Kapitel XXV: Monster aus Stahl
Unteroffizier Hense, Gruppenführer im II. Zug der 3. Kompanie lag mit seinen Landsern ziemlich im Zentrum des Gefechtsabschnittes der Kampfgruppe. Seine Gruppe und auch der II. Zug befanden sich etwas zurückgesetzt am Rande eines Waldstückes vor dem eine weiter Wiese mit hochstehendem Gras gelegen war. Diese Wiese war u-förmig von Wald umsäumt, in dem rechts MGs der 4. Kompanie und PAK der Panzerjäger versteckt waren. Hense und seine Leute sicherten den westlichen Rand des Us, das – so war der Plan – zur Todesfalle für die Russen werden sollte.
Dann kam der Feuerüberfall der Russen mit Artillerie, der Hense und seine Männer verschonte. Die Granaten schlugen rechts, links und weit hinter ein aber sie selbst mussten nicht einmal in Deckung gehen. „So kann das bleiben“, dachte Hense.
Schließlich verebbte das Artilleriefeuer um sie herum. Panzermotoren dröhnten und Ketten klirrten. Der russische Angriff begann also. Aber wieder hatten Sie Glück. Links und rechts von ihnen begann der Gefechtslärm aber vor ihnen tauchte kein einziger Feind auf.
„Melder von links“, rief Schütze Müller und alle in der Gruppe von Unteroffizier Hense schauten automatisch nach links, wo ein Feldgrauer mit schwerem Stahlhelm und dem Karabiner am „langen Arm“ im Laufschritt heraneilte. „Befehl vom Zug: Gruppe verlegt nach links in Waldstück dort, dann weiter 100 m nach Norden und dort Stellung beziehen; Rest des Zuges verlegt auch; schnell, Feind dringt ein“, keuchte der Melder außer Atem. „Los“, rief Hense. „In Schützenreihe mir folgen ... im Wald lang, damit uns keiner sieht … marsch marsch!“ Die Landser rannten los und folgten im Laufschritt ihrem Unteroffizier.
Bald hatten sie das U umrundet und liefen weiter nach Norden. Nach kurzer Zeit sahen sie im Dickicht einen Landser, der sich aufrichtete als er sie sah und ihnen Zeichen gab, sich langsam und leise zu nähern. Es war Feldwebel Mischke, der Zugführer des II. Zuges. Mischke sprach Hense an: „Endlich … Hense, Du legst Dich mit Deinen Leute da vorne links in das Gebüsch. Weiter nördlich liegt ein Zug von der 2. Kompanie und PAK. Die sind schon aus der eigentlichen Stellung vertrieben worden. Wir sichern deren rechte Flanke. Aus Osten werden jeden Moment Russen mit Panzern kommen. Habt Ihr Brandflaschen? Wenn nicht müsst Ihr Handgranaten in die Türme werfen. Los ab … dalli … da kommen sie schon!“ Alle hörten das Mahlen von Panzerketten aus dem Wald nordöstlich von ihnen.
Die Gruppe Hense rannte los und Feldwebel Mischke blieb zurück. Nach wenigen Schritten war Mischke vom Dickicht verschluckt und Hense ließ seine Gruppe halten und in Linie Deckung suchen. Er schaute sich um. Links von ihm huschten graugrüne Gestalten und warfen sich auf den Boden. Das war die Gruppe von Unteroffizier Altmeyer. Hense beobachtete angestrengt nach vorne, nach Osten. Dort röhrten Motoren, Ketten klirrten metallisch, Äste brachen und Stämme knirschten. Prasselnd brach ein grün gestrichener Panzer durch das Unterholz, fast genau vor Hanse, vielleicht 50 Meter entfernt. Den Panzer identifizierten sie als BT 2 oder BT 5.
Hense und seine Männer pressten sich fest an den Waldboden. Der Unteroffizier beobachtete angestrengt das Umfeld des sich langsam nähernden Panzers. Der ganze Wald versank im Lärm vordringender Panzer, da auch weiter links von der Gruppe des Unteroffiziers, dem Krach und den Dreckwolken nach zu urteilen, weiter Panzer vordrangen. Hense konnte keine begleitende russische Infanterie erkennen. Das war Glück für sie. Links neben ihnen hörte man jetzt Abschüsse von Geschützen. Das war wohl die eigene PAK. Rauch und Qualm waberte dort hoch, nur schemenhaft im Wald zu erkennen. Der Panzer vor ihnen stoppte. Der Kommandant im offenen Luk des Panzers hatte wohl das Gefecht rechts von ihm auch bemerkt und befürchtete wohl, in einen Hinterhalt zu geraten.
Das wollte Hense ausnützen. „MG …. ! Feuer frei auf Kommandant. Müller … Panzerabwehrgranate Feuer frei ! Fritsche .. Brandflasche klar … mir folgen … marsch marsch!“
Das MG ratterte los, der Kommandant wankte im Turm, wurde erst nach hinten geschleudert, sackte dann nach vorne zusammen und blieb im Turm hängen. „Klongklongklong“ machte der zweite Feuerstoß des MG-Schützen als er auf die Panzerfront aufschlug. Mit einem trockenen „Plomm“ sauste die Gewehrgranate träge auf den Panzer los und traf die Frontpanzerung um dort zu detonieren. Eine Wirkung konnten die Landser aber nicht erkennen. Dann erreichten Hense und Fritsche den Panzer. Hense kletterte auf den Panzer und stopfte eine Stielhandgranate in den Turm. Als er vom Panzer sprang, hatte Fritsche schon den Molotowcocktail angesteckt und warf diesen auf das Heck des Panzers. Beide Soldaten rannten wie vom Teufel gejagt zurück zum Rest der Gruppe und gingen in Deckung. „Rumms“, dumpf detonierte die Handgranate im Panzer. Dann zischte es und und es gab eine weitere Explosion als der Betriebsstoff des Panzers in Brand geriet. Der Panzer stand in hellen Flammen und Wellen erhitzter Luft schlugen bis zu ihnen herüber. Kein Russe bootete aus dem brennenden Panzer aus.
Hense und Fritsche atmeten schwer, sollten aber nicht viel Zeit zur Erholung finden. Feldwebel Mischke erschien bei Ihnen mit Teilen seines Zuges. „Hense … neuer Auftrag“, rief Mischke seinem Unteroffizier zu. „Der Zug verlegt nach Süden also nach rechts um ca. 200 m; Dort scheint der Russe einen neuen Angriff zu starten, um die Kompanie zu flankieren. Los, Männer … mir folgen! Und ab ging es wieder im Laufschritt während der Trupp eines anderen Zuges der Kompanie die bisherige Position von Henses Gruppe übernahm.
Bald schon lag Unteroffizier Hense mit seinen Landsern wieder an einem Waldrand. Von da konnte er östliche eine Wiese, die mit hoch stehendem Gras bewachsen war und im Osten an einem anderen Wald endete, überschauen. Was er da erkennen konnte, ließ ihn am guten Ende des Tages zweifeln. Dort brachen aus dem Wald zwei Panzer mit begleitender Infanterie hervor, die ganz anders aussahen als die bekannten russischen leichten Panzer. Sie waren deutlich größer als die Panzer, auf die sie bislang getroffen waren. Der Turm war klobig und kantig und befand sich auf einem sehr flachen Rumpf mit abgeschrägter Front. 2 der Ungetüme brachen aus dem Wald hervor und bewegten sich fast genau auf sie zu. Die Panzer stoppten und feuerten in ihren Wald. Zwar explodierten die Granaten deutlich entfernt ohne Schaden anzurichten. Aber nach der Explosion zu urteilen, hatten diese Panzer auch deutlich schwerer Geschütze als die ihnen bislang bekannten Kampfwagen. Das sah richtig übel aus.

Hinten ihnen ertönte entfernte Abschüsse der Artillerie, es rauschte über sie hinweg und dann wurden die schweren russischen Panzer und die Infanterie in Explosionsfontänen der schweren deutschen Artillerie gehüllt. Hense atmete auf. Das klappte ja vorzüglich und offenbar hatte man bei der Kompanie oder dem Bataillon die Gefahr erkannte und unterstützte sie massiv. Seine Euphorie bekam aber einen Dämpfer als das Klirren und dumpfe Röhren der schweren Panzer lauter wurde und sich die Umrisse der beiden Stahlmonster aus dem Dreck und Rauch der Einschläge schälten. Die Artillerie vermochte den Ungetümen nichts anzuhaben. Zwar blieb die Infanterie zurück doch die Panzer rollten unbeirrt weiter in westliche Richtung vor. Pak war in ihrem Abschnitt nicht vorhanden. Sie würden sich also selbst mit diesen Kampfwagen auseinandersetzen müssen.
Die Panzer rollten weiter auf sie zu. Einer der beiden Panzer bog aus ihrer Sicht nach links ab und verschwand hinter einem Waldvorsprung, der andere rollte immer weiter auf sie zu und erschien immer größer und bedrohlicher zu werden. Angestrengt beobachtete Hense die Umgebung. Am gegenüber liegenden Waldrand, aus dem die Russen hervorgebrochen waren, schlugen jetzt Granaten der leichten Artillerie ein. Die feindliche Infanterie war nicht mehr zu erkennen, folgte aber jedenfalls nicht dem Panzer. Hense wollte den Panzer in den Wald eindringen lassen und dann nach bewährter Manier knacken. Wahrscheinlich dürfte die panzerbrechende Gewehrgranate aber wohl nichts mehr ausrichten können, denn Hense vermutete stark eine deutlich schwerere Panzerung dieses Kolosses.

Daraus wurde aber nicht. Der Panzer hielt vor dem Wald auf der Wiese im hohen Gras und schoss wohl auf Verdacht in den Wald ohne Schaden anzurichten. Hense wartete aber der Panzer rückte nicht weiter vor. Er schien auf die Infanterie zu warten. Schloss die Infanterie auf, waren sie geliefert, dachte sich Hense. Dann kämen sie nicht mehr unbeschadet an den Panzer ran, um diesen wie den BT 2 im Wald auszuschalten. Hense beobachtete. Das Artilleriefeuer hatte aufgehört und nun drohte, dass die überlebende Infanterie aufrückte.
Hense entschloss sich anzugreifen. Wieder sollte das MG den Panzer zum Schließen der Luken zwingen und ihn so blenden während dieser auch mit Gewehrgranaten beschossen würden. Dann würden Hense und ein weitere Soldat den Panzer knacken. Schon ratterte das MG los, allerdings verfehlte man den Kommandanten, der sofort den Deckel der Turmluke schloss. Die Gewehrgranate wurde harmlos von der schweren Frontpanzerung abgelenkt. Seitlich hatten sich Hense und ein weiterer Landser dem Panzer genähert, dessen Bug-MG los ratterte und den Rest der Gruppe und den MG-Schützen beharkte. Wieder sprang Hense auf den Panzer, hob die Turmluke an und stecke ein Handgranatenbündel hinein. Der zweite Soldat warf eine Brandflasche auf das Heck und als Hense herunter gesprungen war, eine Weiter auf den Turm. „Rumms“ … im Turm detonierten die Handgranaten. Das Feuer aus dem Bug-MG erstarb. Die Turmluke wurde aufgestoßen und in den Flammen zeichnete sich die Silhouette eines Soldaten ab. „Rattattatt“ .. das MG bellte los und der Russe im Turm wurde getroffen, brennend fiel er aus dem Turm ins Gras. Schreiend hob er noch einmal kurz den Oberkörper, um dann zusammenzubrechen und auf ewig zu verstummen. Schütze Fritsche sah mit entsetzten Augen das Drama und musste sich übergeben als durch einen Windstoß vom toten Russen her der Geruch verbrannten Fleisches herüber getragen wurde.
Beim brennenden KW 1 rührte sich nichts mehr.