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Verfasst: Mi 26.07.2006, 08:27
von Heinrich Heine
Der Herzog nahm etwas unwirsch die Depesche in Empfang und begann zu lesen. Dabei konnte man beobachten, daß auf sein ohnehin bereits vom Alter gezeichnetes tief zerfurchtes Gesicht eine weitere Falte sich bemerkbar machte. Mit einem tiefen Seufzer schaute er zum Gesandten und begann
"Ihr wißt was in dem Schreiben steht?"
Doch ohne eine Antwort abzuwarten winkte er den Kanzler zu sich und tauschte sich mit diesem für alle anderen nicht hörbar aus.
"Nun denn, wir sind erfreut, daß eurer Landesherr sich nun um gute Nachbarschaft bemüht. In diesen Zeiten mag ein Vertrag nicht mehr das Papier wert sein, aber was zählt sind ja wohl noch die Ehre und das Wort der Fürsten. "
Es wurde unruhig, man hatte Angst die öffentliche Audienz zog sich wieder einmal bis in die Nacht hinein. Der Hof wußte, daß der Herzog gern sich in Ekstase redet und kein Ende findet, weil er selbstgefällig seinen Vortrag lauscht.
Doch er bemerkte das Nachlassen der Aufmerksamkeit und da er natürlich für die nunmehr immer geringere Anzahl an Spionen am Hof antwortete, kam er zum Punkt.
"Nun wir sehen keinerlei Probleme euch am Hof zu akkreditieren werter Klaas, dem Kanzler habe ich bereits diesbezüglich angewiesen, euch behilflich bei der Suche nach einem kleinen Anwesen zu sein, sind ja einige frei geworden....
Auch begrüßen wir ausdrücklich die Idee einen Nichtangriffspakt zwischen unseren Ländern zu schließen. Wir werden diesen Vorschlag wohlwollend in Erwägung ziehen, bitten aber um Verständnis, da wir in letzter Zeit jeden ähnlichen Entwurf deutscher Fürstenhöfe nicht mehr ernst nehmen können, weshalb auch der eures Landesherren zu einem ungünstigen zeitpunkt kommt. Wir sind zu enttäuscht von der Ehre und dem Wort in Deutschland worden und diesbezüglich sehr skeptisch."
Während die Depesche des Hessen dem Hunden anvertraut wurde, legte er das Schreiben aus Holstein seinem Minister mit einem kurzen Kopfnicken in die Hände.
Verfasst: Sa 29.07.2006, 12:04
von Heinrich Heine
Herzog Friedrich Wilhelm hatte eine sehr schlechte Nacht hinter sich. Die am Morgen gerufenen Leibärzte waren alles andere als zufrieden mit dem Gesundheitszustand des Herzoges. Dieser gab jedoch Rätsel auf. Sicher, der Mann war alt genug, jedoch den schnellen Verfall konnten sie sich nicht erklären. Und so las sich das am Mittag erschienene ärztliche Bullettin auch sehr zweideutig.....
Hier ein Auszug aus dem Gutachten, das unter den Gesandten und Händlern verteilt wurde.
"Unser Herzog hat nach eigenen Angaben und nach Zeugenaussagen in der Nacht unter heftigen Atembeschwerden zu leiden, zu denen Brustenge, blutiger Auswurf und Kreislaufprobleme hinzukommen. Die Appetitlosigkeit wird verstärkt durch heftige Magenbeschwerden. Unser Herzog hat Fieber. Kalte Kompressen lindern nur bedingt das Leiden. Ein Aderlaß führte ebenfalls zu keiner Verbesserung. Die Symptome sind sehr ungewöhnlich, wir stehen vor einem Rätsel und schließen einen Vergiftungsfall nicht aus. Seit dem frühen Mittag fiel der Herzog in die Bewußtlosigkeit. Der Zustand ist sehr ernst, eher hoffnungslos zu nennen."
Geschäftiges Treiben bestimmte das Handeln am Hofe. Aufgeregt wurden Depeschen in aller Welt verschickt. Herzog Friedrich Wilhelm hat keinen Thronerben, sondern nur eine Tochter. Die Autorität und das Ansehen von Adolf Friedrich ist im Ausland durch seine Eskapaden in Regensburg stark geschwächt.
Quo vadis Mecklenburg??
Verfasst: Sa 29.07.2006, 13:53
von Heinrich Heine
An einigen Höfen Europas war man uninteressiert ob der Vorgänge in Schwerin.
In London hatte Königin Anna ihren Kanzler befragt, wo denn dieses Mecklenburg überhaupt liegt und dieser wußte darauf keine Antwort.
Da die Tochter als weiblicher Nachkomme nicht thronberechtigt war und außerdem nach Persien verheiratet wurde, war der Thron vakant nach einem möglichen Tode. Das war so ziemlich jeden bekannt in Europa.
Viele Gerüchte wurden in den Schweriner Gasthöfen verbreitet.
Angeblich stand nun sogar ein mecklenburgischer Erbfolgekrieg im Raum, da die beiden Nachfolger der Tanten des scheidenden Herzogs Ansprüche erhoben. Immer wieder diskutierte man in den Gasthöfen auch weitere Ansprüche, die jedoch eher an den Haaren herbeigezogen waren. Fest stand jedoch für einige der Gebildeten, daß gute Chancen gleich mehrere Dynastien haben. So war Holstein Gottorp im Gespräch, wo ein Cousin des Herzog lebte, aber auch Brandenburg hatte einen Cousin vorzuweisen. Während der eine ältere Ansprüche hatte dank Geburtsjahr, war der andere aus der direkten männlichen Nachfahrenlinie hervorgegangen und glaubte sich im Recht.
Ein verrücktes Gerücht war jedoch, daß der Kaiser des HRRDN selbst Druck ausüben wollte in diesem Streit und seinen Kandidaten, dem hessischen Regenten, das Erbe Mecklenburgs überschreiben wollte in Anerkennung um dessen Verdienste um den Reichsfrieden und als Entschädigung für die Rückgabe des Protektorats Anhalt.
Der alte Herzog war noch nicht tod, da weihten einige schon den Nachfolger.
Schließlich wurden auch einzelne Sätze des Herzoges, die er im Fieber sprach publik. So soll er folgende Worte gegen 08.16 Uhr gewispert haben.
"Schwerin .... schwere Zeiten......Lumpenhund namens Kaiser." und wenig später
"Gift? Gift!! Wer? Adolf Friedrich.....Hessen?...Schweden???...oder Wien?...Jünger des Papstes....."
Kurz bevor er ins Koma fiel richtete er sich auf und sprach seine letzten zusammenhängenden Worte, diese hielt man jedoch bis zum endgültigen Ableben unter Verschluß.
Die Stimmung war sehr depressiv auch und gerade weil man die Zukunft fürchtete.
Verfasst: Sa 29.07.2006, 18:48
von Heinrich Heine
Ein kleines Land, kaum beachtet im Großmachtgefüge Europas, versinkt in Trauer. 18.40 Uhr hauchte der alte Herzog Friedrich Wilhelm sein letzten Atem aus und schlief nach kurzen, schweren Todeskampf ein.
Es blieben genügend Fragen zurück. War es Altersschwäche oder Mord?
Wenn es Mord war, wer waren die Auftraggeber? Und vor allem was soll nun mit dem Land werden? Das Volk von Mecklenburg erstarrte. Die Besucher glaubten, die Zeit steht still in Schwerin,Rostock und anderswo im Lande.
Vereinzelte Familien sieht man in Rostock ein Segelschiff besteigen mit Kurs auf die neue Welt.
Mecklenburg harrt der Dinge die da kommen mögen und fügt sich geduldig seinem bevorstehenden Schicksal.
Nachzutragen bleiben die letzten Worte des Herzoges:
"Ihr verfluchten Säcke, ich werde in 304 Jahren eine Auferstehung feiern und dann wird Mecklenburg den Kaiser stellen."
Doch auch wenn der Satz zusammenhängend und logisch aufgebaut war, so verstand ihn keiner der ihn vernommen. Im Gegenteil, einige waren enttäuscht, hatten sie doch auf einen klugen Vierzeiler gehofft, der so typisch ist.
Verfasst: Sa 29.07.2006, 19:52
von preusse
Die Nachricht vom Tode des Herzogs verbreitete sich so schnell in Deutschland wie einst die Pest. Daher dauerte es auch nicht mehr als 2 Tage bis ein Gesandter aus Hannover das Schweriner Schloß betrat.
Graf Johann v.Butzeburg überbrachte der trauernden Familie und Freunden des Herzogs die Anteilnahme und das tiefe Bedauern des Kurfürsten Georg I. von Hannover.
Der Graf, in Vertretung seines Herrn, verbringt diese schweren Stunden an der Seite der Trauernden und steht ihnen bei.
Verfasst: Sa 29.07.2006, 21:56
von Bismarck
Ein Bote des Kurfürstentums Brandenburg-Preussens namens Alfred von Salingen traf ein und übermittelte die Anteilnahme am Ableben des Herzogs.
Verfasst: Sa 29.07.2006, 22:50
von von Holstein
Klaas von Barmstedt ward noch der Schrecken um die traurige Nachricht des Ablebens des großen Mecklenburgers ins Gesicht geschrieben.
Hatte er noch vor Stunden einen Boten gen Holstein reiten lassen mit der Nachricht der Herzog benötige dringend medizinische Hilfe, so war nun offenbar, dass jegliche Hilfe zu spät kommen würde.
Zum einen war von Barmstedt bestürzt seinem Herzog eine nun veralterte Nachricht zukommen zu lassen, zum anderen fürchtete er die nun anstehenden diplomatischen Verwerfungen im Norden des Reiches.
So gesehen war es allerdings wieder gut, dass Friedrich IV. bald in Mecklenburg eintreffen wird. So wird von Barmstedt die Bürde wichtiger Entscheidungen aus der Hand genommen und sein Herzog Höchstselbst wird die Wege weisen.
„Wie sind wir doch stets vom Hauch des Todes umfangen.“ erlaubte Klaas von Barmstedt sich einen persönlichen Gedanken abseits der Politik. „Mitten in jungen Jahren herausgerissen aus dem Leben.. „ sein Mund wurde trocken und eine gewisse Blässe schlich sich in sein Antlitz. „Ein End ist nun mit Wein und Weib – die Lebenszeit hat ein End und nun beginnt die Sterbenszeit.“ dachte er für sich selbst, doch vermied er es sich seine Gedanken ablesen zu lassen.
Verfasst: So 30.07.2006, 11:02
von Silkow
Wenige Tage nach dem Ableben des beliebten Herzogs hatte die Unsicherheit im Volk ein Ende.
Schon hatte man im bisher so friedlichen Herzogtum die größten Befürchtungen, andere Mächte würden nun in die unklare Lage eingreifen und das kleine Mecklenburg zum Opfer der bekannt schmutzigen europäischen Politik werden, da betrat eine bislang im Spiel der Mächte u nbekannte Größe die Bühne der Politik.
Karl Leopold , der Bruder des jüngst verstorbenen Herzogs, hatte sich bislang bewußt im Schatten gehalten.
Als seine Existenz bekannt und damit die Frage der Amtsnachfolge geklärt war, brach das Volk Mecklenburgs in frenetischen Jubel aus.
Derweil arbeitete sich der neue Herzog in die Amtsgeschäfte ein, verwundert ob der erstaunlich leeren Staatskasse...
Verfasst: Mo 31.07.2006, 13:09
von Lord Rahl
Kurz nach dem Ableben seines Bruders wurde Karl Leopold von seinem Berater davon in Kenntnis gesetzt und machte sich alsbald auf den Weg nach Schwerin um die Geschäfte zu übernehmen und die Trauerfeier zu organisieren.