Wenn Lange so hart ist wie er glaubt, müssten auch ein Neoprenanzug und ein Tauchermesser genügen, um den Sieg zu erreichen...Ruprecht I. hat geschrieben:Wenn die Werftliegezeit zu lange ist, gibt es eben zum Abschluß Langes Abenteuer mit einem Schlauchboot und einem Sack Handgranaten.
Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel - Ein SH IV AAR
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Sonic
Unser nächstes Update, welches in erster Linie auf dem Trockenen spielen wird und die finale Endphase der Gesichte rund um Kapitän Paulsen und Co. einleiten soll (keine Sorge, ein paar mehr Updates werden es schon noch werden
) ist eigentlich schon fertig, bis auf ein, zwei letzte Absätze.
Doch wie es der Zufall so will, wollten wir am vergangenen Wochenende, ganz im Zeichen der EM, uns dem runden Leder widmen, mit bedauerlicherweise, etwas unschönem Ausgang.
So tippseln wir diese Zeilen nun gerade höchst ungelenk und schwerfällig mit einbandagierter, geschienter und ruhiggestellter linker Hand...naja...eher mit der Rechten.
Verdacht auf Handgelenksbruch hat sich zum Glück nicht bestätigt, das ist nur übelst geprellt. Möglicherweise hat es aber Sehnen oder eine oder mehrere Fingerwurzeln erwischt. Das ist aber mit dem Röntgenbild nicht feststellbar.
Jetzt heißt es eine Woche warten, ob es sich bessert, ansonsten Überweisung zur CT.
Doch wie es der Zufall so will, wollten wir am vergangenen Wochenende, ganz im Zeichen der EM, uns dem runden Leder widmen, mit bedauerlicherweise, etwas unschönem Ausgang.
So tippseln wir diese Zeilen nun gerade höchst ungelenk und schwerfällig mit einbandagierter, geschienter und ruhiggestellter linker Hand...naja...eher mit der Rechten.
Verdacht auf Handgelenksbruch hat sich zum Glück nicht bestätigt, das ist nur übelst geprellt. Möglicherweise hat es aber Sehnen oder eine oder mehrere Fingerwurzeln erwischt. Das ist aber mit dem Röntgenbild nicht feststellbar.
Jetzt heißt es eine Woche warten, ob es sich bessert, ansonsten Überweisung zur CT.
- hohe_Berge
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Nee braucht keinen Neuer. Sohnemann G-Jugend Hans-Peter Briegel (Walz aus der Pfalz) Gedächniss Blutgrätsche abbekommen. Zweifacher Handgelenksbruch.Ruppich hat geschrieben:Fussball spielen und das handgelenk brechen das ist mal was neues.
Oder einen auf Neuer gemacht?![]()
Werter Sonic hoffen das es bei Euch nicht so heftig ist, obwohl manche Fußballer steif und fest behaupten, besser einen sauberen Bruch als eine schwere Prellung.
Gute Besserung. Glück Auf.
Klaus Täuber (Der Boxer): Wenn du Profi wirst und nur bei einem Verein spielen kannst, dann musst du nicht in Barcelona, nicht in München, nicht in Dortmund spielen. Sondern auf Schalke.
- Hohenlohe
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Werter Sonic alles Gute, hoffentlich nichts ernsthaftes mit der Hand, kanns nachfühlen, ich bin links eingeschränkt...
herzliche grüsse
Hohenlohe, der frisch Operierte -schulter links-...
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In memoriam Stauffenberg, jota und CJ...
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Oh ja das kennen wir, hatten vor ein paar jahren ne kahnbeinfraktur. Im Röntgen gabs nichts zu sehen aber nach 3 wochen gabs dann doch nen CT termin. Besonders angenehm wenn man die schreibhand vor der Klausurzeit bricht...
Gute Besserung euch
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Gute Besserung Sonic...
herzliche grüsse
Hohenlohe...
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Sonic
28.03.1945

Der nächste Morgen, am Tag nach dem nächtlichen Einlaufen in den Hafen.
Die ersten Stunden nach dem Anlegen hatte die Besatzung rund Kapitän Paulsen damit verbracht, das schwer angeschlagene U-2503 zu sichern. Das leckgeschlagene Boot wurde unter vereinten Kräften von abgekämpfter und ausgemergelter Mannschaft, und mit der Hilfe und Unterstützung einer Handvoll freiwilliger Wehrmachtsoldaten und arbeitslosen Angehörigen der Kriegsmarine, die eigentlich für die Bewachung und Sicherung des Hafengeländes, welches von der Kriegsmarine seit Beginn der Besatzung in Beschlag genommen wurde abgestellt waren, auch wenn es hier offensichtlich nicht mehr viel von Wert zu bewachen gab, am nächstbesten freien Anleger festgemacht und sicher vertäut.
Ein herbeigeschafftes Dieselaggregat mit angeschlossener, leistungsfähiger Pumpe sorgte zum ersten Mal seit dem Luftangriff für halbwegs trockene Verhältnisse in der leckgeschlagenen Achtersektion des Bootes. Mit Hilfe der zusätzlichen Pumpleistung und hastig verlegter Schlauchverbindungen wurde das Boot endlich leergepumpt und stabilisiert.
Selbst nach dem Einlaufen in den Hafen von Bergen ist die Achtersektion des Bootes noch immer leckgeschlagen und Wasser tritt ein

Den Aufwand hätten wir uns auch sparen können. Ohne Aufenthalt im Trockendock und gründlicher Generalüberholung ist das doch alles nur Flickwerk, schimpft Leutnant Schulze, als der Hauptteil der Arbeiten abgeschlossen ist.
“Das Boot soll wohl einen halbwegs ansehnlichen Eindruck machen, wenn bei Sonnenaufgang die Herrn Lamettahengste samt Entourage hier ihre Aufwartung machen. Freudig in Wochenschauobjektive grinsen und Endsiegstimmung verbreiten. Recht viel mehr bleibt ja nicht mehr. Und wir stehen blöd daneben. Verdammte Bande…schönen verfluchten Dreck den die uns da eingebrockt haben.“
Na dann…Sieg Heil, seufzt Schulze wenig begeistert und streckt ruckartig sein Kinn nach vorne, in Richtung Mole, wo sich just in diesem Moment ein größerer Menschenauflauf zusammenzufinden scheint.
“Auf ins letzte Gefecht Herrschaften! Da kommt der Verein!“
Vom Kommandoturm unsere Bootes aus beobachten wir die Szenerie.
Es ist kurz nach 08.30 Uhr Morgens, die Dämmerung ist gerade vorbei und erste, schwache Sonnenstrahlen brechen immer mal wieder für kurze Augenblicke durch den ansonsten noch immer grauen und diesigen Morgen. Vereinzelte Nebelschwaden huschen hier und da noch von einer leichten Brise getragen quer durch das Hafenbecken von Bergen.
Auf dem Anlegekai, an welchem U-2503, in der Nacht zuvor festgemacht hatte, beginnt sich nun muntere Geschäftigkeit zu regen.
Ein Trupp Angehörige der Kriegsmarine hetzt eilig, im Laufschritt die Mole entlang und nimmt auf knappen Befehl hin Aufstellung unserem Boot direkt gegenüber. Zwei planenbespannte Wehrmachtlastwagen, gefolgt von einem Kübelwagen halten auf den Kai zu und kommen ebenfalls auf Höhe von U-2503 zum stehen.
Mit befehlsgewohnter Stimme scheucht ein sichtlich humpelnder Feldwebel eine ganze Wagenladung von schnatternden Weibern von der Ladefläche herunter ins Freie.
Marinehelferinnen, stellt der längst verheiratete Leutnant Weber knapp und ungerührt fest.
Und was für welche, grinst dagegen Leutnant Schulze der II.WO und beugt sich auffällig interessiert über das stählerne Schanzkleid, um einen besseren Blick erhaschen zu können.
Auch vom Vordeck, wo ein halbes Dutzend Männer rund um Oberbootsmann Hinrichs damit beschäftigt sind, auf Befehl von Leutnant Lange das Deck für die bevorstehende Inspektion freizuräumen und Platz zu schaffen, erregt der unerwartete Anblick Aufsehen.
Mann…Hinrichs! Guck mal da…Weiber! Ne ganze Wagenladung voll, stößt Matrose Pronold seinen Nebenmann an.
Pfeifend kommt der Bootsmann auf die Beine und verzieht grinsend sein Gesicht.
Pffffiiiii…die Rothaarige da hinten. Also von der würde ich mich gern mal unter vier Augen verarzten lassen, wenn ihr versteht was ich meine.
Hinrichs, du und deine Roten. DA…guck doch mal. Die Blonde da in der ersten Reihe. Das nenn ich ein Weibsbild, wirft ein anderer ein, nur um sich sofort einen Rüffel einzufangen.
Ach Kinder! Nicht mal richtig trocken hinter den Ohren und schon die Nasen in feuchte Höschen stecken wollen. Zurück mit euch an die Arbeit, aber zackig. Gefeiert wird später, lacht der II.WO vom Turm herunter auf das Vordeck, so laut, dass es über den halben Kai schallt und sich einige der mehr oder minder jungen Marinehelferinnen schüchtern abwenden und in die Ferne starren, während andere keck und zu den Männern herüberzwinkern und dem ein oder anderen ein freches Lachen zuwerfen.
Doch viel Zeit zum flirten bleibt auch den Damen nicht, macht ihnen doch sofort ihr alter, humpelnder, offensichtlich kriegsversehrter Feldwebel sofort wieder Dampf und scheucht sie auf ihre festbestimmten Positionen.
Während die Männer noch mit den Marinehelferinnen scherzen, habe ich nur Augen für den zweiten LKW, aus welchem eine handvoll Männer Kisten, Kameras und Stative herauswuchten und sich hastig daran machen, ihre Gerätschaften auf dem Kai, in unserer unmittelbaren Nähe in Aufstellung zu bringen.
Wochenschau, Willhelm, errät mein alter Freund und I.WO, Leutnant Weber auf Anhieb meine Gedanken richtig.
Lügenpropaganda, knurre ich mürrisch zurück!
War die Wochenschau vor Ort, verhieß das nicht Gutes.
Fast schon wissend suche ich sofort den gesamten Anleger, auf dem sich nach und nach mehr Menschen zusammenfinden genauer mit den Augen ab.
War Dönitz vielleicht persönlich gekommen? Hatte er noch rechtzeitig Reißaus genommen und sich ins verhältnismäßig sichere Norwegen abgesetzt?
Nein…unwahrscheinlich. Der war in Flensburg unabkömmlich.
Doch dann bleibt mein Blick auf dem Küblewagen hängen, dem just in diesem Moment eine Person entsteigt, die ich gehofft hatte, nach Möglichkeit nie wieder zu sehen. Dieser Mann verhieß nie etwas Gutes!
Auch Leutnant Lange hatte den hochgewachsenen, hageren Mann mittleren Alters, dessen ganze Erscheinung ihn schon als blassen Bürokraten und Schreibtischhengst erscheinen ließen, und der sich nun in Begleitung des Hafenkommandanten, des Flottillenchefs und einiger anderer teils hochrangiger Offiziere der Kriegsmarine eingereiht hatte, sofort erkannt…
…Kapitän zur See Götz!
Doch im Gegensatz zu seinem Kommandanten, Kapitän Paulsen, fieberte er diesem Widersehen mit weitaus freudigeren Augen entgegen.
Ja…das Kapitän Götz persönlich hier zu ihrem Einlaufen erschienen war, konnte er nur als gutes Omen werten. Es musste einfach so sein.
Die Herren Lamettaträger und Schreibtischhengste, die sich hier und heute zu unserem propagandawirksamen „Empfang“ versammelt hatten, wollten die ganze Zeremonie wohl ebenso schnell über die Bühne bringen, wie meine Wenigkeit. Zumindest darin waren wir uns wohl einig, wenn auch aus anderen Beweggründen.
Die haben den Arsch offen. Schon seit Wochen herrscht erhöhte Alarmbereitschaft vor alliierten Luftangriffen. Seit neuestem trauen sie sich auch schon tagsüber hierher. Unsere Herren Admiräle wollen daher wohl lieber wieder in ihre sicheren und komfortablen Unterstände, als hier wie bei einer scheiss Parade Zielscheibe zu spielen, flüstert Leutnant Schulze mir zu.
“Mannschaft auf dem Vordeck in Zweierreihe antreten lassen, I.WO.
Bringen wir dieses Schmierentheater schnell hinter uns!“
Jawohl, Herr Kapitän!
Auch die hohen Herrschaften scheinen es eilig zu haben und so hält kurz darauf eine Gruppe von Marineoffizieren schnurstracks auf U-2503 zu, kaum das unsere Männer angetreten sind. Eine offenbar hastig zusammengetrommelte Militärkapelle setzt zum Deutschlandlied an. Die Kapelle ist wohl nicht komplett, das hört man schnell heraus.
Wohl auch der letzte Rest vom Schützenfest, den sie da zusammengekarrt haben, flüstert mir der neben mir stehende Leutnant Weber leise zu.
Die ganze Szenerie muss einem unbeteiligten Zuschauer geradezu grotesk vorkommen.
Eine unvollständige Militärkapelle spielt lustlos und fehlerhaft vor einer eilig aufgezogenen Hakenkreuzflagge das Deutschlandlied herunter. Eine Abteilung Marinehelferinnen winkt mit Blumensträußen zur Begrüßung. Wichtigtuerisch und bedeutungsvoll stakst eine Gruppe von Offizieren der Kriegsmarine über das Fallreep hinüber auf das nur noch von den ständig laufenden Pumpen über Wasser gehaltene U-2503, wo ein Haufen abgekämpfter und ausgemergelter Männer unter meinem Kommando einfach nur froh sind, dass sie es diesmal, irgendwie, mit mehr Glück als Verstand, halbwegs heil und an einem Stück nach Hause geschafft haben.
Eine Horde von Photographen und Kameramännern der Wochenschau filmt den ganzen aberwitzigen Zirkus, während im Hintergrund, außerhalb des Focus der Kameras und Photoapparate noch der Rauch und beißende, schwarze Qualm des letzten alliierten Luftangriffes auf den Hafen und die deutschbesetzte Stadt Bergen, in den Himmel steigt, und schwarze Ruinen von ausgebombten Häusern und Lagerhallen am Hafen das Bild prägen.
Im Hafenbecken selbst und an den Piers bietet sich ein ähnlich trostloser und ernüchternder Anblick. Beschädigte, auf Grund gesetzte und teils gekenterte Schiffe. Reif zum Ausschlachten. Ein Bild, einem Schiffsfriedhof gleich. Niemand hebt sie mehr, niemand repariert sie mehr.
Angeführt wird dieses Trauerschauspiel eines verzweifelten Propagandaauftrittes, hier im heimatfernen Norwegen von Kapitän zur See Schomburg, seines Zeichens Kommandant der Seeverteidigung im Raum Bergen, sowie von Fregattenkapitän Heinrich Lehmann-Willenbrock, Chef der 11. U-Flottille. Und direkt dahinter Kapitän zur See Otto Götz, Offizier zur besonderen Verwendung im persönlichen Stab von Großadmiral Dönitz, extra mit einem Sonderflug noch in der Nacht aus Flensburg angereist, wie ich erst später erfuhr. Dieser Bürokrat vor dem Herren, dem ein Menschenleben nicht viel bedeutete, solange auf dem Papier nur seine Zahlen stimmten, war offenbar wie immer bestens unterrichtet und stand weiter in hohem Ansehen bei Oberkommando der Kriegsmarine und der Seekriegsleitung.
Doch immer wenn dieser Götz auftauchte, bedeutete dies unweigerlich Ärger.
Hastig und mit sichtlich aufgetragener guter Laune eilen die Offiziere an Bord, wo ich ihnen bereits, nachdem ich mich aus der Aufstellung meiner Männer gelöst habe entgegen trete, um sie, wie man es anstandsgemäß vom Kommandanten des Bootes erwartet in Empfang zu nehmen und sie an Bord zu bitten.
Nur schwer kommen mir freundliche Worte über die Lippen.
Erlaubnis an Bord zu kommen, Herr Kapitän, grinst mir Kapitän Schomburg als dienstältester der zusammengekommenen Offiziere mit aufgesetzter Freundlichkeit und Gelassenheit zu.
“Erlaubnis erteilt, Herr Kapitän!“
Na dann wollen wir mal schauen, dass die Herren von der Wochenschau und vom Propagandaministerium die Bilder kriegen, die sie wollen, bevor der Engländer zum nächsten Luftangriff ansetzt, schnaubt er anschließend, als er den ständig filmenden Kameras den Rücken zuwendet, um mir die Hand zu schütteln.
Man merkt dem Mann an, dass er hier schleunigst weg will und für dieses Theater wohl nicht recht viel mehr übrig hat, als ich selbst. Auch Fregattenkapitän Lehmann-Willenbrock, Chef der 11. U-Flottille schaut drein wie drei Tage Regenwetter. Einzig und allein Kapitän Götz schien gute Laune zu haben, als er mir in seiner so gespielt freundlichen und doch eiskalten Art, nach angedeutetem Hitlergruß die rechte Hand zur Begrüßung reicht. Eine einkalkulierte Provokation, um mich daran zu erinnern, wem noch immer seine Loyalität galt, falls ein Mann wie Otto Götz überhaupt jemand oder etwas anderem als sich selbst gegenüber loyal sein konnte.
Militärisch korrekt grüße ich kurzangebunden zurück.
Einer der Photographen der Wochenschau, die sich auf dem Kai vor dem Boot drängen schüttelt den Kopf. Die Einstellung war wohl nicht zu gebrauchen. Pech für ihn und das Propagandaministerium, denke ich bei mir, als ich seine Reaktion aus den Augenwinkeln heraus registriere.
Gefolgt von den drei Offizieren, wird jeder einzelne Mann an Bord von U-2503 von mir kurz vorgestellt und von den dreien mit Handschlag begrüßt und daheim willkommen geheißen. Hier und da richtet einer ein paar aufmunternde Worte des Lobes an einen der Männer, doch nur kurz und hastig wird das Prozedere heruntergespult.
Als letztem geht es mir noch einmal an den Kragen.
Eine vorbereitete Ansprache, die, das ist allen Anwesenden, die nicht blind und taub gleichermaßen durch das Leben wandern, einzig und allein für die Presse gedacht ist, bildet den Abschluss der grotesken Vorführung, an diesem Morgen. Bezeichnend dafür ist schon, dass ausgerechnet Kapitän Götz, in seiner Funktion als Offizier in Großadmiral Dönitz persönlichem Stab nun das Wort ergreift.
Es gibt nicht weniges, was mir in diesem Moment lieber gewesen wäre, doch ich lasse das Ganze möglichst ungerührt über mich ergehen.
Mein lieber Kapitän Paulsen. Es ist mir eine Ehre in Vertretung von Großadmiral Karl Dönitz, ihnen und natürlich auch ihrer tapferen Besatzung das höchste Lob und die besten Wünsche zu ihrer glücklichen und sicheren Heimkehr auszusprechen. Eine grandiose Leistung von ihnen und ihrer Mannschaft, zu der auch ich sie beglückwünschen möchte.
Die Versenkung des britischen Flugzeugträger HMS Pursuer zeigt und beweist auf eindrucksvolle Weise die ungebrochene Einsatzfähigkeit und Tödlichkeit der deutschen U-Bootwaffe. Mit neuen, leistungsfähigeren Booten und Torpedos, sowie ständig weiterentwickelter Technik in allen Bereichen der Seekriegsführung, wird dieser und werden noch nachfolgende Erfolge den Briten und den anderen Alliierten zeigen, dass man kein deutsches Schiff ungestraft versenken kann, ohne hundertfach dafür zu bezahlen.
Dieser Erfolg stellt den Beginn einer neuen Offensive zur See dar, welcher die Versorgungs- und Nachschubwege, der in Europa kämpfenden alliierten Truppen abschneiden und zum erliegen Bringen wird, bis ihr übereilter Vormarsch in sich zusammenbrechen wird.
Kapitän zur See Paulsen.
Das Deutsche Reich und das Deutsche Volk sind stolz auf sie und ihre Mannschaft.
Mit mehr Männern ihres Kalibers, werden wir den Alliierten zeigen, dass sie diesen Krieg noch lange nicht gewonnen haben, wie sie es in ihrer Propaganda so gerne behaupten.
So wie die Deutsche U-Bootwaffe weiterkämpft, so wird auch das Deutsche Reich weiterkämpfen…bis zum Endsieg.
Nach einer kurzen Kunstpause fährt er schließlich fort.
Wir brauchen mehr solche U-Bootkommandanten und Mannschaften, wie die Besatzung von U-2503 und Kapitän zur See Paulsen, dann werden die Briten, ihre Verbündeten und wie sie alle heißen schon bald wissen, was die Zeit geschlagen hat.
Aus diesem Grunde gebe ich hiermit, in Vertretung und auf Befehl von Großadmiral Dönitz, dem Oberkommandierenden der Deutschen Kriegsmarine die Beförderung von Leutnant Jörg Lange, Leitender Ingenieur auf U-2503, in den Rang eines Oberleutnants zur See bekannt.
Oberleutnant Lange wird mit sofortiger Wirkung das Kommando auf U-907 übernehmen.
Meinen Glückwunsch, Oberleutnant Lange!
Fortsetzung folgt…

Der nächste Morgen, am Tag nach dem nächtlichen Einlaufen in den Hafen.
Die ersten Stunden nach dem Anlegen hatte die Besatzung rund Kapitän Paulsen damit verbracht, das schwer angeschlagene U-2503 zu sichern. Das leckgeschlagene Boot wurde unter vereinten Kräften von abgekämpfter und ausgemergelter Mannschaft, und mit der Hilfe und Unterstützung einer Handvoll freiwilliger Wehrmachtsoldaten und arbeitslosen Angehörigen der Kriegsmarine, die eigentlich für die Bewachung und Sicherung des Hafengeländes, welches von der Kriegsmarine seit Beginn der Besatzung in Beschlag genommen wurde abgestellt waren, auch wenn es hier offensichtlich nicht mehr viel von Wert zu bewachen gab, am nächstbesten freien Anleger festgemacht und sicher vertäut.
Ein herbeigeschafftes Dieselaggregat mit angeschlossener, leistungsfähiger Pumpe sorgte zum ersten Mal seit dem Luftangriff für halbwegs trockene Verhältnisse in der leckgeschlagenen Achtersektion des Bootes. Mit Hilfe der zusätzlichen Pumpleistung und hastig verlegter Schlauchverbindungen wurde das Boot endlich leergepumpt und stabilisiert.
Selbst nach dem Einlaufen in den Hafen von Bergen ist die Achtersektion des Bootes noch immer leckgeschlagen und Wasser tritt ein

Den Aufwand hätten wir uns auch sparen können. Ohne Aufenthalt im Trockendock und gründlicher Generalüberholung ist das doch alles nur Flickwerk, schimpft Leutnant Schulze, als der Hauptteil der Arbeiten abgeschlossen ist.
“Das Boot soll wohl einen halbwegs ansehnlichen Eindruck machen, wenn bei Sonnenaufgang die Herrn Lamettahengste samt Entourage hier ihre Aufwartung machen. Freudig in Wochenschauobjektive grinsen und Endsiegstimmung verbreiten. Recht viel mehr bleibt ja nicht mehr. Und wir stehen blöd daneben. Verdammte Bande…schönen verfluchten Dreck den die uns da eingebrockt haben.“
Na dann…Sieg Heil, seufzt Schulze wenig begeistert und streckt ruckartig sein Kinn nach vorne, in Richtung Mole, wo sich just in diesem Moment ein größerer Menschenauflauf zusammenzufinden scheint.
“Auf ins letzte Gefecht Herrschaften! Da kommt der Verein!“
Vom Kommandoturm unsere Bootes aus beobachten wir die Szenerie.
Es ist kurz nach 08.30 Uhr Morgens, die Dämmerung ist gerade vorbei und erste, schwache Sonnenstrahlen brechen immer mal wieder für kurze Augenblicke durch den ansonsten noch immer grauen und diesigen Morgen. Vereinzelte Nebelschwaden huschen hier und da noch von einer leichten Brise getragen quer durch das Hafenbecken von Bergen.
Auf dem Anlegekai, an welchem U-2503, in der Nacht zuvor festgemacht hatte, beginnt sich nun muntere Geschäftigkeit zu regen.
Ein Trupp Angehörige der Kriegsmarine hetzt eilig, im Laufschritt die Mole entlang und nimmt auf knappen Befehl hin Aufstellung unserem Boot direkt gegenüber. Zwei planenbespannte Wehrmachtlastwagen, gefolgt von einem Kübelwagen halten auf den Kai zu und kommen ebenfalls auf Höhe von U-2503 zum stehen.
Mit befehlsgewohnter Stimme scheucht ein sichtlich humpelnder Feldwebel eine ganze Wagenladung von schnatternden Weibern von der Ladefläche herunter ins Freie.
Marinehelferinnen, stellt der längst verheiratete Leutnant Weber knapp und ungerührt fest.
Und was für welche, grinst dagegen Leutnant Schulze der II.WO und beugt sich auffällig interessiert über das stählerne Schanzkleid, um einen besseren Blick erhaschen zu können.
Auch vom Vordeck, wo ein halbes Dutzend Männer rund um Oberbootsmann Hinrichs damit beschäftigt sind, auf Befehl von Leutnant Lange das Deck für die bevorstehende Inspektion freizuräumen und Platz zu schaffen, erregt der unerwartete Anblick Aufsehen.
Mann…Hinrichs! Guck mal da…Weiber! Ne ganze Wagenladung voll, stößt Matrose Pronold seinen Nebenmann an.
Pfeifend kommt der Bootsmann auf die Beine und verzieht grinsend sein Gesicht.
Pffffiiiii…die Rothaarige da hinten. Also von der würde ich mich gern mal unter vier Augen verarzten lassen, wenn ihr versteht was ich meine.
Hinrichs, du und deine Roten. DA…guck doch mal. Die Blonde da in der ersten Reihe. Das nenn ich ein Weibsbild, wirft ein anderer ein, nur um sich sofort einen Rüffel einzufangen.
Ach Kinder! Nicht mal richtig trocken hinter den Ohren und schon die Nasen in feuchte Höschen stecken wollen. Zurück mit euch an die Arbeit, aber zackig. Gefeiert wird später, lacht der II.WO vom Turm herunter auf das Vordeck, so laut, dass es über den halben Kai schallt und sich einige der mehr oder minder jungen Marinehelferinnen schüchtern abwenden und in die Ferne starren, während andere keck und zu den Männern herüberzwinkern und dem ein oder anderen ein freches Lachen zuwerfen.
Doch viel Zeit zum flirten bleibt auch den Damen nicht, macht ihnen doch sofort ihr alter, humpelnder, offensichtlich kriegsversehrter Feldwebel sofort wieder Dampf und scheucht sie auf ihre festbestimmten Positionen.
Während die Männer noch mit den Marinehelferinnen scherzen, habe ich nur Augen für den zweiten LKW, aus welchem eine handvoll Männer Kisten, Kameras und Stative herauswuchten und sich hastig daran machen, ihre Gerätschaften auf dem Kai, in unserer unmittelbaren Nähe in Aufstellung zu bringen.
Wochenschau, Willhelm, errät mein alter Freund und I.WO, Leutnant Weber auf Anhieb meine Gedanken richtig.
Lügenpropaganda, knurre ich mürrisch zurück!
War die Wochenschau vor Ort, verhieß das nicht Gutes.
Fast schon wissend suche ich sofort den gesamten Anleger, auf dem sich nach und nach mehr Menschen zusammenfinden genauer mit den Augen ab.
War Dönitz vielleicht persönlich gekommen? Hatte er noch rechtzeitig Reißaus genommen und sich ins verhältnismäßig sichere Norwegen abgesetzt?
Nein…unwahrscheinlich. Der war in Flensburg unabkömmlich.
Doch dann bleibt mein Blick auf dem Küblewagen hängen, dem just in diesem Moment eine Person entsteigt, die ich gehofft hatte, nach Möglichkeit nie wieder zu sehen. Dieser Mann verhieß nie etwas Gutes!
Auch Leutnant Lange hatte den hochgewachsenen, hageren Mann mittleren Alters, dessen ganze Erscheinung ihn schon als blassen Bürokraten und Schreibtischhengst erscheinen ließen, und der sich nun in Begleitung des Hafenkommandanten, des Flottillenchefs und einiger anderer teils hochrangiger Offiziere der Kriegsmarine eingereiht hatte, sofort erkannt…
…Kapitän zur See Götz!
Doch im Gegensatz zu seinem Kommandanten, Kapitän Paulsen, fieberte er diesem Widersehen mit weitaus freudigeren Augen entgegen.
Ja…das Kapitän Götz persönlich hier zu ihrem Einlaufen erschienen war, konnte er nur als gutes Omen werten. Es musste einfach so sein.
Die Herren Lamettaträger und Schreibtischhengste, die sich hier und heute zu unserem propagandawirksamen „Empfang“ versammelt hatten, wollten die ganze Zeremonie wohl ebenso schnell über die Bühne bringen, wie meine Wenigkeit. Zumindest darin waren wir uns wohl einig, wenn auch aus anderen Beweggründen.
Die haben den Arsch offen. Schon seit Wochen herrscht erhöhte Alarmbereitschaft vor alliierten Luftangriffen. Seit neuestem trauen sie sich auch schon tagsüber hierher. Unsere Herren Admiräle wollen daher wohl lieber wieder in ihre sicheren und komfortablen Unterstände, als hier wie bei einer scheiss Parade Zielscheibe zu spielen, flüstert Leutnant Schulze mir zu.
“Mannschaft auf dem Vordeck in Zweierreihe antreten lassen, I.WO.
Bringen wir dieses Schmierentheater schnell hinter uns!“
Jawohl, Herr Kapitän!
Auch die hohen Herrschaften scheinen es eilig zu haben und so hält kurz darauf eine Gruppe von Marineoffizieren schnurstracks auf U-2503 zu, kaum das unsere Männer angetreten sind. Eine offenbar hastig zusammengetrommelte Militärkapelle setzt zum Deutschlandlied an. Die Kapelle ist wohl nicht komplett, das hört man schnell heraus.
Wohl auch der letzte Rest vom Schützenfest, den sie da zusammengekarrt haben, flüstert mir der neben mir stehende Leutnant Weber leise zu.
Die ganze Szenerie muss einem unbeteiligten Zuschauer geradezu grotesk vorkommen.
Eine unvollständige Militärkapelle spielt lustlos und fehlerhaft vor einer eilig aufgezogenen Hakenkreuzflagge das Deutschlandlied herunter. Eine Abteilung Marinehelferinnen winkt mit Blumensträußen zur Begrüßung. Wichtigtuerisch und bedeutungsvoll stakst eine Gruppe von Offizieren der Kriegsmarine über das Fallreep hinüber auf das nur noch von den ständig laufenden Pumpen über Wasser gehaltene U-2503, wo ein Haufen abgekämpfter und ausgemergelter Männer unter meinem Kommando einfach nur froh sind, dass sie es diesmal, irgendwie, mit mehr Glück als Verstand, halbwegs heil und an einem Stück nach Hause geschafft haben.
Eine Horde von Photographen und Kameramännern der Wochenschau filmt den ganzen aberwitzigen Zirkus, während im Hintergrund, außerhalb des Focus der Kameras und Photoapparate noch der Rauch und beißende, schwarze Qualm des letzten alliierten Luftangriffes auf den Hafen und die deutschbesetzte Stadt Bergen, in den Himmel steigt, und schwarze Ruinen von ausgebombten Häusern und Lagerhallen am Hafen das Bild prägen.
Im Hafenbecken selbst und an den Piers bietet sich ein ähnlich trostloser und ernüchternder Anblick. Beschädigte, auf Grund gesetzte und teils gekenterte Schiffe. Reif zum Ausschlachten. Ein Bild, einem Schiffsfriedhof gleich. Niemand hebt sie mehr, niemand repariert sie mehr.
Angeführt wird dieses Trauerschauspiel eines verzweifelten Propagandaauftrittes, hier im heimatfernen Norwegen von Kapitän zur See Schomburg, seines Zeichens Kommandant der Seeverteidigung im Raum Bergen, sowie von Fregattenkapitän Heinrich Lehmann-Willenbrock, Chef der 11. U-Flottille. Und direkt dahinter Kapitän zur See Otto Götz, Offizier zur besonderen Verwendung im persönlichen Stab von Großadmiral Dönitz, extra mit einem Sonderflug noch in der Nacht aus Flensburg angereist, wie ich erst später erfuhr. Dieser Bürokrat vor dem Herren, dem ein Menschenleben nicht viel bedeutete, solange auf dem Papier nur seine Zahlen stimmten, war offenbar wie immer bestens unterrichtet und stand weiter in hohem Ansehen bei Oberkommando der Kriegsmarine und der Seekriegsleitung.
Doch immer wenn dieser Götz auftauchte, bedeutete dies unweigerlich Ärger.
Hastig und mit sichtlich aufgetragener guter Laune eilen die Offiziere an Bord, wo ich ihnen bereits, nachdem ich mich aus der Aufstellung meiner Männer gelöst habe entgegen trete, um sie, wie man es anstandsgemäß vom Kommandanten des Bootes erwartet in Empfang zu nehmen und sie an Bord zu bitten.
Nur schwer kommen mir freundliche Worte über die Lippen.
Erlaubnis an Bord zu kommen, Herr Kapitän, grinst mir Kapitän Schomburg als dienstältester der zusammengekommenen Offiziere mit aufgesetzter Freundlichkeit und Gelassenheit zu.
“Erlaubnis erteilt, Herr Kapitän!“
Na dann wollen wir mal schauen, dass die Herren von der Wochenschau und vom Propagandaministerium die Bilder kriegen, die sie wollen, bevor der Engländer zum nächsten Luftangriff ansetzt, schnaubt er anschließend, als er den ständig filmenden Kameras den Rücken zuwendet, um mir die Hand zu schütteln.
Man merkt dem Mann an, dass er hier schleunigst weg will und für dieses Theater wohl nicht recht viel mehr übrig hat, als ich selbst. Auch Fregattenkapitän Lehmann-Willenbrock, Chef der 11. U-Flottille schaut drein wie drei Tage Regenwetter. Einzig und allein Kapitän Götz schien gute Laune zu haben, als er mir in seiner so gespielt freundlichen und doch eiskalten Art, nach angedeutetem Hitlergruß die rechte Hand zur Begrüßung reicht. Eine einkalkulierte Provokation, um mich daran zu erinnern, wem noch immer seine Loyalität galt, falls ein Mann wie Otto Götz überhaupt jemand oder etwas anderem als sich selbst gegenüber loyal sein konnte.
Militärisch korrekt grüße ich kurzangebunden zurück.
Einer der Photographen der Wochenschau, die sich auf dem Kai vor dem Boot drängen schüttelt den Kopf. Die Einstellung war wohl nicht zu gebrauchen. Pech für ihn und das Propagandaministerium, denke ich bei mir, als ich seine Reaktion aus den Augenwinkeln heraus registriere.
Gefolgt von den drei Offizieren, wird jeder einzelne Mann an Bord von U-2503 von mir kurz vorgestellt und von den dreien mit Handschlag begrüßt und daheim willkommen geheißen. Hier und da richtet einer ein paar aufmunternde Worte des Lobes an einen der Männer, doch nur kurz und hastig wird das Prozedere heruntergespult.
Als letztem geht es mir noch einmal an den Kragen.
Eine vorbereitete Ansprache, die, das ist allen Anwesenden, die nicht blind und taub gleichermaßen durch das Leben wandern, einzig und allein für die Presse gedacht ist, bildet den Abschluss der grotesken Vorführung, an diesem Morgen. Bezeichnend dafür ist schon, dass ausgerechnet Kapitän Götz, in seiner Funktion als Offizier in Großadmiral Dönitz persönlichem Stab nun das Wort ergreift.
Es gibt nicht weniges, was mir in diesem Moment lieber gewesen wäre, doch ich lasse das Ganze möglichst ungerührt über mich ergehen.
Mein lieber Kapitän Paulsen. Es ist mir eine Ehre in Vertretung von Großadmiral Karl Dönitz, ihnen und natürlich auch ihrer tapferen Besatzung das höchste Lob und die besten Wünsche zu ihrer glücklichen und sicheren Heimkehr auszusprechen. Eine grandiose Leistung von ihnen und ihrer Mannschaft, zu der auch ich sie beglückwünschen möchte.
Die Versenkung des britischen Flugzeugträger HMS Pursuer zeigt und beweist auf eindrucksvolle Weise die ungebrochene Einsatzfähigkeit und Tödlichkeit der deutschen U-Bootwaffe. Mit neuen, leistungsfähigeren Booten und Torpedos, sowie ständig weiterentwickelter Technik in allen Bereichen der Seekriegsführung, wird dieser und werden noch nachfolgende Erfolge den Briten und den anderen Alliierten zeigen, dass man kein deutsches Schiff ungestraft versenken kann, ohne hundertfach dafür zu bezahlen.
Dieser Erfolg stellt den Beginn einer neuen Offensive zur See dar, welcher die Versorgungs- und Nachschubwege, der in Europa kämpfenden alliierten Truppen abschneiden und zum erliegen Bringen wird, bis ihr übereilter Vormarsch in sich zusammenbrechen wird.
Kapitän zur See Paulsen.
Das Deutsche Reich und das Deutsche Volk sind stolz auf sie und ihre Mannschaft.
Mit mehr Männern ihres Kalibers, werden wir den Alliierten zeigen, dass sie diesen Krieg noch lange nicht gewonnen haben, wie sie es in ihrer Propaganda so gerne behaupten.
So wie die Deutsche U-Bootwaffe weiterkämpft, so wird auch das Deutsche Reich weiterkämpfen…bis zum Endsieg.
Nach einer kurzen Kunstpause fährt er schließlich fort.
Wir brauchen mehr solche U-Bootkommandanten und Mannschaften, wie die Besatzung von U-2503 und Kapitän zur See Paulsen, dann werden die Briten, ihre Verbündeten und wie sie alle heißen schon bald wissen, was die Zeit geschlagen hat.
Aus diesem Grunde gebe ich hiermit, in Vertretung und auf Befehl von Großadmiral Dönitz, dem Oberkommandierenden der Deutschen Kriegsmarine die Beförderung von Leutnant Jörg Lange, Leitender Ingenieur auf U-2503, in den Rang eines Oberleutnants zur See bekannt.
Oberleutnant Lange wird mit sofortiger Wirkung das Kommando auf U-907 übernehmen.
Meinen Glückwunsch, Oberleutnant Lange!
Fortsetzung folgt…
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Sonic
Anmerkung: Noch eine Kleinigkeit zum Schmunzeln, warum wir gerade U-907 als Langes erstes und wohl auch letztes eigenes Kommando zum Abschluss unserer kleinen U-Bootgeschichte gewählt haben. Auch wenn es mit Leutnant…Verzeihung Oberleutnant Lange noch ein etwas anderes Ende nehmen sollte, als seinem historischen Vorbild 
Überdies noch unseren herzlichsten Dank für die zahlreichen Genesungswünsche. Am kommenden Montag steht der CT-Termin an, dann wissen wir mehr
Quelle: wikipediaMarineintern hatte das Boot den Spottnamen „Nazi-Boot“, weil der Kommandant einen sogar für die damalige Zeit übertriebenen und fanatischen Nationalsozialismus pflegte. Der SA-Mann und Träger des seltenen Tyr-Runen-Abzeichens rekrutierte nicht nur die Offiziere und die meisten der Unteroffiziere aus dem Kreis seiner ehemaligen Kameraden der Marine-SA, sondern wählte auch als Turmwappen die Tyr-Rune und das Hakenkreuz als Zeichen seiner Verbundenheit mit der SA und mit der NSDAP. Den höchsten Mannschaftsdienstgrad hatte der Obersteuermann Karl Jäckel inne. Gegenüber dem neuen Kommandanten Servais Cabolet, der ohne größere U-Boot-Erfahrung eingesetzt wurde, galt Karl Jäckel als sehr erfahren.
Die erste Feindfahrt absolvierte U-907 als Wetterschiff im Nordatlantik. Die zweite Feindfahrt vom 29. April 1945 bis zum 5. Mai 1945 wurde laut der offiziellen Version wegen Maschinenschadens abgebrochen und das Boot bis zum Kriegsende nicht mehr vor dem Feind eingesetzt. Neuere Erkenntnisse geben ein anderes Bild von den Gründen des Fahrtabbruchs. Demzufolge konnte der Kommandant Cabolet keine Versenkungserfolge aufweisen und kam, durch seinen Ehrgeiz angespornt, in den norwegischen Gewässern auf die Idee, kleine Fischereifahrzeuge zu versenken und diese dann als Feinderfolge nach Berlin zu melden. Dieses Vorhaben wurde jedoch vom Obersteuermann Jäckel verhindert. Cabolet empfand das als Sabotage und beschloss im Gegenzug, U-907 mitsamt der „meuternden“ Mannschaft zu versenken. Nur er und seine ihm persönlich verbundenen Offiziere sollten entkommen, aber auch in diesem Fall gelang es Jäckel, mit der Androhung von Waffengewalt, das Vorhaben zu vereiteln. Der Vorfall auf U-907 wurde vertuscht, um den Mythos der „heldenhaften“ U-Bootfahrer nicht zu beschädigen.
Überdies noch unseren herzlichsten Dank für die zahlreichen Genesungswünsche. Am kommenden Montag steht der CT-Termin an, dann wissen wir mehr
- L. de Medici
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Mitte April 1945 - Bergen/Norwegen
Gut Zwei Wochen sind inzwischen seit der glücklichen Rückkehr von U-2503, unter dem Kommando von Kapitän zur See Paulsen, von seiner letzten Feindfahrt, die beinahe, für Boot und Besatzung wirklich die allerletzte geworden wäre, vergangen.
Die Beförderung und Versetzung Oberleutnant Langes, ihres ehemaligen und langjährigen Leitenden Ingenieurs auf sein nun erstes eigenes Kommando, beherrscht noch immer die Gespräche der Männer unter Paulsens Kommando, sogar mehr als die sich in den letzten Tagen und Wochen immer weiter dramatisch zuspitzende Kriegslage daheim im fernen Deutschland, wo die Rote Armee sich anschickte, mit dem Sturm auf Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches, oder was davon nach gut fünfeinhalb Jahren totalen Krieges noch übrig war, einzukesseln.
Das Ende war gekommen. Kaum einer konnte jetzt noch die Augen davor verschließen, auch wenn offen kaum jemand darüber sprach, wusste es doch ein jeder. Nichts desto trotz ging das sinnlose Kämpfen und zehntausendfache Sterben weiter.
Auch hier in Bergen läuft die Kriegsmaschinerie trotz allem weiter.
Vor gut einer Woche wurde U-2503 endlich, mit reichlich Verspätung in den Bergener U-Bootbunker geschleppt. In Bunker “Bruno” gab es drei Trockendocks, in denen auch größere Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an den Booten durchgeführt werden konnten.
U-Bootbunker “Bruno” in Bergen


Rekonstruktion der inneren Aufteilung des Bunkers “Bruno”

Die Boxen A, B und C waren reine Nasszellen und zur Aufnahme von Booten, zum Schutz gegen alliierte Luftangriffe gedacht. Dagegen konnten die Boxen D, E und F zum Hafenbecken hin abgeschottet und so auch, bei Bedarf als Trockendock für aufwändigere Reparaturen verwendet werden. Die äußerst rechts gelegene Box G diente zur Betankung der auslaufbereiten Boote.
Ich kann es immer noch nicht glauben! Ausgerechnet Lange. Die Sache stinkt doch zum Himmel, regt sich Leutnant Schulze, auch Tage später noch immer über den Vorfall nach unserer Ankunft auf.
Oberleutnant Langes neues und erstes eigenes Boot. Als Kommandant, U-907 lag keine 50 Meter von unserer Position entfernt.
Während U-2503 für größere Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten im sicheren Bunker in einer der Trockenboxen aufgebockt lag, um auch an den sonst unter Wasser liegenden und damit unzugänglichen Stellen der Druckhülle Ausbesserungsarbeiten vornehmen zu können, hatte Langes U-907, ein mit Schnorchelsystem nachgerüstetes Boot vom Typ VII-C, außerhalb des Bunkers an einem der freien Anleger festgemacht, wo letzte Vorbereitungen für das Auslaufen getroffen werden konnten.
Seht ihn euch an, diesen aufgeblasenen, stocksteifen Fatzke. Wie er da oben steht auf dem Turm seines Bootes und seine Männer scheucht wie ein Schinder, murren auch andere Männer der Besatzung von U-2503, während sie mit ihrer Arbeit am Boot beschäftigt sind.
Nach Wegfall unseres LI’s hat Leutnant Weber, der I.WO die Aufsicht über die Reparaturen übernommen, auch wenn sein technisches Wissen natürlich bei Weitem nicht an die Fähigkeiten eines Lange heranreichte, was das technische Verständnis anbelangt.
Dennoch geben die Männer ihr bestes, um das Boot wieder flott zu kriegen.
Ja, stimmt ihnen Matrose Pronold zu und spuckt dabei verächtlich aus, als er Richtung U-907 und dem auf dem Turm wild gestikulierenden Oberleutnant Lange schielt.
Das erste was er gemacht hat, war sich eine neue Uniform zuzulegen. Pieckfein rausgeputzt könnte der glatt nem verdammten Admiral die Schau stehlen, der eitle Pau.
Die armen Schweine, die den jetzt als Kommandanten haben tun mir Leid. Ich erinnere mich noch an den ersten Abend nach unserem Einlaufen, als wir Abends unsere Rückkehr gefeiert haben. Da haben wir doch ein paar Mann von U-907 getroffen. Wie die sich gefreut hatten, einen erfahrenen Offizier aus Kapitän Paulsens Stall als neuen Alten zu kriegen. Hielten das doch gatt für ein gutes Omen, erinnert sich jetzt auch oberbootsmann Hinrichs, nachdem er die Schweißerbrille abgenommen hat und sich den Schweiß von der Stirn gewischt hat.
Denen ist das Lachen schnell vergangen, als sie am nächsten Tag gemerkt haben, was sie sich da für einen angelacht haben, gibt Pronold zurück.
Lange hat gleich am ersten Tag drei Mann wegen Verletzung von Dienstvorschriften in den Bau werfen lassen. Und das war erst der Anfang. Die waren mit ihrem Kahn noch kein einziges mal draußen und hassen den verfluchten Kerl schon jetzt, stimmt Hinrichs zu.
Es ist Leutnant Weber, der I.WO, welcher das Gespräch unter den Männern jäh beendet.
Meine Herren, Augen für andere Boote können wir haben, wenn unser eigener Kahn wieder Wasser unterm Kiel hat und wir nicht wie eine Flunder bei Ebbe auf dem Trockenen hocken. Zurück an die Arbeit!
Doch auch Leutnant Weber sieht es nicht anders als der Rest der Mannschaft von U-2503.
Wie konnte es nur sein, dass ausgerechnet Lange dieses Kommando bekommen hat.
Mit eiligen Schritten bringt der I.WO seinen Inspektionsrundgang zu Ende. Erteilt hier und da bei einigen Reparaturtrupps ein paar Anweisungen oder Ratschläge.
Als er sich davon überzeugt hat, dass die Arbeiten gut vorangehen, hat er es eilig zu seinem alten Freund und Kommandanten, Kapitän Paulsen zurückzukehren. Er wollte Antworten!
Während im Trockendock des Bunkers die Reparaturarbeiten unter Leutnant Webers Aufsicht vorangingen, hatte ich derweil andere Sorgen.
Nach dem überraschenden Wegfall Leutnant...nein...jetzt Oberleutnant Langes, fehlte uns ein Leitender Ingenieur. Bislang war uns noch niemand als Ersatz zugeteilt worden. Aber das wunderte mich nicht. Die Situation hier in Bergen war...angespannt und verworren, um es vorsichtig auszudrücken. Niemand wusste so recht, wie es weitergehen sollte. Unsicherheit und Zweifel aller Orten. Befehle wurden gegeben, nur um plötzlich doch wieder widerrufen zu werden. Diese Unsicherheit und teilweise Führungslosigkeit verschlechterte die Stimmung an Land, wie auf den festsitzenden Booten und Schiffen im Hafen von Bergen nur noch weiter.
”Es ist am Besten, wenn wir das tun, was wir immer getan haben und womit wir bislang auch gut gefahren sind.”
Also verlassen wir uns erstmal nur auf uns selbst, und lassen die hohen Herren eben vor sich hinwurschteln, stellt Leutnant Schulze, der II.WO fest, während wir gemeinsam nebeneinander vom Büro des Hafenkommandanten zurück Richtung U-Bootbunker und U-2503 marschieren.
Auch in Hafenkommandantur konnte ich unterdessen nichts ausrichten, um eine Antwort auf meine Anfragen zu bekommen.
Ersatzteile, Brennstoff, Proviant und nicht zuletzt ein Ersatzmann für den LI.
Immer die gleichen negativen Antworten. Es war zum Haare raufen.
”Also, wenn die uns keinen Ersatzmann zuteilen können oder wollen, müssen wir uns selber helfen. Oberbootsmann Daecher ist nach Lange derjenige, der sich wohl am Besten mit der Technik und der Maschinenanlage an Bord auskennt. Er wird die Aufgaben des LI übernehmen, wenn es sein muss!”
Deacher ist kein Offizier, grinst Leutnant Schulze, während wir weiter Richtung Bunker marschieren, vorbei an auf Grund gesetzten und teilweise ausgebombten Wracks und Gebäuderuinen früherer Luftangriffe.
”Hätte nicht gedacht, dass sie das stört, versuche ich Schulze nun selbst auf den Arm zu nehmen.”
Sie kennen mich Herr Kapitän, grinst Leutnant Schulze nur freudig und mit sichtlich guter Laune zurück.
Als wir gerade einen Seiteneingang des Bunkers erreichen kommt uns bereits Leutnant Weber mit energischen Schritten entgegen.
”Na I.WO...was machen die Reparaturen?”
Irgendwie flicken wir die Büchse schon zusammen. Oberbootsmann Deacher ist eine große Hilfe. Da kann man gegen Lange sagen was man will, aber dem Jungen hat er was beigebracht, sprudelt Leutnant Weber heraus und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Leutnant Schulze und meine Wenigkeit können uns bei diesem Kommentar ein sichtliches Grinsen nicht verkneifen. Offenbar hatten wir eines der Probleme schon gelöst. Zwar nicht unbedingt auf dem Dienstweg oder den Vorschriften entsprechend, aber gerade heute interessierte das an Bord von U-2503 nicht wirklich jemanden.
Ich muss mit dir reden, Willhelm, flüstert Leutnant Weber, mein I.WO und alter Freund schließlich verschwörerisch zu, während Schulze gekonnt die Ohren spitzt.
Ebenfalls im vertraulichen Ton gehe ich darauf ein.
”Was ist los Manfred? Schlechte Nachrichten von deiner Anna und dem Kleinen?”
Schnell schüttelt mein alter Freund den Kopf.
Lange! Warum er? Warum jetzt?
Daher wehte also der Wind.
”Keine Sorge alter Freund! Das riecht nach diesem verfluchten Kapitän Götz oder ich weiß nicht mehr wo Steuerbord und wo Backbord ist. Der verdammte Bürokrat scheint einen Narren an uns gefressen zu haben.”
An ihnen, Herr Kapitän, korrigiert Leutnant Schulze, der alles mithört süffisant und hat damit recht.
Langsam schweifen meine Gedanken ab, während Leutnant Schulze und Leutnant Weber weiterdiskutieren...
Lange ist ungeeignet für ein Kommando und das weiß Götz genau. Er hat Einsicht in alle notwendigen Personalakten und Berichte. Lange ist ein guter Offizier und ein begnadeter Ingenieur, aber er braucht Führung. Er ist noch ein junger Mann, voll von Zorn und dem Ehrgeiz zerfressen, sich und seine Fähigkeiten beweisen zu müssen, rennt er blind und fanatisch einer falschen Ideologie nach.
Lange kennt kein Maß. Sein Ego ist so weit wie der Atlantik. In seinem wahnhaften Ehrgeiz ist er fähig dazu sein Boot und seine Mannschaft von einer tollkühnen, ja selbstmörderischen Aktion in die nächste zu hetzen, bis ihn das Glück verlässt und er sich und seiner Mannschaft ein nasses Grab bescheren wird.
Nein...ein verantwortungsvoller Mann hätte Lange in seiner momentanen Verfassung nie ein eigenes Boot anvertrauen dürfen, ganz gleich wie schlecht die Kriegslage auch sein mag.
Und so drehen sich meine Gedanken weiter.
Wandern von unserem ehemaligen LI weiter zu Leutnant Schulze, dem II.WO.
Ein guter Mann, ein Glücksgriff für jeden Kommandanten und jede U-Bootbesatzung.
Gerade in der Enge eines U-Bootes, wenn Dutzende von Männern über Wochen auf engstem Raum, unter schlechtesten Lebensbedingungen und unter ständiger Anspannung zusammengepfercht sind, nicht wissend, ob der nächste Tag vielleicht der letzte sein wird, ist die offene, ständig gut gelaunte und zu Scherzen aufgelegte Art eines Schulzes die beste Medizin, um die Moral der Mannschaft zu erhalten.
Doch wäre Schulze ein guter Kommandant?
Seine Männer würden ihn lieben, ohne Zweifel. Doch reicht das allein?
Auf See, erst Recht an Bord eines U-Bootes ist Disziplin und Gehorsam überlebenswichtig.
Befehle müssen ungefragt und verlässlich ausgeführt werden. Schulzes Umgang mit der Besatzung ist eng und herzlich, für einen Kommandanten aber wohl zu eng verbunden.
Er müsste lernen, zur rechten Zeit auch die nötige Distanz zu wahren, um auch schnell und beherzt unbeliebte, aber überlebenswichtige Entscheidungen zu treffen und Befehle zu geben.
Leutnant Schulzes lockere und lässige Art könnte sich sonst als ebenso gefährlich für die ihm unterstellten Männer erweisen, als Langes selbstzerstörerischer Ehrgeiz und blindes Pflichtbewußtsein.
So grotesk es klingen mag, aber eine Mischung aus Langes “Pflichtbewußtsein” und Schulzes “Menschlichkeit” wäre die ideale Ergänzung. Doch beide Männer sind wie sie sind. Ein jeder für sich. Zusammen in einer Mannschaft ergänzen sie sich. Die Stärken des einen, füllen die Schwächen des jeweils anderen zu einem funktionierenden Ganzen.
Und zuletzt mein guter, alter Freund...Leutnant Manfred Weber.
Schon seit unserer Jugendzeit kennen und schätzen wir uns. Gemeinsamen gingen wir auf die Marineschule in Flensburg-Mürwick und machten unser Offizierspatent, bis uns das Schicksal schließlich als Kapitän und I.WO, zu Beginn dieses Krieges, vor nun gut fünfeinhalb Jahren wieder an Bord von U-51 zusammenbrachte.
Auf insgesamt vier Booten dienten wir in dieser Zeit gemeinsam. Kaum einen Menschen kenne und kannte ich besser in meinem Leben.
Doch wäre er als Kommandant geeignet?
Manfred war ein ausgezeichneter Seemann, daran bestand kein Zweifel. Fast sechs Jahre Fronteinsatz auf einem U-boot hatten ihn, wie auch fast alle anderen Männer an Bord von U-2503 zu erfahrenen U-Bootsmännern gemacht.
Er kannte die Notwendigkeit von Disziplin und unbedingtem Gehorsam auf einem U-Boot und war doch ein Mensch geblieben, dem die Männer unter seinem Kommando am Herzen lagen.
Wenn man mich im Vorfeld gefragt hätte, welchen meiner Offiziere ich am ehesten ein Kommando anvertrauen würde, hätte ich mich wohl für Leutnant Weber entschieden. Nicht aus freundschaftlicher Verbundenheit, sondern wohl überlegt. Er würde alles dafür tun, seine Männer sicher nach Hause zu bringen, manchmal sogar zu viel.
Manfred ist vorsichtig, manchmal übervorsicht. Manch einer würde sagen ein Zauderer.
In den Augen des BdU wäre er wohl eine schlechte Wahl. Zu zaghaft, zu vorsichtig, zu wenig risikobereit. Ein Kommandant, der Erfolge will, muss hier und da auch ein Risiko in Kauf nehmen.
Für seine Männer wäre er dagegen wohl ein Segen, hätten sie mit ihm wohl noch die besten Chancen heil nach Hause zu kommen und diesen Krieg zu überleben.
Und genau das ist es, was letztlich zählt. Noch vor ein paar Jahren, zu Beginn des Krieges, hätte ich wohl anders gedacht, doch auch ich habe meine Lehren gezogen.
Meine inneren Dämonen, die mich in jeder Nacht heimsuchen und mir den Schlaf rauben und deren verzerrte Fratzen ich oftmals nur noch durch den Alkohol zumindest zeitweise vertreiben kann, haben mich diese bittere und teuer erkaufte Erfahrung gelehrt.
Ein plötzliches, markerschütterndes Geräusch von Sirenen und wildem Geschrei reißt mich schlagartig aus meinen Gedanken. Auf dem gesamten Hafengelände herrscht mit einem Schlag Chaos. Menschen beginnen plötzlich loszurennen. Hier und dort werden Befehle gebrüllt.
FLIEGERALARM!!!
Willhelm...schnell wir müssen weg, brüllt mir Leutnant Weber ins Ohr und zerrt an meinem Arm. Das ist heute mal kein Fehlalarm, wie die letzten Tage.
”WIR MÜSSEN ZUM BOOT! IN DEN BUNKER...LOS SCHNELL!”
Fortsetzung folgt...
Gut Zwei Wochen sind inzwischen seit der glücklichen Rückkehr von U-2503, unter dem Kommando von Kapitän zur See Paulsen, von seiner letzten Feindfahrt, die beinahe, für Boot und Besatzung wirklich die allerletzte geworden wäre, vergangen.
Die Beförderung und Versetzung Oberleutnant Langes, ihres ehemaligen und langjährigen Leitenden Ingenieurs auf sein nun erstes eigenes Kommando, beherrscht noch immer die Gespräche der Männer unter Paulsens Kommando, sogar mehr als die sich in den letzten Tagen und Wochen immer weiter dramatisch zuspitzende Kriegslage daheim im fernen Deutschland, wo die Rote Armee sich anschickte, mit dem Sturm auf Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches, oder was davon nach gut fünfeinhalb Jahren totalen Krieges noch übrig war, einzukesseln.
Das Ende war gekommen. Kaum einer konnte jetzt noch die Augen davor verschließen, auch wenn offen kaum jemand darüber sprach, wusste es doch ein jeder. Nichts desto trotz ging das sinnlose Kämpfen und zehntausendfache Sterben weiter.
Auch hier in Bergen läuft die Kriegsmaschinerie trotz allem weiter.
Vor gut einer Woche wurde U-2503 endlich, mit reichlich Verspätung in den Bergener U-Bootbunker geschleppt. In Bunker “Bruno” gab es drei Trockendocks, in denen auch größere Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an den Booten durchgeführt werden konnten.
U-Bootbunker “Bruno” in Bergen


Rekonstruktion der inneren Aufteilung des Bunkers “Bruno”

Die Boxen A, B und C waren reine Nasszellen und zur Aufnahme von Booten, zum Schutz gegen alliierte Luftangriffe gedacht. Dagegen konnten die Boxen D, E und F zum Hafenbecken hin abgeschottet und so auch, bei Bedarf als Trockendock für aufwändigere Reparaturen verwendet werden. Die äußerst rechts gelegene Box G diente zur Betankung der auslaufbereiten Boote.
Ich kann es immer noch nicht glauben! Ausgerechnet Lange. Die Sache stinkt doch zum Himmel, regt sich Leutnant Schulze, auch Tage später noch immer über den Vorfall nach unserer Ankunft auf.
Oberleutnant Langes neues und erstes eigenes Boot. Als Kommandant, U-907 lag keine 50 Meter von unserer Position entfernt.
Während U-2503 für größere Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten im sicheren Bunker in einer der Trockenboxen aufgebockt lag, um auch an den sonst unter Wasser liegenden und damit unzugänglichen Stellen der Druckhülle Ausbesserungsarbeiten vornehmen zu können, hatte Langes U-907, ein mit Schnorchelsystem nachgerüstetes Boot vom Typ VII-C, außerhalb des Bunkers an einem der freien Anleger festgemacht, wo letzte Vorbereitungen für das Auslaufen getroffen werden konnten.
Seht ihn euch an, diesen aufgeblasenen, stocksteifen Fatzke. Wie er da oben steht auf dem Turm seines Bootes und seine Männer scheucht wie ein Schinder, murren auch andere Männer der Besatzung von U-2503, während sie mit ihrer Arbeit am Boot beschäftigt sind.
Nach Wegfall unseres LI’s hat Leutnant Weber, der I.WO die Aufsicht über die Reparaturen übernommen, auch wenn sein technisches Wissen natürlich bei Weitem nicht an die Fähigkeiten eines Lange heranreichte, was das technische Verständnis anbelangt.
Dennoch geben die Männer ihr bestes, um das Boot wieder flott zu kriegen.
Ja, stimmt ihnen Matrose Pronold zu und spuckt dabei verächtlich aus, als er Richtung U-907 und dem auf dem Turm wild gestikulierenden Oberleutnant Lange schielt.
Das erste was er gemacht hat, war sich eine neue Uniform zuzulegen. Pieckfein rausgeputzt könnte der glatt nem verdammten Admiral die Schau stehlen, der eitle Pau.
Die armen Schweine, die den jetzt als Kommandanten haben tun mir Leid. Ich erinnere mich noch an den ersten Abend nach unserem Einlaufen, als wir Abends unsere Rückkehr gefeiert haben. Da haben wir doch ein paar Mann von U-907 getroffen. Wie die sich gefreut hatten, einen erfahrenen Offizier aus Kapitän Paulsens Stall als neuen Alten zu kriegen. Hielten das doch gatt für ein gutes Omen, erinnert sich jetzt auch oberbootsmann Hinrichs, nachdem er die Schweißerbrille abgenommen hat und sich den Schweiß von der Stirn gewischt hat.
Denen ist das Lachen schnell vergangen, als sie am nächsten Tag gemerkt haben, was sie sich da für einen angelacht haben, gibt Pronold zurück.
Lange hat gleich am ersten Tag drei Mann wegen Verletzung von Dienstvorschriften in den Bau werfen lassen. Und das war erst der Anfang. Die waren mit ihrem Kahn noch kein einziges mal draußen und hassen den verfluchten Kerl schon jetzt, stimmt Hinrichs zu.
Es ist Leutnant Weber, der I.WO, welcher das Gespräch unter den Männern jäh beendet.
Meine Herren, Augen für andere Boote können wir haben, wenn unser eigener Kahn wieder Wasser unterm Kiel hat und wir nicht wie eine Flunder bei Ebbe auf dem Trockenen hocken. Zurück an die Arbeit!
Doch auch Leutnant Weber sieht es nicht anders als der Rest der Mannschaft von U-2503.
Wie konnte es nur sein, dass ausgerechnet Lange dieses Kommando bekommen hat.
Mit eiligen Schritten bringt der I.WO seinen Inspektionsrundgang zu Ende. Erteilt hier und da bei einigen Reparaturtrupps ein paar Anweisungen oder Ratschläge.
Als er sich davon überzeugt hat, dass die Arbeiten gut vorangehen, hat er es eilig zu seinem alten Freund und Kommandanten, Kapitän Paulsen zurückzukehren. Er wollte Antworten!
Während im Trockendock des Bunkers die Reparaturarbeiten unter Leutnant Webers Aufsicht vorangingen, hatte ich derweil andere Sorgen.
Nach dem überraschenden Wegfall Leutnant...nein...jetzt Oberleutnant Langes, fehlte uns ein Leitender Ingenieur. Bislang war uns noch niemand als Ersatz zugeteilt worden. Aber das wunderte mich nicht. Die Situation hier in Bergen war...angespannt und verworren, um es vorsichtig auszudrücken. Niemand wusste so recht, wie es weitergehen sollte. Unsicherheit und Zweifel aller Orten. Befehle wurden gegeben, nur um plötzlich doch wieder widerrufen zu werden. Diese Unsicherheit und teilweise Führungslosigkeit verschlechterte die Stimmung an Land, wie auf den festsitzenden Booten und Schiffen im Hafen von Bergen nur noch weiter.
”Es ist am Besten, wenn wir das tun, was wir immer getan haben und womit wir bislang auch gut gefahren sind.”
Also verlassen wir uns erstmal nur auf uns selbst, und lassen die hohen Herren eben vor sich hinwurschteln, stellt Leutnant Schulze, der II.WO fest, während wir gemeinsam nebeneinander vom Büro des Hafenkommandanten zurück Richtung U-Bootbunker und U-2503 marschieren.
Auch in Hafenkommandantur konnte ich unterdessen nichts ausrichten, um eine Antwort auf meine Anfragen zu bekommen.
Ersatzteile, Brennstoff, Proviant und nicht zuletzt ein Ersatzmann für den LI.
Immer die gleichen negativen Antworten. Es war zum Haare raufen.
”Also, wenn die uns keinen Ersatzmann zuteilen können oder wollen, müssen wir uns selber helfen. Oberbootsmann Daecher ist nach Lange derjenige, der sich wohl am Besten mit der Technik und der Maschinenanlage an Bord auskennt. Er wird die Aufgaben des LI übernehmen, wenn es sein muss!”
Deacher ist kein Offizier, grinst Leutnant Schulze, während wir weiter Richtung Bunker marschieren, vorbei an auf Grund gesetzten und teilweise ausgebombten Wracks und Gebäuderuinen früherer Luftangriffe.
”Hätte nicht gedacht, dass sie das stört, versuche ich Schulze nun selbst auf den Arm zu nehmen.”
Sie kennen mich Herr Kapitän, grinst Leutnant Schulze nur freudig und mit sichtlich guter Laune zurück.
Als wir gerade einen Seiteneingang des Bunkers erreichen kommt uns bereits Leutnant Weber mit energischen Schritten entgegen.
”Na I.WO...was machen die Reparaturen?”
Irgendwie flicken wir die Büchse schon zusammen. Oberbootsmann Deacher ist eine große Hilfe. Da kann man gegen Lange sagen was man will, aber dem Jungen hat er was beigebracht, sprudelt Leutnant Weber heraus und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Leutnant Schulze und meine Wenigkeit können uns bei diesem Kommentar ein sichtliches Grinsen nicht verkneifen. Offenbar hatten wir eines der Probleme schon gelöst. Zwar nicht unbedingt auf dem Dienstweg oder den Vorschriften entsprechend, aber gerade heute interessierte das an Bord von U-2503 nicht wirklich jemanden.
Ich muss mit dir reden, Willhelm, flüstert Leutnant Weber, mein I.WO und alter Freund schließlich verschwörerisch zu, während Schulze gekonnt die Ohren spitzt.
Ebenfalls im vertraulichen Ton gehe ich darauf ein.
”Was ist los Manfred? Schlechte Nachrichten von deiner Anna und dem Kleinen?”
Schnell schüttelt mein alter Freund den Kopf.
Lange! Warum er? Warum jetzt?
Daher wehte also der Wind.
”Keine Sorge alter Freund! Das riecht nach diesem verfluchten Kapitän Götz oder ich weiß nicht mehr wo Steuerbord und wo Backbord ist. Der verdammte Bürokrat scheint einen Narren an uns gefressen zu haben.”
An ihnen, Herr Kapitän, korrigiert Leutnant Schulze, der alles mithört süffisant und hat damit recht.
Langsam schweifen meine Gedanken ab, während Leutnant Schulze und Leutnant Weber weiterdiskutieren...
Lange ist ungeeignet für ein Kommando und das weiß Götz genau. Er hat Einsicht in alle notwendigen Personalakten und Berichte. Lange ist ein guter Offizier und ein begnadeter Ingenieur, aber er braucht Führung. Er ist noch ein junger Mann, voll von Zorn und dem Ehrgeiz zerfressen, sich und seine Fähigkeiten beweisen zu müssen, rennt er blind und fanatisch einer falschen Ideologie nach.
Lange kennt kein Maß. Sein Ego ist so weit wie der Atlantik. In seinem wahnhaften Ehrgeiz ist er fähig dazu sein Boot und seine Mannschaft von einer tollkühnen, ja selbstmörderischen Aktion in die nächste zu hetzen, bis ihn das Glück verlässt und er sich und seiner Mannschaft ein nasses Grab bescheren wird.
Nein...ein verantwortungsvoller Mann hätte Lange in seiner momentanen Verfassung nie ein eigenes Boot anvertrauen dürfen, ganz gleich wie schlecht die Kriegslage auch sein mag.
Und so drehen sich meine Gedanken weiter.
Wandern von unserem ehemaligen LI weiter zu Leutnant Schulze, dem II.WO.
Ein guter Mann, ein Glücksgriff für jeden Kommandanten und jede U-Bootbesatzung.
Gerade in der Enge eines U-Bootes, wenn Dutzende von Männern über Wochen auf engstem Raum, unter schlechtesten Lebensbedingungen und unter ständiger Anspannung zusammengepfercht sind, nicht wissend, ob der nächste Tag vielleicht der letzte sein wird, ist die offene, ständig gut gelaunte und zu Scherzen aufgelegte Art eines Schulzes die beste Medizin, um die Moral der Mannschaft zu erhalten.
Doch wäre Schulze ein guter Kommandant?
Seine Männer würden ihn lieben, ohne Zweifel. Doch reicht das allein?
Auf See, erst Recht an Bord eines U-Bootes ist Disziplin und Gehorsam überlebenswichtig.
Befehle müssen ungefragt und verlässlich ausgeführt werden. Schulzes Umgang mit der Besatzung ist eng und herzlich, für einen Kommandanten aber wohl zu eng verbunden.
Er müsste lernen, zur rechten Zeit auch die nötige Distanz zu wahren, um auch schnell und beherzt unbeliebte, aber überlebenswichtige Entscheidungen zu treffen und Befehle zu geben.
Leutnant Schulzes lockere und lässige Art könnte sich sonst als ebenso gefährlich für die ihm unterstellten Männer erweisen, als Langes selbstzerstörerischer Ehrgeiz und blindes Pflichtbewußtsein.
So grotesk es klingen mag, aber eine Mischung aus Langes “Pflichtbewußtsein” und Schulzes “Menschlichkeit” wäre die ideale Ergänzung. Doch beide Männer sind wie sie sind. Ein jeder für sich. Zusammen in einer Mannschaft ergänzen sie sich. Die Stärken des einen, füllen die Schwächen des jeweils anderen zu einem funktionierenden Ganzen.
Und zuletzt mein guter, alter Freund...Leutnant Manfred Weber.
Schon seit unserer Jugendzeit kennen und schätzen wir uns. Gemeinsamen gingen wir auf die Marineschule in Flensburg-Mürwick und machten unser Offizierspatent, bis uns das Schicksal schließlich als Kapitän und I.WO, zu Beginn dieses Krieges, vor nun gut fünfeinhalb Jahren wieder an Bord von U-51 zusammenbrachte.
Auf insgesamt vier Booten dienten wir in dieser Zeit gemeinsam. Kaum einen Menschen kenne und kannte ich besser in meinem Leben.
Doch wäre er als Kommandant geeignet?
Manfred war ein ausgezeichneter Seemann, daran bestand kein Zweifel. Fast sechs Jahre Fronteinsatz auf einem U-boot hatten ihn, wie auch fast alle anderen Männer an Bord von U-2503 zu erfahrenen U-Bootsmännern gemacht.
Er kannte die Notwendigkeit von Disziplin und unbedingtem Gehorsam auf einem U-Boot und war doch ein Mensch geblieben, dem die Männer unter seinem Kommando am Herzen lagen.
Wenn man mich im Vorfeld gefragt hätte, welchen meiner Offiziere ich am ehesten ein Kommando anvertrauen würde, hätte ich mich wohl für Leutnant Weber entschieden. Nicht aus freundschaftlicher Verbundenheit, sondern wohl überlegt. Er würde alles dafür tun, seine Männer sicher nach Hause zu bringen, manchmal sogar zu viel.
Manfred ist vorsichtig, manchmal übervorsicht. Manch einer würde sagen ein Zauderer.
In den Augen des BdU wäre er wohl eine schlechte Wahl. Zu zaghaft, zu vorsichtig, zu wenig risikobereit. Ein Kommandant, der Erfolge will, muss hier und da auch ein Risiko in Kauf nehmen.
Für seine Männer wäre er dagegen wohl ein Segen, hätten sie mit ihm wohl noch die besten Chancen heil nach Hause zu kommen und diesen Krieg zu überleben.
Und genau das ist es, was letztlich zählt. Noch vor ein paar Jahren, zu Beginn des Krieges, hätte ich wohl anders gedacht, doch auch ich habe meine Lehren gezogen.
Meine inneren Dämonen, die mich in jeder Nacht heimsuchen und mir den Schlaf rauben und deren verzerrte Fratzen ich oftmals nur noch durch den Alkohol zumindest zeitweise vertreiben kann, haben mich diese bittere und teuer erkaufte Erfahrung gelehrt.
Ein plötzliches, markerschütterndes Geräusch von Sirenen und wildem Geschrei reißt mich schlagartig aus meinen Gedanken. Auf dem gesamten Hafengelände herrscht mit einem Schlag Chaos. Menschen beginnen plötzlich loszurennen. Hier und dort werden Befehle gebrüllt.
FLIEGERALARM!!!
Willhelm...schnell wir müssen weg, brüllt mir Leutnant Weber ins Ohr und zerrt an meinem Arm. Das ist heute mal kein Fehlalarm, wie die letzten Tage.
”WIR MÜSSEN ZUM BOOT! IN DEN BUNKER...LOS SCHNELL!”
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Hoffentlich hält der Bunker stand, es gab ja damals bunkerbrechende Luftminen...auf ein neues werter Paulsen...äh...Sonic...
herzliche grüsse
Hohenlohe,der eifrig mitliest...
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In memoriam Stauffenberg, jota und CJ...
YouTube - St. Michael, the Archangel
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- Stupor Mundi
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Sonic
Wie Sturmgeheul brandeten nun über dem gesamten Hafengelände und der dahinter liegenden Stadt, welche schon durch vorhergehende, zum Teil massive Luftangriffe schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, die Sirenen auf und übertönten zeitweise alles und jeden.
LUFTALARM!!!
Mit hastigen Schritten, hechten Leutnant Weber, Leutnant Schulze und ihr Kommandant zurück Richtung U-Bootbunker und einen der seitlichen Molenzugänge. Der massive Stahlbetonbunker mit seinen bis zu sechs Metern starken Mauern und Decken war schon früher Ziel massiver alliierter Luftangriffe gewesen.
Anmerkung:
Bereits am 4. Oktober 1944 flogen 130 Bomber der Royal Air Force einen verheerenden Angriff auf den deutschbesetzten Hafen. Ihr Hauptziel, die deutschen U-Boote und der z.T. noch in Bau befindliche U-Bootbunker. Bergen wurde durch diesen großangelegten Bombenangriff schwer in Mitleidenschaft gezogen, doch der Bunker hielt stand.
Nur wenige Wochen später, am 29. Oktober vermochte auch ein zweiter Angriff mit nun 250 Maschinen nicht, das Stahlbetonmonster ernsthaft zu beschädigen.
Am 12. Januar 1945 schließlich, setzte die RAF erstmals ihre neuen, bunkerbrechenden Tallboy-Bomben ein, welche zwei Monate zuvor schon das letzte intakte deutsche Schlachtschiff, die Tirpitz im norwegischen Kafjord erfolgreich versenkt hatten. 32 britische Bomber warfen ihre 12.000 Pfund schweren Bomben über dem Bunker ab. Doch auch diese massive Sprengkraft konnte keine entscheidenden Schäden verursachen. Bunker „Bruno“ blieb intakt.
Der Bunkereingang ist nur noch etwas mehr als einhundert Meter entfernt. Ein eilig heranbrausender Wehrmachts-LKW braust wild hupend, so dicht an uns vorbei, dass wir ihn fast mit unseren Nasenspitzen berühren. Ärgerlich schluckt Leutnant Schulze, der II.WO einen unchristlichen Fluch herunter und unsere Dreiergruppe hastet weiter.
Noch fünfzig Meter…fast da, als eine Gruppe Marineinfanteristen, in ihren blauen Drillichen und mit Karabinern in der Hand, gehetzt von einem Bootsmann unseren Weg queren.
IN DIE GRÄBEN UND KÖPFE RUNTER BIS ICH WAS ANDERES SAGE, brüllt der Bootsmann den überwiegend jugendlich wirkenden Männern, etwa ein gutes Dutzend Mann zu, die prompt in die ausgelassenen Splitterschutzgräben jenseits der Mole hechten und wie befohlen die Köpfe einziehen.
Ein paar Meter weiter, notdürftig hinter einer Sandsackbarrikade geschützt, hantieren zwei Soldaten eilig an einem leichten MG herum und versuchen es einsatzbereit zu bekommen. Wütend hämmert einer der beiden, mit bloßer Faust auf den Verschlussmechanismus ein…Ladehemmung, spukt es mir durch den Kopf.
Noch zwanzig Meter…nur noch ein Stück.
Am Bunkereingang steht bereits Oberbootsmann Hinrichs und versucht verzweifelt winkend, unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Nicht einfach in dem Chaos und Gewirr von Menschen, die gerade durch den Hafen eilen. Die einen auf der Suche nach Deckung, die anderen unterwegs mit Befehlen und wieder andere einfach nur kopflos auf der Flucht.
HIER HER! HERR KAPITÄN! HIER RÜBER…SCHNELL! SIE KOMMEN VON NORDEN REIN!
Nur scheinbare Augenblicke später, verscheucht das sonore Brummen von Dutzenden von Flugzeugmotoren das bislang alles übertönende Geräusch der Luftalarmsirenen.
Mit einem Schlag beginnt die Hölle.
Eine Gruppe von britischen Jagdmaschinen saust im Tiefflug quer zum Hafenbecken heran.
An den Tragflächen blitzt Mündungsfeuer auf. MG-Feuer durchpflügt den Hafen und die Kaianlagen.
“ALLE RUNTER!“
Eine MG-Salve fegt nur etwa einen Meter vor uns quer über den Kai.
Mit einem Satz hebt es unsere Dreiergruppe fast gleichzeitig von den Beinen, als wir der Länge nach hart hinschlagen und im Dreck der Mole landen. Leutnant Weber stöhnt laut auf, als er den Sturz mit seiner Nase abzufangen versucht. Auch bei mir knacken die nicht mehr ganz jugendlichen Knochen hörbar und ein tiefer, stechender Schmerz zieht mir in die Glieder. Das Handgelenk ist aufgeschürft auf dem harten, schmutzigen Pflasterboden der Mole. Zwei Matrosen, wie wir auf dem Weg Richtung Bunker, haben weniger Glück.
Der Feuerstoß hat sie voll erwischt. Wie ein Sack Kartoffeln sacken die beiden blutüberströmt, nur zwei Mannslängen von uns entfernt, in sich zusammen. Kein Zucken, kein Aufbäumen…einfach Tot.
“AUF DIE BEINE!!! NOCH EIN PAAR METER! LOS JETZT!“
Wankend kommen wir drei wieder hoch.
Der Schmerz in den Gliedern ist wie weggeblasen. Adrenalin pur schießt durch unsere Venen und lässt den Schmerz vergessen. Gemeinsam wuchten Schulze und ich, den vom Sturz noch etwas benommenen Leutnant Weber wieder hoch und nehmen ihn, links und rechts unter die Schulter gehakt in die Mitte. Als wir nassgeschwitzt und verdreckt den Bunker erreichen, schlagen auf der anderen Seite des Hafenbeckens bereits die ersten Bomben ein.
“II.WO…wir müssen zum Boot. Hinrichs…hier kümmern sie sich um Leutnant Weber. Er hat was am Kopf abbekommen!“
Mit schmerzverzerrtem Gesicht und deutlich unsicherer und undeutlicher Sprechweise versucht mein alter Freund Widerspruch einzulegen und sich alleine hochzurappeln.
Es…es geht schon, Willhelm…mir fehlt nichts…ich kann…
“HALT DIE SCHNAUZE MANFRED UND SETZ DICH HIN! Hinrichs passt auf dich auf!“
Ein kurzes Nicken zu Oberbootsmann Hinrichs und noch ein letzter strenger Blick auf meinen alten Freund, der nun doch seinen Widerstand aufgibt, als ihm plötzlich die Beine schwer werden und er taumelnd wieder auf dem Hintern landet und schon eile ich mit Leutnant Schulze im Schlepp einmal quer durch den Bunker zum Liegeplatz unseres Bootes, U-2503.
Drei Boxen, eine, leer, zwei besetzt mit Booten müssen wir durchqueren.
Während über uns und um uns herum die Bomben einschlagen und der ganze Hafenbezirk von Explosionen erschüttert wird, herrscht auch im vermeintlich sicheren Bunker Chaos.
Männer rennen wild durcheinander, Befehle werden gebrüllt.
Auf einmal übertönt eine dumpf grollende, aber unbeschreiblich laute Explosion für einen Augenblick alles. Die Innenbeleuchtung flackert, setzt kurz aus, bis die Notstromdiesel anspringen. Von der Stahlbetondecke bröckelt Putz. Faustgroße und größere Betonbrocken krachen aus zehn Metern Höhe auf die Laufstege und in eine der wassergefüllten Liegeboxen.
Das Heck eines Typ IX Bootes wird unter dem herabstürzenden Schutt begraben. Ein paar Männer retten sich mit einem waghalsigen Sprung ins Wasser vor dem Erschlagenwerden. Doch nicht alle haben Glück.
Vor unseren Augen wird einem Maat der Schädel zertrümmert.
Einen Augenblick lang röchelt er noch und krümmt sich vor Schmerz am Boden. Aus der offenen Schädeldecke schießt kurz ein Schwall von Blut, nur um überraschend schnell zu versiegen. Dann ein letztes Zucken und es ist vorbei.
SANNI…SANITÄTER!!!
Wir können uns nicht aufhalten lassen.
Wir müssen weiter. U-2503 liegt eine Box weiter in einem der Trockendocks.
Wie mag hier die Lage sein?
Als wir um die Ecke biegen, steht das Boot noch in voller Pracht und Größe.
Steuerbord, am Achterschiff klafft ein vier mal zwei Meter großes Leck in der Druckhülle.
Doch keine Gefahr, das war schon vorher so. Als Teil der Reparaturarbeiten, um die erlittenen Schäden am Druckkörper zu beheben, musste eine ganze Bausektion ausgetauscht werden. Die letzten Abschnitte sollten gerade frisch verschweißt werden, bevor das Dock wieder geflutet werden und U-2503 das Dock als schwimmfähig räumen sollte, um Platz für andere Boote zu schaffen.
Als wir gerade eilig auf das Boot zuhalten, ist es Funkmaat Petersen, der uns in dem herrschenden Chaos als erster zu Gesicht bekommt.
Herr Kapitän?! Wo waren sie denn? Wir haben uns schon Sorgen gemacht, als der Alarm losging und sie noch nicht aus der Kommandantur zurück waren? Wo ist der I.WO?
“Auch im Bunker…hat sich den Kopf angehauen. Hinrichs passt auf.
Wie sieht’s hier aus? Alle Mann zusammen? Verluste…Verwundete?!“
Keine Ahnung, Herr Kapitän. Chaos hier, antwortet Petersen und sieht sich etwas hilflos um.
Eine weitere Detonation erschüttert den Bunkerkomplex.
Draußen, vor dem, zum Hafenbecken hin offenen Bunkerkomplex krachen immer wieder Fliegerbomben ins Wasser. Auch festgemachte Schiffe und die Hafenanlagen werden immer wieder gezielt getroffen. Mehrere Fahrzeuge und Gebäude brennen bereits. Dichter schwarzer Qualm hängt über dem gesamten Hafen. Lodernde Flammen züngeln aus brennenden Wracks und Trümmern. Hier und da erhaschen wir einen kurzen Blick auf einen britischen Jäger oder Bomber, wie sie den Hafen beharken. Die Bomber in großer Höhe, die Jäger in gezieltem Tiefflug.
Es ist der erschreckte Ausruf Leutnant Schulzes, des II.WO, welcher meine Aufmerksamkeit auf das ca. in einhundert Metern Entfernung liegende Kaiende vor der Einfahrt des U-Bootbunkers richten lässt. Genau dort, nur einen guten Steinwurf von unserer relativ geschützten Position hatte das fast auslaufbereite U-907 von Oberleutnant Lange, unseres ehemaligen LI festgemacht.
Doch was zum Teufel trieb der verrückte Kerl da eigentlich?
”Was zum Teufel...!”
Ist der jetzt endgültig übergeschnappt? Was treibt der noch mit seinen Männern da draußen, schnappt jetzt auch Leutnant Schulze, Langes alter Rivale und Intimfeind an Bord sichtlich besorgt nach Luft.
Etwa einhundert Meter von unserer Bunkereinfahrt entfernt, oben auf dem Kommandoturm seines neuen Bootes, U-907, stand Lange aufrecht und selbstsicher mitten im Feuer des gegnerischen Luftangriffes. Eine handvoll Männer, vermutlich Teile der Besatzung von U-907 hantierten an ihren beiden 20mm Zwillingsflakgeschützen herum und erwiderten doch tatsächlich das Feuer auf die angreifenden, und immer wieder auf Ziele im Hafen herabstürzenden britischen Jäger und Bomber.
Eine andere Gruppe macht sich derweil an der Vertäuung des Bootes mit der Kaimauer zu schaffen und versucht offenbar auf Langes Befehl hin, das Boot freizubekommen.
Die Dieselmotoren von U-907 laufen bereits, wie man den austretenden Abgasen erkennen kann.
Er versucht sich freizufahren und das Boot in Fahrt zu bringen, stellt Leutnant Schulze überrascht und gleichzeitig entsetzt fest.
”IDIOT..IDIOT!!! Was zum Teufel treibt der da nur? Warum schickt er seine Männer nicht in Deckung. Auf dem verfluchten Boot sind sie eine verdammte Zielscheibe. Wenn er jetzt auch noch anfängt im Hafenbecken herumzutuckern macht er endgültig alles und jeden auf sich aufmerksam, dann kann er sich gleich einsargen lassen!
.
.
.
LAAANNNGGGEEE...VERDAMMTER IDIOT! SCHICK DEINE MÄNNER IN DECKUNG UND RUNTER VON DEM KAHN!!! DU GOTTVERFLUCHTER IRRER BRINGST SIE NOCH ALLE UM!!!
.
.
.
RUNTER DA VERDAMMT NOCHMAL!!!
Wie aus einer Kehle stimmen nun auch andere Besatzungsmitglieder von U-2503 in das wilde Geschrei mit ein. Eine ganze Traube von Männern, stürzt zum Bunkereingang, so weit, wie man sich eben vorwagen kann, ohne sofort auf’s Korn genommen zu werden und brüllt, wild gestikulierend und mit den Armen fuchtelnd in Richtung U-907 und Oberleutnant Lange, nebst dessen Besatzung.
Schulze, Petersen, Matrose Pronold, Sanni Erler, die inzwischen nachgekommenen Leutnant Weber, mit immer noch zittrigen Beinen und oberbootsmann Hinrichs und wie sie alle heißen.
Ein Dutzend Mann brüllt sich die Kehle aus den Leibern.
MENSCH...HAUT AB DA!
NEHMT ENDLICH DIE BEINE IN DIE HAND!
LASST DEN KAHN IN RUH: HIER RÜBER IHR GOTTVERFLUCHTEN DEPPEN. MACHT DAS IHR DA WEGKOMMT.
Doch so sehr sich die Männer bemühen, auf U-907 erkennt man keine Reaktion.
Langes Mannschaft ist zu sehr beschäftigt. Obwohl nur einhundert Meter Luftlinie zwischen uns liegen, übertönt das Chaos und der dröhnende Lärm von Flugabwehrfeuer, einschlagenden Bombendetonationen und das Geschrei Dutzender Verwundeter und Sterbender jeden Versuch. Immer wieder ziehen dichte, schwarze, beißende Qualmwolken auf und nehmen uns die Sicht.
Erst eine, dann eine zweite Fliegerbombe klatscht dicht neben U-907 in das Hafenbecken.
Krachend und grollend schießt eine zwanzig Meter hohe Wasserfontäne gen Himmel und regnet als feiner Wasserdampf wieder auf Boot und Besatzung hernieder.
Eine MG-Salve streicht über das Vordeck von Langes Boot. Drei, vier Mann, welche gerade noch die Taue einholten, werden über Bord gefegt. Langes zwei 20mm Flakgeschütze wirbeln herum...eine weitere Salve in den rauchgeschwängerten Morgenhimmel. Zischend fahren die rotglühenden Geschosse durch die Luft.
Sekundenbruchteile später schlägt eine weitere Bombe gegenüber des Bootes auf dem befestigten Kaianleger ein. Berstende Pflastersteine, Staub, Dreck und messerscharfe Bombensplitter werden zu tödlichen Schrappnells. Ein Dutzend Mann liegt tot oder sich unter Schmerzen, schreiend krümmend auf dem Kai oder dem Deck von U-907. Die beide Flakgeschütze schweigen. Zwischen all dem Feuer und Rauch kann man für ein zwei Augenblicke noch einmal Oberleutnant Lange erkennen.
Von zwei Mann mehr gezogen und gezerrt als gestützt klettern sie den Kommandoturm herunter.
Ein letzter Tiefflieger...eine letzter gezielter Bombenwurf...VOLLTREFFER!
Mit gewaltiger Wucht schlägt die 250kg Bombe auf das Achterdeck von U-907. Etwa auf Hohe des Maschinenraums durchschlägt die Fliegerbombe das Deck und detonieret nur Sekundenbruchteile später in einer grellen stichflamenartigen Explosion. Eine Hand voll Männer...nein nur Körper oder Körperteile...ob Tote oder noch Verwundete, lässt sich nur erahnen wird in hohem Bogen wie Spielzeug durch die Luft geschleudert.
Das Heck von U-907 bäumt sich kurz auf und sackt dann eben so schnell wieder in sich zusammen.
Gurgelnd und schmatzend schießt kaltes Seewasser in den nun aufgerissenen Rumpf.
Binnen weniger als einer Minute versinkt U-907 in den Fluten. Erst der Grund des Hafenbeckens verhindert ein weiteres Absacken, bis nur noch ein Teil, des von Schrappnells zerfressenen Kommandoturmes aus dem Wasser ragt.
Der Angriff ist vorbei. Ebenso schnell, wie sie gekommen waren, verschwinden die britischen Maschinen wieder in den Wolken und drehen ab...nach Hause.
Sie lassen einen verwüsteten Hafen voll von Toten und Verwundeten, brennenden Gebäuden und Schiffen zurück. Und dennoch wird dieser Angriff nur eine kleine, kaum zu erwähnende Fußnotiz im Verlauf dieses bestialischen Krieges werden.
Doch meine Soge gilt in diesem Moment, da die britischen Maschinen abdrehen nur einem.
Was ist mit meiner Mannschaft? Und was ist mit Lange?
Anmerkung:
Die eingefügten Bilder zur Untermalung der geschilderten Vorgänge an diesem Tag, stammen, wie die meisten Leser vermutlich schon erahnt haben dürften, aus dem Film "Das Boot", Wolfgang Petersens Klassiker aus dem Jahre 1981, nach dem gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim. Wir sind der Ansicht, das die hier gezeigten Momentaufnahmen die geschilderte Szenerie eindrucksvoll untermauern und veranschaulichen.
Fortsetzung folgt...
LUFTALARM!!!
Mit hastigen Schritten, hechten Leutnant Weber, Leutnant Schulze und ihr Kommandant zurück Richtung U-Bootbunker und einen der seitlichen Molenzugänge. Der massive Stahlbetonbunker mit seinen bis zu sechs Metern starken Mauern und Decken war schon früher Ziel massiver alliierter Luftangriffe gewesen.
Anmerkung:
Bereits am 4. Oktober 1944 flogen 130 Bomber der Royal Air Force einen verheerenden Angriff auf den deutschbesetzten Hafen. Ihr Hauptziel, die deutschen U-Boote und der z.T. noch in Bau befindliche U-Bootbunker. Bergen wurde durch diesen großangelegten Bombenangriff schwer in Mitleidenschaft gezogen, doch der Bunker hielt stand.
Nur wenige Wochen später, am 29. Oktober vermochte auch ein zweiter Angriff mit nun 250 Maschinen nicht, das Stahlbetonmonster ernsthaft zu beschädigen.
Am 12. Januar 1945 schließlich, setzte die RAF erstmals ihre neuen, bunkerbrechenden Tallboy-Bomben ein, welche zwei Monate zuvor schon das letzte intakte deutsche Schlachtschiff, die Tirpitz im norwegischen Kafjord erfolgreich versenkt hatten. 32 britische Bomber warfen ihre 12.000 Pfund schweren Bomben über dem Bunker ab. Doch auch diese massive Sprengkraft konnte keine entscheidenden Schäden verursachen. Bunker „Bruno“ blieb intakt.
Der Bunkereingang ist nur noch etwas mehr als einhundert Meter entfernt. Ein eilig heranbrausender Wehrmachts-LKW braust wild hupend, so dicht an uns vorbei, dass wir ihn fast mit unseren Nasenspitzen berühren. Ärgerlich schluckt Leutnant Schulze, der II.WO einen unchristlichen Fluch herunter und unsere Dreiergruppe hastet weiter.
Noch fünfzig Meter…fast da, als eine Gruppe Marineinfanteristen, in ihren blauen Drillichen und mit Karabinern in der Hand, gehetzt von einem Bootsmann unseren Weg queren.
IN DIE GRÄBEN UND KÖPFE RUNTER BIS ICH WAS ANDERES SAGE, brüllt der Bootsmann den überwiegend jugendlich wirkenden Männern, etwa ein gutes Dutzend Mann zu, die prompt in die ausgelassenen Splitterschutzgräben jenseits der Mole hechten und wie befohlen die Köpfe einziehen.
Ein paar Meter weiter, notdürftig hinter einer Sandsackbarrikade geschützt, hantieren zwei Soldaten eilig an einem leichten MG herum und versuchen es einsatzbereit zu bekommen. Wütend hämmert einer der beiden, mit bloßer Faust auf den Verschlussmechanismus ein…Ladehemmung, spukt es mir durch den Kopf.
Noch zwanzig Meter…nur noch ein Stück.
Am Bunkereingang steht bereits Oberbootsmann Hinrichs und versucht verzweifelt winkend, unsere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Nicht einfach in dem Chaos und Gewirr von Menschen, die gerade durch den Hafen eilen. Die einen auf der Suche nach Deckung, die anderen unterwegs mit Befehlen und wieder andere einfach nur kopflos auf der Flucht.
HIER HER! HERR KAPITÄN! HIER RÜBER…SCHNELL! SIE KOMMEN VON NORDEN REIN!
Nur scheinbare Augenblicke später, verscheucht das sonore Brummen von Dutzenden von Flugzeugmotoren das bislang alles übertönende Geräusch der Luftalarmsirenen.
Mit einem Schlag beginnt die Hölle.
Eine Gruppe von britischen Jagdmaschinen saust im Tiefflug quer zum Hafenbecken heran.
An den Tragflächen blitzt Mündungsfeuer auf. MG-Feuer durchpflügt den Hafen und die Kaianlagen.

“ALLE RUNTER!“
Eine MG-Salve fegt nur etwa einen Meter vor uns quer über den Kai.
Mit einem Satz hebt es unsere Dreiergruppe fast gleichzeitig von den Beinen, als wir der Länge nach hart hinschlagen und im Dreck der Mole landen. Leutnant Weber stöhnt laut auf, als er den Sturz mit seiner Nase abzufangen versucht. Auch bei mir knacken die nicht mehr ganz jugendlichen Knochen hörbar und ein tiefer, stechender Schmerz zieht mir in die Glieder. Das Handgelenk ist aufgeschürft auf dem harten, schmutzigen Pflasterboden der Mole. Zwei Matrosen, wie wir auf dem Weg Richtung Bunker, haben weniger Glück.
Der Feuerstoß hat sie voll erwischt. Wie ein Sack Kartoffeln sacken die beiden blutüberströmt, nur zwei Mannslängen von uns entfernt, in sich zusammen. Kein Zucken, kein Aufbäumen…einfach Tot.

“AUF DIE BEINE!!! NOCH EIN PAAR METER! LOS JETZT!“
Wankend kommen wir drei wieder hoch.
Der Schmerz in den Gliedern ist wie weggeblasen. Adrenalin pur schießt durch unsere Venen und lässt den Schmerz vergessen. Gemeinsam wuchten Schulze und ich, den vom Sturz noch etwas benommenen Leutnant Weber wieder hoch und nehmen ihn, links und rechts unter die Schulter gehakt in die Mitte. Als wir nassgeschwitzt und verdreckt den Bunker erreichen, schlagen auf der anderen Seite des Hafenbeckens bereits die ersten Bomben ein.
“II.WO…wir müssen zum Boot. Hinrichs…hier kümmern sie sich um Leutnant Weber. Er hat was am Kopf abbekommen!“
Mit schmerzverzerrtem Gesicht und deutlich unsicherer und undeutlicher Sprechweise versucht mein alter Freund Widerspruch einzulegen und sich alleine hochzurappeln.
Es…es geht schon, Willhelm…mir fehlt nichts…ich kann…
“HALT DIE SCHNAUZE MANFRED UND SETZ DICH HIN! Hinrichs passt auf dich auf!“
Ein kurzes Nicken zu Oberbootsmann Hinrichs und noch ein letzter strenger Blick auf meinen alten Freund, der nun doch seinen Widerstand aufgibt, als ihm plötzlich die Beine schwer werden und er taumelnd wieder auf dem Hintern landet und schon eile ich mit Leutnant Schulze im Schlepp einmal quer durch den Bunker zum Liegeplatz unseres Bootes, U-2503.
Drei Boxen, eine, leer, zwei besetzt mit Booten müssen wir durchqueren.

Während über uns und um uns herum die Bomben einschlagen und der ganze Hafenbezirk von Explosionen erschüttert wird, herrscht auch im vermeintlich sicheren Bunker Chaos.
Männer rennen wild durcheinander, Befehle werden gebrüllt.
Auf einmal übertönt eine dumpf grollende, aber unbeschreiblich laute Explosion für einen Augenblick alles. Die Innenbeleuchtung flackert, setzt kurz aus, bis die Notstromdiesel anspringen. Von der Stahlbetondecke bröckelt Putz. Faustgroße und größere Betonbrocken krachen aus zehn Metern Höhe auf die Laufstege und in eine der wassergefüllten Liegeboxen.
Das Heck eines Typ IX Bootes wird unter dem herabstürzenden Schutt begraben. Ein paar Männer retten sich mit einem waghalsigen Sprung ins Wasser vor dem Erschlagenwerden. Doch nicht alle haben Glück.
Vor unseren Augen wird einem Maat der Schädel zertrümmert.
Einen Augenblick lang röchelt er noch und krümmt sich vor Schmerz am Boden. Aus der offenen Schädeldecke schießt kurz ein Schwall von Blut, nur um überraschend schnell zu versiegen. Dann ein letztes Zucken und es ist vorbei.

SANNI…SANITÄTER!!!
Wir können uns nicht aufhalten lassen.
Wir müssen weiter. U-2503 liegt eine Box weiter in einem der Trockendocks.
Wie mag hier die Lage sein?
Als wir um die Ecke biegen, steht das Boot noch in voller Pracht und Größe.
Steuerbord, am Achterschiff klafft ein vier mal zwei Meter großes Leck in der Druckhülle.
Doch keine Gefahr, das war schon vorher so. Als Teil der Reparaturarbeiten, um die erlittenen Schäden am Druckkörper zu beheben, musste eine ganze Bausektion ausgetauscht werden. Die letzten Abschnitte sollten gerade frisch verschweißt werden, bevor das Dock wieder geflutet werden und U-2503 das Dock als schwimmfähig räumen sollte, um Platz für andere Boote zu schaffen.
Als wir gerade eilig auf das Boot zuhalten, ist es Funkmaat Petersen, der uns in dem herrschenden Chaos als erster zu Gesicht bekommt.
Herr Kapitän?! Wo waren sie denn? Wir haben uns schon Sorgen gemacht, als der Alarm losging und sie noch nicht aus der Kommandantur zurück waren? Wo ist der I.WO?
“Auch im Bunker…hat sich den Kopf angehauen. Hinrichs passt auf.
Wie sieht’s hier aus? Alle Mann zusammen? Verluste…Verwundete?!“
Keine Ahnung, Herr Kapitän. Chaos hier, antwortet Petersen und sieht sich etwas hilflos um.

Eine weitere Detonation erschüttert den Bunkerkomplex.
Draußen, vor dem, zum Hafenbecken hin offenen Bunkerkomplex krachen immer wieder Fliegerbomben ins Wasser. Auch festgemachte Schiffe und die Hafenanlagen werden immer wieder gezielt getroffen. Mehrere Fahrzeuge und Gebäude brennen bereits. Dichter schwarzer Qualm hängt über dem gesamten Hafen. Lodernde Flammen züngeln aus brennenden Wracks und Trümmern. Hier und da erhaschen wir einen kurzen Blick auf einen britischen Jäger oder Bomber, wie sie den Hafen beharken. Die Bomber in großer Höhe, die Jäger in gezieltem Tiefflug.

Es ist der erschreckte Ausruf Leutnant Schulzes, des II.WO, welcher meine Aufmerksamkeit auf das ca. in einhundert Metern Entfernung liegende Kaiende vor der Einfahrt des U-Bootbunkers richten lässt. Genau dort, nur einen guten Steinwurf von unserer relativ geschützten Position hatte das fast auslaufbereite U-907 von Oberleutnant Lange, unseres ehemaligen LI festgemacht.
Doch was zum Teufel trieb der verrückte Kerl da eigentlich?
”Was zum Teufel...!”
Ist der jetzt endgültig übergeschnappt? Was treibt der noch mit seinen Männern da draußen, schnappt jetzt auch Leutnant Schulze, Langes alter Rivale und Intimfeind an Bord sichtlich besorgt nach Luft.
Etwa einhundert Meter von unserer Bunkereinfahrt entfernt, oben auf dem Kommandoturm seines neuen Bootes, U-907, stand Lange aufrecht und selbstsicher mitten im Feuer des gegnerischen Luftangriffes. Eine handvoll Männer, vermutlich Teile der Besatzung von U-907 hantierten an ihren beiden 20mm Zwillingsflakgeschützen herum und erwiderten doch tatsächlich das Feuer auf die angreifenden, und immer wieder auf Ziele im Hafen herabstürzenden britischen Jäger und Bomber.
Eine andere Gruppe macht sich derweil an der Vertäuung des Bootes mit der Kaimauer zu schaffen und versucht offenbar auf Langes Befehl hin, das Boot freizubekommen.
Die Dieselmotoren von U-907 laufen bereits, wie man den austretenden Abgasen erkennen kann.
Er versucht sich freizufahren und das Boot in Fahrt zu bringen, stellt Leutnant Schulze überrascht und gleichzeitig entsetzt fest.
”IDIOT..IDIOT!!! Was zum Teufel treibt der da nur? Warum schickt er seine Männer nicht in Deckung. Auf dem verfluchten Boot sind sie eine verdammte Zielscheibe. Wenn er jetzt auch noch anfängt im Hafenbecken herumzutuckern macht er endgültig alles und jeden auf sich aufmerksam, dann kann er sich gleich einsargen lassen!
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LAAANNNGGGEEE...VERDAMMTER IDIOT! SCHICK DEINE MÄNNER IN DECKUNG UND RUNTER VON DEM KAHN!!! DU GOTTVERFLUCHTER IRRER BRINGST SIE NOCH ALLE UM!!!
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RUNTER DA VERDAMMT NOCHMAL!!!
Wie aus einer Kehle stimmen nun auch andere Besatzungsmitglieder von U-2503 in das wilde Geschrei mit ein. Eine ganze Traube von Männern, stürzt zum Bunkereingang, so weit, wie man sich eben vorwagen kann, ohne sofort auf’s Korn genommen zu werden und brüllt, wild gestikulierend und mit den Armen fuchtelnd in Richtung U-907 und Oberleutnant Lange, nebst dessen Besatzung.
Schulze, Petersen, Matrose Pronold, Sanni Erler, die inzwischen nachgekommenen Leutnant Weber, mit immer noch zittrigen Beinen und oberbootsmann Hinrichs und wie sie alle heißen.
Ein Dutzend Mann brüllt sich die Kehle aus den Leibern.
MENSCH...HAUT AB DA!
NEHMT ENDLICH DIE BEINE IN DIE HAND!
LASST DEN KAHN IN RUH: HIER RÜBER IHR GOTTVERFLUCHTEN DEPPEN. MACHT DAS IHR DA WEGKOMMT.
Doch so sehr sich die Männer bemühen, auf U-907 erkennt man keine Reaktion.
Langes Mannschaft ist zu sehr beschäftigt. Obwohl nur einhundert Meter Luftlinie zwischen uns liegen, übertönt das Chaos und der dröhnende Lärm von Flugabwehrfeuer, einschlagenden Bombendetonationen und das Geschrei Dutzender Verwundeter und Sterbender jeden Versuch. Immer wieder ziehen dichte, schwarze, beißende Qualmwolken auf und nehmen uns die Sicht.

Erst eine, dann eine zweite Fliegerbombe klatscht dicht neben U-907 in das Hafenbecken.
Krachend und grollend schießt eine zwanzig Meter hohe Wasserfontäne gen Himmel und regnet als feiner Wasserdampf wieder auf Boot und Besatzung hernieder.
Eine MG-Salve streicht über das Vordeck von Langes Boot. Drei, vier Mann, welche gerade noch die Taue einholten, werden über Bord gefegt. Langes zwei 20mm Flakgeschütze wirbeln herum...eine weitere Salve in den rauchgeschwängerten Morgenhimmel. Zischend fahren die rotglühenden Geschosse durch die Luft.

Sekundenbruchteile später schlägt eine weitere Bombe gegenüber des Bootes auf dem befestigten Kaianleger ein. Berstende Pflastersteine, Staub, Dreck und messerscharfe Bombensplitter werden zu tödlichen Schrappnells. Ein Dutzend Mann liegt tot oder sich unter Schmerzen, schreiend krümmend auf dem Kai oder dem Deck von U-907. Die beide Flakgeschütze schweigen. Zwischen all dem Feuer und Rauch kann man für ein zwei Augenblicke noch einmal Oberleutnant Lange erkennen.
Von zwei Mann mehr gezogen und gezerrt als gestützt klettern sie den Kommandoturm herunter.
Ein letzter Tiefflieger...eine letzter gezielter Bombenwurf...VOLLTREFFER!
Mit gewaltiger Wucht schlägt die 250kg Bombe auf das Achterdeck von U-907. Etwa auf Hohe des Maschinenraums durchschlägt die Fliegerbombe das Deck und detonieret nur Sekundenbruchteile später in einer grellen stichflamenartigen Explosion. Eine Hand voll Männer...nein nur Körper oder Körperteile...ob Tote oder noch Verwundete, lässt sich nur erahnen wird in hohem Bogen wie Spielzeug durch die Luft geschleudert.
Das Heck von U-907 bäumt sich kurz auf und sackt dann eben so schnell wieder in sich zusammen.
Gurgelnd und schmatzend schießt kaltes Seewasser in den nun aufgerissenen Rumpf.
Binnen weniger als einer Minute versinkt U-907 in den Fluten. Erst der Grund des Hafenbeckens verhindert ein weiteres Absacken, bis nur noch ein Teil, des von Schrappnells zerfressenen Kommandoturmes aus dem Wasser ragt.

Der Angriff ist vorbei. Ebenso schnell, wie sie gekommen waren, verschwinden die britischen Maschinen wieder in den Wolken und drehen ab...nach Hause.
Sie lassen einen verwüsteten Hafen voll von Toten und Verwundeten, brennenden Gebäuden und Schiffen zurück. Und dennoch wird dieser Angriff nur eine kleine, kaum zu erwähnende Fußnotiz im Verlauf dieses bestialischen Krieges werden.
Ausschnitt “Das Boot”
Doch meine Soge gilt in diesem Moment, da die britischen Maschinen abdrehen nur einem.
Was ist mit meiner Mannschaft? Und was ist mit Lange?
Anmerkung:
Die eingefügten Bilder zur Untermalung der geschilderten Vorgänge an diesem Tag, stammen, wie die meisten Leser vermutlich schon erahnt haben dürften, aus dem Film "Das Boot", Wolfgang Petersens Klassiker aus dem Jahre 1981, nach dem gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim. Wir sind der Ansicht, das die hier gezeigten Momentaufnahmen die geschilderte Szenerie eindrucksvoll untermauern und veranschaulichen.
Fortsetzung folgt...
- Admiral Hipper
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