[B@W] Abominus;640488 hat geschrieben: Abominus;640488"]Ich habe die '68 weder mitgemacht, noch habe ich das in der Schule durch genommen. Was war denn weltbewegendes geschehen? Ich habe nur noch sowas im Kopf wegen der ganzen Altnazis, die in Führungspositionen, Richterämtern etc. verblieben sind...
Ja und wurden die da irgendwie alle gegangen? Ich glaube nicht. Es ist eh eher ein Märchen, dass es da einen massiven Umbruch gab. Aber seitdem ist jedenfalls Rockmusik hören völlig legal und ungeächtet, Schwule werden nicht mehr verfolgt und Kuppelei ist auch kein Verbrechen mehr. Sitte, Anstand und Sünde - die begriffe haben sich da quasi verabschiedet. So sagt man.
Vernichter hat geschrieben:Für mich ist 1968 sehr ambivalent. Auf der einen Seite brachte es sicherlich Fortschritte, auf der anderen Seite wurde aber auch so Manches kaputt gemacht und man kann froh sein, dass die politischen Ziele für die Bewegung zum grössten Teil in Enttäuschungen und "nur" in solchen Auswüchsen wie der RAF endeten. Der Spass wäre garantiert in einer Diktatur gemündet. Die Ereignisse sind für mich also weder als die Sternstunde der Demokratie und Liberalismus, noch als Sodom und Gomora, sondern als eine notwendige Aussereinandersetzung der Gesellschaft mit sich selbst einzuordnen, bei der die deutsche Nachkriegsdemokratie doch beweisen konnte, dass sie stabil und liberal genug gewesen, um notwendige Reformen einzuleiten, ohne wie von der Bewegung gefordert das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Ihr könnt den Chaotenhaufen doch nicht politisch für voll nehmen. Heute sehen wir, wie ernst es denen mit der Revolution war. Slogans und Romantik mit Gerechtigkeit und so, das gerne. Aber der politische Wille zur Änderung entsteht nur dann, wenn die Protagonisten die Missstände selbst im Alltag als solche wahrnehmen und nicht herbeireden, weil es in Theorien von Philosoph X und Staatsmann Y so steht. Kurzum: das maoistische Programm von 1968 war so umsetzbar, wie Joschka es umgesetzt hat. Studenten alleine können keine Revolution machen, haben wir seit 1848 immer wieder gesehen.
Und um zum Thread wieder überzuleiten: Unter Gorbatschow und Jelzin hat man in Russland dagegen mit dem Bade ausgeschüttet und so einer Gesellschaftstruktur vorschub geleistet in der der Volksmund Demokraten als (Sche...e)Dermokraten und Liberale als (Pederasten) Liberasten bezeichnet.
Liberale an der Steuer haben aus einer (stagnierenden) Weltmacht einen (hoffnungsvollen) Dritte-Welt-Staat gemacht. Dass sich da nicht viele von ihren Ideen begeistern lassen ist irgendwie logisch. Was macht aber Putin eigentlich so beliebt (oder zumindest für die Mehrheit tolerabel)? Sein Machogehabe? Die wirtschaftliche Erholung des vergangenen Jahrzehnts?
Liberale in Russland:
eine Mischung aus (Marktwirtschaft) FDP und dem bürgerrechtlichen Flügel der Grünen, aber ohne die Umwelt und Friedensthematik.
Ohne Friedensthematik? Wer setzt sich dann gegen Kriege in Tschetschenien und Georgien ein? Irgendjemand muss das Thema doch aufgreifen, oder sterben die Russen grundsätzlich gern?