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Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:26
von Managarm
Janukowitsch tritt nicht zurück und bezeichnet die Vorgänge als Staatsstreich.
http://www.kyivpost.com/content/kyiv/euromaidan-rallies-in-ukraine-feb-21-live-updates-337287.html
Übersetzen können Wir das Interview leider nicht...
Vernichter???
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:30
von Silem
Es ist doch schon lange vollkommen irrelevant was Janukowitsch sagt oder was er gerne hätte. Ob er jetzt zurücktritt, Asyl in Venezuela beantragt oder versucht mit Gewalt Kiew zu erobern ändert an der derzeitigen Lage wenig. Es läuft doch inzwischen alles auf eine Konfrontation Ost gegen West hinaus. Diese Konfrontation ist nur noch nicht eskaliert weil beide Seiten inzwischen stabile Positionen haben und im Notfall auf Waffendepots zurückgreifen können. Es steht eben nicht die Überlegene ostukrainische Armee in der Westukraine. Es gibt eine klare räumliche Trennung der Kontrahenten. Beide Seiten müssen sich jetzt eingestehen das die gemeinsame Historie vorbei ist. Die Westukraine wird die Unabhängigkeit erklären und vielleicht sogar Schutztruppen im Westen anfordern. Die Ostukraine wird ihrerseits ihren wahren Charakter als Ukraine proklamieren und bei der GUS nach Schutztruppen betteln. Am Ende des Szenario stehen sich dann russische und europäische Truppen in der Ukraine gegenüber.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:31
von Thomasius
Wir haben das ausgehandelte Abkommen von Anfang an sehr kritisch gesehen, weil es eigentlich nur eine Art Waffenstillstandsvereinbarung war, ohne auch nur ein Problem dieses Landes zu lösen. Der Präsident wurde als quasi machtlose Person vorgeführt, die er zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon war, weil die Oligarchen im Osten sich längst mit dem Gedanken der Zweiteilung des Landes angefreundet hatten. Denen ist das halbe Land lieber, als das Risiko alles zu verlieren.
Wie soll eine Spaltung des Landes jetzt noch aufgehalten werden? Die ausländischen Diplomaten sollten lieber auf eine unblutige Spaltung hinarbeiten, als zu versuchen das scheinbar Unvermeidliche aufzuhalten.
Einen Einmarsch fremder Truppen halten wir zum jetzigen Zeitpunkt für sehr unwahrscheinlich. Am ehesten trauen wir diesen riskanten Schritt Russland zu, aber für Russland besteht aus unserer Sicht keinerlei Notwendigkeit, weil für den Osten des Landes derzeit keine Gefahr aus dem Westen des Landes besteht.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:32
von Vernichter
http://www.youtube.com/watch?v=PI8byAZgf1w
Janukowitsch spricht vom Putsch und Banditen. Er weigert sich zurückzutreten.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:37
von Vernichter
Silem hat geschrieben:Es ist doch schon lange vollkommen irrelevant was Janukowitsch sagt oder was er gerne hätte. Ob er jetzt zurücktritt, Asyl in Venezuela beantragt oder versucht mit Gewalt Kiew zu erobern ändert an der derzeitigen Lage wenig. Es läuft doch inzwischen alles auf eine Konfrontation Ost gegen West hinaus. Diese Konfrontation ist nur noch nicht eskaliert weil beide Seiten inzwischen stabile Positionen haben und im Notfall auf Waffendepots zurückgreifen können. Es steht eben nicht die Überlegene ostukrainische Armee in der Westukraine. Es gibt eine klare räumliche Trennung der Kontrahenten. Beide Seiten müssen sich jetzt eingestehen das die gemeinsame Historie vorbei ist. Die Westukraine wird die Unabhängigkeit erklären und vielleicht sogar Schutztruppen im Westen anfordern. Die Ostukraine wird ihrerseits ihren wahren Charakter als Ukraine proklamieren und bei der GUS nach Schutztruppen betteln. Am Ende des Szenario stehen sich dann russische und europäische Truppen in der Ukraine gegenüber.
Nicht ganz. Dass er nicht zurückgetreten ist, liefert eine Begründung für den Osten. An einen Einmarsch ausländischer Truppen glauben wir für die nächste Zeit nicht. Noch haben wir den Bürgerkrieg nicht. Wenn er dann tatsächlich kommen sollte, werden die die üblichen Geschichten kommen. Freiwillige und Waffen. Schon gar nicht wird Russland so dumm sein, in der nächsten Zeit einzumarschieren. Erst muss es zu Zusammenstössen kommen bei denen der Osten Tote zu verzeichnen hat. Dann sind die Russen die Befreier.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:42
von Managarm
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:52
von Vernichter
Janukowitsch spricht von der Machtergreifung wie 1933, Pogrome gegen die Partegebäude seiner Partei und der kommunistischen Partei der Ukraine- die Kommunisten sind in der Ukraine eher prorussisch, da noch stark sowjetisch orientiert. Was auch dem entspringt was wir so von der Versammlung in Charkow gesehen haben. Da gab es Redner mit einer "georgischen Schleife" an der Brust. Das ist so eine Schleife, die an den Sieg über Deutschland erinnern soll. Der Kreuzzug gegen die westlichen Nazis. Janukowitsch sagte auch, dass der noch gestrige Parlamentssprecher Ribak zusammengeschlagen wurde. Auf sein eigenes Auto sei geschossen worden. Er ruft die internationalen Verhandlunsgpartner dazu auf, sich an das Vereinbarte zu halten.
Charkow selbst ist gut gewählt. War schon immer die alternative Hauptstadt der Ukraine.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 15:56
von McMacki
hab ich das dann richtig verstanden, dass es im Parlament noch einen Antrag gibt, Janukowitsch abzusetzen? Wird dann ja wohl gleich vllt verhandelt. Scheint jetzt heute alles recht schnell zu gehen. Kann nur hoffen, dass es kein Blutvergießen geben wird
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:09
von Silem
„Ein trauriges Ende für einen Präsidenten“, schreibt der prominente Politiker bei Twitter. „Zur Residenz von Janukowitsch in dem Vorort Meschigorje bei Kiew hat jetzt wer auch immer Zugang: Er selbst ist abgehauen, das Wachpersonal ist weg...“
teilt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Alexej Puschkow, in Moskau mit.
Gute Nacht Janukowitsch. Jetzt will dich nicht einmal Russland stützen.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:09
von Vernichter
McMacki hat geschrieben:hab ich das dann richtig verstanden, dass es im Parlament noch einen Antrag gibt, Janukowitsch abzusetzen? Wird dann ja wohl gleich vllt verhandelt. Scheint jetzt heute alles recht schnell zu gehen. Kann nur hoffen, dass es kein Blutvergießen geben wird
Ja, es wird verhandelt. Man muss auch sehen, dass die Rada unter Druck des Maidans steht. Der Maidan möchte natürlich sofort einen neuen Präsidenten. Womit aber gegen das Zugesicherte verstossen wird. Was dann wieder Wasser auf den Mühlen im Osten ist. Die Rada wird schon vorsorglich für nicht mehr rechtmässig erklärt. Ein Teil der Abgeordneten und auch der Parlamentssprecher sind ja schon nicht mehr da.
Wir tendieren inzwischen stärker in Richtung Bürgerkrieg. Man muss es so sehen, dass es schon viele Tote gegeben hat und man gerade in Kiew im "Siegesrausch" ist. Unbedachte Schritte zur Bestrafung der geflohenen "Verbrecher" sind vorprogrammiert. Und schon Morgen dürfte das russischssprache Internet mit Bildern von Lynchjustiz voll sein. Die tatsächliche Anzahl wird dabei auch kaum eine Rolle spielen. Das tat sie im Bezug auf die Gräul durch das "Regime" ebenfalls nicht.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:21
von Managarm
Wir waren Uns bis eben nicht sicher, aber es scheint bestätigt zu sein, daß das Parlament Janukowitsch abgesetzt hat.
https://www.youtube.com/watch?v=Y_LFrMcoEm4
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:25
von Silem
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:26
von Vernichter
Ja, die verteilen gerade die Minsterposten. Der Nachfolger oder erstmal Regierungsführer ist noch nicht beschlossen. Naja, Timoschenko ist ja noch nicht wieder aufgetaucht.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:30
von Managarm
Das Abstimmungsverhalten empfinden Wir irgendwie "witzig". Alle sind sich eigentlich einig und untermahlt wird dies von diesem großartigen Abstimmungsbildschirm mit Datasettengeräusch und bunten Countdownbändchen...
Repräsentieren die Parlamentsangehörigen alle Strömungen des Maidans?
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:32
von Silem
Managarm hat geschrieben:Das Abstimmungsverhalten empfinden Wir irgendwie "witzig". Alle sind sich eigentlich einig und untermahlt wird dies von diesem großartigen Abstimmungsbildschirm mit Datasettengeräusch und bunten Countdownbändchen...
Repräsentieren die Parlamentsangehörigen alle Strömungen des Maidans?
Es ist das frei gewählte Parlament der Ukraine. Es hat seine demokratischen Befugnisse genutzt um den Präsidenten abzusetzen und Neuwahlen zu verkünden. Genau wie im Abkommen verkündet. Das Parlament vertritt das gesamte Volk und jeder Schritt dagegen wäre wohl oder übel ein Putsch gegen die bestehende Ordnung und illegal.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:36
von Vernichter
Managarm hat geschrieben:Das Abstimmungsverhalten empfinden Wir irgendwie "witzig". Alle sind sich eigentlich einig und untermahlt wird dies von diesem großartigen Abstimmungsbildschirm mit Datasettengeräusch und bunten Countdownbändchen...
Repräsentieren die Parlamentsangehörigen alle Strömungen des Maidans?
Nein. Das ist einfach nur die aktuelle Zusammensetzung des Parlaments ohne eines Teils der Abgeordneten. Wir haben auch momentan nicht wirklich den Überblick darüber wieviele Abgeordnete überhaupt noch da sind.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:38
von Managarm
Also ist im Prinzip auch fraglich, ob die Straße die Entscheidungen mitträgt?!
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:43
von Vernichter
Silem hat geschrieben:Es ist das frei gewählte Parlament der Ukraine. Es hat seine demokratischen Befugnisse genutzt um den Präsidenten abzusetzen und Neuwahlen zu verkünden. Genau wie im Abkommen verkündet. Das Parlament vertritt das gesamte Volk und jeder Schritt dagegen wäre wohl oder übel ein Putsch gegen die bestehende Ordnung und illegal.
Das ist eine Interpretation. Die andere andere Interpretation besteht darin, dass das Parlament nicht vollständig ist und dazu noch unter starkem Druck agieren muss. So wird die andere Seite argumentieren.
Die momentane Zusammensetzung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Werchowna_Rada
- - - - - - - - - - AUTOMATISCHE ZUSAMMENFÜHRUNG - - - - - - - - - -
Managarm hat geschrieben:Also ist im Prinzip auch fraglich, ob die Straße die Entscheidungen mitträgt?!
Ist fraglich. Wir betonen an der Stelle auch nochmal, dass in solchen Situationen ja auf der "Strasse" ebenfalls nicht abgestimmt wird.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:46
von Silem
Vernichter hat geschrieben:Das ist eine Interpretation. Die andere andere Interpretation besteht darin, dass das Parlament nicht vollständig ist und dazu noch unter starkem Druck agieren muss. So wird die andere Seite argumentieren.
Die momentane Zusammensetzung:
http://de.wikipedia.org/wiki/Werchowna_Rada
330 von 447 haben dafür gestimmt. Das reicht vollkommen aus. Das ist die überwältigende Mehrheit des Parlamentes und in Demokratien ist es gang und gebe das bei Abstimmungen nicht ständig alle anwesend sind. Man erinnere sich an den Skandal mit der geringen Beteiligung während des WM-Finale. An der demokratischen Legitimation ändert sich nichts. Denn wenn man diese in Frage stellt dann kann man auch die Legitimation von Janukowitsch anzweifeln und all seine Ansprüche verfallen. Bisher war ja seine Argumentation immer das er vom Mob zurückgedrängt wurde. Jetzt hat aber das Parlament abgestimmt und der formale Weg wurde ausgenutzt.
Verfasst: Sa 22.02.2014, 16:47
von Managarm
Das bedeutet ja aber, daß selbst wenn die Oppositionsparteien vollständig angetreten wären, nicht unbedeutenden Teile von Janukowitsch`s Partei gegen ihn gestimmt haben.