Schneller als gedacht hatten seine Kommandeure ihre Truppen in Gefechtsaufstellung gebracht. Schneller als gedacht war aber auch Lee vorangekommen und hatte bereits vor dem Morgengrauen mit dem Groß seiner Armee den Appomatox River überschritten. Lee war immer für eine Überraschung gut und seine Jungs liefen für ihn zu Höchstleistungen auf. Grant saß auf seinem Pferd und übersah die fast 2 Meilen lange Gefechtslinie entlang des Hanges. Fast 60.000 Mann und 600 Kanonen waren in Stellung gegangen. Lee war fast doppelt so stark, aber Grant setzte seine Hoffnung in die tödliche Wirkung seiner Artillerie.
Er blickte nach Norden, wo sich ein ausgedehntes Waldgebiet erstreckte. Aus dem Wald heraus führten fast parallel 3 Wege. Das waren die einzigen Wege, die Lee benutzen konnte ohne seine Artillerie und seinen Tross zurücklassen zu müssen. Durch den dichten Wald kamen sie nicht hindurch. "Durch diese hohle Gasse muss er kommen..." zitierte er in Gedanken Schiller. "Sir, da kommen sie!" bemerkte Tompson. General Grant nahm sein Fernglas und sah wie der Wald Unmengen von Grauröcken ausspuckte, die sich dann am Waldrand zu Bataillonen, Regimentern und Brigaden formierten. Auch die konföderierte Artillerie protzte ab und ging in Stellung. "Das sind aber verflucht viele Kanonen, Sir!" Tompson hatte es aufgegeben zu versuchen, die Kanonen zu zählen. Es waren hunderte.
"Suchen Sie General Allenthalben. Er soll reinhalten bis die Rohre glühen! Wir werden nicht warten, bis Lee in aller Ruhe seine Männer formiert hat!" Yes, Sir!" Tompson ritt davon. Kurze Zeit später erfüllte das donnern hunderte Kanonen die Luft, in das die konföderierte Artillerie einfiel. Auf beiden Seiten gab es die ersten Verluste und Verwundete schrien markerschütternd um Hilfe.

Grant blickte wieder zum Waldrand, wo sich der Moloch aus zehntausenden von Soldaten in Bewegung setzte. "Er setzt seinen Angriff sehr früh" dachte sich Grant. "Ihnen fehlt die Zeit, General Lee, Ihnen fehlt die Zeit." Es war ein beeindruckendes, erschreckendes und auch einschüchterndes Bild, was sich Grant bot. Das Feld war nicht mehr grün, es war grau! Und das grau bewegte sich! Es bewegte sich auf ihn zu!
Die Artillerie hielt rein, was ging aber trotz der enormen Lücken, die die Kanonen in die Reihen der Grauröcke rissen, rückten sie immer weiter vor. Mit dem Mut der Verzweiflung überwanden sie Gräben und Zäune und näherten sich unaufhaltsam. Grant sah sich um. Auch die Unionslinie geriet in Unruhe und mehr und mehr Verletzte schleppten sich zurück.
"Männer, fertig machen!" schrie ein Major vor ihm. Die Männer erhoben sich und legten an.
"Feuer!" Eine Wand aus Pulverdampf stieg vor den Stellungen auf und verdeckte das Grauen, welches tausende von Kugeln in diesem Augenblick anrichteten.
Die Unionslinie dünnte zunehmend aus und je näher der Feind kam, um so nervöser wurden die Männer. Die ersten, meist jungen Soldaten, verließen ihre Stellung und rannten nach hinten. "Haltet die Linie!" schrien die Offiziere verzweifelt und stellten sich den Männern in den Weg. "Haltet die Linie!" Immer näher kam der Feind. "Tompson!" schrie Grant. "Sir?" Alle Reserven in das Zentrum! Hier hin! Hier will Lee durchbrechen!" schrie Grant zurück.
Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die Reserven, 2 magere Regimenter, das Zentrum verstärkten aber es war fast zu spät! Die Grauröcke hatten unsere Linien erreicht und es begann der Kampf Mann gegen Mann. Die Männer wankten und die ersten Geschützstellungen wurden vom Feind überrannt.
"Gott, soll es denn nie enden?" fluchte Grant gen Himmel als an der linken Flanke Kanonendonner laut wurde. Colonel Tompson kam im Galopp angeritten und rief: "Rosecrans ist da! Rosecrans ist da!" Hart brachte er sein Pferd neben Grant zum stehen und salutierte. "Lassen Sie das!" fluchte Grant. "Was ist mit Rosecrans?" Er hat bei Quantrill´s Hill Aufstellung genommen und greift an, Sir!" Grant sah in ungläubig an. "Wie viele...?" 25.000 Mann, General! 25.000 Mann, die in die rechte Flanke Lee´s einbrechen!"
Fast zeitgleich brach der konföderierte Angriff im Zentrum zusammen. Die Reste der Angreifer schleppten sich zurück in Richtung Wald. Zurück blieb ein Meer von Toten, Verstümmelten und Verwundeten auf beiden Seiten.
Am rechten Flügel überrannte Rosecrans Jackson´s Korps, welches bis zum Abend fast vernichtet wurde. Allein hier wurden über 10.000 Gefangene gemacht. Als die Sonne über Petersburg unterging waren fast 40.000 Soldaten tot, verwundet oder in Gefangenschaft geraten...