von Kardinalinfant » Do 26.05.2016, 17:30
Warsteiner hat geschrieben:Ich bin selber natürlich kein Jurist, aber ich wage trotzdem mal zu behaupten: Ein Bundesarbeitsrichter hätte auch entscheiden können, dass ein vereinbarter Stundenlohn (in dem Fall der Mindestlohn) nichts mit der Auszahlung von Urlaubs-, Weihnachtsgeld etc. zu tun hat. Manchmal ist deren Argumentation sehr wortklauberisch und für praktische Menschen schwer nachvollziebar.
Aber Wir sind Jurist, sogar einer der von Euch gescholtenen bräsigen Richter

, wenn auch nicht im Arbeitsrecht. Daher drei Worte zu Euren Ausführungen:
Zum einen ist es für Uns (wohlgemerkt als jemand, der sich im Arbeitsrecht herzlich wenig auskennt) durchaus nachvollziehbar, dass man zu dem Ergebnis kommt, dass Weihnachtsgeld etc. auf das Einkommen angerechnet wird und insgesamt ein Stundenlohen von 8,50 € herauskommen muss. Häufig handelt es sich bei Weihnachtsgeld etc. übrigens um freiwillige Leistungen des Arbeitgebers, d.h. er müsste nicht... Wäre in einem solchen Fall vom BAG eine andere Entscheidung getroffen worden, könnt Ihr Euch ja ausrechnen, was der Arbeitgeber wohl als nächstes getan hätte, um doch im Ergebnis wieder auf 8,50 € zu kommen, ohne dass irgend ein bräsiger Richter dagegen etwas hätte machen können. Wem das Ergebnis nicht passt, der möge den Mindestlohn erhöhen, aber nicht die Richter dafür schelten, dass sie nach Recht und Gesetz entscheiden. Insbesondere das BAG ist Unseres Wissens auch nicht gerade dafür bekannt, stets arbeitgeberfreundlich zu entscheiden, im Gegenteil!
Dass der "normale" Menschenverstand manchmal bei juristischen Entscheidungen nicht mitkommt, wundert Uns nur bedingt. Wir studieren nicht umsonst einige Jahre, um uns in das deutsche Rechtssystem und die Gesetzesanwendung einzuarbeiten. Wenn es bei Entscheidungen um "gesunden Menschenverstand" (oder das, was viele dafür halten) ginge, sollte man meinen, dass Juristen dafür unnötig wäre, dann könnte man auch wie früher in der ZDF-Sendung "wie würden Sie entscheiden" abstimmen lassen. Gott sei Dank ist Unser Rechtssystem aber (Schöffen mal ausgenommen) in den Händen von Berufsjuristen, die aufgrund der Gesetzeslage entscheiden und nicht wie die Jurys in den USA oftmals Einzelfallentscheidungen treffen. Davor würde es Uns viel mehr grausen.
Und wenn Ihr die ach so gut bezahlten Richter des BAG schon ansprecht. Informiert Euch doch mal was die verdienen und was sie als Pension erhalten. Wohlgemerkt sind das die
Spitzen Unserer Zunft, wenn man so will die Besten der Besten (daher auch beim
BundesArbeitsgericht). Und dann schaut Euch mal an, was der kleine Amts- oder Landrichter oder der Richter am (normalen) Arbeitsgericht so verdient. Wahrscheinlich schaut Ihr ziemlich viel Tatort/sonstige Krimis und glaubt allen Ernstes, Wir würden alle in großen Villen in Münchner Nobelvierteln mit gekiesten Auffahrten wohnen, in denen der 7er BMW steht. Lasst Euch versichert sein, Wir (damit meinen Wir Uns persönlich und Unsere Kollegen) arbeiten hart für Unser Geld, sind auch bemüht, nach bestem Wissen und Gewissen anhand der uns vorgegebenen Gesetze zu urteilen und verdienen dennoch nicht oder kaum mehr, als der Facharbeiter in einem der vielen Unternehmen in Unserer (wirtschaftlich zugegeben gesegneten) Region, der aber 10 Jahre vor Uns anfangen konnte zu arbeiten und dank seiner Betriebsrente auch nicht einmal zwingend im Alter arg viel schlechter stehen muss, als Wir. Der fährt zumindest 5er BMW, Wir dagegen Corsa oder ab übermorgen Skoda. Weihnachtsgeld bekommen Wir übrigens auch nicht...
So viel sein Uns erlaubt zu Eurem bräsige-überbezahlte-Richteridioten-Vorwurf (so kommt es bei Uns an, sorry) anzumerken.
[quote="Warsteiner"]Ich bin selber natürlich kein Jurist, aber ich wage trotzdem mal zu behaupten: Ein Bundesarbeitsrichter hätte auch entscheiden können, dass ein vereinbarter Stundenlohn (in dem Fall der Mindestlohn) nichts mit der Auszahlung von Urlaubs-, Weihnachtsgeld etc. zu tun hat. Manchmal ist deren Argumentation sehr wortklauberisch und für praktische Menschen schwer nachvollziebar. [/quote]
Aber Wir sind Jurist, sogar einer der von Euch gescholtenen bräsigen Richter :tongue: , wenn auch nicht im Arbeitsrecht. Daher drei Worte zu Euren Ausführungen:
Zum einen ist es für Uns (wohlgemerkt als jemand, der sich im Arbeitsrecht herzlich wenig auskennt) durchaus nachvollziehbar, dass man zu dem Ergebnis kommt, dass Weihnachtsgeld etc. auf das Einkommen angerechnet wird und insgesamt ein Stundenlohen von 8,50 € herauskommen muss. Häufig handelt es sich bei Weihnachtsgeld etc. übrigens um freiwillige Leistungen des Arbeitgebers, d.h. er müsste nicht... Wäre in einem solchen Fall vom BAG eine andere Entscheidung getroffen worden, könnt Ihr Euch ja ausrechnen, was der Arbeitgeber wohl als nächstes getan hätte, um doch im Ergebnis wieder auf 8,50 € zu kommen, ohne dass irgend ein bräsiger Richter dagegen etwas hätte machen können. Wem das Ergebnis nicht passt, der möge den Mindestlohn erhöhen, aber nicht die Richter dafür schelten, dass sie nach Recht und Gesetz entscheiden. Insbesondere das BAG ist Unseres Wissens auch nicht gerade dafür bekannt, stets arbeitgeberfreundlich zu entscheiden, im Gegenteil!
Dass der "normale" Menschenverstand manchmal bei juristischen Entscheidungen nicht mitkommt, wundert Uns nur bedingt. Wir studieren nicht umsonst einige Jahre, um uns in das deutsche Rechtssystem und die Gesetzesanwendung einzuarbeiten. Wenn es bei Entscheidungen um "gesunden Menschenverstand" (oder das, was viele dafür halten) ginge, sollte man meinen, dass Juristen dafür unnötig wäre, dann könnte man auch wie früher in der ZDF-Sendung "wie würden Sie entscheiden" abstimmen lassen. Gott sei Dank ist Unser Rechtssystem aber (Schöffen mal ausgenommen) in den Händen von Berufsjuristen, die aufgrund der Gesetzeslage entscheiden und nicht wie die Jurys in den USA oftmals Einzelfallentscheidungen treffen. Davor würde es Uns viel mehr grausen.
Und wenn Ihr die ach so gut bezahlten Richter des BAG schon ansprecht. Informiert Euch doch mal was die verdienen und was sie als Pension erhalten. Wohlgemerkt sind das die [u]Spitzen[/u] Unserer Zunft, wenn man so will die Besten der Besten (daher auch beim [u]Bundes[/u]Arbeitsgericht). Und dann schaut Euch mal an, was der kleine Amts- oder Landrichter oder der Richter am (normalen) Arbeitsgericht so verdient. Wahrscheinlich schaut Ihr ziemlich viel Tatort/sonstige Krimis und glaubt allen Ernstes, Wir würden alle in großen Villen in Münchner Nobelvierteln mit gekiesten Auffahrten wohnen, in denen der 7er BMW steht. Lasst Euch versichert sein, Wir (damit meinen Wir Uns persönlich und Unsere Kollegen) arbeiten hart für Unser Geld, sind auch bemüht, nach bestem Wissen und Gewissen anhand der uns vorgegebenen Gesetze zu urteilen und verdienen dennoch nicht oder kaum mehr, als der Facharbeiter in einem der vielen Unternehmen in Unserer (wirtschaftlich zugegeben gesegneten) Region, der aber 10 Jahre vor Uns anfangen konnte zu arbeiten und dank seiner Betriebsrente auch nicht einmal zwingend im Alter arg viel schlechter stehen muss, als Wir. Der fährt zumindest 5er BMW, Wir dagegen Corsa oder ab übermorgen Skoda. Weihnachtsgeld bekommen Wir übrigens auch nicht...
So viel sein Uns erlaubt zu Eurem bräsige-überbezahlte-Richteridioten-Vorwurf (so kommt es bei Uns an, sorry) anzumerken.