Also ich hatte jetzt nur bedingt Zeit zu spielen und zu testen, obwohl 70 Stunden sind es laut Steam auch schon wieder, und ich kann kein so negatives Resumee geben. Ich habe zwar erst das Tutorial als Italiener bis 1942 durchgespielt. Da war ich flugzeugtechnisch ziemlich am Boden, weil ich natürlich bei meinem ersten Spiel noch nicht wusste daß man Flugzeuge massenproduzieren muß in HoI4. Unter 3-4000 Jägern hat man als Achse schlechte Karten. Danach habe ich ein Deutschland Spiel begonnen und nun bis Ende 1939 heute gespielt, Polen souverän an die Wand gequetscht.
Nun zu den Erfahrungen und Vergleichen HoI4 zu HoI3:
Ganz ehrlich, HoI3 war eine totale Katastrophe zum Start. Halbwegs spielbar erst 1-2 Addon später, eigentlich so richtig erst mit Motherland.
HoI4 ist da bei weitem nicht so übel. Ja, aktuell gibt es 2 schwerwiegendere Probleme, aber die sollten leicht eingrenzbar sein. Wenn ich mir die Liste vom werten Tomasius ansehe:
- Die Deutschland-KI die alles was nicht bei 3 auf den Bäumen ist den Krieg erklärt.
- Luftkämpfe bei denen sich gigantische Luftwaffen innerhalb von 2-3 Wochen auslöschen. Überhaupt zwingt einem das Luftkampfsystem eine für Deutschland 1939 kaum vorstellbare Luftwaffe aufzubauen, sonst liegt die deutsche Industrie nach 3 Monaten Krieg in Trümmern, was zu Lasten der See- und Landrüstung geht.
- Das Schiffe in Häfen trotz Flak und gewaltigen Luftschutz durch leichte und schwere Jäger innerhalb sehr kurzer Zeit durch Marinebomber ausgelöscht werden.
Jeder dieser 3 Gründe reicht aus dieses Spiel für unspielbar zu halten.
..sind das eigentlich nur 2 größere Bugs:
a) Die Deutschland KI ist aktuell durchaus etwas "trigger-happy". Sprich sie erklärt alle 3 Wochen jemand den Krieg. Damit schaufelt sie sich natürlich schnell ihr eigenes Grab...ganz klar. Und versaut jedem Spieler die History-Show, wenn man ein anderes Land als Deutschland spielt. Aber das Problem ist bei Paradox bekannt, und ich hoffe sie fixen das mit 1.1 bis Ende Juni.
b) Alle übrigen Probleme hängen mit den übersteuerten Flugzeug-Angriffswerten zusammen. Damit schlachten sich die Luftflotten innerhalb kürzester Zeit in der Luft ab. Wer mehr Flugzeuge hat, gewinnt aktuell....ganz einfache Rechnung. Kann man aktuell gegensteuern indem man mehr Flugzeuge baut als der Gegener. Gleichzeitig sind die Flugzeuge vs Schiffe natürlich auch zu stark, weil sie die ebenfalls abschlachten. Am schlimmsten in den Häfen. Aber dis ist ebenfalls nur 1 Bug, und eigentlich sogar ein relativ leicht fixbarer, lässt sich womöglich sogar leicht rausmodden. CHefprogrammierer Podcat hats auch schon zugegeben und er wills mit 1.1 ebenfalls fixen.
Also zum Thema "Unspielbarkeit", die sollte für alle anderen Nationen außer Deutschland in 1-2 Wochen behoben sein. Beta 1.1 ist wohl schon in 1 Woche da, mit etwas Glück, dann kann mans selbst ausprobieren.
Wer HoI4 schon jetzt genießen will, dem sei Deutschland (was sonst) angeraten. Damit spielt es sich eigentlich sehr gut. Den Trigger-Happy Bug umgeht man dadurch elegant, und wenn man relativ schnell 1 volle 15er Fabriklinie Jäger, und danach schwere Jäger baut, dann hat man zu Kriegsbeginn auch genügend, umd die Franzosen und Briten in Schach zu halten. Aktuell könnte es mit diesem Blutschlachten-Luftbug sogar fast zu einfach werden, weil wenn man mal die Luftherrschaft errungen hat, kann einem die KI die auch nicht mehr so leicht abnehmen, weil sie ja auch nur im Schneckentempo neue Jäger nachbauen kann. Damit bleibt man dauerhaft der König der Lüfte. Aber wie gesagt das wird wohl schon in 1-2 Wochen gefixt. Dann werden die Gefechte wohl weit unblutiger, und man hat jahrelang ein Gleichgewicht in den Lüften....ob das nun viel besser ist...wer weiß. Realistischer, vermutlich.
DIe Seeschlachten selbst sind aktuell in HoI4 schon mit 1.0 besser als sie in HoI3 je waren. Es war damals fast unmöglich Schlachtschiffe in Seeschlachten zum absaufen zu bringen. Die konnten immer rechtzeitig fliehen, und sich wieder reparieren und von neuen angreifen. Ein Bug den ich jahrelang gemeldet hatte (hatte mir die Versenkungsstatistiken angesehen) und der nie richtig gefixt wurde. Zumindest mit Motherland, DLC4 habe ich nie richtig gespielt. In HoI4 sind deine Großpötte oder die des Gegeners (wie in der Realität) schnell am Grund des Meeres. Jetzt muß man in Norwegen höllisch aufpassen um seine kleine Kriegsmarine halbwegs unbeschadet durchzubringen. Mit Italien hatte ich einige sehr genial Seegefechte....Seeschlachten die endlich mal ihren Namen wert waren. Auch die Gefechte mit Trägern waren zu See genial...die Träger verteidigten Ihre Flotten sehr gut, selbst im Hafen konnte ein Träger die Navy-Bomber der Briten lange gut abwehren. Hätte ich Jägertechnisch nicht total versagt hätte meine Flotte länger als bis Mitte 1942 überlebt.
Der Schlachtplaner ist gewöhnungsbedürftig, zugegeben. Ich habe mir dazu das 1939er Szenario öfters angesehen und versucht mit Deutschland den Polenfeldzug zu machen. War anfangs ne Katastrophe. Je mehr ich feintunen wollte, umso schlimmer wurde es. Im aktuellen Spiel habe ich es perfekt lösen können. Statt (wie historisch) 5-6 Armeen extra aufzustellen und jeder 2-3 Befehlsschlangen für die Zukunft zu geben, habe ich nun nur noch 3 Armeen in Polen, die ich der KI übergebe:
2 Armeen ist Ostpreußen. Die erste in den beiden Provinzen nahe Danzig, die mehr halten als angreifen sollen. Dann kommt eine von mir höchstpersönlich direkt gesteuerte Panzerarmee die durch die Provinz vor den Wäldern nach Süden stößt und sich in 2 Richtungen teilt, um sich mit einer anderen Panzerarmee aus Westpreussen zu treffen, und die andere Hälfte marschiert Richtung Warschau. Dann noch die 2. Armee die östlich der Panzerarmee versucht sich langsam durch die Wälder Richtung Süden zu kämpfen.
Und dann 1 (in Worten EINE) Armee die den ganzen Grenzverlauf im Westen zu Polen bekommt. Und natürlich auch dort noch weitere 2-3 Panzerarmeen etwas verteilt die wiederum von mir persönlich gesteuern werden. Außerdem noch ein Gebirgsjägerkorps daß ich auch selbst steuere um den gebirgigen Süden Polens zu besteigen.
Alle KI-Armeen sind reine Infanterie-Armeen. Die Panzer und ein paar Kavallerien/motorisierte Divisionen sind Koprsweise in meiner Hand.
Damit war es schon fast zu leicht. Der Trick war, den 2-3 KI-Inf-Armeen nur EINEN Befehlspfeil zu geben.....und der deutete meist bis an die polnisch-russische Grenze. Fährt man mit der Maus über die Planungs-Pfeile, sieht man schön wie die KI plant sich langsam von Westen nach Osten den Weg freikämpft. Wenn man dann mit seinen Panzern dafür sorgt daß größere Kessel entstehen erwürgen die eigenen KI-Infanteristen den Rest der gegnerischen Mannschaft in den Kesseln, und schieben den Rest immer weiter nach Osten.
Ein paar weitere Kleinigkeiten die man beachten sollte: Die KI tut sich noch schwer mit den Kesseln, weil sie die Truppen an der Front gerne mal wieder zurück in die Kessel schickt um diese anzugreifen, während rückwärtige Truppen aus der Kesselumzingelung manchmal wieder vor an die Front wollen. Das muß man als Obermacker natürlich unterbinden. Dazu markiere ich per Lasso Funktion die Divisionen die um die Kessel rumstehen, löse sie aus der Hauptmacht, teile sie einem neuen General zu. Dann gebe ich Ihnen als neuen Frontverlauf den Kessel, das Spiel erkennt exakt die Kesselform und passt die Frontlinie dem an. Dann geb ich dieser neuen Armee manuell Befehle die Kessel von allen Seiten anzugreifen. Damit beschäftigen sich die Kesselmeister mit den Kesseln und die Frontsoldaten drücken weiter Richtung Osten (oder später eben Richtung Westen in Frankreich). Sind die Kessel dann aufgelöst, übergebe ich die Kesselarmee wieder der Hauptstreitmacht. Die KI lässt die Truppen schnell nachfolgen.
(Aktuell könnte es da noch einen weiteren Bug geben, daß die KI gerne per strategischer Verlegung agiert...was bei weiten Entfernungen durchaus Sinn machen könnte, aber dann stehen sie nahe der Front ohne Org. Das lässt sich unterbinden indem man der Kesselarmee manuell den Befehl zum Aufschließen mit der Maus zur Frontlinie gibt, und sie erst dort wieder der Hauptarmee eingliedert.)
Wie gesagt, damit kann ich nun relativ übersichtlich größere Gefechte durchspielen. Macht irgendwie sogar mehr Spaß als in HoI3, wo man sich um jede kleie Fitzel-Einheit kümmern musste. Sicherlich ist das jetzt nun weit weniger effizient, aber was solls, damit gibt man der KI auch wieder etwas bessere Karten in die Hand, denn die wird ja von der selben Mathematik gesteuert.

Und mit der Kontrolle der Panzer, Gebirgsjäger, Fallschirmjäger etc ist man immer noch gut gefordert. Durch das aufteilen meiner Panzerkorps und das Einkesseln sind die Panzer natürlich auch öfters durcheinander geraten. Aber da man die Armeen/Korps nun farblich schön markieren kann, sieht man schnell wenn was durcheinander ist, und teilt dann mit nur einem Mausklick eben mal eine Panzerdivision einem anderen Korps zu.
Das neue System benötigt eine Einarbeitungsphase....aber jetzt komme ich relativ gut damit zu recht. Und ich geniesse es daß ich nun für den Polenfeldzug nicht mehr einen Abend brauche, sondern das locker in 20-30 Minuten durchspiele. So werde ich wohl endlich auch mal bis zum Ende durchspielen in ein paar Tagen, statt in Monaten....was oft dazu führte daß ich Partien schlicht nicht bis zu Ende spielte, und Monate später wieder eine neue Partie begann.
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Also wer mit dem Gedanken spielt HoI4 zu kaufen, ich kanns empfehlen. Das HoI Feeling war sofort wieder da. Das Produktionssystem ist schlichtweg genial. Naja, die haben es ja fast zu 100% von meiner Idee übernommen, die ich schon vor Jahren hier im Forum und später auch im Paradox Forum mehrfach beschrieben hatte. Die IDee echte Panzer und Flugzeuge, ebenso wie bei den Einzelschiffen im Spiel zu haben ist eben wesentlich plastischer, als diese je 100 Stärkepunkte pro Kampfeinheit. Allerdings haben sie einen der Gründe warum ich das System wollte, vergessen mit einzubauen: Die Info-Bildschirme nach der Schlacht, die damals nur immer angaben wieviele Soldaten gestorben sind, und mit meinem System eben dann Sachen hätten ansagen können wie: "Luftschlacht über London, 235 Me-109 sowie 42 He-111 verloren. Der Gegner verlor 122 Spitfire und 48 Hurricanes." Oder eben in Landschlachten. "462 Panther und 62 Tiger Panzer Verluste, sowie 42.433 Tote und 68.655 Verwundete zu beklagen, der Gegner verlor 672 T-34 Panzer sowie 126.000 Mann"
---Oh Mann, da haben Sie endlich das System übernommen das ich mir seit HoI2 gewünscht habe, und dann nutzen sie den größten Vorteil davon nicht aus: Die genialen Verlustberichte zu zeigen. -- Ich hoffe das wird noch nachgereicht in einen der 224 DLCs die noch kommen werden.

(Ich hatte sogar noch die zusätzliche Idee, das man zb die Tiger-Panzer Fabriken auf der Landkarte sehen könnte, und damit gezielt mit allierten Bombern versuchen könnte, diese platt zu machen. Aktuell hat man zwar 1-15 Fabriken pro Bauschleife die irgendetwas bauen können, aber man weiß nicht auf der Landkarte wo das wäre/ist. Vielleicht wirds noch per DLC nachgeliefert. Würde das Spiel natürlich schwerer machen, wenn die KI gezielt deinen Jagdflugzeug-Fabrikhallen angreift.)
Das Produzieren jedes einzelnen Fahrzeugs/Flugzeuges oder sogar jedes einzelnen Geschützes ist aber Supergenial!!! Da kommt echt Feeling auf. Auch das Rohstoff-System finde ich gelungen, auch wenn es nicht hyperrealistisch ist. Man kann eben jetzt nicht mehr vor dem Krieg Rohstofflager ansammeln die sich bis zum Mond stapeln. War in HoI1-3 einfach immer zu leicht. Ich hatte als Deutscher regelmäßig genug Ressourcen bis ich das Spiel gewonnen hatte. Im historischen Krieg konnte Deutschland auch nicht mehr als ein paar Wochen/Monate auf Vorrat Ressourcen anlegen. War schlicht zu teuer/technisch unmöglich. Folglich ist das jetzige System weit realistischer und auch weit fordender. Volle Empfehlung meinerseits.
Gewöhnungsbedürftig ist natürlich auch das Diplosystem. War am 1. September 1939 echt platt als Deutscher, daß es keinen automatischen Kriegsstart per Event mehr gab, und zusätzlich konnte man auch den Krieg nicht mehr direkt erklären an Polen. (Geht zwar irgendwie doch so EU4-like, wo man aber dann Provinzen fordern muss....hallo gehts noch, ich will alles von den Polen....naja zumindest bis Brest-Litowsk.

) Dafür sind eben nun die nationalen Fokusse nötig, die an sich wiederum sehr genial gelöst sind. Die sind nun mehr oder wenige die festen Schienen in der Sandbox, sofern man sie denn nutzen will. Man wird weder gezwungen welchen Weg man im Fokusplan nimmt, noch ob man überhaupt nationale Fokusse wählen will, oder den einen Politik Punkt nicht lieber für was anderes sammelt. -- Nunja, mein Polen-Feldzug ging also erst Anfang November los, als der Fokus durch war.

Hab wieder was gelernt fürs nächste Spiel.
Also lange Rede, kurzer Sinn: Wer HoI mag, der sollte auch mit HoI4 glücklich werden können. Sogar jetzt schon, vor 1.1 Release, sofern man Deutschland spielt.....und seien wir ehrlich, viele Regenten hier, haben wahrscheinlich kaum je ein anderes Land gesteuert.
Perfekt wird das Spiel mit 1.1 sicherlich auch nicht....Bugs gibts noch zuhauf. Aber ob das echte Gamebreaker sind, wie aktuell der Trigger-Happy Deutschland Bug?...Hmm..eher nicht.
Wie gesagt, mit den Flugzeugen komme ich nun auch halbwegs zurecht, nachdem ich von 1936-1939 nun 3500 Stück davon gebaut habe. Ich konnte trotzdem 150 Inf-Divisionen bauen, und 16 Panzerdivisionen, weit mehr als Deutschland historisch hatte damals. Nur meine Schiffsentwicklung liegt weit zurück, habe neben den Startschiffen und den 1936 in Bau befindlichen nur die Gneisennau gebaut (auch ein Bug, das erste Schiff der Scharnhorst Klasse sollte wohl eher die Scharnhorst sein...lol) Aber dazu fehlten mir ehrlich gesagt auch die Schiffswerften, und die wollte ich zulasten der Militär- und Zivilfabriken nicht bauen. Was solls dafür habe ich nun 32 Typ-2 U-Boote. Mal sehen was Dönitz damit im Atlantik 1939 reissen kann.
P.S.: Ich weiß, wieder mal viel zu viel geschrieben.
