Nachrichten zu sein, schlechte hätten ihm vermutlich einen neuen Vorgesetzten eingebracht.
Die Jahresbilanz 1838:


4. Januar 1839
Ministerium für Finanzen, Berlin
Am 4. Januar war es dann endlich soweit! Der Befreiungsfeldzug war offiziell als beendet erklärt. Preußen war es gelungen innerhalb einiger Monate das Königreich Hannovers vollständig zu besetzten und so dem Spuk, der durch das Land streifenden Aufständischen, ein jähes Ende zu bereiten.
Zu allem Überfluss tauchte in der Stunde des Sieges auch noch jener auf, der all dies erst zu verschulden hatte, König Ernst August. Angeblich hatte er schon eine große Feier, anlässlich seines heroischen Sieges, geplant. Als Sr. Majestät dann jedoch die Bedingungen Preußens vorgelegt wurden, wandelte sich die voreilige Freude nur allzu schnell in blanken Zorn.
Sr. Majestät Friedrich Wilhelm III., König von Preußen etc. war zu der Auffassung gelangt, das Königreich Hannover könne sich gegen diese "inneren Bedrohungen" nur unzureichend schützen. Deshalb verbleibt der Großteil des Landes, bis zu einem noch festzulegenden Zeitpunkt, unter preußischer Besatzung.
7. Januar 1839
Ministerium für Finanzen, Berlin
Durch einige Freunde beim Kriegsministerium gelangte Albert schließlich doch an einen vollständigen Bericht über den Preußisch-Hannoverschen Konflikt.

II. Korps, 1. & 2. Linieninfanteriedivision, General Marienburg, Magdeburg
IV. Korps, 5. & 6. Linieninfanteriedivision, General Gatow, Berlin
V. Korps, 7. & 8. Linieninfanteriedivision, General Augustow, Stralsund
VI. Korps, 9. Linieninfanteriedivision, General Anklam, Dortmund
VII. Korps, 10. Linieninfanteriedivision, General Greifswald, Münster
IX. Korps, 1., 2., 3. & 4. Kavalleriedivision, General Oder, Erfurt
Königlich Preußische Marine, 1., 2. & 3. Klipperflotille, Kapitän Friedmann, Stralsunder Hafen

III. Korps, 3. & 4. Linieninfanteriedivision, General Kreuzberg, Görlitz
1. Reserve Korps, 1. & 2. Reservedivision, General Warnemönde, Liegnitz
Der Schlachtverlauf:
Am 8. September 1838 marschierten preußische Truppen in das hannoversche Königreich ein.
26. September 1836: Erreichte die Königlich Preußische Marine die Helgoländer Bucht, von wo aus sie sich Richtung Stade wendete.
14. Oktober 1838: Göttingen wurde besetzt.
15. Oktober 1838: Das V. Korps, unter General Augustow, ging im Hafen Stades von Bord,
29. Oktober 1838: Der Raum um Stade wurde vom V. Korps gesäubert. Des Weiteren erreichte das VI. Korps Osnabrück.
4. November 1838: Die Provinz Lingen wurde erfolgreich besetzt.
25. November 1838: Hannoversche Rebellentruppen wurden im westfälischen Minden gesichtet.
27. November 1838: Der Raum Osnabrück wurde von Aufständischen befreit.
29. November 1838: Das V. Korps erreichte Nienburg.
3. Dezember 1838: Das IV. Korps erreichte Lüneburg.
4. Dezember 1838: Das VII. Korps erreichte Emden.
16. Dezember 1838: Die Provinz Lüneburg wurde besetzt.
10. Dezember 1838: Das IX. Korps erreichte Hannover, zugleich kam es in der Hauptstadt zu kleineren Gefechten welche zu Gunsten Preußens entschieden wurden.
15. Dezember 1838: Die Provinz Nienburg wurde unter preußische Kontrolle gebracht.
25. Dezember 1838: Letzte Scharmützel im Raum Hannover wurden beendet.
1. Januar 1839: Der Raum Emden wurde von Aufständischen gesäubert.
4. Januar 1839: Das Königreich Hannover wurde vollständig von preußischen Truppen besetzt. Der Aufstand wurde erfolgreich niedergeschlagen.
Persönliche Zusammenfassung:
Alles in allem kann man wohl sagen das die Krise hervorragend gemeistert wurde. Zwar war es kein wirklicher Krieg, jedoch gelangten unsere Generale und Offiziere sicherlich an so manch neue Erkenntnis. Die Investition in das Heer scheint sich wirklich gelohnt zu haben. Viel interessanter jedoch ist, was nun mit den "besetzten" Provinzen geschieht. König Ernst August wird sich zweifellos beim Bunde, also Österreich, beschweren und bringt uns somit in eine nicht allzu günstige Lage.

Tagebuchauszüge, Albert Klingenthals
8. Januar 1839
Wir vermelden einen akuten Mangel an Holz! Einige unserer Fabriken mussten schon ihre Produktion einstellen. Glücklicherweise haben wir in den vergangenen Jahren in Sägewerke investiert, welche uns schon bald entlasten sollten.
14. Januar 1839
Mit dem heutigen Tage wurde der erste Stein zur Förderung der Eisenbahn in Preußen gelegt. Da wir bereits seit einiger Zeit über eine Teststrecke von Berlin nach Magdeburg verfügen, sollen nun auch Gleise nach Torgau, Prenzlau sowie Kottbus verlegt.

16. Januar 1839
Heute erreichte das Konsulat die Aufforderung Österreichs, Vertreter Preußens für den 1. Februar zum Bundestag nach Frankfurt am Main zu senden. Thema des Bundestags soll die Behandlung des Hannover-Konfliktes sein. Ein Nichterscheinen Preußens, durch bevollmächtigte Vertreter, ziehe zweifellos die sofortige Kriegserklärung des Habsburgerreiches und seiner Schergen mit sich.
Eine solche Reaktion seitens Österreichs war klar vorherzusehen. Eine Ignorierung der Annektionen großer Teile Hannovers durch Preußen bedeutete auf Dauer eine klare Verschiebung der Macht innerhalb des, von Österreich dominierten, Deutschen Bunde.

