Certain Fury - ein Cold Waters AAR
1. Mission - Landung russischer Spezialeinheiten auf Andøya verhindern
Commander H34D CR45H studiert mit einer Tasse Kaffee in der Rechten gleichmütig die auf dem Tisch ausgebreitete Karte der Nordsee, während die
USS Norfolk, SSN-714 mit voller Kraft nach Ost-Nordost läuft.
Die
Norfolk war bereits das 27. Boot der
Los Angeles - Klasse und mit der Indienststellung am 21.Mai 1983 eines der Neuesten.
Allerdings gehört auch die
Norfolk noch zum Flight I, während die Werft Newport News Shipbuilding bereits seit letztem Jahr nur noch die deutlich modernisierten Boote des Flight II auf Kiel legte.
Das erste der neuen Boote würde aber erst irgendwann im Sommer oder Herbst nächsten Jahres in Dienst gestellt werden, sodass sich
CR45H immer noch rühmen kann, eines der modernsten Jagd-U-Boote der Welt zu kommandieren.
Vor sechs Monaten hat er seinen Seesack in die 3m x 2,5m "große" Kapitänskajüte verfrachtet, ein einzigartiger Luxus an Bord der nicht sonderlich geräumigen Boote.
Ursprünglich hatte die Navy mit dem Bau von luxuriösen, großen Booten geliebäugelt, die der Mannschaft auf den langen Fahrten jeden Komfort angedeihen lassen würden.
Wie üblich kam es dann anders als gedacht - während sich die
US Navy noch im Besitz der totalen Überlegenheit ihrer Boote und Schiffe wähnte, hatten die Sowjets still und heimlich vor sich hin gewerkelt und schließlich
mit der
November-Klasse einen Sprinter hervorgebracht, dem selbst einer der wieselflinken Flugzeugträger nicht mehr so leicht weglaufen konnte.
Daraufhin hatte man sich des eigentlich verschmähten Ansatzes von Admiral Rickover besonnen und selbst ein sehr schnelles U-Boot entwickelt - eben die Los Angeles Klasse.
Da es auch noch einige andere Ziele gab, wie ein umfangreiches und differenziertes Waffenarsenal, eine reichhaltige Ausstattung mit Elektronik und es schließlich auch noch den schweren Klotz des neuen S6G-Druckwasser-Reaktors
mit zu schleppen galt, kam am Ende ein rund 7.000 Tonnen schweres "Boot" heraus, das zudem der 132 köpfigen Besatzung nur wenig Raum zum Leben ließ.
Ein großer Teil der Mannschaft durfte das altgewohnte Prinzip des Hot Bunking praktizieren - Angehörige unterschiedlicher Wachschichten teilten sich die Kojen.
Dennoch kostete
Commander CR45H bislang jede Minute seines Dienstes auf der
Norfolk nach Kräften aus.
Etwa eineinhalb Jahre würde er das Boot noch sein Eigen nennen können, bevor es zu irgendeinem Stab an Land gehen würde.
Mit viel Glück könnte er danach als Captain nochmal das Kommando über ein Raketenboot der
Ohio-Klasse ergattern, aber davon gab es nicht allzu viele, sodass er schon zu den Besten gehören musste, um überhaupt in Betracht gezogen zu werden.
Außerdem war das Kommando über ein Raketenboot in seinen Augen ohnehin nicht sonderlich erstrebenswert, da man sich die meiste Zeit über in irgendeine entlegene Ecke verkrümelte um dort möglichst unendeckt vor sich hin zu schimmeln.
Immer in der Hoffnung, dass der Einsatzbefehl, der den einzigen Grund für den Bau dieser Weltuntergangsmaschinen darstellte, nie eintreffen möge !
Da war so ein Jagd-U-Boot schon eine ganz andere Sache !
Nun könnte seine Freude über sein Kommando allerdings schnell eine Delle bekommen, befindet sich die
NATO doch seit heute Nacht im
Krieg mit der Sowjetunion !
Offenbar war Reagan doch zu forsch vorgegangen, vielleicht war es auch schlichtes Pech gewesen.
Bereits in seinem ersten Wahlkampf um das Präsidentenamt hatte er sich in der Außenpolitik als Hardliner und strikter Anti-Kommunist positioniert und die Entspannungspolitik von Gerald Ford verdammt.
Spätestens nach seiner triumphalen Wiederwahl in diesem Jahr drehte er noch mehr auf und rief dabei bei der ohnehin paranoiden sowjetischen Führung zunehmend größere Nervosität hervor.
Diese Star Wars - Geschichten hatten auch nicht gerade zur Beruhigung beigetragen, auch wenn so im Rückblick ziemlich irrwitzig anmuteten - aber woher sollten die eh technologisch rückständigen Russen das wissen?
Immerhin hatte Reagan mit den Selbstzweifeln und der Depression der amerikanischen Streitkräfte nach dem Vietnam-Debakel aufgeräumt und alle Waffengattungen mit steil steigenden Rüstungsbudgets geradezu überhäuft.
Das amerikanische Militär sollte auf allen Ebenen fähig sein, mit dem Gegner mit zu halten bzw. ihn sogar schlagen können.
Die Navy profitierte ganz besonders im Rahmen seines Programmes der
"600 ship Navy", einem Ziel, dem man nun beständig näher kam.
Die Erweiterung der
Los Angeles - Klasse fiel natürlich ebenso in diesen Kontext, sodass sich
CR45H letztlich wohl bei Reagan für dieses Kommando bedanken kann.
Da die US-Streitkräfte den Russen befehlsgemäß immer dichter auf den Pelz rückten, war es kein Wunder, dass diese einen zivilen Jumbo mit einem CIA-Spionageflugzeug verwechselten und abschossen.
Kein Wunder, aber natürlich auch nicht sonderlich klug.
Die ursprünglich vom deutschen Kanzler heftig geforderte Nachrüstung mit Pershing II - Raketen stieß ausgerechnet in Deutschland auf größten Widerstand und löste dort beinahe eine Revolution aus.
Parallel erreichten die Spannungen zwischen den USA und der UdSSR einen neuen Höhepunkt
Im letzten Jahr wiederum hatte dann eine Routineübung der
NATO-Stäbe die Russen in Panik versetzt, die an einen Präventivschlag des Westens glaubten und sich drauf und dran machten, einen Atomschlag auszulösen.
Ein Umstand, den beide Seiten sorgsam geheim hielten, war die Bevölkerung doch ohnehin schon beinahe hysterisch angesichts der zunehmenden Spannungen und der Aussicht auf den herannahenden Weltuntergang.
Am Ende sind den Sowjets wohl die Nerven durch gegangen, sodass man einen Angriff auf
Westeuropa gestartet hat, vermutlich mit der Absicht, bis zur spanischen Küste durch zu marschieren.
Immerhin hatte man den Angriff nicht wie oft befürchtet gleich aus dem Stand gestartet, sondern im Rahmen von Manövern mehr und mehr Truppen in Ostdeutschland und der Tschechoslowakei versammelt, was den
NATO-Analysten nicht lange verborgen blieb.
Da sich die Spannungen zwischen den Blöcken ebenfalls erkennbar zuspitzten, hatte die
NATO schließlich gerade noch rechtzeitig reagiert und mit der Mobilisierung begonnen.
Den nun ausgebrochenen
III. Weltkrieg hätte man mit ein wenig guten Willen beiderseits sicherlich vermeiden können.
Misstrauen und die beiderseitige Bereitschaft, dem Anderen jeweils die schlimmsten Absichten zu unterstellen, hatten diese Situation herbei geführt.
Die im Rahmen der routinemäßigen
REFORGER-Übungen trainierte Fähigkeit zur schnellen Verlegung umfangreicher amerikanischer Truppen nach
Westdeutschland ließ sich nun immerhin praktisch anwenden und rechtzeitig eine halbwegs brauchbare Verteidigungsstreitmacht zusammen ziehen.
Waffen und Munition für die eilend per Flugzeug über den Teich verlegten Soldaten standen in umfangreichen Depots entlang des Rheins bereit.
Allerdings würden auch diese Verstärkungen längst nicht ausreichen:
Um den
Warschauer Pakt zurück zu schlagen, mussten die inzwischen mobilisierten, großen Verbände der
National Guard nach
Westeuropa verlegt werden und das ging nun einmal nur per Schiff.
Wenn man die Freiheit Westeuropas sichern und einen Atomkrieg vermeiden wollte, müsste also die
US Navy, verstärkt durch die vergleichsweise schwachen Seestreitkräfte der Verbündeten, um nahezu jeden Preis die
Seeherrschaft im Nordatlantik verteidigen.
Dadurch werden vorläufig die
Trägergruppen der Navy gebunden, auch die U-Jagdverbände und weitestgehend auch die eigenen Jagd-U-Boote.
Mit ganz wenigen Ausnahmen, zu denen auch die
USS Norfolk gehörte !
Diese wenigen Boote würden ein "an Zielen reiches Umfeld" geboten bekommen, hatte man doch die
GIUK-Lücke zu verteidigen, eine mögliche Landung in
Norwegen und eben in Grönland, Island und Großbritannien zu verhindern und nach Möglichkeit selbst noch
offensive Aktionen in der
Barent-See durchzuführen.
Von der heiligsten aller Aufgaben mal ganz zu schweigen:
Dem Aufspüren und Vernichten von sowjetischen Raketen-Booten, die sich inzwischen sicherlich in irgendeine Seefestung in der
Barent-See verkrümelt hatten !
Ein Programm, das eine weit stärkere Streitmacht hätte in die Knie zwingen können !
Immerhin steht dafür eben mit der
USS Norfolk eines der modernsten Boote der Welt zur Verfügung, das sich mit jedem Boot der
sowjetischen Nordmeer-Flotte messen können sollte.
Und wenn denn irgendwann die großen Konvoys endlich die erforderlichen Truppen und den umfangreichen Nachschub über den Atlantik gekarrt hätten, könnten sich Zug um Zug mehr Kampfgruppen der Navy, den bislang er spärlichen Seestreitkräften diesseits der
GIUK-Lücke anschließen.
Ersten Berichten zufolge, die während der hastigen Vorbereitungen zum unverzüglichen Auslaufen der Norfolk aus
Holy Loch eintrafen, hatte die
US Army alle Hände voll zu tun, um im Verein mit Deutschen und Briten die Spitzen der sowjetischen Panzerverbände
unter Kontrolle zu bringen, die sich vor wenigen Stunden aufgemacht hatten, durch die
Fulda-Lücke und die norddeutsche Tiefebene vorzustoßen.
Nun, darüber konnten sich die Kommissköpfe der Army Sorgen machen.
CR45H hatte selber genügend Stoff zum Nachdenken.
In den letzten Friedenstagen sind bereits etliche rote Jagd-U-Boote in den Nordatlantik eingesickert, wie
SOSUS zweifelsfrei meldete.
Etliche mehr hatten sich zwischenzeitlich sicherlich schon auf den Weg gemacht.
Commander CR45H rechnet daher damit, in den nächsten Tagen Befehle zu bekommen, derartige U-Kampfgruppen aufzuhalten, bevor sie vorzugsweise durch die
Dänemarkstraße ebenfalls auf Konvoy-Jagd in den
Nordatlantik gehen konnten.
Zwischenzeitlich lag allerdings noch etwas Dringlicheres an:
Nach Informationen der NSA planten die Sowjets, den
Stützpunkt Andenes auf Andøya in Nord-Norwegen mittels einer Spetsnaz-Operation gleich zum Auftakt des Krieges aus dem Spiel zu nehmen.
Die
US Navy hatte durchaus nicht das Monopol auf verdeckte Operationen, bei denen U-Boote Spezialeinheiten zu interessanten Zielen transportierten - zumindest einige sowjetische Boote konnten das auch und wie es aussah, hatten sie auch genau das vor.
Andøya war dabei eine naheliegende Wahl, befand sich hier doch eine der Abhörstationen des
SOSUS-Netzes, der
Luftwaffenstützpunkt Andenes, auf dem eine norwegische Seeaufklärungs-Staffel mit P3-Orion stationiert war und Einrichtungen, die der
Nordmeer-Flotte die Arbeit deutlich erschwerten.
Ein Verlust Andenes' wäre für die Seestreitkräfte der NATO ein herber Rückschlag gewesen, da sich die Aufklärungsmöglichkeiten über der Barent-See und dem Nordmeer deutlich verschlechtert hätten.
Also galt es für die
Norfolk, möglichst rasch dort hin zu kommen, um die Spetsnaz noch abzufangen, bevor sie sich über die kleine Verteidigungstruppe dort hermachten.
Daher jagte die
Norfolk nun mit voller Kraft nach Osten, um die Russen, die einen deutlich kürzeren Anmarschweg hatten und vermutlich auch schon länger unterwegs waren, doch noch abzufangen.
An Bord eines Schiffes und erst Recht auf einem Atom-U-Boot war es durchaus nicht üblich, über Missionsziele und das taktische Vorgehen abzustimmen.
Falls der Kapitän die Meinungen seiner Offiziere hören wollte, würde er fragen.
Wenn er nicht fragte, wollte er auch nichts hören.
Dementsprechend wurden die Befehle von
Commander CR45H auch nicht kommentiert sondern schlicht bestätigt.
Dennoch entging es dem Kapitän keineswegs, dass seine Offiziere keineswegs erbaut von seinem entschlossenen Vorgehen waren.
Wenn die
Norfolk mit 20 Knoten durch die See pflügte, war sie so gut wie taub, was angesichts dutzender sowjetischer Boote und Kriegsschiffe nicht gerade ratsam schien.
CR45H hatte für die Nervosität seiner Crew durchaus Verständnis, schließlich ging es ja in den ersten heißen Einsatz gegen einen äußerst gefährlichen Gegner.
Die Wichtigkeit der Mission überwog aber derlei Bedenken, sodass er sich nicht groß um die angespannte Stimmung in dem engen Kontrollraum kehrte.
Tatsächlich kommt es unweit von
Andøya zur erwarteten Kontaktmeldung - man hat es wohl gerade noch rechtzeitig geschafft !
CR45H verschaffte sich mit einem raschen Blick auf die Anzeigen einen Überblick, während der Sonargast noch darüber rätselte, ob die verdächtigen Geräusche, die er eben gehört hatte, nun tatsächlich zu einem feindlichen U-Boot gehörten.
Die Norfolk jagte immer noch mit 20 Knoten in 600m Tiefe durch die See.
"Maschine zurück auf Geringste!", lautet sein erster Befehl.
"Tiefenruder 30° achterlastig!"
Während noch die Bestätigungen eingingen, nickte er seinem XO zu, der das Kommando "Alle Stationen: Schiff klar zum Gefecht!" über den Bordfunk durchgibt.
Der Commander hielt sich am Kartentisch fest, während die
Norfolk im steilen Winkel nach oben ging.
"Rohr 1 bis 4 bewässern!", befahl er, um die Zeit dafür zu sparen, falls es demnächst hart auf hart ginge.
Mit der zurückgehenden Geschwindigkeit klärte sich das Bild auf dem Wasserfall-Display des Sonargasts nach und nach auf, bis ein schließlich eindeutig künstlich erzeugtes Wellenmuster sichtbar wurde.
"Sonar an Brücke: Kontakt! Peilung 266°, Kontakt designiert als Sierra-1 !", gab Petty Officer Jones aufgeregt durch.
"Boot austrimmen! Ruder hart Steuerbord!", reagierte
CR45H beinahe automatisch.
Bei einem weiteren Auftauchen hätte der Kontakt leicht wieder verloren gehen können, außerdem könnten die Russen durch das Ausblasen der Ballasttanks auf die
Norfolk aufmerksam werden.
Falls das nicht ohnehin schon geschehen war.
Durch den neuen Kurs würde die Norfolk zudem dem Kontakt nach und nach ihre Flanke zuwenden, was die besten Ortungsergebnisse verhieß.
Allerdings bot man damit dem mutmaßlichen Gegner auch eine weit bessere Chance zur Entdeckung des eigenen Bootes.
"Was haben Sie da, Jones?", fragte der Kommandant betont gelassen über den Bordfunk bei seinem Sonargast nach.
"Getauchtes U-Boot, Skipper, Typ noch unklar aber jedenfalls ein
Diesel-Elektrisches", meldet Jones zögerlich, während er aufmerksam auf die Geräusche aus der See lauschte und mit den gespeicherten Wellenmustern verglich.
Ein dieselelektrisches Boot war schon beinahe automatisch feindlich, da sich hier oben sicher keine Deutschen oder Briten herumtrieben.
"Hab' Dich!", murmelte der Petty Officer schließlich nach langen Minuten triumphierend.
"Kontakt Sierra-1 identifiziert als sowjetisches
Whiskey!"
Abschätzig nickte der Commander.
Die
Whiskeys waren so ziemlich die ältesten Boote, mit denen die Russen hantierten.
Allerdings hatten sie auch einen ganze Menge davon, so um die 200, wenn sich der Kommandant recht entsann.
Weiterentwicklungen der deutschen Typ XXI-Boote aus dem zweiten Weltkrieg, also etwas, womit die
Norfolk durchaus klarkommen sollte.
Mit der Identifizierung fiel es auch sehr viel leichter, die Ortungsergebnisse zu interpretieren.
"Sierra-1 ist vermutlich 5.600 Yards entfernt, Peilung nun 271°", setzte er nach einigen Sekunden hinzu.
Ein eintreffender Ping hallte durch die
Norfolk.
CR45H runzelte die Stirn.
Offenbar war dem Russen die Aktivität in seiner Umgebung nicht entgangen, sodass er sich nun nach der Ursache umsah.
"Kann er uns hören?", fragte er bei seinem Sonargast nach.
Der Petty Officer warf einen Blick auf seine Instrumente, hirnte über die bekannten Daten der Whiskey-Boote nach.
"Vermutlich nicht, Skipper!"
"Na schön, dann wollen wir den Jungs mal etwas einheizen!", tat
CR45H Kund.
"Rohr 1 klar zum Schuss, Richtung 234°! Torpedo auf passive Suche einstellen! Aktivierung auf 3500 Yards", ordnete er an.
Er plante, das sowjetische Boot mit dem drahtgelenkten Torpedo südlich ausholend zu umfahren, um diesen dann möglichst unbemerkt im Kielwasser des Feindes heran zu bringen.
Scharf machen konnte man den Aal dann unmittelbar vor dem Einschlag, sodass er sich erst wenige Sekunden vorher durch seine aktiven Pings verraten würde.
"Rohr 1 klar zum Schuss!", meldete der Feuerleit-Offizier.
"Rohr 1 Feuer frei!"
Zischend fuhr der Torpedo aus dem Rohr, eine Blasenspur hinter sich her ziehend.
"Torpedo im Wasser, Lenkdrähte OK"
"Hat der Iwan den Abschuss gehört?", fragte
CR45H bei Petty Officer Jones nach.
"Sieht nicht so aus, Sierra-1 operiert unverändert"
Der Commander grinste verächtlich.
Die
Whiskeys waren nun halt einmal alte Schrottkisten.
Damit hatte der Iwan eigentlich schon verloren - womöglich hatte er ja den Verdacht, dass irgendwo in der Gegend etwas Ungewöhnliches ablief, aber er hatte die
Norfolk offenbar nicht eingepeilt und auch noch den Abschuss des Torpedos verpasst.
Wenn er ihn denn doch noch irgendwann bemerken sollte, würde er nicht feststellen können, wo er ursprünglich abgefeuert worden war, sodass er auch nicht mit Aussicht auf Erfolg zurück schießen konnte.
"Führen Sie den Aal in einem schönen, großen Bogen um das Whiskey herum!", wies er den Feuerleit-Offizier an.
Die Minuten verstrichen quälend langsam, während der Feuerleit-Offizier immer wieder den Kurs des Torpedos nachjustierte.
Schließlich reichten die Daten für eine exakte Auswertung von Kurs, Lage und Geschwindigkeit des feindlichen Bootes aus.
Wie sich zeigte, war die instinktive Einschätzung des Kapitäns richtig gewesen.
Der Torpedo war nun gut positioniert, um im Kielwasser des Russen anzulaufen.
CR45H nickte dem Feuerleit-Offizier auffordernd zu, der den Torpedo aktiviert.
Mit einiger Verzögerung drang der Ping des Torpedos zur Norfolk durch.
"Sonar an Brücke: Sierra-1 Lageänderung", tönte es aus dem Lautsprecher.
"Sierra-1 hat offensichtlich Torpedo bemerkt und dreht nach Steuerbord ab"
"Torpedo hat Ziel erfasst !"
Der Commander nickte zufrieden.
Nun kann der Iwan wohl nicht mehr entkommen.
"Torpedo ändert Kurs auf Sierra-1 !"
"Sierra-1 setzt Gegenmaßnahmen ein! Torpedo hat Ziel verloren !"
Für weitere lange Sekunden hallten die Pings des Aals durch den Rumpf der
Norfolk.
Der Mark 48 lief wie programmiert in einer Linkskurve um die Quelle der Störung herum, auf der Suche nach dem so plötzlich verschwundenen Ziel.
"Torpedo sucht !"
Die Männer in der Kommandozentrale lauschten angespannt auf weitere Nachrichten.
"Torpedo erfasst neu !"
"Torpedo hat Ziel erneut erfasst und nähert sich wieder !", berichtete Jones.
"Sierra-1 setzt erneut Gegenmaßnahmen ein und geht tiefer !"
"Torpedo hat Ziel verloren !"
"Sierra-1 taucht weiter ab, Torpedo hat Ziel verloren !"
Die Enttäuschung war Jones deutlich anzumerken.
H34D CR45H seufzte leise.
Eigentlich war doch alles perfekt gelaufen, aber nun musste er wohl doch noch einen weiteren Aal einsetzen, um den russischen Kahn aus dem Meer zu sprengen.
"Implosion !", brüllte Jones unvermittelt aus dem Sonar-Abteil.
Laut genug, um auch ohne Bordfunk gehört zu werden.
Das Grollen der Druckwelle war ebenfalls problemlos auf dem ganzen Boot zu vernehmen.
"Sierra-1 ist implodiert ! Der verrückte Kerl ist einfach ins Bodenlose getaucht !"
Die Männer der
Norfolk jubelten - die erste Versenkung dieses Krieges!
Auch wenn es sich der Russe letztlich selber besorgt hatte.
Unwillig griff der Commander mit gerunzelter Stirn nach dem Mikro.
"Kommandant an Sonar: Was ist mit unserem Aal?"
"Torpedo sucht weiter!", meldete der Sonargast.
Die Pings hallten durch die
Norfolk.
"Verdammt, der läuft geradewegs auf uns zu!", setzt Jones aufgeregt hinzu.
Schöne Scheiße, dachte sich
CR45H.
Soviel zu dem eleganten Plan - nun hatte er seinen eigenen Torpedo an der Backe!
"Hat er uns erfasst?", fragte er nach.
Nach Durchtrennen der Kabelverbindung gab es für den Aal nur noch Feinde im Ozean.
"Torpedo hat Ziel erfasst!", rief Jones mit überschlagender Stimme.
"Torpedo hat die Norfolk erfasst und hält auf uns zu !!"
"Maschine äußerste Kraft voraus, Tiefenruder 30° achterlastig, Ruder hart Steuerbord !", befahl der Commander mit ruhiger aber entschiedener Stimme.
Im Grunde machte er sich keine wahnsinnigen Sorgen.
Der Torpedo müsste etwa 1000 Yards entfernt sein, was der Norfolk genügend Zeit verschaffen sollte, auf volle Fahrt zu kommen.
Zudem war er bereits ziemlich lange gelaufen, also würde es wohl ausreichen, den ersten Anlauf zu überstehen.
Erneut kippte der Boden nach hinten weg, das auf Schleichfahrt fast unhörbare Maschinengeräusch schwoll immer mehr an, als die Norfolk wie ein Sprinter loshetzte, der Rettung verheißenden Wasseroberfläche entgegen.
"Passieren 400 Fuß !"
"Wir kavitieren !"
Auch schon egal, befand der Commander.
Falls noch ein Russe in der Gegend sein sollte, hätten sie eh schon längst seine Aufmerksamkeit.
Allerdings würde es ihnen in dem zunehmenden Lärm schwer fallen, einen Gegner rechtzeitig zu bemerken.
Nach kurzer Überlegung entschloss er sich, den Kurs zu ändern.
Inzwischen hatte die
Norfolk beinahe auf den Kurs des Torpedos eingedreht, was diesem die Arbeit doch zu sehr erleichterte.
Weglaufen konnte man ihm auf die kurze Distanz eh nicht.
"Ruder hart Backbord !", ordnete er an.
Vielleicht verliert der Aal aufgrund der resultierenden Turbulenzen ja das Boot aus dem Blick, spekulierte er.
CR45H hielt sich mit der Rechten am Tisch fest, als die
Norfolk abrupt den Kurs änderte.
"Torpedo hat
Norfolk immer noch erfasst, noch 200 Yards entfernt und schnell näherkommend !", gab Jones durch.
Immer lauter hallten die Pings durch die den Rumpf, die Abstände verkürzten sich immer mehr, je näher der Aal kam.
Die Männer starrten auf die Wände, als könnten sie den wildgewordenen Torpedo damit aufhalten.
"Passieren 300 Fuß !"
Der Fahrtmesser zeigte mittlerweile 23 Knoten an, die Maschine dröhnte, die Pings verdichteten sich immer mehr zu einem Kreischen.
Noch immer jagte die
Norfolk nach Oben.
"Passieren 200 Fuß !"
Der XO blickte angespannt zum Kommandanten hinüber.
Wenn der nicht bald Gegenbefehl gibt, schießt die
Norfolk glatt wie ein Delphin aus dem Wasser, sagte er sich.
Falls da oben Russen rumschwimmen, könnte das ins Auge gehen.
"Torpedo noch 80 Fuß entfernt, der kommt jetzt aber verdammt nahe !!", brüllte Jones aus seiner Ecke.
"Passieren 100 Fuß !"
"Gegenmaßnahmen !", befahl CR45H.
Kreischend schoss der Lärmerzeuger ins Wasser, lenkte die Aufmerksamkeit des halben Ozeans auf sich.
Hoffentlich auch die des Mark 48.
Der Bug der
Norfolk durchbrach die Wasseroberfläche, schlug nach einer endlos langen Sekunde aufs Meer zurück.
Nun klammerte sich der Commander mit beiden Händen fest, um nicht über den Tisch zu segeln.
"Torpedo hat Ziel verloren ! Läuft unter uns durch !"
"Ruder hart Steuerbord! Tiefenruder 15° vorlastig !", reagierte
CR45H.
Das würde der
Norfolk Zeit verschaffen, da der Torpedo als Nächstes versuchen würde, durch Kreisen den Kontakt wieder herzustellen.
Inzwischen könnte man vielleicht unter ihm durch tauchen.
"Torpedo hat Ziel erfasst !", meldete Jones erstaunt.
"Torpedo hat Sierra-1 erfasst !", setzte er hinzu.
Offenkundig hatte sich der Torpedo entschieden, mangels geeigneterer Ziele das mittlerweile auf dem Grund des Meeres gelandete
Whiskey anzusteuern.
H34D CR45H grinste erleichtert.
Er hätte den Torpedo auch so abgeschüttelt, aber auf diese Weise war es natürlich erheblich leichter.
So ein Mark 48 war auch kein zu unterschätzender Gegner.
"Maschine zurück auf ein Drittel ! Schleichfahrt !", wies der Commander an.
An Bord wurde nun wieder alles vermieden, was unnötigen Lärm erzeugen konnte, unter Anderem auch das Nachladen der Torpedorohre.
Inzwischen war der Torpedo wieder von dem gesunkenen
Whiskey abgekommen.
Scheinbar schien das Ziel doch nicht so reizvoll.
Mit mechanischem Starrsinn lief der Aal weiterhin in vordefinierten Suchmustern über den Meeresboden, nun allerdings beruhigend weit von der Norfolk entfernt.
Nach einigen Minuten hallt eine entfernte Detonation durch das nun wieder ruhig und lautlos mit 5 Knoten dahin gleitende U-Boot.
"Torpedo ist detoniert!", meldete der Sonargast überflüssigerweise.
"Gefechtsbereitschaft aufheben! Die Brücke gehört Ihnen !", nickt
CR45H dem XO zu, während er sich auf den Weg zu seiner Kabine machte.
Es gab so Einiges ins Logbuch einzutragen.
Auch glaubte er nicht, dass noch weitere Russen in der Gegend standen.
Diese hätten sicher schon längst ins Gefecht eingegriffen.
Das erste Aufeinandertreffen hat man immerhin siegreich überstanden, auch wenn es nicht so glatt gelaufen war, wie geplant.