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Württemberg
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Beitrag von Württemberg »

Würde ich nicht sagen. Stromberg ist zu sehr auf ein Milieu bezogen. Ein heutiger Tetzlaff müsste anders aussehen. Vermutlich würde man ihn auch gar nicht als solchen erkennen, wenn er wirklich die Mitte der Gesellschaft attackieren würde, sondern sich darüber aufregen.
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Sugar
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Beitrag von Sugar »

Tetzlaff hat nicht die Mitte der Gesellschaft attackiert, die war er selbst. Keinbürgerlicher Spießer, der seine Weisheiten aus der "Bild" bezieht.
Das waren die Verhältnisse, die die 68er überwinden wollten.

Stromberg repräsentiert eben die heutige Mitte. Versicherungsmitarbeiter, Abteilungsleiter aus Versehen - durch Einschleimen nach oben - und genauso unfähig. Allerdings fehlt hier die politische Dimension, wenn man von der Kritik am Peterprinzip mal absieht.
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Württemberg
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Beitrag von Württemberg »

Natürlich hat er sie nicht attackiert, aber, Ihr schreibt es ja: er war ein Abbild der Mitte der Gesellschaft, und dadurch war seine Figur, vor dem 68er Hintergrund, doch sehr wohl eine Attacke auf die Mitte der Gesellschaft, wenn auch eine ambivalente, da manche seiner Sprüche gegen den Schwiegersohn schon ins Schwarze treffen. Insofern fast ein Rundumschlag.
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Sugar
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Beitrag von Sugar »

Tja, so ändern sich die Zeiten: die 68er waren damals eben nicht die Mitte, deshalb war da auch nichts ambivalent. Ob sie es jemals geworden sind, ist nochmal eine andere Frage.
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Württemberg
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Beitrag von Württemberg »

Na ja, darum geht es ja auch zunächst gar nicht. Und ich stimme ja zu, dass Tetzlaff in erster Linie eine Karikatur der damligen Spießer war. Fakt ist für mich allerdings, dass Stromberg (zugegeben: nicht wirklich häufig gesehen) die "Mitte der Gesellschaft" nicht in dem Ausmaß karikiert, wie es Tetzlaff seinerzeit tat.

Wenn Wir sehen wollen, wie der Zeitgeist auf die Schippe genommen wird, schauen Wir South Park. Die Serie steigert sich permanent. In der letzten Staffel wurden auf grenz-geniale Art und Weise Gentrifizierung, Fremdenfeindlichkeit (Trump), Politische Korrektheit, Massenkultur/Internet und viel mehr überzeichnet, entlarvt und damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Sicher sehr auf amerikanische Verhältnisse zugeschnitten und sehr ordinär, aber in meinen Augen mittlerweile eine großartige Serie, die in dieser Form undenkbar in Deutschland wäre. Die letzten Staffeln sind ein Spiegel für die moderne Welt. Hinter all der Obszönität verbirgt sich da letztlich ein Appell an den gesunden Menschenverstand.
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Vernichter
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Beitrag von Vernichter »

Sugar hat geschrieben:Tetzlaff hat nicht die Mitte der Gesellschaft attackiert, die war er selbst. Keinbürgerlicher Spießer, der seine Weisheiten aus der "Bild" bezieht.
Das waren die Verhältnisse, die die 68er überwinden wollten.

Stromberg repräsentiert eben die heutige Mitte. Versicherungsmitarbeiter, Abteilungsleiter aus Versehen - durch Einschleimen nach oben - und genauso unfähig. Allerdings fehlt hier die politische Dimension, wenn man von der Kritik am Peterprinzip mal absieht.
Den Tetzlaf gibt es noch. Nur ist er nicht mehr die Mitte. Tetzlaf war auch damals nicht die Mitte, wenn man es genau ansieht. Zumindest nicht, wenn man Mitte als bürgerlich definiert.

Monty hat geschrieben:Ekel Alfred könnte heute noch laufen, passt heute wie vor 40 Jahren
Läuft ja immer noch und ist nach wie vor beliebt,
Wenn ich gewusst hätte, dass es harmlos war, hätte ich es selber umgebracht.

(Phlipp K.Dick: "Der Dunkle Schirm")
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Sugar
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Beitrag von Sugar »

Wieso sollte das in D nicht möglich sein? South Park läuft doch in D. Ob Gentrifizierung und Political Correctness nun die drängendsten Probleme Unserer Zeit sind, lassen Wir mal dahingestellt sein. Was soll eigentlich "gesunder Menschenverstand" sein? Kennt Ihr irgendjemanden, der den nicht von sich behauptet? Oder ist das nur die Ausrede, wenn die Argumente ausgehen?
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Vernichter
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Beitrag von Vernichter »

Sugar hat geschrieben:Wieso sollte das in D nicht möglich sein? South Park läuft doch in D. Ob Gentrifizierung und Political Correctness nun die drängendsten Probleme Unserer Zeit sind, lassen Wir mal dahingestellt sein. Was soll eigentlich "gesunder Menschenverstand" sein? Kennt Ihr irgendjemanden, der den nicht von sich behauptet? Oder ist das nur die Ausrede, wenn die Argumente ausgehen?
Es ist unmöglich in Deutschland so etwas wie Southpark zu produzieren, wie auch allgemein qualitativ gleichwertige Erzeugnisse in Film ioder Serien zu bringen. Die Komödien sind meist allenfalls plump. Solche Sachen wie Game of Thrones sind ebenfalls undenkbar. Zu viele Quoten, Proporze und Denkverbote. Bei Computerspielen sieht es momentan noch Anders aus. Das Feld wurde aber auch noch von den "Förderungen" entdeckt. Wir sind aber zuversichtlich, dass es in Bälde geschehen wird. Dann wird es pflichtschuldige lobende Artikel und Preise für Werke geben, denen alle Ecken und Kanten fehlen werden. Auf dem Kultursektor ist Deutschland leider tiefste Provinz, gerade wegen der kräftigen staatlichen förderung und Kontrolle. Wir vergleichen hier nicht einmal mit den USA, sondern mit Europa. Ja, die Nachbarn produzieren viel halbgare Ware, aber hier muss man zehn Jahre warten bis man einen halbwegs guten Film zu sehen bekommt. Selbst Stromberg als Serie ist nur gut, weil man die englishe Vorlage umsetzte, was ein Einzelbeispiel ist.

Die Deutschen sind momentan zu sehr darauf aus sich um die politische Intention des Werks zu sorgen. Wir erinnern uns an eine Reihe von Filmen zur Kaiserzeit und Waimer. Der Autor hatte in einer Szene den Wunsch aufzuzeigen, dass Krieg schlimm ist. Der Vater redet am Tisch über den Krieg von 1870. Der Sohn äussert sich begeistert. Daraufhin hält der Vater einen Monolog wie schlimm doch Krieg ist, auch noch in einer völlig unpassenden Sprache zu seinem Hintergrund als Arbeiter. Und so zieht es sich durch sehr viele Machwekre durch. Belehrend, plump und voller Angst missverstanden zu werden.

Vor dem Hintergrund wundern wir uns immer wieder wie abfällig sich viele Deutsche über die Dummheit der Angelsachsen äussern. Man lacht über die vermeintlichen Bauerntölpel kriegt es aber meist nur hin Reality-Formate und anderen Schund zu kopieren. Der Rest ist ein Zerren von dem Stolz auf die Erzeugnisse von fast schon hundert Jahren.
Wenn ich gewusst hätte, dass es harmlos war, hätte ich es selber umgebracht.

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Taurus
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Beitrag von Taurus »

Die Sendung 1:1 auf heute übertragen wäre in der Form sicher nicht mehr möglich. Warum? Der Titelheld wetterte z.B. pauschal gegen "die Sozis" und "die Ausländer", heutzutage müsste ein imaginärer Drehbuchschreiber peinlich genau darauf achten, bloß ja keine Bevölkerungsgruppe oder politische Partei zu benachteiligen, um seinen Job zu behalten.

In Zeiten der "Shitstorms" im Internet würde mit Sicherheit irgendein Vollpfosten den Sender wegen Volksverhetzung verklagen, völlig egal ob das als Satire gemeint war oder nicht. Sieht man ja immer wieder bei unglücklichen Äußerungen öffentlicher Personen (Politiker mit Nazivergleichen oder sonstigen zweideutigen Bemerkungen), das jedes Wort heutzutage auf die Goldwaage gelegt wird.
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Sugar
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Beitrag von Sugar »

1. wird Ekel Alfred regelmäßig wiederholt, 2. darf in D jeder gegen "Ausländer und Sozis" sein und das auch zum Ausdruck bringen, von daher ist an Eurer Einlassung doch irgendwie nichts dran. "Das Boot ist voll" durfte auch ein Bundeskanzler äußern, und wurde trotzdem wiedergewählt. Wer dagegen fordert, den Flüchtlingen in D möge das gleiche Schicksal beschieden sein wie den Juden unter Adolf, begeht Volksverhetzung. Schlimm?

Was ein Shitstorm mit einer Anzeige wg. Volksverhetzung zu tun haben soll, erschließt sich Uns nicht. Das eine ist politischer Gegenwind, das andere eine Straftat, von diesem Vorwurf würde der Autor aber eben wg. der künstlerischen und Meinungsfreiheit freigesprochen.

Wenn man natürlich den Gegenwind nicht ertragen kann, sollte man sich vielleicht doch besser bedeckt halten.
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Warsteiner
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Beitrag von Warsteiner »

Vernichter hat geschrieben: Bei Computerspielen sieht es momentan noch Anders aus.
Deutschland verbinde ich mit den immer gleichen Witschaftssims, die in endloser Folge wiederaufbereitet werden. Auch Gothic als erstklassiges Rollenspiel von 'damals', wurde in x Inkarnationen faktisch totgeritten. Ich sehe da keine reichhaltige Produktpalette und auch keine erwähnenswerten Einzelprodukte wie es z.B. Polen mit dem Hexer als Leuchtturm hat.

Im kulturellen Sektor scheint mir Deutschland ein Zwerg zu sein. Mir fallen keine guten Medienerzeugnisse ein. Ein Game of Thrones oder Breaking Bad sind hier wirklich unmöglich zu produzieren. "Unmöglich" ist genau das richtige Wort. Auch wenn man sich von vorneherein entschließt, z.B. Breaking Bad öffentlich-rechtlich zu kopieren, endet es im Desaster. Deutsche Produktionen können einfach keine Charaktere zeichnen und wirken immer recht hölzern. Auch versagt man routiniert beim Erstellen von glaubhaften, interessanten "Welten" und Charakternetzwerken.

Auch interessante historische Produktionen sind hier Fehlanzeige, wobei dies am ehesten gelingen könnte. Frankreich schafft das. Großbritannien sowieso, es gibt kaum einen historischen Zeitraum bzw. Persönlichkeit von Kaiser Claudius bis zum Weltkrieg, der nicht in zahllosen BBC Produktionen verwurstet wurde. Da sind viele gute Dinge dabei. Deutschland ist hier auch eine Fehlanzeige. Es entwickelt Kopfgeburten wie die "Wanderhure". Wobei es immerhin amüsant anzusehen ist, das man es wirklich schafft so ein Setting faktisch ohne nackte Körper oder Sex in die Welt zu setzen :D

Dabei ist sehr viel Geld im System, nur liefert es keine Resultate.
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Bigfish
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Beitrag von Bigfish »

Es entwickelt Kopfgeburten wie die "Wanderhure". Wobei es immerhin amüsant anzusehen ist, das man es wirklich schafft so ein Setting faktisch ohne nackte Körper oder Sex in die Welt zu setzen
Ja das ist eine deutsche Krankheit! Wenn die sonst so "Nippel scheuen" Amis schon Game of Thrones vertragen, sollte das doch in Deutschland erst recht möglich sein!

Der Klassiker in deutschen Filmen/Serien/Was auch immer: Nackte Frau völlig alleine daheim rekelt sich aus dem Bett und als erstes bedeckt Sie sich mit dem Laken oder schnappt einen BH oder sonst irgendetwas - Hauptsache der Zuschauer sieht nichts - sehr glaubwürdiges Verhalten - :heul: :facepalm: :wirr: :lach: :doh: :dumm: :geistlicher:

Das es anders geht, zeigen regelmäßig die Franzosen in ihren Filmen! Hey deutsche Schauspieler(innen) - seht euch das mal an in Frankreich - so macht man das!!!
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Vernichter
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Beitrag von Vernichter »

Bei den Computerspielen haben wir dann doch immer wieder Werke, die Welterfolge sind. Das haben wir gemeint. In anderen Kulturbereichen schaut es mau aus. Es geht auch nicht darum, dass Tetzlaf heute in Deutschland noch laufen kann. South park und andere Sachen laufen ebenfalls. Es geht darum, dass man es nicht erzeugen kann. Wobei Tetzlaf auch nur deswegen grosse Schatten wirft, weil hier der Zwerg unter den Liliputanern halt ein Riese ist. So guit ist die Serie auch wieder nicht. Den Deutschen geht völlig die Selbstironie ab. Man verwechselt Selbstironie mit der Erfindung von Sachen die offensichtlich nicht stimmen, oder mit krassen Übertreibungen. Das würzt man dann mit Slapstik.

Historische oder zeitkritische Stoffe gelingen auch nicht, da es ständig um die "Kritik" oder die "Lehren" geht. Man ist nicht in der Lage eine Gruppe von Menschen aus dem historischen oder gesellschaftlichen Kontext sprechen zu lassen, wie sie eben sprechen würden. Daraus folgt in einem guten Werk die Lehre, nicht durch Einspieler, in denen unrealistische Monologe gehalten werden. "Das Leben der Anderen" sei hier als Ausnahme genannt. Auch schon wieder zehn Jahre her. Ansonsten versickern die Gelder in einem Meer von Funktionären, die panische Angst vor komplexen Figuren oder sympathischen Fieslingen haben. Auch ein wichtiger Punkt, der erklärt wieso die Deutschen nicht in der Lage spannende historische oder zeitgenössische Stoffe zu entwickeln. Das Verführerische des Bösen wird nicht gezeigt. Bei der "fiesen" Seite hat man das Gefühl, dass die Leute entweder vollkommen debil sind, oder unter starken Drogen stehen. Die Guten oder die Opfer sind dagegen von allem was "Vorurteile" erzeugen könnte bereinigt, dass steril wirken.

Dabei kann man nicht sagen, dass die Deutschen keinen Geschmack hätten. Man konsumiert ja auch den zu lobenden Import. Man ist lediglich selbst impotent.

In den nächsten Jahren soll eine längere Serie über Hitler kommen. Wir sehen schon wieder ein Desaster aufkommen:
Die Ufa möchte die Drehbücher auch jüdischen Gemeinden vorlegen. Wie verträgt sich dieser Versuch, sich nach allen Seiten abzusichern, mit der Autonomie des Künstlers?

Stein: Nico Hofmann geht es sicherlich um die größtmögliche Transparenz, aber ich finde das ein bisschen unglücklich, denn es unterstellt uns ja eigentlich, dass wir eventuell nicht mit der nötigen Sorgfalt - wissend um Auschwitz - mit dem Stoff umgehen. Wir haben uns auch von vornherein von Historikern mit einem jüdischen Background beraten lassen.

Bohm: Wir suchen Berater, Nico Hofmann sucht Berater - und das ist auch wichtig, denn worauf kommt es uns an? Pathetisch ausgedrückt: auf die innere Wahrheit. Und die innere Wahrheit zu finden, das ist ein kollektiver Prozess. Aber das Wagnis, diese Wahrheit entsprechend in die Erzählung zu implantieren, müssen wir allein bestehen. Die Verantwortung liegt bei uns: Wir werden nachher beschimpft oder gelobt.
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 43516.html

Diese ständigen Absicherungen und Komissionsentscheidungen.
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(Phlipp K.Dick: "Der Dunkle Schirm")
Warsteiner
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Beitrag von Warsteiner »

Vernichter hat geschrieben:Bei den Computerspielen haben wir dann doch immer wieder Werke, die Welterfolge sind. Das haben wir gemeint. In anderen Kulturbereichen schaut es mau aus. Es geht auch nicht darum, dass Tetzlaf heute in Deutschland noch laufen kann. South park und andere Sachen laufen ebenfalls. Es geht darum, dass man es nicht erzeugen kann. Wobei Tetzlaf auch nur deswegen grosse Schatten wirft, weil hier der Zwerg unter den Liliputanern halt ein Riese ist. So guit ist die Serie auch wieder nicht. Den Deutschen geht völlig die Selbstironie ab. Man verwechselt Selbstironie mit der Erfindung von Sachen die offensichtlich nicht stimmen, oder mit krassen Übertreibungen. Das würzt man dann mit Slapstik.

Historische oder zeitkritische Stoffe gelingen auch nicht, da es ständig um die "Kritik" oder die "Lehren" geht. Man ist nicht in der Lage eine Gruppe von Menschen aus dem historischen oder gesellschaftlichen Kontext sprechen zu lassen, wie sie eben sprechen würden. Daraus folgt in einem guten Werk die Lehre, nicht durch Einspieler, in denen unrealistische Monologe gehalten werden. "Das Leben der Anderen" sei hier als Ausnahme genannt. Auch schon wieder zehn Jahre her. Ansonsten versickern die Gelder in einem Meer von Funktionären, die panische Angst vor komplexen Figuren oder sympathischen Fieslingen haben. Auch ein wichtiger Punkt, der erklärt wieso die Deutschen nicht in der Lage spannende historische oder zeitgenössische Stoffe zu entwickeln. Das Verführerische des Bösen wird nicht gezeigt. Bei der "fiesen" Seite hat man das Gefühl, dass die Leute entweder vollkommen debil sind, oder unter starken Drogen stehen. Die Guten oder die Opfer sind dagegen von allem was "Vorurteile" erzeugen könnte bereinigt, dass steril wirken.

Dabei kann man nicht sagen, dass die Deutschen keinen Geschmack hätten. Man konsumiert ja auch den zu lobenden Import. Man ist lediglich selbst impotent.

In den nächsten Jahren soll eine längere Serie über Hitler kommen. Wir sehen schon wieder ein Desaster aufkommen:



http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 43516.html

Diese ständigen Absicherungen und Komissionsentscheidungen.

Es gibt schon die internationale Produktion, mit Überlänge, "Der Aufstieg des Bösen". Die ist recht solide gemacht und porträtiert ihn als fiesen, kalkulierenden Intriganten, der am Ende eiskalt abrechnet. Die Geschichte eines obdachlosen Penners, der Reichskanzler wird.

Die UFA Produktion wird sich wohl eher am Üblichen orientieren: Pathologisch, irre, sabbernd. Soviel kann man sicher jetzt schon sagen. Warscheinlich wird man auch viel Lob und einige Fernsehpreise absahnen, so ähnlich wie die holzgeborenen Mütter und Väter: Aber eben nur Deutsche Fernsehpreise :tongue: Gerade die deutsche Fernsehfamilie feiert sich gerne selber sehr pompös, wird dabei aber international (Venedig, Cannes, Hollywood) meist ignoriert.

Das Problem der historischen Produktionen sehe ich genau so wie ihr. Der Belehrungsfaktor und der Anspruch Gutes zu wirken, ist hier viel zu hoch. Dabei sind gute historische Produktionen sicher einfacher zu kreieren, als ein rein fiktionaler Stoff, den man sich von Anfang bis Ende selber erarbeiten muß. Die Historie liefert frei Haus schon sehr interessante Geschichten, krasse Charakterie, vertrackte Verschwörungen und dramatische Entwicklungen. Dann hat man schonmal ein Grundgerüst, das man mit Leben auffüllen kann. Und genau dies kann die deutsche Filmlandschaft nicht. Ein "The Tudors" (oder auch "Versailles") es hier niemals geben. Oder so ein verrücktes Zeug wie Spartacus - Blood and Sand: Einfach mal 40% Gewalt, 30% Sex, 30% Intrige, ganz ohne den Anspruch etwas Komplexes oder Belehrendes zu schaffen.

Auch wenn man mal aus Versehen einen reinen Abenteuerstoff verfilmt, ist immer noch das Problem der handwerklichen Insuffizienz zu lösen. Was würde man im Ausland z.B. aus einer Figur wie Götz von Berlichingen machen? Dem Raubritter mit der Eisenhand^^ Was für eine Figur. Was dann die dt. Produktion am Ende ausspuckt, ist leider einfach nur billig, platt, schlecht gemacht und mies ausgestattet. Götz ist natürlich der strahlende Gute und damit todlangweilig...
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Vernichter
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Beitrag von Vernichter »

Es kann noch einfacher sein. Der Gute kann langweilig ruhig langweilig sein. Es genügt schon einen sympathischen Fiesling mit nietzianischen Neigungen ala "Joker" zu nehmen. Ach was, jeder James Bond Film kriegt es halbwegs seit fünfzig Jahren hin. Der Böse kann hier sogar auch ruhig der Böse sein, weil er böse ist, aber der sollte dann wenigstens Spass dabei haben. Was zumindest einer Figur menschliche Züge verleihen würde. Nein, es geht nicht. Man kriegt auch nicht einen Ehemann hin, der wie in Fargo zuerst seine nörgelnde Frau erschlägt und dann die Witwe seines Erzefeindes aus den Schulzeiten vögelt. Da hätte man im ZDF schon an allein bei dem Gedanken eine Schnapatmung bekommen. Die Serie hätte auch eine "starke" Frau bekommen, die Irgendwas von Diskriminierung erzählt hätte, nicht die realistische Dicke, die sich langsam in ihre Rolle einarbeitet.
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Bigfish
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Beitrag von Bigfish »

Da hätte man im ZDF schon an allein bei dem Gedanken eine Schnapatmung bekommen. Die Serie hätte auch eine "starke" Frau bekommen, die Irgendwas von Diskriminierung erzählt hätte, nicht die realistische Dicke, die sich langsam in ihre Rolle einarbeitet.

Dem ZDF hätten Wir allerdings auch keine Serie wie "Lerchenberg" zugetraut - es geht also wenn man will...
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Beitrag von Warsteiner »

Vernichter hat geschrieben:Es kann noch einfacher sein. Der Gute kann langweilig ruhig langweilig sein. Es genügt schon einen sympathischen Fiesling mit nietzianischen Neigungen ala "Joker" zu nehmen. Ach was, jeder James Bond Film kriegt es halbwegs seit fünfzig Jahren hin. Der Böse kann hier sogar auch ruhig der Böse sein, weil er böse ist, aber der sollte dann wenigstens Spass dabei haben.
Bild

Ich glaube ich weiß genau, was ihr meint ;)

Der Joker aus Dark Knight war genial. Bis zu einem Level wo man sich fragt wer überhaupt die Hauptrolle spielt.
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Beitrag von Vernichter »

Das Schlimmste ist an der Stelle, das die Belehrung nicht funktioniert. Es ist so wie es die Deutschen gerade bei historischen wekren zeigen nicht greifbar. Der Zuschauer muss zumindest ein Stück weit die Verführung spüren. Wenn es sehr gut gemacht ist, so muss der Verführung kaum zu widerstehen sein. Was soll es für eine Warnung sein, wenn man nicht die eigenen dunklen Neigungen nicht erkennt? Man steht dem Ganzen dann höchstens entfremdet gegenüber. Das Verhalten der Guten ist hier ebenfalls nicht übertragbar, da die Figuren eben nicht ambivalent sind. Man kann ruhig überzeichnen, wenn immer noch Widersprüche zu sehen sind, die die menschlichen Kontraste hervorheben. Hier wird aber dann Alles mit einer Farbe übergossen, die manchmal sehr grell ist, aber trotzdem monoton wirkt.

Es braucht nicht einbmal grossartige Einfälle, um den Figren Leben einzuhauchen. Last den Komissaren seine Frau schlagen, oder spielsüchtig sein. Da habt man schon einen Nebenplot, in dem dann die Frau irgendwann aufsteigt, oder so. Die amerikanischen Serien sind voll von Figuren, die es nicht geben kann, die aber durch drei, vier sich widersprechende Eigenschaften lebendig wirken.

Wir denken auch nicht, dass die Schauspieler schlechter sind als in anderen Ländern. Die staatliche Förderung ist hier lediglich mehr ein Übel als Hilfe. Lieber gänzlich kappen als so.

Zu den histoischen Stoffen:

Es würde genügen auch einfach mal ein paar deutsche Werke zu verfilmen, deren Plots und Aufbau ohnehin Filmen gleichen. Man müsste nicht einmal sehr viel bei "Im Westen Nichts Neues umgestalten", oder ein grosses Budget haben. Die Szene im Krankenhaus des sterbenden Kameraden, in der Müller nur an die guten Stieffel denkt. Die Tresenstrategen von der Heimatfront, oder der Besucher der Mutter des Gefallenen, die Wandlung von Himmelstoss.
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Karl Quenzer
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Beitrag von Karl Quenzer »

Das was ihr die "Lehre" nennt ist doch gerade die Essenz deutscher Klassik. Von Schiller über Wagner bis Brecht: Der Theaterbesucher soll was erfühlen, erfassen, erlernen. Katharsis nannten's die ollen Griechen. Lest mal "Nathan der Weise", da ist alles enthalten was ihr heute kritisiert, sogar weitaus platter.

Mag man jetzt gut oder schlecht finden. Wir finden es eher niedlich "40% Gewalt, 30% Sex, 30% Intrige" zum Vorbild zu erheben. Meine Güte, wer Sex sehen will soll halt Pornos schauen. So verklemmt, dass das im stillen Kämmerlein nicht ginge, ist man doch heute nimmer. Auch Gewalt gibt es in Reinform zu bewundern wenn man es denn braucht.

Das Problem mangelnder Qualität ist nicht dass in Werken eine Botschaft vermittelt werden soll. Oft scheitert es dann eher daran wie und welche Botschaften vermittelt werden sollen.

"Die Brücke" von '59 ist zB eine Sternstunde deutschen Kinos. Entlässt den Zuschauer mit klarer, nachwirkender Botschaft. "Michael Kohlhaas" von 2013 wäre ein Beispiel für eine gelungene neure Produktion.
⇧ пропаганда ⇧
Warsteiner
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Beitrag von Warsteiner »

Karl Quenzer hat geschrieben:Das was ihr die "Lehre" nennt ist doch gerade die Essenz deutscher Klassik. Von Schiller über Wagner bis Brecht: Der Theaterbesucher soll was erfühlen, erfassen, erlernen. Katharsis nannten's die ollen Griechen. Lest mal "Nathan der Weise", da ist alles enthalten was ihr heute kritisiert, sogar weitaus platter.
Mir reicht es, wenn ich unterhalten werde. Mit solch einem Unsinn wie Nathan der Weise et al kann ich nichts anfangen. Die Essenz deutscher Klassik überlasse ich gerne anderen. Da schaue ich mir lieber an, wie Spartacus in der Arena Schädel spaltet und sich dannach in seiner Zelle mit einer Lustsklavin vergnügt :rolleyes:
Karl Quenzer hat geschrieben: Pornos schauen. So verklemmt, dass das im stillen Kämmerlein nicht ginge, ist man doch heute nimmer.
Einfache Pornoclips, ohne jede Handlung, sind langweilig. Außerdem sind Liebesszenen in einem Film oder in einer Serie keine Pornos. Sie sind einfach oft Bestanteil einer guten Handlung oder wichtig beim Zeichnen einer Filmszenerie (römische Dekadenz z.B.). Natürlich nicht in deutschen Filmproduktionen.

Karl Quenzer hat geschrieben: Das Problem mangelnder Qualität ist nicht dass in Werken eine Botschaft vermittelt werden soll. Oft scheitert es dann eher daran wie und welche Botschaften vermittelt werden sollen.
Welche Botschaften vermitteln denn die wirklich erfolgreichen, spannenden und beliebten Serien bzw. Filme? Meiner Ansicht nach gar keine. Sie unterhalten und lassen einen ggf. in eine spannende, andere, vergangene Welten abtauchen. Nicht mehr und nicht weniger. Der Tag an dem z.B. Game of Thrones eine Lehre/Belehrung vermitteln will, wäre das Ende der Serie.

Karl Quenzer hat geschrieben: "Die Brücke" von '59 ist zB eine Sternstunde deutschen Kinos. Entlässt den Zuschauer mit klarer, nachwirkender Botschaft. "Michael Kohlhaas" von 2013 wäre ein Beispiel für eine gelungene neure Produktion.
Ich kenne so ziemlich alle Brückenfilme die es überhaupt gibt. "Die Brücke" ist der schlechteste. Meiner Ansicht nach einfach nur langweilig, handlungsarm und ohne überraschende Handlungselemente. Das gilt für beide Versionen. Ein in jeder Hinsicht typisch deutscher Film.
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