deltadagger hat geschrieben:Hernach fand ein kleiner Schlagabtausch darüber statt, wer nun böser ist, der Kapitalismus oder der Kommunismus.
Das war anderswo: Im taxes-Thread mit Cuza. Hier ging es um Einsteins Aussage, im Kapitalismus gäbe es ein (wachsendes) Heer von Arbeitslosen. (Falls das überhaupt seine Aussage war, vielleicht wollte er auch nur auf die Existenz einer Restarbeitslosigkeit hinweisen).
deltadagger hat geschrieben:Weiter so weit verstanden, ist die eure Position bisher gewesen, das der Kapitalismus in möglichst reiner Form, also weitgehend ohne staatlichen Einfluss der Königsweg sei.
Das stimmt so nicht. Wir haben mal zum Thema Opernförderung unser Bild zum Verhältnis von Markt und Staat ausgeführt.
Hier Teil 1 zur Verteilung von Gütern in einer Marktwirtschaft. Hier Teil 2 zur Rolle des Staates als Erbringer öffentlicher Güter und zur Korrektur von Marktversagen. Denkt euch die Opernförderung weg und setzt gedanklich ein beliebiges anderes ökonomisches Gut ein.
deltadagger hat geschrieben:
Hieraus stellte z. B. ich die Fragen:
Hmmm... und warum musste in die Marktwirtschaft eingegriffen werden, zumindest in dem Beispiel der USA?
Wenn der Kapitalismus in sich perfekt wäre, wären ja Eingriffe nicht nötig, alles andere wäre unlogisch, oder?
Was heißt perfekt? Ist der Kapitalismus perfekt? Nein, was ist schon perfekt? Aber es ist das bisher beste Wirtschaftssystem, das sich feudalen und planwirtschaftlichen Modellen bei der Schaffung von Wohlstand als überlegen erwiesen hat. Wenn man nun akzeptiert, dass ein Eingriff in die Marktwirtschaft stets notwendig ist, dann löst sich auch der logische Schluss auf, dass ein staatlicher Eingriff auf einen Fehler im System hinweist.
Eure Frage zur großen Depression sollte daher nicht lauten, warum in die Marktwirtschaft eingegriffen werden musste, sondern war der Eingriff gut? Dazu haben wir in
#29 zwei Punkte verlinkt, die frühere Eingriffe des Staates als Mitursache der großen Depression und das Krisenmanagement der FED als einen der Hauptursachen für die Tragweite der Krise sehen.
Aha, also jetzt doch ein regulierter Markt.
Nochmal: Das war nie anders. Es gibt nur gute und weniger gute Eingriffe in den Markt/den Kapitalismus. Gute Eingriffe sind effektiv (sie erreichen ihr Ziel) und effizient (sie sind billig, haben geringe Nebenfolgen).
deltadagger hat geschrieben:Die soziale Marktwirtschaft der BRD wurde ja aus Gründen eingeführt, die nicht unähnlich derer sind, warum nun Peru (oder sonst wer) ein Alternativmodell der Wirtschaftspolitik aufstellen wird.
Es geht ausschließlich darum relativ arme Menschen in relativen Wohlstand zu versetzen.
Ob das nun in dem konkreten Fall funktioniert, wird alleine die Zeit uns Kund tun und mit Sicherheit kein sogenannter Wirtschaftsexperte.
Hier müssen wir entschieden widersprechen: Es gibt keinen wissenschaftlich begründbaren Anhaltspunkt dafür, dass ein marxistisches Experiment in Peru gelingen könnte. Ihr argumentiert hier auf dem Niveau eines Klimaleugners in der Art "was wissen denn die Experten schon". Bei allen offenen Fragen und Differenzen in den Wirtschaftswissenschaften ist dennoch unstrittig, dass der Sozialismus/Kommunismus als Wirtschaftsmodell nicht funktioniert. Die Geschichte zeigt, dass dieser, wenn er nicht schon direkt als Diktatur startet, zwangsläufig zu einer solchen verkommt. Die Gründe, wegen derer eine soziale Marktwirtschaft oder ein kommunistisches Regime eingeführt werden, mögen die gleichen sein. Das Ergebnis wird sich aber gewaltig unterscheiden.
Wir haben das hier mal gegenüber Cuza angeführt (wenngleich in einer hitzigen Stimmung): Der Sozialismus bringt den Tod, weil geplante Wirtschaften nicht funktionieren (Stichwort: Planungsproblem).
deltadagger hat geschrieben:Insofern, lass es die Peruaner versuchen.
Es spricht viel dafür, dass es scheitert aber es spricht sehr viel dafür, dass daraus Impulse für eine gezielte weltweite Wirtschaftslenkung und vor allen Neuordnung entstehen.
Wir teilen eure Motivation, globale Armut zu mindern. Das kann aber nur mit marktwirtschaftlichen Prinzipien, Freihandel und Globalisierung gelingen. Auf den Aufstieg Chinas seit Einführung der sozialistischen Marktwirtschaft und der Öffnung für den Welthandel haben wir ja schon hingewiesen. Den Pfad, den die Peruaner nun einschlagen, ist nicht diskutabel. Da gibt es kein vielleicht, kein historisches Beispiel für einen Erfolg. Wenn sie diesen Weg beschreiten, werden sie den Weg Venezuelas gehen.
Zur Zeit sind etwa 18 Prozent der Venezolaner vor Hunger und Unterdrückung geflohen.