von Stupor Mundi » Mi 29.08.2012, 17:52
Im 15. Jahrhundert, 6 Uhr abends im Schloss über Palermo
Es war ein ungewöhnlich kühler Sommerabend, doch dem König standen Schweißperlen auf der Stirn. Kaum hatte er das Siegel des Schreibens, welches der Bote ihm soeben überbrachte, erbrochen, war er nahe dran, dies auch an sich selbst zu verüben. Schwer sank er in seinen Thron und ließ sich einen Becher kühlen Weines reichen. Während der edle Rebsaft seinem Gaumen belebende Frische bereitete und beim Abgang durch die Kehle seinem Herrn die Lebenskraft zurückgab, winkte dieser schon nach seinem Berater. Storte Becchi trat heran:
„Was wünscht Ihr, Eure Majestät?“
„Lest dies. Es ist eine Kriegserklärung aus der Kurie. Nun sind die alten Geister doch wieder hervorgebrochen. Wir wähnten die Händel Friedrichs ein für allemal gebannt, doch nun haben sie uns eingeholt. Schwere Zeiten stehen uns bevor. Nicht lange, und die Spießgesellen Seiner Heiterkeit werden nachziehen. Allein die Schlüsselarmee ist der Unseren ums dreifache überlegen. Zudem steht das Gros der Truppen in Ägypten, wo sie einen Kreuzzug gegen die Heiden führen.“
„Mein Herr und König, verzaget nicht! Es wird immer einen Ausweg geben. Lasst mich folgende Schritte empfehlen: Zunächst werden alle Truppen aus Afrika abgezogen. Mit den Mameluken schließen wir Frieden. Auch wenn wir bisher alle Schlachten gewonnen haben, so haben wir noch keine Feste genommen. Selbst eine kleine Tributzahlung können wir uns erlauben. Wenn das nicht hilft, sitzen wir den Krieg aus. Offensivpotential haben die Heiden nicht. Auch geben wir das Festland auf. Die Heere werden auf die Inseln verschifft. Von dort aus können sie über See angreifen. Von Genua holen wir uns Sardinien. Auf diese Insel habt Ihr seit Jahren berechtigte Erbansprüche, und die Seemacht muss bestraft werden für ihre Dreistigkeit, sich gegen uns zu verschwören. Das Herr wird alsdann geteilt: Entsendet Euren General Mengardo Alcamo nach Sardinien mit einem kleinen Heer. Den Feind lassen wir bis an den südlichsten Zipfel Apuliens vordringen. Dann landet Ihr mit dem Gros der Truppen in seinem Rücken, schneidet ihm den Fluchtweg ab und lasst ihn aushungern. Die Flotte wird derweil die Küsten sichern, damit der Feind nicht dasselbe mit uns machen kann.“
„Der Plan klingt abenteuerlich, aber genial. So wird es gemacht. Auch wenn der Krieg lange und teuer wird, wir werden ihn gewinnen. Die Verräter sollen es büßen. Zur Strafe werden Wir Uns ganz Mittelitalien unter den Nagel reißen. Ihr reist sofort nach Afrika ab und kümmert Euch um Heimkehr der Truppen sowie Friedensschluss. Kehrt dann unverzüglich hierher zurück, die Heimat braucht Euch!“
„Mein König, ich werde meine Pflicht tun und Euch nicht enttäuschen.“
Nach diesen Worten verbeugte Er sich ehrfürchtig vor seinem Herrn. Noch zur selben Stunde mietete er ein Boot im Hafen, nicht ohne zuvor am Strand zu verweilen. Er betrachtete den Hafen, die Stadt, die Insel, und verfiel in sentimentale Gedanken:
„O mein Palermo, geliebte Heimaterde!“
Ferruccio Furlanetto - O patria... o tu, Palermo - YouTube
Doch dann raufte er sich zusammen, bestieg das Boot und setzte Kurs zu seinem fernen Ziel.
[b][size=100]Im 15. Jahrhundert, 6 Uhr abends im Schloss über Palermo[/size][/b]
Es war ein ungewöhnlich kühler Sommerabend, doch dem König standen Schweißperlen auf der Stirn. Kaum hatte er das Siegel des Schreibens, welches der Bote ihm soeben überbrachte, erbrochen, war er nahe dran, dies auch an sich selbst zu verüben. Schwer sank er in seinen Thron und ließ sich einen Becher kühlen Weines reichen. Während der edle Rebsaft seinem Gaumen belebende Frische bereitete und beim Abgang durch die Kehle seinem Herrn die Lebenskraft zurückgab, winkte dieser schon nach seinem Berater. Storte Becchi trat heran:
„Was wünscht Ihr, Eure Majestät?“
„Lest dies. Es ist eine Kriegserklärung aus der Kurie. Nun sind die alten Geister doch wieder hervorgebrochen. Wir wähnten die Händel Friedrichs ein für allemal gebannt, doch nun haben sie uns eingeholt. Schwere Zeiten stehen uns bevor. Nicht lange, und die Spießgesellen Seiner Heiterkeit werden nachziehen. Allein die Schlüsselarmee ist der Unseren ums dreifache überlegen. Zudem steht das Gros der Truppen in Ägypten, wo sie einen Kreuzzug gegen die Heiden führen.“
„Mein Herr und König, verzaget nicht! Es wird immer einen Ausweg geben. Lasst mich folgende Schritte empfehlen: Zunächst werden alle Truppen aus Afrika abgezogen. Mit den Mameluken schließen wir Frieden. Auch wenn wir bisher alle Schlachten gewonnen haben, so haben wir noch keine Feste genommen. Selbst eine kleine Tributzahlung können wir uns erlauben. Wenn das nicht hilft, sitzen wir den Krieg aus. Offensivpotential haben die Heiden nicht. Auch geben wir das Festland auf. Die Heere werden auf die Inseln verschifft. Von dort aus können sie über See angreifen. Von Genua holen wir uns Sardinien. Auf diese Insel habt Ihr seit Jahren berechtigte Erbansprüche, und die Seemacht muss bestraft werden für ihre Dreistigkeit, sich gegen uns zu verschwören. Das Herr wird alsdann geteilt: Entsendet Euren General Mengardo Alcamo nach Sardinien mit einem kleinen Heer. Den Feind lassen wir bis an den südlichsten Zipfel Apuliens vordringen. Dann landet Ihr mit dem Gros der Truppen in seinem Rücken, schneidet ihm den Fluchtweg ab und lasst ihn aushungern. Die Flotte wird derweil die Küsten sichern, damit der Feind nicht dasselbe mit uns machen kann.“
„Der Plan klingt abenteuerlich, aber genial. So wird es gemacht. Auch wenn der Krieg lange und teuer wird, wir werden ihn gewinnen. Die Verräter sollen es büßen. Zur Strafe werden Wir Uns ganz Mittelitalien unter den Nagel reißen. Ihr reist sofort nach Afrika ab und kümmert Euch um Heimkehr der Truppen sowie Friedensschluss. Kehrt dann unverzüglich hierher zurück, die Heimat braucht Euch!“
„Mein König, ich werde meine Pflicht tun und Euch nicht enttäuschen.“
Nach diesen Worten verbeugte Er sich ehrfürchtig vor seinem Herrn. Noch zur selben Stunde mietete er ein Boot im Hafen, nicht ohne zuvor am Strand zu verweilen. Er betrachtete den Hafen, die Stadt, die Insel, und verfiel in sentimentale Gedanken:
„O mein Palermo, geliebte Heimaterde!“
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Doch dann raufte er sich zusammen, bestieg das Boot und setzte Kurs zu seinem fernen Ziel.