von bluelips » So 20.06.2010, 14:00
Da diese Frage schon bereits so lange herumgammelt:
Auf der AGEOD-Site finden sich ja leider keine Angaben zur historischen Faktizität, einzelne Spielemagazin-(P)Review-Seiten sind der Ansicht der historischen Genauigkeit:
http://www.gamershall.de/index.php?p=articles&area=1&action=displayarticle&id=39&name=rise-of-prussia-preview
http://www.4players.de/4players.php/spielinfonews/Allgemein/14903/1872973/Napoleons_Campaigns.html
Als Geschichtsdilettanten fällt eine Beurteilung schwer, persönlich sind mir, der sich mit „Napoleons Campaigns“ am stärksten identifizieren kann, in den Kampagnen zumindest keine Wahnsinns-Fehler oder groben Widersprüche aufgefallen. Es mag gelten: Es sind auch Ageod-Spiele noch immer Spiele, demnach auch so einzuschätzen, und keine Fachrezeptionen historischer Situationen, die einer „was-wäre-gewesen-wenn“-Geschichtsschreibung gleichkämen. Da im Detail, von den aufgearbeiteten Perioden abhängig, die Quellenlage immer kritischer ist, Spieleproduktionsfirmen andererseits keine Geschichtsforschungsfabriken sind, werden einem Fachmann, oder besser in die Thematik involvierten Laien, da oder dort Unzulänglichkeiten in der historischen Genauigkeit bemerkbar sein. Die Problematik spiegelt sich in Geländebedingungen oder Wettersituationen wider: Gelände ändert sich rasch, ohne "Aufzeichnungspflicht": Wälder werden gefällt, oder wachsen, da sich die Art des Brenn- und Baustoffbedarfs im Laufe der Zeit änderte, oder wo fanden "in der Pampa" in der Vorsatellitenzeit detaillierte Wetteraufzeichnungen zur gegenwärtigen Recherche statt? Wetter ändert sich rascher als Gelände und sowohl bei Austerlitz spielte es im Kalkül Napoleons (vormittäglicher Nebel), als auch bei Waterloo im Kalkül Wellingtons eine große Rolle (starke Niederschläge in der Nacht davor, resultierend in verschlammten Hügelhängen). Schlachtberichte von Augenzeugen (sofern vorhanden) sind extrem partikularistisch und immer sehr subjektiv. Und dann ist immer die begrenzte Zeit der Schlacht im Augenmerk, nicht die des Feldzugs, der in den Ageod-Spielen durchgeführt wird (eine bemerkenswerte Ausnahme ist der Bericht Clausewitz's über den russischen Feldzug 1812, bietet natürlich auch keine statistische Wetterbeurteilung, die gerade für Feldzüge nicht unwesentlich ist, imho. Aber in jahreszeitlicher Hinsicht versucht man allgemein einem natürlichen Verschleiß bei Ageod gerecht zu werden, wie realistisch der ist, läßt sich meiner Ansicht nach nicht mehr beurteilen, da eine Hochrechnung von "Nachstellungen" experimenteller Historiker auf die Truppenkörper der damaligen Größe kaum zulässig ist). Ziemlich präzise, da (natürlich auch nicht immer) überprüfbar (etwa durch Stabsberichte), ist die jeweilige Ordre de Bataille der Truppenkörper, sodaß für die Befehlsketten, Truppenstärken, Gefechtsgliederung eine gewisse Gewährleistung besteht. Es ist also alles, wie einst ein österreichischer Philosoph zu sinnieren pflegte, sehr kompliziert...
Grundsätzlich denke und meine ich, daß die Ageod-Spiele in den vielen Jahren, wo ich selbst schwerpunktmäßig historische Konfliktsimulationen spiele, das geschichtlich Präziseste an derzeit erhältlichen (rundenbasierten Strategie-) Spielen ist.
Ähnliches historisch Hochwertiges, heutzutage vielleicht weder von AI noch von der Graphik nicht mehr wirklich en vogue, waren: „Waterloo – Napoleon's Last Battle“ (Breakaway/Strategy First) und „Austerlitz – Napoleon's Greatest Victory“ (Breakaway/Shrapnel), beide gleichermaßen strategisch und taktisch orientiert (real time). Diese Spiele sind (für mich!!!) auch heute noch eine echte Herausforderung und bieten mir eine schlicht Begeisterung weckende Faszination.
In diese Richtung (spezialisiert auf die Phasen einer speziellen Schlacht, mit taktischem Schwerpunkt und strategischer Orientierung), mit einer unglaublich eigenständig agierenden AI, kenne ich derzeit „Scourge of War – Gettysburg“ (worauf mich der Edle monty hier gebracht hat, hiermit auch gleich mein Dank an ihn:
http://www.si-games.com/forum/showthread.php?p=626357#post626357 ), mit einer äußerst respektablen Graphik, allerdings nicht ganz billig der Spaß (real time). Dieses Spiel nenne ich erst seit Kurzem mein eigen und ich habe längst noch nicht alle Tiefen ausgelotet.
Und natürlich das chef-oeuvre von Total War: „Napoleon“, das sich sicher um sehr um historische Authentizität bemüht, allerdings in der AI etwas „flach“ wirkt und bald seiner Ausreizung entgegensteuert, wie bereits in den älteren Titeln (so schön sie anzuschauen waren, ich spielte wirklich alle sehr gerne, von „Shogun“ weg). Die Graphik ist jedoch (wie immer, wie bisher) sensationell augenerschlagend (ebenfalls real time).
Naja, ich kenne bei weitem nicht alle Spiele (weder der Gegenwart, noch der Vergangenheit, allerdings ähneln/ähnelten sich viele derart, daß Unterschiede bestenfalls esoterisch wahrnehmbar sind/waren), ich bemühte mich nur die - für mich - eigenständigst erkennbaren Werke anzuführen, aber wenn man der Zufälligkeit des Ablaufs von Geschichte gewahr wird, so sollte man in Spielbelangen mehr auf den Spaß achten, als auf Fakten, die genausogut anders waren, oder doch hätten sein können (ich liebe deshalb aus diesem Grunde diese geradezu atavistischen „Panzer General“-Spiele, samt Klonen und andere Runden-Hexameter-Spiele).
Entschuldigt die lange, doch sehr persönlich gehaltene Beantwortung (sofern es denn überhaupt eine ist).
Da diese Frage schon bereits so lange herumgammelt:
Auf der AGEOD-Site finden sich ja leider keine Angaben zur historischen Faktizität, einzelne Spielemagazin-(P)Review-Seiten sind der Ansicht der historischen Genauigkeit:
[url=http://www.gamershall.de/index.php?p=articles&area=1&action=displayarticle&id=39&name=rise-of-prussia-preview]http://www.gamershall.de/index.php?p=articles&area=1&action=displayarticle&id=39&name=rise-of-prussia-preview[/url]
[url=http://www.4players.de/4players.php/spielinfonews/Allgemein/14903/1872973/Napoleons_Campaigns.html]http://www.4players.de/4players.php/spielinfonews/Allgemein/14903/1872973/Napoleons_Campaigns.html[/url]
Als Geschichtsdilettanten fällt eine Beurteilung schwer, persönlich sind mir, der sich mit „Napoleons Campaigns“ am stärksten identifizieren kann, in den Kampagnen zumindest keine Wahnsinns-Fehler oder groben Widersprüche aufgefallen. Es mag gelten: Es sind auch Ageod-Spiele noch immer Spiele, demnach auch so einzuschätzen, und keine Fachrezeptionen historischer Situationen, die einer „was-wäre-gewesen-wenn“-Geschichtsschreibung gleichkämen. Da im Detail, von den aufgearbeiteten Perioden abhängig, die Quellenlage immer kritischer ist, Spieleproduktionsfirmen andererseits keine Geschichtsforschungsfabriken sind, werden einem Fachmann, oder besser in die Thematik involvierten Laien, da oder dort Unzulänglichkeiten in der historischen Genauigkeit bemerkbar sein. Die Problematik spiegelt sich in Geländebedingungen oder Wettersituationen wider: Gelände ändert sich rasch, ohne "Aufzeichnungspflicht": Wälder werden gefällt, oder wachsen, da sich die Art des Brenn- und Baustoffbedarfs im Laufe der Zeit änderte, oder wo fanden "in der Pampa" in der Vorsatellitenzeit detaillierte Wetteraufzeichnungen zur gegenwärtigen Recherche statt? Wetter ändert sich rascher als Gelände und sowohl bei Austerlitz spielte es im Kalkül Napoleons (vormittäglicher Nebel), als auch bei Waterloo im Kalkül Wellingtons eine große Rolle (starke Niederschläge in der Nacht davor, resultierend in verschlammten Hügelhängen). Schlachtberichte von Augenzeugen (sofern vorhanden) sind extrem partikularistisch und immer sehr subjektiv. Und dann ist immer die begrenzte Zeit der Schlacht im Augenmerk, nicht die des Feldzugs, der in den Ageod-Spielen durchgeführt wird (eine bemerkenswerte Ausnahme ist der Bericht Clausewitz's über den russischen Feldzug 1812, bietet natürlich auch keine statistische Wetterbeurteilung, die gerade für Feldzüge nicht unwesentlich ist, imho. Aber in jahreszeitlicher Hinsicht versucht man allgemein einem natürlichen Verschleiß bei Ageod gerecht zu werden, wie realistisch der ist, läßt sich meiner Ansicht nach nicht mehr beurteilen, da eine Hochrechnung von "Nachstellungen" experimenteller Historiker auf die Truppenkörper der damaligen Größe kaum zulässig ist). Ziemlich präzise, da (natürlich auch nicht immer) überprüfbar (etwa durch Stabsberichte), ist die jeweilige Ordre de Bataille der Truppenkörper, sodaß für die Befehlsketten, Truppenstärken, Gefechtsgliederung eine gewisse Gewährleistung besteht. Es ist also alles, wie einst ein österreichischer Philosoph zu sinnieren pflegte, sehr kompliziert...
Grundsätzlich denke und meine ich, daß die Ageod-Spiele in den vielen Jahren, wo ich selbst schwerpunktmäßig historische Konfliktsimulationen spiele, das geschichtlich Präziseste an derzeit erhältlichen (rundenbasierten Strategie-) Spielen ist.
Ähnliches historisch Hochwertiges, heutzutage vielleicht weder von AI noch von der Graphik nicht mehr wirklich en vogue, waren: „Waterloo – Napoleon's Last Battle“ (Breakaway/Strategy First) und „Austerlitz – Napoleon's Greatest Victory“ (Breakaway/Shrapnel), beide gleichermaßen strategisch und taktisch orientiert (real time). Diese Spiele sind (für mich!!!) auch heute noch eine echte Herausforderung und bieten mir eine schlicht Begeisterung weckende Faszination.
In diese Richtung (spezialisiert auf die Phasen einer speziellen Schlacht, mit taktischem Schwerpunkt und strategischer Orientierung), mit einer unglaublich eigenständig agierenden AI, kenne ich derzeit „Scourge of War – Gettysburg“ (worauf mich der Edle monty hier gebracht hat, hiermit auch gleich mein Dank an ihn: [url=http://www.si-games.com/forum/showthread.php?p=626357#post626357]http://www.si-games.com/forum/showthread.php?p=626357#post626357[/url] ), mit einer äußerst respektablen Graphik, allerdings nicht ganz billig der Spaß (real time). Dieses Spiel nenne ich erst seit Kurzem mein eigen und ich habe längst noch nicht alle Tiefen ausgelotet.
Und natürlich das chef-oeuvre von Total War: „Napoleon“, das sich sicher um sehr um historische Authentizität bemüht, allerdings in der AI etwas „flach“ wirkt und bald seiner Ausreizung entgegensteuert, wie bereits in den älteren Titeln (so schön sie anzuschauen waren, ich spielte wirklich alle sehr gerne, von „Shogun“ weg). Die Graphik ist jedoch (wie immer, wie bisher) sensationell augenerschlagend (ebenfalls real time).
Naja, ich kenne bei weitem nicht alle Spiele (weder der Gegenwart, noch der Vergangenheit, allerdings ähneln/ähnelten sich viele derart, daß Unterschiede bestenfalls esoterisch wahrnehmbar sind/waren), ich bemühte mich nur die - für mich - eigenständigst erkennbaren Werke anzuführen, aber wenn man der Zufälligkeit des Ablaufs von Geschichte gewahr wird, so sollte man in Spielbelangen mehr auf den Spaß achten, als auf Fakten, die genausogut anders waren, oder doch hätten sein können (ich liebe deshalb aus diesem Grunde diese geradezu atavistischen „Panzer General“-Spiele, samt Klonen und andere Runden-Hexameter-Spiele).
Entschuldigt die lange, doch sehr persönlich gehaltene Beantwortung (sofern es denn überhaupt eine ist).