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Es fiel uns daher die Aufgabe zu, die Rebellen bei Malvern Hill aufzuhalten, damit sie das Hauptlager der Potomac-Armee bei Harrison Landing nicht erreichen und dort ein Massaker anrichten können. General Williams ließ die Einheiten ihre Positionen beziehen. Wir waren etwa in der Mitte der Stellungen positioniert, hinter uns nur die Nachschubkolonnen von Hobson und General Williams' Stab. Zur linken Flanke hin stand das 4. Missouri als unser direkter Nachbar, daneben am Gehöft das 2. Maine mit den dahinter positionierten Geschützen der Batterie Sharpe und ganz außen am James River das 1. Pennsylvania. Zur Rechten grenzte unsere Stellung an die 1. Deleware Militia, die zusammen mit dem 1. New York im Wald in Stellung gegangen war, der unsere rechte Flanke bildete. Dahinter die Batterie Seidel. Da die Flanken vorsprangen, würde jeder Angriff auf das Zentrum Flankenfeuer erhalten. Trotzdem saßen wir in einer wichtigen Position, da wir nicht so gut verschanzt waren, wie die anderen und es der Todesstoß für die Linie wäre, würde der Feind im Zentrum durchbrechen. Col. Graff machte das bei der Befehlsausgabe mehr als klar und schärfte jedem von uns ein, was er erwartete. Die Linie war um jeden Preis zu halten, wir sollten lieber sterben als den Rebellen nur einen Fußbreit Boden zu überlassen. Natürlich sagt sich sowas immer leicht, aber wir waren bereit, unseren Teil zu tun, um den Rückzug der Potomac-Armee zu schützen und den Grauen eine Abfuhr zu erteilen, an die sie noch lange denken würden !
Nach dem Mittag waren alle Einheiten in Position und der Feind ließ auch nicht lange auf sich warten. Einheiten aus Magruders Korps kamen bald in Sicht und um 13:09 eröffnete die Batterie Seidel das Gefecht auf dem Malvern Hill. Es dauerte noch fast eine Viertelstunde, bis Magruder ebenfalls zwei Batterien in Stellung brachte, mit denen er die linke Flanke unter Beschuß nahm, wo die ersten Kämpfe aufflammten. Auch rechts rückten die ersten Einheiten vor, aber das Zentrum blieb ruhig. Um 13:40 Uhr begannen die ersten Kämpfe auch bei uns. Die Rebellen drückten erwartungsgemäß mit stark massierten Kolonnen vor allem auf die Flanken, aber auch wir mußten uns einer Menge Angriffe erwehren. Bald kamen wir in den ersten Nahkampf, der das Regiment 60 Männer kostete, aber die Konförderierten, die wir auch unter Hilfe des 1. Delaware abwiesen, ließen fast 200 Gefallene vor unseren Stellungen zurück. 86 Mann hatten wir bis dahin verloren, als wir durch die New Hampshire Militia und eine Artilleriebatterie weiter verstärkt wurden. Uns konnte das nur recht sein, denn dadurch wurde auch unsere Stellung weiter ausgebaut und noch schwerer zu bezwingen. Einen weiteren Angriff konnten wir zusammenschießen, bevor es zum Nahkampf kommen konnte, das Regiment hielt die Linie und ebenso ein massiertes Abwehrfeuer aufrecht. Weitere Angriffe konnten unter massiven Feindverlusten zurückgeschlagen werden, die Linie im Zentrum hielt, wenn auch unter weiteren Verlusten. Um 15:00 sah ich, wie der Kommandeur in vorderster Linie im feindlichen Feuer getötet wurde. Als kurz darauf die Rebellen einen neuen Sturmangriff auf das Regiment unternahmen, ließen wir sie unseren rechtschaffenen Zorn über den Tod unseres geliebten Kommandeurs fühlen. Von Artilleriefeuer und den Salven des 7. New Hampshire unterstützt, trieben wir die Konförderierten mit dem Stahl zurück. 8 Männer des Regiments fielen in diesem Kampf, während die Rebellen noch einmal über 200 Tote zurücklassen mußten, als sie sich zur Flucht wandten. Eine Stunde später waren von den einstmals 2000 tapferen Männern aus Ohio bereits mehr als 250 gefallen, stumme Zeugen des verbissenen Kampfes des Regiments, das jetzt von Maj. James McKendrick befehligt wird, bis wir einen neuen Kommandeur bekommen.
Im Zentrum der Schlacht, deren Schwerpunkt sich klar vor dem Wald und dem Feld vor unseren Stellungen befand, tummelten sich inzwischen 14 verschiedene Rebellenregimenter, aber die Linie hielt weiterhin. Einem weiteren Regiment fügten wir bei der Abwehr eines Sturmangriffes noch einmal 300 Verluste zu. Gegen 17 Uhr trafen schließlich die Verstärkungen des II. Korps ein und bezogen ihre Bereitschaftsstellungen, um gegen 17:15 schließlich gegen die Rebellen vorzugehen. Die Einheiten von Bruce und Heintzelman zogen von Jubel begleitet durch unsere Linien, rechts rückte Ammen vor, links Birney. Wir wußten, daß das, was vor den Rekruten dieser Einheiten lag, die Hölle sein würde, aber obwohl sie von den Eilmärschen ausgelaugt waren, würden diese Truppen den Sieg bringen, auch wenn es ein blutiges Geschäft werden würde. Wie gerne hätten wir sie nach vorne begleitet, aber unsere Aufgabe war hier, und so konnten wir immerhin nach fast vier Stunden des Kampfes die Männer etwas ausruhen lassen. Wir hatten den Befehl unseres Kommandeurs erfüllt. Bald verloren wir die Einheiten im Pulverdampf aus den Augen und mußten uns den Schlachtverlauf durch Rückkehrer oder Verwundete erschließen. Bald kamen das Regiment Bruce wieder in Sicht, aber was war es für ein Anblick ! Zerrupft und verdreckt, die Augen voll Grauen des Erlebten. 300 Männer hatten sie in 20 Minuten verloren und mußten doch gleich wieder zurück nach vorn, um die Entscheidung zu erzwingen. Ich beneidete die armen Bastarde nicht, erinnerten sie mich doch daran, daß die Feuertaufe unseres Regiments deutlich schonender abgelaufen war ! Verstärkt wurden sie von der zweiten Welle, von der uns die Männer des Regiments Preston passierten. Zu diesem Zeitpunkt war klar, daß es nicht mehr darum ging, die Konförderierten aufzuhalten. General Williams wollte sie gänzlich vernichten.
Eine neue Aufgabe erhielten wir, als sich 470 gefangene Rebellen bei uns einfanden, die, wie wir feststellten, dem Regiment Cobb aus dem Korps Magruder angehörten, das wir vor über 3 Stunden blutig abgewehrt hatten. Man mag über die Motive und Einstellungen dieser Männer sagen was man will, aber niemand hier kann bestreiten, daß die Soldaten der Rebellen harte und mutige Männer sind, die kämpfen wie die Teufel. Die Leistungen und unablässigen Angriffe der ausgebluteten feindlichen Verbände und Einheiten bestärken mich in meiner Hochachtung vor diesem tapferen Feind, der genauso verbissen um seine Hauptstadt ringt wie wir es für unsere tun würden. Gegen 19 Uhr kamen die Meldungen, daß wir den Feind vollständig zerschlagen hatten. ich hatte bereits angeordnet, mit dem Sammeln der Verwundeten und Gefallenen zu beginnen, da hier keine Kampftätigkeit mehr zu erwarten war. Die Zahl an getöteten Rebellen vor der Stellung war immens, das Regiment selbst verlor in den Kämpfen 372 Tote und Schwerverwundete, die Zahl der Leichtverletzten war nicht so leicht überschaubar aber ebenfalls beachtlich.
So haben wir es also geschafft, die Potomac-Armee zu schützen und die konförderierten Nord-Virginia-Armee mit einer totale Niederlage zu zerschlagen. Obwohl man sagt, daß der Süden vor allem im Trans-Mississippi noch gute Erfolge erringt, hoffe ich, daß diese Schlacht ein Fanal wird, das dem Süden vor Augen führt, daß es besser für alle wäre, wäre die Einheit der Union wieder hergestellt, auf daß dieses greuliche Schlachten enden möge.
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-Auszug aus einem Brief von John Francis Anderson, Captain und Kommandeur der C-Kompanie im 4. Ohio Volunteer Infanterieregiment, geschrieben am 2.7.1862 im Hauptlager in Harrison Landing.