von Aktivist » Fr 28.03.2014, 15:54
Vorneweg: Um meine Abwesenheit zu erklären; ich war die letzten vier Monate auf See. Kann ja mal passieren. Seit vorgestern bin ich wieder im Lande – und wie das so ist mit den kleinen Dingen des Lebens..., auf die freut man sich am meisten. So auch auf die Aussicht, die Partie gegen den werten Armistead weiter zu führen. Und den AAR.
New York, 1. April 1863 - Ist das alles?
Nach der langen Pause ist es nicht leicht, sich wieder in alles hinein zu denken. Das geht dem werten Leser sicher genau so wie dem Spieler hier. Ich werde deswegen zum Ende des Beitrags noch einmal eine Maßstabskarte der Vereinigten Staaten anfertigen.
Okay, jetzt aber geschwind zur Situation. Wie erinnerlich, plante ich wegen des überraschend guten Wetters und der ansonsten nicht wirklich viel versprechenden Alternativen, mit General Grant auf dem Kampfschauplatz Mississippi einen großen Sprung nach vorne zu machen. Zur Hand hatte er drei Divisionen und die Unterstützung seines Chefs der Reserveartillerie Lt.Col. Longstreet. Die Geschütze wurden diesmal übrigens in die Divisionen integriert – aus dem Schlamassel von Dix hatte ich gelernt. Rosecrans und Whipple sollten eine Zeitlang mit je einer Division Schützenhilfe leisten und die Kavallerie die Bahnlinien aus Richtung Vicksburg blockieren. Und so setze sich Grant dann auch gemächlich in Bewegung. Man kann sich meine Erschütterung gar nicht vorstellen, als in der Replayansicht SÄMTLICHE Unionsstacks genau auf seine Zielprovinz zusteuerten. Häh?! Ja, monatelang rühren sich Johnston, Beauregard und Co. Überhaupt nicht vom Fleck. Und dann, aus heiterem Himmel, steigt alles was Gewehre hat in Züge und sammelt sich westlich des Tombigbee River. In Worten:
- Aus Memphis TN: Lt.Gen. Winder mit den Divisionen Breckinridge und Zollicofer. Er stellte sich in Henry MS auf – zusätzlich den Oberbefehl über Hindmans Division übernehmend - das ist gleich südlich von Corinth. In Memphis zurück blieben neben der Stadtgarnison drei Milizen und eine Partisaneneinheit.
- Aus Bolivar TN: Gen. Beauregard mit den Divisionen Hardee und Stewart. Er nahm ebenfalls in Henry MS Platz. In Bolivar zurück blieb ein Regiment Marineinfanterie.
- Aus Corinth MS: Gen. Johnston mit den Divisionen W.H.F. Lee und Cantey. Er stellte sich südlich von Beauregard und Winder an dessen rechte Flanke – dort, wo auch der Flussübergang Grants erfolgte. In Corinth zurück blieb ein Regiment Staatsmiliz.
Damit ist die gesamte Nordfront völlig entblößt. Wo seit Mitte 1862 acht bis zehn Divisionen die breite Front zwischen Memphis und Corinth hielten, stehen jetzt eine Handvoll Regimenter. Ist das alles? Nein!
- Aus Wayne MS: Lt.Gen. Forney mit den Divisionen Pemberton, Taliaferro und Whiting. Er nimmt jetzt den rechten Flügel dieser Nord-Süd-Riegelstellung ein. In seinen alten Stellungen lässt er nichts zurück. Er zerstört nicht einmal die Eisenbahnlinie (welche von Mobile nach Meridian führt) vor seiner Abfahrt, so eilig bricht er auf. Damit steht südlich von Meridian eigentlich nur noch Morgans Kavallerie. Und in Meridian selbst befindet sich die immer noch schwer angeschlagene Division von Wharton, sowie die Division Pat Cleburnes, welcher auch das Kommando führt. Allerdings ist sein Stack nicht in das Korpssystem der Army of Mississippi (CS) eingebunden.
Zentral: Schlamm behindert Grant beim der Überquerung des Tombigbee.
Rechts oben: Doubleday's Division ist arg mitgenommen.
Unten: Grant's Armee hat fast die Hälfte Ihrer Truppen verloren.
Alle drei Flügel der Armee konzentrieren sich um Grants vermutliches und tatsächliches Marschziel herum – in Zahlen: ZEHN Divisionen mit 80-90.000 Mann und hunderten Geschützen, gegen Grants 25.000 Union Trooper. Tja, und so ging's dann auch aus:

Wie man sieht, sind die Verluste des Gegners auch hoch, viel höher, als man nach Lage der Dinge hätte annehmen können. Um den Verlust von ca. 11.000 Mann einschließlich der Retreat Hits hat Grant durchaus mit zäher Verbissenheit gekämpft. Was ihm zu gute kam – er hat sich nach dem ersten Schock relativ schnell zurück gezogen, sodass die große Materialüberlegenheit des Feindes gar nicht lange zur Geltung kam. Der Feind hatte deutlich mehr Truppen und Geschütze zur Hand, als er in der Gefechtslinie formieren konnte. Und Forney und Winder marschierten mit ihren insgesamt sechs Divisionen zwar zum Donner der Geschütze, aber griffen augenscheinlich nur in der letzten Kampfrunde ins Gefecht ein. Gerade ihre frischen Brigaden drückten mit solcher Schnelligkeit gegen die Unionslinie, dass sie von einem Augenblick zum anderen völlig zerbröselte und in schnellen Rückzug überging. Breckinridge, Pemberton und Co. konnten den fliehenden Yankees nur noch ein paar vereinzelte Gewehrsalven hinterher schießen, bevor sich ihre Regimenter überhaupt in Doppellinie formiert hatten.
Tja, was soll man da sagen? Grants Streitmacht ist … useless, die können von Glück sagen, wenn sie vor dem Feind auf der anderen Flußseite stehen. Dort warten Rosecrans und Whipple, aber der Nachschubvorrat geht schon zu Neige. Rosecrans hat immerhin Gleisanschluss und könnte aus Osttennessee rasch verstärkt werden. Aber Whipple? Da ist nichts zu machen, denn Regen und Matsch haben seine Zulaufwege fest im Griff. Ist vielleicht auch gut so. Wenn der Gegner dort angreifen sollte, um noch vor Grant auf der anderen Flussseite zu sein, muss er zunächst einen angeschwollenen Fluss überqueren und dann seine erschöpften Einheiten bei strömenden Regen zur Kampflinie formieren. Nicht, dass Armistead jetzt keine Truppen frei hätte. Die ganze Wucht von Grants Initialangriff trugen die Divisionen von Cantey und Lee, Ersterer ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber der Rest – die Korps Winder, Beauregard und Forney – sind allesamt beinahe unangetastet. Armistead wird eher die Qual der Wahl haben: welches der vielen plötzlich schwach erscheinenden Ziele in seiner Umgebung soll er auslöschen?
- Da wären natürlich die Reste von Ulysses Grants Armee. Dafür müsste er entweder Whipple oder Rosecrans vom Platz fegen. Und ich schicke eiligst Sperrschiffe in den Fluss, egal in welcher Verfassung sie dort ankommen.
- Da wäre Humboldt in West-Tennessee. Momentan nur schwach verteidigt. Gewinnt der das Depot zurück, kann er anschließend ganz Tennessee und Süd-Kentucky besetzen.
- Da wäre Shermans Sperrfront vor New Orleans. Bislang nicht ärgerlicher als ein Moskitostich für Armistead, könnte er ein für alle mal mit der Bedrohung seiner Hauptnachschublinie aufräumen.
- Da wäre Mobile selbst, mit Butlers reduziertem Kommando. Tja, das wäre wahrscheinlich zwecklos, die Truppen dort sind zu gut eingegraben.
- Oder er kämpft sich seinen Weg nach Alabama frei (allerdings nur, wenn seine Versorgungssituation tatsächlich sehr problematisch ist).
- Oder er besetzt einfach wieder alle Stellungen und wartet auf meinen nächsten Versuch.
In welche Richtung wird sich der Gegner wohl wenden?
Ansonsten hat sich in diesem Zug wirklich nicht viel ereignet. Dupont hat die Festungsgeschütze sicher nach Mobile gebracht (nicht ohne unterwegs beschossen zu werden). Damit verfüge ich nun am Tombigbee über genug Feuerpower, um mehrere Artilleriestellungen an der Küste einzurichten, welche Armisteads Panzerschiffe unter schwerstes Feuer nehmen können, wenn sie versuchen, meine Blockadeschiffe anzugreifen. Porters Panzerflotte ist zu 90% einsatzbereit und brennt dank der aufopferungsvollen Arbeit der „Werftis“ und CWO Rawolls Mannen darauf, dem Feind in den Allerwertesten zu treten. Und Butler hält Mobile bzw. das Vorfeld mit insgesamt sechs bis zu den Nasenlöchern eingegrabenen Yankee-Divisionen – da wird auch in Zukunft nichts anbrennen.
In Arkansas sind Hunter und Willich trotz winterlich weißer Bedingungen je ein Feld weiter auf Little Rock bzw. Madison vorgerückt. Jetzt hemmt Matsch ihre Bewegung, aber Hunter wäre trotzdem in einer Woche in Schlagdistanz zur nur schwach verteidigten Staatshauptstadt. Willich ist zu angeschlagen, müsste erst einmal eine Runde pausieren.
In Texas ist der arme Cheatham immer noch auf dem Weg von Laredo nach Dallas – und wenn er dort je ankommen sollte, wird ihm der kürzlich in den Red River verlegte McCall gehörig den Hosenboden versohlen.
In Virginia hat meine Absetzbewegung störungsfrei geklappt; Fremont steht nun sehr kompakt zwischen Petersburg und Suffolk.
In Maryland halten beide Seiten die Fronten und bemühen sich, ein paar Verstärkungen an die Front zu schaffen. Armistead bringt da nicht wirklich viel auf den Weg, aber es ist erfreulich zu sehen, dass er seine Stellungen dort immer noch für „zu schwach“ hält.
In Philadelphia stünden ab dem nächsten Zug zwei neue Divisionen bereit, welche eigentlich (verstärkt um eine Division Fremonts) eine neue Seelandung bei Savannah GA unternehmen sollten. Nach Lage der Dinge könnten sie eventuell erst einmal im Westen eingesetzt werden.
Vor Chattanooga ist nicht viel passiert – und wird auch nicht mehr. Obwohl ich jetzt in sehr guter Position für einen Vorstoß auf Knoxville bin, würde ich die dortigen Divisionen erst einmal in grobe Richtung General Grant ansetzen.
Naja, und bei New Orleans, ich hatte es schon angedeutet, hat Sherman die Lücke zwischen Mississippi River und Lake Pontchartrain geschlossen, hat die Eisenbahngleise hinter sich abgerissen und mit einer kleinen Brigade die Staatshauptstadt Baton Rouge erobert. Theoretisch wäre New Orleans damit vom Rest des westlichen Kampfschauplatzes abgeschlossen, und die geschätzt 250 erwirtschafteten Supplypunkte je Runde stapeln sich in Zukunft in den örtlichen Lagerhallen. Aber wie gesagt, die Linien sind recht dünn und würden einem massiven Gegenangriff nicht standhalten.
Was sähe also der Generalplan vor? Transfer der Arkansas-Divisionen nach Tennessee. Transfer von Grants angeschlagenen Divisionen nach Maryland. Transfer von Maryland-Divisionen nach Mobile. Transfer von Mobile-Divisionen nach New Orleans. Die Philadelphia-Divisionen kommen erst mal in den Westen, bald ist dort Sommer und dann kann man eventuell weiter sehen. Gelänge es mir, den Kordon um New Orleans dauerhaft zu halten, könnte man auch über offensive Maßnahmen dort nachdenken. Zur Zeit steht dort nur eine (fertige) Division, eine andere wird ausgebildet und bei Springfield besetzt McCulloch mit einer Division das Gefechtsvorfeld. Mit einer garantierten Übermacht von 4:1 würde ich dort attackieren. Oder ich setze die Armee nach Jackson in Bewegung und lasse Butler auf Meridian marschieren. Die Wirkung für meinen Feldzug ist dieselbe.
Ich sollte noch erwähnen, dass sowohl die feindlichen Depots von Memphis, als auch Meridian leer sind. Absolut leer. Meine Truppen graben sich am Mississippi ein und die Bahnlinie aus New Orleans befindet sich in meiner Hand. Meine Kavallerie kann die Gleise zwischen Vicksburg und dem Norden des Staates nahezu nach Belieben aufreißen. Aus Alabama wird dank Porters zehn Panzerschiffen und den Sperrbooten nichts mehr durchkommen. Bald schon wird Fort Saint Philip an der Mündung des Mississippi fallen und Admiral Farragut wird an der Spitze einer gigantischen Unionsflotte bis vor die Tore New Orleans' fahren (um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen). Wenn Armistead nicht größtflächig in Infrastrukturmaßnahmen investiert, seine Nachschublinien öffnet oder meine prallen Depots erobert, werden die Attritionverluste ab Sommer/Herbst 1863 seine zur Verfügung stehenden Reserven übersteigen. Das wären 20+ Divisionen! Die Hälfte seiner Armee!
Tja, normalerweise käme jetzt die Befehlsausgabe. Aber wer unter den Lesern Picketts AAR verfolgt hat, weiß was nun kommt: Armistead befindet sich nicht mehr im Besitz seines Laptops, mit all den darauf gespeicherten Spielständen. Und weil er das Spiel gehostet hat, kann ich da keine Abhilfe mehr schaffen. Das bedeutet, dass unser Kampf an dieser ausgesprochen interessanten Stelle seine Ende gefunden hat. Wie der Ausgang nächstes oder übernächstes Jahr ausgesehen hätte, bleibt der Spekulation der werten Regenten überlassen.
War es das dann schon? Oder um es mit den Ärzten zu sagen: Ist das alles? Nein, versprochen! Pfadfinder- und Indianerehrenwort! Neben dem hierunter angefügten Punktstand und der großen Karte des Kampfgebietes, werden Armistead und ich uns Euren Fragen und Anmerkungen widmen. Armistead wird Euch gerne Auskunft darüber geben, warum er manchmal zum grandios richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle stand und wann ich ihn echt in der Bredouille hatte, ohne es überhaupt zu merken. Armistead wird sicherlich auch Einzelheiten zu seinem Bauprogramm äußern und für den geneigten Südstaatenspieler eine kleine Strategie-Blaupause darlegen. In welcher Form Armistead und ich das in den AAR einfließen lassen, tüfteln wir gerade aus. Es könnte ein „behind the scenes“ werden, ein „directors commentary“, vielleicht bringen wir eine „gag reel of awkward moments“, mal sehen. Ihr, werte Leser, könnt Euch ja schon mal dazu – oder zu anderen Sachen äußern.
In diesem Sinne, und wie gehabt:
Gez.
Der Captain

Nachtrag: Danke an alle Mitwirkenden!
Danke an Cfant für seinen hintergründigen Humor.
Danke an Sol für seine unerschütterliche Einstellung im Angesicht meiner schweren Inkompetenz (z.B. damals in Texas oder bei Norfolk).
Danke an Longstreet für die wirklich tollen rollenspielerischen Einlagen in seinen Beiträgen.
Danke an Hohenlohe für die gleichbeibend hohe Motivation trotz erfolg- und sinnloser Jagdeinsätze.
Danke an Rawoll für seine Eisen- und Stahlrhetorik.
Danke an Pickett für aufmunternden Posts.
Danke an Frundsberg für sein nach-oben-kicken des Threads im Forum.
Danke auch an die anderen Leser, stellvertretend ehre ich Frankenland.
Und danke an Armistead, für ein schönes und spannendes Spielchen.
[align=center]https://www.youtube.com/watch?v=fmmoeCbOzdQ
[font=Georgia]Vorneweg: Um meine Abwesenheit zu erklären; ich war die letzten vier Monate auf See. Kann ja mal passieren. Seit vorgestern bin ich wieder im Lande – und wie das so ist mit den kleinen Dingen des Lebens..., auf die freut man sich am meisten. So auch auf die Aussicht, die Partie gegen den werten Armistead weiter zu führen. Und den AAR[/font].
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[justify]Nach der langen Pause ist es nicht leicht, sich wieder in alles hinein zu denken. Das geht dem werten Leser sicher genau so wie dem Spieler hier. Ich werde deswegen zum Ende des Beitrags noch einmal eine Maßstabskarte der Vereinigten Staaten anfertigen.
Okay, jetzt aber geschwind zur Situation. Wie erinnerlich, plante ich wegen des überraschend guten Wetters und der ansonsten nicht wirklich viel versprechenden Alternativen, mit General Grant auf dem Kampfschauplatz Mississippi einen großen Sprung nach vorne zu machen. Zur Hand hatte er drei Divisionen und die Unterstützung seines Chefs der Reserveartillerie Lt.Col. Longstreet. Die Geschütze wurden diesmal übrigens in die Divisionen integriert – aus dem Schlamassel von Dix hatte ich gelernt. Rosecrans und Whipple sollten eine Zeitlang mit je einer Division Schützenhilfe leisten und die Kavallerie die Bahnlinien aus Richtung Vicksburg blockieren. Und so setze sich Grant dann auch gemächlich in Bewegung. Man kann sich meine Erschütterung gar nicht vorstellen, als in der Replayansicht SÄMTLICHE Unionsstacks genau auf seine Zielprovinz zusteuerten. Häh?! Ja, monatelang rühren sich Johnston, Beauregard und Co. Überhaupt nicht vom Fleck. Und dann, aus heiterem Himmel, steigt alles was Gewehre hat in Züge und sammelt sich westlich des Tombigbee River. In Worten:
- Aus Memphis TN: Lt.Gen. Winder mit den Divisionen Breckinridge und Zollicofer. Er stellte sich in Henry MS auf – zusätzlich den Oberbefehl über Hindmans Division übernehmend - das ist gleich südlich von Corinth. In Memphis zurück blieben neben der Stadtgarnison drei Milizen und eine Partisaneneinheit.
- Aus Bolivar TN: Gen. Beauregard mit den Divisionen Hardee und Stewart. Er nahm ebenfalls in Henry MS Platz. In Bolivar zurück blieb ein Regiment Marineinfanterie.
- Aus Corinth MS: Gen. Johnston mit den Divisionen W.H.F. Lee und Cantey. Er stellte sich südlich von Beauregard und Winder an dessen rechte Flanke – dort, wo auch der Flussübergang Grants erfolgte. In Corinth zurück blieb ein Regiment Staatsmiliz.
Damit ist die gesamte Nordfront völlig entblößt. Wo seit Mitte 1862 acht bis zehn Divisionen die breite Front zwischen Memphis und Corinth hielten, stehen jetzt eine Handvoll Regimenter. Ist das alles? Nein!
- Aus Wayne MS: Lt.Gen. Forney mit den Divisionen Pemberton, Taliaferro und Whiting. Er nimmt jetzt den rechten Flügel dieser Nord-Süd-Riegelstellung ein. In seinen alten Stellungen lässt er nichts zurück. Er zerstört nicht einmal die Eisenbahnlinie (welche von Mobile nach Meridian führt) vor seiner Abfahrt, so eilig bricht er auf. Damit steht südlich von Meridian eigentlich nur noch Morgans Kavallerie. Und in Meridian selbst befindet sich die immer noch schwer angeschlagene Division von Wharton, sowie die Division Pat Cleburnes, welcher auch das Kommando führt. Allerdings ist sein Stack nicht in das Korpssystem der Army of Mississippi (CS) eingebunden.[/justify]
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Rechts oben: Doubleday's Division ist arg mitgenommen.
Unten: Grant's Armee hat fast die Hälfte Ihrer Truppen verloren.[/b][/color][/size][/align]
[justify]Alle drei Flügel der Armee konzentrieren sich um Grants vermutliches und tatsächliches Marschziel herum – in Zahlen: ZEHN Divisionen mit 80-90.000 Mann und hunderten Geschützen, gegen Grants 25.000 Union Trooper. Tja, und so ging's dann auch aus:[/justify]
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[justify]Wie man sieht, sind die Verluste des Gegners auch hoch, viel höher, als man nach Lage der Dinge hätte annehmen können. Um den Verlust von ca. 11.000 Mann einschließlich der Retreat Hits hat Grant durchaus mit zäher Verbissenheit gekämpft. Was ihm zu gute kam – er hat sich nach dem ersten Schock relativ schnell zurück gezogen, sodass die große Materialüberlegenheit des Feindes gar nicht lange zur Geltung kam. Der Feind hatte deutlich mehr Truppen und Geschütze zur Hand, als er in der Gefechtslinie formieren konnte. Und Forney und Winder marschierten mit ihren insgesamt sechs Divisionen zwar zum Donner der Geschütze, aber griffen augenscheinlich nur in der letzten Kampfrunde ins Gefecht ein. Gerade ihre frischen Brigaden drückten mit solcher Schnelligkeit gegen die Unionslinie, dass sie von einem Augenblick zum anderen völlig zerbröselte und in schnellen Rückzug überging. Breckinridge, Pemberton und Co. konnten den fliehenden Yankees nur noch ein paar vereinzelte Gewehrsalven hinterher schießen, bevor sich ihre Regimenter überhaupt in Doppellinie formiert hatten.
Tja, was soll man da sagen? Grants Streitmacht ist … useless, die können von Glück sagen, wenn sie vor dem Feind auf der anderen Flußseite stehen. Dort warten Rosecrans und Whipple, aber der Nachschubvorrat geht schon zu Neige. Rosecrans hat immerhin Gleisanschluss und könnte aus Osttennessee rasch verstärkt werden. Aber Whipple? Da ist nichts zu machen, denn Regen und Matsch haben seine Zulaufwege fest im Griff. Ist vielleicht auch gut so. Wenn der Gegner dort angreifen sollte, um noch vor Grant auf der anderen Flussseite zu sein, muss er zunächst einen angeschwollenen Fluss überqueren und dann seine erschöpften Einheiten bei strömenden Regen zur Kampflinie formieren. Nicht, dass Armistead jetzt keine Truppen frei hätte. Die ganze Wucht von Grants Initialangriff trugen die Divisionen von Cantey und Lee, Ersterer ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber der Rest – die Korps Winder, Beauregard und Forney – sind allesamt beinahe unangetastet. Armistead wird eher die Qual der Wahl haben: welches der vielen plötzlich schwach erscheinenden Ziele in seiner Umgebung soll er auslöschen?
- Da wären natürlich die Reste von Ulysses Grants Armee. Dafür müsste er entweder Whipple oder Rosecrans vom Platz fegen. Und ich schicke eiligst Sperrschiffe in den Fluss, egal in welcher Verfassung sie dort ankommen.
- Da wäre Humboldt in West-Tennessee. Momentan nur schwach verteidigt. Gewinnt der das Depot zurück, kann er anschließend ganz Tennessee und Süd-Kentucky besetzen.
- Da wäre Shermans Sperrfront vor New Orleans. Bislang nicht ärgerlicher als ein Moskitostich für Armistead, könnte er ein für alle mal mit der Bedrohung seiner Hauptnachschublinie aufräumen.
- Da wäre Mobile selbst, mit Butlers reduziertem Kommando. Tja, das wäre wahrscheinlich zwecklos, die Truppen dort sind zu gut eingegraben.
- Oder er kämpft sich seinen Weg nach Alabama frei (allerdings nur, wenn seine Versorgungssituation tatsächlich sehr problematisch ist).
- Oder er besetzt einfach wieder alle Stellungen und wartet auf meinen nächsten Versuch.[/justify]
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[justify]Ansonsten hat sich in diesem Zug wirklich nicht viel ereignet. Dupont hat die Festungsgeschütze sicher nach Mobile gebracht (nicht ohne unterwegs beschossen zu werden). Damit verfüge ich nun am Tombigbee über genug Feuerpower, um mehrere Artilleriestellungen an der Küste einzurichten, welche Armisteads Panzerschiffe unter schwerstes Feuer nehmen können, wenn sie versuchen, meine Blockadeschiffe anzugreifen. Porters Panzerflotte ist zu 90% einsatzbereit und brennt dank der aufopferungsvollen Arbeit der „Werftis“ und CWO Rawolls Mannen darauf, dem Feind in den Allerwertesten zu treten. Und Butler hält Mobile bzw. das Vorfeld mit insgesamt sechs bis zu den Nasenlöchern eingegrabenen Yankee-Divisionen – da wird auch in Zukunft nichts anbrennen.
In Arkansas sind Hunter und Willich trotz winterlich weißer Bedingungen je ein Feld weiter auf Little Rock bzw. Madison vorgerückt. Jetzt hemmt Matsch ihre Bewegung, aber Hunter wäre trotzdem in einer Woche in Schlagdistanz zur nur schwach verteidigten Staatshauptstadt. Willich ist zu angeschlagen, müsste erst einmal eine Runde pausieren.
In Texas ist der arme Cheatham immer noch auf dem Weg von Laredo nach Dallas – und wenn er dort je ankommen sollte, wird ihm der kürzlich in den Red River verlegte McCall gehörig den Hosenboden versohlen.
In Virginia hat meine Absetzbewegung störungsfrei geklappt; Fremont steht nun sehr kompakt zwischen Petersburg und Suffolk.
In Maryland halten beide Seiten die Fronten und bemühen sich, ein paar Verstärkungen an die Front zu schaffen. Armistead bringt da nicht wirklich viel auf den Weg, aber es ist erfreulich zu sehen, dass er seine Stellungen dort immer noch für „zu schwach“ hält.
In Philadelphia stünden ab dem nächsten Zug zwei neue Divisionen bereit, welche eigentlich (verstärkt um eine Division Fremonts) eine neue Seelandung bei Savannah GA unternehmen sollten. Nach Lage der Dinge könnten sie eventuell erst einmal im Westen eingesetzt werden.
Vor Chattanooga ist nicht viel passiert – und wird auch nicht mehr. Obwohl ich jetzt in sehr guter Position für einen Vorstoß auf Knoxville bin, würde ich die dortigen Divisionen erst einmal in grobe Richtung General Grant ansetzen.
Naja, und bei New Orleans, ich hatte es schon angedeutet, hat Sherman die Lücke zwischen Mississippi River und Lake Pontchartrain geschlossen, hat die Eisenbahngleise hinter sich abgerissen und mit einer kleinen Brigade die Staatshauptstadt Baton Rouge erobert. Theoretisch wäre New Orleans damit vom Rest des westlichen Kampfschauplatzes abgeschlossen, und die geschätzt 250 erwirtschafteten Supplypunkte je Runde stapeln sich in Zukunft in den örtlichen Lagerhallen. Aber wie gesagt, die Linien sind recht dünn und würden einem massiven Gegenangriff nicht standhalten.
Was sähe also der Generalplan vor? Transfer der Arkansas-Divisionen nach Tennessee. Transfer von Grants angeschlagenen Divisionen nach Maryland. Transfer von Maryland-Divisionen nach Mobile. Transfer von Mobile-Divisionen nach New Orleans. Die Philadelphia-Divisionen kommen erst mal in den Westen, bald ist dort Sommer und dann kann man eventuell weiter sehen. Gelänge es mir, den Kordon um New Orleans dauerhaft zu halten, könnte man auch über offensive Maßnahmen dort nachdenken. Zur Zeit steht dort nur eine (fertige) Division, eine andere wird ausgebildet und bei Springfield besetzt McCulloch mit einer Division das Gefechtsvorfeld. Mit einer garantierten Übermacht von 4:1 würde ich dort attackieren. Oder ich setze die Armee nach Jackson in Bewegung und lasse Butler auf Meridian marschieren. Die Wirkung für meinen Feldzug ist dieselbe.
Ich sollte noch erwähnen, dass sowohl die feindlichen Depots von Memphis, als auch Meridian leer sind. Absolut leer. Meine Truppen graben sich am Mississippi ein und die Bahnlinie aus New Orleans befindet sich in meiner Hand. Meine Kavallerie kann die Gleise zwischen Vicksburg und dem Norden des Staates nahezu nach Belieben aufreißen. Aus Alabama wird dank Porters zehn Panzerschiffen und den Sperrbooten nichts mehr durchkommen. Bald schon wird Fort Saint Philip an der Mündung des Mississippi fallen und Admiral Farragut wird an der Spitze einer gigantischen Unionsflotte bis vor die Tore New Orleans' fahren (um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen). Wenn Armistead nicht größtflächig in Infrastrukturmaßnahmen investiert, seine Nachschublinien öffnet oder meine prallen Depots erobert, werden die Attritionverluste ab Sommer/Herbst 1863 seine zur Verfügung stehenden Reserven übersteigen. Das wären 20+ Divisionen! Die Hälfte seiner Armee!
Tja, normalerweise käme jetzt die Befehlsausgabe. Aber wer unter den Lesern Picketts AAR verfolgt hat, weiß was nun kommt: Armistead befindet sich nicht mehr im Besitz seines Laptops, mit all den darauf gespeicherten Spielständen. Und weil er das Spiel gehostet hat, kann ich da keine Abhilfe mehr schaffen. Das bedeutet, dass unser Kampf an dieser ausgesprochen interessanten Stelle seine Ende gefunden hat. Wie der Ausgang nächstes oder übernächstes Jahr ausgesehen hätte, bleibt der Spekulation der werten Regenten überlassen.
War es das dann schon? Oder um es mit den Ärzten zu sagen: Ist das alles? Nein, versprochen! Pfadfinder- und Indianerehrenwort! Neben dem hierunter angefügten Punktstand und der großen Karte des Kampfgebietes, werden Armistead und ich uns Euren Fragen und Anmerkungen widmen. Armistead wird Euch gerne Auskunft darüber geben, warum er manchmal zum grandios richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle stand und wann ich ihn echt in der Bredouille hatte, ohne es überhaupt zu merken. Armistead wird sicherlich auch Einzelheiten zu seinem Bauprogramm äußern und für den geneigten Südstaatenspieler eine kleine Strategie-Blaupause darlegen. In welcher Form Armistead und ich das in den AAR einfließen lassen, tüfteln wir gerade aus. Es könnte ein „behind the scenes“ werden, ein „directors commentary“, vielleicht bringen wir eine „gag reel of awkward moments“, mal sehen. Ihr, werte Leser, könnt Euch ja schon mal dazu – oder zu anderen Sachen äußern.
In diesem Sinne, und wie gehabt:
Gez.
Der Captain[/justify]
[align=center][img]http://s7.directupload.net/images/user/140328/dic2yriw.png[/img]
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Nachtrag: Danke an alle Mitwirkenden!
Danke an Cfant für seinen hintergründigen Humor.
Danke an Sol für seine unerschütterliche Einstellung im Angesicht meiner schweren Inkompetenz (z.B. damals in Texas oder bei Norfolk).
Danke an Longstreet für die wirklich tollen rollenspielerischen Einlagen in seinen Beiträgen.
Danke an Hohenlohe für die gleichbeibend hohe Motivation trotz erfolg- und sinnloser Jagdeinsätze.
Danke an Rawoll für seine Eisen- und Stahlrhetorik.
Danke an Pickett für aufmunternden Posts.
Danke an Frundsberg für sein nach-oben-kicken des Threads im Forum.
Danke auch an die anderen Leser, stellvertretend ehre ich Frankenland.
Und danke an Armistead, für ein schönes und spannendes Spielchen.