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Verfasst: Do 29.09.2011, 03:15
von Nebukadnezar
Stoertebeker hat geschrieben:Die Häuser waren zu teuer, nicht zu billig. Klar, mit den Krediten habt Ihr Recht. Aber wie oft Risiken weiterverkauft werden, ist im Prinzip wurscht. Aufgebläht werden können sie nur dann, wenn ein Akteur, der die riskanten Kredite weiterverkauft, jemanden findet, der bereit ist, für eine höhere Rendite ein noch höheres Risiko in Kauf zu nehmen.
Abgesehen von dem "Realwirtschaftlichen" ist alles ein Nullsummenspiel - bei dem Morgan Stanley besser abschneiden wird, als deutsche Landesbanken, aber gut.
Das Spiel läuft etwas anders.

Ihr sprecht von 'höherer Rendite' und 'höherem Risiko'.
Bewertet waren sie alle als Topanlage.
Ihr denkt das ganze als n:m -Handel zwischen 2 Teilnehmern, das ist es aber nicht.

Wer kauft so etwas denn?
Landesbanken hattet ihr erwähnt, aber daneben gibt es auch noch .... eure kommenden Rentner. Die wollen ein leichtes Leben und Sicherheit mit 0 Aufwand, also lassen sie jemanden anderen Toprisiko kaufen. Verbrieft und bewertet. Topsicher. Und dieser kauft im Auftrag vieler woanders dasselbe nur eben noch mehr davon auf einem grösseren Markt usw.
Es ist eine lange Kette.

Ihr könnt denjenigen, bei dem ihr euer Geld angelegt habt, ja mal fragen, wo der euer Geld angelegt hat. Und wo der es dann angelegt hat. Ihr werdet auf eine lange Reise geschickt bevor ihr auf sowas wie Sachwerte trefft :)

Wenn jetzt die Blase platzt, dann rufen in einer Demokratie sehr viel betroffene Wähler nach dem großen Retter. Der verschuldet sich zum Wohle angeblich aller um diesen dümmsten und faulsten Spekulanten den Arsch zu retten.

Mir fällt es schwer nach zu vollziehen, wieso ihr zum einen fordert, dass da jemand sein Risiko zu tragen hat und ihr gleichzeitig ausgerechnet diejenigen retten wollt, die das ganze überhaupt erst ermöglicht haben: gierige und faule Vermögende zu denen auch eure kommenden Rentner zählen. Ihr könnt sie auch gerne umschreiben mit 'Leute, die ihr Leben lang geschuftet haben', aber das ändert nichts. Sie sind Spekulanten mit einem sehr großen Interesse an hohem Ertrag bei 0 Aufwand und totaler Sicherheit. Ja, die wurden reingelegt. Schade für sie, aber das nennt sich - glaube ich - Risiko unter Spekulanten.

Auf der ersten Einlösungsstufe mag das ganze noch nach irgendeinem bösen Fond klingen oder nach einer blöden Rentenkasse oder einer obskuren isländischen Bank mit Topzinsen fürs Tagesgeld, aber am Ende stehen da die Geldgeber: eure kommenden Rentner und andere Vermögende.

Die werden jedesmal gerettet.
Unsere Ausfallschutzsysteme sind auf diesen Fall nicht vorbereitet, sondern verstärken das Problem sogar noch.

Ist das Spiel damit zuende?
Hat man jetzt das injizierte Pseudogeld aus dem Verkehr gezogen?
Nein, aber das sind andere Themen.

Mir war es wichtig, darzulegen, dass das was ihr schützen wollt, eine der Ursachen ist für die Krise. Es ist ein Schneeballsystem. Und es sind nicht nur die 'bösen' Spekulanten, die ab einer ominösen Stufe im Schneeballsystem mit einem Mal auftauchen. Es sind alle Teilnehmer dieses ansonsten verbotenen Spiels.
Und jedesmal findet bei einer Rettung ein Vermögenstransfer statt. Er lautet jedesmal: Schulden für alle, Profit (oder zumindest Erhalt) für Vermögende. Pech für z.B. Schulkinder. Zum Wohle derjenigen, die es sich leisten konnten Geld anzulgen und zu faul waren sich darum zu kümmern und zu gierig um noch an ein Risiko zu denken.
Und die Rettung beinhaltete das Bereitstellen von noch mehr Pseudogeld.

Eine nette Zwangslagensituation, die sich immer weiter befeuert.
Und die (wie von Elvis bei den Indexpapieren dargestellt) man nicht nur in einem einzelnen Markt hat.

Wäre es so, dass nur ein paar Spekulanten mit Pseudogeld auf eigene Rechnung und eigenes Risiko unter sich ein Nullsummenspiel betrieben, dann wäre die Lösung ganz einfach: man könnte sie einfach ignorieren.

Das injizierte Pseudogeld ist nicht mehr in einem Pseudoraum unter obskuren Händlern. Es ist schon lange bei uns angelangt bzw. man könnte es auch so ausdrücken: ein Großteil unserer Vermögen beruht auf diesen Schulden. Das Vermögen, das ihr schützen wollt ist zum Großteil nur Einbildung.
Stoertebeker hat geschrieben:Und auch wenn Elvis die Relevanz der Klassiker negiert, ist letztlich die einzige Frage, ob Adam Smith und nach ihm alle ernstzunehmenden Ökonomen Recht hatten, und das Gewinnstreben der Einzelnen bei freiem Tausch automatisch zu einer Vergrößerung des gesamten Wohlstandes führen. Uns hat noch niemand erklärt, wie das nicht der Fall sein könnte, es sei denn, dass Menschen auch mal irren. (Was aber durchaus vorgesehen ist, wobei die Chance, dass 5 Milliarden irren, kleiner ist, als dass wenige Bürokraten irren.)
In einem Schneeballsystem irren sich alle...bis auf die Nichtteilnehmer und die Pyramidenerfinder.
Aber sie irren sich nicht sofort. Je länger es dauert, desto mehr hatten Recht. Aber desto viel viel mehr haben auch furchtbar unrecht.
Derartiges war bei den von euch genannten Klassikern nicht vorgesehen. Sie wussten, dass es so etwas gibt und das sich diese Blasen von selbst erledigen. Märkte waren streng getrennt.
Aber sie konnten ja schlecht annehmen, dass so viele so gierig werden und alle gleichzeitg dem jeweiligen Schneeballsystem-nächsten vertrauen ohne ihn jemals gesehen zu haben.

Falls ihr es nachlesen wollt wo das angelegte Geld landen kann statt euch selber auf die Reise zu machen:
http://www.zeit.de/2011/21/DOS-Streubomben
Ein Mittelding zwischen witzig und tragisch.

Machen genügend Leute so etwas, dann werden am Ende Dinge in der Realwirtschaft hergestellt, die angebliches Wachstum erzeugen, aber die fast niemand haben will.
Alle Teilnehmer haben es aber munter weiter verkauft ohne zu wissen was es ist, bis am Ende ein 'Finanzprodukt' bei heraus kommt und den harmlosen Namen 'Lebensversicherung' trägt. Keine dieser Personen muß ein schlechter Mensch sein und jeder verhält sich in seiner kleinen Welt rational.
Derartig krankhafte Ergebnisse hat auch keiner eurer Klassiker vorhergesehen, da man dafür unsere modernen Kommunikationsmittel zwingend benötigt.
Zu den Zeiten von Adam Smith handelten Personen an der Börse. Wer seinen Ruf verlor, der konnte sich am Sonntag kaum noch in der Kirche blicken lassen bzw. alle wussten Bescheid.
Menschen handeln komplett anders, wenn man sie aus einem sozialen Umfeld löst und sie anonym agieren lässt. So etwas war zu Smiths Zeiten nicht vorstellbar, dass jemand so dämlich wäre, so etwas zu machen...bis auf ganz wenige. Es gab zu den Zeiten dieser Klassiker noch etwas, was sie völlig vergessen hatten zu erwähnen, so wie auch heute niemand es für erwähnenswert hält, dass man atmen muss. Das Selbstverständliche wird nicht weiter betrachtet, da das jeder weiß.
Unsere Zeit hat ganz andere Bedingungen.
Dort wo die Klassiker eine andere Gesellschaft als selbstverständlich vorraussetzen, sollte man genau hinsehen bevor man deren Erkenntnisse überägt.

Verfasst: Do 29.09.2011, 04:09
von Anton
Nebu hat geschrieben:Und auch wenn Elvis die Relevanz der Klassiker negiert, ist letztlich die einzige Frage, ob Adam Smith und nach ihm alle ernstzunehmenden Ökonomen Recht hatten, und das Gewinnstreben der Einzelnen bei freiem Tausch automatisch zu einer Vergrößerung des gesamten Wohlstandes führen. Uns hat noch niemand erklärt, wie das nicht der Fall sein könnte, es sei denn, dass Menschen auch mal irren. (Was aber durchaus vorgesehen ist, wobei die Chance, dass 5 Milliarden irren, kleiner ist, als dass wenige Bürokraten irren.)
Abgesehen davon, dass Ihr mit dem Posting bei Stoerte wahrscheinlich offene Türen einrennt - er will doch eigentlich niemanden retten - ist Folgendes anzuführen:

1. Marktversagen existiert in verschiedensten Fällen aus verschiedensten Gründen.
2. Selbst wenn wir obiges ausblenden, so garantiert der Wachstum des absoluten Wohlstandes -(der auch durch eine Staatsverschuldung zwecks Aushändigung des Geldes an Bänker und Spekulant Salomon Rosenkranz nicht abnimmt)- noch keine Ausschaltung des Elends, keine annähernd ausgewogene Verteilung, ja nicht einmal Schulen für die Schüler, die Euch so am Herzen liegen. Dafür gibt es die doofen Bürokraten, die statistisch gesehen übrigens besser ausgebildet und damit kompetenter sind als der durchschnittliche Vertreter der mittlerweile um die 7 Milliarden.

Verfasst: Do 29.09.2011, 13:57
von Stoertebeker
Werter Nebukadnezar: Wir wollen niemanden retten! Wir fanden bloß die Idee, alle Schuldner rauszuhauen, kontraproduktiv. Davon abgesehen scheinen wir die Ursache der Krise ähnlich zu verstehen.
Machen genügend Leute so etwas, dann werden am Ende Dinge in der Realwirtschaft hergestellt, die angebliches Wachstum erzeugen, aber die fast niemand haben will.
Genau das meinen Wir auch. Und genau das ist der österreichische Ansatz.
Die Lösung wäre Unseres Erachtens, die Krise wirken zu lassen: Insolvenz bedeutet eben nicht, wie von Anton in schwärzesten Farben geschildert, dass Maschinen pulverisiert werden und Menschen ihre Qualifikation verlieren. Sie führt bloß zu einer realistischen Bewertung dessen, was da ist. Geld misst ja keine absoluten Werte, sondern relative: Es gibt an, wie viel Brot ich für ein Auto bekomme. In diesen Austauschverhältnissen ist einiges durcheinander geraten. Die Berichtigung dieser Werte wird schmerzhaft für alle, die in Überbewertetes investiert hatten und gut für alle, deren sinnvolle Produkte und Dienstleistungen heute weniger Wert sind.


Eines ist allerdings anmerkenswert: Schneeballsysteme brauchen keine komplizierten Finanzprodukte oder anonyme Akteure. Die DotCom-Blase etwa ist ohne ausgekommen. Es genügt, wenn viele auf steigende Kurse setzen, ganz klassisch. Ein großer Profiteur war übrigens damals der Staat mit seiner verlogenen "Volksaktie". Und schon zu Smith' Zeiten gab's solche Phänomene, übrigens häufig mit dem Staat als Urheber, ob bei der Südseekompanie oder der Mississippi-Gesellschaft.
Die Bedeutung der Reputation dürfte heute übrigens größer sein, als damals, eben dank der modernen Kommunikationsmittel.

Wenn's darum geht, Atemluft und Trinkwasser zu schützen: Da sind wir komplett einer Meinung. Deshalb sind Wir bei den Grünen. :)

Verfasst: Do 29.09.2011, 15:38
von 123
Elvis hat geschrieben:Hier von heute ein klares und aufrichtiges Statement eines Börsenhändlers, wie ich sie auch beschrieben habe. Die Krise ist für sie nur Chance. An der Überwindung sind sie naturgemäß gar nicht interessiert.
--> Wie ein Freizeit-Börsianer die BBC narrte :D

Verfasst: Do 29.09.2011, 15:45
von Elvis
Greenhorn hat geschrieben:--> Wie ein Freizeit-Börsianer die BBC narrte :D
Hatten wir doch schon. Keine Ahnung wieso die BBC nun gerade ihn ausgewählt hat. Er ist ein niemand. Sehr schade. Es hätte mich sehr gefreut wenn es jemand gewesen wäre, der nicht so simpel angreifbar gewesen wäre. Von seinem Goldmann Sachs Gedöns abgesehen spricht er ja trotzdem jedem Spekulantem aus der Seele. Und auch wenn dies kein Geheimnis mehr sein sollte, wird es noch immer wie eines behandelt.
Seine Kernbotschaft hat er wunderbar und mit drastischen Worten auf den Punkt gebracht.

Was hat er denn falsches gesagt und warum soll es falsch sein?

Ich finds gut das er seine 5 Minuten Ruhm hatte. Schade nur das jetzt nur über ihn und nicht über das was er gesagt hat geredet wird.
Als wenn man anders denkt, nur weil die Volumen kleiner sind und die Trades vom heimischem Rechner getätigt werden. Er folgt derselben Rationalität, mit exakt denselben Instrumenten.

Nicht mehr wegzudenken in unseren deutschen Talksshows und Nachrichten ist "Mr.Dax", Dirk Müller, dessen einziger Verdienst es war das seine Rübe aufgrund seines Sitzplatzes in Frankfurt ständig vor der Kamera rumhing. Der Mann führte nur Aufträge aus und gilt für die Medien nunmehr als Börsenexperte. Warum weis keine Sau.
Deswegen ist weder alles wahr, noch alles Unsinn was er von sich gibt. Aber meistens ist er schlau genug erst gar keine ernsthafte Botschaft von sich zu geben und bleibt bei Trivialitäten. Engagierte Amatuertrader sind nicht die schlechtesten Interviewpartner, weil sie mit eigenem Geld das tun, worüber andere nur reden.
Stattdessen wirken Leute glaubwürdig mit der Stellung eines "Postjungen", weil der schlicht auch durch alle Abteilungen rennt.
Nur Eigenhändler sind glaubwürdig. Die gibt es allerdings nicht vor der Kamera.
Außnahmen bilden bekannte Spekulanten, die in beide Richtungen agieren, wie George Soros. Der klingt fast genauso. Nur habe ich ihn immer nur gelesen. Scheint so als wenn er Fernsehinterviews nicht besonders schätzt. Und die Financial Times liest ja nicht jeder.

Verfasst: Fr 30.09.2011, 01:55
von Sigmund
lieber Nebukadnezar, Rentner wären dann Spekulanten wenn sie -noch als Angestellter- über Höhe und Verwendung ihrer Sozialabgaben bestimmen könnten. Ihr könnt mir sicher folgen.

Verfasst: Fr 30.09.2011, 11:41
von Nebukadnezar
Die Bezieher staatlicher Renten kommen da (im Post bzgl. Stoertebeker) gar nicht vor. Die gehören (im Post bzgl. Elvis) sogar zu den Gewinnern (bzgl. des Szenarios). Ich hätte da gar nicht den (EDIT: ) unsauberen Begriff 'Rentner' verwenden sollen, aber Stoertebeker war m.E. nicht verwirrt davon gewesen.

Verfasst: Fr 30.09.2011, 11:51
von Vernichter
@Elvis:

Ihr habt hier mal geschrieben, dass die Spekulanten schon nicht gegen die zivilen Strukturen wetten würden, weil es gegen ihr eigenes Interesse sei. Wie ist das zu verstehen? Immerhin kann der einzelne Spekulant, selbst wenn er viel Gewicht hat, nicht übersehen, dass gerade sein Angriff das ganze kippen lassen wird. Viel mehr wird er immer davon ausgehen, dass er immer nur kurz davor ist, aber nicht "der Verantwortliche" ist. Zusätzlich sind zivile Strukturen ja relativ zu sehen, ein sonniges Plätzchen wird es irgendwo schon noch geben. Ist es nicht gerade die Philosophie der Masse, die dem Einzelnen das Gefühl der Verantwortung nimmt?

Verfasst: Fr 30.09.2011, 20:43
von Strähle
Ich stell den Link von Spon mal herein:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 05,00.html

Habe den Bericht gestern auch gesehen, also bei aller LIebe, selbst wenn ich nicht im Finanzauschuß sitze versuch ich doch mich hinsichtlich Rahmenbedinungen schlau zu machen. Es dreht sich ja um eine "wichtige" Abstimmung, zumindest wurde es einen die ganzen Tage lang suggeriert.

Verfasst: Fr 30.09.2011, 21:38
von Stoertebeker
Nebukadnezar hat geschrieben:Die Bezieher staatlicher Renten kommen da (im Post bzgl. Stoertebeker) gar nicht vor. Die gehören (im Post bzgl. Elvis) sogar zu den Gewinnern (bzgl. des Szenarios). Ich hätte da gar nicht den (EDIT: ) unsauberen Begriff 'Rentner' verwenden sollen, aber Stoertebeker war m.E. nicht verwirrt davon gewesen.
Nee, natürlich nicht. Und natürlich sind Leute, die Geld für ihre Altersvorsorge zurücklegen, Spekulanten. Meist versuchen sie, ihr persönliches Risiko zu streuen, indem sie nicht selbst einen Unternehmer suchen, dem sie Geld leihen, sondern das einem Fonds überlassen, der die Ausfallsrisiken streut.

Von Manstein hat geschrieben:Ich stell den Link von Spon mal herein:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 05,00.html

Habe den Bericht gestern auch gesehen, also bei aller LIebe, selbst wenn ich nicht im Finanzauschuß sitze versuch ich doch mich hinsichtlich Rahmenbedinungen schlau zu machen. Es dreht sich ja um eine "wichtige" Abstimmung, zumindest wurde es einen die ganzen Tage lang suggeriert.
Iwo. 211 Mrd. € - Peanuts. Daran sieht man wieder: Ohne Politik funktioniert die Wirtschaft einfach nicht. Denn diese Menschen sind schließlich als einzige dem Allgemeinwohl verpflichtet. Warum die Jungs und Mädels das auf die leichte Schulter nehmen, steht in Unserer Signatur.

Verfasst: Fr 30.09.2011, 22:35
von Vernichter
Ja die Signatur zeigt ganz deutlich, dass die Liberalen tatsächlich nie verstanden haben, wozu der Staat da ist.

Verfasst: Fr 30.09.2011, 23:33
von Admiral Yamamoto
Von Manstein hat geschrieben:Ich stell den Link von Spon mal herein:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 05,00.html

Habe den Bericht gestern auch gesehen, also bei aller LIebe, selbst wenn ich nicht im Finanzauschuß sitze versuch ich doch mich hinsichtlich Rahmenbedinungen schlau zu machen. Es dreht sich ja um eine "wichtige" Abstimmung, zumindest wurde es einen die ganzen Tage lang suggeriert.
Ich halte das für einen Skandal. Klar, kann man das auch so sehen, dass das wie diese berüchtigten Straßenbefragungen ist. Aber um Gottes Willen ... ein jeder der Pappnasen im Parlament sollte zumindest die Zahl kennen, um die es da ging. :motz:

Sie wurden ja nicht nach einem Vortrag zu eventuellen Lösungen, in einer Dreiecksbeziehungen zwischen Trotzki, dem Papst und Mao befragt, unter Einbeziehungen der Lehren von Machiavelli. Es ging um die "einfache" Zahl von 211 Milliarden Euro!

Das traurige daran ist: Es überrascht mich nicht ...

Verfasst: Sa 01.10.2011, 16:39
von Elvis
Vernichter hat geschrieben:@Elvis:

Ihr habt hier mal geschrieben, dass die Spekulanten schon nicht gegen die zivilen Strukturen wetten würden, weil es gegen ihr eigenes Interesse sei. Wie ist das zu verstehen? Immerhin kann der einzelne Spekulant, selbst wenn er viel Gewicht hat, nicht übersehen, dass gerade sein Angriff das ganze kippen lassen wird. Viel mehr wird er immer davon ausgehen, dass er immer nur kurz davor ist, aber nicht "der Verantwortliche" ist. Zusätzlich sind zivile Strukturen ja relativ zu sehen, ein sonniges Plätzchen wird es irgendwo schon noch geben. Ist es nicht gerade die Philosophie der Masse, die dem Einzelnen das Gefühl der Verantwortung nimmt?
Du hast völlig recht. Ich muss mich an der Stelle missverständlich ausgedrückt haben. Den ich weis das ich auch öfter geschrieben habe, das sich die Froschperspektive des einzelnen anders darstellt als die Vogelperspektive, weswegen ich z.B. Einrichtungen beim IWF befürworte, welcher die Vogelperspektive einnehmen muss um rechtzeitig gegen Entwicklungen wie z.B. die Immobilienkrise vorzugehen bzw. sie überhaupt erkennt und kommuniziert.

Vor ein paar Jahren hätte ich es auch nicht geglaubt das sich ein Spekulant überhaupt z.B. mit dem Euro oder der EZB anlegen würde. Völlig egal wie mächtig er auch sein mag. Es schien sinnlos. Die Realität zeigt aber das dass Umfeld nur schlecht genug und genügend viel Pulver verschossen sein muss, das dies möglich wird. Insbesondere aufgrund der Konstruktion der Eurozone. Denn wir haben ja gelernt das es genügt die Achillesfersen (Griechenland, Irland etc.) isoliert anzugreifen um den Riesen als Ganzes ins Wanken zu bringen. Man braucht dann einfach nicht so viele Mittel. Eurobonds lehne ich zum jetzigen Zeitpunkt ab. Dazu ist die EU nicht weit genug entwickelt. Aber den Sinn verstehe ich. Sie würden diese Hintertüren für Angriffe beseitigen.

Verfasst: Sa 01.10.2011, 16:55
von Thomasius
Elvis hat geschrieben:. Eurobonds lehne ich zum jetzigen Zeitpunkt ab. Dazu ist die EU nicht weit genug entwickelt.
Eurobonds ablehnen ist einfach, gibt auch gute Gründe dafür. Aber wie sieht derzeit die Wirklichkeit aus?

Die EZB kauft Staatsanleihen der angegriffenen Länder auf. Das ist doch fast das gleiche als, wenn sich das Land über Eurobonds finanziert, alle an der EZB beteiligten Länder sitzen mit im Boot und haften am Ende noch dafür.

Verfasst: Sa 01.10.2011, 17:17
von Elvis
Es ist einerseits die Frage, ob man die "Außnahme" jetzt bereits zur Regel erklären will und andererseits handelt es sich beim aktuellem Vorgehen um einen Fonds. Nicht direkt um Bonds. Auch wenn es zumindest teilweise am Ende auf ähnliches hinaus läuft.
Eurobonds sind auch nicht Besipiellos. Im Grunde gibt es sie schon seit den 70ern. Nur waren sie bisher Zweckgebunden (z.B. für Infrastrukturprojekte) und nicht zur allgemeinen Finanzierung der Etats vorgesehen.

Verfasst: Mo 03.10.2011, 21:07
von G'Kar

Verfasst: Mo 03.10.2011, 22:44
von Stoertebeker
Wir haben mal geschaut, was zu diesem Film so an Text zu finden ist:
Central banking is the number one cause of the financial crisis. Central banking was created by the Wall Street cronies, who created the Federal Reserve, or the foreign banks who have created the central banks across the world, and they stole our only protection from perpetual debt and inflation, a gold standard, brought in fiat money they print and loan to us, creating perpetual debt and inflation. And special interest destroyed capitalism creating monopolies and oligarchies. Thats what happend
Läuft's darauf hinaus?

Verfasst: Di 04.10.2011, 01:22
von Nebukadnezar
1.Teil
Geschichte
Wie die FED Geld billig ließ, jeder ein haus bauen konnte ohne die Absicht drin zu wohnen, sonderrn es als Lotterielos so schnell es geht wieder zu verscheuern. Schnellballsystem
Island.
Dasselbe, bloß schmutziger, schmieriger.
Dubai.
Dasselbe bloß blöder und größer (ich kenne Leute, die da gearbeitet haben und hatte die damals (vorher) gefragt, wer da eigentlich leben will, was die auch nicht wussten, aber meinten, dass es schon bestimmt jemand sein würde, da das ja alles gekauft wird...)
London, Wettkampf mit New York um die Nr.1, daher keine Regeln für irgendwas.
Anhand der Anhörung im Untersuchungsausschluß wird dann die zeitliche Abfolge der Finanzkrise bis hin zu Lehman Bros dargestellt.
Wie bei angloamerik. Dokus üblich, kommen permanente Wechsel zwischen Zeitzeugen, Autoren, frühen Warnern, etc.
Nett sowas für 5 Min. zu sehen, aber es strengt (mich) irgendwann an, wenn man (ich) nicht einfach vorblättern kann, da die Informationsschnipsel immer nur minimal sind mit einer Menge an belanglosem Bildmaterial.
(Mich stört nicht der Inhalt, sondern die Präsentation)

2.
AIG und wie einer der Hauptverantwortlichen des Casinos mit 350 Mio. abgefunden wurde (sowas finde ich langweilig, da es normal ist), blabla, aber hier ist etwas für mich sehr interessantes dabei gewesen:
Christine Lagarde war von Anfang an dagegen gewesen, dass LB fallen gelassen wird und vor allem in so einer ungeordneten Art und Weise. Was für mich (zu diesem Zeitpunkt des Videos) heisst (für Europas aktuelle Zukunft): Europa wird alles unternehmen, dass keinem ein Leid geschieht, wenn er ein relevantes 'Vermögen' hat. Der Systemerhalt hat Vorrang vor allem (das ist selbstverständlich nur meine Interpretation)
Leider stellt der Teil 2 ihr nicht die Frage, wie man in Europa verhindern kann, dass die Besitzenden ihr Vermögen zu Lasten des Rests 'retten' lassen. Es werden dagegen vor der Abstimmungsniederlage für den ersten Rettungsplan Abgeordnete interviewt (in Washington), die wollen, dass Wall Street ihren Müll nicht einfach den Steuerzahlern aufbürdet.
Hausräumung in Kalifornien bei ca. 19:00, da wird es langweilig (natürlich gehts den Leuten nicht gut)
Bei 21:30 kommt die Abgeordnete aus Ohio: sie ruft im Kongress dazu auf illegal im Haus zu bleiben und sich nicht wie Vieh raustreiben zu lassen. Ups, wäre so etwas in Deutschland überhaupt möglich? Aufruf zum Ungehorsam?
Darstellung der Konfusion in New York. Ausufern nach Europa. Uneinigkeit in Europa und die 24 grössten VWs sind sich dann einig.
Was mir bei ca: 33:30 extrem übel aufstieß: John Cleese hat für die isländischen Banken geworben....
Bei 37:30 Auswirkungen auf Realwirtschaft: China. Aufruhr.

3. Auswirkungen und Reaktionen auf Realwirtschaft, Proteste, Länderbezogen.
Geradezu peinliche Szenen aus Frankreich. Das wirkte auf mich mehr wie Big Brother, sich so derart für die Kamera zu prostituieren (unabhängig wie es denen sonst geht).
Lange Darstellung des Kidnappings eines franzöischen Managers von seinen Angestellten.
Bei 8:20 kommt kurz Christine, dann gehts weiter mit spezifisch französischer Reaktion (kanadischer Sender)
Bei 13:30 kommt wieder kurz Christine.
Bei 14:30 kommt Island. Wird auch explizit erwähnt, dass sie das nehmen als Beispiel, weil es eine ganze Nation ist, die pleite ist, also ein Mikrokosmos.
Und hier wird m.E. zum allerersten Mal die Medienform 'Video' sinnvoll. Man kann sehen, dass auch dann noch Polizei versucht den Status Quo aufrecht zu erhalten und die zum-Teil-Verantwortlichen zu schützen. Irreal, darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht (ich hätte angenommen, dass die Polizei in so einem kleinen Land ebenfalls stinksauer sei und auf Demonstrantenseite wäre) und dieser 3te Teil geht da auch nicht drauf ein, aber das fand ich bisher am interessantesten. Geht bis 23:20 wo es dann mit Kalifornien weiter geht (Obdachlose) und wo es eine andere Form der Solidarität in der Gesellschaft gibt verglichen mit Island.
31:00 Beispiel Kanada.
34:30 die Frage wird ausgesprochen (berühmt), wieso eine Firma Steuergeld haben will und die Chefs im Firmenjet anreisen.
40:30 Spanien+Dubai

4.
Ab 7:00 wirds interessant. EDIT: Leider ist mir entfallen, warum ich das vorhin geschrieben habe.
Später kommen dann (14:30) die spanischen Beispiele von Geisterstädten ohne Wasser- etc.- Anschlüsse, danach kommt Dubai.
19:50: erstmals explizit genannt: Schnellballsystem.
24:00 ...... jetzt geht es zum ersten Mal um die Frage, was schief gegangen ist. Leider zeigen sie dann nur wieder Bilder.
Antwort: keine Regulierung und Irrglaube an die Funktionalität von 'Märkten'.
26:00 Ex-Händler spricht aus, was alle denken.
31:00 ..man braucht globale Kontrollen um den abzusehenden Regulierungswettkampf nach unten abzufangen.
33:00 Griechenland 2010
39:00 China-Immobilienblase
40:00 Haha, chinesische Art der Feststellung von Daten, wenn der Staat keine Daten erheben lässt. Hörenswert die 30 sekunden über Sonnenfinsternis :D (wenig beleuchtete Büros wurden während der Sonnenfinsternis gesehen -> die meisten sind unvermietet )
Welt ist nicht vorbereitet auf die nächste Krise.



Leute:
Bitte, wenn ihr hier Videos reinpackt, dann schreibt bei so etwas langem auch rein, an welcher Stelle überhaupt was Sinnvolles drin ist, also weshalb das hier gepostet wird.
1.-4. ist für jeden Leser dieses Threads eine Zeitverschwendung mit ganz wenigen Ausnahmen. Zeitunglesen bildet mehr. Oder Elvis-Lesen. Das war (der Großteil meiner Verwandten in Kanada, daher schreibe ich das nicht gerne) ein typisch angloamerikanischer Dokumentationsfilm für den Nichtzeitungsleser.


@Stoertebeker: das, was ihr da zitiert (?), konnte ich da nicht entdecken.

Verfasst: Di 04.10.2011, 05:06
von Nebukadnezar
Da sind diese (mir bis eben unbekannten) Wall-Street-Proteste interessanter erschienen:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-10/w ... t-proteste

..falls sie länger andauern.

Verfasst: Di 04.10.2011, 08:28
von Thomasius
Nebukadnezar hat geschrieben:Da sind diese (mir bis eben unbekannten) Wall-Street-Proteste interessanter erschienen:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-10/w ... t-proteste

..falls sie länger andauern.
Die finde ich auch sehr interessant, wobei die derzeit noch zu wenige sind um etwas zu bewirken. Vieleicht wird eine große Bewegung daraus, in Israel begann es vor 3-4 Monaten auch nur mit einer Person.