X_MasterDave_X hat geschrieben:Ja ich weiß die Lösungen sind alle bestenfalls sub-optimal.
Sorry, werter Dave, aber ihr macht es euch in der historischen und aktuellen Analyse da zu einfach und das mündet - und so hart muss ich es einmal sagen - bei euch (und einigen hier) zu einem genozidalem Vorgehen.
Nach einigen Definitionen reichen hier auch weitreichende Deportationen einen Ethnie aus. Natürlich ist der Begriff schwammig und oftmals nicht trennscharf, aber man sollte sich schon vor Augen führen, was man da fordert.
Und ja, wenn wir das eine in der Ukraine, in Aserbaidschan, bei den Uiguren als Genozid (zurecht) ansehen, dann sollten wir hier nicht willkürlich die Palästinenser ausnehmen.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
Es gibt halt moslemische Araber....in etlichen Ländern und jüdische Israelis. Beide im selben Land geht halt aus Erfahrung gar nicht gut. So oder so müsste man das auftrennen, ob über geteilte Staaten oder verschobene Bevölkerungen.
Ein Viertel aller Israelis sind Araber, muslimisch oder christlich. Diese Leben nicht in Apartheid in Israel und ihnen geht es, verglichen mit 90 % ihrer arabischen Nachbarn, deutlich besser. Arabische Israelis waren auch nie ein besonders großes Sicherheitsproblem.
Dass Israel nicht für alle in Palästina lebenden Araber das eigene Land öffnet, ist auch klar und realistisch. Israel wird seine Identität als jüdischer Staat niemals aufgeben. Aber dass Araber und Juden nicht miteinander leben können, ist grundsätzlich falsch und Wasser auf die Mühlen von Extremisten. Die Hamas lebt auch davon, dass sich so etwas in den Köpfen festsetzt.
Gott sei Dank sind da auch große Teile der israelischen Gesellschaft nicht eurer Meinung und sehen das Zusammenleben mit Arabern und umgeben von arabischen Ländern differenzierter. Natürlich wollen die der Hamas eine mitgeben und diese vernichten, aber auch wenn Bibi die 2-Staaten-Lösung nachhaltig auch geschädigt hat, wird diese immer noch von viele Israelis favorisiert. Israel und die Juden sind halt noch immer eine Demokratie und kein mono-thematischer Block.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
Und ich sprach nicht von einer Ausrottung der Gaza Einwohner sondern von der Umsiedlung in alle arabischen Nachbarstaaten.
Es müssen nicht erst die Krematorien in Auschwitz rauchen, damit es Völkermord ist. Eine weitreichende Deportation gehört auch dazu. Und auch deswegen wird es Israel nicht machen. Die haben, auf die ganze Bevölkerung gesprochen, aus ihrer jüdischen Geschichte, zurecht vor solchen Extrem-Maßnahmen Angst. Nicht falsch verstehen: Die Israelis haben und werden sich verbissen verteidigen, was absolut richtig ist, aber sie werden keine absoluten Deportationen veranlassen.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
Da die ja alle immer auf der Seite der Palestinenser sind, dürfen sie ihre Glaubensbrüder gerne aufnehmen.
Auch wenn ich den arabischen Staaten eine Hauptschuld an der jetzigen Lage gebe, geht ihr hier einen großen Schritt zu weit und verkürzt und fokussiert die Araber und den Konflik auf "Glaubensbrüder" und die Religion.
Seit ihr Katholik? Seit ihr dann für die sexuellen Übergriffe von katholischen Priestern in Sippenhaft zu nehmen?
Nein, ewig dauernde Sippenhaft gibt es in meiner Welt nicht.
Was die arabischen Länder erst einmal machen müssen, ist, die jetzt schon in ihren Ländern lebenden "Flüchtlinge" als Bürger anerkennen.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
5 Mio auf so viele Staaten das ist ja gar nix. Ist ja auch nicht so dass deren Bevölkerungsdichte so hoch wäre. Und so unfruchtbares Land wie in Gaza gibts dort leer auch überall. Alleine in Ägypten. Und wenn sie das nicht wollen, sollen sie zukünftig sich nicht mehr in deren Probleme einmischen.
Ihr marginalisiert hier wieder einmal Deportation und spielt es herunter. Damit ist jede Art von Vertreibung gerechtfertigt, sobald es nur einen irgendwie geachteten Staat mit der gleichen Religion oder Ethnie gibt.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
Immerhin hat Deutschland damals ne Million moslemische Syrer aufgenommen, obwohl wir nicht mitverantwortlich für deren Konflikt waren. Für die arabisch-israelischen Kriege sind aber etliche Nachbarn mitverantwortlich. Und so einige von ihnen finanzieren die Hamas auch ganz kräftig. Das Geld dürfen sie dann zukünftig in neue Behausungen für ihre palestinenischen Brüder investieren. Ich bin mir sicher die halbe Welt würde das auch mitfinanzieren, sogar die USA und Israel. Und alle Nachbarn hätten dann langfristig mehr Steuerzahler und Soldaten fürs eigene Land.
Hätte, hätte Fahrradkette und würde, würde.
Ich stimme euch in den gesagten Punkten zu: Wenn sich alle an die Hand nehmen und das tanzend durchführen würden, wäre es das beste. Aber es wäre politisch absolut naiv (neben der oben genannten Marginalisierung), zu glauben, dass das durchzuführen wäre.
• Wo sollen die Vertriebenen hin?
• Wie sollen sie dahin geschafft werden?
Das geht nur über praktisch eine Kriegserklärung an ALLE arabischen Nachbarn durch Israel. Also muss Israel auch Land von Ägypten, Jordanien, Libanon etc. halten, um Korridore für die Deportationen der Gaza-Bewohner zu schaffen.
Daneben:
• Israel würde dann einen Mehrfronten-Krieg führen, bei dem sicherlich auch Iran und evt. sogar Saudi Arabien einsteigen würden.
• Die westliche Welt ist grundsätzlich dem Vorgehen Israels gegenüber viel kritischer eingestellt als wir hier in Deutschland. Natürlich sehen wir das hier durch unsere Geschichte anders. Aber der Rest sieht in der Existenz Israels keine Staatsräson. Wenn Israel diesmal einen breiten Krieg gegen alle Nachbarn lostreten würde, um Gaza-Araber zu deportieren, würde die Unterstützung ganz schnell und ganz universell weltweit sinken.
Auch deswegen würde das sogar von den härtesten Hardlinern in Israel nicht durchgeführt werden, daneben, dass wir hier von Vertreibung reden.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
Tatsächlich ist es doch eher so, dass alle arabischen Staaten schon aus Prinzip nicht arabisches besiedeltes Land hergeben wollen...vor allem nicht an den "Teufel Israel". Das ist doch nicht nur das Glaubensbekenntnis der Hamas, so denken doch praktisch alle arabischen Staaten. Also wenn man abwarten will bis die das freiwillig machen....das wird NIE geschehen. Also bleibt nur, ewig die Gewaltspirale weiter zu drehen, mit neuer Besatzung Gazas und tausenden Toten jedes Jahr, oder Abwarten bis ein neuer Großangriff gestartet wird. Oder man trennt endlich was einfach nicht zusammengehört. Freiwillig oder eben mit Zwang.
Das stimmt nicht und ist historisch falsch.
Mit Ägypten war ein Frieden möglich, auch mit Jordanien. Beide haben dadurch Ansprüche aufgegeben. Auch mit anderen arabischen Staaten kam es Gott sei Dank zu einer Normalisierung der Beziehungen. Friede und Zusammenarbeit ist grundsätzlich möglich. Ihr sitzt in einem Land, dass das unmögliche auch Möglich gemacht hat. Unsere Großeltern haben noch von Erbfeinden gesprochen.
Bad actors gibt es und diese auch vermehrt auf arabischer Seite, die keinen Frieden wollen. Aber auch der arabische Block ist nicht mono-thematisch. Und auch Bibi hat nach "teile und herrsche" gelebt. Dem waren politisch getrennte Palästinenser und damit auch eine starke Hamas deutlich lieber, als eine im Gaza und Westjordanland geeinte Fatah.
Von diesen falschen Prämissen ausgehend kommt ihr dann zum Schluss, dass Deportation und absoluter Krieg der richtige Weg sei? Nein, da muss ich immer gegen sprechen.
X_MasterDave_X hat geschrieben:
Und zum Thema Israel und Paria...sind die das nicht schon immer gewesen für jeden arabischen Staat? Wie heißt es so schön, ist der Ruf erst ruiniert....
Und das stimmt wieder nicht, siehe auch oben.
Israel kann sich natürlich auch einen normalen Status erarbeiten und hat dies teilweise schon gemacht.
Zum Abschluss: Historische Gewissheiten nach Ethnie, Religion, Blut und Boden absolut zu setzen und in Stein zu meißeln führen, sind in dieser Diskussion die andere Seite der Hamas-Medaille. Im Endeffekt wollen die Terroristen genau das.
Habe ich eine Lösung des Problems? Nein, und das hat wohl keiner.
Euer Vorschlag, werter Dave, wird aber die Existenz Israels mehr gefährden, Leid über unzählige Zivilisten auf beiden Seiten bringen, ist politisch-militärisch eh nicht durchführbar, aber normalisiert und verschiebt hier eine Diskussion in eine Richtung die absolut mehr schadet als nutzt.
Oh, tempora, oh, mores ...