Verfasst: Mi 07.01.2026, 15:52
Aus Fuck you! in Breakfast Club (1985) wurde Du blöde Kuh! gemacht. Lippensynchronität, kulturelle Vertrautheit und Jugendschutz/Zensur spielten da alle rein.
Abgesehen davon, gute Lokalisierung kostet halt und Übersetzung ist Handwerk bis Kunst. Bei Sitcoms aus den 80ern wie ALF oder Eine schreckliche nette Familie (Married.. with Children
) hatte man sich noch die Mühe gemacht, für nur in den USA bekannte Promis und Shows Entsprechung in Deutschland zu finden. Bud Spencer und Terence Hill-Filme sind auf deutsch wegen ihrer Lokalisierungen besser als im Original, andere "Kunstwerke" wie Sartana – noch warm und schon Sand drauf kann man sich eigentlich nur wegen der Synchro angucken. Aber das waren die 70er.
Die Qualität der Lokalisierung geht schon seit Jahrzehnten zurück. Und das hat verschiedene Gründe. Die Menge an zu übersetzenden Medien ist gewaltig gestiegen, die damit erzeugten Umsätze eher nicht, also gibt's auch weniger Geld für's Lokalisieren. Die Geschwindigkeit, in der übersetzt werden muss, ist krass abgesunken, wir haben in den 80er und 90ern Serien und Filme erst deutlich später (zum Teil einige Jahre) zu sehen bekommen. Erinnere mich noch, wie RTL damals Team Knight Rider
damit bewarb, dass es zeitgleich in den USA und Deutschland erschien. Ich selbst bin Mitte der 2000er zum OmU-/OTon-Snob geworden, weil ich bei Lost mit der ersten Staffel auf deutsch durch war und ich nicht ein gottverdammtes Jahr darauf warten wollte, um zu erfahren, was unter dieser Lucke ist. (Nur um danach ein Jahr auf die im nachhinein schlechteste der 7 Staffeln zu warten
) Mit dem Trend der Original-Ton- und erst im Netz piratender und später dann streamender Zuschauer reduziert sich natürlich dann noch mal die Menge an potentiellen Zuschauern, die man mit Übersetzungen ereichen kann, also reduziert sich das Übersetzungsbudget dann noch mal. Bis man nur noch wortwörtliche Übersetzungen hat und es auch nur noch drei Synchronstimmen gibt. Jetzt kommt generative KI daher und gute Übersetzungen werden was für Oligarchen, die sich früher als Renaissance-Fürsten ihren Micheangelo leisten konnten. Oder man hofft darauf, dass unsere Gesellschaft in Zukunft noch Platz für Fan-Projekte bietet, die so was aus lauter Spaß an der Freud machen.
Abgesehen davon kann eine Übersetzung nur so viel leisten. Married... with children läst ich nicht sinngemäß übersetzen, klar geht das wortwörtlich, und bei dem Beispiel passt es sogar semantsich, aber halt nicht pragmatisch, da es im Englischen eine festehende Phrase ist, für die wir im Deutschen einfach keine Entsprechung haben. (Das verteidigt natürlich nicht, dass deutsche Verläge ihr Publikum für extrem dumm halten und Titel gerne bis zum Spoiler hin übererklären lassen.) Und dann der ganze Umgang mit Homonymie, Ambiguität usw. Bin froh, dass ich bei Lost auf englisch gewechselt bin. Kann mir nicht vorstellen, so etwas sprachlich Subtiles wie Gideon the Ninth oder Annihilation in der deutschen Übersetzung zu lesen.
Um mal wieder zu Star Wars zurückzukommen, es gibt dann ja noch auch den Gewohnheitsfaktor. Jedi-Ritter ist völlig okay, aber es muss schon ein Stormtrooper sein. Ebenso der X-Wing und der imperiale Sternenzerstörer. Wenn die Romanübersetzung aus dem extend universe canon plötzlich mit Sturmtruppler, X-Flügler und kaiserlichen Sternenzerstörern daherkommt, fühlt sich das ziemlich falsch an. Und interessanterweise fordert niemand einen Lichtsäbel, sondern nennt die elegantere Waffe aus einem zivilisierten Zeitalter Laserschwert (welcher Honk auch immer für den Wikiartikel Lichtschwert als Titel gewählt hat).
p.s.: Und wie das mit Gewöhnungen immer so ist, kann ich mir mittlerweile keine deutschen Texte über IT mehr durchlesen. Allein dieses ständige in Anführungszeichen von "Fachbegriffen"! Oder Youtube-Videos von Writing Bull angucken. Und wer noch einmal die Hauptstadt der Seven Kingdoms Königsmund nennt, kriegt eins auf's Maul!
p.p.s.: Wer die Qualität von Übersetzungen als schlecht beurteilen kann, muss sie ja auch nicht konsumieren.
Abgesehen davon, gute Lokalisierung kostet halt und Übersetzung ist Handwerk bis Kunst. Bei Sitcoms aus den 80ern wie ALF oder Eine schreckliche nette Familie (Married.. with Children
Die Qualität der Lokalisierung geht schon seit Jahrzehnten zurück. Und das hat verschiedene Gründe. Die Menge an zu übersetzenden Medien ist gewaltig gestiegen, die damit erzeugten Umsätze eher nicht, also gibt's auch weniger Geld für's Lokalisieren. Die Geschwindigkeit, in der übersetzt werden muss, ist krass abgesunken, wir haben in den 80er und 90ern Serien und Filme erst deutlich später (zum Teil einige Jahre) zu sehen bekommen. Erinnere mich noch, wie RTL damals Team Knight Rider
Abgesehen davon kann eine Übersetzung nur so viel leisten. Married... with children läst ich nicht sinngemäß übersetzen, klar geht das wortwörtlich, und bei dem Beispiel passt es sogar semantsich, aber halt nicht pragmatisch, da es im Englischen eine festehende Phrase ist, für die wir im Deutschen einfach keine Entsprechung haben. (Das verteidigt natürlich nicht, dass deutsche Verläge ihr Publikum für extrem dumm halten und Titel gerne bis zum Spoiler hin übererklären lassen.) Und dann der ganze Umgang mit Homonymie, Ambiguität usw. Bin froh, dass ich bei Lost auf englisch gewechselt bin. Kann mir nicht vorstellen, so etwas sprachlich Subtiles wie Gideon the Ninth oder Annihilation in der deutschen Übersetzung zu lesen.
Um mal wieder zu Star Wars zurückzukommen, es gibt dann ja noch auch den Gewohnheitsfaktor. Jedi-Ritter ist völlig okay, aber es muss schon ein Stormtrooper sein. Ebenso der X-Wing und der imperiale Sternenzerstörer. Wenn die Romanübersetzung aus dem extend universe canon plötzlich mit Sturmtruppler, X-Flügler und kaiserlichen Sternenzerstörern daherkommt, fühlt sich das ziemlich falsch an. Und interessanterweise fordert niemand einen Lichtsäbel, sondern nennt die elegantere Waffe aus einem zivilisierten Zeitalter Laserschwert (welcher Honk auch immer für den Wikiartikel Lichtschwert als Titel gewählt hat).
p.s.: Und wie das mit Gewöhnungen immer so ist, kann ich mir mittlerweile keine deutschen Texte über IT mehr durchlesen. Allein dieses ständige in Anführungszeichen von "Fachbegriffen"! Oder Youtube-Videos von Writing Bull angucken. Und wer noch einmal die Hauptstadt der Seven Kingdoms Königsmund nennt, kriegt eins auf's Maul!
p.p.s.: Wer die Qualität von Übersetzungen als schlecht beurteilen kann, muss sie ja auch nicht konsumieren.

