von Heinrich Heine » Di 15.08.2006, 08:49
Komm lieber Mai und mache,
die Bäume wieder grün
und lasset uns am Bache
....
Karl, des Kaisers Leopold jüngerer Sohn, nicht thronberechtigt in Wien, bestimmt dennoch nicht unwesentlich die Ereignisse in Europa mit. So ist der Bruder des Kronprinzen Joseph doch auserkoren als Gegenkandidat zum Enkel des Franzosen-Louis die Geschicke Spaniens in die HAnd zu nehmen.
Im Moment ist er aber ein König von Spanien ohne Reich und so vergnügt er sich mehr schlecht als recht in der Hofburg und geht derweilen Vater und Bruder mächtig auf die Nerven, die ihn lieber sofort nach Madrid schicken würden.
Karl ist nicht dumm, aber unter vorgehaltenener Hand bezweifelt man schon lange seine Eignung als Regent. Es gibt da aber noch ein weiteres Problem, Kronprinz Joseph hat mit Ausbruch des Krieges geschworen, erst dann sich um Nachwuchs zu kümmern, wenn der Krieg vorbei ist. Er will kein Kriegskind. Doch diese Gefahr die er dem Reich damit aussetzt ist ihm in seinem jugendlichen Leichtsinn wohl nicht bewußt. Er ist ständig mit Prinz Eugen an der Front und setzt sich große Gefahren, sehr zum Leidwesen der daheimgebliebenen Gemahlin und des Kaisers, aus. Wenn er sich mal da nicht überschätzt....
Aber das ist gar nicht der Grund warum Karl für kurze Zeit seine Vergnügungen vergißt. Als designierter König von Spanien hat er eine Verantwortung gegenüber den verblichenen verwandtschaftlichen Ahnen auf der iberischen Halbinsel. Und so werden immer wieder Gesandte in Wien vorgelassen, die zu ihm wollen und nicht zum Kaiser. Zu ihm, dem Gegenkönig von Philipp.
Nicht immer sind die Gesandten ehrbar, es sind durchaus Lumpen und zwielichtige Gestalten darunter, aber wer die Macht erobern und festhalten will, muß für alle Seiten offen sein. Außerdem erfährt er dadurch aus erster Hand wichtige Informationen über die spanischen Zustände.
Sein Schattenkabinett besteht zwar nur aus zwei Personen, aber wenigstens eine ist loyal zum König Philipp und so gibt es auch in Wien durchaus wichtige Informationen, die man in Madrid eigentlich verheimlichen will.
So steht also wieder ein fein gepuderter und stolzer Spanier vor Karl und beginnt sein Bericht:
"Eure Hoheit, wir organisieren den Widerstand im spanischen Untergrund gegen den unbeliebten Philipp, aber es fehhlt einfach an Geld. Die Basken und Andalusier verfügen über Hitzköpfe, aber ohne Geld ...."
Karl senkt die Augen was Cyran de Bergerac nur zu gut deuten kann. Seitens seiner Familie ist kein weiterer Zuschuß zu erwarten, jetzt stehen Polen und die Rebellen in Ungarn um Rakoczy im Vordergrund. Also hob er nach einer Pause erneut an.
"Viele spanische Adelsgeschlechter, die ihre Loyalität zu euch und Habsburg öffentlich bekundeten, wurden verhaftet. Was jedoch Besorgnis erregt ist, das das spanische Volk teilnahmslos diesen Affront gegen die eigenen Fürsten hinnimmt. Auch die Steuererhöhungen werden still geduldet. Die unter französischer Flagge aktiven Militäteintreiber machen vor nichts und niemanden Halt. Spanien gleicht einem einzigen Feldlager...."
Karl antwortet mit Stirnrunzeln über die neuste Entwicklung
"Aber es gibt auch positive Meldungen. Die Schiffe aus Übersee liegen immer noch fest. Das so stark benötigte Gold aus den Kolonien wird auch weiter, solange der spanische Thron vakant ist, nicht nach Europa weitergeleitet. Es ist eine Tragikomödie, daß dieses euch rechtmäßig zustehende Gold nicht verfügbar ist. Aber Gott sei Dank eben auch nicht für Louis Enkel in Madrid. Wie lauten eure Befehle?"
Karl versank in langes Nachdenken, aber bevor sein Gegenüber Zweifel an der Entscheidungsschnelligkeit anmelden konnte hob er an.
"Nun, ich werde meine Vertrauten an den europäischen Höfen anschreiben und versuchen an weiteres Geld bezw. Kredite zu kommen. Versprechen kann ich nichts, ihr wißt, jeder ist in diesen düsteren Tagen auf sich allein gestellt. Nehmt Kontakt zur Heiligen Inquisation auf und versucht dort ein paar einflußreiche Personen zu finden, die auf die Gotteslästerung und den Niedergang der spanischen Monarchie seit Philipp hinweisen. Bringt mir Beweise, egal wie ihr diese besorgt, die davon zeugen, das Philipp sich selbst sein Grab schaufelt. Und vor allem..."
Karl winkt den Gesandten zu sich und flüstert ihm etwas ins Ohr um dann mit einem Stoßseufzer die Audienz zu beenden.
"... ach, es ist schon seltsam wie sich die Fürsten die Köpfe einschlagen. Ich bin sehr in Sorge ob des Gleichgewichtes der Dynastien. Da wird im Norden Schweden gerupft und keiner unternimmt etwas. Da werden im HRRDN neue Grenzen gezogen und kleinere Fürstentümer verschwinden von der Bildfläche, die eine große Vergangenheit hatten. - Hmmh, unsereins versteht den Franzosen nicht, er kämpft zwar in Italien und am Rhein, aber den Machtzuwachs von Dänemark und Rußland auf Kosten Schwedens nimmt er genauso hin, wie einige andere Herrscher. Doch Schweden war doch immer ein treuer Kamerad von Frankreich?? Hier muß man sich fragen, ob der Rheinkrieg wichtiger ist als eine langfristige Stärkung Rußlands. Was, wenn der Krieg der Habsburger gegen Sachsen-Polen, eine polnische Teilung als Ergebnis hat? Wenn Polen ebenso aus dem Kreis der Großmächte ausscheidet und Brandenburg, Österreich sowieso und Rußland nach reiflicher Überlegung, sich schadlos an polnische Gebiete halten?
Was meinen die Engländer und Niederländer dazu, denn dies hat auch wirtschaftliche und handelstypische Auswirkungen. Aber ich will euch nicht aufhalten."
Cyran de Bergerac zieht seinen Hut und verläßt den Raum, Karl verweilt in Gedanken versunken einige Augenblicke um schließlich einen Luftzug am Fensterstore zu bemerken und auszurufen
"Komm meine kleine Gespielin und tröste mich über die Last der Regierung hinweg. Euer Wunsch einmal dabei zu sein bei einem Gespräch habe ich nun erfüllt, jetzt erfüllt im Gegenzug meine Wünsche."
So mochte sie ihn, trotz der melancholischen ernsten Seite wenn er regieren muß, blieb er privat doch immer noch ein Jüngling der einfach nicht erwachsen werden will.
Beide verschwanden scherzend und ritten wenig später aus.
Nachdenklich sah eine weitere Person den beiden hinterher....
Komm lieber Mai und mache,
die Bäume wieder grün
und lasset uns am Bache
....
Karl, des Kaisers Leopold jüngerer Sohn, nicht thronberechtigt in Wien, bestimmt dennoch nicht unwesentlich die Ereignisse in Europa mit. So ist der Bruder des Kronprinzen Joseph doch auserkoren als Gegenkandidat zum Enkel des Franzosen-Louis die Geschicke Spaniens in die HAnd zu nehmen.
Im Moment ist er aber ein König von Spanien ohne Reich und so vergnügt er sich mehr schlecht als recht in der Hofburg und geht derweilen Vater und Bruder mächtig auf die Nerven, die ihn lieber sofort nach Madrid schicken würden.
Karl ist nicht dumm, aber unter vorgehaltenener Hand bezweifelt man schon lange seine Eignung als Regent. Es gibt da aber noch ein weiteres Problem, Kronprinz Joseph hat mit Ausbruch des Krieges geschworen, erst dann sich um Nachwuchs zu kümmern, wenn der Krieg vorbei ist. Er will kein Kriegskind. Doch diese Gefahr die er dem Reich damit aussetzt ist ihm in seinem jugendlichen Leichtsinn wohl nicht bewußt. Er ist ständig mit Prinz Eugen an der Front und setzt sich große Gefahren, sehr zum Leidwesen der daheimgebliebenen Gemahlin und des Kaisers, aus. Wenn er sich mal da nicht überschätzt....
Aber das ist gar nicht der Grund warum Karl für kurze Zeit seine Vergnügungen vergißt. Als designierter König von Spanien hat er eine Verantwortung gegenüber den verblichenen verwandtschaftlichen Ahnen auf der iberischen Halbinsel. Und so werden immer wieder Gesandte in Wien vorgelassen, die zu ihm wollen und nicht zum Kaiser. Zu ihm, dem Gegenkönig von Philipp.
Nicht immer sind die Gesandten ehrbar, es sind durchaus Lumpen und zwielichtige Gestalten darunter, aber wer die Macht erobern und festhalten will, muß für alle Seiten offen sein. Außerdem erfährt er dadurch aus erster Hand wichtige Informationen über die spanischen Zustände.
Sein Schattenkabinett besteht zwar nur aus zwei Personen, aber wenigstens eine ist loyal zum König Philipp und so gibt es auch in Wien durchaus wichtige Informationen, die man in Madrid eigentlich verheimlichen will.
So steht also wieder ein fein gepuderter und stolzer Spanier vor Karl und beginnt sein Bericht:
"Eure Hoheit, wir organisieren den Widerstand im spanischen Untergrund gegen den unbeliebten Philipp, aber es fehhlt einfach an Geld. Die Basken und Andalusier verfügen über Hitzköpfe, aber ohne Geld ...."
Karl senkt die Augen was Cyran de Bergerac nur zu gut deuten kann. Seitens seiner Familie ist kein weiterer Zuschuß zu erwarten, jetzt stehen Polen und die Rebellen in Ungarn um Rakoczy im Vordergrund. Also hob er nach einer Pause erneut an.
"Viele spanische Adelsgeschlechter, die ihre Loyalität zu euch und Habsburg öffentlich bekundeten, wurden verhaftet. Was jedoch Besorgnis erregt ist, das das spanische Volk teilnahmslos diesen Affront gegen die eigenen Fürsten hinnimmt. Auch die Steuererhöhungen werden still geduldet. Die unter französischer Flagge aktiven Militäteintreiber machen vor nichts und niemanden Halt. Spanien gleicht einem einzigen Feldlager...."
Karl antwortet mit Stirnrunzeln über die neuste Entwicklung
"Aber es gibt auch positive Meldungen. Die Schiffe aus Übersee liegen immer noch fest. Das so stark benötigte Gold aus den Kolonien wird auch weiter, solange der spanische Thron vakant ist, nicht nach Europa weitergeleitet. Es ist eine Tragikomödie, daß dieses euch rechtmäßig zustehende Gold nicht verfügbar ist. Aber Gott sei Dank eben auch nicht für Louis Enkel in Madrid. Wie lauten eure Befehle?"
Karl versank in langes Nachdenken, aber bevor sein Gegenüber Zweifel an der Entscheidungsschnelligkeit anmelden konnte hob er an.
"Nun, ich werde meine Vertrauten an den europäischen Höfen anschreiben und versuchen an weiteres Geld bezw. Kredite zu kommen. Versprechen kann ich nichts, ihr wißt, jeder ist in diesen düsteren Tagen auf sich allein gestellt. Nehmt Kontakt zur Heiligen Inquisation auf und versucht dort ein paar einflußreiche Personen zu finden, die auf die Gotteslästerung und den Niedergang der spanischen Monarchie seit Philipp hinweisen. Bringt mir Beweise, egal wie ihr diese besorgt, die davon zeugen, das Philipp sich selbst sein Grab schaufelt. Und vor allem..."
Karl winkt den Gesandten zu sich und flüstert ihm etwas ins Ohr um dann mit einem Stoßseufzer die Audienz zu beenden.
"... ach, es ist schon seltsam wie sich die Fürsten die Köpfe einschlagen. Ich bin sehr in Sorge ob des Gleichgewichtes der Dynastien. Da wird im Norden Schweden gerupft und keiner unternimmt etwas. Da werden im HRRDN neue Grenzen gezogen und kleinere Fürstentümer verschwinden von der Bildfläche, die eine große Vergangenheit hatten. - Hmmh, unsereins versteht den Franzosen nicht, er kämpft zwar in Italien und am Rhein, aber den Machtzuwachs von Dänemark und Rußland auf Kosten Schwedens nimmt er genauso hin, wie einige andere Herrscher. Doch Schweden war doch immer ein treuer Kamerad von Frankreich?? Hier muß man sich fragen, ob der Rheinkrieg wichtiger ist als eine langfristige Stärkung Rußlands. Was, wenn der Krieg der Habsburger gegen Sachsen-Polen, eine polnische Teilung als Ergebnis hat? Wenn Polen ebenso aus dem Kreis der Großmächte ausscheidet und Brandenburg, Österreich sowieso und Rußland nach reiflicher Überlegung, sich schadlos an polnische Gebiete halten?
Was meinen die Engländer und Niederländer dazu, denn dies hat auch wirtschaftliche und handelstypische Auswirkungen. Aber ich will euch nicht aufhalten."
Cyran de Bergerac zieht seinen Hut und verläßt den Raum, Karl verweilt in Gedanken versunken einige Augenblicke um schließlich einen Luftzug am Fensterstore zu bemerken und auszurufen
"Komm meine kleine Gespielin und tröste mich über die Last der Regierung hinweg. Euer Wunsch einmal dabei zu sein bei einem Gespräch habe ich nun erfüllt, jetzt erfüllt im Gegenzug meine Wünsche."
So mochte sie ihn, trotz der melancholischen ernsten Seite wenn er regieren muß, blieb er privat doch immer noch ein Jüngling der einfach nicht erwachsen werden will.
Beide verschwanden scherzend und ritten wenig später aus.
Nachdenklich sah eine weitere Person den beiden hinterher....