
Kapitel 3: Al Hakam der Dritte - Der junge Kaliph
Ruhe kehrte ein in Al Andalus. Die Wirtschaft erholte sich und damit schwand auch der Widerstand der mächtigen Clans gegen die Herrschaft des Kaliphen: Schließlich gab es nun reiche Pfründen zu verteilen.
Rahman selbst aber verlor zusehends an Lebenskraft. Zwar war er, im Jahre 1385 geboren, noch längst kein alter Mann. Doch er hatte sein Lebenswerk vollbracht. Mit dem Ende des zweiten großen iberischen Krieges war sämtliche Spannung von ihm abgefallen und immer öfter verfiel er danach in tagelanges Grübeln. Das Land nahm daran indes keinen Schaden. Der Kronrat erledigte die Amtsgeschäfte mehr oder weniger souverän.

Friedlich und erhaben: Die Alhambra als Symbol der Zustände im Kaliphat von Cordoba
Im Alter von 16 Jahren hatte Hakam mit einer kleinen Schar Gleichgesinnter einen Überfall auf den Tross des portugiesischen Heeres begangen. Bald darauf schloss er sich dem Reiterführer Maliq an und konnte sich durch seinen Mut aber auch durch seine Bildung die Anerkennung des alten Recken erarbeiten. Als Maliq dann nach dem Putsch Rahmans in den Kronrat berufen wurde, holte dieser Hakam als Stellvertreter an seine Seite. Dies erwies sich als hervorragende Wahl und als Maliq im Jahre 1425 starb, übernahm der junge Andalusier dessen Amt als Oberkommandierender des Heeres. Im zweiten iberischen Krieg hatte er es geschafft, die übermächtige Front der Gegner durch seine überlegene Strategie und seine Geheimdiplomatie zu brechen (ihm wird es zugeschrieben, dass sich die Christen mit Muhammad überwarfen) und so das Fortbestehen des Kaliphats gesichert.
Trotz seines hohen Ansehens bei Heer und Bevölkerung, und seiner exponierten Stellung im Machtgefüge des Hofes von Cordoba, hatte sich Hakam Rahman gegenüber stets loyal verhalten. Der kinderlose Herrscher wiederum hatte solchen Gefallen gefunden an dem schönen, klugen und mutigen jungen Mann, dass er ihn adoptierte und zu seinem Nachfolger aufbaute. Als der Wiedererrichter des Kaliphats im Jahre 1432 dahinschied, erfuhr Hakam keinen Widerstand. Al Andalus hatte seinen ersten großen Herrscher.
Derart abgesichert, richtete er seinen Blick wieder in Richtung der Christen. Zu gut war ihm noch in Erinnerung, wie die Christen den Friedensvertrag von 1423 gebrochen hatten. Wollte er dauerhaften Frieden für Mauren aus AL Andalus erreichen wollte, musste er Kastillien und Aragon, vor allem aber Portugal, Schläge versetzen, die sie dauerhaft schwächen würden.
Portugal nämlich hatte sich inzwischen zur Vormacht in Iberien aufgeschwungen. Sagenhafte Reichtümer hatte João I in Lissabon angehäuft. Diese hatte er mutigen Seefahrern zu verdanken, die von ihren Fahrten entlang der afrikanischen Küste Gold und Sklaven mitbrachten. Kastilien hingegen hatte durch den Verlust von Toledo, Andalusien und Murcia an Einfluss verloren, während es dort auch im Innern gärte. Mehrmals musste Juan III von Kastilien bei João I um finanzielle Unterstützung nachsuchen, was Kastilien zunehmend in Abhängigkeit Portugals geraten ließ.

Diese Abhängigkeit ließ jedoch nicht das Geltungsbedürfnis Juans erlöschen, der bald wieder seine Truppen in Marsch setzte. Diesmal, um Navarra anzugreifen. Dieses hatte jedoch in der Zwischenzeit den Schutz der mächtigen englischen Krone gesucht und gefunden. Die Engländer sahen lieber das kleine Königreich von Navarra als eines der größeren iberischen Reiche an ihrer Südflanke und zogen Navarra zu Hilfe.
Al Hakam III, wie sich der Kaliph in Anerkennung älterer Herrscher von Cordoba inzwischen nannte, wusste diese diplomatische Situation zu nutzen. Zunächst verhandelte er mit einer Delegation mächtiger genuesischer Kaufleute, die dem Kaliphen einen Schuldenerlass in Aussicht stellten, falls es ihm gelingen sollte, die geheimen Aufzeichnungen der portugiesischen Seefahrer zu erbeuten und diese mit ihnen teilen würde. Dann ließ Hakam das Heer verstärken und blies abermals zum Angriff auf die christlichen Erbfeinde seines Reiches. Trotz derer Zerstreutheit war dieser Krieg ein blutiger.

Die Truppen des Kaliphen treffen zunächst auf wenig Widerstand der Christen…

Doch der erste Angriff wird bald von den Portugiesen zurückgeschlagen

Diese ließen sich jedoch vom Kaliphen in Andalusien in einen Hinterhalt locken und wurden aufgerieben

Ein Hinterhalt war es auch, der Kastilien das Rückgrat endgültig brach: Die glorreichen Dschihadis lauern den Christen am Tejo auf und vernichten deren Heer.













