Seite 1 von 15

ÖD-Entlohnung für Anfänger

Verfasst: Sa 05.02.2022, 02:05
von Pancina
[B@W] Abominus;1263259 hat geschrieben: Abominus;1263259"]Ja, vielleicht liegt das daran, dass man Leuten wie Dir und mir eingeredet hat: geh mal studieren, da verdienst Du gutes Geld.

Volkswirtschaftlich braucht man glaube ich nicht zehntausende Controller jedes Jahr mehr, ein paar von uns hätten vermutlich als Handwerker ebenso gut verdient. Ich sehe ja, was zum Teil unsere Einkäufer bekommen, oder in Bonn meine Mitarbeiterinnen. Diplomkaufleute, Bachelor of LeckdieZiege in Singen&Klatschen, die gehen mit Brutto 2500 nach Hause. Als Meister im Handwerk sieht das sicherlich heute besser aus.

[...]
Der Vorteil des Studierten-Daseins ist aber, dass man irgendwann vom vielen Sitzen vermutlich nen kaputten Rücken hat, der Rest aber ok ist und das Gehirn auch dran gewöhnt, dass es was leisten muss.
Handwerkermeister können schon viel Geld machen, als einfacher Handwerker im normalen Handwerk verdienst aber noch immer meist deutlich weniger als Du das jetzt tust. Und als Chef hälst Du eben auch den Kopf hin, wenn was schief läuft, das ist sicherlich nicht zu unterschätzen. (Angestellter Meister sein zu wollen, ist ein schöner Traum, den heutzutage viele haben. Tatsächlich braucht es auch in den praktischeren Berufen immer mehr und höhere Qualifikationen, um da nicht doch wieder unten in der Nahrungskette zu stehen). Plus eben irgendwann vermutlich kaputte Knie, Rücken und was auch immer so da dazukommt. Der muss da schon früh ordentlich Geld zurücklegen, wenn er die Verdienstausfälle im höheren Alter irgendwie ausgleichen will.

Könnten die Mitarbeiter, von denen Du da sprichst, in der Industrie mehr Geld verdienen? Der Staat ist ja dafür bekannt, nun meist nicht so gut zu zahlen?

P.S.: Richtig, Handwerkerthread: Ihr macht das schon alle. Und wenn Abo dann mal mit seinen Umbauten fertig ist, dann macht er uns hoffentlich schöne Fotos (von den Umbauten).

Verfasst: Sa 05.02.2022, 09:18
von Sappho
Handwerk hat goldenen Boden ... aber man muss dann da halt auch zum Unternehmer geboren sein. Ein Nachbar ist der in seiner Branche größte Handwerker des Ortes .... der ist sicher millionenschwer aber auch er ist morgens ab 6:00 Uhr unterwegs, um seine Leute zu kontrollieren ... .

Verfasst: Sa 05.02.2022, 10:23
von AG_Wittmann
Wenn Abominus nicht so weit weg wohnen (hausen?) würde, würde ich Ihm gerne helfen wollen. Ist nicht verkehrt, zu wissen, was man alles falsch machen kann im Hausbau :D

Verfasst: Sa 05.02.2022, 11:18
von [B@W] Abominus
Danke, ja, das muss man alles diffizil sehen und auf den Einzelfall münzen.

Man kann sich ja mal überlegen, ob ein Anfangsgehalt nach dem Studium mit einer EG 7 oder 8 angemessen ist, ggfs. auch eine EG9(a/b). Beim DLR bekommt man z.B. als Bacholor of Arts / Science regelmäßig eine EG10, das ist wie ich finde als Einstiegsgehalt ok, aber viel mehr passiert auch nicht, weil Bachelor. Mit Diplom kann es schonmal bis 11 raufgehen.
Ich hatte letztens ein Match mit einem aus Bonn, der Dr. in Geoirgendwas ist, der arbeitet auch bei einer staatlichen Organisation und hat glaube ich EG11. Als promovierter Mensch. Jahre seines Lebens ins Studium investiert.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 11:19
von [B@W] Abominus
AG_Wittmann hat geschrieben:Wenn Abominus nicht so weit weg wohnen (hausen?) würde, würde ich Ihm gerne helfen wollen. Ist nicht verkehrt, zu wissen, was man alles falsch machen kann im Hausbau :D
(Reckling-)Hausen ist korrekt. Es ist immer noch der Ruhrpott, wie leben hier entweder in Höhlen oder heizen mit Kohle oder beides...

Verfasst: Sa 05.02.2022, 11:47
von Ioelet
Was heißt EG11 etwa in Euro?

Verfasst: Sa 05.02.2022, 11:53
von dimovski
EG11 mit Promotion? Haben Doktoranden nicht normalerweise EG13?

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:09
von [B@W] Abominus
Ioelet hat geschrieben:Was heißt EG11 etwa in Euro?
https://oeffentlicher-dienst.info/tvoed/bund/

Bin gerade mobil unterwegs weil Sport. Musst Du Mal selbst schauen.

Edit: bei 9a gehst halt mit 2k nach Hause.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:15
von Stupor Mundi
dimovski hat geschrieben:EG11 mit Promotion? Haben Doktoranden nicht normalerweise EG13?
Wenn EG das gleiche ist wie E13 im TV-L, dann ist das generell für Wissenschaftliche Mitarbeiter üblich. Häufig auch für Promovierte. Höher geht es eigentlich nur noch für Leitungspositionen. Jedenfalls im universitären Bereich. E11 für Promovierte ist Jedenfalls sehr niedrig bemessen.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:18
von Witold Pilecki
EG13 gibt es teilweise als Master, mit Diss geht deutlich mehr, insbesondere im MINT-Bereich. Informatiker kriegen z.B. auf E13-Stellen häufig E14. Ansonsten sind das dann natürlich Stellen mit leitenden Tätigkeiten und/oder vielen Dienstreisen. Gerade bei Sonderorganisationen wie Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder Consulting-Buden, die pro forma als GmbH laufen, ist das Ende offen, da kann man auch mit etwas Berufserfahrung mit 70k Jahresbrutto anfangen.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:20
von [B@W] Abominus
Ich hatte in Vorstellungsgesprächen auch Leute vor mir sitzen, die haben dann darauf bestanden, als Master eine EG 13 zu bekommen, mit Verweis auf ihren Prof, dass das üblich sei oder man sogar einen Anspruch darauf hätte. Wenn die Stelle als 9a ausgeschrieben ist, bekommt man genau das. Oder man sucht sich was anderes.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:24
von Elvis
Ich zähle rund ein Dutzend verschiedene TVÖDs. Kein Mensch kann daher diesem Gespräch inhaltlich ohne zusätzliche Informationen folgen.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:32
von [B@W] Abominus
Relevant sind eigentlich nur TVÖDBund/Kommune und TVÖD Land. Der Rest ist denke ich nicht wirklich wesentlich.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:44
von Elvis
[B@W] Abominus;1264272 hat geschrieben: Abominus;1264272"]Ich hatte in Vorstellungsgesprächen auch Leute vor mir sitzen, die haben dann darauf bestanden, als Master eine EG 13 zu bekommen, mit Verweis auf ihren Prof, dass das üblich sei oder man sogar einen Anspruch darauf hätte. Wenn die Stelle als 9a ausgeschrieben ist, bekommt man genau das. Oder man sucht sich was anderes.
In der Industrie hat man aber auch öfter dieses Missverständnis. Es ist völlig egal was du für eine Qualifikation hast. Entscheidend für das Gehalt ist die Qualifikationsvoraussetzung der Stelle.

Ich find die Eingruppierungen aber jetzt auch nicht so gnadenlos schlecht. Ich verdiene in der Industrie ungefähr wie Bund EG13 Stufe 6 und habe eine gängige Eingruppierung für Diplom/Masteranforderungen.
Allerdings mit 35/h Woche und vermutlich mehr Sonderzahlungen. Und man darf nicht vergessen, dass ich in einem Großkonzern arbeite, die gemeinhin ja deutlich besser bezahlen als der Schnitt und ich auch noch der Orchidee aller Tarifverträge unterliege.

Da kommen mir die Eingruppierungen im Öffentlichen Dienst jetzt nicht ungewöhnlich schlecht vor.

Die andere Perspektive wäre, dass ein Dr. im öffentlichem Dienst zu Beginn offfenbar weniger verdient, als bei uns Werker, deren einzige Aufgabe es ist kleine Metallschilder aufzukleben. :D

Verfasst: Sa 05.02.2022, 12:59
von Witold Pilecki
Der öffentliche Dienst zahlt schon gut. Insbesondere bei Verbeamtung gibt es 600€ extra, weil die Sozialversicherungsbeiträge entfallen, Kredite und manche Versicherungen werden billiger. Die Arbeitszeit ist geregelt, gekündigt wird nicht. Kann man nicht meckern.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 13:51
von [B@W] Abominus
Der öffentliche Dienst ist besser als sein Ruf. Ich dachte aber, dass der Controller bei einem Luftfahrtunternehmen weit über 6-Stellig verdienen würde, jedenfalls hatte ich gemeint, dass von einem Bremer mal gelesen zu haben. So täuscht man sich. Aber dachte ja letztens auch, dass Leute in der Waschmaschine ihr Sieb voll haben und nicht wie es richtigerweise, wenn ich mal die Glubscher oof gemacht hät, die Spülmaschine.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 14:26
von Elvis
[B@W] Abominus;1264279 hat geschrieben: Abominus;1264279"]Der öffentliche Dienst ist besser als sein Ruf. Ich dachte aber, dass der Controller bei einem Luftfahrtunternehmen weit über 6-Stellig verdienen würde, jedenfalls hatte ich gemeint, dass von einem Bremer mal gelesen zu haben. So täuscht man sich. Aber dachte ja letztens auch, dass Leute in der Waschmaschine ihr Sieb voll haben und nicht wie es richtigerweise, wenn ich mal die Glubscher oof gemacht hät, die Spülmaschine.
Das kommt drauf an. Mit 35h liege ich ungefähr bei 85k€. Ich bin EG10 von 11 Stufen nach Tarif IG Metall Küste. Als ich noch 40h Woche hatte, kam ich knapp über 100k€. Bei uns machen ja die Sonderzahlungen etwas mehr aus. Und die Controller die direkt dem Financebereich zugeordnet sind und Außertarifliche Verträge haben, kommen so auf 120k€ bei offiziell 40h. Müssen aber meist deutlich mehr ohne Zeitausgleich arbeiten. Der Tarifvertrag gilt ja auch nicht für sie. Bei mir kann ich jede Überstunde noch abfeiern und man kann mich auch nicht einfach gegen meinen Willen versetzen.
Ich nehme lieber die 35h. Ich hab alles was ich brauche und egal wieviel ich verdiene frühstücke ich dasselbe. Geld manifestiert sich schnell nur noch in Dingen wie Material der Möbel, Etikett von Klamotten und anderem unnützen Firlfefanz.
Ich würde schätzen, bereits so ab 60-70k€ Jahresgehalt nimmt der Mehrwert von Geld rapide ab. Man gibt dann im wesentlichem nur mehr, für dieselben Dinge aus, aber befriedigt keine neuen Bedürfnisse mehr.

Ich meine im ernst. Mein neuer Herd hat jetzt 1700€ gekostet und hat Pyrolyse, WiFi... das braucht kein Mensch wirklich. Der nächste Schritt der wirklich Mehrwert hätte, wäre ein eigener Koch. Ansonsten ist der Unterschied zu jedem beliebigem 500€ Herd gering.
Ein Kollege von mir hat jetzt 2.000€ für Retro-Steckdosen ausgegeben, die aussehen wie vor 100 Jahren. Wenn man das Geld hat prima. Aber es ist kein Ziel was zu erreichen ein Mehr an Stress wert wäre.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 15:13
von dooya
[B@W] Abominus;1264272 hat geschrieben: Abominus;1264272"]Ich hatte in Vorstellungsgesprächen auch Leute vor mir sitzen, die haben dann darauf bestanden, als Master eine EG 13 zu bekommen, mit Verweis auf ihren Prof, dass das üblich sei oder man sogar einen Anspruch darauf hätte. Wenn die Stelle als 9a ausgeschrieben ist, bekommt man genau das. Oder man sucht sich was anderes.
Das ist genau der Punkt: bei der Stellenbewertung / Eingruppierung zählt in erster Linie die Anforderung der Stelle, nicht die Qualifikation des Bewerbers/Stelleninhabers.

Wenn es eine Tätigkeit ist, für die ein Bachelor als Voraussetzung gefordert gefordert ist, wird mit E10 ausgeschrieben, wenn die Tätigkeit nur Master voraussetzt, eben mit E13. Wenn du dich mit Master auf beide Stellen bewirbst, würdest du bei der ersten E13 und bei der zweiten E10 bekommen. Bewirbst du dich mit Bachelor, bekommst du bei der ersten Stelle E10 und bei der zweiten eine Ablehnung.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 15:16
von Elvis
Gibt es überhaupt viele Stellen die explizit einen Master voraussetzen?
Ich lese meistens nur sowas wie" Voraussetzung ist abgeschlossenes Studium in blub-und-bla"

Ich frag mich daher schon immer warum man überhaupt noch einen Master machen sollte.

Verfasst: Sa 05.02.2022, 15:16
von dooya
Elvis hat geschrieben:[...]Ich verdiene in der Industrie ungefähr wie Bund EG13 Stufe 6 und habe eine gängige Eingruppierung für Diplom/Masteranforderungen.
Allerdings mit 35/h Woche und vermutlich mehr Sonderzahlungen. [...]
Elvis hat geschrieben:Das kommt drauf an. Mit 35h liege ich ungefähr bei 85k€. Ich bin EG10 von 11 Stufen nach Tarif IG Metall Küste. Als ich noch 40h Woche hatte, kam ich knapp über 100k€. [...]
Sorry, werter Elvis, aber dieses Gehalt entspricht nicht TV-E13 - selbst mit der Höchststufe TV-L E15/6 würdet Ihr da nicht mal annähernd hinkommen.