von Hesse » Mo 27.11.2006, 18:39
In der Redaktion des Berliner Volksblattes war man sehr zufrieden, mit der Anerkennung der journalistischen Tätigkeit durch allerhöchste österreichische Stellen.
Zugleich faste man schnell den Entschluß, die Chance auf ein Exklusivinterview nicht verstreichen zu lassen.
Aus der Chefredaktion schrie Chefredakteur von Streicher: "Aaaaalfred! Verflucht, wo steckt der Kerl! AAAAAAllfred! Ich bringe den Hund um, jedesmal ist er nicht da, wenn man ihn braucht." Dabei kaute der leicht cholerische von Streicher auf einem Zigarrenstummel. Sein Puls schien regelmäßig zu Redaktionsschluß wahrlich zu explodieren, was eine kleine pochende Ader auf der Stirn und sein hochroter Kopf ankündigten. Neuerding genoß man in der Redaktion auch jede Menge besten südamerikanischen Kaffee, was neuerding für noch größere Hektik sorgte. Gerade die Hetzkampagnen aus Russland brachte regelmäßig den Chefredakteur von Streicher zur Weißglut, nur noch übertroffen von verspätet eingereichten Artikeln oder Fotos.
Alfred, ein in Wien groß gewordener Lebemann, hatte einen Hang zu sämtlicher Art von Vergnügen und ein natürliches Talent für einen guten Artikel. Eigentlich hatte er schon zu Schulzeiten mehr durch Abwesenheit geglänzt, war den jungen Mädchen nachgestiegen und hatte sonst nichts ausgelassen, was ihn in Schwierigkeiten brachte. Aber dennoch war er ein geborener Schreiber und hatte ein Gespür für einen guten Artikel. Sein Wiener Charme, ebenso wie sein galantes Auftreten, zu erwähnen gilt, daß er mehr Geld in seine Anzüge und Hüte steckte, als in etwa seine Unterkunft, halfen ihm oft, die richtigen Türen zu öffnen. von Streicher hatte Alfred entdeckt, als der junge Mann auf dem Pariser Platz versuchte ein paar Gedichte zu verkaufen. Damals versuchte Alfred als Poet den großen Durchbruch zu schaffen, vor allem hatte er es aber auf Liebesabenteuer abgesehen. Welche Frau konnte einem armen Poeten wiederstehen, der die ganze Last der Welt durch ein paar Worte ausdrücken konnte? Zumindest war es bis dato Alfreds erfolgreichste Masche. Selbst eine nahe Verwandte der kaiserlichen Familie rühmte sich Alfred einmal mit einer schwülztigen Ballade gewonnen zu haben. In Wahrheit dürfte es vielleicht das Hausmädchen eines Industriellen gewesen sein, aber auch das gehörte zu Alfred. Etwas Geheimnisvolles verlieh jedem Poeten oder Journalisten eine gewisse Aura.
Als damals von Streicher nun Alfred auf dem Pariser Platz aufgelesen hatte, die Berliner Volkszeitung erreichte gerade neue Auflagsrekorde und gute Schreiber waren selten, engagierte von Streicher den Lebemann als freien Mitarbeiter. Und Alfred hatte gerade nichts besseres zu tun. Es hatte sich von da an gezeigt, daß Alfreds hang zum Nachtleben gleichzeitig viele Quellen erschloß, die immer einen guten Artikel lieferten. Die Wörter auf das Papier zu bringen waren dann für den talentierten Alfred nur noch ein Klacks. Es zeigte sich, daß er als Journalist ein noch interessanteres Leben führte. Zwar war daher auf Alfred verlaß, aber man brauchte einfach starke Nerven, war er doch meist der letzte, der kurz vor Redaktionsschluß noch einen Artikel ablieferte. Und das war für das sensible Nevenkostüm von Streichers oft zuviel.
Nach weiteren Rufen trotte Alfred in das Büro des Redakteurs, ließ sich lässig in den Stuhl vor dem Schreibtisch fallen, legte die Füße auf den Tisch, schob seinen Hut ins Gesicht und raunte: "Was gibt es, Chef?"
Von Streicher kochte. Zwar war er dieses unverschämte Auftreten Alfreds gewöhnt, aber es war immer wieder zuviel für ihn. Nach einer Standpauke über Manieren, beruhigte sich von Streicher und warf mißmutig den Brief aus dem österreichischen Außenministerium zu Alfred. "Hier, lies das. Du fährst nach Wien. Ich brauche da jemanden, der mit dem Wiener Schmäh zurecht kommt und dem Kaiser auf die Finger klopft. Äußerste Diskretion und reiß Dich zusammen! Versaue mir das hier nicht. Wenn das ein guter Artikel wird, dann gibt es vielleicht mal einen Orden oder eine Beförderung. Ich bin seit 10 Jahren nur Leutnant der Reserve! Ich will es wenigstens nochmal zum Hauptmann bringen, wie mein Vater, Gott habe ihn selig.", grunzte von Streicher.
"Das ist doch keine Sache, Chef. Kennst mich ja. Wenn ich mache, dann richtig! Spesen werden ja getrennt abgerechnet?", grinste Alfred. "RAUS!", brüllte von Streicher und bekam wieder einen Wutanfall.
Alfred schlenderte aus der Redaktion und begab sich zum Bahnhof. Er liebte Wien, seine alte Heimat. Leichte Frauen und besonders der Charme, den ein verkappter Poet wie er dort richtig einsetzen konnte. Das würde eine schöne Reise, dachter er sich und stieg in eine Mietkutsche.
[font=Book Antiqua]In der Redaktion des Berliner Volksblattes war man sehr zufrieden, mit der Anerkennung der journalistischen Tätigkeit durch allerhöchste österreichische Stellen.
Zugleich faste man schnell den Entschluß, die Chance auf ein Exklusivinterview nicht verstreichen zu lassen.
Aus der Chefredaktion schrie Chefredakteur von Streicher: [i]"Aaaaalfred! Verflucht, wo steckt der Kerl! AAAAAAllfred! Ich bringe den Hund um, jedesmal ist er nicht da, wenn man ihn braucht."[/i] Dabei kaute der leicht cholerische von Streicher auf einem Zigarrenstummel. Sein Puls schien regelmäßig zu Redaktionsschluß wahrlich zu explodieren, was eine kleine pochende Ader auf der Stirn und sein hochroter Kopf ankündigten. Neuerding genoß man in der Redaktion auch jede Menge besten südamerikanischen Kaffee, was neuerding für noch größere Hektik sorgte. Gerade die Hetzkampagnen aus Russland brachte regelmäßig den Chefredakteur von Streicher zur Weißglut, nur noch übertroffen von verspätet eingereichten Artikeln oder Fotos.
Alfred, ein in Wien groß gewordener Lebemann, hatte einen Hang zu sämtlicher Art von Vergnügen und ein natürliches Talent für einen guten Artikel. Eigentlich hatte er schon zu Schulzeiten mehr durch Abwesenheit geglänzt, war den jungen Mädchen nachgestiegen und hatte sonst nichts ausgelassen, was ihn in Schwierigkeiten brachte. Aber dennoch war er ein geborener Schreiber und hatte ein Gespür für einen guten Artikel. Sein Wiener Charme, ebenso wie sein galantes Auftreten, zu erwähnen gilt, daß er mehr Geld in seine Anzüge und Hüte steckte, als in etwa seine Unterkunft, halfen ihm oft, die richtigen Türen zu öffnen. von Streicher hatte Alfred entdeckt, als der junge Mann auf dem Pariser Platz versuchte ein paar Gedichte zu verkaufen. Damals versuchte Alfred als Poet den großen Durchbruch zu schaffen, vor allem hatte er es aber auf Liebesabenteuer abgesehen. Welche Frau konnte einem armen Poeten wiederstehen, der die ganze Last der Welt durch ein paar Worte ausdrücken konnte? Zumindest war es bis dato Alfreds erfolgreichste Masche. Selbst eine nahe Verwandte der kaiserlichen Familie rühmte sich Alfred einmal mit einer schwülztigen Ballade gewonnen zu haben. In Wahrheit dürfte es vielleicht das Hausmädchen eines Industriellen gewesen sein, aber auch das gehörte zu Alfred. Etwas Geheimnisvolles verlieh jedem Poeten oder Journalisten eine gewisse Aura.
Als damals von Streicher nun Alfred auf dem Pariser Platz aufgelesen hatte, die Berliner Volkszeitung erreichte gerade neue Auflagsrekorde und gute Schreiber waren selten, engagierte von Streicher den Lebemann als freien Mitarbeiter. Und Alfred hatte gerade nichts besseres zu tun. Es hatte sich von da an gezeigt, daß Alfreds hang zum Nachtleben gleichzeitig viele Quellen erschloß, die immer einen guten Artikel lieferten. Die Wörter auf das Papier zu bringen waren dann für den talentierten Alfred nur noch ein Klacks. Es zeigte sich, daß er als Journalist ein noch interessanteres Leben führte. Zwar war daher auf Alfred verlaß, aber man brauchte einfach starke Nerven, war er doch meist der letzte, der kurz vor Redaktionsschluß noch einen Artikel ablieferte. Und das war für das sensible Nevenkostüm von Streichers oft zuviel.
Nach weiteren Rufen trotte Alfred in das Büro des Redakteurs, ließ sich lässig in den Stuhl vor dem Schreibtisch fallen, legte die Füße auf den Tisch, schob seinen Hut ins Gesicht und raunte:[i] "Was gibt es, Chef?" [/i]
Von Streicher kochte. Zwar war er dieses unverschämte Auftreten Alfreds gewöhnt, aber es war immer wieder zuviel für ihn. Nach einer Standpauke über Manieren, beruhigte sich von Streicher und warf mißmutig den Brief aus dem österreichischen Außenministerium zu Alfred.[i] "Hier, lies das. Du fährst nach Wien. Ich brauche da jemanden, der mit dem Wiener Schmäh zurecht kommt und dem Kaiser auf die Finger klopft. Äußerste Diskretion und reiß Dich zusammen! Versaue mir das hier nicht. Wenn das ein guter Artikel wird, dann gibt es vielleicht mal einen Orden oder eine Beförderung. Ich bin seit 10 Jahren nur Leutnant der Reserve! Ich will es wenigstens nochmal zum Hauptmann bringen, wie mein Vater, Gott habe ihn selig."[/i], grunzte von Streicher.
[i]"Das ist doch keine Sache, Chef. Kennst mich ja. Wenn ich mache, dann richtig! Spesen werden ja getrennt abgerechnet?"[/i], grinste Alfred. [i]"RAUS!"[/i], brüllte von Streicher und bekam wieder einen Wutanfall.
Alfred schlenderte aus der Redaktion und begab sich zum Bahnhof. Er liebte Wien, seine alte Heimat. Leichte Frauen und besonders der Charme, den ein verkappter Poet wie er dort richtig einsetzen konnte. Das würde eine schöne Reise, dachter er sich und stieg in eine Mietkutsche.[/font]