Concerning Middle Earth - Der Tolkien Thread

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von Montesquieu » Do 02.01.2025, 17:22

Gestern war dann "War of the Rohirrim" an der Reihe.

Und ich kann die Kritik an dem Film gleichzeitig verstehen und nicht verstehen:

Was ich nachvollziehen kann:

Ein Kino-Release als offizieller "Herr der Ringe"-Film ist einfach eine Nummer zu groß für den Anime. Da kann man nur scheitern. Die Erwartungen sind riesig und dass es ein "Zeichentrickfilm" ist, hält halt viele davon ab, wie z. B. meinen Vater, der auch alle HdR- und Hobbit-Teile im Kino gesehen hatte.

Außerdem war das Marketing unterirdisch. Ich als schon großer LOTR-Fan, der sich auch in entsprechenden Subreddits etc. rumtreibt, habe zwar immer mal wieder was davon gehört, aber immer wieder vergessen, dass da ja was kommt. Werbung ist praktisch bei null gewesen. Im Zusammenspiel ist ein Flop praktisch vorprogrammiert und vorhersehbar gewesen. Leider.

Aber es ist wahrscheinlich die Crux "direct to streaming" wäre wahrscheinlich nicht gegangen, aber wie gesagt "Kino release" war in dem Zusammenhang die dümmste Entscheidung, die man wirtschaftlich treffen konnte. Da wollte man Jackson wohl noch zu einem Abschluss zwingen.

Was ich nicht nachvollziehen kann:

Diese Anti-Haltung, was den Inhalt angeht. "War of the Rohirrim" ist wirklich ein solider, guter Fantasy-Anime, der sich in die Mythos-Welt von HdR gut einpasst. 2h + gute Unterhaltung, die keine riesigen "Klopse" hat, was die Lore angeht. Die Charaktere sind nicht die allerbesten, aber gute "Der Barde trällert im Langhaus das Heldenepos"-Hausmannskost. Die Szenen sind sehr atmosphärisch gezeichnet, die Action nicht überbordend, aber für's Auge besser, als z. B. die Gladiator2-Action-Cam, die sich durch wilde Szenenschnitte auszeichnet.

Wenn man es mit Star Wars vergleicht, dann wäre das auf jeden Fall im Disney-Universum in den Top 5 der neuen Filme und Serien anzusiedeln (Hinter Andor und Mandalorian, aber z. B. vor Ahsoka und Solo, vielleicht gleich auf mit Rogue One). Also schon durchaus respektabel.

Diese "culture wars"-Grütze mit "weibliche Heldin hurr durr heul" kommentiere ich jetzt schon gar nicht mehr. Das macht ja eh nur müde.

Fazit:

Wenn er denn irgendwo gestreamed wird, man Anime nicht doof findet und HdR gut, dann auf jeden Fall Anschau-Empfehlung.

Alle anderen würden jetzt nichts großartiges verpassen.

von Montesquieu » So 10.11.2024, 09:10

So, Mission "Weniger Politik" geht in die nächste Runde mit mehr Linux-Homeserver und Fantasy.

Habe mir audiobookshelf als eigenen Hörbuch-Server aufgesetzt und es klappt ganz wunderbar.

Um es einzuweihen, kommt für diese dunkle Jahreszeit mal wieder Herr der Ringe in Frage. :) Letztes Mal, dass ich es gelesen habe, ist schon zu lange her, merke ich gerade.

von X_MasterDave_X » So 20.10.2024, 19:40

Ja das stimmt. Als die Kinofilme damals gezeigt wurden, gabs keine offenen Fragen. Ich kannte auch damals die Bücher nicht, kannte zuvor nur den Bakshi-Zeichentrickfilm, der ca die Hälfte des Herr der Ringe Buches zeigt. Bei den Kinofilmen war alles klar, die Story selbsterklärend und hochspannend. Wieso kann man das in einer Serie, mit viel mehr Screen-Time nicht auch machen? Schade, viele Gelegenheiten verpasst.

Dennoch, nach der gelungeneren Staffel 2 mit Sauron/Annatar, freue ich mich sehr auf Staffel 3.

von Montesquieu » So 20.10.2024, 19:35

X_MasterDave_X hat geschrieben:2. Die Numenorer....als Nicht-Kenner der Bücher....fragte ich mich die ganze Zeit..."Wer sind die überhaupt, und was wollen die in Mittelerde?!?" Wäre da nicht Isildur der bekannte Name...ich hätt nicht im Ansatz verstanden was die in der Serie verloren haben. Und ja, auch die dürfen alle sang- und klanglos untergehen. Womöglich waren die Atlanter auch so Langweiler und deren Insel ist deswegen unter gegangen. Da kann ich jeden göttlichen Eingriff verstehen. ;)
Ja, da hätte ein wenig mehr Exposition gut getan, denn die Numenorer hätten das ja auch verdient:

Es waren die Menschen, die Seit an Seit mit den Elben und den Valar (den guten Göttern) gegen Morgoth (Melkor, der "Teufel" und alter Sugardaddy von Sauron) gekämpft haben. Als Belohnung haben sie dann Numenor erhalten und einen super-duper Genboost. Die ersten Numenoror erlebten biblisches Alter. Das wurde dann mit den Jahren schwächer, aber Aragorn sieht ja mit seinen 80 Jahren auch immer noch knackig aus.

Funfact: Der erste König von Numenor war Elros, Zwillingsbruder von Elrond. Da beide Halb-Elben sind, mussten sie sich entscheiden, ob sie Mensch oder Elb sein wollten. Elros wurde Mensch, Elrond bekanntermaßen Elb. Beide wuchsen zu den größten Persönlichkeiten ihrer Rasse heran.

Deswegen ist Numenor auch den Valar so nah, deswegen gibt es dort auch Tempel, die den Valar geweiht sind und eine natürliche alte Verbundenheit zu den Elben. Darum ist das Vorgehen der Usurpatoren ja auch so frevelhaft im höchsten Maße. Wenn ich vorher nicht mein Silmarillion gelesen und oft zum Einschlafen irgendwelche LOTR-Lore-Videos gesehen hätte, wäre mir das noch spanischer vorgekommen, als jetzt schon. Da wird man allein gelassen und das vollkommen ohne Not. So viel Schwachsinn wie da erzählt wird, da hätte man auch erklärende Szenen einbauen können.

Genauso - wie oben gesagt - mit den Ringen. Warum gerade Ringe? Warum sind sie so wichtig für die Elfen? (Ja, wird gezeigt, aber eher so meeh ...) Holt die Leute ab, dann passt das ganze noch mehr.

von X_MasterDave_X » So 20.10.2024, 19:03

Kann ich im Großen und Ganzen so auch unterschreiben!

Dass "Super-Elb 2000" weniger Screen Time bekam lag aber wohl eher im außerplanmäßigen Bereich. Seine geliebte Menschen-Tussi war nämlich nicht mehr da...und damit die Liebesgeschichte eh ad acta. Lag aber nicht daran, weil die Drehbuchautoren ein Einsehen hatten, sonder schlicht daran dass die Darstellerin keinen Bock mehr hat und den Beruf inzwischen an den Nagel gehängt hat. Da gabs dann die Wahl zwischen Neubesetzung...oder Serientod. Ich danke dem Serien-Gott dass sie hier die richtige Entscheidung getroffen haben. Bin auch froh dass Super-Elb fast aus der Geschichte rausgeschrieben wurde....und endlich Sauron der Protagonist der Serie wurde. War ab Episode 1 toll ihn anzuschauen. Davon bitte mehr in Staffel 3!!!

Auch die Hobbits dürfen ruhig noch weniger Screen-Time bekommen...empfinde die fast nur als Lückenfüller. Der Fremde und die Zwerge dürfen in der Verteilung bleiben wie in Staffel 2. Die Numenorer....als Nicht-Kenner der Bücher....fragte ich mich die ganze Zeit..."Wer sind die überhaupt, und was wollen die in Mittelerde?!?" Wäre da nicht Isildur der bekannte Name...ich hätt nicht im Ansatz verstanden was die in der Serie verloren haben. Und ja, auch die dürfen alle sang- und klanglos untergehen. Womöglich waren die Atlanter auch so Langweiler und deren Insel ist deswegen unter gegangen. Da kann ich jeden göttlichen Eingriff verstehen. ;)

von Montesquieu » So 20.10.2024, 15:33

The Rings of Power - Staffel 2

Nachdem die zweite Staffel des neuen Herr-der-Ringe-Epos jetzt schon ein paar Wochen abgeschlossen ist und sie sich bei mir gesetzt hat, wollte ich mal mein Fazit zu Papier bringen. Und ab jetzt gilt auch Spoiler incoming. Ich setze jetzt nicht mein Review komplett in Spoiler-Tags, aber es muss nicht gelesen werden, wenn man die erste oder zweite Staffel noch nicht, aber noch sehen will.

Einfach mal als Fantasy-Epos gesehen, fand ich die zweite Staffel tatsächlich deutlich gelungener als die erste. Die Charaktere kamen deutlich mehr zur Geltung, der Plot war "tighter" und die nervigen Stränge hatte deutlich weniger Screentime. Die erste Staffel krankte, ganz neutral und ohne Kulturkampf-Brille betrachtet doch an einigen Ecken und Enden. Es war eine richtig langgestreckte Exposition, die dadurch teilweise lahm wirkte:

• Es fehlte der richtige Antagonist. Klar man hatte die Orks, um Adar, den ich als Charakter in beiden Seasons richtig stark finde, aber Sauron aka Halbbrand war auch nur ok. Man hat immer Sauron erwartet und als sich der Nebel lüftete war es auch immer mehr meew.
• Zu viele Handlungsstränge. Was hatte man nicht alles? Hobbits mit dem Fremden, Elfen um Galadriel, Zwerge um Durin, Mordor-to-be Dorftrottel mit Power-Elb 2000 und Gähn-Numenor.
• Langweilige Charaktere: Numenor fand ich richtig mies. Die Regentin: Gähn. Die Stadt sah gut aus, aber der gesamte politische Plot ist zum Smartphone-hebend lahm gewesen. Und hier hätten sie es bei mir einfach gehabt. Das ist eine politische Intrige in einem römisch-byzantinisch geprägten Tolkien-Szenario! Wie kann man das verhauen?!? Sie habe es aber geschafft.
• Die zwei Tropes, die ich am wenigstes leiden kann: Strong Independent Woman (Galadriel) und "Ich kann Karate und kämpfen und bin so super gut!" (Wieder Galadriel und Power-Elbe 2000). Und wie ich es im Review zur ersten Staffel gesagt habe: Mir ist es egal und ich finde es gut, dass Galadriel eine super-mächtige Protagonistin ist. Dass ein Elbe potenziell zu den stärksten und mächtigsten Lebewesen in Mittelerde gehört, ist auch vollkommen in Ordnung. Bei Tolkien sind Helden noch Helden. Egal ob in den Büchern oder den Filmen: Was Aragorn, Legolas, Gimli und co. abziehen, ist schon over-the-top. Und das ist auch gut so. Dass sie das in's noch mythischere Zweite (Heldenzeitalter) übernommen haben, ist vollkommen in angebracht. Hier könnten sie es sogar noch verstärken. Tolkien ist eben nicht graues "Keiner ist so richtig böse", wie man es von "Game of Thrones" kennt.
Was ich dagegen doof fand, ist die Standardkost in der das dargereicht worden ist. Immer die gleichen Action-Szenen mit einer Frau, die ja einen dunklen Grund in ihrer Vergangenheit hat, und deswegen ihren Kopf durchsetzt und kalt und starr in die Gegend guckt. Och Gott, die "Castle"-Drehbuchautoren wollen ihre Kate-Becket-Schablone wieder haben. Das hat sich dann auch negativ auf die Plots der zwei Charaktere ausgewirkt.
• Das Ziel bzw. der große Plotpunkt fehlt. Ja, wir wissen als Zuschauer, dass es um die Ringe der Macht geht, dass es die Vorgeschichte zu Saurons Aufstieg und Fall ist. Dass es darum geht, dass er am Ende mit dem "Einen Ring" von Isildur besiegt wird, damit dann Bilbo den Ring irgendwann in die Hände bekommt. Aber hier in der ersten Staffel fehlt diese treibende Kraft einfach.

Ansonsten fand ich auch einige Sachen sehr fein:

• Die Buddy-Geschichte zwischen Elrond und Durin.
• Die Hobbits fand ich putzig und atmosphärisch ganz nah an Tolkien.
• Adar und die Orks waren böse, aber auch (gut) getrieben.
• Die Effekte und das generelle Design inklusive der Atmosphäre war schon top.

Und jetzt schauen wir uns einmal die zweite Staffel an:

• Der Antagonist ist da! Sauron/Annatar ist zwar nicht mein #1 Bösewicht aller Zeiten, aber schon sehr, sehr gut. Und auch Tolkien-gemäß einfach böse und ein Verführer. Adar als Semi-Bösewicht mit halb-hehren Zielen ist auch noch fein.
• Die Handlungsstränge wurden doch vernünftig gestutzt, bzw. die langweiligen auch zurecht gestaucht. Annatar + Celembrimbor, Elfen, Zwerge und Gandalf und Konsorten sind die Hauptgeschichten. "Isildur und die langweiligen Bauern" + "Elendil und die bemühten Numenorer" kommen zurecht sehr kurz dran. Oh bei Illuvatar, wie sehr ich mir gewünscht habe, dass der Leviathan die blinde Königin einfach gefressen hätte, aber nein, aber nein.
• Langweilige und nervige Charaktere sind durch den zweiten Punkt schon sehr viel weniger im Spiel. Bei den Hauptplots finde ich eigentlich alle recht überzeugend. Numenor kann meinetwegen bald untergehen, aber es stört mich nicht mehr so stark, da nicht allzu viel Zeit dort verbracht wird.
• Die Strong Independent Woman ist nicht mehr so strong und nicht mehr so independent, zwar immer noch mächtig, aber auch mit Charakterentwicklung, was ich sehr gut finde. Galadriel in Orkenhand ist auch tausendmal besser als Galadriel, die Schnetzel-Liese mit dem akrobatischen Dreifach-Salto. Und wenn es dann einmal zu einer solchen Situation kommt, dann ist es auch ok, da es nicht das eine definierende Ding von ihr ist. Auch Ober-Elbe 2000 kommt seltener vor und ehrlich: Der gehörte auch zu den schwachen Charakteren in der ersten Staffel. Warum muss ich einen nameless Elben zu einem der zentralen Personen machen, wenn ich dafür Galadriel, Elrond und den anderen Riesen mehr Zeit geben kann. Aber jetzt ist sein Plot auch zusammengedampft und die Action-Szenen, die er hat, sind dann echt in Ordnung. Aber ich will verdammt noch mal keine Liebesgeschichte mit ihm sehen.
• Ziel: Die Ringe sind geschmiedet (bis auf den einen) und das beginnt jetzt schon alles voran zu treiben. Allerdings finde ich, dass das ganze noch ein wenig sehr im mythischen bleibt, insbesondere bei den neun für die Menschen. Aber es treibt die ganze Sache gut voran und dass tut der Serie gut.

Daher insgesamt: Als Serie funktioniert es jetzt besser. Es geht gut voran, man zittert mehr für die Protagonisten mit und es bleibt audio-visuell ein Meisterwerk.

Canon - Encore


Aber dann hinauf auf die zweite Ebene. Das ist ja gar nicht Kanon und "Muh Middle Earth!". Habe ich mich im letzten Jahr noch mehr von entfernt. Nicht falsch verstehen: Ich bin ein Nerd. Ich liebe Canon-Diskussionen, sei es in Star Wars, Warhammer 40k oder eben Herr der Ringe. ABER: Was gerade im Internet abgeht, ist einfach viel zu starr, viel zu sehr durch den Kulturkampf durchsetzt, viel zu starr, als dass es einen in den Lieblingsfiktionen einfach weiterbringt. Natürlich finde ich es als Historiker klasse, mich mit der Geschichte von Mittelerde auseinander zu setzen. Aber es ist nicht Selbstzweck. Hier geht es nicht um Geschichts-Dokumentationen, sondern immer noch um Fantasy-Welten.

Wieder mal ein Beispiel, wie der allmächtige Algorithmus die Hate Farmer nach vorne gebracht hat. Es ist vollkommen legitim, die Schwächen der Serie herauszustellen und ich kenne genug YouTube-Kritiker, die das machen, aber wenn ich mir noch ein "Hurr Durr, das ist so woke!"-Review ansehen muss, springe ich in den Schicksalsberg.

Die gleichen Kritiker haben wohl noch nie Kevin Costners Robin Hood oder Excalibur gesehen (ich weiß, ich wiederhole mich). Ein schwarzer Sarazene in England! Wokes Hollywood!

Deswegen und gerade weil es Fantasy ist, finde ich den Begriff "Lore" viel passender. Canon und die starre Befolgung dessen, finde ich in der Kirche. "Lore" gibt einen Rahmen vor, in dem man sich bewegen kann. Wir reden hier immer noch von einem Mythos. Und zu Tolkien, Mythos und den Szenen, die immer wieder gegen "Ringe der Macht" vorgebracht werden, schreibe ich gerne auch noch meine Meinung auf.

TLDR:

Gute bis sehr gute Fantasy-Serie, die endlich ihr Tempo, Geschicht und Charaktere gefunden hat.

von Montesquieu » Sa 11.05.2024, 22:25

Bigfish hat geschrieben:Gaza Mittelerde?
Wie der da reinkommt. :D

Sollte natürlich Helge sein.



Edit:

Nein, doch nicht.

Irgendwie speichert sich Chrome hier schon einmal kopierte und eingefügte links in einem separaten Speicher ab. Auch gut.

von Bigfish » Sa 11.05.2024, 21:22

Gaza Mittelerde?

von Montesquieu » Sa 11.05.2024, 21:13

Joa, ähm, lass mal...

von Starbuck » Sa 11.05.2024, 14:54

Für 2026 wurde kürzlich ein weiterer HdR-Film angekündigt:

"Lord of the Rings - The Hunt for Gollum"

Andy Serkis wird hierbei neben der Gollum-Rolle auch die Regie übernehmen.

von Mariu » Mo 15.05.2023, 13:33

Interessanter Punkt:



:D

von Montesquieu » Fr 24.02.2023, 13:51

Na ja ... na ja ...

:schande:

von Iche_Bins » Fr 24.02.2023, 12:46

Och nö....
Neue Herr der Ringe-Filme offiziell in Arbeit: Aragorn, Bilbo und Frodo können jetzt zurückkehren
https://www.moviepilot.de/news/neue-her ... en-1140346

von Bushi » Di 13.12.2022, 10:35

Disclaimer: Wir sind kein Herr der Ringe Experte und können nicht beurteilen wie gut oder schlecht die Serie zur Lore passt. Wir kennen lediglich die Filme von Peter Jackson, die uns sehr gefallen haben.

Jetzt haben wir uns ebenfalls die Ringe der Macht angesehen. Optisch merkt man zu jeder Zeit, wie teuer die Serie war. Sie ist auf extrem hohem Niveau, auf Blockbusterniveau produziert. Landschaften, Kostüme, alles sehr schick. Nur die Varge gefielen uns bei Peter Jackson besser. Problematisch wird es leider, wenn es um die Handlung geht (Details im Spoiler). Die Ringe der Macht wird unglaublich behäbig erzählt. Vor allem zu beginn zieht sich und wir denken uns, dass 2 Folgen weniger der Story gut getan hätten. Aber das Problem haben viele Serien. In den löetzten drei Folgen stimmt das Pacing dann wieder. Der Cast gefällt uns sehr gut. Vor allem den Schauspieler von Arondir finden wir großartig. So haben wir uns einen Elben vorgestellt. Habitus, Bewegungen, passt alles wunderbar.

Leider haben wir hier eine total konservative Geschichte. Da ist schlichtweg gar nichts progressives in dieser Handlung. Und wirklich stark im Sinne von mutig sind die Figuren leider auch nur vordergründig.
Spoiler Wir beginnen mit der Entscheidung Numenors, sich doch Galadriel anzuschießen: Dass Numenor Galadriel letztlich folgt geschieht nicht, weil Miriel irgendwie von Galadriel überzeugt worden ist, sondern weil die Blätter vom Baum fallen. Sie folgen also aus religiöser Überzeugung. Miriel tut letztendlich auch nichts, um ihr Volk zu überzeugen, außer ihm zu sagen Deus Vult, Gott will es. Zudem hat sie ja noch ihren Kanzler, der das bestimmt schon für sie regelt. Stark und unabhängig ist das nicht. Die ablehnende Haltung Numenors ist hingegen sehr nachvollziehbar. Für sie existiert die Bedrohung nicht. Niemand in Mittelerde hat realisiert, dass die Orks wieder eine Bedrohung darstellen. Das wissen scheinbar nichtmal die Elben in Mittelerde so richtig. Wie auch? Der Feind hat gerade erst begonnen sich an der Grenze zu offenbaren. Also warum sollte Numenor nach Mittelerde gehen? Achja, quasi ein göttlicher Auftrag. Im Herrn der Ringe ging es im Kern noch darum, dass unterschiedliche Völker ihre Differenzen überwinden, um ein größeres Übel zu besiegen. Theodin rang mit sich, um trotz Gondors Verrat ebendiesen zur Hilfe zu eilen, obwohl die Bedrohung für alle Sichtbar war. Hier haben wir ein göttliches Zeichen und schon zieht Numenor in den Krieg. Isildur handelt auch völlig erratisch. Erst will er in den Westen, also lässt er sich aus der Seewacht werfen. Dann will er aber doch wieder nach Osten segeln, also tut er alles, um wieder an Bord zu sein. Warum er das tut bleibt völlig unklar.

von Montesquieu » Do 20.10.2022, 18:43

Muss Dave da voll zustimmen.

Musik, Schnitt, Kamera entsprechen auch eher großen Blockbustern. Das mögen zwar Details sein, die kosten aber auch ordentlich.

Nein, man sieht es der Serie einfach an, dass sie ein riesiges Budget hatte, vergleichbares gibt es in der Hinsicht wenig.

von X_MasterDave_X » Do 20.10.2022, 17:00

H34DHUN73R hat geschrieben:Wirklich verblüffend: wo ist das viele Geld geblieben?
Die Schauspieler werden es nicht bekommen haben, große Massenszenen mit vielen Schauspielern gab es auch nicht, an großartige Special Effects könnten Wir uns nicht erinnern und Landschaften abfilmen kostet nun auch kein Vermögen.
Sorry, aber da muss ich ganz massiv widersprechen. Ja sicherlich die eher unbekannteren Schauspieler werden wohl nicht das Budget aufgebraucht haben, wie die Superstars von Herr der Ringe. Aber der Serie sieht man in praktisch jeder Szene an dass sie vollgespickt ist mit Special Effekts. Da werden nicht einfach nur irgendwelche 5 Leute gefilmt die über ne Wiese in Irland laufen, so wie gestern bei dem Teil von Andor den ich mir angesehen habe....wo man praktisch echt nach Special Effects suchen muss, minutenlang. Deswegen gibts in Andor wohl auch kaum bis gar keine Aliens. Null aufwendige Masken....kaum Space Szenen. 90% der Zeit sieht man Leute in abgerissenen Klamotten in irgendwelchen Räumen stehen die in jedem Dorf in Deutschland stehen könnten. War witzig gestern abend, als ich den Andor Teil sah, wo sie den Überfall planten, und den Teil danach. Als meine Tochter ins Zimmer kam, 5 Minuten zusah und dann fragte was das sei, was ich mir ansehe....und ich antwortete, das wäre eine SW-Serie, meinte sie nur: "Häh das sieht aber gar nicht nach Star Wars aus!" Erst als 10 Minuten später mal irgendwo Strumtruppler auftauchten sagte sie "Oh du hast recht, das ich wirklich SW".

Wie gesagt, 90% der Serie brauchte wohl 0 Special Effects. Da wurden nur Leute in abgerissenen Klamotten in sehr irdisch wirkenden Räumen, Ortschaften oder Landschaften gefilmt. Da hat man wohl massiv Geld eingespart.

Und wenn ich mir dann die Optik beinahe jeder Szene in den Ringen der Macht ansehe, die aufwendigen Rüstungen und Kleidungen...die Innenräume, die Stadt CGI überall, selbst praktisch jede Szene in den Wäldern ist größtenteils CGI:


Bild






Wie gesagt, ich spreche hier nicht von den Inhalten, sondern nur von reiner Optik. Da ist HBO´s neue Serie mittelprächtig, Andor minimalistisch, und Ringe der Macht einfach nur opulent. Ein anderes Wort fällt mir nicht ein dazu.

Und was die Darsteller angeht, Elrond fand ich genial. Der gefiel mir schon in Game of Thrones als junger Eddard Stark, in Brans Visionen.

von H34DHUN73R » Mi 19.10.2022, 15:53

Wir sind ohne große Erwartungen an die Serie heran gegangen und wurden auch nicht groß enttäuscht.

Schauspielerisch in Summe OK, mit Ausnahme Elronds, den Wir krass fehlbesetzt finden.
Überhaupt sind die Elben enttäuschend ausgefallen, die Hobbits tragen die Serie.

Qualitativ ist der Unterschied zu den drei HdR-Filmen schon krass, was Wir im Wesentlichen auf drei Faktoren zurückführen:
- Peter Jackson ist halt genial
- Peter Jackson musste drei pralle Bücher in drei Filme quetschen, also sozusagen Luxusprobleme, während man für die Serie ein paar Randnotizen aufblasen musste, wofür kein Tolkien zur Verfügung stand
- die Schauspieler sind in der Serie OK, in den Filmen waren sie brillant - woran sicher auch wiederum Jackson seinen Anteil hatte

Also Jackson, der den Unterschied macht - aber bei den Hobbit-Filmen führte er auch Regie und die waren locker eine Klasse schlechter als HdR, wenn auch besser als die Serie.
Was auch wieder am Content liegt - kein Tolkien, nur Hollywood-Industriestandard.

Wirklich verblüffend: wo ist das viele Geld geblieben?
Die Schauspieler werden es nicht bekommen haben, große Massenszenen mit vielen Schauspielern gab es auch nicht, an großartige Special Effects könnten Wir uns nicht erinnern und Landschaften abfilmen kostet nun auch kein Vermögen.

Insgesamt besser als andere gehypte Serien (insbesondere alles aus dem Star Wars-Universum und praktisch alles aus dem Marvel-Umfeld), aber schlechter als viele Serien, die sich nicht auf große Marken stützen können (z.B. Breaking Bad, True Crimes).
Wenn es keine zweite Staffel geben würde, täte Uns das auch nicht sonderlich leid

von X_MasterDave_X » Mi 19.10.2022, 02:32

Habe die Serie auch gerade zu Ende gesehen. Und muss sagen, ich mochte sie sehr. Anfangs war ich von der diffusen Geschichte noch etwas irritiert. Aber irgendwie hat sich das alles gut zusammen gefügt. Ich bin jetzt auch keiner der die Bücher je gelesen hat. Mein Anfang in diesem Universum war der Zeichentrickfilm von Bakshi. Von den 3 Filmen war ich dann hochbegeistert...ein absoluter Filmgenuß, optisch, storytechnisch und akustisch. Beim nachfolgenden Hobbit hat mir nur Teil 1 gefallen, der war sehr süß und lustig. Die Teile 2 und 3 wurden dann irgendwie immer schlechter.

Dahingehend betrachtet war die Serie nun optisch und auch akustisch ein absoluter Genuß. Auch das märchenhafte war echt süß umgesetzt. Seit langem keinen so großen Spaß mehr an einem Märchenabenteuer gehabt wie hier. Wie gesagt, kenne die Bücher nicht, und die Ungereimtheiten zu diesen interessieren mich deshalb auch nicht besonders. Außerdem bin ich der Meinung dass eine Neuinterpretation des Stoffes jederzeit möglich sein muß. Mit jedem neuen Reboot eines Spiderman oder Batman erzählt man ja die Geschichte auch immer wieder neu, auch wenn die Grundzüge die selben bleiben. Warum sollte man das beim Herrn der Ringe nicht auch dürfen? Nein das ist völlig in Ordnung, meiner unbedeutenden Meinung nach.

Wie gesagt optisch wird mir die Serie lange Zeit in Erinnerung bleiben....das waren echt schöne Bilder. Ein Hochgenuß es zu betrachten! Ich fühlte mich mehr an die 3 Herr der Ringe Filme erinnert als beim Hobbit. So gesehen haben wir es hier auch qualitätstechnisch nicht mit einer Serie zu tun, sondern qualitativ mit Kinofilmen. Und da waren die 8 Stunden schon vergleichbar mit den 3 Filmen zusammen. Man merkt der Serie echt das Budget an. So gesehen verstehe ich warum nach 8 Stunden das aufgebraucht war. Und es ist mir auch klar warum wir wahrscheinlich 2 Jahre warten müssen bis die nächsten 8 Stunden abgedreht und aufbereitet sind.

Was die Darsteller angeht waren fast alle echt nett gecastet. Einzig bei Galadriel fehlt halt schmerzlich eine jugendliche Cate Blanchet. Die ist so sehr an diese Rolle gebunden, dass sich wohl viele diese Darstellerin jugendlich aufbereitet gewünscht hätten. Naja zumindest ich. Die neue ist gewöhnungsbedürftig...aber sie hat sich angestrengt die Rolle auszufüllen. Die süßen Hobbits/Harfüße waren alle echt niedlich, vor allem die echt knuffige Nori. und auch Poppy. Auch Peter Weyman als vermutlich Gandalf war mMn eine sehr gute Wahl. Die Traurigkeit die er einbringt passt perfekt zu einem jüngeren Gandalf. Einem den man ansieht, warum er sich in das Volk der Hobbits "verliebt". Auch der Rest der Darsteller wie Halbrand oder Elendil waren echt gut. Der Elf Arondir hatte schon James Bond Feelings bei mir geweckt.

Alles in allem bin ich also mit der Serie echt zufrieden, optisch regelrecht begeistert. Da sieht "House of the Dragon" dagegen echt lahm aus. Denen sieht man es echt an, dass sie nur eine Serie sind. Auch die Geschichte konnte mich bisher nicht sonderlich mitreissen. Aber warten wir mal das Finale ab. Gerade der Finalteil bei "Ringe der Macht" war mit Abstand der beste von allen.

Ich bin bei beiden Serien eigentlich ohne große Erwartungshaltung reingegangen. Und wurde bei HBO eher enttäuscht (vor allem gemessen an GoT), bei Prime bin ich begeistert vom Ergebnis. Mehr davon! Das warten auf Staffel 2 wird echt lange. :(

von Iche_Bins » Mo 17.10.2022, 19:37

Interessanter und unaufgeregter Artikel über die Unterschiede zwischen Show und Büchern.


https://middle-earth.xenite.org/how-fai ... ens-books/

von Montesquieu » Mo 17.10.2022, 10:35

Man muss allerdings auch sagen, dass jede Folge deutlich über 45 Minuten, manchmal über eine Stunde Laufzeit hatten. Da kommt schon einiges zusammen.

8 Folgen sind mir ja auch zu wenig, aber wenn man dann 5 Staffeln mit 8 Folgen bekommt und es bleibt so kompakt wie jetzt, dann ist das schon ok.

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