Kapitel III:
Von der Hybris der Herrscher
Die Chroniken der Peloponnes vom Januar bis Juli des Jahres 1067
Nachdem alle Abgesandten, Räte und Vasallen ihre Treuerschwüre gegenüber Georgios Palaiologos, seiner nicht minder jugendlichen Gattin Ioanna und dem Thron von Achaeia erneuert hatte, erhob sich der junge Fürst aus dem goldenen Thron, das Wort erheben und an alle Mitglieder des Aeilogeion Siaon richtend. Die Stimme klang stark und klar, was schon überraschend für den Jüngling. Man mochte schwerlich erkennen, ob die Worte auswendig gelernt worden waren oder doch improvisiert wurden, doch klagen sie durch den anarchonistisch anmutenden Thronsaal und erfüllten die Köpfe wie Herzen der versammelten Männer mit ihrem mitreissenden, charismatischen Klang. Sein Blick striff jedes Gesicht und in den kurzen Augenblicken mochte schien es so, als würde er das tiefste Innere eines Jeden analysieren:
“Sie haben gesagt, dieser Tag würde niemals kommen. Der Tag, an dem sich die Peloponnes wieder um einen Mann schart und ihre ganze Kraft in das Wiedererstarken dieser ruhmreichen Provinz setzt.
Sie haben gesagt, unsere Ziele wären zu hoch gesetzt. Sie haben gesagt, diese Provinz, ja dieses Reich wäre zu gespalten, zu desillusioniert um jemals für ein gemeinsames Ziel zusammen zu kommen.
Aber in dieser Nacht, an diesem bestimmenden Moment, diesem Anfang der Geschichte, habt Ihr das getan, von dem die Heiden und Barbareren behauptet haben, wir könnten es nicht tun.
Ihr habt das getan, was jedes einzelne Mitglied dieses Reichs tun kann. Was jeder Byzantiner tun kann.
An diesem Ort, zu dieser Zeit kamt Ihr zusammen aus Korinth, Mistra, Pylos und Patras, um aufzustehen und zu sagen: Wir werden unser Reich nicht den Söhnen der Wüste übergeben – schon garnicht kampflos!
Ihr habt gesagt, dass die Zeit gekommen ist, um die Bitterkeit, Engherzigkeit und Wut, die dieses Reich verzehrt, hinter uns zu lassen.
Um die Strategie zu beenden, die ausschließlich auf Teilung und Intrigen beruht und anstelle dessen Ergänzung zu setzen. Um eine Koalition des Familien und Herrscher der Gerechten zu schaffen, die sich über das ganze Reich erstreckt.
Denn so werden wir gewinnen und so werden wir endlich die Herausforderungen, mit denen unsere Peloponnes konfrontiert ist, annehmen können.
Wir wählen Hoffnung statt Angst.
Wir wählen Mut statt Feigheit!
Wir wählen die ruhmreiche Vergangen statt die bange Zukunft!
Männer der Peloponnes, seid ihr bereit an meiner Seite uns alles wiederzuholen, was uns vor langer Zeit genommen wurden?“
Die Jubellaute der Anwesenden erstickten in dieser Nacht, einhergehend mit dem Wein und der Freude des neuen Regenten, jeden Zweifel ob der Worte des jungen Fürsten. Sich das zurückholen, was ihnen gehörte? Was mochte zum alten römischen Reich denn mehr dazugehören als Rom selber? ...
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Während des nächsten Monats – dem Januar 1067 - gewährten die Götter der Peloponnes eine friedvolle, wenn auch nur kurze Zeit. Das Volk liebte ihr neues Fürstenpaar, und auch wenn einige alte Räte das Streben des jungen Georgios argwöhnisch beobachteten, sagten sie nichts, konnten sie sich noch zu gut an seine vollmundigen Versprechungen erinnern, die ihnen eine segensreiche Zeit prohphezeiten. Doch war für sie nicht der junge Georgios Palaiologos das Problem, sondern vielmehr seine laszive junge Ehefrau, über die trotz Mangel an Beweisen schon der erste Hoftratsch kursierte. Auch über den schadhaften Einfluss des alten Thedooros von Ephesos auf den jungen Palaiologen wurde gemunkelt. Doch all das wurde von den Anfängen der segensreichen Zeit seiner Regentschaft überschattet. Im Januar gab es zwei Ereignisse, welche nicht nur den Fürsten sondern das ganze Volk glücklich stimmten:
Mitte Januar formulierte der greise Fürst Perenos Hannibalianos, der Fürst von Durazzo am ionischen Meer (heutiges Albanien) eine offizielle Bitte um eine Allianz zwischen den beiden Fürstentümern. Wohlwissend, dass die Peloponnes bei dem kleinsten Anzeichen von Illoyalität Durazzos gegenüber Konstantinopel den Vertrag annullieren konnte, stimmte Georgios freudig zu.
Wenige Tage später mochte er auch Nachricht von seinem Onkel. Alexios Palaiologos, dem Fürsten von Epirus, erhalten. Als Morgengabe ob des Antretens des Erbes seines Bruder schenkte der Alexios dem jungen Fürsten von Achaeia 23.000 goldene Hyperpyronen, eine grosszügige Gabe, die Georgios voller Freude annahm.
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Mitte Februar schien allerdings die rege Freude in der Palast-Feste zu Patras zu zerbrechen. Der junge Fürst saß zusammengesunken in seinem goldenen Throne während Ioanna ihren jungen Gatten sorgenvoll ansah, vielleicht wurde es langsam wirklich Zuneigung. Doch alle anderen, die vielen Räte, das Kabinett wie auch der zornige Theodoros von Ephesos betrachten viel mehr den eitlen Gecken, der als Bote aus Konstantinopel hergeritten war und folgende Bekanntmachung verlesen hatte, in einem gebieterischen Tone wie es anzumerken galt:
Diener des Basileos Konstantions Dukas IX.,
Untertanen Byzanz´ !
Höret die Worte unseren weisen Kaisers und versucht mit jeder Faser eures Körpers seiner Weisung zu folgen:
Konstatinos IX. Verlangt von jedem seiner Fürsten das Ausheben seiner Privattruppen um die Hundesöhne der Seldschuken an den Grenzen unseres Reiches anzugreifen, um die Themata Armenikon und Cilicios sowie den Patricharchensitz Antiochios zu verteidigen.
Jeder Soldat unter eurer Herrschaft ist aufgefordert und folget der Weisung, sonst wird der Zorn des Kaisers grenzenlos sein. Jeder Fürst soll auf Weisung des Kaiser seine Truppe selber ins Felde führen.
Die Kosten über eure Truppen tragen die Fürsten selber.
Theodoros schickte rasch den Boten aus dem Palaste, damit der junge Fürst mit seinen Getreuen beraten konnte. Und wie sie sich beraten würden....wusste man doch ob der aberwitzigen Vorstellung eines Angriffs:
„Das ist Wahnsinn! Wie kann der alte Narr, dieser 70 jährige, einen Angriff anstreben, nachdem wir uns nach den letzten Niederlagen mit dem letzten Gold unseres Reiches den Frieden erkauft hatten? Doch es war nicht der Greis, ich denke viel mehr dass es der intrigante Ränkeschmied war, der sich sein Enkel schimpft. Dieser Michaelos Dukas wird unser Reich in den Untergang stürzen...“
polterte die wunderschöne Ioanna Kommenus, die Fürstin der Peloponnes. Ihre sonst durchaus laszive und angenehme Stimme mochte um ein aufbrausendes Element ergänzt worden sein. Offensichtlich war sie eine junge Frau klarer Worte.
„Junge Fürstin, mäßigt euren Ton. Wir alle wissen ob der Verluste unseres Reiches, nicht zuletzt der ehrenwerte Vaters unseres Fürsten, aber wir müssen – trotz allem – seinen Befehlen folgen. Doch stimme ich euch zu, was den Thronprätendenden angeht.“
entgegnete der alte Theodoros der jungen Frau, die Stimme trotz ihrer mäßigenden Intention durchaus klar formulierend.
„Mit was Theodoros? Die Fürstin hat doch recht. Wir haben keine Soldaten mehr, außer den 200 Praetorianer der Feste, welche ich gerade in den alten Taktiken ausbilde. Das kann nicht die Morgengabe sein, die sich der Kaiser wünscht.“
antwortete rasch der Tribun von Achaeia, Manuelos Kalouthetes, seine Miene von Gramesfalten zur Gänze zerfurcht.
„Wir....verdammt, wir müssen dieser Weisung folgen...obwohl sie eine Narretei des Intriganten Michaelos Dukas ist. Ich werde...ich muss meine Soldaten selber ins Feld führen, obgleich ich eher diesen Ländereien dienen müsste. Manuelos, mein Tribun – lass die Praetorianer aufmarschieren!“
sprach´s der junge Fürst, mit bitterer Stimme....
Der plötzliche Aufstieg eines neues Basileos
Damit war die Frage entschieden, und das Einzige was zurückblieb war die Trauer auf den Zügen der wundeschönen Ioanna, der jungen Fürstin.
Nur wenige Tage später wurde der alte Basileos Konstantinos Dukas IX. tot aufgfunden, offensichtlich ertrunken während seines morgendlichen Bades. Der Sklave der ihm dienen sollte, war nun verschwunden, und erst Jahre später konnte festgestellt werden, dass es der Prvatdiener von Michaelos Dukas war, der nun zum Basileos gekrönt wurde:

Zwei Wochen später marschierte der junge Fürst mit seinen Praetorianern ab, den Hafen von Mistra ansteuernd, um sich so schnell wie möglich im Sammelpunkt der dritten Armee bei Caesareia in Klilikien zu begeben. Seine Bevölkerung verabschiedete ihren Geliebten Herrscher voller Tränen, vielleicht ahnend, wie es mit ihm enden konnte...doch niemand vergoss mehr aufrichtige Tränen als die Fürstin. Gerüchten zufolge hatten sie, vielleicht ob der Scham ihres Alters, noch nicht das Ehebett geteilt sodass sie noch von keiner Schwangerschaft und dem Fortkommen der Dynastie hätte berichten können.
Der abreisende Georgios, Ioanna und Theodoros von Ephesos
Und so marschierten der tapfere wie junge Palaiologe mit seinen 150 Getreuen aus, um dem Wahnwitz des offensichtlich wahnsinnigen Basileos Folge zu leisten, den drohenden Untergang vor Augen:
Drei Monate vergingen, während der junge Georgios mit seinen 150 Mannen durch Kleinasien zog, den Sammelpunkt anvisierend. Zu allem Unglück wurde die Galeere des Fürsten von einem heftigen Sturm nahe Naxos erfasst! Nur durch den Mut und die Ruhe der Mannschaft wie der Praetorianer konnte der Verlust des Schiff abgewendet werden, doch kostete der Zornd er Götter der Leibwache trotz allem über zwanzig tapfere Recken. Es schien so, als würden die Götter den Krieg nicht wollen. Doch die Lage schien ernst und einige Pessimisten sagten schon vor dem eigentlichen Kampfe die Niederlage des Kaiserreiches vorraus. Eine These, welche die Zahl der Truppen die sich gegenüberstanden durchaus bestätigen konnte, zum Leidwesen der Byzantiner. Als er dann am Sammelpunkt eintraf, musste selbst der junge Georgios über die desolate Quantität der byzanitinischen Truppen staunen:
Georgios war den Truppen des Themas Armenicon zugeteilt, doch als die entgültigen Zahlen der Truppenverhältnisse die Runde machten, waren nicht nur er, sondern auch seine Berater entsetzt. Es schien, als wäre der kommende Krieg von Anfang an verloren, die Zahlen sprachen zu klare Bände, gerade weil sich das byzantinische Reiche nur als kleinen Batallionen von Leibwachen zusammensetzte, die hierachische Struktur der alten Legionen und Comitanenses längst verloren:
Eilig ließ der junge Fürst dem Rat von Patras eine Nachricht überbringen.......
FORTSETZUNG FOLGT