
Erinnert stark an die genialen Sozialpolitiken in Civ5. Man kann sich da zb so Boni abgreifen wie, "du bekommst sofort 3 Konstruktoren geschenkt" oder "1 Kolonie-Schiff", oder andere diverse kurzfristige oder langfristige Vorteile. Geschickt gewählt, kann man da wie bei Civ5 sich gute (Start)Vorteile erarbeiten.
Wie gut die KI in Teil 3 ist, kann ich bisher noch nicht sagen, in den Vorgängern gehörte die KI stets zu den Stärken des Spieles. Und verglichen mit meiner letztwöchigen Distant Legends Session, wo die KI fast hirntot ist (das Spiel in der Konzeption aber genial, sehr erfrischend im 4X Genre), ist das immer gern gesehen. Speziell da ein 4X Spiel ohne hinreichend starke KI langfristig kaum begeistert.
Mal von diesen Dingen abgesehen, empfinde ich GalCiv3 wirklich als zu geringe Weiterentwicklung. Der Quantenschritt von Teil 1 auf 2 ist dieses Mal ausgeblieben. Grafisch merkt man erst auf dem 2ten Blick daß man nicht mehr GalCiv2 spielt. Nach 10 Jahren hätte ich da mehr erwartet, ähnlich wie Civ5 gegenüber Civ4 um Lichtjahre besser aussieht. Speziell da, wo die Grafik genretypisch sowieso eher mau aussieht, gegen die bunte Welt eines Civ5 oder gar Endless Legends. In der Galaxis ist eben alles schwarz, bis auf die wenigen leuchtenden Punkte, und Planeten. Dauerhaft schaut man da schon auf eine sehr tröge Spielkarte. Vor allem rausgezoomt, wie man wohl am öftesten spielt, hat es den Charm eines Spiels aus den 80igern.

In Nahansicht ist es dann natürlich schon schöner....aber auch nicht grundlegend anders als im Vorgänger.

Was auch neu ist: Schiffswerften sind nun extra auf der Karte zu sehen, und nicht mehr direkt einem Planeten zugehörig. Die Werft braucht aber "einen Hauptsponsoren (Planeten) und darf bis zu 4 weitere zusätzliche Sponsoren haben. Mit etwas Glück findet man im eigenen Imperium mehrere Planeten relativ nahe zusammen die dann zu fünft ihre Ressourcen an ein und die selbe Werft senden, was dazu führt, daß diese Werft selbst Großkampfschiffe blitzschnell baut. Dazu sollten die Planeten aber nicht mehr als 6 Hexfelder (in GalCiv2 gab es noch Quadrate) entfernt sein, sonst gehen anteilig Ressourcen auf dem Weg verloren. Man kann sich aber immer entscheiden auch jedem Planeten eine eigene Werft zu geben, um zb gleichzeitig mehrere Raumschiffe zu bauen. Übrigens dürfen die Konstruktor-Raumschiffe nun nicht nur Sternbasen gründen, sondern lassen sich auch zu Schiffswerften machen. So kann man zb einen schnell fliegenden Konstruktor ans Ende seines Reiches nahe eines neu gegründeten Planeten senden, um dort sofort eine Raumwerft einzurichten. Natürlich wird der neue Planet nicht sonderlich viel Produktionskapazität an die Werft leiten können, aber mit Geld gepuscht kann man am Rande seines Reiches schnell neue Kolonial-Transporter bauen, die nicht erst die halbe Galaxis durchqueren müssen. Übrigens, mit weiterer Forschung kann man Konstruktor-Raumschiffen auch mehr als 1 Modul mitgeben, später sogar bis zu 3 habe ich gelesen. Damit kann man also bspw. eine neue Raumstation bauen, und gleich die ersten beiden Module gleich mit errichten. Vielleicht ein wenig unfair, wenn die Kriegsflotte ein solches Raumschiff mitnimmt, um vor Ort mal schnell eine militärische Raumstation "aus der Hosentasche zieht", die gleich mehrfach aufgewertet wird. Das könnte den Schlachtverlauf gleich empfindlich aus dem Gleichgewicht bringen.
Die Schlachten sehen dagegen netter aus als in Teil 2. Aber nach 10 Jahren nun auch nicht mehr wirklich zeitgemäß. Da hat Endless Space schon wesentlich schöneres abgeliefert, auch wenn ich dieses Spiel ansonsten eher als dünn empfinde. Am liebsten wären mir natürlich taktische Raumkämpfe. Aber kaum ein modernes 4X Spiel hat das heute noch. Ein wenig kann man es beim neuen Stardrive2 sehen, das übrigens besser ist, als ich erwartet habe. Der geniale 2D-Schiffsbau bzw. die taktische Ausstattung, mit Modulen und Panzerungen machen viel her. Auch die eigentliche Schlacht sieht toll aus, lässt sich zoomen und man kann sogar den Einheiten Befehle geben. All das fehlt in GalCiv3. Und das reine Zusehen in den Schlachten ist auch übel, zumindest flogen bei mir die Schiffe immer ausserhalb des Bildschirmes, und ich konnte nur hören was da abgeht. Die ganzen Kameramodi sind wohl entweder noch nicht ausgereift, oder kaum intuitiv...oder ich bin schlichtweg zu blöd sie zu bedienen. Solche Probleme kannte ich bei Stardrive2 nicht. Da ist immer alles im Blick und beliebig zoombar.
Achja, eine weitere relativ tolle Neuerung gibts auch in GalCiv3, man kann den einzelnen Raumschiffen nun Rollen wie "Eskorte", "Angriffsschiff" oder zb "Interceptor" zuweisen. Je nachdem beschützen diese Schiffe dann eigenständig die großen Pötte, oder greifen im Sturm an, oder suchen sich gezielt schwächere Gegner raus. So gesehen kann man durch die Zusammensetzung von Raumflotten auch noch etwas taktische Tiefe ins Spiel bringen. Während der Schlacht ist man aber, wie bei den Vorgänger Teilen einfach nur Zuschauer....bzw "Zuhörer".
Ne andere minimale taktische Ebene ist beim Plantenausbau, da kann man jetzt Nachbarschaftsboni erhalten wenn gleiche Gebäude angrenzen. Das ist zwar nett, aber mMn eher ein extra Minispielchen. Wobei man mit etwas Glück dadurch schon gewaltige Boni aufhäufen kann.
Was mich aber an GalCiv schon immer am stärksten störte, war die Langatmigkeit des Spieles. Schon seine Vorgänger hatten bei mir immer die unangenehme Nebenwirkung, daß ich (im Gegensatz zu Civ-Partien) kaum eine Partie zu Ende spielte, weil es einfach irgendwann langweilig und tröge wurde, auf den sehr großen Karten, wo oft hunderte von Zügen kaum was passiert bis man sich endlich näher kommt. Und auf kleinen Karten zu spielen macht auch kaum Spaß, weil man da zu schnell Krieg hat. Außerdem war der Forschungspfad in GalCiv2 seeeeehr laaaaangweilig....ich sag nur Laser1, Laser2, Laser3......RailGun1, Railgun2..........Ecm1, Ecm2, Ecm3, Ecm4.........Gääääähn. Sieht auf dem ersten Blick in GalCiv3 etwas besser aus, aber auch nicht grundlegend.

Bis jetzt übers Wochende konnte mich GalCiv3 zwar bei der Stange halten, aber mal sehen wie lange das gut geht. Wenn sich grundlegend nicht viel geändert hat, werde ich wohl auch kaum Partien zuende spielen. So etwas passiert mir seltsamerweise bei Civ4 oder 5 nie. Da habe ich meistens die Motivation bis ans Ende weiter zu spielen, bis zum Sieg oder der Niederlage. Irgendwie passiert in Civ4/5 pro Runde einfach mehr. Die Welt fühlt sich einfach lebendiger aus. In der GalCiv Reihe fühlt sich die Galaxis zumeist so leer und tot an. Gut soll wohl die Realität etwas simmulieren.
Dennoch gebe ich dem Spiel eine Chance....sollte die KI wieder so gut wie im Vorgänger sein, oder gar besser wäre das alleine schon Grund genug es zu spielen. In welchem 4X Spiel merkt sonst schon die KI rechtzeitig wenn man Truppen an der Grenze zusammenzieht für einen Angriff, und rechtzeitig vorher losschlägt um einen den Plan zu vermasseln. Obwohl....das beobachte ich in Civ5 auch manchmal.